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Germ Hesses Steppenwolf

Der Artikel analysiert die Unterschiede zwischen den Rechtschreibwörterbüchern Duden und Wahrig aus dem Jahr 2006 und geht dabei auf die Diskussion um die Rechtschreibreform und die behaupteten 8000 Abweichungen in den Wörterbüchern ein. Eine frühere Studie hat gezeigt, dass es nur wenige tatsächliche Unterschiede gibt, die meisten Angaben stellen nur Varianten dar.

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Germ Hesses Steppenwolf

Der Artikel analysiert die Unterschiede zwischen den Rechtschreibwörterbüchern Duden und Wahrig aus dem Jahr 2006 und geht dabei auf die Diskussion um die Rechtschreibreform und die behaupteten 8000 Abweichungen in den Wörterbüchern ein. Eine frühere Studie hat gezeigt, dass es nur wenige tatsächliche Unterschiede gibt, die meisten Angaben stellen nur Varianten dar.

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TEMESWARER BEITRGE

ZUR GERMANISTIK
Band 6

Gedruckt mit Frderung des


Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar
und
SCA Gilescu & Partenerii CHSH

Der Band einschlielich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschtzt. Jede Verwertung
auerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des MirtonVerlags unzulssig und strafbar. Das gilt insbesondere fr Vervielfltigungen,
bersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in
elektronischen Systemen.
Printed in Romania

ISSN: 1453-7621

MIRTON VERLAG
Timioara, str. Samuil Micu nr. 7
Tel./Fax: 0256-208924; Tel.: 0256-225684
e-mail: [email protected]
www.mirton.ro

TEMESWARER BEITRGE
ZUR GERMANISTIK
Band 6

Mirton Verlag
Temeswar 2008

Herausgeber:
Professor Dr. Roxana Nubert
Redaktion:
M.A. Karin Dittrich
Univ.-Lektorin Dr. Kinga Gll
Dr. Alvina Ivnescu
Univ.-Lektorin Dr. Beate Petra Kory
Dozentin Dr. Marianne Marki
Univ.-Lektorin Dr. Grazziella Predoiu
M.A. Maria Stng
M.A. Gabriela andor
M.A. Mihaela andor
Redaktionsbeirat:
Dr. Herbert Bockel (Passau)
Professor Dr. Ioan Lzrescu (Bukarest)
Professor Dr. Hermann Scheuringer (Wien)
Professor Dr. Karl Stocker (Mnchen)
Erscheinungsweise:
Jedes zweite Jahr
Bezugsbedingungen:
Die Zeitschrift kann am Germanistik-Lehrstuhl der West-Universitt Temeswar bestellt
werden:
Universitatea de Vest Timioara
Catedra de Germanistic
Bd. V. Prvan 4
RO-300223 Timioara
Tel.: 0040/256/592278
E-Mail: [email protected]
Ab 2009 erscheinen die Temeswarer Beitrge zur Germanistik, Bd. 1-6, auf der
Webseite des Germanistik-Lehrstuhls an der West-Universitt Temeswar:
http://www.litere.uvt.ro/lb_germ.htm
Textverarbeitung:
Aufstze, Diskussionsbeitrge und Rezensionen werden an die oben angefhrte
Adresse des Lehrstuhls erbeten.
Manuskripte sollen in elektronischer Form auf Datentrgern oder per E-Mail eingereicht
werden. Wenn Sonderzeichen (auch IPA-Zeichen) oder Abbildungen im Manuskript
vorkommen, sind eine PDF-Datei und die Schriftarten erforderlich. Die
Manuskripthinweise, die bei der Herausgeberin angefordert werden knnen, sind zu
beachten.
Druckvorlagenerstellung:
Ladislau Szalai vom Mirton Verlag Temeswar

