Hermann Dorries
Hermann Dorries
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HERMANN DRRIES
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Staatsbibliothek
Mnchen
Vorwort
Das Wort, das eine Geschichtsstunde prgt, das Wort, das in Vollmacht einem einzelnen gesagt wird, das Wort, das seine Stunde hat
und von ihr wahrgenommen sein will Wort und Stunde: ich wte
es nicht krzer zu sagen, was die hier vereinigten Studien, Aufstze
und Vortrge verbindet und woran mir in aller Geschichte vornehmlich gelegen ist. Non autem scimus, qua hora dominus venturus sit.
Mein Dank gilt denen, die es mglich machten, diese Bltter zu
sammeln und neu in Druck zu geben: dem lieben Fachgenossen Carl
Andresen, der im Hinblick auf meinen 70. Geburtstag den Gedanken
fate und tatkrftig frderte, dem Landeskirchenamt in Hannover,
das Beweis langer Verbundenheit dafr die Mittel gab, dem
Hause Ruprecht, dem schon mein Vater nahestand und das die Ausgabe betreute.
Dankbar habe ich die Gelegenheit aufgenommen, die in diesen
beiden Bnden zusammengestellten Schriften, von denen einige weit
zurckliegen, wieder durchzugehen und zu berdenken. Der Abstand
lie die frheren Arbeiten mit den Augen des Lesers ansehen: nicht
weniges sollte lesbarer werden, manche Gedanken waren sicherer zu
fassen und klarer auszusprechen, Lcken zu ergnzen. Einige Stcke
konnten mit verwandten zusammengestellt werden, damit sie sich
gegenseitig erluterten. Dagegen konnte ich nicht unternehmen, berall die seither erschienene Literatur gebhrend heranzuziehen. So mag
es geschehen, da die nicht gleichartigen Schriftstcke noch einmal
ausgehen, Zeugnisse des einst Gedachten und Erstrebten, Trger von
Erinnerungen.
Die Beschwerde der Nacharbeit wurde mir erleichtert durch die willige und verstndnisvolle Mitwirkung von Kommilitonen: meines bewhrten Mitarbeiters Ernst Berneburg, der die Schriften gemeinsam
mit mir durchsah und die mhevollen Redaktionsgeschfte bernahm,
der zuverlssigen Helfer Peter B und Wolfgang Rohlfs, die mir in
allem zur Hand gingen, sowie der unermdlichen Sekretrin Kthe
Fder, die das Ihre tat, ein lesbares Manuskript herzustellen. Die
schne und frderliche Zusammenarbeit dieser Monate steht mir in
dankbarem Gedchtnis.
Die Arbeiten dieses I. Bandes handeln vom 4. Jahrhundert, der
Zeit der konstantinischen Wende, der Kirchenvter und des Dogmas;
VIII
Vorwort
damals bildeten sich die Formen aus, die bestimmend blieben fr ein
Jahrtausend. Mein Augenmerk richtete sich besonders auf die fr uns
an den Rand der Kirchengeschichte Geratenen: die Kaiser, in denen
die Weltverantwortung des christlichen Glaubens, die Mnche, in
denen seine Weltverleugnung, die Hretiker, in denen sich die christliche Ungenge darstellt. Sie alle gehren in die Geschichte der Kirche;
findet doch das Evangelium seinen Weg ebenso in den Kaiserpalast
wie in die Eremitenzelle und noch zu den Ausgeschlossenen.
Gttingen, 8. Oktober 1965
Hermann Drries
Inhalt
KONSTANTINISCHE W E N D E UND GLAUBENSFREIHEIT
1-117
Drei Toleranzedikte
16
Galeriusedikt 16 Mailnder Edikt" 18 Toleranzedikt von 324 25
Vergleich der drei Dokumente 33 Geschichtlicher Ort der konstantinischen Duldung 34
Bewhrung der Duldung: Heeresgebet und Brief an Schapur II. als
Proben 38, Regierungspraxis 41
Krise der Duldung nach Konstantin 45
Die christliche Intoleranz und die theodosianische Reichskirche . . .
Die Forderung religiser Reichseinheit 46 Rmisches Erbe 52
Wesensart der christlichen Intoleranz 53 Augustin als Wortfhrer
der theodosianischen Reichskirche 56 Heidnischer Einspruch 63
Die konstantinische Geschichtsstunde 64
46
80
Die Donatisten
80
Kirchliches und staatliches Urteil zur afrikanischen Kirchenspaltung 81
Kaiserliches Vorgehen 88 Religise Herrscherverantwortung 90
indulgentia ignominiosissima 94
Die Arianer und das Hretikergesetz
99
Ausgleichsversuch 99 Niza 102 Hretikergesetz 103 Lehrnorm
und Vershnungspolitik 109
Unterschiedliches Verhalten gegenber Heiden und Hretikern 112
Inhalt
118-144
Die Antonius-Apophthegmen
145224
147
225-250
251-276
XI
Inhalt
M N C H T U M UND ARBEIT
277301
Arbeit als Problem 279 Einfhrung der Arbeit als Nothilfe und Notbehelf 282, als Pflicht 283, als Tugendleistung 284, als Mittel zum
Almosengeben 286 Arbeit und Gebet 287 Euagrios Pontikos 288
Cassian: asketische bung und Gehorsamspflicht 289 eoyov und
jrapepyov 291
Die Arbeitsarten, empfohlene und verwehrte: kein Ackerbau 293
Krbe und Matten 295 kein Bcherabschreiben 295 vielseitige
Klosterarbeit 298
Wrdigung der Arbeit 300
EINE ALTKIRCHLICHE WEIHNACHTSPREDIGT
302333
334351
ltere Zeugnisse 335 Der Weg der Synoden: Side 335, Konstantinopel 337, Ephesus 340 Andere Versuche: Kyrill, Antiochener,
Apophthegmen, Gregor von Nyssa 344 Das Apostelkonzil als Urteilsnorm 348
DlADOCHOS UND SYMEON. D A S VERHLTNIS DER XE(p<.aiCt yVCOOTlx
ZUM MESSALIANISMUS
352422
Traumgesichte 354 Arzneiverzicht 361 Das Charisma der -ftgoXoyia 367 Der Geron 377 Ergnzende Einzelbeobachtungen 387
Alleinherrschaft der Gnade in der Tiefe des Herzens 390 AiaTjai;
und Taufe in den Capita Gnostica 406 Ergebnis 411
Nachwirkungen
417
Bayciiscne
Staatsbibliothek
Mnchen
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da sie doch gerade das Gesetz durchbrchen und die brgerliche Ordnung stndig ihretwegen gestrt werde. Sie selbst boten sich dem Kaiser an als zuverlssige Verbndete in seinem Vorgehen gegen Neuerung und Aufruhr; doch eben dies war das Verbrechen, das ihnen
schuldgegeben wurde. Ihren Kampf gegen die alles verheerenden Dmonien schlielich konnten die staatlichen Gewalten unmglich willkommen heien; denn die Dmonen, deren Herrschaft sie zu brechen
versprachen, waren nichts anderes als die Gtter, die seit alters verehrt
wurden. Diese Grnde konnten deshalb keinen Eindruck machen.
Weiter griff die Beziehung zwischen Reich und Kirche, wenn christliche Theologen so weit gingen, einen inneren Zusammenhang zwischen dem Aufkommen der christlichen Religion und dem Gedeihen
Roms zu behaupten 3 . Aber so khn und anspruchsvoll lauteten diese
Stze, da sie nicht wohl erwarten konnten, bei heidnischen Lesern
Gehr zu finden.
Es diente auch schwerlich dazu, die Bedenken zu zerstreuen, wenn
man auf staatlicher Seite inne wurde, da der Glaube, der Freigabe
verlangte, nicht nur die Tempel, sondern oft genug auch das Forum
und das Lager meiden lie. Der geistliche Beistand, den ein Origenes
dem kaiserlichen Heere zusicherte4, drfte kaum als Ersatz fr den
zwar nicht von allen, aber von vielen versagten ttigen Anteil am
Kriegsdienst gewertet worden sein. Wenn man auch vorerst nur geringe Anstalten traf, Christen zu Richtern zu machen, so war die
christliche Bereitwilligkeit, solch ein Amt anzunehmen, sicher nicht
grer als die staatliche, es zu bertragen. Die Christen hielten sich
selbst fern vom ffentlichen Leben, sie wurden nicht nur ferngehalten.
Und doch hat der gleiche christliche Schriftsteller, der am andringendsten sprach, der gedanken- und sarkasmenreiche Tertullian, den in
seiner Schrfe und Allgemeinheit nachhaltigsten Ausdruck fr den
christlichen Freiheitsanspruch gefunden. Er wandte den Vorwurf der
Irreligiositt, der immer wieder gegen die Christen erhoben wurde, zurck auf die Angreifer: Gerade darin, da sie die Religion ihrer Freiheit beraubten, bewiesen sie selbst ihre Religionslosigkeit. Denn wie
schon kein Mensch unaufrichtigen Dienst liebt, so erst recht die Gottheit nicht5. Indem hier die Religion von aufrichtiger persnlicher berzeugung abhngig gemacht wird, ist ihre antike Bindung an den Staat
3
MELITO v. Sardes, bei Euseb, h. e. IV, 26, 711; ed. E. SCHWARTZ, GCS 9,1
1903, p. 384386.
4
ORIGENES, Contra Celsum VIII, 7 3 ; ed. P. KOETSCHAU, GCS 3, 1899, p . 290 sq.
5
Videte enim, ne et hoc ad irreligiositatis elogium concurrat, adimere libert a t e m religionis et interdicere optionem divinitatis, ut non liceat mihi colere
q u e m velim, sed cogar colere quem nolim. Nemo se ab invito coli volet, ne homo
q u i d e m " (TERTULLIAN, Apologeticum 24, 6; rec. H. HOPPE, CSEL 69, 1939, p. 69).
1*
Nach ihrer brgerlichen Seite fand die Aufnahme der brigen im Reich wohnenden Vlker ins rmische Brgerrecht noch die Billigung des Augustinus: Gratissime atque humanissime factum est, ut omnes ad R o m a n u m imperium pertinentes societatem acciperent civitatis et Romani cives essent, ac sie esset omnium,
quod erat ante p a u e o r u m " (De Civitate Dei V, 17; ed. B. DOMBARTA. KALB,
p. 222, 1215). Zu ihrer religisen Zielsetzung vgl. J. VOGT, Zur Religiositt der
Christenverfolger i m Rmischen Reich i n : SAH 1962/1, S. 18; ferner M. H A M MOND, T h e Antonine Monarchy (Papers and Monographs of the American Academy in Rome Vol. 19, 1959, p. 140 ff.) u n d CHR. SASSE, Die Constitutio Antoniniana, 1958.
1S
Vgl. H. USENER, Das Weihnachtsfest: Religionsgeschichtliche Untersuchungen I, 1899. Louis M. O. DUCHESNE, Christian W o r s h i p , 1903.
ich zusammen mit denen der Gtter hatte herbeibringen lassen, Weihrauch und Wein darbringen; auerdem muten sie Christus verfluchen: zu was allem niemand sich bringen lassen soll, der wirklich
Christ ist 15 ." Der Bericht zeigt mit voller Deutlichkeit, worum es geht.
Die Beschuldigten mssen sich dem kaiserlichen Opfergebot unterwerfen und Christus verfluchen, seine Person, nicht seine Lehre. Was sie
sagen, fllt nicht ins Gewicht. Anschauungen, Gedanken, Worte bedeuten nichts. Die rmische Intoleranz richtet sich nicht gegen eine
Lehre. Nicht der Glaube, sondern der Kult gibt den Ausschlag. Hier
aber ist die Forderung so unerbittlich, da jeder, der sich ihr nicht
beugt, hingerichtet wird. Es ist eine Entscheidung auf Leben und Tod,
vor die man gestellt wird.
Der hartnckige Trotz", den Plinius den Christen vorwirft, meint
nicht die Aufsssigkeit des Revolutionrs. Der Statthalter hat sich
selbst von der Unverfnglichkeit dessen berzeugt, was bei den christlichen Zusammenknften vor sich ging. Ihm ist nicht zweifelhaft, da
diese Menschen keine politischen Aspirationen haben, auch das Sozialgefge nicht bedrohen. Lediglich einen religisen Widerstand leisten
sie. Der aber sammelt sich ihm um die Person dessen, dem sie ihre
Lieder singen und gttliche Ehren erweisen, Christo quasi deo". Um
den Widerstand zu brechen, fordert Plinius von den Christen, was
sonst bei keinem fremden Kult verlangt wird, ihre Kultgottheit" zu
verfluchen. Sie mssen die volle religise Absage vollziehen, wie sie
von ihnen allein gegenber dem Widersacher Gottes, dem Satan, geleistet wird.
15
10
ten vermochte kein Beweis frherer Loyalitt eine Gruppe, die den
Staatskult gefhrdete, vor den schrfsten Strafen zu schtzen 16 .
Trajan lie sich daran gengen, die Bekenner des neuen Glaubens
zu beseitigen, wenn sie den Behrden zu Gesicht kamen; liefen Anzeigen ein oder entstanden Tumulte, so griff er durch. Hundert Jahre
spter schien es ntig, die um sich greifende Bewegung einzudmmen.
Severus suchte den bertritt zu verhindern und die christliche Mission
ebenso zu unterbinden, wie es einst Trajan bei der jdischen gelungen
war. Um die Mitte des Jahrhunderts unternahm Decius, im Rckblick
auf die tausend Jahre rmischer Geschichte und im Hinblick auf die
notvolle Gegenwart, das Reich von seinen religisen Wurzeln aus zu
beleben: jedermann, bis zu den Suglingen herab, wurde zum Gtteropfer gefordert. Nur der Tod des Kaisers in der Gotenschlacht (251)
verhtete die Massen-Exekution.
Auf Decius zurck griff Diokletian, der das Reich nach einer langen
Zeit des Verfalls wieder aufrichten wollte. Seine Edikte gegen die Christen sind nicht erhalten, aber er gab den Grundstzen des rmischen
19
Fr Trajan und die Zeit der Antonine sei auf J. BEAUJEU, La religion
romaine l'apogee de l'empire. La politique religieuse des Antonins (96192),
1955, verwiesen; vgl. dazu P. LAMBRECHTS, Les Empereurs Romains et leur politique religieuse (Revue Beige de Philologie et d' Histoire 35 [1957] 495511). Die
Haltung Trajans steht unter dem Zeichen eines realisme eclaire" und stellt sich
dar als tolerance bienveillante"; das gilt auch gegenber den Christen. Lambrechts ergnzt: Pour Trajan la religion semble avant tout affaire d' Etat" (p.
500). Beaujeu bescheinigt dem Kaiser eine attitude de sagesse prudente, la
fois comprehensive et circonspecte"; diese sei auch dans un esprit de tolerance
elargi" von Hadrian und Antoninus Pius beibehalten (p. 108). Gerade wer diese
Urteile anerkennt, mu nach einer zureichenden Antwort auf die Frage suchen,
warum denn diese Kaiser, trotz persnlicher Duldsamkeit und bei sprbarem Unbehagen ihres Rechtsgefhls, es fr notwendig hielten, Christen ihres Glaubens
wegen hinrichten zu lassen. Erst zusammen mit ihrer Grenze kommt das Problem der rmischen Toleranz berhaupt in Sicht. O h n e das bewegt m a n sich im
Felde der Vorfragen, wo es kein sicheres Urteil gibt. Lt man eine verbreitete
Auffassung, wie billig, durch den angesehensten Vertreter zu Wort kommen, so
mgen zwei Stze JACOB BURCKHARDTS einen Hinweis geben: Der eine stellt nur
fest: Marc Aurel mute als Kaiser Christenfeind sein" (in seiner Vorlesung Geschichte der rmischen Kaiserzeit"; mitgeteilt von W. Kaegi, Jacob Burckhardt,
III, 1956, S. 321). Der andere rhmt Diokletians Regierung als eine der besten
und wohlwollendsten", die das Reich je gehabt, sobald man den Blick freihlt
von dem schrecklichen Bilde der Christenverfolgungen" (wohlbemerkt, dem
durch Diokletian selbst geschaffenen, nicht dem von Laktanz gemalten: Die Zeit
Constantins des Groen = Ges. Ausg. Bd. 2, 1929, S. 56). Der erste Satz statuiert
die Unvermeidlichkeit des Gegensatzes zwischen rmischem Imperium und christlichem Glauben; der zweite beschrnkt Schilderung und Urteil bewut auf den
Raum innerhalb der von diesem Imperium selbst gezogenen Grenzen und hlt
sich von deren gefhrlicher Nhe fern. Beide Stze aber, unreflektiert, wie sie
sind, deuten auf das Problem hin, das noch seiner Lsung harrt. Historisch erhielt es sie durch Konstantin das ist dessen geschichtliche Gre.
11
Das Bestreben, Diokletian zu entlasten, ist lter. In Erneuerung der Darstellung BOLINGBROKES, der das Manicheredikt christlichem Einflu zuschreibt und
das staatliche Einschreiten gegen die Christen auf deren Insolenz zurckfhrt,
schiebt VOLTAIRE die Verantwortung fr die Verfolgung auf un emportement de
revolte", das Abreien eines Kaiseredikts durch einen unbesonnenen Christen,
auf den Caesar Galerius und die Volkswut, spricht aber Diokletian frei: II n'est
pas en effet vraisemblable qu'un homme assez philosophe pour renoncer
l'empire l'ait ete assez peu pour etre un persecuteur fanatique"! (Essai sur Ies
moeurs, Oeuvres completes 11, p. 228; vgl. auch Examen important de Milord
Bolingbroke ou Le Tombeau du Fanatisme", Oeuvres 26, und Artikel Diocletien"
im Dictionnaire Philosophique, Oeuvres 2). Es bleibt zu bedenken, von welchen
Denkvoraussetzungen aus solche Urteile ergehen.
17
Mosaicarum et Romanarum Legum Collatio VI, 4, 1.
18
Maximi enim criminis est retractare quae semel ab antiquis statuta et definita suum statum et cursum tenent ac possident." (Collatio XV, 3, 2, p. 187).
12
20
S. o. S. 8 A. 15: Plinius ep. X 96, 3.
Collatio XV, 3, 3, p. 187.
Die christliche Erwiderung auf die Vergottung der Vergangenheit erscheint
wie eine Ablehnung der Piett, da auch die Vorfahren im Irrtum waren. LAKTANZ ergiet seinen Spott ber die malose Schtzung des Urteils der Alten: Ad
maiorum iudicia confugiant, quod Uli sapientes fuerint, Uli probaverint, Uli
scierint quod esset Optimum, seque ipsos sensibus spoliant, ratione abdicant, dum
alienis erroribus credunt" (Div. inst. V, 19, 3; zit. b. J. MOREAU (ed.), Lactance,
De la mort des persecuteurs, 1954 (Sources Chretiennes 39), II, p. 389).
21
Collatio XV, 3, 48, p. 188.
21a
Vgl. dazu PETER R. L. BROWN, Religious Coercion in the Later Roman
Empire (History 48, 1963, [p. 283305] p . 285 mit Belegen). E. KADEN, Die Edikte
gegen die Manicher von Diokletian bis Justinian (Festschrift Lewald, 1953, S. 55
bis 68).
2Ib
Da die Romidee im christlichen Imperium weiterlebt und dieses mitgestaltet, ndert nichts daran, da die Zeit ihrer ungebrochenen Herrschaft mit Diokletian zu Ende geht. Ein hnliches Verhltnis grundstzlichen Aufhrens und
heimlichen Weiterlebens lt sich beim Herrscherkult zeigen. Vgl. dazu K. ALAND,
Der Abbau des Herrscherkultes im Zeitalter Konstantins, 1954 (in: Kirchengeschichtliche Entwrfe i960, 240256), dort Literatur-Angaben.
Diokletianische Christenverfolgung
13
Fr uns ist wichtig, da Diokletian das Wesensgesetz des Rmischen Imperiums nicht in seinen Christenerlassen dargelegt hat, sondern ohne Rcksicht auf die letzte Auseinandersetzung von Reich
und Kirche bestimmte. Diese Grundstze sind keine Kampfbestimmungen, die nur fr eine Ausnahme-Lage gelten. Ebenso sicher aber
ist, da sie ber kurz oder lang auch auf die Christen Anwendung
finden muten. Nicht zufllig waren es dabei der Hof und das Heer,
die der Kaiser zuerst von allem nicht-rmischen Wesen zu reinigen
unternahm 22 . Die Verfolgung begann im Heer oder hatte dort ihr Vorspiel. Alle Offiziere und nicht wenige Soldaten wurden vor die Wahl
zwischen Opfer und Entlassung gestellt. Der Beweggrund war nicht
etwa lediglich der Wunsch, fr die geplante allgemeine Christenverfolgung ber ein zuverlssiges Werkzeug verfgen zu knnen. Eine
solche nach modernen Erfahrungen sich nahelegende Erklrung reicht
nicht aus. Es ging vielmehr darum, den Bund zwischen der unteren
und der oberen Welt zu sichern. Der ungestrte Kult der alten Gtter
mute wenigstens im Mittelpunkt des Reichs, dem Kaiserpalast und
dem Heer, gewhrleistet sein, sollte nicht der Zorn der Himmlischen
das Imperium heimsuchen 23 .
Die Gesetze der groen Verfolgung sind uns nicht erhalten; nur
was sie anordneten, nicht dessen Begrndung ist uns bekannt. Der
Verlauf der Verfolgung und ihre zerrttenden Folgen, die sich bis tief
22
14
1929.
15
Die innere Notwendigkeit 25 , mit der das Rmische Reich den christlichen Glauben abweist, kndigt sich bei Trajan an, tritt aber noch
nicht voll heraus. Die Linien zeichnen sich in dem Schreiben des Plinius
ab: die sakrale Macht des Imperiums fordert gebieterisch ihre Anerkennung und die Verfluchung Christi; ausgezogen werden sie in dem
von humanem Rechtssinn bestimmten Reskript des Reprsentanten
der guten Kaiser. Die Sicherheit dieser Verurteilung bedarf keiner
nheren Kenntnisnahme, sie stt das Wesensfremde ab. Zu heller
Klarheit aber gelangte die Erkenntnis von der Unvereinbarkeit rmischen und christlichen Glaubens bei den Kaisern, die das zerrttete
Reich erneuern und es auf den alten Grundlagen herstellen wollten.
Je bedachter und entschlossener ein Diokletian dabei ans Werk ging,
um so unausweichlicher mute es zum Kampf kommen, der die ganze
Gewalt des Reiches gegen die waffenlosen Mrtyrer aufbot, bis sie vor
deren Standhaftigkeit erlag. Der das Reich retten wollte, brachte es
dem Untergang nahe.
Dies Urteil gilt gerade auch, wenn man der Person dieses Kaisers
alle Gerechtigkeit widerfahren lt, seinem Werk und seinem Wollen
die Ehre zollt, die sie verdienen. Je hher er ber Vorgnger und Mitherrscher hinausragt, desto gewisser ging sein Weg diesem Ziel und
diesem Ende entgegen 26 .
" Diese Notwendigkeit ist nicht schon dadurch in Frage gestellt, da sie nicht
gleich und nicht stets bewut war, da es bei ihrer Verwirklichung Unterschiede
des Umfangs und der Dauer gibt, da besondere Anlsse sie aktivieren, andere
Umstnde sie hinauszgern. Auch wo man sich, wie unter Trajan, ber die Art
der Gegenwehr nicht klar ist, tritt ihr Dasein fhlbar genug in Erscheinung. Es
reicht deshalb nicht aus, wenn W. SESTON die Zwischenzeit zwischen den Verfolgungen als Idyll beschreibt: Heiden und Christen leben in Koexistenz und kollaborieren in Frieden" (RAC III, Sp. 1046); es ist die friedliche Koexistenz der afrikanischen Etoscha, wo neben dem satten Lwen ungestrt die Herden weiden.
Und warum soll man die Soldatenmartyrien euphemistisch Flle von Insubordination" nennen, welche durch Hinrichtung der Schuldigen geahndet wurden"
(ebd., Sp. 1049)?
26
Es kann nicht wundernehmen, da der Zeitgenosse des erregenden Geschehens, Laktanz, in das Urteil ber die Verfolgung auch die Person und das Regiment der Verfolger einbezog. Wer bei den Verfolgten steht, wird vom Tod der
Verfolger" nur als von einem Gottesgericht reden knnen, um das warnende
Exempel knftigen Geschlechtern vor Augen zu stellen. Ganz unbillig wre es,
von ihm das einfhlende Verstndnis des Historikers fr den trotz dieses Abschlusses bedeutenden und grodenkenden Herrscher zu verlangen oder auch nur
die Erschtterung des einer ungeheuren Tragdie zuschauenden Betrachters. Aber
wir knnen sein Urteil nicht einfach wiederholen, sowenig wir den entgegengesetzten Weg einschlagen drfen, den V e r s u c h t e n christlichen Glauben mit Reichsgewalt aus der Welt zu schaffen, als geringfgig auszugeben oder die letzten
Jahre Diokletians als altersbedingt von der Hauptzeit seiner Regierung abzutrennen. Der Kampf gegen das Christentum gehrt als ein Wesenszug in das Bild
dieses Herrschers und seines Werks. Beide, einander entsprechende Weisen,
16
Drei
Toleranzedikte
Von Freigabe", Duldung" und Toleranz" kann man sinnvoll nur sprechen, wo auch ein anderer Weg eingeschlagen werden kann. Toleranz wird von
dem Mchtigen ausgebt, von dem die Freiheit des Geduldeten abhngt. In neuerer Zeit unterscheidet man zwischen Duldsamkeit und Duldung, bezieht die eine
auf eine weitherzige Gesinnung, die andere auf einen Akt der Zulassung. Wer
Duldung begehrt, kann versuchen, den zu berzeugen, der sie ausben kann, aber
die Entscheidung liegt bei diesem. Im engeren Sinne des Wortes gehrt Toleranz
deshalb dem Staat.
17
18
hauptete: Unter den Bestimmungen, die wir stets fr das Wohl und
den Nutzen des Gemeinwesens getroffen haben, wollten wir besonders
alles nach den alten Gesetzen und den Ordnungen der Rmer zurechtbringen und wollten dafr sorgen, da auch die Christen, die ja die
Religion ihrer Vorfahren verlassen hatten, zu rechtem Sinn zurckkehrten. Denn eine solch hartnckige Willkr und eine derartige Torheit hat die Christen ergriffen, da sie den Einrichtungen der Alten
nicht mehr folgten, die vielleicht ihre eigenen Voreltern aufgerichtet
hatten. Nach ihrem Gutdnken, wie es ihnen gerade gefiel, haben sie
sich selbst Gesetze gemacht und berall Leute gesammelt 30 ."
Der Verzicht auf die Verfolgung ist demnach nicht wie die Kirchenschriftsteller es verstanden ein Buakt 31 . Der Kaiser gibt einen
Fehlschlag zu, gesteht aber nicht eine Schuld. Die Deutung der so entstandenen Lage und die Antwort darauf ergehen vom Alten aus. Galerius redet noch da der rmischen Unduldsamkeit das Wort, wo er
sich entschliet, von ihr abzugehen. Doch bemerkt oder unbemerkt bedeutet die dem Glauben des rmischen Kaisers abgentigte Toleranz einen Bruch mit der Vergangenheit. Das Neue hat sich in gewaltloser Standhaftigkeit Gehr erzwungen. Das Alte jedoch kann dem nicht gerecht
werden und gert damit in einen inneren Widerspruch. Widerstrebend
ausgesprochen, der berzeugung des Kaisers entgegen, hat diese von
der Not ihm abgentigte Freigabe des christlichen Kultus keine
Aussicht auf einen Bestand, der die Bedrngnis des Reichs, der sie abhelfen sollte, berdauerte. Sobald die Verhltnisse sich festigten und
der Kaiser genas, mute man einen Widerruf dieser Duldung gewrtigen. Das Edikt des Galerius war das erste Wort einer bergangszeit,
bedeutsam und aufschlureich, aber unzulnglich.
