Bacarbeit
Bacarbeit
Bachelorarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Bachelor of Arts in Social Sciences
der Fachhochschule FH Campus Wien
Bachelorstudiengang: Soziale Arbeit
Vorgelegt von:
Dihanits Anja
Froschauer Benedikt
Mayr Claudia
Mstl Katharina
Personenkennzeichen:
c1410533061
c1410533018
c1410533132
c1410533088
Erstbegutachter:
Ao. Univ. - Prof. Mag. Dr. Franz Kolland
Zweitbegutachter:
Mag. Martin Schenk
Eingereicht am:
29. 01. 2016
ERKLRUNG:
Ich erklre, dass die vorliegende Bachelorarbeit von mir selbst verfasst wurde und ich
keine anderen als die angefhrten Behelfe verwendet bzw. mich auch sonst keiner
unerlaubten Hilfe bedient habe.
Ich versichere, dass ich diese Bachelorarbeit bisher weder im In- noch im Ausland (einer
Beurteilerin/einem Beurteiler zur Begutachtung) in irgendeiner Form als Prfungsarbeit
vorgelegt habe.
Weiters versichere ich, dass die von mir eingereichten Exemplare (ausgedruckt und
elektronisch) identisch sind.
Datum: .................................
Unterschrift: ................................................................
Datum: .................................
Unterschrift: ................................................................
Datum: .................................
Unterschrift: ................................................................
Datum: .................................
Unterschrift: ................................................................
KURZFASSUNG
Diese Arbeit beschftigt sich in erster Linie mit Kommunikation und Sprache im
Krankenhaus. Dabei wird der Schwerpunkt vor allem auf die Barrieren, die im
Zusammenhang mit der Verstndigung auftreten, gelegt. Um in weiterer Folge auf Barrieren
aufmerksam
zu
werden,
mussten
vorerst
funktionierende
Sprachmethoden
und
Kommunikationsmodelle erlutert werden. Im Zuge dessen stellte sich heraus, dass der
Ursprung aller Sprach- und Kommunikationshindernisse in kognitiven und motorischen
Einschrnkungen bzw. in einer nicht vorhandenen gemeinsamen Sprachbasis liegt. Des
Weiteren wurde nach bereits vorhandenen Hilfsmglichkeiten zur Minimierung dieser
Sprach- und Kommunikationsprobleme sowie nach neuen noch nicht angewandten
Hilfestellungen gesucht. Aus diesem Grund begaben sich die Forscher*innen durch zwei
Interviews und ein Go-Along in das Feld der Krankenhaussozialarbeit. Durch Beobachtungen
sowie
Expert*innenbefragungen
stellte
sich
nun
heraus,
dass
die
grten
Herausforderungen bzgl. Sprache und Kommunikation den Bereich Migration betreffen. Die
auftretenden Schwierigkeiten werden momentan durch unterschiedlichste Arten von
Dolmetsch versucht zu bewltigen. Trotz des kreativen Einsatzes smtlicher Akteur*innen,
kommt es immer wieder zu Problemen. Daher wurden verschiedenste Projektideen zur
Minimierung von Sprach- und Kommunikationsbarrieren in Bezug auf eine fehlende
gemeinsame Sprachbasis entwickelt. Eine dieser Ideen wurde zu einem fertigen Pilotprojekt
ausgearbeitet.
ABSTRACT
This paper is basically about communication and language in hospitals, whereby the main
focus is on the occurring barriers of those two aspects. First of all it was essential to get
aware of such barriers through elucidation of functioning language methods and comware. In
the course of this it was found that the beginning of all language and communication
obstacles is about cognitive and motoric restrictions, or rather about non-existing basic
language skills. Therefore the research was about finding already existing supporters for a
reduction of language and communication troubles and furthermore for new possibilities,
which had not been applied so far. That was why the explorers of this project tried to find
answers, with the assistance of an interview and a Go-Along, in the hospital social work.
Currently an attempt with various types of interpretation and translation is made, to overcome
the emerged difficulties. But troubles still occur in this area, although creative effort of
numerous agents has been applied. Through observations and surveys of experts, they
expose that the major challenge in terms of language and communication is due to migration.
Therefore the project develops new ideas for the reduction of barriers in language and
communication as well as the lack of a basic language skills. One of these ideas has been
elaborated for a finished pilot project.
1. Einleitung ....................................................................................................................................1
2. Kommunikation im Krankenhaus .................................................................................................3
2.1 Krankenhaus ........................................................................................................... 3
2.2 Soziale Arbeit im Krankenhaus ................................................................................ 4
2.3 Kommunikation und Sprache ................................................................................... 5
2.4 Kommunikations- und Sprachbarrieren .................................................................... 6
3. Ergebnisse der Kommunikationsforschung ..................................................................................8
3.1 Methoden und Modelle ............................................................................................ 8
3.2 Gesundheitskommunikation .................................................................................... 11
3.3 Kommunikationsbarrieren durch Behinderungen ....................................................13
3.4 Entstehung der Sprache .........................................................................................13
3.5 Untersttzte Kommunikation ...................................................................................14
3.6 Sprachbarrieren und Migration ................................................................................17
4. Strukturen im Krankenhaus ....................................................................................................... 23
4.1 Aufgabenverteilung und Finanzierung .....................................................................23
4.2 Hierachiesystem .....................................................................................................24
4.3 Patient*innensystem ...............................................................................................27
4.4 Externe Institutionen ...............................................................................................27
5. Zwischenfazit.............................................................................................................................29
6. Empirischer Teil .........................................................................................................................31
6.1 Forschungsdesign ..................................................................................................31
6.2 Reflexion des ersten Interviews ..............................................................................33
6.3 Reflexion des zweiten Interviews ............................................................................34
6.4 Interviewauswertungen ...........................................................................................35
6.5 Go-Along ................................................................................................................42
7. Fazit und Schlussfolgerungen fr die Praxis .............................................................................. 50
8. Projekt proposal ........................................................................................................................51
8.1 Projektumfeld ..........................................................................................................51
8.2 Ausgangslage .........................................................................................................52
8.3 Handlungsbedarf ....................................................................................................53
8.4 Lsungsanstze......................................................................................................55
8.5 Projektinhalt ............................................................................................................56
8.6 Projektziel ...............................................................................................................57
8.7 Projektbeteiligte ......................................................................................................58
8.8 Projektorganisation .................................................................................................59
8.9 Projektdauer ...........................................................................................................60
8.10 Ressourcen ..........................................................................................................61
8.12 Evaluation .............................................................................................................62
Autor*innen Zuweisung:
Vorwort
Kurzfassung, Abstract
1.Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsinteresse
2. Kommunikation im Krankenhaus
2.1 Krankenhaus
2.2 Soziale Arbeit im Krankenhaus
2.3 Kommunikation und Sprache
2.4 Kommunikations- und Sprachbarrieren
Foreigner Talk
3. Ergebnisse der Kommunikationsforschung
3.1 Methoden und Modelle
3.2 Gesundheitskommunikation
3.3 Kommunikationsbarrieren durch Behinderung
3.4 Entstehung der Sprache
3.5 Untersttzte Kommunikation
4.6 Sprachbarrieren und Migration
Interkulturelle Kommunikation
4. Strukturen im Krankenhaus
4.1 Aufgabenverteilung und Finanzierung
4.2 Hierachiesystem
4.3 Patient*innensystem
4.4 Externe Institutionen
5. Zwischenfazit
5.1 Arbeitsrecht von Asylwerber*innen
6. Empirischer Teil
6.1 Forschungsdesign
6.2 Reflexion des 1. Interviews
6.3 Reflexion des 2. Interviews
6.4 Interviewauswertungen
6.5 Go-Along
7. Fazit und Schlussfolgerungen
Dihanits, Froschauer
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
Mstl
Mstl
Mstl
Mstl
Mayr
Dihanits
Dihanits
Mayr
Mayr
Mayr
Froschauer
Mayr
Mstl
Mstl
Froschauer
Dihanits
Mayr
Dihanits, Froschauer
Dihanits, Froschauer
Mayr, Mstl
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
Mayr, Mstl
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
8. Projectproposal
8.1 Projektumfeld
8.2 Ausgangslage
8.3 Handlungsbedarf
8.4 Lsungsanstze
8.5 Projektinhalt
8.6 Projektziel
8.7 Projektbeteiligte
8.8 Projektorganisation
8.9 Projektdauer
8.10 Projektressourcen
8.11 Projektrisiken
8.12 Evaluation
Dihanits
Mstl
Mayr
Mstl
Froschauer
Froschauer
Mayr
Dihanits
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
Dihanits, Froschauer, Mayr, Mstl
1. EINLEITUNG
Die Sprache ist die Quelle aller Missverstndnisse. Dieses Zitat aus dem Buch Der kleine
Prinz von Antoine de Saint-Exupry zeigt, dass es zu jener Zeit schon Probleme in der
Kommunikation gab. Heute 70 Jahre spter verstehen wir uns noch immer nicht. Doch
woran liegt das? Die Informationsempfnger*innen interpretieren das Empfangene des/der
Senders/Senderin. Dies geschieht automatisch subjektiv, da sich Menschen ihre eigene
soziale
Wirklichkeit
konstruieren.
Aufgrund
von
gesellschaftlichem
Wandel,
der
Fragestellung
Die verschiedenen Gedanken und Fragen, mit welchen sich die Autor*innen dieser Arbeit
auseinandergesetzt haben, wurden zu folgenden Forschungsfragen konkretisiert:
Was kann Soziale Arbeit zur berwindung von Sprach- und Kommunikationsbarrieren in
Wiener
Krankenhusern
beitragen?
Was
sind
aktuelle
Untersttzungsmittel
bzgl.
Forschungsinteresse:
Das Interesse am Thema Kommunikations- und Sprachbarrieren und deren berwindung im
Krankenhaus wurde unter anderem durch verschiedenste persnliche Erfahrungen, wie
Krankenhausaufenthalte, Praktika, Exkursionen, Zivildienst oder Berufserfahrungen der
Autor*innen dieser Arbeit geweckt. In dieser Bachelorarbeit wird auf die Themen Migration
und
Sprachbehinderungen
eingegangen,
da
Sozialarbeiter*innen
in
jeglichen
Handlungsfeldern mit diesen beiden Bereichen konfrontiert werden knnen. Die Autor*innen
dieser Arbeit sind daran interessiert, Kommunikations- und Sprachbarrieren durch die
theoretische Auseinandersetzung mit diesem Thema zu erkennen und somit zu vermindern.
In Krankenhusern kann es hektisch zugehen. Betten- und Personalmangel gehren zum
Krankenhausalltag, wodurch Krankenpflegepersonal, rzte und rztinnen unter Zeitdruck
stehen und es sich vermutlich schwierig gestalten kann, sich angemessen um die Sorgen der
Patient*innen zu kmmern. Es besteht die Gefahr, dass diese wie am Flieband abgefertigt
werden. Die Soziale Arbeit kann daher als Bindeglied und Vermittlungsinstanz ein wichtiges
Untersttzungsmittel im Krankenhaus darstellen.
Im Krankenhaus treffen Personal und Patient*innen unterschiedlichen Alters aus
verschiedenen Herkunftslndern, Kulturen sowie Religionen aufeinander, es herrscht
Diversitt. Diese kann einerseits bereichernd sein, andererseits kann sie auch groe
Konflikte, z. B. durch Missverstndnisse, auslsen. Durch welche Untersttzungsmittel
knnte also eine gut funktionierende Kommunikation gefrdert werden? Was oder wer
knnte Hilfe leisten, um nicht deutsch sprechenden Personen in Wiener Krankenhusern
bspw. zu erklren, was die nchsten Vorgehensweisen bei einer Behandlung sind? Das
sind Fragen, die sich die Autor*innen dieser Arbeit zu Beginn ihrer Forschung gestellt haben.
In der Arbeit mit Menschen, welche unterschiedlichste Behinderungen haben, kann es
Schwierigkeiten bei der Verstndigung geben. Sei es, dass jemand nicht deutlich bzw. gar
nicht sprechen kann, da die kognitiven Fhigkeiten nicht entsprechend ausgeprgt sind, oder
dass die Sprache aufgrund organischer Funktionen verloren ging bzw. nicht ausgebildet
werden konnte. Was knnte man tun, um auch hier eine Kommunikation zu frdern? Welche
technischen, visuellen oder sonstigen Behelfe knnten bei der berwindung dieser
Sprachbarrieren im Krankenhaus untersttzend wirken? Diese Fragestellungen wollen die
Autor*innen im Laufe dieser Arbeit beantworten.
2. KOMMUNIKATION IM KRANKENHAUS
2.1 Krankenhaus
In
sterreich
dient
das
Krankenanstalten-
und
Kuranstaltengesetz
(KAKuG)
als
Allgemeine Krankenanstalten,
Sonderkrankenanstalten,
Sanatorien und
selbststndige Ambulatorien.