Angelika Ionas, zum 60. Geburtstag gewidmet

Inhaltsverzeichnis

Vorwort.................................................................................................................... 9
Zu den Unterschieden zwischen den Rechtschreibwrterbchern Duden
und Wahrig (2006) (Alina Crciunescu, Temeswar) ................................... 11
Zur Grammatikalisierung der doppelten Perfektformen
(Mihaela andor, Temeswar)......................................................................... 29
Allgemeine Bemerkungen zur Problematik der Terminologieangleichung
des Fachwortschatzes in einer Sprache und sein Gegenstck in einer
anderen Sprache (Dana Grosseck, Temeswar) ........................................... 47
Namen in Phraseologismen (Kinga Gll, Temeswar) .......................................... 59
Lexikalische Aspekte des Sprachkontakts: Eine soziolinguistische Studie
der deutschen Einwanderer in Ost-Tennessee, USA
(Raluca M. Negrisanu, Knoxville)................................................................. 75
Wrterbuch der Banater deutschen Mundarten Wortartikelkonzeptionen
seit Ende der 1970er Jahre bis 2002 (Alvina Ivnescu, Temeswar) .......... 89
Zur bersetzung der deutschen Substantivkomposita
(Karla Lupan, Temeswar) .......................................................................... 105
Zur Frage der Lehr- und Lernbarkeit des Genus der deutschen
Substantive (Marianne Marki, Temeswar) .......................................................... 119
Das darstellende Spiel und sein Einsatz im Germanistikunterricht am
Beispiel eines Projekts mit Kronstdter Germanistikstudierenden
(Carmen Elisabeth Puchianu, Kronstadt)..................................................... 135
Sinn und Sinnlichkeit in den Schriften J. M. R. Lenzens
(Anette Horn, Johannesburg)....................................................................... 149
Des Pudels Kern. Werner Heisenbergs biographische Lesarten Goethes
(Bianca Bican, Klausenburg)....................................................................... 169
Zum Phnomen des Auenseitertums am Beispiel des Romans Der
Steppenwolf (Maria Stng, Temeswar) ..................................................... 181
Die Kunst war eine Kinderkrankheit oder: Warum der
Expressionismus sich nicht in Definitionen fgt. Zu Benn und Serner
(Martin A. Hainz, Berlin) ............................................................................ 201

Politischer Mglichkeitssinn ber das Engagement Robert Musils


(Gottfried Schndl, Wien) ........................................................................... 215
Stefan Zweigs Erinnerungen an die Welt der Sicherheit in seiner
Autobiographie Die Welt von Gestern (Karin Dittrich, Temeswar) ......... 233
Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken- Schreibprozesse
bei Elfriede Jelinek (Esther V. Schneider Handschin, Basel).................... 251
Der Kriegsberichterstatter als Vermittler zwischen den Kulturen?
(Kathleen Thorpe, Johannesburg)................................................................ 259
Imagologische Untersuchung zum Konzept des verlorenen Landes
(Sunhild Galter, Herrmanstadt) ................................................................... 271
Im Spannungsfeld zwischen geschichtlicher Realitt und mythischen
Vorstellungen. Zu Adam Mller-Guttenbrunns Roman Der groe
Schwabenzug aus heutiger Sicht (Hans Dama, Wien) .............................. 281
Anstze zur literarischen Moderne im Banat: Franz Xaver Kappus
(Roxana Nubert, Temeswar)........................................................................ 313
Erste Tribne fr deutsche Banater Literatur und Kultur. Vor 100
Jahren erschien die Temeswarer Monatsschrift Von der Heide
(Walter Engel, Dsseldorf) .......................................................................... 337
Oscar Walter Ciseks Novelle Die Tatarin Textgeschichte
(Gabriela andor, Temeswar) ...................................................................... 361
Fogarasch als Abbild der Civitas Dei. Eginald Schlattners Debtroman:
Der gekpfte Hahn im Zeichen der Multikulturalitt
(Beate Petra Kory, Temeswar) .................................................................... 387
In den Zwngen der Zeit. berleben und Leben in Schlattners Roman
Das Klavier im Nebel (Grazziella Predoiu, Temeswar) .............................. 401
Interkulturelle Dimensionen in den Werken rumniendeutscher Autoren
(Laura Inel, Temeswar) ............................................................................ 413
Zur Identittskrise ein interkultureller Vergleich anhand von Texten
Joseph Roths und Liviu Rebreanus (Vilma Gte, Miercurea Ciuc) ........ 441
Zwei Dramaturgen des Deutschen Staatstheaters Temeswar: Franz Csiky
und Johann Lippet (Bogdan C. Nan, Temeswar)...................................... 453
Zum Banater Kalenderwesen: Schwbischer Volkskalender
(Eveline Hncu, Temeswar) ........................................................................ 465
Rezensionen ......................................................................................................... 481

