0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
5K Ansichten94 Seiten

Die Zeit 10 Dezember 2015

Die Zeit 10 Dezember 2015

Hochgeladen von

Albertino Chirita
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
5K Ansichten94 Seiten

Die Zeit 10 Dezember 2015

Die Zeit 10 Dezember 2015

Hochgeladen von

Albertino Chirita
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

DIEZEIT

Wissen zum
Verschenken
PREIS DEUTSCHLAND 7.12.2015
4,70

101013_ANZ_10101300004961.indd 1

10:33

WOCHENZEITUNG FR POLITIK WIRTSCHAFT WISSEN UND KULTUR

NEU

Alle Video-Seminare unter


www.zeitakademie.de
10. DEZEMBER 20157.12.2015
No 50 10:34

101014_ANZ_10101400004962.indd 1

Wann beginnt Krankheit?

Titelillustration: Davide Bonazzi fr DIE ZEIT

Mit immer prziseren Verfahren knnen rzte immer mehr Diagnosen


stellen und Menschen beunruhigen. Auch wenn es oft gar nicht ntig ist

ZEIT-Doctor:
Das neue Magazin
44 Seiten Medizin

HOFFNUNG FR DAS KLIMA

ALT UND JUNG

Profit fr die Welt

Helfen statt heulen

Nicht kologische Einsichten, sondern konomische Interessen


knnten den Pariser Gipfel zum Erfolg machen VON CLAUS HECKING

ie haben den Satz vielleicht schon


frher mal gehrt: Dieser Klimagipfel
kann die Wende bringen. Nchstes
Wochenende in Paris knnte es
tatschlich gelingen. Wirklich. Die
Chancen stehen gut, dass mehr als
190 Nationen und die EU endlich das erste Ab
kommen besiegeln, in dem sie alle geloben, ihre
Treibhausgas-Emissionen einzudmmen. Der Ver
trag knnte zum Einstieg in ein neues Industrie
zeitalter werden, nach zwei Jahrhunderten Kohleund lverbrennung.
Zwei Jahrzehnte lang haben die Diplomaten
verhandelt, taktiert, gestritten, Ergebnis: Immer
mehr Kraftwerke, Fabriken, Flugzeuge und
Autos produzierten immer mehr Treibhausgase.
Schon 2014 war das Jahr mit den hchsten
Durchschnittstemperaturen seit Beginn der Auf
zeichnungen. 2015 wird mit Untersttzung
des Wetterphnomens El Nio einen neuen
Hitzerekord aufstellen. Wieso sollte da gerade
jetzt der Durchbruch in den langwierigen Ver
handlungen gelingen?
Es knnte daran liegen, dass nicht kolo
gische Einsichten, sondern konomische Inte
ressen dieses Abkommen mglich machen.
Klimafreundliche Technologien werden immer
konkurrenzfhiger und attraktiver. Erneuerbare
Energien sind heute nicht mehr berteuert
und oft eine echte Alternative zu fossilen Brenn
stoffen. Immer hufiger versprechen sie Profit.
Die Pariser Organisatoren haben eine Art
Kollekte fr das Klima gestartet
Viele Klimagipfel sind an ihrem Ansatz geschei
tert: Bisher sollten die Teilnehmer einen Zielwert
vereinbaren fr den weltweiten Aussto von
Kohlendioxid (CO) und anderen Treibhaus
gasen und die zu leistenden Einsparungen auf
einzelne Staaten umlegen. Oft endete das Ge
schacher im Streit. Die Pariser Organisatoren
haben den Ablauf umgedreht und eine Art
Kollekte fr das Klima gestartet. Alle sollten frei
willig angeben, wie viel CO sie einsparen wol
len. Jede Regierung steuert nur das bei, was sich
fr ihr Land lohnt: kologisch und konomisch.
Die Klimakollekte eint. 185 Regierungen
haben ihre Beitrge eingereicht, einige davon
sind bemerkenswert. Groverschmutzer wie
China und die USA, aber auch Lnder wie
thiopien kndigen an, im groen Stil regenera

tive Energien auszubauen. Dahinter steckt wenig


Altruismus und viel kommerzielles Kalkl.
Die Wirtschaft stellt sich auf eine globale
Energiewende ein. Die deutschen Stromriesen
E.on und RWE wollen sich von ihren Atomund Kohlesparten trennen. Mchtige Investoren
wie die Allianz oder der weltgrte Staatsfonds
aus Norwegen ziehen ihr Geld aus der Kohle
branche ab. Sechs europische lmultis, darun
ter BP und Shell, fordern staatliche Preisauf
schlge fr jede Tonne CO. Das Grokapital
hat die Politik beim Klimaschutz berholt.
Doch dies allein wird nicht gengen. Bliebe
es bei den Zielen von Paris, steuerte der Planet
auf knapp drei Grad mittlere Erwrmung zu
und schon zwei Grad plus htten Klimaforschern
zufolge kaum beherrschbare Folgen. Daher muss
der Gipfel von Paris der Industrie weitere Signale
senden, dass Investitionen in Kohle- und Erdl
geschfte sich nicht mehr rentieren. Ein solches
Signal wre die Untersttzung einer CO-armen
Energieerzeugung oder besser noch des lang
fristigen Abschieds von Kohle, l und Gas.
Zweitens mssen die Regierungen ihre Pariser
Klimaversprechen stetig berprfen und die
Kollekte nachbessern. Drittens mssen die In
dustriestaaten die Schwellenlnder grozgig
untersttzen beim Aufbau einer Stromversor
gung aus erneuerbaren Energien.
Denn nur wenn der Westen den armen Staa
ten mit viel Geld und Know-how hilft, knnen
und werden diese auf den Klimakiller Kohle ver
zichten. Dies wre eine hchst profitable Investi
tion in die eigene Zukunft. Scheitert die Kollekte
von Paris, drohen dem gesamten Planeten Na
turkatastrophen, Kriege und daraus resultie
rend: neue Flchtlingswellen. Aber so weit wol
len es nicht einmal die lmonarchen vom Per
sischen Golf kommen lassen. Ihre Staaten wren
dann im Sommer wohl nicht mehr bewohnbar.
Das Momentum ist da fr ein starkes Ab
kommen. Je entschiedener sich die Regierungen
positionieren, desto mehr Milliarden werden
Geldgeber, Banken, Konzerne umschichten: raus
aus den Fossilen, hinein in Technologien der Zu
kunft wie bessere Speicher fr Wind- und Solar
strom. Paris kann anders werden als all die ande
ren Klimagipfel. Die Politiker knnten ein Zei
chen von Vernunft und Solidaritt setzen, nach
einem schrecklich warmen November.
www.zeit.de/audio

Ein Werbefilm ber einen einsamen alten Mann rhrt Millionen.