65
KAKuG
regelt,
dass
die
sterreichischen
Bundeslnder
selbst
fr
die
(vgl.
Ansen
et
al.
2004:
15),
findet
die
allerdings
im
Gegensatz
zur
Social work is a practice-based profession and an academic discipline that promotes social
change and development, social cohesion, and the empowerment and liberation of
people. Principles of social justice, human rights, collective responsibility and respect for
diversities are central to social work. Underpinned by theories of social work, social
sciences, humanities and indigenous knowledge, social work engages people and
structures to address life challenges and enhance wellbeing (IASSW 2014: 1).
Die International Federation of Social Workers (IFSW) und die International Association of
Schools of Social Work (IASSW) nehmen in ihrer weltweiten Definition der Sozialen Arbeit
Bezug auf die praxisorientierte und wissenschaftliche Disziplin selbiger. Ihre Ziele sind die
Frderung des sozialen Wandels, des sozialen Zusammenhaltes und die Befhigung und
Befreiung von Menschen. Ihre Grundlagen sind die soziale Gerechtigkeit, die Prinzipien der
anwenden
unterschiedlicher
Gesprchstechniken.
Einerseits
dient
die
Kommunikation mit Klient*innen dem Informationszuwachs und somit dem finden geeigneter
Interventionen und andererseits ist sie zentral, um eine Beziehung zu Klient*innen
aufzubauen.
knnen
einerseits
durch
das
Krankenhauspersonal
und
andererseits durch Patient*innen ausgelst werden. Auf Seiten des Pflegepersonals knnen
Kommunikationsstrungen z. B. durch situative Fehleinschtzungen, Vorurteile, Mangel an
Sympathie fr die Patient*innen, Zeitmangel, fehlendes Wissen ber die Biografie, Normen
und Werte der Patient*innen sowie Strungen des Fhlens und Denkens, wenn z. B. der/die
Patient*in verdinglicht wird, da die Pflegeperson keine Fehler zulassen mchte, entstehen.
Auf der Patient*innenseite knnen Kommunikationsbarrieren durch Erkrankungen, welche
Auswirkungen auf den Sprechapparat bzw. das Gehr haben, oder durch eine Beeinflussung
der Wahrnehmung aufgrund psychischer Erkrankungen auftreten (vgl. Rogall et al. 2006:
99ff.).
Sprachbarrieren
Der Duden online beschreibt Sprachbarrieren als Schwierigkeiten in der Verstndigung
zwischen Angehrigen verschiedener Sprachen (Bibliographisches Institut GmbH 2013b).
Der Soziolinguist Basil Bernstein beschreibt sprachliche Unterschiede zwischen Kindern,
welche in der Mittelschicht aufgewachsen sind und jenen aus der Arbeiterschicht
aufgrund deren sozialer Herkunft und Schichtzugehrigkeit. Er unterscheidet zwischen dem
restringierten Code der Arbeiterschicht und dem elaborierten Code der Mittelschicht.
Elaborierte uerungen sind kontextunabhngig und universalistisch orientiert, im
Gegensatz dazu bleiben restringierte Codes situations- und kontextgebunden. Diese
Differenzierung soll jedoch keine Wertung beinhalten. Der elaborierte Code kann auch als
eine Kommunikationsform gedeutet werden, mit welcher Personen mit mglichst geringem
Aufwand und angepassten Mitteln Alltagsanforderungen meistern (vgl. Sertl, Leufer o.J.:
10f.).
Der Verweis auf die Bernstein-Hypothese soll aufzeigen, dass Sprachbarrieren nicht nur
aufgrund
unterschiedlicher
Sprachen
auftreten
knnen,
sondern
auch,
wenn
die
Foreigner Talk
Unter
Foreigner
Talk
wird
jenes
Sprachverhalten
verstanden,
welches
Tertire Medien (elektronische Medien): Sowohl auf der Sender*innen- wie auch auf
der Empfnger*innenseite ist ein Medium zur Kommunikation erforderlich (Telefon,
Tonband etc.).
(vgl. Greisberger 2009: 70 zit.n. Pross 1972: 127f.).
Quartre Medien (digitale Medien): Eine Mischung und Erweiterung der drei oben
genannten
Medien.
Zum
Kommunikationssenden
bzw.
-empfangen
ist
ein
und Empfnger*in ein hierarchisches Verhltnis gibt. Der/die Sender*in ist dominant und
aktiv, der/die Empfnger*in ist passiv und von den empfangenen Medien abhngig. Diese
Annahme wird heute nicht mehr untersttzt, weitere Kommunikationsmodelle haben sich
jedoch an diesem angelehnt und es in unterschiedlichste Richtungen ausgebaut (vgl. Dittmar
2011: 19).
Sach-Ohr
berprft
und
nimmt
die
Sachinhalte
der
Mitteilung
wahr.
Das
10
Zusammenfassung
Zusammenfassend kann im Bezug auf die unterschiedlichen Kommunikationsmodelle gesagt
werden, dass es in erster Linie ein Medium braucht um Kommunikation berhaupt stattfinden
zu lassen (vgl. Greisberger 2009: 70 zit.n. Pross 1972: 127f.). Am hufigsten wird jedoch
ausschlielich der Mensch als Kommunikationsmedium verwendet. Um Gesprochenes zu
untersttzen werden bewusst oder auch unbewusst symbolische Interaktionen angewandt
um beispielsweise auf etwas besonders aufmerksam zu machen (vgl. Simon 2014: 28f.).
Des Weiteren wird eine funktionierende Kommunikation durch die Beziehung zwischen
Sender um Empfnger gebildet (vgl. Simon 2014: 49f.). Je nachdem in welchem
Zusammenspiel
die
gegenseitige
Wertschtzung,
sowie
auch
die
gegenseitige
3.2 Gesundheitskommunikation
Unter Gesundheitskommunikation versteht man jede Art von Kommunikation ber
Gesundheit oder Krankheit. Um dies jedoch einzugrenzen und die verschiedenen
Kommunikationsebenen festzulegen, bietet das 4-Ebenen-Modell der Kommunikation einen
berblick.
11
und
Pflegepersonal,
Pflegepersonal
und
Patient*innen,
Patient*innen
und
Sozialarbeiter*innen etc. wird in dieser Ebene beachtet (vgl. Rossmann, Hastall 2014: 81).
diese
Ebenen
Informationsdarbietung,
verfolgen
drei
Vernderung
zusammenhngende
der
Wahrnehmung
und
gemeinsame
schlussendlich
Ziele:
die
Verhaltensnderung.
Unter Informationsdarbietung wird verstanden, dass bspw. Beipackzettel gelesen und
beachtet werden. Dieses Zwischenziel ist hufig schwer zu definieren und infolgedessen
auch schwer umzusetzen. Es wird versucht, die Informationen mglichst umfassend zu
formulieren. Der Gedanke dahinter lautet, dass je mehr Informationen gegeben werden,
desto besser sind die Gesundheits- bzw. Risikokommunikation. Dadurch tritt jedoch das
Problem auf, dass sich die Betroffenen nicht persnlich angesprochen fhlen und durch den
unpersnlichen Informationsberfluss hufig berforderung und Ignoranz ausgelst werden
(vgl. Rossmann, Hastall 2014: 65f.).
Durch die nchste Zielsetzung soll die Wahrnehmung der Betroffenen verndert werden.
Wissen ber Risiken oder Einstellungen zu Risikowahrnehmungen soll Beachtung geschenkt
werden. Durch die Informationsdarbietung sollten genug Informationen vorhanden sein, um
Gesundheitsrisiken einschtzen zu knnen und im Zuge dessen eine passende
Entscheidung zu treffen. Zu beachten ist, dass die Entscheidungen und Verhaltensweisen
von den Betroffenen selbst gewhlt werden knnen und in ihrem persnlichen Interesse
liegen mssen (vgl. Rossmann, Hastall 2014: 65f.).
Die
Verhaltensnderung
zhlt
zu
einem
weiteren
Ziel
der
Gesundheits-
und
12
Betroffenen zu verndern. Durch Informationen soll eine persnliche Relevanz erkannt und
eine daraus resultierende Schutzmotivation entwickelt werden (vgl. Rossmann, Hastall 2014:
65f.).
13
mgliche
Lsungsanstze des aus dieser Arbeit entstehenden Projektes von Arten der Untersttzten
Kommunikation inspiriert sind. Durch die anschlieend beschriebenen Hilfsmittel knnten
bspw. Dolmetschgesprche so gut es geht umgangen werden und zu einer vertrauliche
Kommunikation zwischen Patient*in und Sozialarbeiter*in bzw. Arzt/rztin verhelfen.
Das Konzept der Untersttzten Kommunikation besteht darin, alle vorhandenen
Mglichkeiten, die der Kommunikation dienen knnten wie Mimik, Gestik, Laute etc.
wahrzunehmen, sie auszunutzen und darauf aufzubauen. Sind die motorischen Fhigkeiten
bei einem Menschen bspw. gut vorhanden, knnen Gebrden zur Untersttzung
herangezogen werden. berdies werden oft Objekte, Karten und Kommunikationstafeln
verwendet. So wird durch Deuten auf Gegenstnde, Bilder etc. Kommunikation ermglicht.
Mittlerweile werden auch elektronische Gerte als Hilfsmittel verwendet (vgl. Seidl 2001:
27ff.).
14
15
Schwarz-Wei
gezeichnet.
aufgeschrieben.
ber
Einerseits
den
Zeichnungen
helfen
die
ist
das
dazugehrige
geschriebenen
Wrter
Wort
den
diese Art
der
Verstndigung knnen
vor
allem
Menschen,
die in ihrer
Bettigung
einer
oder
mehrerer
Tasten
uerungen
produzieren
kann.
Sprachausgabe ist vor allem durch eine geringe Anzahl an Tasten ziemlich unkompliziert.
Das bringt jedoch mit sich, dass sie in erster Linie fr einfache, alltgliche Gesprche
angedacht und daher fr spezifische Gesprche kaum geeignet ist.
16
zu
fhren,
sind
Modelle
elektronischer
Kommunikationshilfen
noch
Sprachbarrieren
liegen
hnliche
Ursachen
zugrunde.
Anders
als
bei
den
aufgrund
unterschiedlicher
Sprache
und/oder
fehlender
Aufenthaltsdauer in sterreich
17
keinen
Kontakt
mit
deutschsprachigen
Mitbrger*innen
haben.
Ein
weiterer
Patient*innen
vonseiten
des
Gesundheitspersonals
sind
leider
eine
hufige
Bewltigungsoption der medizinischen Abteilungen (vgl. Borde 2002: 350). Oft wird auch im
Foreigner Talk (Ich Tarzan, du Jane) mit den Patient*innen gesprochen, was fr ihre
Deutschkenntnisse nicht frderlich ist und ihnen mglicherweise kein angenehmes Umfeld
ermglicht. Neben der unterschiedlichen Sprache wird vermehrt auch auf Vorurteile und
Erwartungshaltungen
aufmerksam
gemacht,
welche
ebenfalls
Interaktionsstrungen
darstellen knnen (vgl. Dreiig 2005: 33). Die Problemlage ist aber sehr vielfltig. Oft ist die
bermittelte Information fr Patient*innen mit Migrationshintergrund nicht ausreichend, bzw.
wird diese nicht verstanden. Unverstndliche Fachausdrcke und allgemeine Unsicherheit
der Patient*innen verstrken diese Problemlage.
Aktuell gibt es in fast allen Krankenhusern zwei Methoden, um Sprachbarrieren erfolgreich
entgegenwirken zu knnen:
18
organisatorische Probleme,
Koordinationsprobleme,
kommen
bei
der
Interaktion
mit
Angehrigen
von
Patient*innen
mit
Angehrige von Patient*innen mit Migrationshintergrund haben aufgrund anderer Kultur und
Herkunft oftmals ein anderes Krankheitsverstndnis. Das kann eine Interaktion zwischen
Klinikpersonal und Angehrigen erheblich stren. Sie haben einen anderen Bezug zur
Krankheit als die erkrankte Person. Es kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass
Angehrige das Krankheitsbild den rzt*innen richtig schildern. All diese Komponenten
mssen
bei
Interaktionen
mit
Angehrigen
beachtet
werden.
Daher
kann
Dolmetsch
Im folgenden Abschnitt wird der professionelle Dolmetsch nher behandelt. Dolmetsch durch
das Krankenhauspersonal oder Angehrige von Patient*innen mit Migrationshintergrund sind
davon daher ausgeschlossen.
Wie zuvor erwhnt, ist der Dolmetsch eine Mglichkeit, die Interaktion zwischen
Klinikpersonal
und
Patient*innen
mit
Migrationshintergrund
zu
erleichtern.