Der nchste Schritt ist von Konstantin getan. Im Verein mit seinem
Schwager Licinius hat der Sieger der Milvischen Brcke ein neues Toleranzedikt erlassen. Das sog. Mailnder Edikt32 geht zurck auf Ver30
Inter cetera quae pro rei publicae semper commodis atque utilitate disponimus, nos quidem uolueramus antehac iuxta leges ueteres et publicam disciplinam Romanorum cuncta corrigere atque id prouidere, ut etiam christiani, qui
parentum suorum reliquerant sectam, ad bonas mentes redirent, 2. siquidem
quadam ratione tanta eosdem christianos uoluntas inuasisset et tanta stultitia
occupasset, ut non illa ueterum instituta sequerentur, quae forsitan primum parentes eorundem constituerant, sed pro arbitrio suo atque ut isdem erat libitum,
ita sibimet leges facerent quas obseruarent, et per diuersa uarios populos congregarent." LAKTANZ, De mort. pers., c. 34,12 (ed. Moreau, p. 117).
S1
. . . tandem maus domitus deum coactus est confiteri" (ebd., c. 33, 11 [p.
116]). Vgl. Euseb, h. e. VIII, 16, 3. GCS 9/2, p. 788.
s2
Beste Wiedergabe des lateinischen Textes, mit Parallelen der griechischen
Fassung Eusebs in der Ausgabe von Moreau: De mort. pers., c. 48, p. 131135;
Kommentar p. 456464.
^Mailnder Edikt'
19
handlungen, in denen die beiden Kaiser die Grundzge einer gemeinsamen Politik besonders in der Religionsfrage festlegten.
Da ich, Constantinus Augustus, und auch ich, Licinius Augustus, zu
Mailand glckhaft zusammenkamen und alles besprachen, was dem
Wohl und der ffentlichen Sicherheit diente, glaubten wir, neben anderem vor allem das ordnen zu mssen, was die Verehrung der Gottheit angeht, um sowohl den Christen wie allen andern die freie Mglichkeit zu geben, der Religion zu folgen, die ein jeder will, damit die
Gottheit in ihrem himmlischen Sitz (quicquid (est) diuinitatis in sede
caelesti) uns und allen, die unter unserer Herrschaft sind, gndig und
gewogen sein knne. Darum haben wir uns dahin entschieden, niemandem drfe die Freiheit abgesprochen werden, sich der Gottesverehrung der Christen oder der Religion zuzuwenden, die er als die fr
ihn passendste ansieht, auf da die hchste Gottheit, deren Verehrung
wir in freier Hingabe folgen, uns in allem die gewohnte Gunst erweise." Aus diesem Grunde rumen die Kaiser die Beschrnkungen fort,
die es bisher fr den christlichen Gottesdienst gab sie sind ganz
verkehrt und unserer Milde fremd. Von jetzt an kann jeder, der die
Religion der Christen ben will, das ohne irgendeine Beeintrchtigung tun. Wir haben den Christen die freie und ungehinderte Mglichkeit33 gegeben, ihren Kult zu begehen; in gleicher Weise steht auch
anderen das ben und Begehen ihrer Religion offen und frei. Es entspricht dem Frieden unserer Zeit, da jeder freie Mglichkeit habe, zu
verehren, was er will". Die Kaiser ordnen an, die christlichen Versammlungshuser und anderes Gemeindeeigentum der Kirche zurckzugeben. Damit sorgen wir fr Frieden und Gedeihen. Nur so wird
es geschehen, da die gttliche Gunst, die wir in so groen Dingen erfahren haben, uns allezeit unser Vornehmen gelingen lasse und das
ffentliche Glck fortdaure 34 ."
ss
Toleranz heit bei Konstantin entweder indulgentia" oder, wie hier, libera
potestas" oder libera facultas", der selbstgewhlten religio" zu folgen.
54
2. Cum feliciter tarn ego Constantinus Augustus quam etiam ego
Licinius Augustus apud Mediolanum conuenissemus atque uniuersa quae ad
commoda et securitatem publicam pertinerent, in tractatu haberemus, haec inter
cetera quae uidebamus pluribus hominibus profutura, uel in primis ordinanda
esse credidimus, quibus diuinitatis reuerentia continebatur, ut daremus et christianis et Omnibus Iiberam potestatem sequendi religionem quam quisque uoluisset,
quo quicquid ( e s t ) diuinitatis in sede caelesti, nobis atque Omnibus qui sub
potestate nostra sunt constituti, placatum ac propitium possit existere. 3. Itaque
hoc consilium salubri ac rectissima ratione ineundum esse credidimus, ut nulli
omnino facultatem abnegandam putaremus, qui uel obseruationi christianorum
uel ei religioni mentem suam dederet quam ipse sibi aptissimam esse sentiret,
ut possit nobis summa diuinitas, cuius religioni liberis mentibus obsequimur, in
omnibus solitum fauorem suum beniuolentiamque praestare. 4. Quare scire
dicationem tuam conuenit placuisse nobis, ut amotis Omnibus omnino condicioni-
2'
20
Mailnder Edikt'
21
22
Mailnder Edikt'
23
heit zu erheben. Bleiben wir bei ihm selbst und werfen nochmals einen Blick auf das Galerius-Edikt zurck, so wird ein weiterer Unterschied sichtbar, der zum Verstndnis des neuen Toleranzgesetzes hilft.
Den Widerruf der Verfolgungsedikte hatte ein Staatsnotstand erzwungen. ,Mailand' aber redet im Bewutsein, da die Not behoben
ist und es aufwrts geht. Das jetzt Verfgte ist durch keine Zwangslage abgentigt, sondern will einer groen Stunde entsprechen.
Obwohl der jetzt im Reich Fhrende sich vom Recht der Christen
berzeugt hatte, kam es nicht einfach zu einer Umkehrung des bisherigen Verhltnisses. Was immer zwischen den Zeilen zu lesen steht,
in ihnen hat keine der beiden Religionen den Vorrang. Mag man einen
Augenblick stutzen, wenn der alte Kult, der jahrhundertelang das Rmische Reich getragen hatte, nur leichthin als die mit der christlichen
tik seiner Vorgnger, gerade auch eines Diokletian, abzusetzen. Die Meinung
Moreaus, es sei hier an Maximins Sabinusreskript zu denken (II, 461), hat keinen
Anhalt im Text. Die eusebische Fassung (h. e. X, 5, 214) hat auch sonst, besonders mit ihrer Prambel, manches bewahrt, was die durch Laktanz bermittelte nikomedische auslt. Beide Fassungen ergnzen sich und lassen so wie
H. NESSELHAUF, Das Toleranzgesetz des Licinius (Histor. Jahrb. d. Grres-Ges. 74
[1955] 4461) gezeigt hat die gemeinsame Grundlage eines Mailnder Protokolls durchschimmern. Die Licinianische Deutung des Mailnder Edikts" ist
vor allen Dingen von J. Moreau vertreten (im Kommentar seiner Laktanz-Ausgabe, II p. 456 ff. und in dem Aufsatz Les Litterae Licinii [1953], jetzt in Scripta
Minora, 1964, S. 99105 [Annales Universitatis Saraviensis. Reihe: Philosophische Fakultt 1]), mit drei Argumenten: 1. Licinius wrde, wenn er ein
fertiges Edikt aus Mailand mitgebracht htte, es gleich bei seinem Einmarsch
in Nikomedien, nicht erst vier Wochen spter verffentlicht haben. 2. Euseb
htte das Mandat, mit dem er seine vorletzte Fassung der Kirchengeschichte
beschliet, nicht in der letzten getilgt, wenn er es fr konstantinisch gehalten
htte. 3. Nur im Machtbereich des Maximinus Daja bedurfte es eines Toleranzerlasses, whrend der Westen ja das Galerius-Edikt anstandslos verffentlicht
hatte. Aber 1. hatte es Licinius um so weniger eilig, die Mailnder Beschlsse
zu verffentlichen, je mehr nicht er, sondern Konstantin dort die treibende Kraft
war. 2. war es sinnvoll, wenn Euseb, der die erste Aufl. der Kirchengeschichte mit
dem Galerius-Edikt beschlo und es in der zweiten durch das Mailnder Edikt" ersetzte, in der letzten vielmehr das noch weitergehende Restitutionsedikt von 324
aufnahm: dies bestimmte nun Gegenwart und Zukunft. Da Konstantin in seinem Herrschaftsbereich die Mailnder Absprache nicht verffentlichte, erklrt sich
leicht aus der Tatsache, da er selbst rasch ber dessen von ihm als Minimalforderung verstandenen Bestimmungen fortschritt; von Rckgabe privaten Eigentums oder gar Staatszuwendungen war dort ja noch keine Rede. 3. geht das Mailnder Programm weit ber das Galerius-Edikt hinaus; ganz abgesehen davon,
da Maximin ja schon vor Ausbruch des Krieges mit Licinius sich unter dem
Druck Konstantins zu den grten Zugestndnissen an die Christen hatte verstehen mssen. Der Inhalt des Licinius-Erlasses aber legt eine interpretatio christiana nahe, wie sie nur Konstantin, nicht aber Licinius selbst zuzutrauen ist.
Der herkmmliche Name Mailnder Edikt" ist zwar formal unrichtig, sachlich
aber vllig zutreffend.
24
zur Wahl gestellte Religion, die einer als die ihm passendste ansieht",
bezeichnet wird es fllt doch kein Schatten auf ihn; ja, statt der diuinitas", von der auch christliche Theologen zu reden pflegten, begegnet die nur heidnischer Deutung fhige Wendung, Was immer an
Gttlichem im Sitze des Himmels ist", bei der man an den zweiten
Urheber des Dokuments zu denken hat, den dem Sol Invictus ergebenen Licinius37*. Wie immer, beiden Kulten ist gleiches Recht zugesagt, und beide, der alte wie der neue, brgen fr die Fortdauer der
gttlichen Gnade, haben also im Sinne des Edikts ungehinderten Zugang zur Gottheit. Auf beiden Weisen der Gottesverehrung ruht das
Reich. Es ist gleichsam eine Ellipse mit zwei Brennpunkten. Gerade so
aber erfllte der Erla das von der inneren wie von der ueren Lage
Geforderte. Darum verdient das Mailnder Edikt" die Beachtung,
die ihm in der Geschichte zuteil geworden ist.
Es gibt noch ein drittes Wort in dieser Zeit des bergangs, den beiden anderen nicht ebenbrtig; aber es zeigt eine weitere Mglichkeit
und lt gerade im Abstand die Bedeutsamkeit nicht nur von M a i land', sondern auch des Galerius-Ediktes deutlich werden. Es sind die
Edikte des Maximinus Daja. Er, ein Neffe des Galerius, Herrscher ber
den Sdosten des Reichs, hatte bisher durch besonders grausame Verfolgungen seinen Namen verdunkelt. Nur vorbergehend hatte das
Galerius-Edikt ihn zurckgehalten. Nun aber konnte er nicht umhin,
dem Druck der Westkaiser stattzugeben. Seine Erlasse wahren eben
noch den Schein der Selbstndigkeit 38 . Wohl hlt er daran fest, der Bestand des Staates grnde sich auf die Gunst der Gtter, deren Verehrung darum notwendig bleibe. Aber sein Grundsatz sei immer gewesen, die Abtrnnigen nur durch freundliche berredung auf den
rechten Weg zurckzuleiten. Die Verantwortung fr all seine nicht
gut abzustreitenden Gewaltmanahmen schiebt er, so weit er nicht
einfach dem Befehl Diokletians habe gehorchen mssen, auf eigenmchtige Richter oder die bergriffe untergeordneter Organe. Daneben fhrt er zu seiner Entschuldigung die Eingabe vieler Stdte an, die
keine Christen in ihren Mauern wnschten; wie konnte er sich ihrer
" a In erwgenswerter Deutung mchte H. U. INSTINSKY zwischen dem quicquid diuinitatis" und der summa diuinitas" einen bedachten Unterschied wahren, das erste sich den Heiden zuwenden, die zweite von Konstantin verehrt werden lassen (Gnomon 30 [1958] 128); aber ob Konstantin so zu differenzieren
wute? Trotz ihrer groen Ausfhrlichkeit haben mich die Darlegungen von
S. CALDERONE, Costantino e il cattolicesimo I, 1962, der seltsamerweise die
Spitze der Mailnder" Liciniusbestimmungen gegen Konstantin gerichtet meint,
nicht von ihrer Richtigkeit zu berzeugen vermocht.
38
ber die Edikte des Maximinus Daja vgl. H. DRRIES, Das Selbstzeugnis
Kaiser Konstantins (AAG, Phil.-hist. Kl. 3. F. Nr. 34,1954), S. 232239 ( = Selbstzeugnis).
25
26
sehen und erkannt hat, damit soll er, wenn mglich, dem Nchsten
ntzen, wenn nicht, ihn gehen lassen." Und nun folgt der Satz, in
dem der Gedankengang gipfelt: Den Kampf fr die Unsterblichkeit
kann ein jeder nur freiwillig aufnehmen; hier lat sich nichts mit Strafen erzwingen." Diese Stze stehen in dem groen Ausschreiben, mit
dem sich der siegreiche Kaiser den neuen Provinzen vorstellt 39 . In
weitausholender Darlegung zieht er die Lehre aus Geschichte und gegenwrtiger Erfahrung. Es ist sein eigener Glaube, den Konstantin
darin bekennt. Aber er ist sich bewut, damit nichts anderes auszusprechen, als von Anbeginn der Welt die rechte Gottesverehrung umschlo. Wohl war sie verdunkelt und mute durch den Sohn Gottes erneut ans Licht gebracht werden, aber Natur und Sittengesetz bezeugen
die Wahrheit ebenso wie die Geschichtserfahrung des letzten Menschenalters. Darum habe ich dir meine Seele dargebracht in Liebe und
Furcht: Ich liebe aufrichtig deinen Namen und frchte deine Macht,
die du in vielen Erweisen gezeigt hast und durch die du meinen Glauben befestigtest 40 ." Solcher Glaube stellt ihm denn auch die Aufgabe,
die zu verwirklichen der Kaiser sich anschickt. Ihm steht ein religis
geeintes Friedensreich vor Augen, fr das er christlicher Mitarbeit
39
Euseb, Vita Constantini II, 4860 (ed. I. HEIKEL, GCS 7, 1902, p. 61, 20 bis
65, 25), bes. 56 ff. Vgl. Selbstzeugnis, S. 51 ff. In der Echtheitsfrage kann es bei
der Bemerkung von N. H. BAYNES bleiben: Those who deny the authenticity of
the edict have no easy task before them when they seek a plausible motive for
the falsification of the document" (Constantine the Great and the Christian
Church. Proceedings of the British Academy 15 [1929] 341442, p. 357). Der
griechische Text der angefhrten Stellen folgt in Anm. 42 und 43.
40
Dies eigene Bekenntnis des Kaisers, das dem eigentlichen Duldungserla
voransteht, ist doch nicht allein der Schlu aus seiner Welt- und Geschichtsbetrachtung (V.C. II 4854), sondern bezieht sich unmittelbar auf die kriegerischen
Ereignisse des Jahres 324, deren Zeugen die Angeredeten waren und in denen
seine Sendung sich verwirklichte. Darum gehen sie auch die neuen Untertanen an
und helfen ihnen, das im folgenden Verfgte, berraschend wie es fr sie lauten
mag, zu verstehen und mitzuvollziehen. An dieser Stelle setzt die Gebetsform
ein, die ungewhnliche Gestalt, in der diese Verfgung ergeht.
2 e vv TV \ikyiaxo\ OEV ;iapaxa). Eir|? jtpg TE xal E^EVT); TOI; a o i ;
vaxoXixol;, EIT|; jiai xol; 001; jiapxui>xai; im xpoviou aufitpoo; avvxoiEio'i, 81'
i\iov xo ao Epnovxo; OEVWV laaiv. scal xax yt alx> ox jtEixxw;, a>
biemoxa x&v Xcov, CT/IE EE- x a l ; a a l ; vp (pT)YT|OEaiv ivEaxr|aaur|V acxripir)
nQdvuaxa xal 8it|vi)aa, XT|V at]v ocpcayia navxaxo jtpoaXXouEvo; xaXXivlxou
T)Yr|(jdnrrv axoaxo xav nou x i ; xwv rinoaicov xaXfj XQt'ia, xol; atixol; xfj; afj;
pExfj; EJI6|XEVO; auvrmaaiv inl xo; no>.E|.uoi>; jipEini. 2. i xavx xot vEr]x
aoi xi)v Enavxo i|n)XT|v Epcoxi xal <p&> xaapt; avaxpai>Elaav xo (v yg ovou
aov Yvrioiios yanw, XT)V 8e Svauiv EXaonai, f]v jtoXXol; XExaripioi; eEi^ag xal
xt|v EHT)V nlaxiv eaioxEpav EipYau). teiYonai YV * a t T ; a>nov; axd;
moax<jiv xo; |AO; xv aYtcbxaxv aoi olxov vavEcbaaaOai, 8v ol nuaapol txElvoi
xal doEExaxoi xcp axoitrmaxi xfj; xaaipeaEw; Xu|iT|vavxo." (V. C. II 55; p.
6324-642)-
Heidenduldung Verwerfungsurteil
27
bedarf. Konstantin will das in der Verfolgungszeit geschndete heilige Haus" Gottes erneuern. Diese ganze Gedankenfolge sollte man
meinen treibt unausweichlich dahin, nun der Kirche das alleinige
Recht im Reich zuzusprechen und den Tempeldienst zu untersagen.
Doch statt eines solchen Gebots folgt vielmehr das Toleranz-Edikt.
Ebenso bemerkenswert ist auch die Art, wie es ergeht. In Gebetsworte gefat, wendet es sich an Gott; vor ihm allein will sich der Kaiser
erklren. Das stellt das Gesagte in eine letzte Verantwortung, allem
Errtern enthoben 41 .
Das persnliche Bekenntnis des Kaisers schliet ein entschiedenes
Urteil ber den alten Kult ein. Er spricht es ohne Rckhalt aus: Dort
gibt es kein Heil; und die alten Heiligtmer sind nur Tempel des
Trugs". Die Heiden stehen als die Irrenden da, die sich den Gesetzen
Gottes entziehen. Anders als in Mailand bekennt sich der Kaiser klar
zu den Christen: Wir haben das lichte Haus deiner Wahrheit." Der
heidnische Kult bekommt eine scharfe Absage. Stand ihm damals die
Tr zur Gottheit offen, so ist sie jetzt versperrt. Nicht einmal ein
Wahrheitskern wird ihm belassen41". Aber so deutlich sich Wahrheit
und Irrtum geschieden haben, so wenig darf den Irrenden die Freiheit
eingeschrnkt werden. Sie behalten vollen Anteil an den Gtern des
Friedens, die jetzt nach dem Ende des Brgerkrieges allen Angehrigen des Reiches winken. Wenn sie ihr himmlisches Recht verloren haben, ihr irdisches bleibt ungeschmlert. Auch ihre Tempel drfen sie
behalten. Sie knnen diese ungehindert aufsuchen; die Kultusfreiheit
wird ihnen zugesichert.
41
Zu bedenken ist dabei nicht einmal so sehr, da der Kaiser sich in seiner
Adresse an die neuen Untertanen unvermittelt mit einem Gebetsanruf an den
wendet, unter dessen Leitung er sein Werk getan hat und es zu vollenden hofft:
das ist das ffentliche Bekenntnis seines Glaubens an den himmlischen Schutzh e r r n , dem er seinen Sieg dankt. Nicht sofort klar aber ist ein anderes: warum
kehrt er sich mit seinem Duldungserla nicht einfach zu den Heiden, denen dieser
gilt, oder an die Christen, denen Duldsamkeit anbefohlen wird, sondern an Gott?
Vor den Heiden ntzte ihm diese auffallende Proklamation nichts; vor den
Christen verteidigte er sein Schonen der Tempel noch zum Schlu in besonderem
Satz. Sah er sich gehalten, vor dem Herrn, dessen Diener er sein wollte, sich zu
rechtfertigen? Dann teilte er die Bedenken der Christen und mute mit einem
durchschlagenden Argument Zweifel ber das Recht seines Verfahrens in sich
berwinden.
41
* Das scharfe Urteil ber den heidnischen Kult macht es unmglich, die Duld u n g von einem heimlichen Fortdauern heidnischer Sympathien bei Konstantin
abzuleiten. Ebenso aber schliet die Entschiedenheit seiner Stellungnahme die
Meinung aus, der Kaiser habe aus einer bewut synkretistischen oder einer neutralen Auffassung beide Religionen gewhren lassen. Wieviel an unbewut beibehaltenem rmischen Erbe bei ihm fortlebte, ist fr die Duldungsfrage ohne Belang.
28
Verurteilung auf der einen Seite, Freigabe auf der andern vereinigen sich zu einer werbenden Duldung. Konstantin hat das Nebeneinander zweier verschiedener Religionen nicht als eine Gegebenheit angesehen, die fr immer bestehn werde. Das allen vor Augen gestellte
Ziel, die in der Verehrung des wahren Gottes geeinte Menschheit, gilt
auch denen, die sich ihm noch verschlieen. Kann der Weg dahin nur
freiwillig betreten werden, so hofft doch der Kaiser, die bisherige Ablehnung werde bald aufgegeben. Hierzu mag der Mitgenu an den
Segnungen der neuen Zeit helfen. Die Sprache des Geschehens, ihm
selbst so vernehmlich, wird ebenso zu anderen reden. Auch das gehrt
zu den Heilmitteln, deren Kraft der Kaiser offenkundig" nennt.
Dies ist die Stelle, an der sich Konstantin den Christen zuwendet.
Von ihnen, deren Sache Recht bekommen hatte, erwartet er etwas.
Wie er sie ermahnt, ihren Glauben im Leben zu bewhren, so stellt er
ihnen eine Aufgabe, die ihnen ohnehin obliegt. Was einer gesehen
und erkannt hat, damit soll er dem Nchsten ntzen." Aber wenn er
dem christlichen Zeugnis missionierende Kraft beimit, werden die
Heiden vor allen bergriffen geschtzt. Die Rollen drfen nicht vertauscht werden und jetzt die Christen ben, was sie frher erleiden
muten. Niemand darf mit dem, wovon er sich selbst berzeugt hat,
dem andern schaden." Der Satz, nach dem jeder seiner berzeugung
leben darf", verwehrt alles Benachteiligen, geschweige denn, da man
dem Andersglubigen Gewalt antte. Gelingt es nicht, ihn zu berzeugen, so mu man ihn gehen lassen. Das gebietet nicht etwa nur die
ffentliche Ruhe, sondern fordert auch das Wesen des Glaubens selbst.
Mit Gewalt ist hier nichts auszurichten 42 . Was also Heiden und Chri42
Der Satz, der den Heiden den Mitgenu des Friedens zuspricht, schliet sich
an den Frieden an, der Wesen und Aufgabe zuerst der Kirche ist und der Konstantins Kirchenverstndnis kennzeichnet:
EloT|VExiEadai oou xv Xav xai axaaiaaxov LIEVEIV EJUUIUJTEP xo XOIVO xfjc,
oivtou|[Link]|5 xai xo JIVXWV vdpcimcov xQ1'lotlt0u. iioiav xoi; JUOXEOUCTIV ol
;xXavcuEvoi xatpovxE? XauavExcooav EIOT|VT|; XE xai TJauxia;; jioXauaiv. aiixr| vp
T) xfjc. xoivcovlac; vXuxxri; XXEIVOUC, EJiavopdcoaaai xai Jtpc, xr]VEdlav yaYEiv
66v IOXOEI. ur|OEig xv E'XEOOV jiaQEvoxXEixco Exaaxoc. OJIEO f| t|)uxr| oXExai
xaxEXExio, xoxcp xaxaxExpriad). 2. xog 6' EU cppovovxac, jiEjiEiaflai xpr|, cbg ouxoi
uvoi ylwg xai xaftap); twoovxai, og axg XOXEIC, EJiavaitaEoai xoig 0015
ytoig VLIOIC,. oi ' Eauxog cpEXxovxEc; EXVXCOV ouXociEvoi x xfjc, tyEuoXoyiag
XE(IEVT| T)[Link] E'XOLIEV xv cpai&oxaxov xfjc, afj; Xr|dEiag olxov. JIEO xax cpaiv
Ecoxag, xoxo xxEivoig ExLiEfta, Iva r|Xa&f| i xfj; xoivfjc, ciovoiag, xai axoi
xf|v 6uur|8tav vacpEocovxai." (V. C. II 56; p. 64, 315).
axig axv OEpajtEEoflai XCOXEI, aXXcp xoxo \ir\ Xoyi^Eodco f| yg iaxpixf)
xcv ianaxojv ;ipoxaE^Exai cLxaaiv Eig xoLicpavEc, ;[Link]|" (V. C. II 59; p. 65,
810).
nxf|v iixaaxoc, JTEQ jiEioag Eauxv avaE&Exxai, xoxcp xv E'XEOOV UT| xaxaXajtxExoj jiED OxEpog EIEV XE xai EVTIOEV, xoxcp xv nXr|iov EI LIEV ysytaai
uvaxv WCPEXEIXCO, EI 8' vaxov jiapaitEUJiEcftco" (ebd. 60; p. 65, 1417).
29
sten gesagt wird, entspricht einander. Weder werden nach beiden Seiten Versprechungen gemacht, die sich schwer vereinigen lassen, noch
wird die Frage umgangen, wie ein Zusammenleben aussehen solle.
Der den Heiden zugesicherten Freiheit ihrer Religionsbung entspricht die den Christen eingeschrfte Pflicht zur Duldsamkeit, dem
kaiserlichen Urteil, das bei den Heiden Irrtum sieht, die Weisung an
die Christen, ihren Glauben zu bezeugen. Weil er den friedlichen Mitteln werbende Kraft zutraut, darum zieht er zwischen Christen und
Heiden keine fr immer bestimmte Grenzlinie.
Den Kampf fr die Unsterblichkeit kann ein jeder nur freiwillig
bernehmen; hier lt sich nichts durch Strafen erzwingen 43 ." Der
christliche Gedanke, da Glaube nicht erzwungen werden kann, hat
hier durch Konstantin eine eigene Fassung erhalten. Einst wurde dieser Gedanke von den Verfolgten ausgesprochen, gegenber einem
Staate, der ihnen die Duldung versagte. Jetzt begrndet er die kaiserliche Weisung, den Nchsten unbeschwert gehen zu lassen, wenn
dieser nicht zur Einsicht kommen wolle. Nicht mehr von unten nach
oben, sondern von oben nach unten gesprochen, gewinnt dasselbe
Wort einen anderen Gehalt. Wie es dem staatlichen Vorgehen Einhalt gebietet, so wehrt es nun einem Beschweren" des besiegten
Glaubens durch den siegenden. Das Wort ist dem gesagt, der Duldsamkeit ben soll, nicht dem, der Duldung erfhrt. Der Kampf fr
die Unsterblichkeit" verlangt Freiheit. Das erscheint um so bemerkenswerter, je staatsbezogener Konstantins religises Denken ist und
je fester sein Sendungsbewutsein Reich und Glaube umfat. Desto
bedeutsamer, da er die Grenze erkennt, die der Kaisermacht gesetzt
ist. Er begreift, da es Bereiche gibt, die aller staatlichen Strafgewalt
entzogen sind. Hier kann an keinen Zwang gedacht werden, und die
Freigabe mu jedermann einleuchten. Diese berzeugung verbindet
sich bei Konstantin mit seinem besonderen Glaubensverstndnis.