Dabei sind immer weniger Menschen allein VON ELISABETH NIEJAHR

elten hat ein so kurzer Film so hef


tige Gefhle ausgelst. Mehr als
dreiig Millionen Menschen haben
in den vergangenen Tagen den
Werbespot einer Supermarkt-Kette
angeklickt, in dem ein alter Mann
seinen Tod vortuscht, um die viel beschftigte
Familie zum Weihnachtsessen zu sich nach Hause
zu locken. Zuschauer schreiben in den Sozialen
Medien ber ihre Trnen, ihre Weihnachts
erlebnisse und ber gute Vorstze. Wenn in diesem
Jahr mehr Groeltern Post von ihren Enkeln be
kommen und mehr Gedichte in Altenheimen
vorgetragen werden, knnte das also an Edeka
liegen. Darber soll hier nicht genrgelt werden.
Immer mehr Menschen teilen
Wohnungen, Autos, Grten und Kleider
Nur sagt der Werbefilm mehr ber unsere Sehn
schte als ber tatschliche Nte. Einsamkeit sei
das groe Problem der Gegenwart, heit es derzeit,
Single-Statistiken und Scheidungsraten gelten als
Belege. In der Tat waren noch nie so viele Menschen
gut darin, Einsamkeit zu berwinden. Sozialwissen
schaftliche Studien zeigen: Die Menschen haben
mehr Lust auf Gemeinschaft als frher, gerade
wenn sie alt sind. Den allermeisten gelingt es sogar,
ihr Leben entsprechend zu fhren.
Immer mehr Menschen teilen Wohnungen,
Autos, Grten und Kleider. Trumten junge
Paare frher vom Eigenheim am Stadtrand, ist in
Grostdten heute die Baugruppe mit gemein
sam genutzter Terrasse angesagt.
Jgerzune,
Hecken und Spitzengardinen kennen viele
Jugendliche nur aus alten Filmen.
In Stdten wie Berlin oder Mnchen be
suchen Menschen Kuschelpartys, auf denen sich
Wildfremde berhren. Selbst das vornehme
Plaza Hotel in New York hat vor Kurzem Edel
boutiquen aus dem Untergeschoss verbannt und
stattdessen einen sogenannten food market mit
Essensstnden und langen Gemeinschaftstischen
eingefhrt. Womglich wird dort Nhe eher
simuliert als geschaffen. Aber offenbar ist selbst
bei den Reichen Gemeinschaft gerade in Mode.
Der amerikanische Soziologe Eric Klinen
berg hat krzlich eine weltweit zitierte Studie
ber Singles verffentlicht, aus der hervorging,
wie intensiv diese Gruppe Freundschaften pflegt,
den Austausch mit anderen Menschen sucht
und mit der eigenen Lebensform deshalb meist

Knnen Tne
glcklich machen?
Wenn die Seele
tanzt: Ein Gesprch
ber die groe
Wirkung von Musik
ZEITmagazin

PROMINENT IGNORIERT
auch zufrieden ist. Klinenberg hatte ursprng
lich untersucht, wer vor 20Jahren bei einer
groen Hitzewelle in Chicago starb. Unter den
Opfern waren nicht etwa viele Arme, wie er ver
mutet hatte, sondern vor allem Menschen ohne
Sozialkontakte. Solche Erfahrungen wrden die
Gesellschaft verndern, behauptet er. Er hlt
Einsamkeit fr ein schwindendes Problem.
Auch Scheidungsraten werden oft falsch
interpretiert. In Deutschland sind sie seit vie
len Jahren nahezu stabil. Das grenzt an ein
Wunder, wenn man bedenkt, dass der gesell
schaftliche Druck zum Heiraten abnimmt, die
Suche nach einem neuen Partner durch das
Internet einfacher wird und auerdem die
Lebenserwartung steigt.
Die durchschnittliche Dauer von Ehen fllt
daher nicht, sondern steigt. Alte Frauen finden
schneller einen Partner. In frheren Rentner
generationen gab es einen greren Frauenber
schuss, weil so viele Mnner im Krieg gefallen
sind. Mittlerweile heiraten Rentner in Deutsch
land hufiger als unter Dreiigjhrige.
Es gibt zwei Gruppen, die dennoch oft mit
Einsamkeit kmpfen: Arme und Hochaltrige. Die
einen knnen das Zugticket nicht bezahlen, um
die Cousine zu besuchen, oder es fehlt das Geld,
um eine Silvesterparty zu veranstalten. Die ande
ren erleben, dass der Kreis gleichaltriger Vertrau
ter immer kleiner wird. Zudem nimmt Alters
armut zu, whrend die Lebenserwartung steigt.
Allerdings hilft gerade den Alten, dass sie im
Netz kommunizieren knnen. Der Gerontologe
Andreas Kruse hat vierhundert Menschen im
Alter zwischen 85 und 100 nach ihren Wn
schen befragt. Vor Gesundheit, Autonomie und
materieller Sicherheit standen intensive Sozial
kontakte, 76Prozent finden Freude und Er
fllung beim Austausch mit anderen Menschen.
Besonders gro ist der Wunsch, gebraucht zu
werden und Erfahrungen zu teilen.
Es ist nicht so schwer, solche Wnsche zu er
fllen. Internetplattformen wie The Amazings
aus Mnchen vermitteln Rentner, die kostenlos
Wissen weitergeben und beispielsweise Familien
zeigen, wie Bratpfel gebacken oder wie Papier
sterne gefaltet werden mssen. Kostenlos und
mit Gewinn fr alle. Wer mehr fr einsame Alte
tun will, als vor dem Bildschirm zu weinen, kann
sich einfach ein bisschen helfen lassen.
www.zeit.de/audio

35 Minuten
Aus wie vielen Steinchen besteht
der von Ern Rubik erfundene
Zauberwrfel? 26. Dass der Stu
dent Leon Windscheid fr die
richtige Antwort auf die Millio
nenfrage in Gnther Jauchs Rate
spiel 35 Minuten scharfen Nach
denkens gebraucht hat, kam allen
Zuschauern uerst lang vor. In
Wahrheit war es kurz. Manch
einer denkt sein ganzes Leben
lang scharf nach und findet doch
die richtige Antwort nicht.  GRN.
Foto: Stefan Gregorowius/RTL

Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG,


20079 Hamburg
Telefon 040/32 800; E-Mail:
[email protected], [email protected]
ZEIT ONLINE GmbH: www.zeit.de;
ZEIT-Stellenmarkt: www.jobs.zeit.de
ABONNENTENSERVICE:
Tel. 040/42237070,
Fax 040/42 23 70 90,
E-Mail: [email protected]
PREISE IM AUSLAND:
DKR 47,00/FIN 7,30/NOR 61,00/E 5,90/
Kanaren 6,10/F 5,90/NL 5,10/
A 4,80/CHF 7.30/I 5,90/GR 6,50/
B 5,10/P 5,90/L 5,10/HUF 1990,00

N 50

7 0. J A H RG A N G

C 7451 C

50
4 190745

104708

2 POLITIK

10. D E Z E M B E R 2015

D I E Z E I T No 5 0

WORTE DER WOCHE

Das ist wahnwitzig.


Barack Obama, Prsident der USA, ber die
geltenden US-Waffengesetze

Darfs auch etwas mehr sein?


Jahrzehntelang hie es: Weniger Staat! Das erweist sich
sptestens in der Flchtlingskrise als Illusion.
ber eine historische Trendwende VON HEINRICH WEFING

Donald Trump beseitigt alle


Zweifel er kandidiert als ein
faschistischer Demagoge.
Martin OMalley, US-Prsidentschaftskandidat
der Demokraten, ber die Forderung Donald
Trumps, Muslime zuknftig an der Einreise in
die USA zu hindern

Wenn ihr Tuvalu rettet, rettet


ihr die Welt.
Taukelina Finikaso, Auenminister von Tuvalu,
ber den drohenden Untergang seines Landes
aufgrund des Klimawandels

Wen kmmert es, ob ihr das


kauft oder nicht?
Recep Tayyip Erdoan, Prsident der Trkei,
ber die von Russland verhngten Sanktionen
gegen trkische Produkte

Unsere Freunde sind gekommen,


um Rock n Roll zu sehen, und
sie sind gestorben. Ich werde
dorthin zurckgehen, und ich
werde leben.
Jesse Hughes, Snger der Band Eagles of Death
Metal, ber den Wunsch, nach den Anschlgen
von Paris als Erster im wiedererffneten
Konzertsaal Bataclan zu spielen

Ich bin doch nicht der


Buchhalter der Fifa.
Sepp Blatter, Prsident des Weltfuballverbands
Fifa, ber das gegen ihn laufende Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts

Neue Serie:
Die Zeiten ndern sich
Noch hat das Jahr ein paar Tage Restlaufzeit, aber
schon heute lsst sich sagen, dass dieses 2015 als
Epochenjahr in Erinnerung bleiben wird. Als ein Jahr,
in dem sich die Fundamente verschoben haben. Als das
Jahr, in dem die Welt ber uns hereingebrochen ist.
Das Chaos ist nicht mehr fern irgendwo da drauen,
es kommt zu uns, mitten hinein in unsere wohl
geordnete Republik. In Gestalt von Flchtlingen und
Zuwanderern. In Gestalt von islamistischen Terroristen.
In Gestalt von ganz neuen Bedrohungen an den
Auengrenzen Europas Syrien, Ukraine, Nordafrika.
Kein Land knne sich auf Dauer abkoppeln von den
Krisen und Katastrophen in anderen Regionen der
Erde, hat die Kanzlerin krzlich gesagt. Und sie hat
recht damit. In einer globalisierten Welt des Ttens
und Sterbens, des Abschlachtens und Ausbeutens gibt
es keinen voll klimatisierten Rckzugsort mehr. Die
Vorstellung, Europa und zumal Deutschland knnten
so etwas wie ein stiller Garten inmitten des universellen
Durcheinanders bleiben diese Vorstellung hat sich
in diesem Jahr endgltig als Illusion erwiesen.
Das hat Folgen fr uns. Fr die Art, wie wir miteinander leben, fr die Institutionen und Gewissheiten, in
denen wir uns eingerichtet haben. In den kommenden
Wochen werden wir in der ZEIT daher in einer Reihe
von Texten die Auswirkungen dieser fundamentalen
Verschiebungen zu beschreiben versuchen. Sie werden
vom Abschied Amerikas aus Europa und dem
Mittleren Osten handeln, vom groen Teilen zwischen
Erster und Dritter Welt, das eben erst angefangen hat,
vom Ende der Verwhntheit. Die Zeiten ndern uns
heit die neue Serie, die in dieser Woche beginnt.

enn nicht alles


tuscht, erleben wir
gerade die Wiederkehr des starken
Staates.
Man muss nicht
lange berlegen,
um sich klarzumachen, dass die enormen
Aufgaben, die in den nchsten Jahren auf
uns zukommen, nicht ohne einen starken
Staat gemeistert werden knnen:
Wir mssen dem Terror trotzen, ohne in
Hysterie zu verfallen.
Wir mssen Hunderttausende, wenn
nicht Millionen Zuwanderer integrieren
und den Zustrom weiterer Migranten regulieren.
Und wir mssen erkennen, dass die EU
zum ersten Mal seit 1989 nicht mehr nur
von potenziellen Partnern und Beitritts
aspiranten umgeben ist, sondern mehr und
mehr von Staaten, die entweder in die Instabilitt abgleiten oder ins Autoritre.
Angesichts der Abkehr der Amerikaner
von Europa und dem Nahen und Mittleren
Osten mssen wir deshalb unsere Sicherheit
knftig selbst garantieren. In einem Ausma, das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien und vllig quer steht zum habituellen Pazifismus der Republik. Der eben
erst beschlossene Einsatz in Syrien ist da vermutlich allenfalls ein Anfang.
All das geht nur mit dem Staat. Die Zivilgesellschaft kann das nicht allein, jedenfalls nicht auf Dauer. Der Markt vermag es
nicht, die Algorithmen der digitalen Staatsverchter von Google und Co. knnen es
erst recht nicht, und Europa versagt gerade
ziemlich klglich. Es sind klassische Staatsaufgaben, die niemand sonst erledigen kann:

Sicherheit und Ordnung, Recht und Gerechtigkeit.


Alles spricht dafr, dass wir knftig mehr
Polizisten brauchen, mehr Richter, mehr
Lehrer, vermutlich auch mehr Soldaten und
Spione. Und mehr heit jeweils: viel mehr.
Wir reden nicht von einer Handvoll zustzlicher Sozialarbeiter und Staatsanwlte hier
und da, sondern eher von Hundertschaften.
Integration, Innere Sicherheit, Intelligence, also Nachrichtengewinnung durch
Geheimdienste das sind die drei groen
Aufgaben des Staates in den kommenden
Jahren, und sie knnen nur gelingen, wenn
der Staat ber ausreichend Mittel verfgt
und sie auch einsetzt.
Ausgerechnet der Staat, der lange Zeit
immer kleiner und inkompetenter geredet
worden ist, der Staat, ber den nur noch
Fantasien des Rckzugs und des Absterbens
im Umlauf waren dieser Staat erlebt gerade
seine notwendige Renaissance.
Das heit nun nicht, dass wir unbedingt
mehr Gesetze brauchten. Es geht auch nicht
um mehr Kompetenzen fr die Sicherheitsbehrden. Es geht darum, dass wir die
Strukturen und die Institutionen schaffen,
die staatliches Handeln braucht. So fordert
der Hauptgeschftsfhrer des BDI, Markus
Kerber, in dieser Ausgabe der ZEIT die
Einrichtung eines Integrationsministeriums
(Seite 13).
Es geht aber auch um hrtere Fragen.
Um Entscheidungen, die uns innerlich zerreien: Wir werden, nur zum Beispiel, in der
Bundesrepublik irgendwann nicht mehr um
die Debatte herumkommen, ob wir in der
Nachrichtengewinnung auf Dauer von den
Amerikanern, Briten und Franzosen abhngig bleiben wollen und dann als Bittsteller

VEREINTE KRAFT.
ZWEI ANTRIEBE. 3,4 L AUF 100 KM. DER BMW X5
JETZT ALS PLUG-IN-HYBRID MIT eDRIVE.

Der neue BMW X5


xDrive40e

Kraftstoffverbrauch in l/100 km (kombiniert): 3,4 3,3. CO2-Emissionen in g/km (kombiniert): 78 77.


Stromverbrauch in kWh/100 km (kombiniert): 15,4 15,3. Die Angaben zu Kraftstoff-/Stromverbrauch und
CO2-Emissionen in Spannbreiten sind abhngig von der gewhlten Rad- und Reifengre.
Als Basis fr die Verbrauchsermittlung dient der ECE-Fahrzyklus. Abbildung zeigt Sonderausstattungen.