Es
ist
mglicherweise eine Hilfestellung, die aktuell am hufigsten in sterreich bekannt ist und
auch eingesetzt wird.
Es gibt zwei Mglichkeiten, einen professionellen Dolmetsch fr ein Krankenhaus zu
organisieren. Der Dolmetsch ist sehr hufig auerhalb von den Krankenhusern stationiert
und Teil einer externen Institution. Im Falle von Kommunikationsproblemen werden die
19
Platzmangel,
lngere Wartezeiten,
unpersnlichere Betreuung.
20
Die Situation in den berfllten allgemeinen Klassen kann massiven Stress verursachen und
somit zu schlechter Stimmung von allen Beteiligten fhren. Das kann wiederum
Auswirkungen
auf
zwischenmenschliche
Kommunikation
haben.
Daher
wre
eine
Interkulturelle Kommunikation
Die Kommunikation zwischen zwei Menschen ist von unterschiedlichen Wahrnehmungen
aufgrund der jeweiligen Erfahrungen geprgt. Bereits bei Personen, die aus dem gleichen
Kulturkreis stammen, kann es daher zu differenzierten Sichtweisen kommen. Kommunizieren
Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen sind, miteinander, so bedarf es
daher zustzlich bestimmter interkultureller Kompetenzen (vgl. Wisiak 2011: 131). Als
interkulturelle Kompetenz bezeichnet Ursula Viktoria Wisiak im Sammelband Medizin im
Konflikt der Kulturen [...] die Fhigkeit, kulturelle Einflussfaktoren und Bedingungen im
Wahrnehmen, Empfinden, Urteilen und Handeln [...] (vgl. Wisiak 2011: 131) sowohl bei sich
selbst als auch bei dem/der Gesprchspartner*in zu erkennen, zu respektieren bzw.
akzeptieren und diese sinnvoll zu ntzen. Der Nutzen darin besteht entweder in einer
gegenseitigen Anpassung, Entwicklung von Toleranz gegenber der anderen Person oder
das Ermglichen eines gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Um das erreichen zu knnen,
findet ein Lernprozess statt, bei dem die Bereitschaft vorhanden sein muss, sich mit einer
anderen Kultur als der eigenen auseinanderzusetzen. Das Erreichen einer hohen
interkulturellen Kompetenz macht sich bemerkbar, indem bspw. Kenntnisse und ein
weitergehendes Verstndnis fr Orientierungssysteme der eigenen und fremder Kultur/en
vorliegen und aus dem Vergleich jener Orientierungssysteme Reaktionen und Handlungen
gebildet werden (vgl. Wisiak 2011: 132).
Auch
fr
die
interkulturelle
Kommunikation
ist
das
bereits
beschriebene
und
Empfnger*in,
aber
auch um
ein gegenseitiges
Verstndnis
der
Kommunikationspartner*innen. Nicht nur der Inhalt eines Satzes, sondern auch dessen
Bedeutung muss verstanden werden. Um das Verstehen zwischen Menschen mit
unterschiedlichen Sprachen und/oder Kulturen zu erleichtern, werden diverse Methoden wie
Hervorheben wichtiger Aspekte, bersetzung, Wiederholung in der Muttersprache,
Nachfragen etc. herangezogen. Speziell im medizinischen Kontext ist es fr Patient*innen
mit einer anderen Muttersprache als der der behandelnden rzt*innen eine Herausforderung,
die eigenen krperlichen Symptome und Beschwerden verstndlich darzustellen oder zu
beschreiben und gleichzeitig darauf zu achten, dass psychosoziale Faktoren auch in Bezug
auf krperliche Symptome bercksichtigt werden. Gerade dann, wenn es keine sprachlichen
21
eines
realen
Sachverhaltes
beide
Seiten
des
Arzt-/rztin-
so
gut
als
mglich
in Alltagssprache
formuliert
werden.
Nachfragen
und
Zusammenfassen des Gesagten knnen ebenfalls Missverstndnisse aus dem Weg rumen.
Des Weiteren ist es wichtig, auf ein langsames Sprechtempo und eine niedrige Lautstrke zu
achten, da dies sonst beim Gegenber durch die Annahme, es handle sich um einen
Konflikt, Unsicherheiten hervorrufen knnte. Auerdem erweist es sich meist als hilfreich,
Anschauungsmaterial wie Abbildungen, Modelle etc. zum Gesagten hinzuzuziehen. Ist ein
Dolmetscher/eine Dolmetscherin anwesend, sollte der Blick jederzeit auf die betroffene
Person gerichtet sein, wobei darauf geachtet werden muss, auf welchen Krperteil man
schaut (vgl. Wisiak 2011: 137).
22
4. STRUKTUREN IM KRANKENHAUS
Im Kapitel Strukturen im Krankenhaus wird auf die Finanzierung des Gesundheitswesens in
sterreich eingegangen und es werden berblicksmig drei Berufsgruppen, welche in
Krankenanstalten ttig sind, abgebildet. Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Akteur*innen
im Gesundheitssystem wurde von den Autor*innen dieser Arbeit die Hypothese aufgestellt,
dass es auch zwischen diesen leicht zu Sprach- und Kommunikationsschwierigkeiten
kommen kann, welche sich im weiteren Verlauf auf die Versorgung der Patient*innen
auswirken knnen.
Bund,
Lndern,
Gemeinden,
Sozialversicherungen
und
gesetzlichen
dass
Bund
und
Lnder
kooperativ
Vereinbarungen
ber
ihre
jeweiligen
23
einen Rechtsanspruch auf die Leistungen des Gesundheitssystems bietet. Die Finanzierung
des Gesundheitssystems setzt sich zusammen aus:
Sozialversicherungsbeitrgen,
privaten Beitrgen.
Die Hhe der Sozialversicherungsbeitrge, welche die Patient*innen zu zahlen haben, ist
einkommensabhngig und die ffentlichen Gelder sind steuerfinanziert. Zu den privaten
Beitrgen knnen z. B. Selbstbehalte bei stationren Krankenhausaufenthalten und
Rezeptgebhren gezhlt werden (vgl. BMG 2013: 20).
Den grten Anteil zur Finanzierung des Gesundheitssystems trugen 2011 mit 45 Prozent
die Krankenversicherungen bei. Im Bereich der Krankenanstalten kommt es zu einer
geteilten Finanzierung zwischen ffentlicher Hand und Sozialversicherung. Insgesamt
wurden im Jahr 2011 76 Prozent der Ausgaben im Gesundheitsbereich aus ffentlichen
Mitteln finanziert. Unter diese fallen die Ausgaben der Sozialversicherungstrger, des
Bundes, der Lnder und der Gemeinden. Die restlichen 24 Prozent setzen sich zusammen
aus privaten Ausgaben von Haushalten, Versicherungen, anderen Organisationen und
betriebsrztlichen
Leistungen
(vgl.
BMG
2013:
10ff.).
Der
hchste
Anteil
der
4.2 Hierachiesystem
In diesem Kapitel wird auf drei unterschiedliche im Krankenhaus ttige Berufsgruppen und
deren berufliche Rangordnung auch innerhalb ihrer Berufsgruppe im Spitalsalltag
eingegangen. Wegen der verschiedenen Ausbildungen und Spezialisierungen, welche die
unterschiedlichen Akteur*innen, die in Krankenanstalten ttig sind, durchlaufen, wurde durch
die Autor*innen dieser Arbeit die Hypothese aufgestellt, dass auch die unterschiedlichen
Fachsprachen und Kompetenzen zu Sprachbarrieren zwischen den Personalgruppen, aber
auch in der Kommunikation zwischen Patient*innen und deren Angehrigen fhren knnen.
Die hierarchische Organisation des Krankenhauses regelt Verantwortungen, Zustndigkeiten
und Kompetenzen, was ermglicht, in Notfllen durch Normvorgaben schnell zu handeln
(vgl. Eckhardt 2015: 24).
24
die Untersuchung auf das Vorliegen oder Nichtvorliegen von krperlichen und
psychischen Krankheiten oder Strungen, von Behinderungen oder Mibildungen und
Anomalie, die krankhafter Natur sind;
2.
3.
4.
die Vornahme operativer Eingriffe einschlielich der Entnahme oder Infusion von Blut;
5.
6.
7.
8.
Jeder zur selbststndigen Ausbung des Berufes berechtigte Arzt ist befugt, rztliche
Zeugnisse auszustellen und rztliche Gutachten zu erstatten (vgl. rzteG 1998).
Bei der Berufsausbung von rzt*innen kann unterschieden werden zwischen rzt*innen fr
Allgemeinmedizin, Fachrzt*innen und in Ausbildung stehenden Turnusrzt*innen. Als
Ausbildung haben rzt*innen das Diplomstudium der Humanmedizin zu absolvieren und
nachfolgend entweder eine Ausbildung zum Arzt/zur rztin fr Allgemeinmedizin oder zum
Facharzt/zur Fachrztin. Das Diplomstudium der Humanmedizin umfasst zwlf Semester, die
Ausbildung
zum Arzt/zur
rztin fr Allgemeinmedizin
zumindest
drei Jahre.
Die
25
Krankenpflege
die
Verantwortung
zur
Durchfhrung
der
Ttigkeiten.
Zum
Mit dem Erwerb von Sonderausbildungen ist es mglich, den Ttigkeitsbereich auch nach
Absolvierung entsprechender Grundausbildungen zu erweitern bzw. fr Lehr- und
Fhrungsaufgaben ausgebildet zu werden (vgl. BMG 2013a: 70ff.).
Der Ttigkeitsbereich der Pflegehilfe wird im GuKG 84 beschrieben. Zu ihm gehren
einerseits die Durchfhrung von pflegerischen Manahmen nach Anleitung und unter
Aufsicht des gehobenen Dienstes fr Gesundheits- und Krankenpflege und andererseits die
26
4.3 Patient*innensystem
Das Patient*innensystem wird in sterreich bundesweit geregelt und ist somit im ganzen
Land gleich. Es ist auch bekannt als Zweiklassensystem:
allgemeine Klassen
Sonderklassen
Den allgemeinen Klassen werden all jene zugewiesen, die in sterreich ber eine
Sozialversicherung verfgen. Das trifft auf den Groteil der Bevlkerung zu, jedoch nicht auf
alle Menschen in sterreich.
In manchen Krankenhusern wie im Krankenhaus der Barmherzigen Brder in Wien gibt es
fr diese Menschen eine Ambulanz fr Nichtversicherte. In dieser Abteilung werden auch
Menschen ohne Versicherung, unabhngig von Herkunft und Religionszugehrigkeit,
behandelt.
Fr die Sonderklassen sind nur all jene berechtigt, die ber eine Zusatzversicherung
verfgen oder selbst bezahlen. Die Patient*innen der Sonderklasse werden medizinisch in
der Regel nicht besser behandelt. Es besteht jedoch die Mglichkeit, dass sowohl fr ihre
Begutachtung und Behandlung mehr Zeit aufgewendet wird.
27
den
Organisationen
hervorrufen.
Die
Probleme
liegen
groteils
im
28
5. ZWISCHENFAZIT
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Fragestellungen Was kann Soziale
Arbeit
zur
berwindung
von
Sprach-
und
Kommunikationsbarrieren
in
Wiener
Personal
gelst,
da
beim
Einsatz
eines/r
professionellen
Unerreichbarkeit einen nicht immer reibungslosen Ablauf mit sich. Durch die neuen Medien
besteht die Mglichkeit, kommunikativen Problemen durch Hilfe von auen (z. B.:
Dolmetsch auf Bereitschaft) entgegenzuwirken.
29
Im Zuge der Forschung fand eine Sensibilisierung bzgl. verschiedener Formen von Sprachund Kommunikationsbarrieren statt, welche von den Autor*innen somit leichter zu erkennen
sind. Dies macht es mglich, jene folglich zu verringern.
Da im Feldkontakt in Erfahrung gebracht wurde, dass Menschen mit einer Behinderung
bereits ausreichend in das System der Behindertenhilfe integriert sind. Da die Autor*innen
dieser Arbeit davon ausgehen, dass Missverstndnisse und Kommunikationsbarrieren im
Krankenhausalltag
ohnehin
auftreten,
diese
jedoch
durch
verschieden-sprachige
und
die
damit
verbundenen
Sprach-
und
Kommunikationsbarrieren
im
Krankenhaus zu legen. Aufgrund des derzeitigen Brgerkrieges in Syrien und der damit
verbundenen Fluchtbewegung nach Europa, unter anderem nach sterreich, wird der
Schwerpunkt auf syrische Asylwerber*innen gesetzt, Dies je nach Bedarf als ehrenamtliche
Dolmetscher*innen in Wiener Krankenhusern fungieren sollen. Diese Idee wird vorerst als
Pilotprojekt gestartet und knnte bei erfolgreicher Umsetzung ausgebaut und weitergefhrt
werden. Die Planung des Pilotprojekts wird in den folgenden Kapiteln beschrieben.