Vorwort
Die Herausgabe des sechsten Bandes der Temeswarer Beitrge zur
Germanistik ist der Zusammenarbeit zwischen den Herausgebern und
einem wissenschaftlichen Beirat zu verdanken, der die knftige editorische
Planung und Realisation auf einer breiten und internationalen Basis sichert.
Desgleichen ist ab 2009 die Zeitschrift auch auf der Webseite des Lehrstuhls
zu lesen.
Vorliegender Band enthlt linguistische (Alina Crciunescu, Mihaela
andor, Dana Grossek, Kinga Gll, Raluca Negrianu), dialektologische
(Alvina Ivnescu), bersetzungswissenschaftliche (Karla Lupan),
didaktische (Marianne Marki, Carmen-Elisabeth Puchianu), literaturwissenschaftliche (Anette Horn, Bianca Bican, Maria Stng, Martin Hainz,
Gottfried Schndl, Karin Dittrich, Esther Schneider-Handschin, Kathleen
Thorpe, Sunnhild Galter) und interkulturelle Beitrge (Laura Inel, Vilma
Gte). Der Tradition gem, wird eine ganz besondere Aufmerksamkeit der
rumniendeutschen Literatur (Hans Dama, Roxana Nubert, Walter Engel,
Gabriela andor, Beate Petra Kory, Grazziella Predoiu) geschenkt.
Desgleichen liegen Arbeiten zur Banater Kulturgeschichte (Bogdan Nan)
und Volkskunde (Eveline Hncu) vor.
Fr die bereitwillige Untersttzung dieses Bandes verdient das Konsulat der
Bundesrepublik Deutschland in Temeswar allen Dank.
Gabriela und Mihaela andor vom Germanistik-Lehrstul an der WestUniversitt Temeswar gilt der Dank der Herausgeber/Innen fr die Umsicht,
mit der sie die Aufbereitung der Texte zu einer druckfertigen Vorlage
unternommen haben.

Temeswar, im Dezember 2008


Roxana Nubert

10

Alina Crciunescu
Temeswar

Zu den Unterschieden zwischen den


Rechtschreibwrterbchern Duden und Wahrig (2006)
1. Einleitung
Die Uneinheitlichkeit der neuen Wrterbcher stellt im Rahmen der
Diskussion um die Rechtschreibreform ein umstrittenes Thema dar.
Verwirrung lst die Behauptung der Reformgegner aus, dass es 8000
Abweichungen in den Wrterbchern gbe (FAZ vom 19.06.1997,
Saarbrcker Zeitung vom 14.07.1997). Davon ausgehend werden sehr
viele unterschiedliche Zahlen genannt, die nicht als wahrheitsgetreu
anzusehen sind, da es zu dem Zeitpunkt noch keine Studien dazu gegeben
hat. Demzufolge haben Gthert und Heller (IDS)1 (1997) am Buchstaben h
untersucht, welche Abweichungen zwischen dem Duden (1996) und dem
Bertelsmann (1996) vorhanden sind. Die Studie hat gezeigt, dass es 35
Differenzen gibt, die auf unterschiedliche Darstellungsweisen zurckzufhren sind. Die unterschiedlichen Angaben sind nicht falsch, sie stellen
allerdings eine Variante der mglichen Schreibungen dar. Nur in vier Fllen
handelt es sich um unterschiedliche Regelauslegung, z.B. Hundertjhriger
Kalender oder hundertjhriger Kalender; hochgewachsen oder hoch
gewachsen. Die Untersuchung hat ebenfalls ergeben, dass auch in den alten
Wrterbchern, Duden (1991) und Bertelsmann (1991), 29 Differenzen
beim Buchstaben h vorkommen. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen,
dass die Abweichungen in den Wrterbchern nicht infolge der
orthographischen Neuregelung entstanden sind.2
Die Unterschiede zwischen den Wrterbchern werden aus der Sicht von
Sitta (1997: 221) von folgenden Faktoren verursacht:

IDS = Institut fr Deutsche Sprache.


Zudem betonen Augst/ Schaeder (1997: 11) die Tatsache, dass nun mehrere Wrterbcher
nebeneinander stehen knnen; hiermit wrden sich viele Kritiker schwer tun. Der Grund
dafr bestehe darin, dass im deutschen Sprachraum ber 40 Jahre dem Duden die alleinige
Auslegungskompetenz bertragen war.
2

