Lehreinheit 1 Gegenstandsbestimmung, Abgrenzung,
Definitionen, Ziele, Rahmenbedingungen,
wissenschaftstheoretische Grundlagen
1.) Einleitung
Gemessene Gren:
-
Intelligenz
Spezifische Begabungen (zb. Musikalitt)
Lernvoraussetzungen
ngstlichkeit
Prfungsangst
Stressverarbeitung
Klassenklima
Generalisierte Erfolgserwartungen (Selbstkonzept)
Lese und Rechtsschreibschwierigkeiten
Verhltnis Pdagogisch-Psychologische Diagnostik und Psychologische
Diagnostik:
-
Gemeinsame historische Wurzel in der Intelligenzmessung
Nach Klauer ist PPD das gleiche wie PD nur in pdagogischen Kontexten
Definition der Psychologischen Diagnostik (PD):
-
Das systematische Sammeln und Aufbereiten von Informationen mit dem
Ziel Entscheidungen und daraus resultierende Handlungen zu begrnden
Entscheidungen basieren auf einem Informationsverarbeitungsprozess
Man gewinnt Charakteristika von Merkmalstrgern( Einzelpersonen,
Personengruppen, Institutionen, Situationen, Gegenstnde)
Hat Prozesscharakter (von der Problemstellung bis zur Urteilsbildung viele
aufeinanderfolgende Schritte)
2.) Rahmenbedigungen Pdagogisch-Psychologischer Diagnostik
Rechtliche Rahmenbedigungen: Lehrer vergeben Noten, Psychologen
erstellen Persnlichkeitstests
Ethische Rahmenbedigungen
Methodische Rahmenbedigungen: Hintergrundwissen und methodische
Kompetenz
3.) Arten, Ziele, Strategien und Modelle der Diagnostik
Modellbegrif:
-
Ist die Abbildung ausgewhlter Aspekte eines realen Sachverhaltes in
einem anderen Medium
Kombination von Zielen und Strategien ist ebenfalls ein diagnostisches
Modell
Zwei Arten von Diagnostik:
-
Institutionelle Diagnostik: In der Schule und im Arbeitsleben
Individuelle Diagnostik: Bereich der klinischen Psychologie und
schulpsychologischen Einzelfallberatung
Ziele der Diagnostik:
Gegenstzliches Zielsetzungspaar: Selektion vs. Modifikation
-
Selektion: geht um das Auswhlen von Personen oder Bedingungen.
Bei der Personenselektion schaut man ob die Person fr gewisse Dinge
geeignet ist ([Link]). Merkmal wird als Grenze festgelegt (wird
diese berschritten ist der Merkmalstrger geeignet) (etwas umstritten,
zb Abiturnote fr Medizinstudium)
Bei der Bedigungsselektion werden erhobene Merkmale dazu
verwendet, fr die Merkmalstrger geeignete Bedingungen
auszuwhlen (zb. Vortest Ergebnisse in einer bungssoftware) (weniger
umstritten)
Bei der Modifikationsdiagnostik versucht man geeignete Manahmen zu
finden um beim Merkmalstrger eine Verhaltensnderung herbei zu fhren.
Verhaltensmodifikation: Ansetzen an der Person
Bedigungsmodifikation: uere Bedingungen
Die Unterschiede bei diesem Gegensatzpaar lassen sich auf die Zielsetzungen
beschrnken.
Modifikationsdiagnostik Frsorge fr den einzelnen Menschen
Selektionsdiagnostik: kalte, anonyme Auswahl aufgrund eines
Kriteriums
Kriterien der Selektionsdiagnostik:
-
Gesellschatlicher Konsens notwendig
Seltene Diagnose reicht aus
Erfassung berdauernder Merkmale
berregionale Vergleichbarkeit
Langfristige Prognose
Geringe Beachtung der Lernbedingungen
Kriterien der Modifikationsdiagnostik:
-
Gruppeninterner Konsens
Hufige Diagnose
Erfassung situationsabhnger Merkmale
Gruppeninterne Vergleichbarkeit
Kurzfristige Prognose
Hohe Beachtung der Lernbedingungen
Fazit: Als Lehrer muss man sich beider Ziele bedienen.