Abschlieend ist zu sagen, dass die Autor*innen dieser Arbeit einen facettenreichen Einblick
in dieses Gebiet erhielten, und sie sich somit eine gute Basis fr die weitere empirische
Forschung schaffen konnten.
Um mit den Projektarbeiten zu beginnen, mussten vorerst rechtliche Informationen zum
Arbeitsrecht von Aslywerber*innen eingeholt werden.
30
6. EMPIRISCHER TEIL
6.1 Forschungsdesign
Um das Thema der Arbeit bzw. die Forschungsfrage Was kann Soziale Arbeit zur
berwindung von Sprach- und Kommunikationsbarrieren in Wiener Krankenhuser
beitragen? bestmglich zu erforschen, haben die Autor*innen zwei Interviews und ein GoAlong abgehalten. Das Forschungsfeld begrenzt sich lokal auf die Stadt Wien und thematisch
auf Sprach- und Kommunikationsbarrieren im Zusammenhang mit Migration.
In der ersten Feldphase wurden die zwei Interviews jeweils mit einer Sozialarbeiterin
durchgefhrt. Das erste Interview fand am 13.05.2015 zwischen 14:00 und 15:00 Uhr im
Wilhelminenspital mit einer zustndigen Sozialarbeiterin der Kinder- und Jugendheilkunde
statt. Die beiden Interviewerinnen waren Claudia Mayr und Katharina Mstl.
Das zweite Interview fand am 09.06.2015 im Krankenhaus der Barmherzigen Brder mit
einer der dort ttigen Sozialarbeiter*innen statt. Dieses Interview dauerte rund 60 Minuten.
Die Interviewer*innen waren Anja Dihanits und Benedikt Froschauer. Fr diese beiden
Interviews wurde von den Autor*innen dieser Arbeit im Vorfeld ein ausfhrlicher
Interviewleitfaden mit Fragen zum Thema Sprach- und Kommunikationsbarrieren im
Krankenhaus erstellt.
Die beiden Interviews wurden anschlieend mithilfe der Auswertungsmethode nach
Mayring ausgewertet. Bei dieser Auswertungsmethode geht es darum, das Interview in
Kategorien
einzuteilen
und
anschlieend
bestmglich
zusammenzufassen.
Die
Kategorienentwicklung
Die Kategorienentwicklung beginnt mit dem Zusammenfassen bzw. Paraphrasieren des
Interviews. Aus dem Gesprochenen werden Fakten und Kernaussagen herausgearbeitet und
in einer anderen Wortwahl wiedergegeben. Im Schritt der Generalisierung wird der Textinhalt
auf ein qualitativ hheres Niveau angehoben. Im letzten Schritt der Kategorienentwicklung,
dem Reduzieren, werden inhaltsidente Aussagen weggestrichen und texthnliche Passagen
zusammengefasst (vgl. Kolland 2015: 42ff.). In diesem Schritt entstehen die Hauptkategorien
des Kategorienbaums.
31
Kategorienanalyse
Im Arbeitsschritt der Kategorienanalyse werden zu den Hauptkategorien passende
Unterkategorien gebildet. Es ist mglich, dass eine Unterkategorie bei verschiedenen
Hauptkategorien aufscheint. Des Weiteren erfolgt eine Selektion jener Interviewpassagen,
die nicht in den Kategorien aufscheinen. Ausschlielich Kernaussagen bleiben erhalten (vgl.
Kolland 2015: 55).
Kategorienvergleich
Kernaussagen
werden
in
Bezug
auf
das
gesamte
Interview
verglichen
und
In der zweiten Feldphase wurde ein weiterer Einblick in das Feld geschaffen. Am 24.11.2015
wurde von zwei Autorinnen dieser Arbeit ein Go-Along in einem Wiener Krankenhaus
durchgefhrt. Unter einem Go-Along versteht man eine begleitende Beobachtung. Die
Autorinnen hatten die Mglichkeit, von 07:30 bis 11:00 eine Krankenhaussozialarbeiterin in
der Praxis zu begleiten. Dabei war es den Autorinnen erneut mglich, diverse Fragen zu
stellen.
32
unnatrliche bzw. vernderte Haltung einnimmt (vgl. Kolland 2015: 11). Aufgrund der
Tatsache, dass die Beobachterinnen die Sozialarbeiterin bei ihrem Arbeitstag aktiv
begleiteten, liegt eine teilnehmende Beobachtung vor. Da das Go-Along im gewohnten
Umfeld
der
Krankenhaussozialarbeiterin
Feldbeobachtung,
welche
nach
dem
stattfindet,
Schema
einer
handelt
es
sich
unstrukturierten
um
eine
Beobachtung
durchgefhrt wird (vgl. Kolland 2015: 6). In dieser Beobachtung integrieren sich die
Forscherinnen in die natrliche Lebenswelt der Sozialarbeiterin (vgl. Kolland 2015: 10). Den
Partizipationsgrad der Beobachterinnen bezeichnet man als observer as participant. Die
Beobachterinnen sind hier in erster Linie auf die Ttigkeiten der zu beobachtenden
Sozialarbeiterin fokussiert. Sie versuchen jedoch, sich mit passenden Fragen zum Feld in
das Umfeld zu integrieren (vgl. Kolland 2015: 8).
33
beitragen? wurde der Leitfaden mit dem Fokus auf die Themengebiete Migration und
Menschen mit Behinderungen erstellt.
Fazit
Zusammenfassend ist zu sagen, dass vonseiten der Interviewten ein groes Interesse an
dieser Forschungsarbeit, den Ergebnissen und dem daraus entstehenden Projekt gezeigt
wurde. Trotz des Leitfadens, war es wichtig, flexibel zu bleiben, da manche Fragen schon
beantwortet waren, bevor sie gestellt wurden.
Die Bedenken, das Interview knnte zu kurz werden, wurden nicht besttigt. Wre ein
grerer Zeitrahmen da gewesen, htte das Interview sehr wahrscheinlich noch lnger
gedauert.
34
Auerdem beschftig die Interviewer*innen der Gedanke ber eine eventuell schlechte
Tonqualitt der Amateuraufnahmen. Diese Sorgen besttigten sich glcklicherweise nicht.
Die Interviewer*innen erkundigten sich an der Pforte im Eingangsbereich ber den genauen
Standort der Krankenhaussozialarbeit. Dank der guten Auskunft konnte das Bro der
Sozialarbeiter*innen problemlos gefunden werden. Die Interviewer*innen mussten jedoch
einige Minuten warten, bis die zustndige Sozialarbeiterin ihren vorigen Termin
abgeschlossen hatte.
Probleme.
Fr
gehrlose
Menschen
besteht
aber
die
Mglichkeit,
die
Fazit
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Bereich Migration mehr Sprach- und
Kommunikationsbarrieren mit sich bringt als der Bereich der Behinderung. Die persnliche
Schlussfolgerung
der
Interviewer*innen
war,
dass
es
notwendig
wre,
internes
6.4 Interviewauswertungen
Im Vorfeld der Interviews wurde von den Autor*innen dieser Arbeit gemeinsam ein
Interviewleitfaden
ausgearbeitet,
Kommunikationsbarrieren
im
in
welchem
Krankenhaus
der
gelegt
Schwerpunkt
wurde.
auf
Sprach-
und
Aufgabenbereiche
der
Interviewer*innen
zur
Erkenntnis
gekommen,
dass
es
hufig
groe
35
Krankenhaussozialarbeiter*innen
Aufgabenbereiche, Team und Rolle der Krankenhaussozialarbeiter*innen
Die
interviewte
Sozialarbeiterin
des
Wilhelminenspitals
ist
fr
die
Kinder-
und
Jugendabteilungen zustndig, von der Neonatologischen Intensivstation bis hin zur Arbeit mit
Kindern mit verschiedensten Infektionserkrankungen. Des Weiteren hat das Krankenhaus
einen Schwerpunkt im Bereich der Psychosomatik (Suglingspsychosomatik) (vgl. I1 2015:
11 ff.).
In erster Linie zhlen Beratung, Information, Begleitung sowie Krisenintervention zu den
wesentlichsten Aufgaben der Krankenhaussozialarbeiterin. Ein Fokus wird dabei auf die
soziale Dimension der Krankheit gelegt. Dadurch wird versucht, den Genesungsprozess zu
frdern und die psychosoziale Situation bestmglich zu beachten (vgl. I1 2015: 15 ff.).
Je nach Fallgeschichte ist eine Vernetzung mit externen Institutionen, wie z. B. der Kinderund Jugendhilfe, ntig (vgl. I1 2015: 23 f.).
Zu den Aufgaben der Sozialarbeiter*innen im Krankenhaus der Barmherzigen Brder Wien
gehrt die Beratung von Patient*innen und deren Angehrigen. Ein wesentliches Thema der
Beratungsgesprche ist, wie es nach der Entlassung der Patient*innen aus dem
Krankenhaus weitergehen soll und welche Untersttzungsmittel bzw. sozialen Dienste dann
zur
Verfgung
stehen
knnen
bzw.
werden.
Des
Weiteren
untersttzen
die
36
Akteur*innen
Zielgruppe der Krankenhaussozialarbeiter*innen und Personal
Zu den wichtigsten Zielgruppen der Sozialarbeiterin im Wilhelminenspital zhlen Kinder und
Jugendliche mit unterschiedlichen Krankheitsbildern (vgl. I1 2015: 7ff.). Auch mit der
Obsorge
betraute
Personen,
bzw.
im
Falle
von
Fremdunterbringungen
andere
37
Krankheitsbild fr sie im Vordergrund steht. Dennoch sollte aus Sicht der Sozialarbeiterin
auch in diesen Situationen mehr Zeit fr Gesprche und Betreuung beansprucht werden (vgl.
I1 2015: 151 ff.). Probleme im
Zeitmanagement sieht
Wilhelminenspitals eher auf den Erwachsenenstationen, da der Fokus hier ausschlielich auf
die Patient*innen gerichtet wird und laut Interviewpartnerin kaum weitere Zeit fr Gesprche
mit Angehrigen eingeplant wird. Auerdem wird auf Stationen in Erwachsenenabteilungen
wegen Ressourcenknappheit schneller gearbeitet (vgl. I1 2015: 142 ff.).
Im Krankenhaus der Barmherzigen Brder sind die Zielgruppen, mit welchen die
Krankenhaussozialarbeiter*innen in Kontakt kommen, sehr unterschiedlich. Ein groer Teil
der Klient*innen sind alte Menschen mit Pflegebedarf und verschiedenen Erkrankungen.
Jedoch arbeiten sie auch mit jungen Patient*innen mit z. B. Substanzabhngigkeiten oder
psychischen Erkrankungen. Ebenso sind obdachlose Klient*innen ein Teil der Zielgruppe.
Eine Besonderheit des Krankenhauses ist, dass auch nicht-krankenversicherte Menschen
aufgenommen werden (vgl. I2 2015: 55ff.). Oft sind die nicht-krankenversicherten
Patient*innen Migrant*innen aus Lndern auerhalb der Europischen Union. Bei dieser
Klient*innengruppe
spielen
Fragen
zum
Thema
materielle
Grundsicherung
im
Zusammenhang mit der Versicherung eine wichtige Rolle (vgl. I2 2015: 68ff.). Bei den
Barmherzigen Brdern gibt es eine Ambulanz fr Menschen mit Mehrfachbehinderungen. Mit
Menschen mit Behinderung arbeiten die Sozialarbeiter*innen jedoch eher selten, da diese
meist besachwaltet bzw. gut ins System der Behindertenhilfe integriert sind. (vgl. I2 2015:
78ff.). Des Weiteren gibt es eine Gehrlosenambulanz, ein Sozialarbeiter spricht die
Gebrdensprache und kann somit dolmetschen (vgl. I2 2015: 100ff.).
Es gibt zwei mgliche Tage in der Woche, an denen Teambesprechungen stattfinden
(Dienstag und Donnerstag). Diese wchentliche, einstndige Sitzung ist wichtig, da alle
Berufsgruppen jeder Station dabei sind, die mit den Patient*innen zusammenarbeiten (vgl. I2
2015: 237ff.). Einzelne Personen unter den Mitarbeiter*innen empfinden die Sozialarbeit als
unwichtig und kommunizieren daher nicht gut mit den Sozialarbeiter*innen (vgl. I2 2015:
181ff.). Eine Strategie der Sozialarbeiter*innen ist es daher, mit den Personen zu
kommunizieren, mit denen sie sich gut verstehen (vgl. I2 2015: 185ff.).
Die Sozialarbeiter*innen haben keine bestimmten Personen als Klient*innen, es wird mit
jedem gearbeitet, der gerade Bedarf hat. Allerdings wird darauf geachtet, dass Personen,
welche die Krankenhaussozialarbeit bereits beansprucht haben, bei erneuter Aufnahme ins
Krankenhaus wieder von der-/demselben Sozialarbeiter*in betreut werden wie beim letzten
Mal (vgl. I2 2015: 297ff.).