11

1. In erster Linie knnen die orthographischen Regeln, die ein


Wrterbuch beachten muss, in dem Sinne Schwierigkeiten bereiten,
dass sie entweder bestimmte Schreibungen vorsehen oder mehrere
Varianten ermglichen. Dabei stellt sich die Frage, ob alle KannRegeln in den Regelteil aufgenommen werden sollten. Auer den
Muss- bzw. Kann-Regeln gibt es noch freigegebene Bereiche, da soll
die Mglichkeit fr die Schreibenden bestehen, eine Entscheidung
zu treffen.
2. Ein weiteres Problem stellt die Interpretation der Regeln dar. Es
kann auch zu Interpretationen kommen, die nicht mit der Intention
des Verfassers, sondern mit dem Wortlaut der Regel
bereinstimmen, d.h. also nicht, dass sie falsch sind. Eine
Regelauslegung ist falsch, wenn sie weder dem Wortlaut noch der
Intention des Verfassers entspricht.
3. Letztendlich findet die konkrete Umsetzung der neuen Regeln ins
Wrterbuch nicht problemlos statt. Es bilden sich verschiedene
Redaktionen fr die einzelnen Wrterbcher, die sich mit der
Interpretation des Regelwerkes und dessen Umsetzung beschftigen.
Somit ist es selbstverstndlich, dass es auch weiterhin keine
100%ige Einheitlichkeit in den Wrterbchern geben kann.
Um festzustellen, wieviele und in welchen Bereichen die meisten
Abweichungen in den Wrterbchern vorkommen, hat die Zwischenstaatliche Kommission fr deutsche Rechtschreibung die folgenden sechs
Bereiche der orthographischen Neuregelung untersucht:
1.
2.
3.
4.
5.
6.

Laut-Buchstaben-Zuordnung
Getrennt- und Zusammenschreibung
Schreibung mit Bindestrich
Gro- und Kleinschreibung
Zeichensetzung
Worttrennung am Zeilenende.

Es hat sich erwiesen, dass die Unterschiede insbesondere im Bereich der


Getrennt- und Zusammenschreibung ins Gewicht fallen, weil die anderen
auf die Darstellungsweise der einzelnen Wrterbcher zurckzufhren sind
(Augst/ Schaeder 1997: 11, Sitta 1997: 224). Diesbezglich gibt es fr die
Redaktionen keine Vorschriften, sie knnen also frei entscheiden, wie sie
12

den Regelteil und das Wrterverzeichnis organisieren und den


Benutzer/innen prsentieren.
In dieser Arbeit soll anhand von Beispielen berprft werden, mit welchen
Problemen die Redaktionen der neuen Rechtschreibwrterbcher
konfrontiert sind.
Nach den letzten nderungen des orthographischen Regelwerks sind im
Jahre 2006 zwei bedeutende Rechtschreibwrterbcher, Duden und
Wahrig, erschienen. Die neuen Auflagen haben heftige Kritik hervorgerufen, insbesondere der Rechtschreibduden, dessen konsequente
Empfehlung einer Schreibvariante als Einschrnkung bezeichnet wurde
(Merkur-online.de vom 23.09.2006, Welt vom 22. 07.2006b):
1. Duden, Die deutsche Rechtschreibung (2006). Mannheim u.a.:
Dudenverlag.
2. Wahrig, Die deutsche Rechtschreibung (242006). Gtersloh/
Mnchen: Wissen Media Verlag.
Das Wahrig-Wrterbuch wendet sich an seine Benutzer/innen mit dem
Slogan Endlich Sicherheit, spricht dabei von der derzeitig geltenden
Regelung im Gegensatz zum Duden, der mit Eindeutigkeit und
Abgeschlossenheit in seinen Prospekten wirbt. Ickler protestiert dagegen
und argumentiert, dass nur die Getrennt- und Zusammenschreibung,
Zeichensetzung, Silbentrennung und von der Gro- und Kleinschreibung
jene Punkte, welche auch die Getrennt- und Zusammenschreibung berhren,
bearbeitet wurden (FAZ vom 21.07.2006). Es wird also angenommen, dass
der Rat fr deutsche Rechtschreibung auch weitere nderungen vornehmen
wird und dass die jetzige Regelung in den Wrterbchern nicht endgltig
ist.
Diese zwei Rechtschreibwrterbcher dienen als Grundlage der folgenden
Analyse, u.zw. werden Eintrge zu den neuen Schreibungen parallel
untersucht.
Die Diskussion geht von den Beispielen aus, die Ickler in Noch nicht
einmal der Duden hlt sich an den Duden (FAZ vom 21.07.2006) anfhrt,
und wird durch eigene Beispiele ergnzt. Dabei soll gezeigt werden,
inwieweit sich die folgenden Eintrge in den zwei Rechtschreibwrterbchern voneinander unterscheiden.