Diagnostische Strategien:
Statusdiagnostik vs Prozessdiagnostik / normorientierte vs kriterienorientierte
Diagnostik
-
Statusdiagnostik: Einmalige Erfassung eines Zustands (hnlich
Selektionsidiagnostik)
Prozessdiagnostik: Diagnostizierung von Vernderungen (hnlich
Modifikationsdiagnostik)
Normorientierte Diagnostik: hier wird ein individuelles Ergebnis mit den
Ergebnissen einer Vergleichsstichprobe verglichen (Abweichung des
Merkmals vom Mittelwert einer Population)
Kriterienorientierte Diagnostik: Vergleich eines individuellen Ergebnisses
mit einem definiertem Kriterium ( Bestehen einer Klausur wenn man die
Hlfte aller Punkte hat)
Modelle der Diagnostik:
Eigenschaftsdiagnostik vs Verhaltensdiagnostik
-
Eigenschaftsdiagnostik: Menschen lassen sich durch eine Reihe von
Eigenschaften charakterisieren. Das Verhalten hat transsituative
Konsistenz. Eigenschaften sind nicht direkt beobachtbar, man muss auf
Indikatoren zurckgreifen. Diese Indikatoren werden meist per Fragebogen
erfasst
Verhaltensdiagnostik: mit Behaviorismus verwandt. Zur Vorhersage
zuknftigen Verhaltens wird vergangenes Verhalten angesehen. Die
wichtigste Methode ist die systematische Beobachtung. Die
Verhaltensdiagnostik wird bei der Therapie von Angststrungen angewandt
(Phobien)
4.) Wissenschatstheoretische Grundlagen (was wird im Rahmen der PPD
gemessen?)
Gren:
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Intelligenz
ngstlichkeit
Motivation
Schulleistung
Gemeinsam haben diese Dinge dass sie nicht direkt beobachtbar und
unterschiedlich ausgeprgt sind
Hypothetisches Konstrukt: Gren, deren Ausprgung etwas Reales zugrunde
liegt. Das Reale ist hier die Naturkomponente. Die Bestndigkeit spielt hierbei
keine Rolle
Intervenierende Variablen: Abgrenzung vom hypothetischen Konstrukt. Hat keine
Naturkomponente, sondern stellen nur zusammengefasste empirische
Beobachtungen dar
Messung von hypothetischen Konstrukten: Man ist auf beobachtbares Verhalten
angewiesen, Verhaltensweisen die die Ausprgung eines Konstruktes anzeigen
nennt man Indikatoren. Indikatoren reichen jedoch nicht gnzlich aus, es bleibt
ein Bedeutungberschuss (surplus meaning)
Problem bei der Messung von Konstrukten: Indikatoren mehrdeutig (zb Lcheln) ,
deshalb muss die Gltigkeit (Validitt) der Indikatoren nachgewiesen werden.
Operationalisierung: Prozess der Zuordnung von Indikatoren zu Konstukten
5.) Der diagnostische Prozess
Ttigkeiten werden als Prozess betrachtet.
Definition: Ablauf von Manahmen, unter Hilfe von diagnostischen Methoden,
sodass fr einen Auftraggeber eine Entscheidungshilfe herbeigefhrt wird
Stationen des DP nach Jger:
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Fragestellung und Przisierung
Hypothesen
Gewinnung diagnostischer Daten
Diagnostische Urteilsbildung
Urteil und Gutachten
Stationen des DP nach Lukesch:
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Problem
Fragestellung
Hypothesenbildung
Methodenauswahl
Hypothesenprfung
Diagnostisches Urteil