38
Organisatorisches
Kontaktaufnahme und Finanzierung
Die Kontaktaufnahme zwischen den Patient*innen bzw. deren Angehrigen und den
Sozialarbeiter*innen des Krankenhauses der Barmherzigen Brder erfolgt z. B.:
medial mittels Telefon bzw. ber Informationsbltter und Broschren vor dem Bro
der Sozialarbeiter*innen und
massenmedial ffentlich ber einen Verweis ber die vorhandene Sozialarbeit auf der
Homepage des Krankenhauses (vgl. I2 2015: 31ff.).
Wann die Sozialarbeit einbezogen wird, ist von der gesundheitlichen Entwicklung der
Patient*innen abhngig. Oft dauert es einige Wochen, bis die Patient*innen die Soziale Arbeit
beanspruchen knnen. Diese wird hinzugezogen, wenn Patient*innen vor der Entlassung
stehen (Entlassungsmanagement) (vgl. I2 2015: 196ff.).
Fr Patient*innen und fr Sozialarbeiter*innen werden Fortbildungen, Workshops und
Arbeitskreise angeboten, welche die Leitung des Krankenhauses finanziert. Wenn das
Personal Workshops auerhalb des Krankenhauses machen will, muss erst um die
Finanzierung angefragt werden (vgl.I2 2015: 250ff.).
Sprache
Sprachbarrieren und Hilfsmittel zur berwindung
Im Krankenhaus der Barmherzigen Brder teilte die Interviewpartner*in mit, dass
Sprachprobleme beim Klient*innenkontakt auftreten, wenn Patient*innen oder deren
Angehrige nicht deutsch sprechen wrden. Oft wrden dann die Familien und sogar Kinder
dolmetschen. Es wre jedoch nicht von Vorteil, wenn diese Personen die Betroffenen ber
z. B. eine Krebserkrankung zu informieren htten. Das berbringen tdlicher Erkrankungen
sei auch dem Personal nicht immer zumutbar (vgl. I2 2015: 108ff.).
Untersttzungsmittel zur berwindung von Sprachbarrieren, welche im Krankenhaus der
Barmherzigen Brder zur Verfgung stehen, sind z. B.:
39
40
Sozialarbeiterin ist der Meinung, dass Begrungen in der Muttersprache eine vertraute
Basis schaffen knnen und so die Einstiegssituation fr die Klient*innen vereinfacht wird (vgl.
I1 2015: 355 ff.). Sie habe in smtlichen Sprachen, guten Tag und auf Wiedersehen versucht
zu lernen, gemeinsam im Gesprch mit der Person (vgl. I1 2015: 354).
Kommunikation
Barrieren, Beschilderung
Kommunikationsbarrieren gibt es im Krankenhaus der Barmherzigen Brder z. B. in der
Arbeit mit Schlaganfallpatient*innen, wenn diese Formulare nicht mehr selbst ausfllen bzw.
nicht mehr selbst unterschreiben knnen. In diesen Fllen wird eng mit den Angehrigen der
Patient*innen zusammengearbeitet. Es wird versucht, bestimmte Angelegenheiten mittels
Vertretungsbefugnis zu regeln. Die Vertretungsbefugnis kann bei einem Notar beantragt
werden und ist im Gegensatz zur Sachwalterschaft kein gerichtliches Verfahren. Die
Angehrigen drfen dann verschiedene Antrge stellen. In medizinische Behandlungen
drfen sie damit jedoch nicht einwilligen. Wenn das Legen einer PEG-Sonde [zur knstlichen
Ernhrung, Anm. d. Verf.] medizinisch indiziert ist, wird versucht, mittels der Angehrigen den
Willen der Patient*innen herauszufinden, um eine Sachwalterschaft zu umgehen (vgl. I2
2015: 125ff.).
Wenn Patient*innen neu aufgenommen werden, bekommen sie eine Willkommens-Mappe,
in der bspw. der Tagesablauf oder Angebote (psychologische Betreuung, Sozialarbeit,
Physiotherapie etc.) des Krankenhauses angefhrt sind (vgl. I2 2015: 224ff.).
Anfangs haben manche Patient*innen bzw. deren Angehrige noch Schwierigkeiten, sich im
Krankenhaus zu orientieren. Oft finden diese ein Zimmer nicht, da das Krankenhaus der
Barmherzigen Brder einen alten und einen neuen Gebudetrakt hat. Wenn man
Patient*innen oder Angehrigen einmal zeigt, wo sie hingehen mssen, orientieren sie sich
jedoch relativ schnell. Da es zwei Bros der Sozialarbeiter*innen in unterschiedlichen
Stockwerken gibt, kommt es jedoch manchmal vor, dass ein/e Patient*in zum falschen Bro
geht (vgl. I2 2015: 280ff.).
Insgesamt funktioniert die Kommunikation im Krankenhaus der Barmherzigen Brder
groteils gut, unter anderem auch dadurch, weil es ein verhltnismig kleines Spital ist (vgl.
I2 2015: 176f.).
Laut der Sozialarbeiterin des Wilhelminenspitals bedarf es viel Zeit und Geduld vonseiten der
Sozialarbeit, um die oft schwierige Kommunikation zu erleichtern und um an die ntigen
Informationen zu gelangen, damit die Klient*innen bestmglich untersttzt werden knnen
(vgl.
I1
2015:
83
f.).
Als
einen
ihrer
persnlichen
Alltagstricks
werden
41
Fazit
Durch die Interviewauswertungen haben sich die Krankenhaussozialarbeit, die Akteur*innen,
das Organisatorische sowie Sprache & Kommunikation als Hauptthemen herauskristallisiert.
Wie anfangs vermutet, treten Sprach- und Kommunikationsbarrieren im Migrations- und
Behindertenbereich auf. Da Menschen mit Beeintrchtigung meist gut in das System der
Behindertenhilfe integriert sind, wird der Fokus im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf
Sprachbarrieren und Migration gelegt werden. Eine nicht vorhandene Sprachbasis ist oftmals
der Hauptausgangspunkt fr Sprach- und Kommunikationsstrungen. Diese Barriere wird
unter anderem durch Hilfsmittel wie Angehrigen- und/oder Personaldolmetsch gelst. Des
Weiteren tragen die eigenen erlernten Sprachkompetenzen zur
Minimierung
von
Unverstndlichkeit bei. Aus beiden Interviews ging hervor, dass es von groer Hilfe sein
kann, sich eigene Alltagstricks anzueignen. Hier wurden Beispiele wie das Basiswissen in
Fremdsprachen oder die bersetzung mithilfe neuer Medien angesprochen. Zustzlich
wurde in Bezug auf Kommunikationsbarrieren auch die Verwendung von Bildwrterbchern
und Landkarten angesprochen. Da der Dolmetsch von groer Bedeutung ist und noch weiter
ausgebaut
werden
mchte,
werden Arbeitskreise
und Workshops
in
Bezug
auf
6.5 Go-Along
Am Donnerstag, dem 24. November 2015 nahmen Frau Mayr und Frau Mstl ein Go-Along
in
einem
Wiener
Krankenhaus
teil.
Sie
hatten
die
Mglichkeit,
eine
42
Ankunft
Frau Mayr und Frau Mstl erreichten das Krankenhaus um 7.00 Uhr und hatten somit Zeit,
sich eine halbe Stunde lang selbststndig im Krankenhaus umzusehen. Das Krankenhaus
war mit ffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar und an der Haltestelle, an welcher die
Autor*innen dieser Arbeit ausstiegen, befand sich ein grafischer Hinweis, wie das Spital zu
erreichen sei. Im Krankenhaus angekommen, wurde ein besonderes Augenmerk auf
Beschilderungen und Wegweiser gelegt und ob diese auch fr Menschen, welche die
deutsche Sprache nicht oder nicht ausreichend beherrschen, verstndlich seien. In der Nhe
des Eingangsbereiches war eine groe Tafel, auf welcher schriftlich auf die einzelnen
Stationen und deren Lage verwiesen wurde. Die Hinweistafel war fr die Autor*innen dieser
Arbeit nicht einfach zu verstehen, da die Bezeichnungen der Stationen in unterschiedlichen
Farben hinterlegt waren und der Grund fr die Farbzuordnung nicht nachvollziehbar war.
Somit war die Orientierung (obwohl die Autor*innen Deutsch in Sprache und Schrift gut
verstehen) erschwert. Positiv fiel auf, dass der Informationsschalter leicht zu finden war.
Die Wnde des Eingangsbereiches waren beklebt mit verschiedensten Zetteln, wobei einige
an das Personal und nicht an die Patient*innen gerichtet waren. Die Info-Zettel waren
groteils beschrieben und die Autor*innen dieser Arbeit fanden, dass mehr Bilder fr eine
barrierefreie Kommunikation und zur Orientierung hilfreicher gewesen wren. Die einzigen
Bilder, welche im Eingangsbereich auffielen, waren Verbotsschilder (z. B. Rauchen verboten
im typischen roten Kreis mit einer durchgestrichenen Zigarette und ein Schild, welches auf
das Verbot von Roller-, Inlineskates und Skateboard hinwies). Direkt vor dem Krankenhaus
wurde mit Bildern gut beschrieben, wie der Parkplatz mittels Automaten zu bezahlen sei.
Morgenbesprechung
Um ca. 8:00 Uhr begleiteten Frau Mayr und Frau Mstl die Krankenhaussozialarbeiterin zu
einer Morgenbesprechung mit unterschiedlichen Berufsgruppen. Im Seminarraum, in
welchem diese Besprechung stattfand, befanden sich insgesamt 40 Sthle. 20 davon
standen in der Mitte des Raumes kreisfrmig um in quadratischer Form angelegte Tische
und 20 weitere bildeten einen Auenkreis an der Wand entlang. Es befanden sich etwa 30
Personen im Seminarraum. Es war fr die Beobachter*innen als Auenstehende nicht ganz
erkennbar, welche Person welcher Berufsgruppe angehrte, da jede unterschiedliche
Kleidung trug. Die Autor*innen vermuteten, dass eine berzahl an rzt*innen anwesend war
und diese auf unterschiedlichen Stationen des Krankenhauses arbeiteten. Die Sessel waren
in die Richtung einer Tafel angeordnet. Vor der Tafel sa zu Beginn der Besprechung der
Primararzt und anschlieend jenes Personal, welches Einzelflle medizinisch vorstellte. Die
Sprache, die das medizinische Personal verwendete, war fr Menschen mit nicht-
43
ansonsten
konnte
ein
Migrationshintergrund
nur
aufgrund
von
bestimmten Vor- bzw. Nachnamen vermutet werden. Die Kommunikation bzw. Sprache mit
den Patient*innen wurde jedoch nicht thematisiert, da der Fokus der Besprechung auf
medizinische Inhalte wie Krankheiten und deren Behandlung gelegt wurde.
Insgesamt war die Atmosphre whrend der Besprechung sehr unruhig. Das medizinische
Personal redete oft durcheinander. Immer wieder klingelte ein Telefon und es wurden im
Seminarraum, auch whrend eine Person einen Vortrag hielt, Anrufe angenommen.
Dieser Teil des Go-Alongs zeigt, dass es selbst innerhalb der Berufsgruppe der rzt*innen
eine ungnstige Kommunikationskultur gibt. Durch das Durcheinanderreden und das NichtZuhren des Gegenbers entstehen Missverstndnisse, welche weitreichende Folgen haben
knnen.
Go-Along
Im Rahmen des Go-Alongs konnten Frau Mayr und Frau Mstl im Bro der Sozialarbeiterin
Einblick
in
die
handschriftliche
Dokumentation
der
Sozialarbeiterin
und
in
ein
44
Interaktion
Im Krankenhaus befinden sich auch weitere Sozialarbeiter*innen. Diese haben zwar einen
anderen Zustndigkeitsbereich, die Zusammenarbeit funktioniert jedoch gut und es herrscht
ein freundlicher Umgangston.
Die Interaktion zwischen der Sozialarbeiterin und rzt*innen bzw. dem Pflegepersonal war
durchaus unterschiedlich. Dies hing vor allem davon ab, ob schon zusammengearbeitet
wurde und das Gegenber bekannt war. Groteils wirkte der Umgang miteinander - vor
allem mit dem Pflegepersonal - sehr freundschaftlich, es wurde viel gescherzt und gelacht.
Nur in einem Gesprch zwischen medizinischem Personal und einem Angehrigen einer
Patientin, welches ein sensibles Thema beinhaltete, nahm die Sozialarbeiterin einerseits die
Rolle der Vermittlerin zwischen Angehrigem und rzt*innen, andererseits als Verteidigerin
des Angehrigen ein. Dabei wurde auch energisch miteinander geredet. Als zwei rzt*innen
bei einem Gesprch mit einem Angehrigen bergriffige Fragen stellten bzw. diesen
abwertend behandelten, versuchte die Sozialarbeiterin vermittelnd einzuschreiten.