13

2. Diskussion der Beispiele aus Icklers Untersuchung (2006)


Ickler (2006) weist in seiner Untersuchung darauf hin, dass beim Vergleich
von Wahrig und Duden (2006) wesentliche Unterschiede erkennbar seien.
Anhand folgender Liste mit Beispielen3 aus dem Duden und Wahrig
(2006) geht Ickler auf die Unterschiede zwischen den beiden Rechtschreibwrterbchern ein:
Wahrig empfiehlt
1. allgemeinverstndlich
2. Blauer Brief
3. braungebrannt
4. sich gehenlassen
5. steckenbleiben (im Vortrag)
6. sitzenbleiben (in der Schule)
7. Photosynthese
8. Fastfood
9. leerstehende Huser
10. engbefreundet
11. saubermachen

Duden empfiehlt
allgemein verstndlich
blauer Brief
braun gebrannt
sich gehen lassen
stecken
bleiben
(in
jeder
Bedeutung)
sitzen bleiben (in jeder Bedeutung)
Fotosynthese
Fast Food
leer stehende Huser
eng befreundet
sauber machen

Aus Icklers Aufstellung unter dem Titel Von Einheitlichkeit kann keine Rede
sein sind die Empfehlungen der Rechtschreibwrterbcher ersichtlich. Ickler
stellt den Sachverhalt so dar, als gbe es nur Gegenstze im Duden und
Wahrig, allerdings registrieren beide Wrterbcher orthographische
Varianten und bevorzugen dabei eine bestimmte Schreibung. Der
Unterschied liegt in der empfohlenen Variante, nicht in den registrierten
Schreibungen. Die Empfehlungen der Schreibvarianten, fr die sich der
Rechtschreibduden entschieden hat, erscheinen in diesem Wrterbuch gelb
unterlegt; im Wahrig werden Schreibempfehlungen in Infoksten erlutert,
die mit einem Ausrufezeichen versehen sind. Nur diese Varianten werden
hier von Ickler angefhrt. Der Sprachwissenschaftler lenkt sein Augenmerk
hauptschlich auf die Empfehlungen der beiden Wrterbcher; dadurch wird
3

Es werden noch weitere sechs Beispiele angefhrt: der Grne Tisch/ der grne Tisch; der
Runde Tisch/ der runde Tisch; sich hngenlassen/ sich hngen lassen; kommenlassen/
kommen lassen; fallenlassen/ fallen lassen, Smalltalk/ Small Talk; auf diese wird hier nicht
mehr eingegangen.

14

die Tatsache, dass beide Wrterbcher Varianten registrieren, zu sehr in den


Hintergrund geschoben. Aus diesem Grund kann Icklers Darstellung uerst
verwirrend auf viele Sprachteilhaber wirken. Ein Vergleich der in den
Wrterbchern angegebenen Schreibungen lsst Folgendes erkennen:
Beispiel 1
Im Wahrig werden beide Varianten, sowohl Getrennt- als auch
Zusammenschreibung, angefhrt; als Erluterung wird angegeben, dass
sich die Zusammenschreibung empfiehlt, weil diese Verbindung gem
Schreibgebrauch und Bedeutung als zusammengehriges Adjektiv
empfunden wird (Wahrig, Die deutsche Rechtschreibung 2006: 162).
Der Duden hlt hier fest, dass allgemein in Verbindung mit einem Adjektiv
je nach Betonung getrennt oder zusammengeschrieben werden kann
(Duden, Die neue Rechtschreibung 2006: 174). Hieraus ergibt sich
folgende Darstellung der Schreibvarianten, so wie sie in den Wrterbchern
geboten wird:
laut Wahrig
allgemein verstndlich auch:
allgemeinverstndlich

laut Duden
allgemein verstndlich auch:
allgemeinverstndlich

Beispiel 2
Der Unterschied zwischen den Wrterbchern besteht auch diesmal in der
Empfehlung der Varianten: Das Wahrig-Wrterbuch gibt als erste
Variante die Groschreibung und anschlieend die Kleinschreibung dieser
Verbindung an und erklrt, dass es sich empfiehlt, auch das Adjektiv
grozuschreiben, um die idiomatisierte Bedeutung hervorzuheben (2006:
241). Im Rechtschreibduden treten ebenfalls beide Schreibweisen auf, als
erste Variante wird aber die Kleinschreibung angefhrt und gelb unterlegt.
laut Wahrig
Blauer/ blauer Brief

laut Duden
blauer/ Blauer Brief

Beispiel 3
In diesem Fall ist in beiden Rechtschreibwrterbchern dieselbe Anordnung
der Schreibungen vorzufinden, mit dem Unterschied, dass im
Rechtschreibduden (2006: 269) die Getrenntschreibung bevorzugt und
deshalb gelb unterlegt wird. Das Wahrig-Wrterbuch (2006: 250) schlgt
15

die Zusammenschreibung dieser Verbindung vor, die aufgrund des Schreibgebrauchs und der Bedeutung als zusammengehriges Adjektiv agiert.
laut Wahrig
braun gebrannt auch:
braungebrannt