www.bmw.de/
X5eDrive

Freude am Fahren

Illustrationen (S. 2 u. S. 3): Karsten Petrat fr DIE ZEIT

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

POLITIK 3

D I E Z E I T No 5 0

im Zweifel auch deren Regelbrche zu ak


zeptieren haben. Oder ob eine Macht in
der Mitte wie Deutschland nicht auch bei
der Aufklrung souvern werden muss,
halbwegs jedenfalls, was bedeuten wrde,
gegen alle antrainierten politischen Reflexe
die Geheimdienste auszubauen.
Integration, Innere Sicherheit, Intelli
gence all das wird brigens auch Geld
kosten. Viel Geld. Geld, das anderswo
fehlen wird. Auch darauf mssen wir uns
einstellen.
Die einigermaen kuriose Pointe dieser
Erkenntnis ist der Umstand, dass die Str
kung des Staates notwendig wird, ganz
gleich, wie man zum Beispiel ber die
Flchtlingsfrage denkt. Egal, ob man eher
fr offene Grenzen eintritt oder fr deren
Schlieung um eine starke Exekutive
kommt niemand herum.
Wer die Grenzen schlieen oder auch
nur die Zuwanderung stark einschrnken
will, kann das nicht ohne Beamte und
Kontrollen, nicht ohne Abweisung und
Abschiebung, die notfalls mit Zwang
durchgesetzt werden mssen. Er braucht
den starken, durchgreifenden Staat.
Aber auch derjenige braucht den star
ken Staat, der die Migranten nicht abwei
sen, sondern aufnehmen will. Denn dann
braucht es mehr Kontrollen im Innern,
eine bessere Sicherung der Flchtlings
unterknfte. Es braucht Beamte, die gegen
die erwartbaren Verwerfungen ansteuern
bei der Integration von Hunderttausenden
Einwanderern aus dysfunktionalen Gesell
schaften, von Traumatisierten, von An
alphabeten und Bildungsfernen in eine
hochdifferenzierte, liberale Kultur. Es
braucht Beamte, die Reibereien zwischen
verschiedenen Zuwanderergruppen unter
binden und die Regeln, die in Deutschland
gelten, auch bei den Neuankmmlingen
durchsetzen.
All das wird nicht ohne Spannungen
und rger funktionieren, und es knnte
auch noch hssliche Nebenfolgen haben.
Schon weisen Fachleute darauf hin, dass
die Gleichzeitigkeit von dschihadistischem
Terror und dem massiven Zuzug von Mi
granten die Entstehung eines rechten Un
tergrunds befeuern knnte, die Bildung
von rechtsextremistischen Zellen und Ver
bindungen. Manche Sicherheitsexperten
warnen bereits vor einer Generation rechter
Terroristen nach dem NSU. Auch ihnen
kann nur ein starker Staat begegnen.
Vermutlich wird das auch bedeuten,
dass wir uns in einer neuen, mrrischen
Gelassenheit ben mssen. Dass wir uns an
das Lstige des Alltags im Schatten der Ge
fahr gewhnen werden. An Sicherheitskon
trollen vor Bahnhfen und Behrden, an
Leibesvisitationen vor Konzerten und
Kaufhusern. Anders, zugespitzter gesagt:
Ein bisschen weniger Idylle, etwas mehr
Israel. Niemand will das, niemand mag das,
aber kaum jemand wird es als unertrglich
empfinden, solange die Bedrohung exis
tiert. Und das kann noch lange sein.
Kurz: Je unruhiger die Zeiten, desto
wichtiger ist ein wirkmchtiger Staat, der
die Befolgung der Gesetze sichert und da
fr auch die Mittel hat.
Das ist ein Einschnitt in das Selbstver
stndnis der Republik, dessen Bedeutung
sich kaum berschtzen lsst. Seit Jahren
und Jahrzehnten, eigentlich schon seit
Grndung der Bundesrepublik, verstrkt
durch die 68er-Bewegung und beschleu
nigt noch einmal nach 1989, ging die
Grunddrift immer zuverlssig in die ent
gegengesetzte Richtung. Der Staat rstete
ab, wurde weniger autoritr, weniger ein
greifend, zog sich aus vielen Bereichen der
Gesellschaft zurck etwa aus der Sexual
moral. Und natrlich war das gut so, aus
Untertanen wurden Brger, aus Behrden
wurden Serviceagenturen. ber Beamte
in Deutschland rgert man sich manch
mal, aber man frchtet sie nicht mehr.

Das allein ist schon eine enorme Zivilisa


tionsleistung.
Doch damit nicht genug. Die Pendel
bewegung ging weiter. Von Neoliberalen
und von Kommunitaristen, von den Eliten
der Globalisierung wie von den Eliten der
Graswurzelbewegungen wurde die schlei
chende Delegitimierung des Staates weiter
vorangetrieben, teils aus Idealismus, teils
aus Wurschtigkeit, hufig aus massiven
konomischen Interessen heraus.
Mit Erfolg propagierten diese Eliten, es
sei schier unvermeidlich, dass sich der Staat
nach oben und nach unten hin auflse.
Nach oben: in NGOs, ins Suprastaatliche,
nach Europa oder gleich in die Vereinten
Nationen. Und nach unten: ins Kommuni
tre, in subsidire Strukturen der digitalen
Selbstverwaltung, die den Staat irgend
wann berflssig machen wrden. Im
Denken des kalifornischen Silicon Valley
verdichten sich diese Vorstellungen, der
Staat sei eher das Problem als die Lsung,
und Algorithmen machten die bessere Poli
tik, zu einer wirkmchtigen libertren
Ideologie, die auf die ganze Welt ausstrahlt.
brig blieb, zumal in Deutschland und
Europa, fast nur noch der sozial-techno
kratische Wohlfahrtsstaat, der verteilt und
untersttzt, steuert und ausgleicht, eine
Agentur zur Vervollkommnung sozialer
Gerechtigkeit. Es ist kein Zufall, dass Ver
fassungstheoretiker derzeit gern ber die
Staatskunst des nudging diskutieren, ber
den Staat des zarten Anstupsens, der nur
noch warnt und belehrt, der seine Brger
sanft in die richtige Richtung schiebt,
durch gutes Zureden und allerlei Anreize,
durch Subventionen, Lebensmittelampeln
und Sprachpolitik.
Und das ist beileibe keine blo theore
tische Diskussion. Die Polizei in Deutsch
land wurde jahrelang fast systematisch aus
gehungert, Stellen wurden gestrichen oder
nicht nachbesetzt, die Ausrstung nur
schleppend verbessert. Die Folgen sind
schmerzhaft offenkundig. In einer groen
Recherche von ZEIT und ZEIT ONLINE
hat ein Team von Reportern erst in der ver
gangenen Woche offengelegt, wie skanda
ls gering die Fahndungserfolge bei gewalt
ttigen Attacken auf Flchtlingsheime

Aus unserem Staat


wurde eine Agentur
zur Vervollkommnung
sozialer Gerechtigkeit
berall in Deutschland ist. Nur zwei Pro
zent der Flle konnten aufgeklrt werden.
Das hat viele Grnde, aber einer der wich
tigsten ist die personelle Ausdnnung der
Polizei. Es fehlen Beamte vor Ort, es fehlen
Beamte in der Flche, es fehlen Experten,
Brandsachverstndige zum Beispiel.
So wird dieser Staat mit den neuen, ver
schrften Spannungen nicht fertig werden,
die uns bevorstehen. Mit nudging allein
fngt man keine Brandstifter, kommt man
weder rechten noch islamistischen Terro
risten bei.
Oder, anders formuliert, in den Worten
des ehemaligen Bundesverfassungsrichters
Udo Di Fabio: Das Credo der Eliten, wo
nach der Staat unfhig sei, die Probleme
des 21. Jahrhunderts zu meistern, mag
richtig oder falsch sein: Es steht aber in ge
radezu abenteuerlichem Gegensatz zu der
Erfahrung, dass ohne organisierte Staat
lichkeit nichts geht: keine Menschenrech

te, kein Frieden, kein Klimaschutz, keine


Gerechtigkeit.
Auch das ist keine blo theoretische Er
kenntnis. Es ist vielmehr eine Erfahrung,
die wir gerade machen, wider Willen, mit
ten in Europa. Die Flchtlingskrise nmlich
fhrt uns auf geradezu dramatische Weise
vor Augen, dass die Hoffnung gescheitert
ist, die Nationalstaaten wrden sich frher
oder spter ins Supranationale auflsen.
Wir erleben gerade das Gegenteil: Die
EU erweist sich in diesen Tagen als exeku
tiver Zwerg. Sie kann ihre Auengrenzen
nicht sichern, und sie kann ihre Regeln
nicht durchsetzen: Dublin ist gescheitert,
Schengen, also die Freizgigkeit des Reise
verkehrs, steht kurz davor zu scheitern,
und die sogenannten Hot Spots zur Auf
nahme und Erstregistrierung von Flcht
lingen entpuppen sich als brokratisches
Fantasma.
berall auf der Welt ist die Grenze, die
gesicherte Grenze, eines der Wesensmerk
male des Staates. Nur die EU meinte da
rauf verzichten zu knnen eben weil sie
bestenfalls eine Staatsabstraktion ist.
Das heit nicht, dass Europa insgesamt
gescheitert wre oder demnchst scheitern
muss. In vielen Bereichen funktioniert es
gut und bleibt unentbehrlich. Unter dem
epochalen Druck der Flchtlingswelle aber
verlagert sich das Handeln wieder, wie
schon in der Finanzkrise, von oben nach
unten, vom Abstrakten zum Konkreten,
von der Brsseler Ebene zu den National
staaten. Und die nutzen den Moment mit
aller Entschiedenheit. Kontrollieren Gren
zen, schlieen bergnge, bauen Zune,
lassen Militr aufmarschieren und Hub
schrauber kreisen.
Mit anderen Worten: Auch die Schw
che Europas macht den starken Staat er
forderlich.
Bleibt schlielich die Hoffnung aufs
Digitale, die modernste Form der Staats
verachtung. Auch sie erweist sich als trge
risch. Es ist ein Irrglaube, die Welt werde
nur immer digitaler. Sie wird mitunter
auch wieder analoger. Fleisch und Blut be
halten ihre Rolle in der Weltgeschichte, vor
allem Blut. Und mitunter wird dabei das
Digitale zum Katalysator fr Probleme, die
digital nicht mehr zu lsen sind.
Wie schon beim Arabischen Frhling
zeigt sich das auch in der Flchtlingskrise.
Sie ist nicht zu denken ohne Handys und
Apps, ohne die Online-Selbstorganisation
der Migranten. Die Zuwanderer kommen
nicht, natrlich nicht, weil sie Smart
phones haben. Aber weil sie Smartphones
haben, kommen sie so rasch in groer Zahl
und knnen jederzeit auf andere Routen
ausweichen.
Google und die anderen Digitalkon
zerne, die Finanzmrkte, auch die Propa
gandisten des Postnationalen, die Brsseler
EUler, sie alle sahen den Staat schon auf
der Abraumhalde der Geschichte oder im
bergang zu seiner Selbstaufhebung. Aber
das war offenkundig voreilig. Vielleicht,
mindestens jedenfalls bis zum Beweis des
Gegenteils, sollten wir einfach davon aus
gehen, dass der Nationalstaat eben doch
das funktionalste Gef fr die zeitgenssi
sche Demokratie ist.
Damit aber verndert sich die Flie
richtung der Staatsdebatte, wahrscheinlich
zum ersten Mal berhaupt seit Grndung
der Republik.
Eine Ahnung von der vernderten Rolle
des Staates konnte man bereits vor Jahren
bekommen, whrend der globalen Finanz
krise. Auch da hatte sich der Staat zurck
gezogen, hatte hemmungslos dereguliert
und sich damit selbst entmchtigt, bis die
entfesselten Mrkte zusammenbrachen.
Und am Ende blieb dem verhhnten Staat
nichts anderes brig, als zum Retter zu
werden. Erst musste der Staat die Banken
retten, dann die starken Staaten die
schwachen.