Kampf fr die Unsterblichkeit" das ist ein gerade mit seiner theologischen Anfechtbarkeit in den Mund eines Soldatenkaisers passendes und Konstantin wohl zuzutrauendes Wort. Bei ihm spricht sich
darin seine Einsicht in die Unerzwingbarkeit des Glaubens aus. Als ein
43
aXXo y&Q eaxi ( T ) tv JIEO Oavocia; a<Mov [Link]; EiravcuoEladat,
fiW.o T HET TinoDQiac, EJtavavx^Eiv" (ebd. Z. 1719). Die Hoffnung auf Unsterblichkeit ist Konstantin auch sonst nicht fremd. In dem Schreiben, in dem er
den Gemeinden die Ergebnisse von Niza mitteilt, erscheint sie durch das Osterfest begrndet (TT)V EOQTT|V Tcnutriv, jiao' fjj TT]V xrjc; Oavaoiag eUrnpauev iXmba
V. C. III 1 8 , 1 ; p. 85, 6). An den Siegespreis des ewigen Lebens" erinnert er den
arianisierenden Bischof Theodotos von Laodicea (Nov./Dez. 325) (Athanasius,
Werke III 1, Nr. 28, ed. H.-G. Opitz, Leipzig und Berlin 1934 f.). Die Mrtyrer
strebten nach himmlischer Hoffnung" (V. C. II 35; p. 56, 14).
30
31
32
Der Grund, auf den sich der Kaiser vor Gott beruft, ist ein anderer:
,Der Glaube selber vertrgt keinen Zwang.' Eben dieser Grund erlaubt, das in der Lage Erforderliche zu tun. Wie den heidnischen Beamten vom Christlichen her ermglicht war, in ihrem Dienst zu bleiben, so war es ein Gebot des Glaubens, das dem Kaiser die Freiheit
gab, sie darin zu belassen.
Lichtes Haus deiner Wahrheit Tempel des Trugs: anders als in
Mailand nimmt der Kaiser Stellung; er steht nicht ber beiden, sondern gehrt der einen Seite an und verwirft die andere. Aber er berlt sie nicht sich selbst; die Christen sind mit ihrem Zeugnis an die
Irrenden gewiesen, ganz wie Zeit und Erfahrung zu diesen reden. Doch
wenn sie sich verschlieen, bleiben sie ungefhrdet; die frheren Verfolger werden nicht verfolgt. Der siegreiche Glaube verwehrt jeden
Zwang, weil er selbst auf Freiwilligkeit steht. Mit dieser Kundgebung
tritt Konstantin vor das geeinte Reich.
Die Besonderheit von Konstantins Duldungsgesetz voll zu ergreifen, kann ein Rckblick auf Mailand" helfen. Was sich damals nur
eben andeutete, steht jetzt voran: des Kaisers eigenes christliches
Bekenntnis. Als Christ ruft er alle auf seinen Weg. Durch sein Bekenntnis bestimmt sich auch sein Urteil: die Christen sind Rechtdenkende, die Heiden nur Irrende. In den heidnischen Tempeln herrscht
wie wohl zu anderen Zeiten. Schlielich ist nicht zu bersehen, da in unserem
Dokument die politische Klugheit schwerlich das erste, sicher aber nicht das
letzte Wort hatte. Eine durch politische Rcksichten bestimmte Anrede htte den
unentbehrlichen Krften des Alten gndige Anerkennung gezollt, sie nicht durch
krnkende Worte ber ihre Religion und ihre Heiligtmer in Abwehrstellung getrieben. (Die Sorge, unnachgiebige Hrte knne die Heiden zum offenen Widerstand reizen, hat bei Konstantin nie eine erkennbare Rolle gespielt; mit Gegenkaisern brauchte der Sieger" nicht zu rechnen).
Man wird nicht leicht ein menschliches Handeln finden, in dem nicht mehrere
Antriebe zusammenkommen, wobei neben den bewuten auch die unbewuten
eine oft unheimliche Kraft besitzen. Es reicht nicht aus, je nach dem Bilde vom
Menschen, das der Beurteiler mitbringt, in den oberen, mittleren oder niederen
Schichten die Wirklichkeit anzusiedeln: sie umfat alle. Wenn darum schon der
lebende Mensch sich und anderen rtselhaft bleibt, wie erst der einer fernen Vergangenheit! Folgt daraus, der Historiker, der kein Herzenskndiger ist, msse
sich begngen, das Sichtbare festzustellen, Taten aneinanderzureihen und auf das
Verstndnis zu verzichten? Er wrde dann das menschliche Verstndigungsmittel
versumen, das Wort. Was immer mitgewirkt hat, entscheidend ist, wozu der
Handelnde sich bekennt. Sein Wort gibt seiner Tat den Namen, bei dem er behaftet und beurteilt werden mu. Stimmen Wort und Tat nicht zusammen, steht
er nicht zu seinem Wort um so bedenklicher fr ihn, je hher das Wort griff.
An sein Wort aber haben wir uns zu halten, insbesondere, wenn ein Dokument
auszulegen ist. O b dies Dokument nur mit leeren Worten verhllt, ob es zu dem
Geschehen, dem es Ausdruck geben soll, stimmt, das ist eine zweite Frage, bei
der es nicht im vorhinein sicher ist, ob sie eine zulngliche Antwort findet. Das
erste mu bleiben, das Wort ernst und den Handelnden beim Wort zu nehmen.
33
die Macht der Finsternis. Hier gibt es keinen Zugang zum Himmel
mehr, wie er in Mailand" noch offenstand. Wenn man damals auch
vom heidnischen Kult Gewinn erwarten konnte, so bildet er jetzt nur
mehr eine Gefahr fr das Reich. Doch neben der schroffen Absage
steht ebenso uneingeschrnkt die Freigabe. Es wird niemandem verwehrt, diese Tempel des Trugs aufzusuchen.
Zugleich aber werden Christen und Heiden in ein Verhltnis zueinander gesetzt. Mailand" konnte daran noch nicht denken, war es
doch der Kompromi von zwei Kaisern verschiedener Religion; es
brachte den Christen Lebensrecht, nicht Missionspflicht. Jetzt aber
wird den Christen aufgegeben, sich den anderen zuzuwenden, um
ihnen mit der eigenen Erkenntnis und Erfahrung zu ntzen. Wenn
jene aber dies Zeugnis abweisen, mu man sie ihren eigenen Weg gehen lassen ganz wie der Kaiser selber sie aus seiner Erfahrung
und Einsicht anredete und sie gewhren lie, wenn sie sich dem verschlossen. Beide, Kaiser und Christen, haben die gleiche Aufgabe zu
reden und beide unterliegen demselben Gebot zu schweigen und zuzuwarten. Konstantin ist ja einer der ihren: Sie sollen teilnehmen an
seinem Dulden, und er hat teil an ihrer Zeugnispflicht. Nicht als ein
Dritter steht er ber beiden Religionen, sondern als der einen zugehrig tritt er der anderen gegenber, in einer so kaiserlichen wie
christlichen Verantwortung.
Kehrte aber nicht der Toleranzerla von 324, indem er eine der beiden tragenden Sulen, den in Mailand beibehaltenen heidnischen
Kult, preisgab, in Wirklichkeit zum Galeriusedikt zurck, nur da
jetzt die christliche Kirche an die Stelle des heidnischen Tempels trat?
Hinter beiden Erlassen stand die Vorstellung eines Kreises mit einem
einzigen Mittelpunkt und nicht wie bei Mailand" die einer Ellipse mit
zwei Brennpunkten. Doch das Zugestndnis des Galerius erfolgte
unter dem Druck eines staatlichen Notstands, und zwar in der Erwartung, die Frbitte der Christen werde dem Reich zustzliche himmlische Hilfe erwerben. Konstantin dagegen verkndete die Duldung
auf der Hhe seiner Macht und ohne sich vom heidnischen Kult noch
etwas zu versprechen. Das dazwischenliegende Edikt von Mailand
setzte wie frher das des Galerius seine Hoffnung auf beide Religionen, nur da es im Unterschied von jenem greres Vertrauen zum
christlichen Gottesdienst bekundete. Andererseits beruhte bei ihm die
ungestrte Fortdauer beider Kulte darauf, da die kaiserliche berzeugung erhalten blieb, sie seien beide dem Himmel genehm und ihre
Frbitte werde dort gndig aufgenommen. Sobald diese Zuversicht erschttert wurde, war die Duldung gefhrdet. Das hatte sich bald bei
Licinius gezeigt, der sich ganz auf den heidnischen Kult sttzte und
die Christen bedrckte. Umgekehrt hatte Konstantin das Vertrauen
3 8402 Drries, Wort I
34
35
ge" Menschen 49 . Hier zeigte sich der sichere und selbstndige Blick
des werdenden Staatsmannes und regte sich zugleich die sittliche Emprung ber das ungerechte Vorgehen. Noch stand er dem Glauben
der Verfolgten nicht nahe. Aber wie die Opfer der Verfolgung fr
sich einnahmen, so ntigte die Standhaftigkeit der Mrtyrer dem Soldaten Achtung ab; er sprte in ihnen eine Macht, die sie hielt. Die Folgen der verfehlten Politik fr das Reich lieen nicht auf sich warten.
Unglck und Untergang der Verfolger erschienen Konstantin wie
anderen bald als Strafgericht.
Die Rckkehr zum Vater und der Antritt des Erbes lieen ihn seinen
Reichsteil auch weiterhin aus allen Unterdrckungsversuchen heraushalten; die ersten Jahre seiner Herrschaft gaben so der bisherigen Kritik Folge. Sie waren zugleich eine Zeit des Suchens, in der Konstantin
am Sonnenglauben Anhalt fand. Die dann gewonnene Erkenntnis der
sittlichen Weltordnung verstand er als Bekehrung, und das Wagnis,
sich im Kampf um Rom unter das christliche Zeichen zu stellen, brachte die endgltige Entscheidung. Dieser ganz persnliche Entschlu
kann auf kein Vorbild zurcksehen. Der siegreiche Kaiser bewhrt
und erringt damit seine Unabhngigkeit vom berkommenen und
zersprengt die Einheit von rmischem Reich und rmischer Religion.
Selbstndig ist auch die Art, in der sich Konstantin dem christlichen
Glauben zuwendet. Er vollzieht ja nicht den bertritt zu einer Gruppe,
in deren festem Gefge oder wirkungsvollem Programm sein vorausschauender Blick wartende politische Krfte erkannt htte. Vielmehr
ist es der von den Christen verehrte Gott, dem er sich anvertraut;
whrend aber sie ein unpolitisches Leben fhrten, erhofft er vom Christengott Beistand gerade fr die staatlichen Ziele. Der neue Weg, der
sich ihm durch den Sieg vor Rom und den Aufstieg zur Alleinherrschaft bewhrt hatte, war in seinen Augen unter gttlicher Leitung begonnen und vollendet 50 . Wie er auf unbeschrittener Bahn gegangen
war und darber einsehen lernte, da religiser Zwang nichts fruchtete, so billigte er auch allen Untertanen die Freiheit eigenen Entschlusses zu. Das geschah in Mailand zugunsten der Glaubensverwandten,
nach dem Sieg ber den heidnischen Rivalen zugunsten der Glaubensfremden.
Die eigene Geschichte Konstantins fhrt also auf ein Duldungsgesetz hin. Der heidnische Kult hatte unangefochten weiterbestanden.
Zwei Gesetze des Jahrs 319 gaben dafr die Sanktion. Das geschah im
Zusammenhang mit Konstantins Einschreiten gegen die private Ha*' V. C. II, 52 ( P . 65,5).
50
Ebd. 55 (s. o. S. 26 A. 40). Vgl. zu den Vorgngen und ihrer Beurteilung
H. DRRIES, Konstantin der Groe, Kap. III und IV, und J. VOGT, Constantin der
Groe und sein Jahrhundert, 2 io6o, S. 161 ff.
3'
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37
Nach dem Siege bei Chrysopolis, der dem Reich die Einheit brachte,
hat sich der Kaiser an die Provinzen des Ostens gewandt, um ihnen
die Stunde zu deuten. Zu rechtem Begreifen soll ihnen ein Rckblick
auf die durchlebte Geschichte verhelfen. Die Verfolgung unter Diokletian widerrechtlich und widergttlich, wie sie war fhrte Unheil
ber das Reich herauf. Zur Errettung daraus hat Gott selber Konstantin
berufen. In solcher Vollmacht und unter dem christlichen Zeichen hat
der Kaiser nicht nur die Friedensstrer besiegt, sondern auch die hinter
ihnen stehende gottfeindliche Macht, den Drachen, niedergeworfen.
So sind es die von allen miterlebten Geschehnisse, denen der Kaiser
Ausdruck gibt. Man darf sich nur dem nicht verschlieen, was vor aller Augen liegt. Die Forderung der Stunde, deren Herold eben der ist,
der sie herauffhrte, soll von jedermann begriffen und in verstehendem Gehorsam erfllt werden. Das persnliche Bekenntnis des Kaisers will auch von den Untertanen aufgenommen und zum eigenen
gemacht werden. Ist es doch ihre so gut wie seine Geschichte, um die
es geht. Jetzt wird nicht nur unter das Vergangene der Schlustrich
gezogen, sondern ffnet sich der Ausblick auf eine Zukunft, in die der
Kaiser hineinfhrt, in die man aber nur mit eigenem Entschlu folgen
kann.
Sklavenbefreiung in dem gleichzeitigen Gesetz vom 18. April 321 (Cod. Theod.
IV, 8,1) die Kirche genannt. Der vom Kaiser eingerichtete Heeresgottesdienst, gewiesener Platz fr etwaige synkretistische Neigungen, hat vielmehr Christen und
Heiden gesondert (s. u. S. 39). Schon das Jahr 319 kennt nicht nur die abweisende
Kennzeichnung des heidnischen Kultes als praeterita usurpatio", sondern auch
dessen Freigabe (Cod. Theod. IX, 16,2 vom 15. Mai 319; s. o. S. 36). Die groen
Schreiben des Jahres 324 sind ebenso durch das eindeutige Urteil ber den Tempelkult wie durch die Toleranzerklrung bestimmt; dabei entspricht die scharfe
Absage an Apollo dem Zeugnis Julians, Konstantin habe den Helios verlassen"
(or. VII, 228 D, rec. Hertlein 1875; s. J. VOGT, Kaiser Julian ber seinen Oheim
Constantin den Groen [Historia IV, 1955, S. 339352]). Da Eusebs wishful
thinking bisweilen aus Erlassen mehr herausliest als sie enthalten, ist nicht nur
im Rahmenbericht dieser Schreiben, sondern auch sonst, etwa beim Hretikergesetz (V. C. III 63.66), ersichtlich und fhrt nicht auf das Postulat schreckender
Verordnungen, die durch die Opfererlaubnis abgemildert werden mten (p.
269). Da schlielich ein so einschneidendes, der ganzen Religionspolitik Konstantins widerstreitendes Edikt, wie ein allgemeines Opferverbot, durch einen
bloen Rckverweis des Sohnes erwiesen werden knne, ohne sonst einen Widerhall zu wecken, hat alle Wahrscheinlichkeit gegen sich (vgl. Anm. 69). Julian, der
dem gehaten Oheim eher zu viel als zu wenig Gottlosigkeit" nachsagt, wirft
ihm doch nur vor, die Tempel seien von ihm vernachlssigt (Xivioor|EVTa) und
beraubt (jtom)XT)EVTa TCV vadrmctTcov); erst die Shne vergriffen sich an ihnen
(nctTOca uiv isp WttmAittexo
naget xcv jiaicov; or. VII, 228 B). Ein Opferverbot Konstantins kennt er nicht. Ebensowenig wei der Codex Theodosianus, dem
es doch hchst gelegen gekommen wre, von einem solchen. Schlielich widerspricht dem auch ein eindeutiges heidnisches Zeugnis: wie htte Libanios eine
Behauptung aufstellen drfen, die ihm durch den einfachen Hinweis auf ein Gesetz Konstantins widerlegt werden konnte!
38
Alles das, Geschichtsbild, Bekenntnis und Aufruf des Kaisers, bezeugt den Ernst seines Freiheitswortes; ihrer bedrfte es nicht, wenn
Befehl und blinder Gehorsam gengten. Da man sich aber zu dem
vom Kaiser gesteckten Ziel in willigem Verstehen aufmachen kann,
erheischt Glaubensfreiheit.
Die Geschichte des Kaisers hat sich mit der Gesamtgeschichte verbunden. Beide haben die weiteste Dimension angenommen, und die
religis gedeutete Geschichte will verstanden werden. Dazu aber bedarf es neu in der antiken Monarchie eines Glaubens, der nur in
freier Hingabe gewonnen werden kann.
Ob der Duldungserla nur der Ausdruck einer hohen, aber mit der
Stunde vergehenden Einsicht war oder das Ergebnis einer sicheren
berzeugung, mute die Folgezeit erweisen. Zwei Beispiele seien noch
angefhrt, an denen sich die Festigkeit des Beschlusses prfen lt,
Konstantins Ordnung des Heeresgottesdienstes 52 und das Schreiben
an den persischen Groknig aus dem letzten Jahr des Kaisers 53 .
Die sicherste Probe auf die Echtheit der Konstantinischen Duldung
ist der Heeresgottesdienst. Die Bedeutung fr die Festigkeit des Staates, die er zur Zeit der letzten heidnischen Kaiser besessen hatte, behielt er unter Konstantin bei. Diokletian und Galerius hatten die Christen aus dem Heer entfernt, weil sie den Opferkult gefhrdeten. Spter hat umgekehrt ein Theodosius II. nur Christen in seinem Heer geduldet, weil jetzt die Heiden das Reich um den himmlischen Beistand
bringen knnten.
Da die Regelung des Gottesdienstes im Heer beim Kaiser lag, mute sich hier zeigen, ob Konstantin die Grundstze seines Duldungserlasses festhielt. Es galt, sich der Hilfe dessen zu versichern, der den
Ausschlag gab auch in der Schlacht. So konnte es geradezu um ein Behalten oder Verlieren der Macht gehen. Das Rechte zu treffen war
nicht leicht. Der heidnische Kult hatte ja keinen Zugang mehr im Himmel und zum christlichen sollte niemand gentigt werden. Der Kaiser
52
39
suchte nach einem Mittelweg. Sonntags, whrend die christlichen Soldaten zu ihrem Gottesdienst gingen, sammelte er die heidnischen auf
freiem Feld zu einem gemeinsamen Gebet. Er verfate selbst dessen
Text: Wir wissen, da du allein Gott bist. Dich erkennen wir als den
Knig. Dich rufen wir an als den Helfer. Von dir haben wir Sieg empfangen. Durch dich waren wir strker als die Feinde. Dir wissen wir
Dank fr die erhaltenen Gaben und hoffen auf knftige. Wir alle bitten dich instndig, du wollest Konstantin, unsern Kaiser, und seine
gottgeliebten Shne fr ein langes Leben gesund und siegreich uns
erhalten 54 ."
Nur ein monotheistisches Gebet fand nach Konstantins berzeugung gndiges Gehr. Da aber auch Heiden von einer hchsten Gottheit sprechen konnten, so meinte der Kaiser, wenn er den nicht-christlichen Soldaten ein Gebet an den Himmelskaiser in den Mund legte, er
mute ihnen nichts Unbilliges zu. Sie sollten Gott als Schlachtenhelfer
anrufen und um Sieg bitten, gerade wie der Kaiser es in entscheidender Stunde und mit so sichtbarem Erfolg getan hatte. Durch solchen
Anruf halfen sie mit, die Macht des Kaisers und den Bestand seines
Hauses zu sichern.
Ein merkwrdiger Ausweg, der den Tempel vermeidet, nicht in die
Kirche ntigt, aber mit seinem Gebet an den Einen Gott gleichsam in
deren Vorhof fhrt. Er zeigt sowohl, da dem Kaiser das Urteil ber
die Wirkungslosigkeit des heidnischen Kultus unbeirrt feststand, wie
auch, da er selbst seinem Satz treu blieb, rechter Glaube sei nicht erzwingbar. Er lie die Christen ihren Gottesdienst besuchen und verlangte von ihnen keine Teilnahme an einer neutralen oder synkretistischen Feier. Aber er unterlie es, die Heiden in die Kirche zu kommandieren. Sie sollten einen dem Staat ntzlichen religisen Dienst
leisten und brauchten doch nichts zu tun, was ihr Gewissen beschwert
htte. Im Sinne des Kaisers und nach der Denkweise der Zeit ist das
Konstantinische Heeresgebet ein Beweis fr die Echtheit'der von ihm
gewhrten Duldung.
Gegen Ende seines Lebens hat Konstantin noch einmal zur Frage
der Duldung Stellung nehmen mssen. Jetzt aber handelte es sich
nicht mehr um das Rmische Imperium, sondern um das Perserreich.
Zugunsten der dort verfolgten Christen verwandte sich Konstantin
bei Schapur II. Das Schreiben gab jeden Gedanken an eine Nationalreligion auf. Da ein Volk und Reich durch seine Gtter beschtzt
werde und darum keine fremden Kulte zulassen drfe, diese dem antiken Religionsdenken gelufige Vorstellung hat hier keinen Raum
mehr. Zwar besteht der Zusammenhang zwischen Kult und HimmelsM
40
segen fort. Glck und Macht eines Staates hngen noch von anderem
ab als von der Strke des Heeres und der Klugheit des Herrschers. Die
rechte Gottesverehrung ist unerllich fr das Gedeihen eines Gemeinwesens. So weit wirkt das Alte fort. Aber die scharfe Kritik, die
den rmischen Kult trifft, macht vor dem persischen nicht halt. Der
Kaiser stellt vor Augen, wie die Verfolgung des Volkes Gottes, der
Christen, den Untergang der Verfolger nach sich zog. Das Schicksal
von Konstantins Vorgngern soll auch der Perserknig sich zum warnenden Exempel dienen lassen. Insbesondere mag ihm die Siegesbahn
des christlichen Kaisers zum Anla werden, dessen Beispiel bei seinem
eigenen Verfahren mit den persischen Christen zu folgen. Auch der
Groknig knne den rechten Helfer im Himmel gewinnen, wenn er
dessen Verehrern seine Knigsgunst zuwende. Wohlberatene Regentenweisheit leite zur Duldung der Christen an. Unduldsamkeit aber
msse sich an seinem ganzen Reiche rchen.
Konstantin geht es in diesem Brief um das Recht der wahren Religion; sie erwirkt die Gnade des Himmelsgottes auch fr den nichtchristlichen Herrscher und sein Reich. Dieser soll also mehr ist nicht
zu erwarten, obwohl die Wnsche erkennbar weitergehen mindestens auf die Linie des Galerius gebracht werden. Daneben wird dem
Groknig vorgestellt, welche Auswirkungen der christliche Glaube
auf Gesinnung und Verhalten seiner Trger habe; die Groen werden
verantwortlicher und bescheidener, die anderen zuverlssiger und gesetzestreuer. Doch wichtiger noch als die Aussicht auf die willige
Treue eines Teils seiner Untertanen mochte fr den Perserknig die
Hoffnung auf sprbaren Machtzuwachs sein. Worauf es dem kaiserlichen Ratgeber ankommt, ist, verheiend und warnend auf Gunst
oder Zorn des Allmchtigen hinzuweisen, der die Seinen beschirmt
und die Verfolger straft.
Indem Konstantin jenseits der Grenzen seiner Herrschaft als Anwalt der religisen Freiheit auftrat, hat er, den seine eigene Geschichte
von der vergeltenden Gerechtigkeit Gottes und der Macht seines Arms
berzeugte, mit dem Brief eine Probe seines Glaubens bestanden: er
nannte dem einzigen fremden Herrscher, der ihm gefhrlich werden
konnte, das Geheimnis seiner Strke!
Die Tragweite der hier angerhrten Gedanken geht weit ber das
hinaus, was dem Schreiber selbst vor Augen stehen konnte. Zuendegedacht, legt es die trennenden Schranken zwischen den Staaten und
Nationen nieder und gibt den anderen teil an der Quelle der eigenen
Kraft, im friedlichen berwinden der gewaltsamen Absperrung, mit
der bis dahin die Vlker sich gegeneinander zu sichern versuchten 55 .
55
Vgl. die hohe Wrdigung des Briefes durch L. v. RANKE: Dadurch wurde die
ideale Scheidewand zwischen dem rmischen Imperium und dem Sassaniden-
41
42
Konstantins Grundsatztreue
43
** Diese Toleranz hat er bis zu seinem Ende durchgefhrt. Diesen Geist atmet
das groe Rundschreiben an alle Provinzen, das er nach der Besiegung des Licinius erlie und in dem er seine eigene religise Entwicklung schildert, sich selbst
zum Christentum bekennt, auch allen Menschen diesen Glauben anrt, aber krftig betont, da niemand gezwungen werden solle und jeder ungekrnkt seiner
berzeugung leben drfe. In dieser Gesinnung liegt der Schlssel zum Verstndnis seines zuweilen widerspruchsvoll erscheinenden Handelns." (H. LIETZMANN,
Geschichte der Alten Kirche III, 3 i a 6 i , S. 144 f.).
H. BERKHOF meint freilich: Aus der Proklamation von 324 ging schon hervor, besonders aus dem Schlusatz (s. o. A. 45), da der Kaiser lediglich aus praktischen
Grnden den Proze nicht beschleunigte, welcher zur christlichen Staatsreligion
fhren mute" (Kirche und Kaiser, 1947, S. 61 f.). In seinem Toleranzkapitel (S.
105122) findet Konstantin darum keinen Platz, dagegen soll er geholfen haben,
da in Denken und Handeln der Kirche die Erkenntnis vom Recht der Toleranz
unterdrckt wurde (ebd., S. 123). Dabei hatte Berkhof selbst Konstantins Satz
von der Unerzwingbarkeit des Glaubens zitiert (S. 60)! Berkhof meint, Konstantins Shne htten die Grundstze" (?) des Vaters, nicht aber dessen kluge
Vorsicht geerbt; seine Bemerkung wenn wir das feststellen, drfen wir freilich
nicht vergessen, da auch der Vater wahrscheinlich auf die Dauer diese Vorsicht
zugunsten einer rascheren Verwirklichung seiner Ideale htte fahren lassen" (S.
62) ist eine bloe Vermutung des Autors, ohne Sttze in Konstantins Urkunden.
44
der Weg zur Kirche immer gemacht wurde, man brauchte ihn nicht
einzuschlagen; der Weg zum Tempel war unverstellt.
Wenn aber der Kaiser bei sich einem Wunsche widerstehen mute,
den er mit den Christen teilte, so gelang es ihm nicht, diese eines Besseren zu belehren. Sie beharrten bei ihrer Meinung, es sei fromme
Pflicht, die Sttten des Trugs und der dmonischen Verfhrung zu
schlieen, und sie konnten um so eher hoffen, sich damit durchzusetzen, als sie zhlebige Vorstellungen der antiken Frmmigkeit in christlichem Kleid geltend zu machen wuten. Als ihr stimmkrftiger
Wortfhrer wandte sich wenige Jahre nach Konstantins Tod der Afrikaner Firmicus Maternus im Konvertiteneifer an die jungen Kaiser
Constans und Constantius, um sie zu gewaltsamem Vorgehen gegen
den alten Kult und seine Sttten zu bewegen: Es fehlt nicht mehr
viel, da der Teufel durch eure Gesetze vollends zu Boden gestreckt
wird und die verderbliche Ansteckung des bald ausgelschten Gtzendienstes untergeht." Euren Hnden hat Christus den Untergang des
Gtzendienstes und den Sturz der unheiligen Tempel vorbehalten 64 ."
Wie Konstantin, so spricht auch Firmicus Maternus von dem Drachen", dem vielgestaltigen Gott", der hinter dem heidnischen Kult
stehe 65 . Die kostbaren Bilder sollen in die Mnze wandern, der Tempelbesitz dem Fiskus verfallen 66 . Die Weisungen des Deuteronomiums
werden aufgerufen 67 , und fr solch durchgreifende Zerstrung der
heidnischen Kultsttten wird den Kaisern Glck und Erfolg in ihrem
Regiment versprochen. In solche Verheiung klingt die Schrift aus:
So wird euch alles glcklich vonstatten gehen, werden Siege, Reichtum, Frieden, Flle, Gesundheit und Triumph euch zuteil, auf da ihr,
durch die gttliche Majestt geleitet, den Erdkreis mit glcklicher
Herrschaft regiert 68 ."
64
JULI FIRMICI MATERNI De errore profanarum religionum (zwischen 343 u n d
350), ed. A. PASTORINO: Bibliotheca di Studi Superiori XXVII 1956:
Modicum ( t a n t u m ) superest ut legibus vestris funditus prostratus diabolus
iaceat, ut extinctae idololatriae pereat funesta contagio." (c. 20,7; p. 212,93). Wololatriae excidium et profanarum aedium ruinam propitium Christi numen vestris
manibus reservavit" (ebd. c. 20,7; p. 213,107109).