laut Duden
braun gebrannt auch:
braungebrannt

Beispiel 4
In diesem Zusammenhang weist das Wahrig-Wrterbuch (2006: 430)
darauf hin, dass Verbindungen aus einem Verb und lassen zusammengeschrieben werden knnen, wenn es sich um eine Idiomatisierung handelt.
In konkreter Bedeutung sollte allerdings ausschlielich getrennt geschrieben
werden. Im Duden wird in beiden Fllen die Getrenntschreibung bevorzugt
und dementsprechend gelb markiert.
laut Wahrig
sich gehenlassen, auch:
sich gehen lassen

laut Duden
sich gehen lassen, sich gehenlassen

Beispiel 5
Wie im Beispiel 4, empfiehlt auch hier der Wahrig (2006: 996) die
Zusammenschreibung der Verbindung bei neuer Gesamtbedeutung, um sie
von der konkreten Bedeutung zu unterscheiden. Obwohl der Duden (2006:
966) die Getrenntschreibung als Variante hervorhebt, wird unter dem
Stichwort stecken erlutert, dass man bei bertragener Bedeutung sowohl
getrennt als auch zusammenschreiben kann.
laut Wahrig
steckenbleiben, auch:
stecken bleiben

laut Duden
stecken bleiben, steckenbleiben
vgl. stecken

Beispiel 6
Ebenso schlgt der Duden auch im Falle von sitzen bleiben die Getrenntschreibung vor und betont diese Variante durch gelbe Markierung: wir sind
auf der Bank sitzen geblieben (konkrete Bedeutung), sie ist sitzen geblieben
oder sitzengeblieben (bertragene Bedeutung: in der Schule nicht versetzt
werden), wir sind auf den Blumen sitzen geblieben oder sitzengeblieben
(bertragene Bedeutung: die Blumen nicht verkaufen).
16

laut Wahrig
sitzenbleiben auch: sitzen bleiben

laut Duden
sitzen bleiben, sitzenbleiben

Beispiel 7
Im Wahrig (2006: 806) wird die Schreibung des Fremdwortes
Photosynthese mit ph- als eine Variante dargestellt, welche an die
fremdsprachliche Herkunft angelehnt ist und insbesondere in
wissenschaftlichen Texten vorkommt. Im Duden (2006: 783) wird die
eingedeutschte Variante bevorzugt. Diese Tendenzen lassen sich bei allen
Fremdwrtern erkennen, welche den aus dem Griechischen stammenden
Wortbestandteil fot/ phot enthalten.
laut Wahrig
Photosynthese f. = Fotosynthese

laut Duden
Fotosynthese, Photosynthese

Beispiel 8
In einem Infokasten empfiehlt der Wahrig (2006: 383) die Zusammenschreibung dieser Verbindung von Fremdwrtern, da sie aufgrund des
Schreibgebrauchs und der Bedeutung als zusammengehrig empfunden
werden. Im Duden (2006: 396) treten wie gewhnlich beide Varianten auf,
nur die Getrenntschreibung wird als Vorschlag fr die Benutzer/innen
markiert.
laut Wahrig
Fastfood auch:
Food n. Gen. (-) -(s) nur Sg.

Fast

laut Duden
Fastfood, das; -[s],
Fast Food, das; - -[s]

Beispiel 9
Das Wahrig-Wrterbuch (2006: 656) weist unter dem Stichwort leer
darauf hin, dass bei Verbindungen mit einem adjektivisch gebrauchten
Partizip neben der Getrennt- auch die Zusammenschreibung mglich ist: das
leerstehende/ leer stehende Haus. Im Zusammenhang mit dieser Verbindung
wird die Zusammenschreibung vorgeschlagen, weil das Adjektiv leer und
das Partizip stehend gem Schreibgebrauch und Bedeutung als zusammengehrig betrachtet werden. Der Duden (2006: 635) gibt ebenfalls beide
Varianten an, spricht sich aber weiterhin konsequent fr die Getrenntschreibung aus, die gelb unterlegt wird.