Dennoch, trotz dieser ziemlich frischen


Erfahrung, ist es immer noch fast so etwas
wie eine Provokation, vom starken Staat zu
sprechen. Der Begriff lst unweigerlich
Abwehrreflexe aus. Starker Staat, das klingt
nach wilhelminischer Obrigkeit oder ame
rikanischer Polizeiwillkr, nach Massen
berwachung, Guantnamo und Water
boarding.
Und die Gefahren des staatlichen
Machtmissbrauchs sind ja offenkundig, es
gibt sie, und sie sind real. Manches von

auch nicht einer Ideologie, sondern dem


Gemeinwohl.
Natrlich ist eben dies auch das bestn
dige Versprechen des Autoritren berall
auf der Welt, in Putins Russland genauso
wie in der Trkei Erdoans oder Orbns
Ungarn: dass sie Ordnung schaffen, Sicher
heit bieten, das Chaos bndigen. Dass die
Menschen beruhigt ihre Kinder in die
Schule schicken und ihren Geschften
nachgehen knnen. Was also unterscheidet
den autoritren Staat vom starken Staat?
Und wie knnen wir sicherstellen, dass der
starke Staat nicht ins Autoritre kippt?
Der starke Staat unterscheidet sich, in
aller Knappheit, vom autoritren Staat,
weil er die Freiheit ermglicht, statt sie zu
bekmpfen. Es gibt Staaten ohne Freiheit,
aber es gibt keine Freiheit ohne den Staat.
Der starke Staat kennt Zonen des
Durchgreifens, und die werden nicht not
wendig immer kleiner. Aber er kennt auch
Vielleicht ist der
Zonen, in die er nicht eingreift, deren Frei
heit er schtzt. Er respektiert die ausdiffe
Nationalstaat doch das
renzierten Subsysteme der Gesellschaft
funktionalste Gef fr
Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Privat
sphre und bezieht daraus seine Kraft.
die Demokratie
Der autoritre Staat hingegen greift berall
durch, und muss an diesem Grenwahn
dem, was Prsident Hollande jetzt fr irgendwann scheitern.
Frankreich vorhat verlngerter Ausnahme
Der starke Staat ist ein Staat, der sich
zustand, Hausdurchsuchungen ohne rich nicht erpressen lsst. Nicht von den Mrk
terlichen Beschluss, Entzug der Staatsbr ten, nicht von organisierten Interessen,
gerschaft , erinnert tatschlich auf ver schon gar nicht von Terroristen. Wie ernst
strende Weise an den USA Patriot Act, das sein kann, tdlich ernst, daran ist bei
die hysterische Reaktion der Amerikaner den Trauerfeiern fr Helmut Schmidt gera
auf den 11. September 2001. Noch mehr de noch einmal erinnert worden. Der star
berwachung, noch mehr Gesetze, noch ke Staat muss aber auch die Mittel haben,
mehr Kompetenzen fr die Sicherheits um nicht erpressbar zu werden.
behrden.
Der starke Staat ist ein Staat, der starke
Brauchen wir da wirklich einen starken, Kontrollinstitutionen hat, checks and baeinen noch strkeren Staat? Haben wir lances, starke Gerichte, selbstbewusste Par
nicht lange genug schlechte, ja katastro lamente, eine freie Presse.
phale Erfahrungen mit dem berstarken
Vor allem aber ist der starke Staat ein
Staat gemacht, vor allem in Deutschland? Staat, der seine eigenen Regeln ernst nimmt.
Sind nicht all unsere politischen Qulgeis Der Recht setzt und auch durchsetzt. Bei
ter zugleich Verfechter des starken Staates, des freilich gehrt zusammen, und daran
Autokraten wie Putin, Erdoan, Orbn? hat es im Westen zuletzt hufig gefehlt.
Haben sie nicht endlos das Schwule und
In der EU, die kein Grenzregime kannte
Schwchliche des Westens verhhnt und und das Dublin-System aufgegeben hat aus
nun wollen wir ihnen auch noch recht ge Schwche und aus Gedankenlosigkeit.
ben? Und schlielich: Trumpfen die Staa Aber auch in der Bundesrepublik, die ihr
ten des Westens nicht gerade schon mehr eigenes Asyl- und Abschieberecht jahrelang
als stark auf?
ignoriert hat. Selbst abgelehnte Asylbewer
Frankreich ndert seine Verfassung, ber wurden kaum in ihre Herkunftslnder
zieht in den Krieg gegen den IS. In Brssel zurckgebracht, die zustndigen Behrden
patrouillieren schwer bewaffnete Soldaten hatten kaum Mittel und Personal, und die
in den Fugngerzonen, stehen die U- Politik zeigte nie den Mut, geltendes Recht
Bahnen ein Wochenende lang still. Deutsch zu vollziehen.
land diskutiert ber Bundeswehreinstze
Der starke Staat aber, das ist auch der
im Innern, schickt Tornados nach Syrien Staat, der das Recht nicht schwcht, indem
und eine Fregatte ins Mittelmeer.
er es unter den Vorbehalt vermeintlicher
Angesichts solch martialischer Be Werte stellt. Das Recht ist die demokra
schwrungsformeln, solcher Autosugges tisch verfestigte Gestalt, die die Werte ge
tionen der eigenen Strke, brauchen wir funden haben, nicht deren Gegenteil.
nicht nur einen starken Staat, wir brauchen
Die Widersacher des Westens, die Terro
vor allem einen neuen Begriff davon, wa risten wie die Autokraten, wollen uns letzt
rum der Staat stark sein muss und was ihn lich in ihre binre Logik hineinzwingen.
ausmacht. Und wie er sich vom autoritren Das ist das gedankliche Zentrum der kom
Staat unterscheidet.
menden Auseinandersetzungen. Sie wollen
Wer das begreifen will, der muss nur die uns suggerieren, wir mssten uns irgend
Menschen fragen, die jetzt zu Hunderttau wann entscheiden zwischen dem Chaos
senden zu uns kommen. Sie fliehen nicht und dem Autoritren. Darauf aber kann es
vor zu viel Staat, sondern vor zu wenig. Sie nur eine Antwort geben: weder noch. Es
kommen aus schwankenden und kollabie gibt einen dritten Weg, den westlichen
renden Staaten. Sie wissen, dass berall Weg: den des liberalen und starken Staates.
Und die letzte Garantie gegen das Kip
dort, wo staatliche Ordnungen zerfallen,
nicht Freiheit einkehrt, sondern Korrupti pen des starken Staates sind wir, die Brger.
Denn die Liberalisierung des Staates hat
on, Entrechtung, Fanatismus und Gewalt.
Sie wissen: Wo der Staat schwach ist, gilt ja nicht nur den Staat verndert, sondern
das Recht des Strkeren. Sie suchen daher auch die Gesellschaft. Der Befehlston, das
den funktionierenden Staat: den Staat, der Herumkommandieren und Unterwerfen
die Menschenrechte garantiert, das Zusam sind aus den Amtsstuben verschwunden,
menleben ordnet, den Hilfsbedrftigen zur aber auch aus den meisten Familien, aus
den Schulen und vielen Unternehmen.
Seite steht.
Sie suchen eine Polizei, die das Recht Mag sein, dass diese Entwicklung nicht auf
schtzt, nicht die Machthaber. Sie suchen ewig unumkehrbar ist. Aber zunchst ein
Gerichte, die Streit regeln statt Unter mal und auf lange Zeit immunisiert sie uns
drckung zu legitimieren. Sie suchen Be gegen die Versuchung des Autoritren.
hrden und Beamte, die nicht einem
www.zeit.de/audio
Clan, einer Religion oder Ethnie dienen,