65
. . . deus . . . multiformis . . ." (ebd. c. 21,2; p. 215,7 s c l-); ,Apse tortuosus
draco" (ebd. p. 216,12).
66
67
Ebd. c. 28,6 (p. 273).
Dt 13,610: Ebd. c. 29,1 (p. 281,8 sqq.).
68
Sic vobis feliciter cuncta provenient, victoriae, opulentia, pax, copia, sanitas
et triumphi, ut divina maiestate provecti, orbem terrae felici gubernetis imperio"
(ebd. c. 29, 4; p. 285, 65). Es klingt, als wolle AUGUSTIN gerade solchen Stimmen
wehren, wenn er den ersten Teil seines groen Geschichtswerks, der in seinem
Schluteil den frommen Kaiser Theodosius preist, mit einer Warnung beendet:
Wohl ist die ewige Seligkeit den wahrhaft Frommen vorbehalten; alles brige
aber was dies Leben erhht und erhlt, wie die Welt selbst, Licht und Luft, Erde,
Wasser und Frchte, auch des Menschen Seele, Leib, Sinne, Vernunft und Leben,
45
46
Reichskirche70'
Nach der Katastrophe des Valens (378) wurde der General Theodosius 71 von seinem spanischen Landsitz herbeigerufen, die Gotengefahr zu bannen, und rasch zum Mitregenten fr den Osten erhoben.
Er stand zugleich vor der Aufgabe, die kirchlichen Wirren zu ordnen
und dabei das Verhltnis des Reiches zum christlichen Bekenntnis
festzulegen. Das am 28. Februar 380 erlassene Gesetz verfgte: Wir
wollen, da alle Vlker, die unsere Milde regiert, die Gottesverehrung
ben, die so sagt es der Glaube der hl. Apostel Petrus den Rmern bergeben hat und bis heute lehrt. Ihr folgt der Papst Damasus
ebenso wie Petrus, der Bischof von Alexandrien, ein Mann apostolischer Heiligkeit. Wir glauben deshalb nach apostolischer Ordnung
und evangelischer Lehre, es sei eine Gottheit des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes, in gleicher Majestt und einiger Dreiheit.
Wir befehlen, da alle, die solchem Gesetz folgen, den Namen der
katholischen Christen behalten, da aber die brigen, die wir fr verrckt und wahnsinnig erachten, die Brandmarkung hretischer Lehre
auf sich laden und ihre Zusammenrottungen nicht den Namen von
Kirchen erhalten; sie sollen zuerst von gttlicher Vergeltung, dann
aber auch durch die Strafe unserer Willensregung, die wir nach himmlischem Gefallen empfingen, getroffen werden 72 ." Dazu gehrt die Er70
* Von Reichs- oder Staatskirche ist erst seit Theodosius zu sprechen; die vielfach begegnende Rede von der konstantinischen Reichskirche" fhrt in die Irre.
Gerade das Duldungsgesetz Konstantins lehrt die konstantinische Kirche von der
theodosianischen Reichskirche zu unterscheiden; zu deren Wesen gehrt die
Zwangsgeltung, sie soll alle Untertanen umfassen. Die konstantinische Kirche ist
demgegenber etwas Eigenes: der erste christliche Kaiser beendet das Zeitalter
der Verfolgung, begnstigt die Kirche, zieht sie an Staatsaufgaben heran, versteht sie als Ordnungszelle, sieht in ihr den unentbehrlichen Helfer beim Erstreben seines Hochziels, der religis geeinten Menschheit; er bietet ihr seine Hand
zum Heilen ihrer Schden sowie zu ihrem Ausbau und nimmt ein Mitspracherecht in Anspruch. Das geht ber eine bloe Privilegierung hinaus. Aber wenn
auch der Wunsch des Kaisers feststand, alle Untertanen mchten seinem Beispiel
nach sich ihr anschlieen, so unterlt er doch, sie ihr gewaltsam zuzufhren;
die Kirche behlt fr ihn eine eigene Vollmacht. Im geschichtlichen Gang war die
konstantinische Kirche eine Station auf dem Wege zur Staatskirche; wesensmig
aber sind beide voneinander geschieden! Es ist nicht leicht, die konstantinische
Kirche auf einen festen Begriff zu bringen, da sie sich den uns gelufigen Schemata fr das Verhltnis von Staat und Kirche entzieht.
71
Zu Theodosius vgl. vor allem die schne Darstellung von W. ENSSLIN, Die
Religionspolitik des Kaisers Theodosius d. Gr. in: Sitzungsberichte d. Bayer. Akad.
d. Wiss., Phil.-hist. Kl. (1953) H. 2 und das kenntnisreiche Buch von N. Q. KING,
The Emperor Theodosius and the Establishment of Christianity, 1961.
72
Imppp. Gr(ati)anus, Val(entini)anus et The(o)d(osius) AAA. edictum ad
populum urb(is) Constantinop(olitanae). Cunctos populos, quos clementiae n o strae regit temperamentum, in tali volumus religione versari, quam divinum
47
48
Das Gesetz, das mit seinen Folgen die Zukunft bestimmte 74 , hat an
sich nur die innerchristlichen Gegenstze im Auge, gibt der im Westen 75 geltenden Kirchenlehre das alle anderen ausschlieende Recht
und spricht den kleineren Gruppen die Befugnis ab, sich Kirche zu
nennen. Die Kirche wird geeint und bekenntnismig festgelegt. Aber
die so durch Reichsgesetz geordnete christliche Kirche soll nun das
bedarf fr Theodosius nicht erst einer Begrndung alle Vlker umfassen, die er zu regieren hat. Die Abweichenden vorerst sind nur
die christlichen Sondergruppen genannt werden mit dem Hretikernamen gezeichnet, ihnen die gttliche Vergeltung angekndigt, aber
auch die kaiserliche angedroht; der Herrscher nimmt dafr ausdrcklich die gttliche Vollmacht in Anspruch 75 '.
Val(entini)anus et Theod(osius) AAA. Qui divinae legis sanctitatem aut nesciendo confundunt aut neglegendo violant et offendunt, sacrilegium committunt. Dat.
III Kai. Mart. Thessal(onicae) Gr(ati)ano A. V et Theod(osio) A. I Conss." Vgl.
dazu N. Q. KING, The Theodosian Code as a Source for the Religious Policies
of the First Byzantine Emperors: Nottingham Mediaeval Studies 6 (1962) 13
Anm. 11. Danach drfte der von den Bearbeitern des Codex Theodosianus als
eigenes Gesetz registrierte Satz ursprnglich ein Bestandteil des groen Gesetzes
Cod. Theod. XVI, 1,2 vom gleichen Tage gewesen sein.
74
Der Codex Iustinianus, der mit den Religionsgesetzen als dem ersten Buche
einsetzt, stellt das Edikt von 380 an die Spitze; es erffnet also das ganze Rechtswerk. Die religise Grundlegung des Rmischen Imperiums wird erneut sichtbar, jetzt in reichskirchlicher Ausprgung. Demgem tritt Konstantin hinter
Theodosius zurck; dieser bestimmt die Geschichte der Religionsgesetzgebung.
75
Schon im nchsten Jahr ist vielmehr die im Osten vorherrschende Richtung
als magebend hingestellt. Sie gab auf der spter als II. kumenisches Konzil anerkannten Synode von Konstantinopel (381) dem Bekenntnis von Nica die abschlieende Gestalt; an die Stelle der beiden 380 genannten Garanten Damasus
von Rom und Petrus von Alexandrien treten jetzt die theologischen Fhrer der
Jungnizner (vgl. das Gesetz vom 30. Juli 381, Cod. Theod. XVI, 1, 3, p. 834).
75a
W. ENSSLIN gibt die Schlusentenz des Edikts vom 28. Febr. 380 divina
primum vindicta, post etiam motus nostri, quem ex caelesti arbitrio sumpserimus, ultione plectendos" folgendermaen wieder: sie sollen frs erste durch
ein gttliches Gericht, dann aber auch durch die Ahndung unseres richterlichen
Einschreitens, das wir, gesttzt auf des Himmels Ermessen, treffen werden, bestraft werden" (Die Religionspolitik des Kaisers Theodosius d. Gr., a.a.O., S. 16).
Das wirft die Frage auf, wie der motus", den der Kaiser empfngt, vorzustellen sei, ob dabei an ein gttliches Gesetz, auf das man sich sttzen kann etwa
eine biblische Weisung gedacht werden msse, oder ob der Kaiser eine Inspiration in Anspruch nimmt, so da er das himmlische Urteil empfngt und es dann
nur auszufhren habe. Mir scheint das zweite durch den Wortlaut nahegelegt,
wobei die dem Kaiser zuteilwerdende Erkenntnis mit biblischer Lehre und bischflichem Rat zusammengehen wird. In jedem Fall aber ist die kaiserliche Strafe die
unmittelbare Folge der gttlichen, die der Kaiser einfach zu vollziehen hat. Konstantin hatte gegenber den Donatisten die irdische Strafe suspendiert, um der
gttlichen Raum zu geben. Bei Theodosius bedingt und fordert die eine die andere.
Opferverbot
49
Was die allen Vlkern" geltenden Eingangsworte des Edikts umschlossen oder nach sich zogen, fand ein Jahrzehnt spter gesetzlichen
Ausdruck: 391 verbot der Kaiser das Opfer und untersagte allen den
Tempelbesuch76. Im Jahr 394 wurde noch einmal das Gottesurteil
der Schlacht angerufen: der Gegenkaiser Eugenius hatte gleichsam
als gttlichen Wchter auf einer Hhe der Voralpen eine goldene Jupiterstatue errichtet77 und seinem Heer ein Herkulesbild vorantragen
lassen, whrend die vom Kaiser selbst gefhrte Truppe mit dem
Schlachtruf: Wo ist der Gott des Theodosius?" vorstrmte 78 . Ambrosius nennt denn auch in seiner Grabrede auf Theodosius als einen
der vornehmsten Ruhmestitel des frommen Kaisers, da er die gotteslsterlichen Irrtmer beseitigte, die Tempel schlo und die Gtterbilder zerstrte" 79 .
A. M. RITTER bersetzt: (Schlielich) soll sie vorab die gttliche Rache, dann
aber auch unsere Strafbestimmung ereilen, die uns durch himmlisches Urteil bertragen ist" (a.a.O., S. 29). Das trifft das Schwebende des lateinischen Wortlauts,
lt aber offen, ob die gttliche Bevollmchtigung nur dem Kaiseramt als solchem
gilt, nicht auch dem einzelnen Urteil.
76
Idem AAA. ad Albinum P(raefectum) P(raetori)o. Nemo se hostiis polluat,
nemo insontem victimam caedat, nemo delubra adeat, templa perlustret et mortali opere formata simulacra suspiciat, ne divinis adque humanis sanctionibus
reus fiat" (Cod. Theod. XVI, 10, 10 [391 Febr. 24] p. 899). In groer Ausfhrlichkeit wiederholt am 8. Nov. 392: Imppp. Theod(osius), Arcad(ius), et Honor(ius)
AAA. ad Rufinum P(raefectum) P(raetori)o. Nullus . . . in nulla urbe sensu carentibus simulacris vel insontem victimam caedat vel secretiore piaculo larem igne,
mero genium, penates odore veneratus accendat lumina, inponat tura, serta suspendat. Quod si quispiam immolare hostiam sacrificaturus audebit aut spirantia
exta consulere, ad exemplum maiestatis reus licita cunctis accusatione delatus
excipiat sententiam conpetentem, etiamsi nihil contra salutem principum aut de
salute quaesierit. Sufficit enim ad criminis molem naturae ipsius leges velle rescindere, inlicita perscrutari, occulta recludere, interdicta temptare, finem quaerere
salutis alienae, spem alieni interitus polliceri" (XVI, 10, 12; p. 900). Zu den
Hretikergesetzen des Kaisers vgl. N. Q. KING, The Emperor Theodosius and the
Establishment of Christianity, 1961, p. 5059; zu seiner Heidenpolitik ebd.,
p. 7186.
77
50
Theodosius gab denen, die den Anspruch darauf hatten 793 , an der
Spitze zu stehen, das alleinige Recht in der Kirche. Er wollte der Kirche, die zu allen Menschen gesandt ist, alle seine Untertanen zufhren.
Deshalb nahm die so reich Bedachte keinen Ansto daran, da der
Kaiser kraft einer Vollmacht handelte, die heidnisch-rmischen Ursprungs war. Er entschied, was rechter Glaube war, mochte er sich
dabei auch an die Lehre des Petrus halten, eine Synode berufen und
sich deren Beschlu zu eigen machen. Als er im Jahre 383 erneut die
Bischfe, jetzt auch die der Sondergruppen, zu sich lud, lie er sich
von allen ihre Bekenntnisse einreichen, billigte die rechtglubigen 80
und zerri die anderen. Wie er als Kaiserpflicht ansah, den Irrtum
zu brandmarken, so betrachtete er es als seine Aufgabe, die rechte
Lehre anzubefehlen. Dabei besteht kein Zweifel, da er selbst von
der Wahrheit des Bekenntnisses, dem er die Alleingeltung verlieh,
berzeugt war und da er, wie seine Kirchenbue bewies, einen Gewissensernst besa, der ihn weit ber andere hinaushob 81 .
79a
An solcher Stelle wird sichtbar, da der Kirchenhistoriker nicht darauf verzichten kann, seinem eigenen Urteil Ausdruck zu geben. Anspruch" der (Alt- und
Jung-)Nicner meint ja mehr als ihre bereinstimmung mit dem kaiserlichen oder
dem Glauben der Mehrheit, auch noch anderes als das Recht der durch lange Bedrngnisse Bewhrten, besttigt durch das am Tage liegende Unrecht ihrer Gegner; es meint die Billigung ihrer Sache (vgl. H. Drries, Das Bekenntnis in der Geschichte der Kirche, 2. Aufl. 1947, S. 29 ff.).
80
Das des Bischofs der Hauptstadt und das der Novatianer, die gleichfalls
zum nicnischen ixoocaoc, standen.
81
Vgl. W. ENSSLIN, a.a.O. S. 49: Persnliche Frmmigkeit, ein starkes Verantwortungsgefhl gegenber Gott und seinen Untertanen, dazu die Auffassung
seiner Stellung des Kaisers von Gottes Gnaden standen hinter den manchmal so
selbstherrlichen Schritten des Theodosius auf einem fr den Laien nicht leicht zu
bersehenden Gebiet." Theodosius lehnte es ab, den Titel des Pontifex
Maximus
anzunehmen, veranlate gar Gratian ihn niederzulegen (Zosimus IV 36,5), whrend Konstantin ihn beibehielt. W a s meint dies unterschiedliche Verhalten? Die
einfachste und oft aufgegriffene Erklrung ist, der erst auf dem Totenbett getaufte Konstantin habe es minder genau genommen und habe so vermieden,
seinen heidnischen Untertanen Ansto zu geben; der gewissenhafte Theodosius
aber habe derlei Rcksichten verschmht.
Doch so vertrglich die Konstantin zugeschriebene unentschiedene Haltung
noch mit den Mailnder Bestimmungen wre, so unvereinbar ist sie mit dem entschiedenen Urteil des Jahres 324. Was bedeutet angesichts der gleichzeitigen Duldung und Verwerfung des Tempelkults das Weiterfhren des heidnischen Titels?
Dreierlei ist zu bedenken: a) Meinte der Kaiser die Duldung ernst, so schuldete
er den Heiden Schutz, b) Wem die Aufsicht ber die Tempel oblag, der konnte
verhten, da sie Sammelsttten Unzufriedener wurden, c) Da alle Macht im
Kaiser zusammenkam, konnte er nicht wohl einen anderen mit dem hohen Amt
betrauen. Es htte die Macht geteilt und den Staat pluralistisch aufgelst (vgl.
schon BOISSIER, La fin du paganisme I, p. 66 sq.).
Danach beweist das Festhalten des ,Pontifex Maximus' keine heidnischen
Sympathien" (F. STHELIN, Zeitschrift fr Schweizerische Geschichte 17, 1937,
Kaiserliche Glaubensentscheidung
51
Obgleich zunchst eine innerkirchliche Entscheidung, hat das Gesetz vom 28. Februar 380 der Geschichte langer Jahrhunderte die
Richtung gewiesen. Noch die Zricher Reformationskirche Huldreich
Zwingiis fand darin die Grundlage ihres Staatskirchentums 82 . Das
S. 410, mit J. Burckhardt) Konstantin verurteilte den Kult. Es handelt sich andererseits nicht um einen leeren Titel (A. H. M. JONES, The Later Roman Empire
284602 I, 1964, p. 93: traditional part of the imperial titulature") er bezeichnete eine Aufgabe. Diese beschrnkte sich auch nicht darauf, die Tempel als Festhallen zu bewahren, von denen die Spiele ausgingen (so unter Constantius II,
Cod. Theod. XVI, 10, 3; Selbstzeugnis S. 206) der Opferkult bestand fort,
wenn auch ohne kaiserlichen Nachdruck. Darum reicht es nicht aus festzustellen,
da Konstantin keine Bedenken" empfand (K. LATTE, Rmische Religionsgeschichte, S. 368; A. H. M. JONES: no qualms" [ebd.]).
Man kann sagen: der in begrenztem Sinn festgehaltene Titel des Pontifex
Maximus war der kritischen Toleranz gem, die Konstantin bte.
Dementsprechend mute der Herrscher, der Konstantins Heidenduldung ein
Ende machte, auch den Titel des Pontifex Maximus ablehnen. Fr Theodosius
war das ein Gebot des Gewissens. Wie htte er mit dem heidnischen Titel die
Verantwortung fr die Sicherheit eines Kults tragen knnen, den auszuben er
allen Untertanen verbot! Doch zugleich mit dem Verzicht auf den Titel begab
er sich der Mglichkeit, den Abbau des Tempeldienstes zu regeln; die ungeordneten Krfte, die er entfesselte, lieen sich nicht in gesetzliche Bahnen lenken. Die
alten Bauwerke waren dem Zugriff einer fanatisierten und beutelsternen Menge
preisgegeben. Versuche, die Geltung des Rechts zu wahren, stieen auf kirchliche
Einrede. Theodosius hatte keinen Standort mehr, von dem aus er dem Drngen
der Bischfe htte widerstehen knnen; ein Ambrosius, ein Theophilos von
Alexandrien wnschten die Tempel nicht nur geschlossen, sondern zerstrt, und
so vollstreckte er ihren Willen.
Der Wunsch der Bischfe war verstndlich: wurde dort nicht so hatte schon
Konstantin gesagt nur Verderbensmchten gedient und mute nicht das Volk
vor Verfhrung bewahrt werden? Und doch ein Schleiermacher warnte, die brgerliche Gleichstellung der Juden von ihrer Taufe abhngig zu machen: man
gewnne nur erheuchelte Christen. Ist es nicht Aufgabe der Kirche, ber der Freiwilligkeit der Bekehrung zu wachen? Geschichtliches Verstndnis und theologisches Urteil sind nicht dasselbe, so sehr sie einander fordern!
(Eine andere Frage ist es, ob nicht Theodosius und seine Nachfolger gerade in
solcher Entgegensetzung die Aufgaben und Rechte des rmischen Pontifex Maximus festhielten und zu neuer Geltung brachten. Die rmische Reichsidee lebte
im christlichen Mittelalter unter anderem Kleid und Namen fort. Der Erbe des
Titels wurde der Papst).
82
Vgl. ZWINGLI, De vera et falsa religione commentarius, 1525: Theodosios
vero et Ludovicos cur taceam, qui piissime regna et imperia administrarunt? Nolo
enim temere de Karolis istis magnis, qui, quod ad pietatem adtinet, magistri
caeremoniarum potius fuerunt quam pii reges, dicere. Sed de Theodosio isto
dicimus, cuius pietatis testimonia non modo Gentilium hystoriis, sed piissimorum hominum scriptis cernere licet." (Werke III, hg. von E. Egli, G. Finsler, W.
Khler; Corp. Ref. 90, 1914, S. 876).
Fr Calvins Schler THEODOR BEZA bedurfte Konstantins Milde gegenber einem Arius geradezu der Entschuldigung: culpa non caruit"! (fateor quidem
Constantinum eius vitae pepercisse, et hoc exemplum alios postea Principes secu4*
52
53
54
liehe Botschaft und versucht er, sie mit seinen Mitteln durchzusetzen,
so dehnt er sein Herrschaftsstreben auch auf Herz und Gewissen aus.
Darum ist die Intoleranz des christlichen Staates eindringender und
umfassender. Wrden auf christlichem Boden nicht alsbald starke Gegenkrfte geweckt, die vielmehr auf eine innere Unabhngigkeit von
aller menschlichen Autoritt hinwirken, so gerieten wir in die Nhe
der modernen totalitren Weltanschauungsstaaten. Ungeachtet ihrer
greren Tiefenwirkung, die durch die Art der christlichen Gemeinde
bedingt ist, lebt in der christlichen Intoleranz weithin rmisch-staatliches Religionsdenken in anderem Kleide fort.
Der Glaubenszwang, den Staat und Kirche seit Theodosius bten,
hat auch eine christliche Wurzel: je ausschlieender nmlich christlicher Glaube aller Menschen Heil an Christus gebunden wei und je
bestimmter das Liebesgebot den Glaubenden auf den Mitmenschen
richtet, auf dessen geistliche Not nicht weniger als auf seine leibliche,
um so mehr sieht er sich aufgerufen, den Irrenden von seinem verderblichen Wege zurckzuhalten. Hier gibt es also eine Ntigung, sich um
den Glauben anderer Menschen zu kmmern, auch und gerade, wenn
der Gefhrdete sich strubt. So verbanden sich christliche Antriebe
den antiken, um diesen neue Kraft einzuflen und ihnen ein gutes
Gewissen zu verschaffen.
Von daher erklrt es sich, da gerade die gewissenhaften und frommen Herrscher die Intoleranz des christlichen Imperiums begrndeten
oder verschrften. Im Bewutsein ihrer Regentenverantwortung meinten sie, kein Mittel unversucht lassen zu drfen, um alle Reichsangehrigen von der Strae des Irrtums auf den Weg der Wahrheit zu bringen. Auch Konstantin hatte es gewnscht. Er aber hatte den letzten
Schritt, den der Nachhilfe mit staatlicher Macht, vermieden. Ein Schritt
ist es der eine noch fehlende Schritt auf Konstantins Wege, der das
ihm vorschwebende Ziel erreicht? Oder ist es der verhngnisvolle eine
Schritt vom Wege, der ihn fr immer verlie, anderen welchen anderen! Zielen entgegen? Sobald man Konstantins Zurckhaltung
aufgab und sich ber die ihm klar bewuten Grenzen der eigenen
Mglichkeiten tuschte, war der verhngnisvolle Schritt getan; er
fhrte von der werbenden Duldung des ersten christlichen Kaisers zu
der staatskirchlichen Intoleranz jenes anderen Herrschers, der es Konstantin nachtun wollte, der aber, indem er scheinbar nur einen einzigen Schritt ber ihn hinaustat, ein ganz verschiedenes Glaubensverstndnis erkennen lie88.
88
Neben dem, was Konstantin von Theodosius scheidet vor allem Heidenduldung und Suspension des Donatistengesetzes , steht anderes, was beide
Kaiser verbindet, auch das freilich mit bezeichnenden Unterschiedenheiten. Fr
beide hngt das Heil des Staates am rechten christlichen Kult. Konstantin duldet
Theodosianische Reichskirche
55
Seit Theodosius nicht durch Konstantin sollten die beiden Bereiche von Staat und Kirche sich decken. Von nun an bezogen die Kaiser den Auftrag der Kirche dem Reich ein und dehnten die Autoritt
des Reichs auf die Kirche aus. So gewann die Kirche Gewalt und das
Reich Kirchencharakter. Aber indem sie Macht erhielt, verlor die Kirche an Vollmacht, und die von ihr entlehnte Heiligkeit schmlerte im
Staat die Kraft des Rechts. Das Verschmelzen der beiden Vollmachten
hat beiden Eintrag getan.
Entmachtung, Entrechtung, Entwurzelung des Heidentums um
nur solche Begriffe aufzunehmen sind ein langer Proze, dessen einzelne Stationen hier nicht verfolgt werden knnen. In unserem Zusammenhang war nur das Signal zu nennen, das durch Theodosius gegeben wurde: es stehe fr alle einzelnen Gesetze und deren unterschiedliche Anwendung, wie sie den Untergang des Heidentums herauffhren, begleiten oder schlielich bezeugen.
Theodosius hatte weder Bedrfnis noch Vermgen, das von ihm
Gewollte und Getane eingehend zu begrnden und voll auszusprechen.
Er hat seine Vlker nicht angeredet und, was er ber Konstantin hinaus unternahm, nur als die Verwirklichung des von seinem Vorgnger
deshalb die Hretiker ebensowenig wie Theodosius; doch es ist mehr als ein
Gradunterschied, wenn er zwar ihre Zusammenknfte verbietet, ihre Bethuser
beschlagnahmt und sie zum Eintritt in die katholische Kirche auffordert, aber
ihnen selbst keine Strafen androht (s. u. 5. 105), Theodosius dagegen mit Geldstrafen und Verbannung gegen sie vorgeht. Sofern freilich nach Eusebs Aussage
Konstantins Beamte dessen Linie nicht immer einhielten und Widersetzliche austrieben, unter Theodosius aber sich hretische Gruppen trotz der scharfen Gesetze
behaupteten, verringert sich der Unterschied in der Praxis. Beachtlicher ist, da
Konstantin unterlie, was Theodosius bte, die Hretiker mit Gewalt zum Kircheneintritt zu ntigen. Nur darin beeintrchtigte er die Freiheit, nun nicht der
von ihm zum Kircheneintritt Ermahnten, wohl aber der aufnehmenden Bischfe,
da er von diesen erwartete, sie mchten die Kirchentr mglichst weit auftun.
Wenn danach die Grenzlinie nicht berall scharf und gerade gezogen ist, auch
manche ideengeschichtliche Wege sie berqueren, nicht wenige Differenzen sich
zeitgeschichtlich erklren es bleibt ein wesentlicher Unterschied.
Das gilt, auch wenn Theodosius damit an Hoffnungen Konstantins anknpft,
mit denen dieser seine Duldung der Heiden begleitete: die Erwartung, alle jetzt
noch abseits Stehenden wrden bald freiwillig herzukommen. Diese in Konstantins Heidenpatent ausgesprochene Hoffnung konnte Theodosius denken lassen,
er vollziehe, wenn er daraus einen Befehl machte, nur seines groen Vorgngers
eigenen Wunsch.
Zum exemplarischen Scheitern des Versuchs eines christlichen Staates vgl. das
nachdenkliche Wort J. VOGTS, da wir Grund haben anzunehmen, da Constantin etwas von jener besonderen Tragik geahnt hat, die jedem Herrscher eigen
ist, der es unternimmt, die Welt christlich zu machen". (Heiden und Christen in
der Familie Constantins des Groen, in: Eranion, Festschrift fr Hildebrecht
Hommel, 1961, [S. 14g168] S. 168).
56
57
90
58
die grere Barmherzigkeit Gottes" 98 , die den Kaiser zur Strenge bestimmt habe. Mit diesem Satz fhrt Augustin seine Gnadenlehre in
die Errterung ein; an seinem eigenen Exempel bringt er sie dann noch
ein zweites Mal zur Sprache. Man mag fragen, ob er wohlberaten war,
die tiefe Erfahrung vom heilsamen Brechen des menschlichen Eigenwillens auf die Ebene des staatlichen Glaubenszwangs herabzuziehen.
Aber augenscheinlich wollte sich der groe Theologe nicht damit begngen, die Gewalt mit ihrem sichtbaren Erfolg zu rechtfertigen. Der
Schein konnte trgen, und Augustin hatte seine Warnung nicht vergessen, der Heuchelei Vorschub zu leisten. Freilich wurde nun die hohe
Lehre gentigt, Vorspanndienste bei einem Unternehmen zu tun, dem
sie ebensowenig eine Vollmacht zu erteilen vermochte, wie das Neue
Testament dazu bereit war.