17

laut Wahrig
leer stehend auch:
leerstehend

laut Duden
leer stehend, leerstehend vgl. leer

Beispiel 10
Der Wahrig (2006: 350) unterscheidet hier zwischen der attributiven und
prdikativen Verwendung dieser Verbindung: Sie sollte zusammengeschrieben werden, wenn sie als Attribut verwendet wird, wie z.B. die
engbefreundeten Paare. Zur Getrenntschreibung wird allerdings bei
prdikativer Verwendung geraten, weil eng in diesem Fall eine Ergnzung
zum Prdikat darstellt: Die Paare waren eng befreundet. Der Duden (2006:
366) fhrt unter dem Stichwort eng folgendes Beispiel an: eng befreundete
od. engbefreundete Familien. Eine weitere Erluterung erfolgt zur
Verwendung von eng in Verbindung mit einem einfachen Verb: Wenn dabei
das Ergebnis einer Ttigkeit ausgedrckt wird, ist sowohl Getrennt- als auch
Zusammenschreibung mglich, z.B. einen Durchgang eng machen od.
engmachen, aber ein Blatt eng bedrucken. Es ist ersichtlich, dass im
Wahrig die Differenzierung der Schreibvarianten aufgrund von
syntaktischen Kriterien erlutert wird, der Duden geht hingegen mehr auf
den semantischen Aspekt der Verbindung von eng mit einem Verb ein.
laut Wahrig
eng befreundet auch:
engbefreundet

laut Duden
eng
eng
befreundet, engbefreundet

Beispiel 11
In einem Infokasten erklrt der Wahrig (2006: 906-907) auch in Bezug auf
diese Verbindung, dass sie als zusammengehrig empfunden wird und
deshalb zusammengeschrieben werden sollte. Es wird aber auch darauf
hingewiesen, dass sowohl die Getrennt- als auch die Zusammenschreibung
mglich sei, wenn sauber das Resultat der vom Verb bezeichneten Ttigkeit
ausdrckt. Der Duden (2006: 878) fhrt unter dem Stichwort sauber jeweils
ein Beispiel fr die Getrennt- und Zusammenschreibung dieser Verbindung
an und markiert als Empfehlung die erste Variante.
laut Wahrig
sauber machen, auch:
saubermachen
18

laut Duden
sauber machen, saubermachen
vgl. sauber

3. Diskussion der eigenen Beispiele


In diesem Kapitel sollen Beispiele aus allen Teilbereichen des neuen
Regelwerks mit Ausnahme der Zeichensetzung diskutiert werden. Es geht
dabei insbesondere um Schreibungen, deren Darstellungen in den
Rechtschreibwrterbchern heftige Reaktionen hervorgerufen haben. Nicht
nur die einschlgige Literatur, sondern auch die Erfahrung im Rechtschreibunterricht4 spielen bei der folgenden Analyse eine bedeutende Rolle.
Beispiel 12
Im Bereich der Laut-Buchstaben-Zuordnung hat der Rat fr deutsche
Rechtschreibung im Jahre 2006 keine nderungen vorgenommen. Die
Eindeutschung der Fremdwrter hat sich aber im Laufe der Zeit zu einem
strittigen Reformpunkt herauskristallisiert.
Nachdem das Beispiel 7 eine vergleichende Betrachtung der Darstellung
eines Fremdwortes in den zwei Rechtschreibwrterbchern ermglicht hat,
wird nun ein neues Beispiel aus diesem Bereich untersucht.
Beim Fremdwort Orthographie/ Orthografie genau wie bei Geographie/
Geografie, Mikrophon/ Mikrofon ist die fremdsprachige und die eingedeutschte Schreibweise zulssig. Der Wahrig (2006: 752) erlutert noch,
dass die th-Schreibung im griechischen Wortbestandteil orth (in Zus.:
richtig..., recht...) erhalten bleibt, graph dagegen kann auch graf geschrieben
werden. Im Duden (2006: 775) werden ebenfalls beide Schreibungen
angegeben, allerdings wird nur die eingedeutschte Variante empfohlen und
deshalb gelb unterlegt. Es lassen sich also keine unterschiedlichen
Schreibungen oder Informationen dazu in den Rechtschreibwrterbchern
feststellen.
laut Wahrig
Orthografie auch:
Orthographie f.

laut Duden
Orthografie, Orthographie, die; -,
...ien

Die Erfahrungen der Germanistikstudent/innen der West-Universitt Temeswar, die im


ersten Studienjahr die bungsstunden zur neuen Rechtschreibung besucht haben, werden
hier auch bercksichtigt.