4 POLITIK

10. D E Z E M B E R 2015

D I E Z E I T No 5 0

Was geht, was fehlt?


Die Mehrheit der ehrenamtlichen Flchtlingshelfer sind Frauen
Wie erleben Sie Ihr Engagement
in der Flchtlingshilfe grundstzlich?

Haben die Anschlge von Paris Ihre


Bereitschaft, sich zu engagieren, beeinflusst?

%
9,5
1,2

2164

31,3

3,7
1,9

... WLAN fr den Kontakt


zu Angehrigen
... Gemeinschaftsrumen
... Koordination des
Engagements

unentschieden

berwiegend negativ

Nein, gar nicht


Ich bin motivierter als zuvor
Ich bin ngstlicher geworden

sehr negativ

1484
Streitflle unter den Flchtlingen

1323
unter den Helfern

505

1153

2,3
sehr positiv

keine

1428

71,2

berwiegend positiv

Erleben Sie bei Ihrem Engagement Konflikte,


und wenn ja, welcher Art?

... Rckzugsorten

23,2
55,7

In der Unterkunft fehlt es


vor allem an ...

Ich bin misstrauischer geworden

1013
... ausreichenden
Sanitranlagen

953

ethnische,
religise

498
zwischen Sicherheitspersonal
und Flchtlingen

392

... Helfern

720
Alter und Geschlecht
der Befragten*

Werden Sie in kommender Zeit


Ihr Engagement ndern?

13,8

2,4

... festen wintertauglichen


Rumlichkeiten

17,9

11,9

674

25,0

4,0

71,9

... getrennten Rumen


fr Mnner und Frauen

19,0

... Betten, Matratzen, Decken

290
26,4 %

reduzieren

unter 20 Jahren

... nichts

erhhen

beenden

4049 J.

2029 J.
5059 J.

3039 J.

60 Jahre und lter

... Sonstigem

zwischen Sicherheitspersonal
und Helfern

283
zwischen Flchtlingen
und Helfern
sexuelle
bergriffe

265

129

119
keine Vernderung

295

234

... Heizung

20,1

18,6

73,6 %

491

fremdenfeindliche bergriffe
oder Anfeindungen

*Umfrage unter 3486


ehrenamtlichen Flchtlingshelfern, ber einen Zeitraum
vom 19. 11. bis 2. 12. 2015

Sonstiges

585

437

ZEIT- GRAFIK: Gisela Breuer

Wir schaffen das, immer noch!


Eine Umfrage von ZEIT und ZEIT ONLINE zeigt: Die Flchtlingshelfer in Deutschland lassen sich nicht beirren
VON DANIEL ERK , PARVIN SADIGH UND SASCHA VENOHR

ber das Unbekannte lsst sich wun


derbar mutmaen. Zum Beispiel
ber die sogenannte Willkommens
kultur. Seit Angela Merkel im Spt
sommer signalisierte, dass sich
Deutschland gegenber den Flchtlingen aus dem
Nahen Osten nicht abschotten wrde, ist das En
gagement fr Flchtlinge mal verteufelt, mal bel
chelt, mal moralisch berhht worden. Nur: Wie

es um das Engagement der Menschen vor Ort tat


schlich bestellt ist, welche Erfahrungen die Flcht
lingshelfer machen, welche Probleme und Mngel
sie erleben und was sie dazu bringt, dennoch einen
groen Teil ihrer Freizeit zu investieren, darber
gab es bisher hchstens Einzelfallmeldungen. Was
fehlte, war ein bundesdeutsches Stimmungsbild.
Deshalb baten die ZEIT und ZEIT ONLINE
ihre Leser in den vergangenen Wochen, an einer

ANZEIGE

Hermann Grhe Bundesgesundheitsminister

Das ndert sich 2016 fr die Gesundheit:


Recht auf Facharzttermin innerhalb von
vier Wochen
Zustzliche Mittel fr Pegekrfte in
Krankenhusern
Das Wichtigste zum Jahreswechsel
beim Brgertelefon: 030 / 340 60 66 01
oder unter www.das-aendert-sich-2016.de

Umfrage zur Situation der Flchtlingshelfer, der


Flchtlinge selbst und zu den Zustnden in den
Unterknften teilzunehmen. Die Resonanz war
enorm: Knapp 3500 ehrenamtliche Flchtlings
helfer haben sich innerhalb von zwei Wochen an
der Onlineumfrage beteiligt. Das sogenannte
Crowdsourcing ist zwar keine reprsentative Me
thode, dennoch liefert die groe Zahl der Ant
worten einen aufschlussreichen Einblick in das
Leben der Flchtlinge und die Arbeit der Helfer.
Vor allem zeigt sich: Die deutsche Willkommens
kultur wirkt vielleicht nicht mehr so laut und eu
phorisch wie noch im Frhherbst, als Zge voller
Flchtlinge mit Jubel und Blumen begrt wur
den, aber die Helfer sind nach wie vor optimis
tisch und sie sind verlsslich.
Der Anteil derjenigen, die ihr Engagement
knftig reduzieren oder gar ganz einstellen wollen,
liegt nur bei rund 14 Prozent. Fast drei Viertel der
Befragten gaben an, sich weiterhin im gleichen
zeitlichen Umfang wie bislang engagieren zu wol
len. Und das, obwohl die Flchtlingshelfer nicht
nur Positives zu berichten wissen.
Der Frust ber Brokratie und Behrden, ber
die Politik und auch ber Spannungen unter den
Helfern selbst zieht sich durch die Antworten.
Eine Studentin aus Hamburg berichtet, wie eine
syrische Familie, fr die sie eine Patenschaft ber
nommen hatte, nach Chemnitz weitergeschickt
wurde und das monatelange Engagement somit
hinfllig sei. berhaupt kritisieren viele Flcht
lingshelfer, dass die Behrden vielerorts keine
groe Hilfe seien: Die grte Belastung sind die
brokratischen Prozesse, Umfang und Komplexi