Jetzt gewann Augustin selbst der bislang weit zurckgewiesenen
Heuchelei etwas ab: Heuchlerischer bertritt macht fr kirchliche
Unterweisung wenigstens erreichbar." Wie kann ein christlicher
Herrscher Gott dienen, als indem er hindert, was Gottes Geboten entgegen ist?" Darf etwa jemand einem solchen sagen: ,Kmmere dich
nicht darum, von wem die Kirche deines Herrn gesttzt oder bekmpft
wird'?" Die alttestamentlichen Knige wurden gelobt, wenn sie den
Gtzendienst ausrotteten. Die Hilfe Gottes selbst wird durch die christlichen Kaiser wirksam. Es gibt auch eine gerechte Verfolgung, die der
Liebe, die vom Irrtum zur Wahrheit ruft, um ihre Feinde vom Verderben zu erretten. Ohne Frage ist Lehren dem Strafen vorzuziehen.
Besser ist, wen die Liebe leitet, aber viele bringt erst die Furcht zurecht.
So sind die Zwangsgesetze eine Wohltat, deren Wert von den Betroffenen zwar vielleicht nicht gleich, aber sicherlich spter eingesehen
wird 97 . Solche Stze nehmen die christlichen Frsten noch vieler Jahrhunderte in Pflicht, der Kirche einen ihr Wesen so tief gefhrdenden
Dienst zu erweisen. Nur an Leib und Leben hier geht Augustin
nicht so weit wie die mittelalterliche Kirche soll man niemanden
strafen; aber Geldbue und Verbannung hlt er fr erlaubt und rtlich.
Von nun an beginnt Augustin, den Zwang in jeder Weise zu rechtfertigen. Einmal mu, was dem einen recht ist, dem andern billig sein:
Warum soll die Kirche ihre verlorenen Shne nicht zur Rckkehr ntigen, wenn die verlorenen Shne andere gentigt haben, gleichfalls
unterzugehen? 98 " Dann lt der Zwang sich auch biblisch rechtfertigen: Paulus ist von Christus zur Umkehr gezwungen; die Kirche ahmt
also nur ihren Herrn nach, wenn sie die Donatisten zwingt! 99 Die be* Dei maior misericordia" Ep. 185, 26 (CSEL 57, 25, 3).
97
Ep. 185, 30. 19. 20. 8. 18. I I . 21.
o Ep. 185, 23 (CSEL 57, 21, 17).
Ebd. (p. 22,19).
59
rhmte Auslegung des coge intrare" (Lc 14, 23), die das gttliche
Einladen zum Zwangseintritt umdeutet 100 , zeigt die Verlegenheit des
Exegeten, fr eine berzeugung, die sich ihm durch seine Lebenserfahrung aufdrngte, eine biblische Begrndung suchen zu mssen. Der
eigentliche Rechtstitel besteht jedoch in jener Erfahrung, die bewies,
da der staatliche Zwang nicht nur den ueren, sondern auch den
inneren Widerstand brach; das bereitwillige Zeugnis der Zwangsbekehrten hat alle frheren Bedenken bertnt.
Gewi, Augustin lieferte sich der Gewalt nicht einfach aus. Er hielt
dazu an, auf die Reinheit der Beweggrnde zu achten, stellte als das
leitende Motiv die frsorgende Liebe fr die Gefhrdeten heraus, die
man auch gegen ihren Willen retten msse. Selbst gegenber den Gewalttaten der donatistischen Circumcellionen hat er darum auf ein
schonendes Verfahren gedrungen: sie drfen weder hingerichtet noch
verstmmelt werden; die katholischen Bischfe sollen sich lieber von
ihnen tten lassen, als an ihrer Hinrichtung Schuld haben 101 .
Augustin ist aufrichtig genug, fr die zugunsten der Kirche gebte
Gewalt nicht einfach dem Staat die Verantwortung aufzubrden; die
Kirche mu sie selber tragen. Aber er versteht sich dabei zu dem gefhrlichen Grundsatz, durch die Gte des Ziels das Bedenkliche des
Weges rechtfertigen zu lassen: Zur rechten Zeit hat die Kirche als
gttliche Gabe durch fromme Herrscher Gewalt empfangen. Wenn
durch diese die Menschen an den Straen und Zunen, d. h. in den
Hresien und Schismen, zum Eintritt gentigt werden, dann sollen sie
nicht den Zwang tadeln, sondern bedenken, wohin sie gentigt werden 102 ."
Augustin beschreibt die heilsame Wirkung des Zwangs, der die
Hartnckigkeit bricht und den Weg zur Wahrheit ffnet: der Zwang
100
ed. P. KNOLL, p.
137).
60
schaffe zwar nicht selbst das Gute, das nach wie vor an die Freiwilligkeit gebunden bleibe, wohl aber die unerlliche Voraussetzung dafr103.
Doch die Erfahrung, durch die Augustin sich berzeugen lie, ist
eine unzureichende Lehrmeisterin: auch von hohem Standort sieht
selbst das weitestblickende Auge nur die nahen Ergebnisse menschlicher Taten; es berblickt nicht ihre Wirkungen auf die einen, die
Gewalt erleiden, auf die anderen, die sie ben, und auf die dritten,
die sie mitansehen. Im Blick auf das Wesensgesetz des christlichen
Glaubens kann man nur beklagen, da Augustin seiner ursprnglichen berzeugung nicht treu geblieben ist. Er verzagte an der Wirkungskraft des bloen Wortes und vertraute sich der rascheren und
sichtbareren Durchschlagskraft des staatlichen Schwertes an103*.
103
Non quo quisque bonus esse possit inuitus, sed timendo quod non uult,
pati uel relinquit impedientem animositatem uel ignoratam compellitur cognoscere ueritatem, ut timens uel respuat falsum de quo contendebat uel quaerat
uerum, quod nesciebat et uolens iam teneat quod nolebat" (Ep. 93, 16 [CSEL 34,
461, 5]). Beachtung verdient, wie fest und wirksam nach nur hundertjhriger
Geschichte Tradition und Herkommen bei den Donatisten sind, und welche Bedeutung dem Umbruch" zukommt. Sie werden aufgeschreckt aus dem bloen Beharren, befreit von den Fesseln der Gewohnheit, erweckt aus dumpfer Gedankenlosigkeit, entlastet von dem moralischen und selbst dem ueren Druck der Umwelt und jetzt endlich zu eigener Entscheidung aufgerufen. Natrlich fllt mit
dem Band auch der Halt von Sitte und berlieferung hin; mindestens schwache
Naturen werden damit der Einwirkung neuer Mchte ausgesetzt. Aber wie man
an der donatistischen Bewegung das Werden und Wesen der Tradition studieren
kann, so jetzt zugleich die Gefahr und das Freiheitsgefhl, die der Bruch mit der
Tradition entbindet.
Mit seinem Kampf gegen die donatistische Tradition" macht sich Augustin
nicht etwa schlechthin zum Anwalt des Neuheitserlebnisses"; wo sie der praedicatio veritatis" hilft, erkennt er eine heilsame Bedeutung der Gewhnung vorbehaltlos an. Nachdem im Anschlu an das Religionsgesprch in Karthago vom
Jahre 411 der staatliche Druck auf die Donatisten erneut eingesetzt hatte, berichtet Augustin im Jahre 417 von dem Erfolg bei den bisher Widerstrebenden:
illi, qui simulabant, paulatim adsuescendo et praedicationem ueritatis audiendo
maxime post conlationem et disputationem, quae inter nos et episcopos eorum
apud Carthaginem fuit, ex magna parte correcti sunt" (ep. 185, 7, 30 [CSEL 57,
28, 4]). Die Gewhnung machte danach aus der Scheinbekehrung eine wirkliche!
Es darf darum keine perditionis libertas geben (Contra Gaudentium I, 24, 27
[CSEL 53, 225 f.]).
10S
* Eine verstndnisvolle Wrdigung von Augustins Verhalten gibt H. v. CAMPENHAUSEN, Lateinische Kirchenvter, i960, S. 185194. Das Buch von GEOFFREY
GRIMSHAW WILLIS, Saint Augustine and the Donatist Controversy, 1950, behandelt die Frage der Zwangsbekehrung krzer als man erwarten sollte. Er begngt
sich mit einem Referat von Augustins Urteilen (p. 127135), hebt hervor, wie
das Verhalten der Donatisten die Inanspruchnahme des christlichen Herrschers
fast unvermeidlich machte und sieht sich zu keiner eigenen kritischen Stellungnahme veranlat. Das bedeutsame Buch von F. VAN DER MEER, Augustinus der
61
62
Heidnischer Einspruch
63
Die ,barmherzige Strenge', die den Irrenden auch wider seinen Willen dem Verderben zu entreien sucht, ist der christliche Rechtstitel
des intoleranten Staates fr mehr als ein Jahrtausend geblieben105*. Die
Intoleranz des mittelalterlichen Imperiums wurde aus antiker und
christlicher Quelle gespeist. Merkwrdig, da auch der Einspruch dagegen diesen doppelten Ursprung hat. Denn der Anwalt des Heidentums, Libanius, hat sich besonders auf christliche Argumente berufen.
Im Gesetz der Christen selbst gilt das berzeugen als recht, wird der
Zwang mibilligt." Warum wtet ihr gegen die Tempel und berschreitet eure eigenen Gesetze?" In solcher Sache mu man berzeugen, darf nicht zwingen. Wer das eine nicht vermag und zum anderen
greift, wirkt nicht, whnt es nur 108 ." Hier sind Gedanken, die einst
von Christen den heidnischen Kaisern entgegengehalten waren, nun
mehr den scharfsinnigen, traditionstreuen Theologen, sondern den Jnger heidnischer Sophistik und Rhetorik erkennt. Gleichwohl drang er, wenn auch langsam,
durch. Entscheidend und verhngnisvoll fr die abendlndische Christenheit wurde seine Lehre seit der Mitte des 12. Jahrhunderts; damals wurde sie in einer
Kette von Schlagworten in das allgemeine Gesetz- und Lehrbuch, Gratians
Decret, aufgenommen". (Akademische Vortrge Bd. 3, 1891, S. 278). Das lebendig geschriebene Buch von N. Q. KING, The Emperor Theodosius and the
Establishment of Christianity, stellt am Schlu fest: But even allowing for the
spirit of his age and his moderation, it is amazing how little Theodosius and the
great churchmen of his day paused to count the cost. A general coarsening of
moral fibre and lowering of Standards is bound to overtake a Society whose
hierarchy rub Shoulders with and use the methods of public executioners and
soldiers, a society in which many are members merely by constraint" (p. 95).
GREGOR V. NAZIANZ stand nicht an, beim Kaiser ein schrferes Vorgehen gegen
die Apollinaristen zu betreiben (ep. 102. MSG 37, col. 329 ff.).
10s Noch LUDWIGS XIV. geringe Bedenken gegen die Aufhebung des Edikts
von Nantes hat BOSSUET mit Augustin-Zitaten beschwichtigt; wie hoch ist deren
Anteil an der Verantwortung?
Nicht in unmittelbarer Nachfolge Augustins, wenn auch auf dem von ihm erffneten Wege, geht THOMAS VON AQUINO: die Kirche soll die Hretiker, die mit
ihrer Krebskrankheit die Gesunden gefhrden, einsperren oder verjagen; der
Staat mag sie wegen des von ihnen begangenen crimen laesae maiestatis, gar der
gttlichen maiestas, hinrichten (IV Sent., d. 13, q. 2, a. 3, corp.). Das hatten
Augustin und die Alte Kirche entschieden abgelehnt. Im Mittelalter waren noch
andere Grnde wirksam.
108
Ayog E un' ev xolc, TOTCOV axtv xoxo veivcu v6uoig, AXV EOXIUEIV
UEV x JIEU)EIV, x a x ; E dxoEiv xr)v &VCIYXT|V" (Libanios, or. 30, 29; opera III, ed.
Foerster, 1906, p. 102, 1618). xi ouv ucveodE xax xv ieptv, Ei x JIE'IEIV UEV
ox toxi, ii^Ecrcu E ( E I ) ; aacpwg yaQ oxioc, xai xog UEXEOOU; v axjv
jtaoaaivoixE vouou;" (ebd., p. 102, 18103, 3). &Ei vo T) x ve xoiaxa jteidEiv,
ov jxpoaavaYxtEiv. ei 6' 6 ur| xoxo trvuEvoq EXEIVCO %Qr\aETai, Eioyacxai UEV
OEV, oiexai E" (ebd., p. 102, 1315). Der von JOHANNES STRAUB, Heidnische
Geschichtsapologetik in der christlichen Sptantike, 1963, aufgewiesene Versuch der
Historia Augusta, den christlichen Kaisern ihrer Zeit (Anf. V. Jh.) das Vorbild
toleranter heidnischer Kaiser vor Augen zu fhren, verfolgte aktuelle, nicht historische Interessen.
64
einem christlichen Kaiser vorgerckt, in sicherer Kenntnis altchristlicher Grundstze. Der aber, auf den sich der beredte Anwalt der heidnischen Heiligtmer mit Namen beruft, ist Konstantin 107 . Mochte Libanius beklagen, da der erste christliche Kaiser aufhrte zu opfern
und Tempelgut fr den Bau seiner Stadt verwandte, er rhmt ihm
nach, da er die Tempel bestehen lie und der alte Kult ungehindert
fortging. So kommt denn in einer Zeit, die Konstantins Weg verlie,
indem sie ihn fortzusetzen meinte, seine Heidenduldung uns noch einmal zu Gesicht. Jetzt aber ist ihr Herold nicht Theodosius, der sein
Erbe verwalten wollte, sondern der Wortfhrer der Heiden, dessen
beschwrende Stze Konstantins Wort aufnehmen. Zwischen zwei
Zeitaltern stehend, von denen das zweite sich an ihn anschlo und gar
seinen Namen trgt, wird Konstantin, gerade durch diese Zwischenstellung in seiner Eigenart erst voll erkennbar.
Damit aber ist der Ort erreicht, von dem aus sich das Ganze der
konstantinischen Wende berblicken lt, die in der einen Stunde
ihren gltigen Ausdruck gewann: Vergegenwrtigen wir uns, was sie
enthlt. Nicht die Gestalt, die das Rmische Reich erhielt, bestimmt
ihre Eigenart. Hier hatte schon Diokletian begonnen und Konstantin
vollendete es nur. Da ein unmglich Geglaubtes wirklich wird, der
Kaiser Christ ist, Kirche und Reich sich finden, da jetzt die eineinhalb
Jahrtausende whrende Geschichte ihres Bundes beginnt das machte
Epoche. Mit einem Schlage wird das bisher Herrschende entthront.
Was fr die Ewigkeit gegrndet schien, strzt ber Nacht. Was heilig
war, wird als unheilig gebrandmarkt und das frher Verfemte zu
Ehren erhoben. Keine Hhe, die der Wandel nicht erreicht, keine Tiefe,
in die hinein er sich nicht spren lt. Aber eben in dem Augenblick,
da mit dem Siege Konstantins ber Licinius die letzte Schutzmauer des
Alten zerbricht und die neue Zeit sich endgltig durchsetzt, zu gerade
dieser Stunde hlt der Sieger inne. Altes schonend und damit scheinbar dem Neuen in den Weg tretend ergeht das Wort der Duldung.
Was das Alte erhlt, gehrt ihm jedoch nicht an, als gebe der Besiegte dem Sieger sein Gesetz. Vielmehr entstammt es dem Neuen und
ist nur auf dessen Boden zu begreifen. Es geht auf die Lage ein und
wird der Wirklichkeit gerecht. Doch es ist nicht ein politisches Wort,
als beuge sich der Staatsmann der bloen Notwendigkeit. Auch hlt
es sich nicht nur an bereitliegende Grundstze: gerade den Christen
mu der Kaiser sein Vorgehen erklren. Fr ihn ist es eine Glaubensforderung, der er selbst gehorcht, die aber zugleich ein sachgerechtes
Handeln freigibt. So ist es ein eigenes und zugleich ein neues Wort.
107
//^Y^O^EVO? axy \vane\eiv
xepv xtva VOHI^EIV EV e i ; \ik\ xrjv t r ^
ji6Xeu>5 jiEpl f]v eajtoaoe nolnaiv xolg leool? Expf|aaxo xe^naca, xfj; xax vnoug
65
Es prgt die Stunde und verleiht ihr die Gre. Es gibt dem Alten, was
ihm gebhrt, und es kann doch vom Neuen beanspruchen, als ihm
zugehrig ergriffen zu werden, seine reife Frucht.
Konstantin und die moderne Toleranz
Eine geschichtliche Stunde: in ihr einen sich die umgestaltende Tat,
das geistige Ergreifen des Geschehens, die sittliche Entscheidung.
Doch nur die in ihren Zusammenhngen erforschte Geschichte kehrt
sich uns zu. Erst wenn eine Stunde oder Gestalt der Vergangenheit an
ihrem Ort erfat und gewrdigt wurde, kommt es zur Begegnung.
Dann aber kann es sein, da kein Zeitgenosse mit solch zwingender
Gewalt zu uns spricht und wir zu einer Erkenntnis unserer selbst gelangen, wie sie dem allein an seine eigene Gegenwart Verhafteten nie
erreichbar ist.
In der Begegnung mit einer Geschichtsstunde entsteht ein Hin- und
Herber des Fragens und Antwortens, in dem das Verstndnis andere
Dimensionen gewinnt. Wir gehen die Vergangenheit an mit unseren
Fragen und sehen uns unversehens von ihr gefragt.
Vor unseren Augen beginnt der Kaiser, seinen Weg zu deuten, und
wir fhlen uns aufgefordert, in Zwiesprache mit ihm den unseren zu
rechtfertigen oder auch er ist noch offen ihn abzundern.
Konstantin erklrt, er habe die alte Intoleranz beendet, ohne eine
neue aufzurichten. Er durfte dabei versichert er aus seiner berzeugung kein Hehl machen, mute die Wahrheit, so wie sie sich ihm
darbot, bekennen und den Irrtum als solchen kennzeichnen. Zugleich
aber hatte er ihn freizugeben. Nicht darum, weil auch dieser einen
Wahrheitskern enthielt oder weil der Kaiser die Irrenden nicht entbehren konnte. Solche Toleranz htte nur so lange Bestand gehabt,
wie ihre Beweggrnde dauerten. Vielmehr war es die Wahrheit selbst,
die dazu ntigte. So dient denn die Duldung der Wahrheit und wird
durch sie gefordert. Das gibt ihr festen Grund und hlt sie zugleich
eingedenk, da sie Mittel ist, nicht Zweck. Sie trgt ihren Sinn nicht
in sich, aber sie gehrt unabtrennbar zu der Wahrheit selbst. In solcher Wahrheit aber auch das darf nicht fehlen wendet sich die
Freiheit dem Menschen zu. Er ist aufgerufen zu rechtem Gebrauch,
und er verkennt ihren Sinn, wenn er sie mibraucht. Die Freiheit verwehrt ihm den Mibrauch nicht, er ist frei auch gegen sie; aber er mu
wissen, da er sich selber versehrt, wenn er ihr widersteht.
Das etwa ist es, was Konstantin uns ber seine Glaubensfreiheit zu
sagen hat. Ein Mensch der Gegenwart wird darin von manchem angezogen, whrend anderes ihn zurckstt. Aber Fremdheit wie Nhe
warnen, sich einfach solchen Eindrcken zu berlassen.
5 8402 Drries, Wort I
66
Die moderne Toleranz hat lngst ihr erstes Feld, das staatliche Dulden verschiedenen Gottesdienstes, auf die Kirche erweitert, von der sie die Freigabe
gegenstzlicher Lehren fordert, und nun ihren Anspruch auf jeden Menschen
ausgedehnt, der denken drfe, wie er wolle. In dieser umfassenden Bedeutung
soll sie hier als Konstantins Unterrednerin auftreten.
67
68
Noch gefhrlicher aber ist der Wandel, dem die Toleranz nun zu
verfallen droht. Denn in der Abwehr einer unduldsamen Ideologie
kommt es, ohne da man es will und merkt, zur Ausbildung einer
Gegenlehre, die gerade als solche der gegnerischen entspricht. Man
tritt zunchst zgernd, dann immer bereitwilliger auf den Boden des
Angreifers. So entwickelt der Anwalt der Toleranz eine Anti-Ideologie, die den gleichen ausschlieenden und zwingenden Charakter
trgt, wie die, der sie sich entgegenwirft. Nun begngt man sich nicht
lnger, Versuchen zu gewaltsamem Umsturz mit Polizeigewalt entgegenzutreten kein Rechtsstaat kann darauf verzichten, und das
Wesen der Toleranz wird davon nicht berhrt , sondern man fhrt
einen Ausrottungskrieg mit demagogischen Mitteln. Diese Umwandlung wird sichtbar, wenn man im Namen der Toleranz beginnt, berzeugungen auszusphen, um so die verborgenen Wurzeln der gegnerischen Lehren aufzudecken. Jetzt gibt es kein Anhalten mehr: Was
immer von der Linie abweicht, scheint verdchtig und sieht sich dem
Zugriff der Toleranz" ausgesetzt. Auch wo sie auf nackte Gewalt
verzichtet, wei sie mit leisen und lauten Warnungen, Fingerzeigen,
Anschuldigungen, gesellschaftlicher chtung, Aufregung der Volkswut hchst wirksam den Gegner niederzuringen; jede Ehre wird ihm
abgesprochen. Am Ende ist die Duldsamkeit der von ihr befehdeten
Unduldsamkeit zum Verwechseln hnlich geworden.
Konstantin wute sich gehalten, auch denen Duldung zu gewhren,
die sich frher als Verfolger erwiesen hatten und deren Sache er als
gefhrdend ansah. Er verstand sich dazu ungeachtet der Warnungen,
die ihm selber nicht fremd waren. Was ihn bewog, den Gegenstimmen nicht zu folgen, war das Gebot seines Glaubens, die Freiheit noch
der Irrenden ernst zu nehmen. Damit bestand er vor seinem Gewissen.
Kann uns das etwas sagen? 110 Hiee es, man msse geschehen lassen, was immer einer berzeugung entspringt, auch wo sie uns selbst
zu verschlingen droht, so mten wir das ablehnen. Doch das Wort
Konstantins meint etwas anderes. Indem er die Freiheit als eine Forderung des Glaubens versteht, hlt er sie heraus aus den Erwgungen
der Zweckmigkeit, als habe auch die Freiheit ihren Preis und als
msse es von den Umstnden abhngen, ob man sie aufrecht erhalten
wolle oder nicht111. Dann wre sie ein Wert unter anderen, vielleicht
110
Das ist keine blo rhetorische Frage. Unsere Lage ist ja anders. Heute hat
die ffentliche Meinung grere Bedeutung, und der moderne Staat kann von
einer fnften Kolonne" unterwhlt werden.
111
Auch das ist gar nicht so selten, und die Geschichte bietet zahlreiche Beispiele,
da Intoleranz nicht allein durch bessere Einsicht berwunden wird. Oft genug
ist sie durch Argumente besiegt, die ihr schwerer wiegen als Worte. In der Zeit
der Alten Kirche brachten viele Gemeinden betrchtliche Summen auf, um bedrohte Glieder loszukaufen, und manche lokalen Behrden sahen durch die
69
ein hoher, der aber doch berboten werden kann, auf den man und
sei es mit Bedauern auch einmal verzichten mu. Es ist eine tiefere
Grndung der Freiheit, auf die uns Konstantin hinweist.
Nehmen wir diesen Hinweis auf, so wird sich nichts daran ndern,
da ein Staat der Gewalt mit Gewalt entgegentreten mu. Wohl aber
werden wir dem Andersdenkenden nicht die Ehre absprechen, werden
ihn selber ernst nehmen, auch wo wir seine Meinung verwerfen, und
werden ihm seine Freiheit hten, weil allein in ihr Wahrheit erkannt
und Glaube gewonnen werden kann. Wer Verantwortung im Staate
trgt, hat die Grenze zwischen Wort und Waffen zu wahren. Er mu
darber wachen, da keine Gruppe der anderen Eintrag tut, auch die
nicht, deren berzeugung er selber teilt. Ebenso mu er dafr sorgen, da der Staat keines seiner Mittel anwendet, berzeugungen zu
hemmen oder gar zu unterdrcken. Hier wird aus einer fernen Welt,
durch den ersten byzantinischen Kaiser, der moderne religis neutrale Staat daran erinnert, da der Glaube ihn vor der Gefahr schtzen
kann, die er aus Eigenem nicht zu bestehen vermag, nmlich einer
Ideologie zu verfallen und sich damit selber aufzugeben.
Doch es gibt nicht nur die Verlegenheit der Toleranz, die sie fragen lt, wie sie mit den Intoleranten umgehen solle, sondern auch
die Unsicherheit, was sie denn auf deren Vorwrfe erwidern knne.
Diese Vorwrfe sagen, die Toleranz verfhre zur Gleichgltigkeit
gegen die Wahrheit und zur Achtlosigkeit gegen den Menschen.
Die Intoleranz behauptet ja, im Namen der Wahrheit zu sprechen, und
ebenso, mit ihrer Gewaltsamkeit die Menschen zur Wahrheit zu bringen 112 .
Konstantins Hrte im Urteil ber die Heiden scheint Ausdruck der
Intoleranz zu sein und ist doch anderer Art. Verwerfung meint nicht
den Menschen, sondern seinen Irrtum. Wenn der Kaiser berzeugt ist,
im Namen der Wahrheit zu sprechen, so denkt er doch nicht, zu ihr
n t i g e n z u k n n e n . W o h l t r e i b t g e r a d e sie z u d e n I r r e n d e n i m B e Finger. So ging es in aller Geschichte bis in die Zeit Hitlers, als jdische Glaubensgenossen Dollars schickten, um Gefangene loszukaufen. Doch Gold ist nicht
das einzige Mittel, die Intoleranz zu bewegen, da sie ihre Opfer losgibt. Einflu,
Macht, politische Hilfe haben erhebliche Wirkungen erzielt. Calvin vermittelte
ein Bndnis zwischen Knig Franz I. von Frankreich und den protestantischen
Frsten des Schmalkaldischen Bundes zugunsten ihrer franzsischen Glaubensgenossen: deren Verfolgung mute aufhren, wenn den verbndeten deutschen
Regimentern der Anblick brennender Scheiterhaufen erspart werden sollte. Auch
Cromwell trat wirkungsvoll fr die Hugenotten und Waldenser ein.
112
Der Aufsatz von ERNEST W. NELSON, Persecution and Liberty. The Theory
of Persecution; in: Persecution and Liberty. Essays in Honor of George Lincoln
Burr, New York 1931, p. 320, beschrnkt sich auf die Theorie of corporal
punishment for heresy in Christendom"; aber es lohnt sich, der Theorie des
heilsamen Zwangs" im ganzen nachzugehen.
70
71
Verhalten den Anspruch, im Namen der Wahrheit zu reden. Die Gewalt, die sie dem Menschen antun, kann ja nur eine Unwahrhaftigkeit
bewirken, in der fr die Wahrheit kein Raum bleibt. Wenn die Gegner der Toleranz, wie sie vorgeben, sich des Menschen annehmen, so
zerbrechen sie ihn darber. Sie haben also kein Recht zu ihren Vorwrfen, nicht nur weil sie das, was sie verlangen, selbst nicht leisten,
sondern weil sie es auf ihrem Wege notwendig verfehlen.
Die Toleranz hat in Konstantin einen Anwalt gefunden, der ihre
Sache nachdrcklich vertritt. Aber der ihren Anklger abweist, beginnt
unvermerkt, sie selbst zu fragen. Konstantin hatte ein redendes Dulden gewnscht; steht das schweigende Gewhrenlassen der Modernen
auf gleicher Hhe? Er war den Tolerierten nahegetreten auch mit
scharfem Tadel; ist ihr gleichmtiges Fernebleiben das menschlichere
Verhalten?