Laut Sozialarbeiterin gibt es in diesem Krankenhaus eine Station, auf der sich das Personal
von den anderen ein wenig abschottet. Es gestalte sich fr sie schwierig, mit den
Mitarbeiter*innen jener Station zu kooperieren, da die Sozialarbeit von diesen als negativ
bewertet wrde.
Den Patient*innen und deren Angehrigen gegenber war die Sozialarbeiterin sehr
empathisch, offen und wertschtzend. Sie stellte oft Krperkontakt zu Patient*innen her (z.B.
Berhrung an der Schulter, bei Patient*innen, die im Bett lagen Berhrung der Fe/Beine)
und begegnete ihnen auch mit Humor und einem Lcheln. Bei Menschen, deren
Muttersprache nicht deutsch war, versuchte sie, eine einfache Sprache zu verwenden.
Mussten sensible Themen besprochen werden, wurden die Beobachter*innen gebeten, den
Raum zu verlassen. Im Bedarfsfall ergriff die Sozialarbeiterin auch Partei fr Patient*innen
oder deren Angehrige.
Der Alltag der Sozialarbeiterin war von viel Humor geprgt, wobei dieser Groteils von ihr
ausging. Sie lachte viel und hatte eine sehr wertschtzende und humorvolle Kommunikation
mit den Patient*innen, mit manchen Kolleg*innen und mit den Autor*innen dieser Arbeit.
Dolmetschgesprch
Das Dolmetschgesprch wurde von der Sozialarbeiterin in der Frh organisiert. Geplant
waren als beteiligte Personen der Angehrige einer Patientin, die Sozialarbeiterin, eine
45
Chirurgin und zwei diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, wobei eine von
diesen als Dolmetscherin fungierte.
Um 10.30 Uhr sollte das Gesprch stattfinden. Die Beteiligten erschienen pnktlich, die
Dolmetscherin fehlte jedoch. Auerdem nahm die Chirurgin eine Kollegin als Untersttzung
mit. Das Gesprch fand in einem Aufenthaltsraum fr Patient*innen statt. Es wurde ein Tisch
aufgestellt. Der Angehrige sa mit dem Rcken zur Tr, neben ihm und ihm zugewandt die
Sozialarbeiterin. Schrg gegenber befanden sich die rztinnen. Zwischen diesen und der
Sozialarbeiterin stand der Sessel der Krankenpflegerin. Die Beobachter*innen hatten ihren
Sitzplatz schrg hinter dem Angehrigen. Die Sitzordnung wechselte, als die Dolmetscherin
dazustie.
Es dauerte eine halbe Stunde, bis die Dolmetscherin erschien. Dies passierte aufgrund eines
Missverstndnisses, bei dem die falsche Dolmetscherin informiert wurde. Es wurde
mehrmals auf der Station der dolmetschenden Krankenpflegerin angerufen und nachgefragt,
wo sie sei. Immer wieder kam die Rckmeldung, dass die diese noch etwas zu tun und
daher noch keine Zeit habe, zu dem Gesprch zu kommen. Schlussendlich ging eine der
rztinnen zu jener Station, um die Dolmetscherin zu holen. Wie dann doch die richtige
Dolmetscherin zu dem Gesprch kam, lie sich fr die Beobachter*innen aufgrund der
Verwirrungen nicht genau erschlieen.
Whrend der Wartezeit sahen die anwesenden Medizinerinnen die Patient*innenakte erneut
durch und unterhielten sich vor dem Angehrigen ber die Patientin bzw. diesen selbst. Dies
taten sie, da sie laut eigener Aussagen davon ausgingen, dass der Angehrige ohnehin
nichts verstehen wrde. Dies widerlegte sich, als die Sozialarbeiterin versuchte, mit dem
Angehrigen auf Deutsch zu sprechen. Die Sozialarbeiterin redete langsam, verwendete
einfache Wrter und wartete geduldig auf Antworten. Der Angehrige antwortete auf Deutsch
mit Schlagworten. Ein Gesprch ohne Dolmetscherin wre jedoch in diesem Fall nicht
mglich gewesen, da es sich um ein sensibles Thema handelte und die Sprachkompetenzen
des Angehrigen nicht ausreichend waren. Dieser brachte den Lsungsvorschlag, einen
Freund anzurufen, der anstatt der Krankenpflegerin bersetzen knnte, was aufgrund der
Thematik abgelehnt wurde. Des Weiteren schienen die rztinnen whrend der Wartezeit
ungeduldig zu sein, eine von diesen beklagte sich, dass sie extra fr dieses Gesprch die
Visite abgebrochen habe. Die Kommunikation seitens der rztinnen war (negativ) wertend.
Nach einer halben Stunde traf schlielich die dolmetschende Krankenpflegerin ein. Sie
meinte, man habe ihr nicht ausgerichtet, dass sie dolmetschen sollte und sei aus diesem
Grund noch mit der Pflege andere Patient*innen beschftigt gewesen. Die Dolmetscherin
setzte sich zwischen die beiden rztinnen, dem Angehrigen gegenber. Whrend des
Gesprchs wirkte sie von der Tonlage und der Krpersprache her neutral. Bezglich. des
gedolmetschten
46
Inhalts
mangelte
es
den
Beobachter*innen
an den
spezifischen
Fremdsprachenkenntnissen. Es wirkte so, als htten sich die rztinnen bereits vor dem
tatschlichen Gesprch eine Meinung ber den Angehrigen gebildet und waren nun nicht
mehr offen fr einen anderen Gesprchsausgang. Auffallend war, dass die rztinnen
emotionale uerungen ttigten bzw. eine mentale Grenze zwischen der sterreichischen
Kultur und der des Angehrigen zogen. Die persnliche Situation des Angehrigen wurde
kaum bercksichtigt, da die rztinnen gewisse Aspekte nur von ihrem eigenen Standpunkt
aus beleuchteten. Auerdem redeten die rztinnen, whrend die Dolmetscherin gerade mit
dem Angehrigen sprach, miteinander, sodass die Dolmetsch-Situation erschwert wurde. Der
Angehrige wurde im Laufe des Gesprchs immer verkrampfter und wirkte verzweifelt. Sein
Kopf war nach unten geneigt, seine Krperhaltung verspannte sich im Laufe des Gesprches
zusehends (z. B. Hnde wurden zu einer Faust geballt und auf den Oberschenkeln
abgesttzt).
Da sich die Emotionen gegen Ende so sehr aufschaukelten, dass das eigentliche Thema
nebenschlich wurde, beendete die Sozialarbeiterin das Gesprch. Da der Angehrige
emotional aufgewhlt wirkte, beschloss die Sozialarbeiterin mit diesem und der
Dolmetscherin die Situation in ihrem Bro nachzubesprechen. Die Beobachter*innen wurden
gebeten, whrenddessen vor der Tr zu warten. Anschlieend hatten die Beobachterinnen
noch die Mglichkeit, die Situation mit der Sozialarbeiterin zu reflektieren und dieser Fragen
zu stellen.
Gegen Ende des Go-Alongs wurden der Sozialarbeiterin drei verschiedene potenzielle
Projekte vorgestellt.
47
B) Bilderkatalog
Beim zweiten Projekt wrde ein Katalog erstellt werden. Dieser enthielte Darstellungen von
Dingen, die fr die Soziale Arbeit relevant seien (z. B. die Wrter Versicherung,
Familienstand, ledig/verheiratet/geschieden, Schulden, Beihilfen etc.). Bei den
Darstellungen wrden die Wrter auf Deutsch und die bersetzung in der jeweiligen Sprache
dabeistehen. Angedacht wren entweder ein gedruckter Katalog, ein Online-Katalog oder
eine App frs Handy. Handle es sich um die gedruckte Version, sollte auf jeder Abteilung ein
Bilderkatalog vorhanden sein.
Dieses Projekt betrachtete die Sozialarbeiterin als zu aufwndig sowohl in der Herstellung,
als auch in der Ausfhrung.
C) Personal-/Angehrigenschulung
Beim dritten mglichen Projekt wrden Angehrige bzw. das Krankenhauspersonal selbst fr
das Dolmetschen bzw. auch in ihren Sprachen bzgl. medizinischer und sozialarbeiterischer
Begriffe geschult werden. Angehrige, die Patient*innen begleiten, knnten dann als
Dolmetscher fungieren, oder falls das nicht der Fall ist, knnte bei Bedarf das geschulte
Krankenhauspersonal dolmetschen.
Zu dieser Projektidee meinte die Sozialarbeiterin, dass es wichtig sei, das Familiensystem zu
schonen, da es durch gewisse Erkrankungen und Situationen bereits genug belastet sei. Vor
allem sei es Prioritt, Kinder nicht als Dolmetscher*innen einzusetzen. Bezglich des
Personals wren Problematiken die Verfgbarkeit (Dienstplne) und die Abrufbarkeit.
Zusammenfassung
Im Groen und Ganzen nahm die Sozialarbeiterin jenes Krankenhauses mehrere Rollen ein.
Einerseits fungierte sie als Mediatorin, im Speziellen whrend des Gesprches zwischen
dem Angehrigen und den Mediziner*innen. Des Weiteren entschrfte sie Situationen und
korrigierte Fehler, die im Umgang mit Patient*innen/Angehrigen passierten durch
Bewusstmachung von Wertungen, Grenzberschreitungen und diskriminierenden Haltungen.
Dies geschah in diesem Fall durch das Transparentmachen der Lebenswelt der Patient*in
und deren Umwelt (z. B. Aufteilung der Wohnung, Rahmenbedingungen der Arbeit,
Konstruktion des Familiensystems etc.).
Die Soziale Arbeit stellt auch eine Funktion als antidiskriminierendes Element dar.
Mglichkeiten, das zu tun, sind bspw. Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, Stereotype
anzusprechen und zu hinterfragen.
Das Dolmetsch-Gesprch wurde von der Sozialarbeiterin bewusst beendet, um den
Angehrigen zu entlasten. Die rzt*innen nahmen dies hin, ohne sich in ihrer Autoritt
48
untergraben zu fhlen. Vermutlich stellte die Beendigung des Gesprches auch fr sie eine
Entlastung dar, da sie an ihre Arbeit zurckgehen konnten und sich nicht weiter mit dieser
Problematik beschftigen mussten. Dies verdeutlicht jedoch erneut den enormen Druck bzw.
Zeitdruck unter welchem das rzte- und Krankenpflegepersonal vermutlich steht, was eine
erfolgreiche Kommunikation erschwert. Es bleibt nur wenig Zeit fr eine ausgeprgte
Kommunikationskultur, welche aus Zuhren und ganzheitlichem Verstehen also der
Sprache, der Lebenswelt des Gegenbers, die daraus resultierenden Bedrfnisse und
ngste etc. besteht. Aufgrund des medizinischen Schwerpunktes im Krankenhaus bleibt
vor allem fr rzt*innen, aber auch fr das Krankenpflegepersonal nicht gengend Zeit, um
auf die kulturellen und persnlichen Hintergrnde der Patient*innen zu achten.
Die Rolle der Krankenhaussozialarbeiterin in der Morgenbesprechung war fr die
Beobachter*innen nicht klar ersichtlich. Selbst nahm sie keinen aktiven Part ein, sondern
verhielt sich passiv und ging auch aufgrund eines Telefonates aus dem Raum. Da sie das
Dolmetschgesprchs organisieren bzw. eine andere Patientin aufsuchen musste, verlie sie
mit den Beobachter*innen die Morgenbesprechung frhzeitig.
Beim Kontakt mit Patient*innen waren Berhrungen an der Schulter bei der Begrung
hufig. Dabei machte sie keinen Unterschied, welche kulturellen Hintergrnde diese hatten.
Die Gesten wirkten bewusst eingesetzt und schienen groteils nicht negativ aufgenommen
zu werden. Dies wirkte eher untersttzend beim Beziehungsaufbau und frderte eine positive
Gesprchskultur. Sprache und Kommunikation spielen eine essentielle Rolle im Berufsalltag
der Sozialarbeiterin. Die Beobachterinnen gewannen den Eindruck, dass es der
Sozialarbeiterin auch erlaubt ist, sich bewusst auf z.B. Beratungsgesprche zu fokussieren,
wohingegen rzt*innen und Pflegepersonal Gesprche oftmals nebenbei (z.B. whrend der
Krperpflege bzw. Untersuchungen) zu fhren hatten.
Bei der Kommunikation mit Menschen mit wenig deutschen Sprachkompetenzen verfiel sie
anfangs in den Foreigner Talk, der anfangs unter dem Punkt 2.4 Kommunikations- und
Sprachbarrieren beschrieben wurde: Sie verwendete Zweiwortstze und Schlagworte.