19

Beispiel 13
Im Bereich der Zusammen- und Getrenntschreibung kritisiert Ickler
folgende Regelung, die vom Rechtschreibduden unter K 56 angefhrt wird
(FAZ vom 21.07.2006): Verbindungen aus Adjektiv und intransitiven oder
reflexiven Verben schreibt man getrennt. Ickler argumentiert, dass die Regel
frei erfunden sei, das amtliche Regelwerk kenne die Begriffe des
intransitiven und des reflexiven Verbs berhaupt nicht.
laut Wahrig
blo strampeln, refl.

laut Duden
blo strampeln, vgl. blo
(sich blo strampeln)

Beispiel 14
Unter den Stichwrtern vollfllen, vollladen und volllaufen erlutert der
Wahrig (2006: 1121-1122) auch die Schreibung von volltanken. Wenn voll
das Ergebnis einer vom Verb bezeichneten Ttigkeit ausdrckt, so kann die
Verbindung getrennt oder zusammengeschrieben werden. Die Getrenntschreibung ist unblich, da die Verbindung meistens idiomatisiert
vorkommt. Auch im Duden (2006: 1091) wird die Zusammenschreibung
der Verbindungen volltanken, vollfllen, vollladen und volllaufen
angegeben.
laut Wahrig
Volltanken

laut Duden
volltanken, vgl. voll

Beispiel 15
Laut der oben genannten Regel sind auch in diesem Fall sowohl die
Getrennt- als auch die Zusammenschreibung zulssig. Der Wahrig
empfiehlt die Zusammenschreibung der Verbindung aus klein und einem
Verb, wenn eine neue Bedeutung entsteht. Auch der Duden (2006: 581)
fhrt beide Varianten an, erklrt aber, dass bei bertragener Bedeutung die
Zusammenschreibung gilt.
laut Wahrig
klein schneiden, auch:
kleinschneiden

20

laut Duden
klein schneiden od. kleinschneiden

Beispiel 16
In einem Infokasten weist der Wahrig (2006: 364) darauf hin, dass das
Adjektiv erste in der Fgung Erste Hilfe grogeschrieben werden sollte, um
den fachsprachlichen Charakter zu betonen. Auch der Duden (2006: 379)
empfiehlt diese Schreibung und markiert sie dementsprechend mit der
gelben Farbe.
laut Wahrig
Erste oder: erste Hilfe

laut Duden
die erste od. Erste Hilfe

Beispiel 17
In diesem Zusammenhang ergeben sich in ersten Analysen sowie im
Rechtschreibunterricht viele Fragen bezglich der Kleinschreibung des
Adektivs gro oder ewig in das ewige Licht (Die Welt vom 22. 07.2006c).5
Im Rahmen der Diskussion des Beispiels 2 (Blauer/ blauer Brief) wurde
gezeigt, dass die Groschreibung aufgrund der bertragenen Bedeutung
bevorzugt wird. Im Falle des Beispiels 17 wird in beiden Rechtschreibwrterbchern nur die Kleinschreibung angegeben, obwohl die
Schreibenden auch hier eine bertragene Bedeutung empfinden.
laut Wahrig
Los, n.; das groe Los

laut Duden
Los, das; -es, e; das groe Los

Beispiel 18
Die vom Wahrig (2006: 57) bernommene Amtliche Regelung sieht vor,
dass Bildungen aus Adjektiv und Substantiv, die aus dem Englischen
stammen, zusammengeschrieben werden knnen, wenn der Hauptakzent auf
dem ersten Bestandteil liegt, also Harddisk oder Hard (lang) Dsk (kurz).
Im Duden erscheinen mehrere Schreibvarianten, von denen nur die
Zusammenschreibung den Benutzer/innen empfohlen wird. Unter K 41
erfolgt auch hier dieselbe Erluterung wie im Wahrig.
laut Wahrig
Harddisk auch:
Hard Dsk f. Gen. (-) - Pl. (-) -s

laut Duden
Hard Disk, Hard Disc, die; - -, - -s,
Harddisk, Harddisc, die; -, -s

Zudem werden hier noch die Erfahrungen im Rechtschreibunterricht an der WestUniversitt Temeswar herangezogen.

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Beispiel 19
Die Trennung von Fremdwrtern wurde von Ickler heftig kritisiert
(derStandard.at vom 24.02.2006), so z.B. die Beibehaltung der Varianten:
Di-agnose, Bi-otop, welche die Herkunft dieser Fremdwrter nicht
bercksichtigen.
Im Zusammenhang mit der Worttrennung der Buchstabenfolge konstrwerden im Wahrig in einem Informationskasten folgende Trennvarianten
erklrt: kon-str..., kons-tr... oder konst-r... (2006: 617). Das Stichwort
Konstruktion bietet im Wahrig nur die in der Tabelle dargestellte Trennung,
der Duden dagegen veranschaulicht mit Hilfe des schwarzen und roten
senkrechten Strichs alle Trennmglichkeiten. Diese Darstellungsweise kann
sich nachteilig auf Lernende auswirken. Zum besseren