Wer die konstantinische Meinung verwirft, mu sagen, was fr ihn
Wahrheit, was Irrtum ist. Wer davor zurckscheut und solche Urteile
berheblich und zudringlich nennt, ist damit der eigenen Stellungnahme nicht berhoben. Sein Schweigen selber redet hier und bezeugt, da er bereits geurteilt hat und wie dieses Urteil lautet. Konstantin sah, da die Wahrheit nicht bei der Intoleranz war; aber ist
die bloe Gegnerschaft gegen diese bereits Brge des Wahrheitsbesitzes? Man kann die Wahrheitsfrage nicht auf die der ehrlichen berzeugung einschrnken 114 . Indem Konstantin gleichzeitig Wahrheit
de Jupiter ft Jerusalem; mais les chretiens ne voulaient pas qu'elle ft au
Capitole." Constantin commenca par donner un edit qui permittait toutes les
religions; il finit par persecuter. Avant lui on ne s'eleva contre les chretiens que
parce qu'ils commenc/aient faire un parti dans l'fitat" (Oeuvres completes 4,
1879, p. 519). Fast berraschend aber schliet Voltaire: De toutes les religions,
la chretienne est sans doute celle qui doit inspirer le plus de tolerance, quoique
jusqu'ici les chretiens aient ete les plus intolerants de les hommes" (ebd., p. 521).
Z u m Widerstreit der Intoleranz in der Kirchengeschichte und der christlichen
Toleranz vgl. die einprgsame Formulierung von H. BORNKAMM: Weil sie (die
christlichen Kirchen) den Weg zu einer Toleranz aus dem Glauben nicht gefunden
haben, ist es zur Toleranz aus dem Zweifel gekommen. Darin ist zu einem guten
Teil die religise Krisis der Neuzeit begrndet." (Historikerkongre 1958; vgl.
seinen Aufsatz: Glaube und Toleranz, Deutsche Zeitung, 12. J. 1957, N. 46, S. 4).
Vgl. ferner eine zeitgenssische philosophische Einsicht: Erst in der Hingabe an
Wahrheit ist erfllte Freiheit mglich." Leicht wird die nur formale Freiheit verspielt." (K. JASPERS, Wahrheit, Freiheit und Friede, 1958, S. 12 und 13).
Darin, da Toleranz fr ihn nicht Selbstzweck ist, sie vielmehr ber sich
hinausweist, stimmt auch GOETHE Konstantin zu: Toleranz sollte eigentlich nur
eine vorbergehende Gesinnung sein: sie mu zur Anerkennung fhren. Dulden
heit beleidigen." Maximen und Reflexionen, hg.: M. Hecker, Weimar 1907,
Nr. 875).
1,4
Vgl. FR. H. JACOBI: Da er sich vollkommen berzeugt fhle, daran zweifle
ich nicht im mindesten. Aber wieviele Menschen beginnen nicht aus einer sol-
72
73
74
dung auch anderer Bekenntnisse abgentigt wurde, durfte der allgemeinen Billigung sicher sein. Dadurch fhlte man sich ermutigt, einen
zweiten Schritt zu tun und die Wurzel des bels aufzusuchen. Als
solche erschien klerikales Herrschaftsstreben und verketzernde Lehrstarrheit. Standen nicht sie hinter den Religionskriegen? Der Wunsch
regte sich, im Bunde mit dem modernen Staat ihn und sich von der
Vormundschaft der Kirche und der Zwangsgeltung ihrer Dogmen zu
befreien. Man arbeitete der Staatsraison in die Hand, fiel damit aber
unversehens der Staatsallmacht in die Hnde. Mit dem Leviathan von
Thomas Hobbes kndigte sich an der Schwelle des 18. Jahrhunderts
schon unheimlich der totalitre Staat des 20. an. Hobbes ging so weit,
den christlichen Vorbehalt allen Staatsgehorsams ausdrcklich auer
Kraft zu setzen: In der ersten Auflage seines Buches bestritt er das
Recht der sog. clausula Petri (Act. 5, 29), da man Gott mehr gehorchen msse als den Menschen 116 .
Sein Beispiel lt die Frage aufwerfen, wie weit der Angriff der
Toleranz gegen die kirchliche Autoritt reichte. Galt er nur einer
Gleichsetzung der Inhaber des kirchlichen Amts mit der Vollmacht
ihres Auftrags? Meinte er ein selbstgewisses Lehrsystem, das sich an
die Stelle der christlichen Botschaft gesetzt hatte? Oder richtete er sich
gar gegen das Evangelium selbst? Wer den Glauben berhaupt leugnete, weil dessen Wortfhrer ihn unglaubwrdig gemacht htten,
mute gewrtigen, da sein Verneinen auch der von ihm vertretenen
Toleranz zugerechnet werde. Toleranz" und Intoleranz" tragen bis
heute die Spuren dieser Auseinandersetzung. Die bestrittene Intoleranz wehrt sich, indem sie als Ursprung der Toleranz-Forderung Religionsfeindschaft oder Indifferentismus aufdecken will. Umgekehrt
dehnt die Toleranz" den erst von ihr geschaffenen Begriff der Intoleranz" 117 in seiner Anwendung bis auf die Offenbarung aus: schon
sie sei intolerant. Sie hat damit weithin Erfolg gehabt. Undurchdacht
ist ein Kampfbegriff aufgenommen. Was immer er abstempelte, bleibt
zusammengeworfen, und ohne da man dessen inne wird, erhlt sich
sein Abwerten. Aus der geschichtlichen ist er in die scheinbare Ungreifbarkeit der logischen Beziehung versetzt.
Auch die Gegner der Toleranz haben sich des Wortes bemchtigt.
Ein Hitler, ein Lenin bekennen sich zur fanatischen Unduldsamkeit".
Auffallender noch, da sogar christliche Theologen unbedenklich von
der Intoleranz der Offenbarung" reden 118 . Sie beachten nicht, da
Church History I, Boston 1962, p. 95121); DERS., The Travail of Religious Liberty, Philadelphia 1951; JOSEPH LECLER SJ, Histoire de la tolerance au siecle de la
Reforme I. II, 1955 (Deutsche Ausgabe 1965).
" Vgl. in Bd. II, Gottesgehorsam und Menschengehorsam.
117
Anders R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, 1941, S. 288.
118
Vgl. z. B. P. ALTHAUS, Toleranz und Intoleranz des Glaubens (Theologische
75
dem Wort von seiner Herkunft der Charakter bitterer Anklage untilgbar anhaftet. Indem man es aufnimmt, geht man auf die entstellende
Kennzeichnung ein und lt sich die Betrachtungsweise des Angreifers
aufntigen. So wenig wie die Aufklrungsphilosophie kann man nun
dem Begriff nach zwischen Jesus und dem Groinquisitor unterscheiden, zwischen der Hoheit des Evangeliums, die niemanden zwingt,
und seiner furchtbaren Verkehrung.
Zu einem berblick ber ihre eigene und die Geschichte ihrer Gegnerin hat sich die Toleranz durch Konstantin bewegen lassen. Das mag
ihr helfen, das Gesprch mit ihm noch einmal zu bedenken.
Drei Fragen waren von der modernen Toleranz an Konstantin zu
richten. Die erste Frage, nach der befremdenden Verbindung von Duldung und Verurteilung, erhielt zur Antwort, da eine Duldung desto
fester steht, je weniger sie von dem Geduldeten erwartet.
Die zweite Frage wollte wissen, ob man denn auch gefhrlichen
Lehren Raum lassen drfe; sie wurde darauf hingewiesen, da die
hufige Auskunft einer Toleranz auf Gegenseitigkeit das Problem
noch nicht lst; vor allem aber, da im Umgang mit intoleranter Ideologie die Gefahr der nicht minder intoleranten Gegenideologie droht,
mit der die Toleranz sich selber aufgibt.
Die dritte Frage aber suchte nach einem Halt gegenber dem Vorwurf der Intoleranz, die Toleranz kmmere sich weder um die Wahrheit noch um den Menschen, sondern verfhre zur Gleichgltigkeit.
Hier erinnerte Konstantin daran, da die Wahrheit sich dem Menschen zukehrt und da gerade sie Freiheit verlangt. Aber indem nun
die Sache der Wahrheit von der Intoleranz getrennt wird, mu die
Toleranz sich fragen, wie weit sie ihrerseits beide ernst genommen hat,
die Wahrheit und den Menschen, der nur von der Wahrheit leben
kann.
Diese Fragen und Antworten heben die Unterschiedenheit von Zeit
und Lage nicht auf, die uns von Konstantin trennt. Die von ihm den
Heiden gewhrte Duldung trgt Zge, die uns fremdartig anmuten:
sie lie ja die Wahl nur zwischen zwei autorisierten Kulten, nicht auch
die einer Religionslosigkeit; der moderne Begriff der Gewissensfreiheit findet hier keinen Anhalt 119 . Gleichwohl soll das Gesprch der
Aufstze II, 1935, S. 104); E. BRUNNER, Die Intoleranz" Gottes (Die christliche
Lehre von Gott 1946, S. 185); auch H. THIELICKE, Theologische Ethik III, 1964,
setzt die Intoleranz" des christlichen Wahrheitsanspruchs immerhin in Anfhrungsstriche (S. 181). M. PRIBILLA, Dogmatische Intoleranz und brgerliche Toleranz (Stimmen der Zeit 144, 1949, S. 2740). Zum Problem vgl. ERNST WOLF,
Toleranz nach evangelischem Verstndnis (Zeitschrift fr evangelische Ethik 1957,
S. 97109; jetzt in Peregrinatio II, 1965, S. 284299).
119
Immerhin war es Heiden wie Christen unverwehrt, ihren berzeugungen
mndlich wie schriftlich Ausdruck zu geben. An eine Beschrnkung der Lehrfrei-
76
modernen Toleranz mit Konstantins Heidenduldung etwas Besonderes leisten, was die Besinnung auf die eigene Geschichte, den eigenen
Werdegang nicht vermag. Diese will der Toleranz zu einem besseren
Verstndnis ihrer selbst helfen; aus der fernen Geschichtsstunde aber
kann sie ein Anruf treffen, der sie ntigt, anders zu werden. Gewi
darf sie nicht einfach auf den Weg des Kaisers einlenken, sondern
mu einer neuen Lage gerecht werden.
Heute welche Geschichte liegt zwischen Konstantin und uns!
haben alle Brger eines Staates teil an der politischen Verantwortung
und die jeweils Regierenden sind der Wahl und dem Wechsel unterworfen. Schon das verwehrt ihnen, die eigene religise berzeugung
in der gleichen Weise zur Richtschnur ihres amtlichen Handelns zu
machen, wie ein rmischer Kaiser es tat. Wohl soll der Mensch, der
das Amt innehat, fr sich selbst nicht ber dem Gegensatz der Anschauungen stehen, als berhre dieser ihn nicht; das hiee ihn zu entseelen. Aber sein Amt mu er aus dem Widerstreit heraushalten. Unserer Vorstellung von der Mitverantwortung aller und von der Ordnung des Weltlebens entspricht der tolerante Staat.
Die in langer Geschichte besttigte Einsicht, da der Glaube nicht
erzwingbar ist, und die Tatsache, da die Herrschaft nicht mehr in der
Hand eines einzelnen liegt, beides verwehrt allein schon, das Beispiel
des ersten christlichen Kaisers nachzuahmen. Wohl bleibt uns mit dem
privaten auch das ffentliche Leben die Sttte der Geschichte und damit der Bewhrung des Glaubens. Doch wenn es nichts weniger als
gleichgltig ist, wie ein Staatsmann gesinnt ist, so mahnt der Glaube
selber von seiner Zwangsgeltung ab in Sorge um die Reinheit des
Worts. Sobald staatliche Autoritt mit ihren Mitteln dem Evangelium
zu Hilfe kommen will, schwcht sie es nur, strkt es nie 120 .
heit hat erst Julian gedacht, der die Christen aus den Schulen wies, und zwei Jahrhunderte spter Justinian, der die Athener Hochschule schlo; vorerst lehrten
und lernten Heiden und Christen ungestrt nebeneinander.
120
Eine solche Einsicht ist schon im IV. Jh. von einem der Bischfe ausgesprochen,
die durch die Religionspolitik des Constantius betroffen waren, Hilarius von Poitiers: Ac primum miserari licet nostrae aetatis laborem, et praesentium temporum stultas opiniones congemiscere, quibus patrocinari Deo humana creduntur,
et ad tuendam Christi Ecclesiam ambitione saeculari laboratur. Oro vos, episcopi
qui hoc esse vos creditis, quibusnam suffragiis ad praedicandum Evangelium
apostoli usi sunt? quibus adjuti potestatibus Christum praedicaverunt, gentesque
fere omnes ex idolis ad Deum transtulerunt? Anne aliquam sibi assumebant e
palatio dignitatem, hymnum Deo in carcere inter catenas et post flagella cantantes; edictisque regis Paulus, cum in theatro spectaculum ipse esset, Christo
Ecclesiam congregabat?" Aut non manifesta se tum Dei virtus contra odia
humana porrexit, cum tanto magis Christus praedicaretur, quanto magis praedicari inhiberetur?" (HILARIUS, Contra Arianos vel Auxentium Mediolanensem
[anno 364]; MSL 10, col. 610 sq.). Vgl. auch LUTHER an Spalatin (4. 11. 1520):
Non est . . . principum . . . tueri verbum dei" (WA Br. 2, Nr. 351, S. 210,12 f.).
77
Allzu nahe legt sich dann das Miverstndnis, das Evangelium sei
nur eine feinere Art des Gesetzes, ein Stck innerer Staatsordnung,
das sich zwar nicht mit ebenso gegenwrtigen, aber desto nachhaltigeren Belohnungen und Strafen durchsetze wie das Staatsgesetz. Der
Staat mu sich hten, dorthin zu greifen, wo aller Gewalt eine Grenze
gezogen ist und nichts mehr wirken und helfen kann als das machtlose Wort 121 .
Daran schliet sich aber alsbald das Zweite, auf das diese Schlubemerkung hinweisen mchte; es gilt der Begrndung der Toleranz 122 .
Eine blo formale Toleranz, die wohl gar nur in Negationen begrndet wird, ist nicht gegen pltzlichen Umschlag gefeit123. Erst dann kn121
78
nen wir zu voller Sicherheit kommen, wenn wir wissen, da der Glaube selbst die Freiheit verlangt und sie in ihm den festesten Schutz besitzt. Drfen wir das Wort der Alten Kirche, es sei nicht Sache der
Religion, zur Religion zu zwingen, aufgreifen und sagen, es sei Sache
des Glaubens, die Freiheit des anderen zu hten wie die eigene? Gewi behauptet sich der Glaube auch im Kerker der Unduldsamkeit; er
entzieht sich der Fessel. Aber er fordert und wirkt die Freiheit; will
doch die Wahrheit, auf die er blickt, nicht knechten, sondern freimachen.
Das Evangelium selbst erzhlt vom Widerstreit der Duldsamkeit
und Unduldsamkeit. Als die Samaritaner sich weigerten, Jesus aufzunehmen, weil er nach Jerusalem zog, fragten ihn seine Jnger: Sollen wir Feuer vom Himmel erbitten wie Elias tat, da es sie verzehre?"
und sie erhielten zur Antwort: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?" Das Wort wehrte den Jngern, die eine Strafe vom Himmel auf die Glaubensfremden herab wnschen wollten, weil sie den Herrn
nicht aufnahmen. Hier erscheint die Intoleranz in ihrer verstndlichsten Form. Sie ist ja nur ein heiliger Eifer, der sich fr Glauben und
fr Treue einsetzt und dabei nichts fr sich selbst begehrt. Die Person
und die Sache, an die sie glauben, sind es allein, deren Ehre den Jngern vor Augen steht. Den Herrn abzuweisen dnkt sie ein Frevel, der
sofortige Shne verlangt. Sie legen aber nicht selber Hand an den
Frevler, sondern wollen Gott die Rache berlassen nicht immer ist
Intoleranz so zurckhaltend gewesen!
Und doch ist es sagt Luther ein bser Eifer, der sie treibt, nicht
von Gott, sondern vom Teufel 124 . Die Jnger mssen herumgerissen
werden. Hier steht Jesus gegen seine Kirche, und es ist die Frage der
Toleranz, an der sie zurechtgewiesen wird. Hingelenkt aber werden die
Jnger nicht auf das Vorbild Jesu selbst; ebensowenig werden sie an
das Recht der eigenen Meinung gemahnt, das auch den Samaritanern
unveruerlich eigne; noch wird schlielich ihr Blick auf die politische
und religise Rivalitt gerichtet, aus der heraus die miachteten Irrglubigen fast zwangslufig handelten. Sie werden nur an die Macht
erinnert, aus der sie leben und die allein sie regieren soll, den Hl.
Geist125.
184
Vgl. LUTHER, Predigt ber Lk. 9,51 ff. (1537) (WA 45, 407).
Man mag fragen, ob der Satz LUTHERS, der in der Bannbulle gegen ihn
zitiert wurde, nicht von dieser Stelle abgeleitet ist. Er lautet: Haereticos comburi
est contra voluntatem Spiritus." Tatschlich nimmt die assertio" dieses Satzes
auf Lc. 9, 51 ff. Bezug: Luce IX, ubi discipuli volebant ignem de celo deducere et
civitatem perdere, compescuit eos Christus, dicens ,Nescitis, cuius Spiritus filii
sitis? non venit filius hominis animas perdere sed salvare'. Hoc est, quod et ego
dixi et dico Christo magistro, eos, qui igne persequuntur homines, non esse boni
Spiritus filios. Cuius tunc? mali Spiritus, qui erat homicida ab initio. Christus non
125
79
Toleranz ist hier weder ein Gesetz noch ein Menschenrecht, sondern ein Wirken dessen, den man verleugnen kann und zu dem man
zurckgerufen werden mu, des Hl. Geistes; er ist die Quelle des Glaubens und der Herr alles guten Tuns. Gott selber tritt hier fr den
Menschen ein, auch den sich verfehlenden und ihn abweisenden. Er
dmmt noch den berechtigtsten Unmut zurck und verwehrt jede
Vergeltung. Als der unfabare und unbegreifliche, in kein System
einzubeziehende und doch im Gang der Geschichte wirkende, als der
Geist Christi gibt er die Freiheit.
Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?" Dies erinnernde Wort begrndet die Toleranz sicherer als jedes Gesetz und jede
Besinnung auf die Menschennatur. Auch sie sind willkommen und,
wie es um uns steht, gar unentbehrlich. Aber das Woher und Wozu,
die Kraft des Glaubens und der Liebe, deren die Duldung bedarf, um
ihren Sinn zu erfllen, gewinnt sie nicht dort. Dies ist das allzeit Neue
und Lebendige, von dem mancherlei Zeugnisse der Geschichte reden,
schwache und kraftvolle, klare und verhllte, unter ihnen auch das
Dokument, mit dem wir uns hier befaten, der Duldungserla Kaiser
Konstantins.
80
Die Donatisten
Die ersten Erfahrungen mit einer christlichen Sondergruppe hat
Konstantin im Westen gemacht. Gleich nachdem er Afrika gewonnen
hatte, stellten ihm dort die Donatisten Fragen, die ihn Zeit seines Lebens begleiteten, ohne da eine volle Lsung erreicht wre 126 . Dabei
126
81
ergingen Entscheidungen, die Konstantins Grundstze erkennen lassen und die sein Vorgehen auch anderen gegenber bestimmten.
Nach dem Ende der Verfolgung war es in Karthago ber der Besetzung des Bischofsstuhls zu einem Zwist gekommen, der rasch weitere
Ausmae angenommen hatte. Eine strengere und eine mildere Richtung gab es schon immer. Whrend der Verfolgung kamen die Entschiedeneren mit den Behutsameren nicht berein, welches das rechte
Verhalten sei. Herausforderung hier, schwchliche Vorsicht dort warf
man einander vor. Durfte man in Scharen die Bekenner im Gefngnis
besuchen und so eine unliebsame Aufmerksamkeit auf die Gemeinde
ziehen? Durfte man umgekehrt die Eingekerkerten ohne den Trost
und die Frsorge der Brder lassen? Als nun in eiligem Verfahren der
Vertreter der Vorsichtigen, Caecilian, zum Bischof erhoben wurde, verbanden sich die darber Unzufriedenen mit einer Anzahl numidischer
Bischfe und stellten einen Gegenbischof auf. Rasch kam es zu fester
Parteibildung, in der sich persnliche Gegenstze mit Prinzipiellem
verbanden. Wortfhrer des Einspruchs wurde bald ein willenskrftiger Mann von nicht geringen Gaben, Donatus von Casae Nigrae; er
gab der Bewegung den Namen. Was die Gruppen trennte, ist erst allmhlich zu voller Klarheit gekommen. Von vornherein aber zeichneten
sich bestimmte Grundzge ab. Sehr verschieden nmlich waren die
Gedanken, die man sich auf beiden Seiten von Sinn und Aufgabe der
Kirche machte. Bei den Donatisten lebte die Erinnerung daran fort,
da die Kirche sich als die Gemeinde der Heiligen ansah, die keine
schwere Snde, besonders nicht die der Verleugnung, in sich dulden
drfe. Wohl hatte schon um die Mitte des dritten Jahrhunderts Bischof
Cyprian von Karthago es aufgegeben, die in der Decischen Verfolgung zu Fall Gekommenen endgltig auszuschlieen; doch an die
dans l'Afrique Romaine de Septime Severe l'invasion vandale, Paris 1958, vgl.
H. v. CAMPENHAUSEN in ZKG 71 (i960) 336 ff. E. TENGSTRM, Donatisten und
Katholiken. Soziale, wirtschaftliche und politische Aspekte einer nordafrikanischen Kirchenspaltung, 1964 (Lit.). E. L. GRASMCK, Coercitio. Staat und Kirche
im Donatistenstreit, 1964 (Bonner historische Forschungen 22). Durch diese
neueren Arbeiten ist K. MLLERS abgewogene Darstellung des Hergangs der Ereignisse nicht in Frage gestellt (Kirchengeschichte I, '1941, S. 388394, 702705).
Vgl. auch H. LIETZMANN, Geschichte der Alten Kirche III, '1961, S. 6879.
Texte: Urkunden zur Entstehung des Donatismus. Hrsg. von H. v. SODEN und
H. v. CAMPENHAUSEN, 2. Aufl. 1950 (Kleine Texte Nr. 122), im folgenden zitiert
als Urkunden".
Die Forschung, die z. Zt. der afrikanischen Sonderkirche eine rege Aufmerksamkeit zuwendet, errtert neben der volklichen, sozialen oder altkirchlichen
Herleitung des Donatismus besonders auch das Verhltnis von christlichem Staat
und gemeindlichem Eigenleben. Dabei nimmt die Frage der Toleranz und Intoleranz einen bevorzugten Platz ein, im Blick auf Anwendung und Ausdehnung
der Ketzergesetze.
6
82
Konstantins Verfahren
83
einigten sich, einen Ausgleich mit der katholischen Richtung, die zugleich die der rmischen Oberschicht darstellte, unmglich zu machen.
Die staatlichen Manahmen, im Wechsel gewhren lassend und bedrngend, haben dazu beigetragen, die Spannung zu verschrfen; sie entlud sich in Ausbrchen, die dann ihrerseits neue staatliche Eingriffe
hervorriefen.
Alles das brauchte Jahre, ja, erfllte ein Jahrhundert. Ein erstes
Zeugnis, da die afrikanischen Unruhen den Kaiser schon bald nach
seinem Sieg vor Rom beschftigten, enthlt Konstantins gndiges
Schreiben an Bischof Caecilian von Karthago 128 . Darin wird diesem
und anderen Dienern des gesetzmigen heiligen katholischen Kultus" eine grere Geldzuwendung gemacht. Zugleich aber bietet der
Kaiser seinen Schutz an gegen gewisse Leute unbestndigen Sinnes",
die das Kirchenvolk verwirren; die Staatsbeamten sollen auf Anfordern des Bischofs helfen, diese Leute, wenn sie in ihrem Wahnsinn beharren, auf den rechten Weg zurckzufhren. Der einseitige Gunsterweis und der Tadel des Monarchen steigerten nur die Mistimmung
bei den Gegnern des Bischofs. Ebenso deutlich aber ist, da die donatistischen Unruhen nicht erst Folge, sondern Ursache des kaiserlichen
Vorgehens sind. Auch der unmittelbare Anla kam aus ihren Reihen.
Die Beamten verhielten sich anfangs korrekt und abwartend. Der
Prokonsul meldete dem Kaiser pflichtgem, es seien einige" in Begleitung einer Volksmenge bei ihm erschienen, die sich gegen Caecilian
E. TENGSTRM in Auseinandersetzung mit Frend, wie unsicher diese Kennzeichnung der Circumcellionen ist. Im Anschlu an die Staatsedikte sieht er in ihnen
vielmehr einen eigenen ordo freier Landarbeiter mit kleinem Eigentum, die, besonders in der Provinz Numidia superior mit ihren Olivenwldern beheimatet,
zur Olivenernte scharenweise die groen Gter auch anderer Provinzen aufsuchen. Religis stellen sie eine eigene Gruppe unter den Donatisten dar, mit
excessiver Mrtyrerverehrung, zu den Mrtyrergrbern wallfahrend, gar durch
Selbstmord Mrtyrerehre anstrebend (E. TENGSTRM, a.a.O. S. 42 ff.). Danach sind
die Circumcellionen nicht primr von ihrer sozialen oder volklichen Herkunft
zu verstehen, sondern als Trger eines religisen Fanatismus. Im brigen sucht
Tengstrm die Verbreitung der Donatisten und die Wirkungen der kaiserlichen
Edikte sicherer festzustellen. H.-J. DIESNER mchte gegenber TENGSTRM mit bedenkenswerten Grnden an der Sozialrevolutionren Deutung der Circumcellionen festhalten (ThLZ 90, 1965, 520 ff.); vgl. seine Studien zur Gesellschaftslehre
und sozialen Haltung Augustins" 1954, S. 58 ff., sowie seine Aufstze in Kirche
und Staat im sptrmischen Reich", 2. Aufl., 1964, S. 53 ff. und 78 ff.
IM Verfat ist das Schreiben einige Zeit vor dem 15. April 313, an dem der
Proconsul Anullinus ber eine Eingabe der Donatisten berichtet. Vorher mssen
sich der Kaiserbrief und die darin erwhnten Weisungen an die beiden leitenden
Beamten ausgewirkt haben, mssen auch die Donatistenfhrer Zeit gehabt haben,
ber ihr Verhalten schlssig zu werden, die Beweisstcke zu sammeln, die sie
ihrer Eingabe beifgten, und diese selbst aufzusetzen. Fr die Abfassungszeit des
kaiserlichen Schreibens kommen wir also in die Wintermonate 312/13 (Urkunden, Nr. 8).
6*
84
uerten: Sie berreichten mir ein versiegeltes Faszikel in Corduanleder und eine Eingabe" zur bermittlung an den Hof129. In dem Gesuch baten donatistische Bischfe den Kaiser um Richter, die ihren
Streit entscheiden sollten. Sie fgten hinzu, diese mchten aus Gallien
kommen, wo es keine Verfolgung und somit das liegt darin auch
kein Verleugnen gegeben hatte. Konstantin hat dem entsprochen. Ihm
schien der Streit um die Beobachtung des kirchlichen Gesetzes" und
darum zu gehen, ob der angeschuldigte Bischof Caecilian wrdig sei,
den Gottesdienst zu vollziehen130. Er sandte drei gallische Bischfe
nach Rom, auf da sie gemeinsam mit dem rmischen Bischof die Anklage untersuchten. Caecilian selbst sollte sich mit zehn Bischfen in
Rom einfinden; auch die Gegenseite sollte durch zehn Bischfe vertreten sein131. Der Spruch fiel gegen Donatus aus, so glimpflich man mit
seinen Anhngern verfuhr.