Ebenso sprach sie in gesteigerter Lautstrke und einem langsameren Tempo. Das nderte
sich jedoch whrend der Dauer des Gesprches. Nach einer kurzen Anlaufphase ging sie
dann in eine flieende Sprache ber.
49
erarbeitet,
welches
darauf
abzielt,
Sprach-
und
Kommunikationsbarrieren
kostengnstig zu minimieren, ohne das soziale Netz der Patient*innen bzw. das
Krankenhauspersonal
zustzlich
zu
belasten.
Durch
die
derzeitig
herrschende
in
deren
eigene
Gesundheitssystem zu schaffen.
50
Selbstheilungskrfte
sowie
in
das
sterreichische
8. PROJEKT PROPOSAL
Das Pilotprojekt Voices for Health wird beim Bundesministerium fr Inneres fr die ntige
Finanzierung eingereicht.
8.1 Projektumfeld
Das Projekt findet in Kooperation zwischen dem Otto Wagner Spital und der
Flchtlingsunterkunft Haus Vindobona der Caritas statt. In diesem Umfeld soll das Projekt als
Pilotprojekt gestartet und zuknftig auf andere Krankenhuser und Flchtlingsunterknfte
bertragen werden.
Das Otto Wagner Spital ist der Baumgartner Hhe im 14. Wiener Gemeindebezirk. Auf dem
groen Areal befinden sich in unterschiedlichsten Pavillons folgende Abteilungen:
Neurologisches
Zentrum,
Orthopdisches
Zentrum,
Psychiatrisches
Zentrum,
Freizeitgestaltung
Aufgrund der rumlichen Nhe zwischen der Flchtlingsunterkunft und dem Krankenhaus
haben sich die Autor*innen dieser Arbeit fr das Haus Vindobona und das Otto Wagner Spital
entschieden.
51
8.2 Ausgangslage
Durch die durchgefhrten Interviews und das Go-Along bekamen die Autor*innen dieser
Arbeit einen Einblick, wie in drei unterschiedlichen Wiener Krankenanstalten gedolmetscht
wird. Im Rahmen der Feldphasen stieen die Autor*innen auf folgende Wege des
Dolmetschens in Krankenanstalten: Dolmetsch durch personalinterne bzw. professionelle
Dolmetscher*innen und dolmetschende Angehrige. Nachfolgend wird auf diese Arten des
Dolmetschens sowie den Videodolmetsch und die damit zusammenhngenden Defizite in
der Praxisanwendung eingegangen.
Personalinternes Dolmetschen
Ein Lsungsweg ist die Mglichkeit des personalinternen Dolmetschens. Dadurch, dass das
multiprofessionelle Krankenhauspersonal oftmals multikulturell zusammengesetzt ist, wird
bei auftretenden Sprachbarrieren mit jenem Personal Kontakt aufgenommen, welches die
Muttersprache der Patient*innen beherrscht. Die Autor*innen dieser Arbeit erfuhren, dass in
manchen Krankenhusern Listen aufliegen, auf welchen das mehrsprachige Personal
aufscheint. Schwierigkeiten, die bei dieser Art des Dolmetschens auftreten knnen, sind
bspw. der Zeitmangel des Personals und somit die mangelnde Flexibilitt in der
Durchfhrung
der
Dolmetschgesprche.
Wird
z.
B.
Pflegepersonal
zu
einem
Dolmetschgesprch auf eine andere Station berufen, hat dies zur Folge, dass es auf der
eigenen Station zu einem kurzzeitigen Personalmangel kommen kann, welcher dann durch
Kolleg*innen ausgeglichen werden muss. Auch die Organisation der Dolmetschgesprche
stellt durch die unterschiedlichen Dienstplne des Personals und die Zeitressourcen von
Patient*innen und sonstigen beteiligten Akteur*innen eine Hrde dar. Des Weiteren kann die
Multiprofessionalitt der Dolmetscher*innen zur Schwierigkeit werden, wenn z. B.
mehrsprachiges Reinigungspersonal dazu veranlasst wird, medizinische Gesprche fr
einen Arzt/eine rztin zu dolmetschen bzw. nicht rztliches Personal schlechte Nachrichten,
wie z. B. eine schwere Erkrankung berbringen muss. Auch die Deutschkenntnisse des
Personals stellen einen zentralen Faktor fr das Gelingen der Gesprche dar.
dieser
zu
den
Patient*innen
einen
wesentlichen
Einfluss
auf
das
Dolmetschgesprch. Im Rahmen der Feldphase erfuhren die Autor*innen dieser Arbeit, dass
ein weiterer wichtiger Faktor des Angehrigendolmetschens die Volljhrigkeit der
Angehrigen darstellt, um die minderjhrigen Kinder/Angehrigen der Patient*innen zu
schtzen. Eine Problematik dieser Art des Dolmetschens kann z. B. dadurch verursacht
52
werden, dass nicht 1:1 gedolmetscht wird, sondern Informationen in die Aussagen der
Patient*innen
hineininterpretiert
werden.
Eine
weitere
Komplikation
kann
die
Professionelle Dolmetscher*innen
Der professionelle Dolmetsch und dessen Nachteile wurden zuvor im Kapitel 3.2
Sprachbarrieren und Migration: Dolmetsch behandelt. Die Autor*innen erfuhren im Rahmen
der Feldphase, dass ein zentrales Defizit des professionellen Dolmetschs dessen
Finanzierung ist und professionelle Dolmetscher*innen oftmals erst zum Einsatz kommen,
wenn das Dolmetschen durch Personal bzw. Angehrige nicht mglich ist.
Videodolmetsch
Whrend ihrer Feldphase wurden die Autor*innen dieser Arbeit nicht mit dem Thema
Videodolmetsch konfrontiert. Ein Erklrungsansatz dafr knnte sein, dass diese Art des
Dolmetschens in Krankenanstalten noch eher jung ist. Einen Nachteil knnen die Kosten
darstellen, wobei diese im Gegensatz zum professionellen Dolmetscher geringer sind.
Eventuell knnte diese Art des Dolmetschens einen negativen Einfluss auf das
Vertrauensverhltnis durch die physische Abwesenheit der Dolmetscher*innen und das
mediale
Hilfsmittel
Computer
darstellen.
Auch
knnten
datenschutzrechtliche
8.3 Handlungsbedarf
Um angesichts der Ausgangslage eine adquate Lsung zu finden, bedarf es der Darstellung
jeglicher Aspekte der unterschiedlichen Akteur*innen.
53
Professioneller Dolmetsch
Eine Mglichkeit, ein Gesprch mit Patient*innen zu fhren, welche die deutsche Sprache
(noch) nicht gengend beherrschen, wre das Hinzuziehen eines professionellen
Dolmetschers/einer professionellen Dolmetscherin. Dies htte den Vorteil, dass so wenige
Informationen wie mglich verloren gehen bzw. weder das Familiensystem belastet wird oder
das Krankenpflegepersonal als bersetzungsinstrument einspringen muss. Jedoch drfen,
wie in Punkt 8.2 erwhnt, die Kosten einer Inanspruchnahme eines professionellen
Dolmetschers/einer professionellen Dolmetscherin nicht auer Acht gelassen werden. Es
stellt sich die Frage, wer diese Zahlungen bernehmen soll. Auch die Interviewpartnerin im
Wilhelminenspital wusste keine Antwort darauf. Daher wollen die Autor*innen dieser Arbeit
eine Mglichkeit zur bersetzung finden, die finanziell gnstiger ausfllt.
Um noch einmal alle Aspekte zusammenzufassen: Es msste ein Projekt erstellt werden, in
dem weder das System Familie noch das Krankenhauspersonal mit einer zustzlichen
Aufgabe belastet wird. Des Weiteren sollte dabei auch das Vertrauensverhltnis zwischen
Patient*innen und rzten/rztinnen bzw. Sozialarbeiter*innen nicht gestrt werden.
54
Obendrein muss auch auf den finanziellen Aspekt geachtet werden, das Projekt sollte also
nicht zu viel kosten.
8.4 Lsungsanstze
Die Autor*innen dieser Arbeit haben sich aufgrund der zuvor beschriebenen Ausgangslage
unterschiedliche Lsungsanstze berlegt und diese im Rahmen des Go-Alongs auch mit
einer Krankenhaussozialarbeiterin besprochen, welche ihnen Feedback ber deren
Anwendbarkeit gab.
Bilderkatalog
Eine Idee der Autor*innen war es, einen Bilderkatalog zu erstellen, welcher fr die
Sozialarbeit relevante Begrifflichkeiten, wie z. B. Familienstand, Schulden etc. beinhalten
sollte. Unter den Bildern wren dann einerseits die Begriffe in der Muttersprache der
Patient*innen gestanden und andererseits die deutschen bersetzungen. Bezglich. der
Erstellung dieses Bilderkataloges hatten die Autor*innen sich berlegt, entweder einen
gedruckten Katalog oder aus Kostengrnden bzw. zur leichteren Adaptierung einen OnlineKatalog zu erstellen. Auch eine bildgesttzte bersetzungs-App fr Sozialarbeiter*innen war
angedacht, wobei der Nachteil dieser App das Angewiesensein auf ein Smartphone, die
damit einhergehende Kostenfrage in der Erstellung der App und die Anschaffung des
Smartphones darstellt. Auch die Idee der gedruckten Version des Bilderkataloges wurde
aufgrund des Aufwandes in der Erstellung (auch fr verschiedene Sprachen), der
Notwendigkeit der regelmigen Adaptierung und des nicht praktikablen Aufwandes, welcher
sich ergibt, wenn Sozialarbeiter*innen mehrmals tglich (mit Bilderkatalog) Stationen
wechseln mssen, verworfen.
Personal-/ Angehrigenschulung
Eine weitere Idee, welche durch das Interview im Krankenhaus der Barmherzigen Brder
inspiriert wurde, war die einer Dolmetschschulung fr mehrsprachiges Krankenhauspersonal
bzw. Angehrige von Patient*innen. Bei dieser Schulung wre der Fokus auf die
Durchfhrung von Dolmetschgesprchen und medizinische bzw. sozialarbeiterische
Fachbegriffe gelegt worden. Wie zuvor im Kapitel Ausgangslage beschrieben, kann das
Dolmetschen von Personal bzw. Angehrigen in der Praxisanwendung zu Schwierigkeiten
wie Personalmangel und der zustzlichen Belastung des familiren Systems fhren. Die
Autor*innen behielten jedoch die Idee, Schulungen ehrenamtlichen Dolmetscher*innen
anzubieten, bei.
55
Ehrenamtliche Dolmetscher*innen
Bei der dritten Projektidee berlegten sich die Autor*innen dieser Arbeit, ehrenamtliche
Dolmetscher*innen ber Werbung im Internet, z. B. ber soziale Medien, anzuwerben. Auch
bei diesem Lsungsansatz wurden, wie zuvor im Punkt Personal-/Angehrigenschulung
beschrieben, Schulungen fr Dolmetscher*innen angedacht. Fr diese Art des Dolmetschens
ist ein organisatorischer Aufwand vonseiten der Sozialarbeiter*innen erforderlich, um die
freien
Zeiten
der
ehrenamtlichen
Dolmetscher*innen
mit
den
Terminen
der
ehrenamtlicher
Dolmetscher*innen.
Angedacht
ist,
dass
z.
B.
syrische
fr
neu
ankommende
Flchtlinge
fungieren
und
hierfr
eine
8.5 Projektinhalt
Um das Projekt zu festigen und zu strukturieren, wird in der Nhe des Otto Wagner Spitals
eine Schnittstelle errichtet, die einen reibungslosen Ablauf gewhrleisten soll. Menschen, die
sich im Asylverfahren befinden, der deutschen Sprache mchtig sind und im Haus Vindobona
angesiedelt sind, knnen sich als ehrenamtliche Dolmetscher bewerben. Besteht im
Krankenhaus ein Dolmetschbedarf, wird der/die diensthabende ehrenamtliche Mitarbeiter*in
in das Krankenhaus geschickt, um die Sprachbarriere zu beseitigen. Fr ihr ehrenamtliches
Engagement erhalten die Personen monatlich 50 Aufwandsentschdigung.
Doodle-Listen
Doodle-Listen sollen dafr sorgen, dass das Projekt gut strukturiert ist und keine
Missverstndnisse entstehen. In diese Listen werden die ehrenamtlichen Dolmetscher*innen
eingetragen, um festzuhalten, an welchen Tagen diese fr mgliche Dolmetschgesprche zur
Verfgung stehen.