tt der Formulare, schreibt etwa eine Helferin aus


dem Stuttgarter Umland. Der bersetzungs
bedarf ist enorm, selbst bei Leuten, die die For
mulare selbst ausfllen knnten, wenn sie sie ver
stehen wrden. Eine Helferin aus dem Land
kreis Anhalt-Bitterfeld berichtet von Banken, die
nicht bereit sind, Konten fr Flchtlinge ohne
Originalreisepass aus dem Herkunftsland zu er
ffnen. Selbst dann nicht, wenn die Flchtlinge
bereits deutsche Dokumente erhalten haben.
Wir mssen mit den Geflchteten somit nach
Halle und Dessau zur Kontenerffnung fahren,
schreibt die Frau. Was fr eine Verschwendung
von Frdermitteln!
Aber auch die Organisation der Ehrenamtlichen
selbst wird nicht romantisiert: Die Ausknfte
der Crowdsourcing-Teilnehmer zeigen, dass die
Flchtlinge besser in das Engagement eingebun
den werden sollten und auch wollten und dass
die Vollbetreuung durch berengagierte Helfer
mancherorts zu einer Art Vollpension-Mentalitt
gefhrt habe. Fast ein Drittel beklagt auerdem,
dass es an sinnvoller Koordination des Engage
ments mangele. Knapp 14 Prozent berichten von
Konflikten unter den Helfern, jeder Fnfte er
klrt, es fehle an aktiven Untersttzern. Rund 36
Prozent der Befragten erlebten Streitereien zwi
schen den Flchtlingen, die mehrheitlich auf die
rumliche Enge und fehlende Bettigung zurck
zufhren seien. Es mangele vor allem an Rck
zugsrumen (fast 60 Prozent der Antworten) und
an WLAN, um mit der zurckgelassenen Ver
wandtschaft zu kommunizieren (fast 40 Prozent
der Antworten). Immerhin 129 der 3500 Teil

nehmer gaben an, dass es zu sexuellen bergriffen


seitens der Flchtlinge gekommen sei.
Hat der Terror von Paris die Hilfsbereitschaft
der Deutschen negativ beeinflusst? Unsere Umfrage
zeigt: nein, im Gegenteil. Die berwiegende Mehr
heit (ber 70 Prozent) gibt sich von den Anschl
gen unbeeindruckt. Nur 1,2 Prozent der Teilneh
mer erklrten, deswegen ihr Engagement verrin
gern zu wollen. Fast jeder vierte der Helfer will die
Flchtlinge dagegen jetzt noch strker untersttzen.
Die Grnde fr dieses ungebrochene Engagement
sind vielfltig. Hufig genannt wurde die groe Dank
barkeit der Flchtlinge und die Freude der Kinder,
die nach Jahren des Kriegs und Monaten der Flucht
endlich wieder zur Ruhe kommen. Viele Helfer ver
stehen ihr Tun als moralische Pflicht angesichts einer
drohenden humanitren Katastrophe, als Ausdruck
ihres christlichen Glaubens oder als ein Zeichen der
Demut angesichts des eigenen Wohlstands.
Ich bin weder Gutmensch noch Vorzeige-
Helfer, schreibt etwa ein Teilnehmer der Umfrage
aus dem Landkreis Ravensburg. Vielmehr tue ich
es aus Dankbarkeit, dass wir hier im Wohlstand
leben und ich drei gesunde Kinder habe, und weil
ich abends Zeit habe. Und manche motiviert die
blanke Notwendigkeit ihrer Arbeit: Wenn wir
Studenten nicht da wren, schreibt eine junge
Frau aus Sachsen, wre Dresden aufgeschmissen.
Datenauswertung: Ellena Nachbar
Die ausfhrlichen Umfrageergebnisse und
Helferportrts finden Sie unter
www.zeit.de/fluechtlingshelfer

Es muss jetzt alles klappen


Der Regierungsberater Gerald Knaus erklrt, wie sich ein Scheitern der europischen Flchtlingspolitik verhindern liee

Kl. Foto: Zaman

DIE ZEIT: Herr Knaus, die Trkei soll Europa die

Flchtlinge vom Hals halten, dafr bekommt sie


Geld, Visafreiheit, und wir nehmen ihr ein gewis
ses Kontingent von Flchtlingen ab war das
nicht genau Ihr Plan?
Gerald Knaus: Ja, das haben wir vor drei Monaten
vorgeschlagen. Aber so, wie jetzt in Brssel ver
handelt wird, wird es scheitern. Der ESI-Plan ba
siert darauf, dass die Trkei alle Flchtlinge, die
auf den griechischen Inseln landen, zurcknimmt,
und zwar ab sofort. Das kann sie nur, wenn sie von
Griechenland als sicherer Drittstaat betrachtet
wird und wenn sich beide Lnder logistisch darauf
vorbereiten. Beides geschieht derzeit nicht.
ZEIT: Warum nicht?
Knaus: Der tiefere Grund ist, dass Trken und
Europer sich gleichzeitig brauchen und misstrauen.
Jede Seite wartet ab, ob die andere es ernst meint.
In den europischen Zeitungen werden die Ver

handlungen dargestellt als schmutziger Deal mit


einem Erpresser. Auf trkischer Seite wird das mit
Verbitterung wahrgenommen, denn schlielich
hat die Trkei mehr Flchtlinge aufgenommen als
jedes andere Land.
ZEIT: Ihr Plan beruht auf einer Koalition der Wil
ligen, die der Trkei Flchtlinge abnimmt. Aber
diese Koalition gibt es doch gar nicht. Deutsch
land ist allein. Wie soll Merkel ihre Partei und die
Brger berzeugen?
Knaus: Wenn Deutschland ein Konzept vorlegt,
das bald zu einer Senkung der Flchtlingszahlen
fhrt, werden sich andere anschlieen. Nur darf
man nicht auf europische Lsungen hoffen, die es
nicht geben wird. Die Umsiedlung von Kontin
gentflchtlingen kann man auch nicht an das UNFlchtlingshilfswerk abtreten, wie das jetzt geplant
ist, denn das wrde viel zu lange dauern. Dann
wird auch die Trkei sich nicht beeilen. Man muss

nur nach Frankreich schauen, auf den Erfolg von


Marine Le Pen, um zu sehen, dass wir nicht viel
Zeit haben. Es muss jetzt alles klappen.
ZEIT: Wie kann man ein Scheitern vermeiden?
Knaus: Es mssen drei Dinge passieren: Die Trkei
nimmt tatschlich jeden, der es auf die griechischen
Inseln schafft, zurck, und die Griechen behandeln
die Trkei als sicheren Drittstaat. Die Flchtlinge
knnen sich mit finanzieller Hilfe aus Europa in
der Trkei ein neues Leben aufbauen und drfen
dort arbeiten. Und schlielich: Wir nehmen der

Gerald Knaus leitet den


Thinktank Europische
Stabilittsinitiative (ESI)

Trkei einen Teil der Flchtlinge ab. All das be


ginnt sofort, parallel, schon Anfang nchsten Jahres.
ZEIT: Wie kann man ein Land zu einem sicheren
Drittstaat erklren, dessen Rechtssystem so unzu
verlssig ist wie das der Trkei?
Knaus: Wenn man Lnder wie Australien, das sei
ne Flchtlinge alle deportiert, oder Ungarn zum
Vergleich heranzieht, schneidet die Trkei schon
heute gut ab. Sie erfllt das wichtigste Kriterium
der Genfer Flchtlingskonvention: die Flchtlinge
nicht zurckzuschicken in die Gefahr. Und die EU
kann mehr dafr tun, dass Flchtlinge in der Tr
kei besser behandelt werden. Sie darf sich nicht
damit begngen, der Trkei Haltungsnoten zu
geben. Es steht immerhin das internationale Asyl
recht an sich auf dem Spiel. Es gibt in der EU eine
ganze Reihe zynischer Politiker, die nicht unglck
lich darber wren, wenn die Politik des freund
lichen Gesichts von Deutschland scheitert. Viktor