Daneben nahm man die Gelegenheit wahr, die seit Cyprian zwischen Rom und Afrika schwebende Frage der Ketzertaufe zugunsten
des rmischen Brauches zu entscheiden. Caecilian fgte sich dem. Doch
die Donatisten beschwerten sich beim Kaiser: sie seien nicht ausreichend gehrt und das Urteil sei nicht recht begrndet. Das war der
Anla, ein Konzil nach Arles zu berufen, zu dem der Kaiser Bischfe
seines ganzen Herrschaftsbereiches einlud (i. August 314). Die Synode trat dem rmischen Spruch bei, mit scharfer Wendung gegen unbegrndete Anklagen: nur wer aus den ffentlichen Akten berfhrt
sei, nicht blo durch leere Anschuldigungen verdchtigt, solle seines
Amtes entsetzt werden. Die falschen Anklger werden aus der Kirche
ausgeschlossen. Dagegen bleiben die Amtshandlungen der zu Fall Gekommenen gltig: die von ihnen Geweihten behalten das Amt, auch
wenn sie selber das ihre verlieren.
13
" Urkunden, Nr. 10 (S. 12,10).
Ebd., Nr. 14 (S. 16, 4. 17, 34 ff.).
1,1
Der besonders durch E. CASPAR in seiner Papstgeschichte (I 1930, S. 109 ff.)
vertretene Gedanke, der rmische Bischof habe den staatlichen Auftrag alsbald in
ein kirchliches Konzil umgewandelt, um die kirchliche Selbstndigkeit zu wahren, ist durch H. U. INSTINSKY bestritten (Bischofsstuhl und Kaiserthron, 1955),
aber durch B. LOHSE (Kaiser und Papst im Donatistenstreit, Ecclesia und Res
Publica, Festschr. f. K.-D. Schmidt, Gttingen 1961, S. 7688) in modifizierter
Form aufgenommen und gut begrndet. Mir selbst scheint es mit Instinsky
schwer vorstellbar, da die eben durch Konstantin befreite und beschenkte
Kirche alsbald eine geheime Kampfstellung gegen den christlichen Kaiser bezog,
als habe sie die Gefahren geahnt, die von dort heraufziehen sollten; wohl aber
drfte es mit Lohse nahegelegen haben, da man die gnstige Gelegenheit
wahrnahm, den noch immer unerledigten Streit mit der afrikanischen Kirche im
rmischen Sinne zu entscheiden und damit weit ber den kaiserlichen Auftrag
hinauszugehen. Da die Synode von Arles unternahm, sich in der neuen Lage
einzurichten und noch anderes als die donatistischen Wirren zu ordnen, war
doch nur sinnvoll. Wieviel auch Konstantin an der Regelung der Osterfrage lag,
hat er in Nica gezeigt.
85
86
ten war, entsprach er dem Wunsche der Donatisten und betraute neben dem Inhaber des angesehensten Stuhles auch gallische Bischfe
mit der Frage. Er rief auf den erneuten Einspruch hin Vertreter der
ganzen abendlndischen Kirche zu einem Konzil zusammen und bot ihr
damit zum ersten Male eine Gelegenheit, gemeinsam die sie erregenden Fragen zu errtern und so eine Antwort zu finden, die ihre verlorene Einheit wiederherstellte. Mit alledem tat er das Seine, um die
kirchliche Spaltung zu schlieen. Desto betroffener war Konstantin,
als er hrte, da die beschwerdefhrenden Bischfe das Urteil der Synode, in der doch nach seinem wie dem kirchlichen Denken Christus
selbst seinen Stuhl hatte, miachteten und ihm den kaiserlichen Bescheid vorziehen wollten. Sie schienen ihm damit ihrem eigenen Gesetz untreu zu werden und sich den Heiden gleichzustellen133. Aber
so anstig es ihn dnkte, da sie den von ihm geebneten christlichen
Weg verwarfen, er versagte sich ihrem Rechtsbegehren nicht und untersuchte ihre Anschuldigungen gegen den Bischof von Karthago. Er
tat das in der staatlichen Rechtsordnung Gebotene. Das Ergebnis war,
der beklagte Bischof habe die schuldigen Pflichten seiner Religion
gewahrt und ihr, wie es sich ziemte, gedient" 134 . Nachforschungen in
Afrika ergaben, da auch der Vorwurf, Caecilian sei von einem Verleugner geweiht worden, unhaltbar war. Da sich ihm also alles, was
die Klagesteller vorbrachten, als ungerechtfertigt herausstellte, wies
der Kaiser die Klage ab und entschied zugunsten des Beschuldigten.
Auch der letzte Versuch, auf mittlerem Wege die beiden Parteien zu
einigen, scheiterte an deren Widerspruch: der Gegensatz lie sich nicht
mehr berbrcken, und ein ,neutraler' Ausweg stand nicht mehr offen.
Es blieb nichts, als dem Recht seinen Lauf zu lassen.
Bis dahin war die Frage der Toleranz noch nicht ernstlich aufzuwerfen, und auch von einem Eingreifen des Kaisers in die Kirche war
kaum zu reden. Seines Amtes war, ber Frieden und Rechtsordnung
zu wachen. Rom und Arles hatten sich nicht damit begngt, die gegenseitigen Vorwrfe der beiden afrikanischen Gruppen zu untersuchen, sondern zugleich den bisher von beiden gebten Brauch, aus
Hresien bertretende neu zu taufen, verworfen und somit eine Lehrnorm aufgestellt. Caecilian unterwarf sich ihr, Donatus nicht. Der
Kaiser aber begngte sich mit dem Feststellen der Tatsachen: er prfte die erhobenen Anschuldigungen und wollte verhten, da sich die
unterlegene Partei mit Gewalt durchsetze. Konnte es aber die Aufgabe des Kaisers sein, hinter ihre Worte und Taten zu greifen und
ein christliches Recht bei ihnen wahrzunehmen, dem sie selbst noch
keinen sicheren Ausdruck zu geben vermochten und das sie durch ihr
13S
13i
Die Mrtyrerkirche"
87
Verhalten gefhrdeten? Er hielt sich an ihre Anklagen, und diese hielten nicht stich. Er sah ihr Treiben; wer konnte es billigen?
Das aber bedeutete, da rasch neue Vorkehrungen getroffen werden
muten, um der sich ausbreitenden Volksbewegung zu begegnen. Die
Donatisten glaubten nach wie vor sich selber im Recht, ihre Gegner
im Unrecht. Gewi hielten die weiterhin von ihnen erhobenen Vorwrfe, wenn man sie beim Wort nahm, der Nachprfung nicht stand.
Mit gutem Grund hatte man sich in Arles nur auf urkundliche Beweise
einlassen wollen, um die Dunstwolke von Argwohn und Verdchtigung zu zerstreuen, die ber dem Kampffelde hing. Erst recht konnte
der Kaiser nichts anderes tun, als dem Wege zu folgen, den die Klger selber mit ihren Anschuldigungen gewiesen hatten; er mute nachweisbare Tatbestnde ermitteln. Aber die Donatisten fhlten sich damit nicht wirklich widerlegt. Die Akten einer verfolgenden Behrde,
auf die sich das Verfahren doch sttzen mute, galten ihnen schwerlich
viel. Ihnen kam schon die kluge Vorsicht, die Caecilian whrend der
Verfolgung gebt hatte, wie Verleugnung vor. In der ihnen zugemuteten Preisgabe der afrikanischen Tradition konnten sie nur Untreue
gegen ihren Kirchenvater sehen. Zeichen und Erweis rechten christlichen Glaubens sahen sie allein in der unerschrockenen Festigkeit gegenber einer Staatsgewalt, die ihr standhaftes Bekennen brechen
wollte, jetzt wie damals. Fr sie hatte sich wenig gendert, auch wenn
der Kaiser nicht mehr zum heidnischen Opfer, sondern zur Unterwerfung unter eine beflissene Kirchenleitung zwang. Es war ein Glaubensgegensatz, sicher nicht nur politisches oder soziales Streben, was
sie in ihre unvershnliche Haltung trieb.
Doch haben die sich eindrngenden Leidenschaften nicht wenig zu
ihrem Widerstand beigetragen, und sie waren vielleicht mit daran
schuld, da es nicht zur sicheren Klrung des Gegensatzes kam. Auch
der Gegner leistete diesen Dienst nicht. Als die Donatisten sich weigerten, einige Kirchen herauszugeben, die in Karthago den Katholiken bereignet waren, rief Caecilian die Behrden an. Die rcksichtslose Gewaltanwendung, mit Einsatz heidnischen Militrs, hat hier den
Bruderzwist endgltig besiegelt 135 .
Die Donatisten verstanden sich als Mrtyrerkirche. Ganz wie man
einst gleichsam auf das Martyrium hingelebt hatte, standen auch weiterhin bei ihnen die Mrtyrer in hoher, ja berschwenglicher Ehre 136 .
Schon vor der Trennung war dies ein Streitpunkt. Man verargte es
135
88
89
90
144
91
92
der Wunsch der Donatisten, an den kaiserlichen Vergnstigungen teilzugewinnen, den Monarchen in den Streit hineingezogen haben,
jetzt ging es um mehr, das Dasein der Donatistenkirche selbst. Ihre
Versammlungen wurden verboten, ihre Kirchen beschlagnahmt, ihre
Bischfe verbannt. Dabei freilich sollte es sein Bewenden haben und
nur dort Militr eingesetzt werden, wo man auf Widersetzlichkeit
stie. Ebenso sicher aber ist, da die Gewalt die Widerstandskraft der
Donatisten nicht brach, sondern strkte. Sie rhmten sich ihrer Martyrien und wurden ihres Rechts nur desto gewisser1453.
Als sich herausstellte, das staatliche Vorgehen fhre zu keinem Erfolg, brach der Kaiser es ab. Wieder fehlt uns ein Gesetz, das den
Statthaltern Einhalt gebot. Aber wir haben dafr ein Schreiben, in
dem Konstantin den Katholiken Afrikas seine Beweggrnde darlegt
und sie zu gleichem Verhalten ermahnt 146 .
Wenn der Kaiser den Donatisten statt der bisher gebten Strenge
nun Duldung zukommen lassen will, so ist er doch weit davon entfernt, sie anzuerkennen. Er rechtfertigt sein Vorgehen und betont, wie
mavoll und christlich er mit ihnen verfahren sei. Was der Glaube
forderte, was die Klugheit vermochte, wieviel ein reines Wollen leistete, das habe ich, wie ihr selbst wohl wit, versucht und nichts unterlassen, was Menschlichkeit und Migung vorschrieben; auf diese
Weise sollte nach den Weisungen unseres Gesetzes der Friede der heiligen Bruderschaft gewahrt werden 147 ." Aber so gut die Absicht des
seine Angaben in Zweifel zu ziehen, so tragen sie doch weder fr die Chronologie viel aus, noch geben sie den Inhalt der Dokumente vollstndig wieder.
Danach geht es schwerlich an, mit GRASMCK (a.a.O. S. 102 Anm. 500) zur
Deutung einfach auf das nach Niza erlassene Hretikergesetz zu verweisen, das
die Verbannungen nicht kennt, wie sie die seuerissima lex verhngt zu haben
scheint. Insgesamt aber ist Grasmcks Bonner Dissertation ntzlich, um die
Rechtsformen festzustellen, in denen die staatlichen Gegenwirkungen erfolgten.
145a
Sofern die Verbannung donatistischer Bischfe nicht den fr die Unruhen Verantwortlichen, sondern den Vertretern eines lteren Kirchengedankens
galt, lohnt es sich, zwei Stze aus F. SCHLEIERMACHERS kirchengeschichtlicher Vorlesung hierherzusetzen, die auf die christliche Fragwrdigkeit des Vorgehens hinweisen: Die erste Verunreinigung der Kirchenzucht, indem Strafen verhngt
wurden, die mit dem religisen Interesse nicht zusammenhingen, sondern so, wie
sie auch auf brgerliche Verbrechen verfgt wurden. Zum Glck ward er durch
die Standhaftigkeit der Donatisten berwunden und erklrte bald darauf, er
knne sie nur Gott und ihrem Gewissen berlassen." (Geschichte der christlichen
Kirche, hg. von E. Bonnell, 1840, S. 193). Dabei ist freilich der Sinn der da verfgten Duldung nicht erkannt, Schleiermacher wrde sie sonst nicht als zum
Glck" ergangen sein lassen.
148
Urkunden, Nr. 31.
147
Quod fides debuit, quantum prudentia valuit, prout puritas potuit, temptasse me per omnia humanitatis et moderationis officia optime scitis, ut iuxta magisteria legis nostrae pax illa sanctissimae fraternitatis, cuius gratiam deus
Rckkehrerlaubnis
93
Kaisers war, sie hat die Gewalt des jenen eingeflten verbrecherischen Sinnes nicht zu zhmen vermocht. Unter dem Beistand ihrer
teuflischen Schutzmacht148 haben sie, die wenigen Verfhrer, sich nicht
von ihrem Treiben abbringen lassen. Angesichts dieses hartnckigen
Widerstrebens und im Blick auf das Volksganze bleibt nichts mehr
brig, als die Hilfe des allmchtigen Gottes anzurufen und mittlerweile Geduld zu ben. Die katholischen Christen sollen kein Unrecht
vergelten, sondern die Rache Gott berlassen, der das Erlittene als
Martyrium anrechnen wird. Bald werden dann jene Menschen einsehen, zumal wenn die Kraft der Rdelsfhrer nachzulassen beginnt,
da sie sich nicht durch einige wenige zu ewigem Untergang verleiten
lassen drfen, da vielmehr Einsicht und Bue zum ewigen Leben
fhren.
Wie einst Galerius, so rumt hier auch Konstantin einen Fehlschlag
ein, bekennt nicht eine Schuld. Aber anders als der heidnische Kaiser
strebt der christliche keine ,zweitbeste' Lsung an, die dem Reich immer noch etwas an himmlischem Schutz einbrchte. Er sieht nicht etwa
in der Mehrzahl der Konfessionen einen Ausdruck inneren Reichtums,
als habe jeder etwas Eigenes zum geistigen Kosmos beizutragen. Was
die Donatisten beseelt und sie beharren macht, ist lediglich satanische
Einflsterung, gegen die nur noch himmlische Heilmittel etwas vermgen. Dem Menschen bleibt nichts als abwartende Ergebung, wie es
dem Volk stillen Gesetzes" 149 geziemt. Diese Haltung meint der
Herrscher mag auf die donatistischen Mengen Eindruck machen;
berdies aber drften sie stutzig werden, wenn sie beobachten, da
die dmonische Kraft ihrer Fhrer unter der Einwirkung einer hheren Macht hinschwindet. Umkehr und Abtreten von ihren Irrtmern
knnte dann die Folge sein, auf die der Kaiser nicht ablassen will zu
warten, whrend er fr die Fhrer keine Hoffnung mehr hegt.
Konstantins Ziel war und ist der Friede der heiligen Bruderschaft"150. Sowohl die mahaltende Strenge wie die abgentigte Duldung entsprechen nach seiner berzeugung dem christlichen Gesetz:
die eine, sofern Absicht und Ziel so gut waren und die Mittel menschlich und mavoll blieben; die andere, da sie Gottes strafendem und
heilendem Wirken Raum gibt und ihm nicht vorgreift, nachdem sich
die eigenen wohlgemeinten Versuche als unzureichend erwiesen hatten.
summus famulorum suorum pectoribus inmiscuit, stabilita per omnem concordiam teneretur" (ebd., S. 51, 27).
148
. . . favente adhuc sibi huic nequitiae patrocinio . . ." (ebd., S. 51, 9).
148
. . . qietae legis populum . . ." (ebd. S. 52, 24); ber die Bedeutung dieses
schnen Worts fr Konstantins Kirchenverstndnis vgl. Selbstzeugnis, S. 296.
150
. . . pax illa sanctissimae fraternitatis . . ." (ebd. S. 51, 5).
94
Indulgentia ignominiosissima", unehrenvolle Duldung" hat Augustin diese Toleranz genannt 151 . Der Kaiser habe im Jahre 321 die
donatistischen Bischfe zurckkehren lassen, nicht ohne ihnen die
hrtesten Vorhaltungen zu machen; er berlie sie dem Gericht des
Herrn, das schon gegen sie zu wirken begonnen habe. Whrend also
den Heiden eine werbende Duldung zugebilligt wird, erhalten die Hretiker nur eine solche, die ihnen zur Schande gereicht. In beiden Fllen ist eingerumt, die staatlichen Mittel langten nicht hin, die wnschenswerte Einheit zu erzielen. Aber wenn der Kaiser den Anhngern
der alten Kulte Zeit gibt, sich vom besseren Recht des neuen zu berzeugen, so lt er gegenber den christlichen Hretikern der gttlichen
Rache Zeit zu handeln, ohne ihr durch menschliches Zwischentreten
vorzugreifen. Dort sollen gute Christen durch ihr Zeugnis zur rechten
Erkenntnis verhelfen. Hier bleibt fr sie lediglich das Dulden und Erleiden, das ihnen selbst den Mrtyrerkranz erwirbt, den bermtigen
Gegnern aber nur das verdiente Strafgericht beschleunigt. Auch jetzt
ist das Ziel nicht Ausrottung, sondern Bekehrung. Bei den Anfhrern
der Sondergruppen ist freilich des Kaisers Hoffnung gering.
Doch von welchen Worten und Empfindungen auch immer begleitet,
die Duldung ist ausgesprochen, die einschrnkenden Bestimmungen
sind aufgehoben; lediglich die staatlichen Vergnstigungen werden
den Donatisten vorenthalten. Was zu unterlassen der Kaiser noch vor
wenigen Jahren sich als schwere Schuld anrechnen wollte die Ntigung zur rechten Gottesverehrung" 152 ist jetzt aufgegeben. Es bedeutete etwas, da er sich offenbar nicht lnger ein Gewissen aus einem Verzicht machte, den frher sein Herrscheramt nicht zulie. Seine
berzeugung von der Notwendigkeit einhelligen Gottesdienstes war
ja nicht erschttert und sein Urteil ber den volksgefhrdenden Irrtum der Donatisten hatte sich eher verschrft. Wie konnte er gleichwohl deren Wortfhrer zurckrufen und sie ihre gefhrlichen Versammlungen halten lassen?
Bei schwachen Kaisern wrde der Hinweis auf eine Zwangslage gengen, in der sie sich befinden, um den Widerstreit zwischen ihren
ausgesprochenen Grundstzen und ihrem Handeln zu erklren. Ohne
151
Ebd., Nr. 30. Augustin gab hier den Inhalt des Erlasses, der den donatistischen Bischfen die Rckkehr aus der Verbannung erlaubte, mit eigenen Worten
wieder. In einer an die Donatisten gerichteten Schrift mute er auf genaue Wiedergabe des uns verlorenen Dokuments vom 5. Mai 321 bedacht sein. hnlich bezieht sich Augustin im Breviculus collationis cum Donatistis auf den Brief Konstantins an den Vicarius Verinus, worin den verbannten Donatisten die Rckkehrerlaubnis erteilt wurde: in quibus litteris Constantinus sie eos detestatur, ut
nihil illa indulgentia possit deformius inveniri" (CSEL 53, p. 88, 29). Vgl. auch
Anm. 145.
152
Ebd., Nr. 23 (S. 35, 26).
Indulgentia ignominiosissima
95
Ebd. Nr. 36 (S. 55, 47); vgl. Nr. 31 (S. 52, 19).
96
Damit ist die ignominiosissima indulgentia" 154 auch religis begrndet. Sie meint ja nichts als den Verzicht auf menschliche Strafe,
weil der Frevler, der bislang auf die bernatrliche Kraft trotzen konnte, die ihn beseelte und deckte, nunmehr der gttlichen Rache berantwortet wird. Konstantin erwartete davon zunchst ein Ermatten jener
teuflischen Krfte, die ja der Gewalt Gottes nicht standhalten knnten.
Wenn die Anhnger der donatistischen Fhrer deren Schwche bemerkten, dann erlgen sie nicht lnger ihrer Verfhrung. Dadurch
wrde vielleicht die Gefolgschaft der Donatisten zur Besinnung kommen. Wenigstens auf solchem Umwege erhielt auch diese Form der
Toleranz noch werbenden Sinn: sie wollte im Gehorsam gegen eine
biblische Weisung Gottes Allmacht Raum geben, sich in ihrer berlegenheit ber die dmonischen Mchte zu erweisen, und so die bisher
keinem Rat zugnglichen Volksmengen zur Besinnung fhren154*.
Da die Gedanken, mit denen Konstantin die unehrenvolle Duldung" der Donatisten begrndete, nicht nur dem Augenblick gehrten, zeigte sich ein Jahrzehnt spter. Im numidischen Cirta, das den
Namen des Kaisers bis heute trgt Constantine , war das Hauptquartier der Donatisten. Dort hatte die fanatische Menge eine vom
151
Kaiser Julian bte nach Ammianus Marcellinus, rec. C. U. CLARK, 1910,
p. 257 f., XXII, 5, 3 f. eine andere Art indulgentia ignominiosissima", freilich
nur unausgesprochen, als er die unter Constantius verbannten nicnischen Bischfe zurckrief. Zu Julians Toleranzpolitik s. J. BIDEZ, La vie de l'Empereur Julen, 1930, p. 227 ff.
154
* Man darf diese indulgentia nicht mit GRASMCK (a.a.O. S. 92/93) eine
vermittelnde und vershnende Haltung" gegenber den Donatisten nennen, so
sicher hier vllig neue Gedanken" begegnen. Es handelt sich nicht darum, die
Vorkmpfer des Zwistes" durch Duldsamkeit zu berwinden, sondern um ihre
Preisgabe an die gttliche Strafe. Ebensowenig knnen die Donatistenduldung
und die Toleranz gegenber den Heiden von einer ganz hnlichen realpolitischen berlegung" abgeleitet werden (S. 103); sie werden verschieden begrndet.
Auch ENSSLIN spricht von einer Bekehrung statt der Bestrafung der Donatisten, die Gott anheimgestellt werde. Zutreffend hingegen ist, da es sich dabei
nicht um ein Zurckweichen vor den autonomen Krften der Kirche handelt,
sondern um das bersehen eines nicht mehr allzu ernst genommenen Widerstandes (W. Enlin, Staat und Kirche von Konstantin d. Gr. bis Theodosius d.
Gr., a.a.O., S. 406). Bei dem runden Eingestndnis der kaiserlichen O h n macht gegenber den fanatisierten Massen" macht HANS LIETZMANNS kundige
und lesenswerte Darstellung des Donatistenstreits halt: die erbaulichen Redensarten knnen niemand darber hinwegtuschen, da Konstantin seine Kirchenpolitik als gescheitert betrachtet" (Geschichte der Alten Kirche III, '1961, S. 78 f.).
Aber sie wollten es auch gar nicht, und Konstantin rumt unumwunden ein, da
er mit staatlichen Mitteln nicht weiterkomme (so auch K. MLLER, Kirchengeschichte I / i , '1941, S. 393). Darum erhebt sich erst hier die interessantere Frage,
wozu es dann noch solcher erbaulicher Redensarten" bedurfte, wenn sie denn
nichts zu beschnigen suchten. Nimmt man sie beim Wort, so helfen sie zu einem
Verstndnis des Sinns wie der Grenzen von Konstantins Duldung und damit
auch seiner Religionspolitik insgesamt.
97
Kaiser erbaute Kirche in Besitz genommen und wollte sie nicht wieder rumen. Die Katholiken ergaben sich darein und erbaten nur einen anderen Platz. Die Antwort des Herrschers 155 bringt noch einmal die Grundstze zum Ausdruck, zu denen er im Verlauf dieser
Kmpfe hingefunden hatte. Jetzt gewinnt sein Urteil ber die Hretiker die volle Bestimmtheit. Es ordnet sich zugleich ein in das Ganze
von Konstantins religisem wie politischem Denken.
Das bedeutsame Dokument beginnt mit den sicheren Grundstzen:
Der Wille des Schpfers geht auf die Einheit des Menschengeschlechts.
Schon darum ist klar, da alles Aufspaltende vom Widersacher Gottes stammt. Was von den Hretikern unternommen wird, geschieht
unter dessen Einwirkung; er besitzt ihre Sinne und Gedanken. Was
also kann jemand, der in selbsterwhltem Irrtum von Gott zum Teufel
abfllt, anderes tun, als was der Billigkeit und Gerechtigkeit entgegen
ist? Es kann darum auch nicht wundernehmen, wenn die Ungerechten
sich von den Guten trennen.
Dagegen fordert das Gebot des Glaubens, sich von allem Streit zurckzuhalten. Die von den Katholiken in Cirta bewiesene Geduld
findet deshalb die ganze Billigung des Kaisers: sie handelten recht und
weise, wenn sie sich nachgiebig zeigten und die Gegner nicht zu offenem Aufruhr reizten. Diese sollen vielmehr, wie ihr Haupt, der Satan, durch Geduld berwunden werden. Geduld bringt denen, die sie
ben, die hchste Ehre ein; denen aber, die sich durch nichts von ihrem
Unrecht abbringen lassen, ein hrteres Gericht. Gott hat seine eigene
Rache angekndigt, und so mu alle Rache ihm berlassen bleiben.
Der Kaiser will nicht aufhren, zu erinnern und zu mahnen. Vielleicht
bringt die den Frevlern gelassene Frist noch einige zur Besinnung. Gehorchten sie seinem Rat, so wrden sie von allem bel frei werden.
Sehr gro ist die Hoffnung freilich nicht mehr: Sie wollen in ihrer
Bosheit sterben 156 ." Wir aber wollen das Unsere wahren und unserem Wege folgen 157 ." Des Kaisers eigenes Handeln entsprach diesen
Grundstzen: er berlie die selbsterrichtete Kirche den Donatisten
und baute den Katholiken eine neue!
Im Ganzen hat sich die von Konstantin eingenommene Haltung
bewhrt, auch wenn seine Hoffnung, die Zahl der Donatisten werde
zurckgehen, sich nicht erfllte. Es bildeten sich ertrgliche Zustnde157*.
155
.
Bayerische
Staatsbibliothek
Mnchen
98
99
Verderben, aber unterlt, sie zu strafen, weil ihre Strafe dem gttlichen Gericht vorbehalten bleibt. Der Kaiser erwartete, solch rchendes
Gericht ber die Verfhrer werde nicht sumen, und hoffte, die dadurch erschreckten Volksmengen wrden dann zur Besinnung kommen.
Wieder ist die Frage mig, wie laut dabei die politische Klugheit mitgesprochen habe. Man kann an dem Entschlu, ein vordem als
Herrscherpflicht bezeichnetes Vorgehen aufzugeben empfindlich fr
das Selbstbewutsein , die staatsmnnische Kraft achten, die ohne
Nebenrcksichten das jeweils Erforderliche tat. Aber man darf darber
nicht das auch hier deutlich hervortretende Bedrfnis nach religiser
Rechtfertigung dieses Schrittes bersehen. Das offene Eingestndnis,
mit seiner bisherigen Politik gescheitert zu sein, pat nicht zu der Deutung, der Kaiser verschleiere den eigenen Mierfolg mit dem Gehorsam gegen eine biblische Weisung. Erst mit der religisen Begrndung hat er sein letztes Wort gesagt.
Die beim Wort genommenen Grnde lassen die Eigenart dieser Toleranz verstehen: berweisung der Schuldigen an ein hheres als das
menschliche Gericht und Hoffnung fr die breite Masse der Verfhrten. Zugleich aber legte die Eingliederung der Hresie in den groen
metaphysischen Gegensatz den Grund fr die Ketzergesetze der spteren Kaiser. Ohne die humane Migung und die christliche Bescheidung Konstantins lge in seiner Deutung der Hresie als eines schuldhaften Irrtums, als der Verleugnung Gottes und der Zukehr zur Sache
des Teufels der Rechtstitel nicht mehr einer Toleranz, und sei es einer
unehrenvollen", sondern der hrtesten Intoleranz. Mit den humanen
Rcksichten und insbesondere der Unterscheidung von gttlichem und
kaiserlichem Gericht wahrt auch die indulgentia ignominiosissima
Konstantins noch ein Ma von Freiheit, in der ein ruhiges und stilles
Leben", wie es der Pastoralbrief (1. Tim. 2, 2) begehrt, gefhrt werden
kann.