Schulungen
Zu Beginn werden die ehrenamtlichen Dolmetscher*innen eingeschult. Bei der Auswahl der
Freiwilligen wird auf den AMS-Kompetenzcheck Rcksicht genommen. Der Gedanke
56
dahinter ist, dass jene Personen, die bereits eine Ausbildung und Erfahrungen im
medizinischen Bereich gesammelt haben, eher als Dolmetscher*innen in Betracht gezogen
werden als jene ohne. Die Schulung wird von einer/einem Sozialarbeiter*in sowie von
einer/einem professionellen Dolmetscher*in durchgefhrt. Die/der Sozialarbeiter*in informiert
die Menschen ber die allgemein gltigen Umgangsformen und lehrt sie wichtige
medizinische Begriffe, die beim Dolmetschen im Krankenhaus zum Pflichtwortschatz
gehren.
Der/die Dolmetscher*in versucht ihnen beizubringen, wie ein gut funktionierendes
Dolmetschgesprch gewhrleistet wird, was beachtet werden muss und wie schwierige
Gesprchssituationen gut gemeistert werden knnen.
Eine Einschulung findet rund alle drei Monate statt. Im Rahmen des Pilotprojekts nimmt die
Schulung zwei Vormittage ein. Nach erfolgreicher Beendigung des Pilotprojekts kann der
Kreis der Beteiligten erweitert werden. Im Zuge dessen dauert ein Schulungszyklus einen
ganzen Monat und die Einheiten finden zwei bis drei Mal wchentlich - je nach Zulauf jeweils
vier
Stunden
am
Vor-
und
Nachmittag
statt.
Bei
einer
vierstndigen
8.6 Projektziel
Primrziele
Das primre Ziel ist es, Sprach- und Kommunikationsbarrieren abzubauen und zu verringern.
Leider gehen mit Kommunikationsbarrieren auch oft diverse Behandlungsfehler einher. Das
kann verheerende Auswirkungen auf die Patient*innen haben. Somit zhlt auch die
Verminderung bzw. Beseitigung von Behandlungsfehlern zu den Projektzielen.
Sekundrziele
Dieses Projekt kann aber auch noch andere Bereiche positiv beeinflussen. So ist es dadurch
mglich, Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, eine sinnvolle Art der Beschftigung
zu ermglichen. Natrlich ist dies kein gewhnliches Dienstverhltnis, aber trotzdem wird
diesen Menschen eine Beschftigung und eine gute Perspektive angeboten.
Wichtige Indikatoren knnten sein, dass viele ehrenamtliche Dolmetscher*innen dadurch
weitere Dolmetsch-Schulungen machen und sich in diesem Bereich noch mehr engagieren
und somit den Sprung in das Gesundheitswesen schaffen knnten. Dadurch kann sich
natrlich auch das Sprachniveau erheblich verbessern. Diese Indikatoren sind auch
bezglich der Projektfinanzierung zu bercksichtigen.
57
Auerdem werden durch dieses Projekt Familienangehrige von Patient*innen und das
Krankenhauspersonal entlastet, die in der Praxis groteils als Dolmetscher*innen fungieren.
Das Krankenhaus kann sich dadurch Geld sparen, da ein professioneller Dolmetsch teuer ist.
Des Weiteren kann dieses Projekt gerade in Zeiten von groem Flchtlingszuwachs ein
gewisses Vertrauen zwischen sterreicher*innen und Asylwerber*innen aufbauen bzw.
dieses Vertrauen strken. Es kann auerdem dazu fhren, dass Flchtlinge in unserem Land
mehr Akzeptanz erfahren.
8.7 Projektbeteiligte
Von diesem Pilotprojekt wren in erster Linie das Krankenhaus betroffen, in dem Bedarf an
syrischen Dolmetscher*innen besteht in diesem Fall das Otto Wagner Spital und jene
Unterbringung fr Asylwerber*innen, die Dolmetscher*innen zur Verfgung stellen kann
hier das Haus Vindobona. Daraus resultierend sind selbstverstndlich auch Patient*innen
betroffen, die syrisch als Muttersprache haben und deren deutsche Sprachkompetenzen
noch nicht ausreichend vorhanden sind, bzw. jene Asylwerber*innen, die sich als
Dolmetscher*innen bewerben und eben jene fehlenden Sprachkompetenzen der Betroffenen
ausgleichen knnen. Des Weiteren sind rzte, rztinnen und Sozialarbeiter*innen in dieses
Projekt involviert, das es diesen erleichtert, Informationen an syrisch-sprachige Patient*innen
mit fehlenden Deutschkenntnissen zu bermitteln bzw. Informationen von diesen
aufzunehmen.
Interessiert daran, dieses Projekt durchzusetzen, wre auer eben Genannten bspw. das
zweisprachige
Krankenhauspersonal.
Fr
dieses
wrde
des
Dolmetschen
durch
58
geht, sowohl vonseiten des Arztes/der rztin oder der Sozialarbeiter*innen als auch
vonseiten des/r Patient*in.
An diesem Projekt beteiligt sind daher vorerst das Otto Wagner Spital mit den betroffenen
Patient*innen, und das Haus Vindobona, eine Flchtlingsunterkunft der Caritas, mit den darin
untergebrachten dolmetschenden Asylwerber*innen.
8.8 Projektorganisation
Das Projekt teilt sich in vier Organisationsphasen. Anfangs mssen alle Betroffenen
(Sozialarbeit*innen im Otto Wagner Spital, Bewohner*innen und Betreuungspersonal im
Haus Vindobona) ber das Projekt informiert werden. In weiterer Folge werden Schulungen
bentigt um die syrischen Asylwerber*innen fr die Dolmetschgesprche auszubilden. Des
Weiteren wird die Soziale Arbeit bentigt, als Schnittstelle zwischen Krankenhaus und
Flchtlingsunterkunft zu fungieren. Der letzte Schritt besteht in der Evaluation.
Information
In der Projektorganisation geht es im ersten Schritt darum, syrischen Asylwerber*innen,
welche die Deutsche Sprache bereits beherrschen, die Mglichkeit zu bieten, an
Schulungskursen, um Dolmetschgesprche fhren zu knnen, teilzunehmen. Um die
Betroffenen im laufenden Asylverfahren auf diese Mglichkeit aufmerksam zu machen, wird
ein Informationsabend veranstaltet. Bevor dieser stattfinden kann, mssen in Kooperation mit
einem Grafiker sowie einem Copy-Shop Plakate gedruckt werden, um erste Informationen
bereitzustellen. Auch im Otto Wagner Spital mssen in Kooperation mit den dort ttigen
Sozialarbeiter*innen Informationen ber das Angebot ausgetauscht werden.
Beim Informationsabend fr die zuknftigen ehrenamtlichen Dolmetscher*innen werden die
Grundzge des Projekts erlutert und offenen Fragen geklrt. Um diesen Abend zu
arrangieren, wird ein Raum bentigt, in dem dieser stattfinden kann. Der Raum wird von der
Caritas zur Verfgung gestellt.
Schulungen
Auch zu Schulungszwecken fr die angehenden ehrenamtlichen Dolmetscher*innen wird der
Raum erneut von der Caritas bereitgestellt. Des Weiteren werden fr die Schulungen
professionelle Dolmetscher*innen bentigt, welche die Kurse anleiten und ntiges
Schulungsmaterial mitbringen. Damit die Kursteilnehmer*innen Mitschriften anfertigen
knnen, werden von der Caritas Hefte und Stifte bereitgestellt.
59
sich
um
die
Zusammenarbeit
zwischen
dem
Krankenhaus
und
der
der
Doodle-Listen
sowie
fr
den Telefonkontakt
mit
den
Evaluation
Im letzten Organisationsschritt ist es notwendig, dass alle Beteiligten das Projekt evaluieren.
Hier ist die Erstellung eines Evaluationsbogens notwendig, um die Sinnhaftigkeit und
mgliche Mngel des Projektes zu erlutern.
8.9 Projektdauer
Am Anfang des Pilotprojektes steht die Ermittlung des Bedarfs an Dolmetschgesprchen im
Otto Wagner Spital. Des Weiteren erfolgt eine Kontaktaufnahme mit der Leitung des Hauses
Vindobona bzgl. der Durchfhrbarkeit des Projektes. Im nchsten Schritt wird nach
Sponsoren fr das Projekt gesucht. Fr die Anfangsphase planen die Autor*innen die Dauer
von einem Monat ein.
Die nchste Phase des Pilotprojektes befasst sich mit der Organisation von Rumlichkeiten
fr die Schulungen, Dolmetscher*innen und Sozialarbeiter*innen, welche diese durchfhren,
Schulungsmaterialien sowie mit der Planung von Schulungsinhalten. Auerdem muss der
Informationsabend, welcher fr das Bewerbungsverfahren relevant ist, geplant werden. Fr
Planung und Organisation wird ein Zeitraum von zwei bis drei Monaten vorgesehen.
In der Umsetzungsphase werden oben genannte Schritte realisiert. Durch einen
dreistndigen
Informationsabend
wird
das
Bewerbungsverfahren
fr
zuknftige
gefhrt,
Bereitschaftslisten
werden
erstellt
und
erprobt
und
das
Krankenhauspersonal wird ber das Bestehen des Projektes informiert. Letzteres knnte
durch die Teilnahme an einer Teamsitzung erfolgen. Die Umsetzungsphase nimmt einen
Zeitraum von vier Monaten in Anspruch.
60
Die Zeit der Probephase betrgt ein Jahr. In dieser Zeit werden Dolmetschgesprche in
Zusammenarbeit mit dem Otto Wagner Spital organisiert und gefhrt. Die Sinnhaftigkeit
sowie Durchsetzungsfhigkeit des Pilotprojektes werden beobachtet und festgehalten.
In der Evaluationsphase werden Fragebgen erstellt und an betroffene Patient*innen, das
Krankenhauspersonal und an die ehrenamtlichen Dolmetscher*innen selbst ausgeteilt. In
diesen wird das Empfinden von Sicherheit und Vertrauen der Patient*innen whrend der
Dolmetschgesprche abgefragt. Ehrenamtliche Dolmetscher*innen sollen Auskunft darber
geben, ob sie sich whrend der gesamten Probephase ausreichend untersttzt fhlten. Auch
das Krankenhauspersonal wird bzgl. Verbesserungsvorschlgen im Ablauf und der
Durchfhrung bzw. der subjektiven Sinnhaftigkeit des Pilotprojektes befragt.
Weiteres werden besondere Begebenheiten, welche sich in der Probephase ereigneten und
festgehalten wurden, bewertet. Fr die Evaluationsphase werden zwei Monate eingerechnet.
8.10 Ressourcen
Fr das Pilotprojekt fallen monatlich folgende Kosten an:
Taschengeld
20 ehrenamtliche
Mitarbeiter*innen
50 pro Person
Gehlter
ein/e geringfgig angestellte/r
Sozialarbeiter*in
ein/e ehrenamtliche/r
Sozialarbeiter*in
ein/e geringfgig angestellte/r
Dolmetscher*in
Teilversicherungen
1,3 % UV je angestellte/r
Sozialarbeiter*in
1,53% betriebliche Vorsorge je
angestellte/r Sozialarbeiter*in
1,3 % UV je geringfgig
angestellte/r Dolmetscher*in
1,53% betriebliche Vorsorge je
angestellte/r Dolmetscher*in
Sonstiges
Schulungsraum und Material
von Caritas zur Verfgung gestellt
Druckkosten
zwei Plakate (OWS und Haus
Vindobona)
61
1000,-
415,72,50,00,415,72,-
5,40,6,36,5,40,6,36,-
= 1.944,56,-
Summe fr Probejahr
= 24.609,20,-
Potenzielle Frderungen
Spendengelder
Charity-Events
8.11 Projektrisiken
Prinzipiell knnte es zum Hindernis werden, wenn Frderungen der oben genannten
Sponsor*innen abgelehnt bzw. eingestellt werden. Im Falle dessen mssen neue
Geldgeber*innen gesucht bzw. bei anderen oben genannten Frderern angefragt werden.
Bei einem Mangel an interessierten potenziellen ehrenamtlichen Dolmetscher*innen oder bei
Beendigung der Ttigkeit der ehrenamtlichen Dolmetscher*innen, bzw. bei Ablehnung
seitens des Otto Wagner Spitals kann das Projekt nicht durchgefhrt werden.
In diesem Fall mssen neue Kooperationspartner*innen gefunden werden. Das bedeutet, die
Planungsphase
muss
erneut
startenund
andere
Flchtlingsunterknfte
und
deren
8.12 Evaluation
Fr die Beurteilung des Pilotprojektes, werden Fragebgen erstellt und an alle
Projektbeteiligten weitergeleitet. Die Patient*innen werden darber befragt, ob sie sich
whrend der Dolmetschgesprche haben sicher und gut aufgehoben gefhlt haben bzw.
62
der
Schulungen
bzw.
der
Organisation
der
Gesprche
anmerken.
Das
63
LITERATURVERZEICHNIS
Bcher
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