Die Arianer und das Hretikergesetz
Inzwischen aber hatte Konstantin noch eine andere Hoffnung auf
Heilung des Zwiespalts gehegt. Sobald Licinius besiegt und der Feind
des Erdkreises" 160 berwltigt wre, wollte er Bischfe des Ostens,
wohl besonders aus gypten, nach Afrika entsenden 161 , damit sie als
Fhrer des Heils der Vlker" dort die Einmtigkeit der Entzweiten
io Mj t dem Feind des Erdkreises" ist hier nicht Licinius, sondern die hinter
ihm stehende Macht des Bsen gemeint. Vgl. Selbstzeugnis, S. 56 A. 1.
161
V. C. II, 66/67. (P- 67, 4)
100
162
101
Hier ist das Urteil des Kaisers ber den Rang der Frage unmiverstndlich ausgesprochen: nur ein Wortgeznk spaltet die Kirche. Aber
wenn Konstantin danach kein Verstndnis fr die Gre des Gegenstandes hat, um den es hier geht, so kndigt sich zugleich eine Maxime
an, die noch einmal weithin Zustimmung finden sollte: das Trennende
ist zu verschweigen, wenn darin keine Einigung erzielt werden kann.
Das Vorbild der Philosophenschulen, die, in der Grundlehre einig,
ohne Schaden Einzelfragen errtern, soll von der Kirche beherzigt
werden. Geht doch der kirchliche Friede vor. Einstweilen sieht der Kaiser nicht ein, da die jetzt behandelte Frage zu jenen seltenen gehrt,
die allgemeine Beachtung fr sich fordern drfen. Der Kaiser gibt also
nicht etwa volle Lehrfreiheit, als sei jedem gestattet, sein Verstndnis
des Christlichen auszusprechen und selber anzugeben, wo fr ihn
dessen Mitte liegt. Vielmehr bestimmt Konstantin seinerseits, was als
das Wesentliche zu gelten habe und als das Feststehende von niemandem in Zweifel gezogen werden drfe. Er ist berzeugt, da darber
nirgends gestritten werde. Der Streit geht fr ihn nur um etwas, um
das zu streiten sich nicht lohnt.
Von einer neuen Seite ist hier das groe Thema der Duldung angegangen. Ihr ist der Wirkungsbereich zugemessen, sie wird der Mitte
ferngehalten, darf sich aber desto nachdrcklicher in den weiten Auenbezirken geltend machen.
Das erste Wort, das Konstantin dem Dogmenstreit der Ostkirche
entgegenhielt, war ein ausgleichendes. Die von ihm vorgeschlagene Lsung hat sich knftig immer wieder als Ausweg aus Lehrirrung und
erbittertem Streit angeboten. Es ist nicht die des neutralen oder gleichgltigen Staatsmannes, der brgerlichen Frieden und politische Ordnung nicht durch Glaubensfragen gestrt sehen mchte und unter solcher Bedingung alle gewhren lt. Konstantin ist weit davon entfernt, das Schicksal des Reiches von der Religion seiner Bewohner zu
trennen. An der rechten Gottesverehrung hngt das Leben des Imperiums. Die Entscheidungsfrage, vor die er seine Zeit gestellt sieht,
und der er sie gegenberstellt, ist darum die religise. Aber wenn es
denn in dem, worauf es ankommt, kein Zgern oder Abweichen geben
darf, soll nicht mit der gttlichen Gnade alles Glck vom Rmischen
Reiche weichen, so unterscheidet er doch das Wesentliche von dem Freizugebenden, worin jeder seine Meinung bilden und behalten mag.
Sicherlich zeigt es die Grenze von Konstantins Verstndnis, wenn er
eine Frage von solcher Bedeutung, wie es die nach der Stellung Christi
zwischen Gott und Welt war, als bloes Wortgeznk abtut; er ist auch
selber bei diesem abschtzigen Urteil nicht stehengeblieben. Aber die
Scheidung des Wesentlichen" vom Unwesentlichen", die er vornahm, sollte noch eine lange und bewegte Geschichte haben, in der
102
freilich die Grenzlinie zwischen dem, was alle bindet, und dem, was
jedermanns Gutdnken unterliegt, sehr verschieden gezogen wurde.
Fr Konstantin gehrte dazu auch, da man bereit sei, das Trennende
zurckzuschieben, es mindestens nicht vor das Volk zu bringen. Die
gefhrliche und doch so leicht sich anbietende Rede von dem, was der
Gemeinde vorzuenthalten, nur unter Theologen zu errtern oder gar
vllig zu verschweigen sei, hat in Konstantins Friedensbrief einen
noch unbefangenen Ausdruck gefunden. Auch das Geflle dieses Ratschlags, die dogmatischen hinter die ethischen Fragen zurckzustellen,
und in letzter Konsequenz die berordnung der Liebe ber den Glauben, kndigt sich schon in diesem Kaiserbriefe an.
Konstantin hat bald erkennen mssen, da der Zwiespalt, der die
Ostkirche bedrohte, noch tiefer einschnitt als der donatistische Streit,
da darum der von ihm vorgeschlagene Weg nicht gangbar war. Statt
dessen wiederholte er das im Westen Versuchte, nur in groem Mastab. Er berief ein Konzil, zu dem mit den Bischfen des Ostens auch
Vertreter der abendlndischen Kirche geladen waren, das also eine
Reichssynode darstellte. Auf dem Konzil von Nica (20. Mai bis 25.
Juli 325) sollte die Kirche selbst, diesmal freilich unter Mitwirken des
Kaisers, die sie beunruhigenden Fragen beantworten oder vielmehr
die Willensmeinung Gottes aussprechen. Jetzt ging es also nicht mehr
um unbedeutende Lehrdifferenzen, die nebeneinander bestehen konnten, sondern nach der inzwischen gewonnenen Einsicht des Kaisers um
eine Lehrentscheidung, die Wahrheit von Irrtum schied. Der Irrtum
aber behielt weder ein kirchliches noch ein staatliches Recht. Vorher
hatten beide Parteien sich sagen lassen mssen, sie htten sich zu
viel zugetraut und herausgenommen; jetzt ist allein Arius an der Aussaat des Irrtums und der Strung des Kirchenfriedens schuld. Ein nach
Alexandria gerichtetes Schreiben teilt der Gemeinde, in welcher der
arianische Streit seinen Anfang genommen hatte, die Konzilsentscheidung mit. Konstantin stellt darin den ruchlosen Teufelsknecht" Arius
den ber dreihundert an Zucht und Scharfsinn bewundernswerten
Bischfen" gegenber, die alle bekrftigten, da es nur einen und
denselben Glauben gebe". Blo Arius zeigte sich teuflischer Einwirkungen erlegen, wie er ja dies Bse zuerst bei euch, dann aber auch
bei anderen in gottloser Absicht ausgest hat." Demgem ist der
seines Verbrechens berfhrte" auch seiner Ehre verlustig erklrt.
Nica hat durch den Spruch der 318 Bischfe die Wahrheit ein fr
allemal festgestellt und damit eine Norm gewonnen, an der man knftig die rechte Lehre messen und sichern kann 168 . Konstantin hat diese
188
Athanasius, Werke, ed. H.-G. Opitz: Urkunden zur Geschichte des arianischen Streites, Berlin 1934; III, 1, Nr. 25, p. 53. Vgl. Selbstzeugnis, S. 68.
103
Norm selbst gehandhabt 169 . Wer sich hier widersetzte, verfiel der kaiserlichen Ungnade. Der Widerspruch gegen die Verurteilung auch der
Person des Hresiarchen fhrte seine bisherigen Anwlte, die Bischfe
Euseb von Nikomedien und Theognis von Nica, in die Verbannung 170 .
Sie haben sich durch Anerkennung des Friedens", d. h. durch Preisgabe des Arius, die Rckkehr erkauft.
Die Grundstze des Friedensbriefes sind trotzdem nicht in jeder
Hinsicht von Konstantin aufgegeben. Er sah die Abscheidung einer
Arianergruppe von der katholischen Kirche nicht als endgltig an
und versuchte, den in Nica gewonnenen Frieden so weit wie mglich
auszudehnen. Das war der fr Konstantin gebotene Weg: alle Untertanen in der rechten Gottesverehrung zu einen war ja das Hochziel,
dem er nach der Herstellung der Reichseinheit zustrebte. Es war zugleich ein nicht nur mhseliger, sondern auch gefhrlicher Weg, der
schon zu Lebzeiten Konstantins, erst recht aber nach seinem Tode
noch in Tiefen und Abgrnde fhren sollte. Wenn also die Lehre des
Arius nicht mehr zu den berechtigten Privatmeinungen gehrte, zu
denen der erste Kaiserbrief sie zhlen wollte, so hatte dieser doch auch
feste Grundstze vorgeschrieben, bei denen es kein Abweichen geben
durfte. Das Konzil hatte nur einen weiteren hinzugefgt oder dargetan, da der christliche Glaube selbst durch Arius gefhrdet werde.
Nica war fr Konstantin nicht nur das Wahrzeichen gegen die Irrlehre, als das Athanasius es bezeichnete, sondern auch der Schutzwall,
innerhalb dessen eine Mannigfaltigkeit der Auffassungen Raum hatte,
sobald man nur bereit war, durch das Tor einzutreten, und sich dem
Gesetz fgte, das hier galt. Mit diesem Mastab meinte der Kaiser
bald ein Umdenken des Arius feststellen zu knnen, das es erlaubte,
ihn wieder in die Kirche aufzunehmen 171 .
Fr unsere Frage von besonderer Wichtigkeit aber ist der enge zeitliche Zusammenhang zwischen Nica und dem Hretikergesetz, das
dann zur Grundlage aller weiteren Ketzergesetze der christlichen Kaiser geworden ist.
Das Dokument 172 , das bald nach Nica an der dort festgestellten
Norm die christlichen Sondergruppen mit, fhrt Konstantins Haltung
169
Konstantin an Alexander von Alexandrien (Anf. 328), ebd. Nr. 32. (Vgl.
Selbstzeugnis, S. 80).
170
Die Verbannung des Euseb von Nikomedien und des Theognis von Nica
deutet der Kaiser selbst nicht so sehr als einen staatlichen Eingriff denn als Vollstreckung eines gttlichen Spruchs: Die gttliche Vorsehung hat sie aus ihrem
Volk verstoen. Sie ertrug es nicht mitanzusehen, wie die unschuldigen Seelen
durch den Wahnsinn einiger weniger verderbt wurden" (ebd. Nr. 28).
171
S. o. A. 16g und Konstantin an Arius, ebd. Nr. 29 (Vgl. Selbstzeugnis, S. 77).
172
Das Gesetz" und die Belehrung", von denen Euseb spricht (V. C. III, 63;
p. 111, 10: jio; E ttp vuxp xai ^cpoxoiv 5i5aaxaXiav EIC, aTv jipacojiov
104
Das Hretikergesetz
105
die sonst von ihnen angesteckt wrden. Zu solcher Haltung habe ich
auch die notwendige Gewalt angeordnet."
Euseb bringt zutreffend das Gesetz mit Nica in Verbindung: Als
der Kaiser die Spaltungen weggeschafft und die Kirche Gottes zu einstimmigem Gleichklang (ai>[Acpci)voc. apfxovia) gebracht hatte, meinte er,
eine andere Art gottloser Mnner beseitigen zu sollen als eine Gefahr fr das Leben der Menschen 173 ." Der innere Zusammenhang mit
Nica besteht in dem Einheitsstreben Konstantins, das nach dem Erfolg des Reichskonzils gegenber den Arianern nun auch die sonstigen
Abspaltungen zu berwinden hofft. Die in Nica gefundene Wahrheit,
Gottes eigene Meinung, ist verbindlich fr alle Christen. Da die Wesenszge der Kirche fr Konstantin nicht nur in dogmatischen Lehrstzen bestehen, sondern ebenso in sittlichen Forderungen, unter
denen die Pflicht zur Einigkeit voransteht, gibt Nica die Norm, nach
der alle Christen sich zu richten haben, auch die bisher abseits stehenden.
Um so bemerkenswerter ist es, da der Erla keine Strafbestimmungen enthlt] Den heftigen Scheltreden des Eingangs kommen die Taten
des wirklich Verfgten nicht nach. Der Kaiser verbietet die Versammlungen der Hretiker und berweist ihre Kirchen den Katholiken. Aber
er vermeidet, Geldbuen, Gefngnis oder Verbannung anzudrohen.
In diesem Schweigen mochten sich schon die Erfahrungen auswirken,
die Konstantin mit der Verbannung der Donatistenbischfe gemacht
hatte. Auch im Blick auf den Hretikererla htte er sich der humanitas" und moderatio" rhmen knnen, von denen er im Rckblick
meinte, er habe sie den Donatisten gegenber angewandt.
Die Aufnahme des Gesetzes durch die Kirche, soweit Euseb fr sie
redet, zeigt deutlich, da Konstantins Urteil ber die Hretiker dem
ihren entsprach. Euseb bedient sich in seiner Einfhrung 171 der Denkund Ausdrucksweise des Erlasses: Unter frommem Vorwand gefhrden sie die Stdte." Das ffentliche Leben des Staates erscheint
auch ihm durch die christlichen Sondergruppen bedroht. Darum mute
der Kaiser ihnen lebenschaffende Lehre" erteilen und sie zur Bue
antreiben. Ist sich also Euseb bewut, im Erla seien die Hretiker
selbst angeredet, so meint er doch den Sinn des Gesetzgebers zu treffen, wenn er ergnzend hinzufgt: die Statthalter, denen das Gesetz
zuging, sollten die ganze berchtigte Sippschaft" austreiben. Das
Nachwort Eusebs uert tiefe Befriedigung: so wurden die Schlupfwinkel der Andersglubigen" aufgelst, die wilden Tiere aber, die
Anfhrer ihrer Gottlosigkeit", vertrieben 175 . Die Kirche hat sich den
175
174
V. C. III, 63. (p. H O , 30).
V. C. III, 63.
Ebd., p. 111, 8 ff. Euseb bezieht in seinem Bericht das kXavvEi\" unmittelbar auf das Gesetz, also den Kaiser selbst, nidit nur auf die Praxis der Beamten:
175
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bedenklichen Gunsterweis gern gefallen lassen. Euseb fhrt das Einschreiten gegen die rivalisierenden Gruppen als einen Ruhmestitel seines Kaisers an 176 . Noch das triumphierende Schluwort Eusebs nennt
keinerlei Vorbehalt: So leuchtete allein die katholische Kirche Gottes,
da nirgendwo auf Erden eine hretische oder schismatische Gruppe
mehr belassen war 177 ." Kirche und Kaiser stimmen mithin in ihrer
Auffassung vom Unrecht der Hresien und von der ihnen zukommenden Behandlung berein. Hierbei aber erhebt sich die Frage, ob der
Kaiser nicht mit sich selbst in Widerspruch gert: wie verhlt sich der
Hretikererla zur indulgentia ignominiosissima" der Donatisten?
Besttigen, begrenzen, widersprechen sie einander?
xatanE^cpOev 86 TI tote, xax' EVOC, T)YEU.0I (ngaxay\ia)
6acpr||iov (pOXov r|Xat)VEv . . ." und ebd., c. 66, p . 113, 5 f.: r\kavvovx6 TE ol ftfjpEc;
ol [TE] TTJ5 TOVITCOV oucfOEEiag E^apxoi." A n dieser Stelle geht Eusebs Bericht ber
den Erla hinaus, der nichts von einer Bestrafung sagt. Bei dessen Ausfhrung
und angesichts der vorauszusetzenden Unfgsamkeit der Betroffenen kann es
leicht zu Ausweisungen durch die Beamten gekommen sein. Euseb mochte also
das wirkliche Geschehen vor Augen haben, das er berdies aus seinen Anschauungen nur billigte. Dagegen scheint es mir unerlaubt, Eusebs Auffassung des
Gesetzes in dieses selbst einzutragen und es damit als uneingeschrnkten Ausdruck der religisen Coercition zu verstehen (so GRASMCK, a.a.O. S. 103 mit
17
Anm. 504).
u i v a xciTopdcona" (c. 66, p . 113, 27).
Freilich deuten seine Worte auch darauf h i n , d a die Kirche in den Menschen, die ihr so gebieterisch zugewiesen wurden, nicht lediglich einen Gewinn
erblickte. Sie lie sie nicht ohne Prfung zu. Die Vorsteher der Kirche so berichtet Euseb machten sorglichen Unterschied, hielten die heuchlerisch Zutritt Suchenden als Wlfe im Schafspelz von der Herde fern und n a h m e n die anderen
auf, nachdem sie eine Probezeit bestanden hatten. Die Kirche behielt sich danach
das Recht der Sichtung nach eigenem Mastab vor, behandelte auch die Schismatiker' mit den ,Hretikern' nicht gleich. Wenigstens in dieser indirekten Form
macht Euseb eine Andeutung, da die kaiserliche Weisung, die religis interessierten" Hretiker sollten sich der katholischen Kirche anschlieen, ein kirchliches
Problem aufwirft. Fr Augustin ist der Anschlu unter staatlichem Druck immerhin eine ernste Frage, die ihm zu schaffen machte, bis er schlielich eine zureichende Antwort gefunden zu haben glaubte; sie rechtfertigte den Zwang, n u r
zgernd die Strafe (s. o. S. 58 f.). Konstantin macht nach seinen Worten die Voraussetzung: sovielen von euch an wahrer u n d reiner Gottesverehrung gelegen
ist"; er will also nicht unterschiedslos alle zum Masseneintritt der Kirche zutreiben, sondern nur die Besseren dazu veranlassen. Die Frage, ob nicht Zweckmigkeitsgrnde manchen bestimmen knnten, sein Bekenntnis zu wechseln,
hat ihn noch nicht bewegt. Die kirchlichen Fhrer jedoch muten hier eine eigene
Lsung anstreben. Euseb ist ein unverdchtiger Zeuge dafr, d a an dieser Stelle
das kirchliche und das staatliche Urteil nicht voll bereinstimmten. Ist doch hier
einer der wenigen Punkte, an denen er eine von der seines Helden abweichende
Anschauung vertritt! Augustin fand sich mit der von ihm klar erkannten Schwierigkeit ab im Blick auf das so ermglichte Heil der nchsten Generation.
177
107
Wenn jene unehrenvolle Duldung" einfach die Freigabe des donatistischen Schismas bedeutete, dann wre das gegenber den stlichen Hresien eingeschlagene Verfahren damit kaum vereinbar. Denn
in dem nach Nica ergangenen Erla nahm der Kaiser die uneingeschrnkte Vollmacht in Anspruch, den christlichen Sondergruppen das
Daseinsrecht abzusprechen. Zwar vermied er, die Mittel anzuwenden,
die sich bei den Donatisten als unwirksam erwiesen hatten: Geldstrafen 178 , Gefngnis, Verbannung. Er ging einen Grad schonender
mit den stlichen Hretikern um, doch immer weitab von Freigabe.
Aber wurde denn den Donatisten, die aus der Verbannung zurckkehren durften, eine wirkliche Freigabe zuteil? Das Urteil des Kaisers
ber sie war doch um nichts milder. Der Verzicht auf Strafe aber
meinte alles andere als Schonung: er sollte der gttlichen Strafe Raum
geben, desto schneller und vernichtender niederzufahren! So weit war
es mit den stlichen Hresien noch nicht gekommen. Sie hatten keine
aufgebrachten Volksmengen hinter sich. Man durfte erwarten, auf
andere Weise mit ihnen fertig zu werden, durch Migung, wie Konstantin sie als christliche Pflicht bezeichnete ohne viel Strafen, von
deren Anwendung die Erfahrung abriet; zunchst durch die ffentliche Schande, der sie ausgesetzt wurden. Ganz ohne Zwang ging es
freilich nicht; blieb der private Besitz noch unangetastet, das Gemeindeeigentum wurde beschlagnahmt, die Versammlungen wurden unterbunden. Wie immer aber die Mittel wechselten, ihr Zweck war der
gleiche, gleich war in Ost und West die Vollmacht des Kaisers, gleich
schlielich, was die Gewalt vom uersten Einsatz zurckhielt. Hretikererla und indulgentia ignominiosissima" stimmen in den Grundzgen zusammen!
In dem Hretikererla fehlen mit den Donatisten, die ja eine eigene
Behandlung erfuhren, auch die Melitianer. Ihre in der Verfolgungszeit entstandene gyptische ,Mrtyrerkirche' ist in Nica hnlich entgegenkommend behandelt worden wie die Donatisten in Rom und Arles. Sie galten als Schismatiker, deren Bischfe durch einfachen Anschlu an die Grokirche im Besitz aller Ehren blieben. Konstantin war
sicher mit der ausgleichenden Politik des Konzils einverstanden. Wer
von den Melitianern seinen Frieden mit der katholischen Kirche machte, konnte des kaiserlichen Lobes gewi sein; hinderte fr ihn doch
nur kleinliche Znkerei" zu tun, was Gott lieb ist", nmlich die Gemeinschaft mit der Kirche wiederaufzunehmen 179 . Die meisten von
ihnen haben sich freilich mit dem Konzilsurteil nicht zufriedenge178
Der einige Jahre sptere grobe Brief" droht immerhin den Arianern
hohe Sondersteuern an. Vgl. A n m . 188.
179
Konstantin an Johannes Archaph (Athanasius, Apologia secunda. Werke II,
ed. Opitz, p. 148): Luxoo\|n)Xia (Z. 15); ipinax'ia (Z. 18).
108
109
Das besttigt die Bemerkung von NORMAN H. BAYNES, Constantine the Great
and the Christian Church: Proceedings of the British Academy 15 (1929) 341 bis
442: . . . that formulation of Christian doctrine he persistently and consistently
maintained" (p. 368); dazu ergnzend: Constantine supported theEusebian party
because that party stood for inclusion, while Athanasius was the representativeof
a policy of exclusion" (ebd.). Es ist ohne Anhalt an den Zeugnissen, wenn noch
jetzt SESTON die vielfach verbreitete These aufnimmt, Konstantin habe im
Scho" des Arianismus gelebt und in den Lehren dieser Hresie die politischtheologische Grundlegung seines monarchischen Machtideals" gefunden (Propylen Weltgeschichte IV, S. 501).
Erst Constantius hat gemeint, die Einigungspolitik seines Vaters fortsetzen zu
knnen, in Annherung auch an die in Nica abgewiesene Lehre: die Formel von
Nike sollte am Ende die von Nica ersetzen.
185
Athanasius, Werke III, 1, Nr. 30. Vgl. Selbstzeugnis, S. 78.
110
digt sei, ihn wieder in die Kirche aufzunehmen 186 . Einmtigkeit" und
Friede" wrden dadurch wiederhergestellt. Mit grerem Nachdruck
erging die gleiche Aufforderung an den jungen Nachfolger des greisen
Bischofs, Athanasius: In Kenntnis meines Willens sollst du allen, die
in die Kirche eintreten wollen, ungehindert Zutritt gewhren 187 ." Er
geht so weit, mit Absetzung und Verbannung zu drohen, falls sich der
Bischof widersetze. Konstantin versteht sich als Reprsentanten der
missionierenden Kirche, die den Eintrittswilligen ihre Tore weit ffnen
msse. Er hat sich gleichwohl den entschlossenen Einspruch des Unbeugsamen, der von einer wirklichen nderung in der Lehre des Verurteilten nichts wahrnahm, gefallen lassen. Es hat noch Jahre gedauert,
ehe er der Verwirklichung seines Planes nahe kam. In der Zwischenzeit hat er den Arius noch einmal fallenlassen. Ein grober Brief"188,
der mit ihm und seiner Lehre abrechnete, befat sich am Schlu mit
seiner Anhngerschaft; auf deren Zahl scheint Arius sich berufen zu
haben zur heftigen Entrstung des Monarchen. Dieser kndigt an,
die Abtrnnigen mit Ausnahmesteuern beladen zu wollen. Der Regen der Macht" werde die grelle Flamme des Arius auslschen, und
seine Anhnger wrden weidlich unter dem Steuerdruck schwitzen
lernen, wenn sie nicht rasch die Gemeinschaft des Arius flhen und
den unversehrten Glauben annhmen.
Eine noch schrfere Sprache fhrt das Arianer-Edikt, wohl des
Jahres 333 189 . Da Arius die Bsen und Gottlosen nachahme, msse
188
111
er auch die gleiche Unehre tragen. Wie der Name des Porphyrios, der
gottlose Schriften gegen die Gottesverehrung verfate, gechtet ist und
seine Schriften vernichtet werden, so sollen Arius und seine Gesinnungsgenossen Porphyrianer" heien und ihre Schriften verbrannt
werden, damit nicht einmal ihr Gedchtnis brigbleibe. Auf verhehltem Bcherbesitz aber steht Todesstrafe 190 .
Die damnatio memoriae" entspricht einem von Konstantin auch
sonst angewandten Brauch, dessen bertragung in den kirchlichen Bereich dort nur zu bereitwillige Aufnahme fand. Die Drohung, hretisches Schrifttum zu verbrennen, ist ebenso wie die Ankndigung
der Todesstrafe fr Widersetzlichkeit dem impulsiven Kaiser eher
zuzutrauen als eine Verwirklichung des Schreckgesetzes; es kann
berdies nur ephemere Geltung gehabt haben 191 . Schon zwei Jahre
spter lie ein neuer Umschwung in die verlassene Bahn des Ausgleichs zurckkehren. Jetzt war es vielmehr Athanasius, in dem Konstantin das Hindernis seiner Vershnungspolitik sah. Der Synode, die
Athanasius verurteilte 192 und dann zur Einweihung der Grabeskirche
nach Jerusalem ging, hat Konstantin wieder die Frage gestellt, die er
einst an Bischof Alexander gerichtet hatte 193 : ob nicht der Glaube des
Arius, so wie er jetzt dem Kaiser erneut dargelegt und in schriftlichem
Bekenntnis ausgesprochen war, mit der gesunden apostolischen Lehre
bereinstimme. Die Synode hat die Frage bejaht 194 und damit die
Wiederaufnahme des in Nica Verurteilten mglich gemacht. Kurz
vor dem feierlichen Vollzug in Konstantinopel ist Arius gestorben.
rechtigt: Konstantin sprach hier ganz im Sinne des Nachfahren. Gleichwohl hatte
er nur ein halbes Recht; denn Konstantin lie den heftigen Worten bedachtere
Taten folgen, hob auch auf, was sich nicht bewhrte. Dagegen ist bei Theodosius
II. die Praxis prinzipienstarr und ohne Willen oder Vermgen, auf das jeweils
Erforderliche einzugehen.
190
Von einer Verfgung Konstantins gegen das Werk des Porphyrios redet
ein bei Gelasius, h. e. II, 36 und Sokrates, h. e. I, 9 erhaltener (echter?) Brief
Konstantins, vor allem aber das Gesetz Theodosius II. vom Jahre 435 (Cod. Iust.
I, 5, 6). Theodosius II. hat dann im Jahre 448 erneut die Vernichtung der Kampfschrift des Porphyrios angeordnet (Cod. Iust. I, i , 3; abgedruckt bei A. v. Harnack,
Porphyrius ,Gegen die Christen', 15 Bcher, Zeugnisse, Fragmente und Referate:
AAB 1916, Nr. 9 und 24. Vgl. A. 84). Der Befehl, die antichristlichen Bcher des
Porphyrios zu verbrennen, wirkt wie ein Gegenschlag gegen Diokletians Vernichtung christlicher Schriften. Von einer Durchfhrung dieses Gesetzes wissen
wir nichts. R. BEUTLER lt in seinem Artikel Porphyrios" (PW 2 2 / 1 , Sp. 275
bis 313) das Verbrennen des Werks xctxa x p w t i a v v " erst mit dem Edikt Theodosius II. von 448 beginnen.
191
Der Satz N. Q. KINGS ber Theodosius gilt auch fr Konstantin: His bark
was far worse than his bite" (The Emperor Theodosius, p. 95).
198
193
335 in Tyros.
S. o. S. 103 A. 169 und S. 109 f.
194
Schreiben der Synode von Jerusalem an die gypter und die gesamte Kirche. Athanasius, De synodis 21, 27. Vgl. Selbstzeugnis, S. 118.
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