Orbn spricht seit Monaten von der Scheinheilig


keit des Schutzversprechens man habe ein gro
zgiges Asylrecht, tue aber gleichzeitig alles dafr,
dass es niemand in Anspruch nehmen kann.
ZEIT: Da hat er doch recht!
Knaus: Sicher. Das ist de facto auch die Politik der
meisten anderen Industriestaaten der Welt. Drei
Lnder, Deutschland, Schweden und sterreich,
bearbeiten derzeit die Mehrzahl aller Asylantrge
in der Welt. Wenn diese jetzt der Orbn-Linie
folgen, dann ist die Flchtlingskonvention tot.
Ohne dass damit irgendein praktisches Problem
gelst ist. Wenn wir dann anfangen, Flchtlinge
als Invasionsarmee zu betrachten, werden wir ir
gendwann auf sie schieen mssen. Mit dem ers
ten Schuss auf Flchtlinge aber treffen wir ins
Herz der Europischen Union.
Die Fragen stellten Martin Klingst und Mariam Lau

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

POLITIK 5

D I E Z E I T No 5 0

Foto: Amr Nabil/AP/dpa

Bye-bye,
alter Freund
Jahrzehntelang galt Saudi-Arabien als guter Partner des Westens.
Das knnte sich jetzt ndern VON MARK SCHIERITZ UND MICHAEL THUMANN

Die groe Hoffnung fr die Saudis sind


iebzig Jahre lang war auf diese
Freundschaft Verlass. Der Westen schnell wachsende Schwellenlnder, die immer
und die Saudis das ist die Ge- noch auf l angewiesen sind und sich wenig fr
schichte eines schmutzigen Deals: Menschenrechte interessieren. Lngst sind die
Ihr liefert uns Energie und sorgt Chinesen ein Hauptinvestor am Golf. Indien
in der Region fr Stabilitt, dafr liegt in der Nachbarschaft. Hier sieht Saudi-
sehen wir weg, wenn wieder ein- Arabien die Mrkte der Zukunft.
Die Wende nach Osten geht einher mit der
mal ein Oppositioneller wie der Blogger Raif
Badawi ausgepeitscht wird oder fundamentalis Entfremdung vom groen Partner und Protektische Moscheen weltweit mit saudischem Geld tor USA. In den Amtsstuben saudischer Beamter in Riad hngen noch die Bilder der groen
finanziert werden.
Doch jetzt ist der Westen auf das saudische gemeinsamen Vergangenheit: als Franklin D.
l weniger angewiesen, und die Zweifel wach- Roosevelt und Abdel Asis ibn Saud 1945 den
sen, ob die Saudis noch fr Stabilitt sorgen. Sie Beginn ihrer Petro-Freundschaft auf dem Flugfhren Krieg im Jemen, sie stehen dem Isla zeugtrger Quincy besiegelten; als die Amerikamischen Staat (IS) religis-ideologisch nahe, sie ner den lkonzern Aramco grndeten; als man
proben den Aufstand gegen das Atomabkommen sich im Kalten Krieg auf eine Strategie gegen
der Gromchte mit dem Iran. Es knnte der die Sowjetunion einigte. Erinnerungen an eine
Anfang vom Ende einer wechselseitigen Abhn- vergangene Epoche.
Das Entsetzen der Saudis begann 2003, als die
gigkeit sein, die jahrzehntelang die internationale
Amerikaner im Irak Saddam Hussein wegfegten,
Ordnung geprgt hat.
Westliche Politiker gehen auf Distanz, Zei- einen Pistolero, der zugleich ein Feind des verchen der Entfremdung kommen sogar aus Berlin, hassten Irans war.
Nun haben die Amerikaner einen hnlich
wo man ber Saudi-Arabien selten ein bses
Wort verlor. Erst macht der Bundesnachrichten- folgenreichen Schritt getan. Prsident Obama
dienst ein Positionspapier ffentlich, in dem mit entlsst den Iran mit dem Atomdeal allmhlich
Hinblick auf den Jemen die impulsive Interven aus dem Korsett der Sanktionen, die den Saudis
tionspolitik Saudi-Arabiens kritisiert wird, dann ber Jahre einen wichtigen Vorteil gegenber
verkndet Sigmar Gabriel an die Adresse des dem Iran sicherten. Unisono mit Israel hatten die
Regimes in Riad, dass die Zeit des Wegschauens Saudis Washington vor dieser ffnung gewarnt.
Ohne Erfolg.
vorbei sei.
Dabei ist Saudi-Arabien nicht nur ein wichtiger
Saudi-Arabien sieht sich umzingelt. Der schiVerbndeter im Kampf gegen die IS-Dschihadisten, itische Halbmond beginnt am Mittelmeer in
sondern ein Grokunde der deutschen Rstungs- Sdbeirut und zieht sich ber Damaskus und
unternehmen und vor allem das Land mit den um- Bagdad bis nach Teheran. Schiiten leben in Kuwait,
fangreichsten Erdlvorrten der Welt.
im Osten Saudi-Arabiens, in Bahrain und im JeDoch was einst kostbar und knapp war, ist men. berall sehen die Herrscher in Riad die irajetzt im berfluss vorhanden: Im vorigen Jahr nischen Revolutionsgarden hinter der schiitischen
mussten noch mehr als 100 US-Dollar fr das Bevlkerung. Die Saudis fhlen sich bedrngt,
Fass Erdl bezahlt werden, am Montag dieser beengt und von den Amerikanern verlassen.
Woche kostete es weniger als 40 US-Dollar. In
Nun versuchen sie es auf eigene Faust. Im JeLndern wie Deutschland sind alternative Ener- men intervenieren die Saudis gegen den Rat der
gien auf dem Vormarsch, in den USA wurde mit Amerikaner. Mit einer Allianz kleinerer Staaten
der Frderung von Schieferl der Energiemarkt bekmpfen sie die schiitischen Huthi-Milizen,
revolutioniert. Die USA produzieren heute mehr die den Norden und Westen des Landes konl als jedes andere Land der Welt. Das Erdl hat trollieren. Vorbei ist es mit der saudischen
die USA und Saudi-Arabien in eine Schicksals- Scheckbuchdiplomatie, jetzt greift das Land migemeinschaft gezwungen, jetzt macht es sie zu litrisch in der Nachbarschaft ein.
Konkurrenten.
Das hat vor allem mit Mohammed bin SalSaudi-Arabien trifft das hart. Denn kaum ein man zu tun, dem Verteidigungsminister und
Land ist so abhngig vom l etwa 90 Prozent jungen Sohn des Knigs Salman. Der Krieg im
seiner Exporterlse erwirtschaftet Saudi-Arabien Jemen soll das Gesellenstck werden, das ihm die
im Petroleumgeschft, trotz aller Versuche
Thronfolge sichert. Er setzt erstmals seit
der Regierung, andere Wirtschaftseinem Vierteljahrhundert das saudizweige zu frdern. Die lverkusche Militr in einem Konflikt im
SYRIEN
fe haben den Scheichs einen
Nachbarland ein. Und braucht
IR AN
mrchenhaften Reichtum bejeden Monat mehr Geld fr
schert. Mit seinen berdie Operation aus der bereits
schssen kaufte sich Saudigeschrpften Staatskasse. In
SAUDI
Arabien in westliche Unterder Knigsfamilie hat Monehmen wie Apple, Twitter
hammed bin Salman reichAR ABIEN
oder eBay ein. l schmiert
lich Gegner, deshalb strebt
das ganze Land: die Wasserer nach immer grerer
JEMEN
entsalzungsanlagen wie die
Macht, etwa durch MitspraAchtzylinder-Limousinen. Fr
che beim lkonzern SaudiZEIT- GRAFIK
das Knigshaus ist das Verteilen
Aramco
oder im Wirtschaftsrat.
700 km
von Wohltaten an die Untertanen ein
Beobachter im Westen frchten, dass
Instrument zur Sicherung der eigenen, abdas Postensammeln des Knigssohns zu
solutistischen Machtflle.
Kmpfen in der Familie fhren knnte.
Doch nun klafft ein gewaltiges Loch in der
Die Stimmen in Europa werden lauter, man
Staatskasse. Nach Berechnungen des Internatio- solle Saudi-Arabien behandeln wie jedes andere
nalen Whrungsfonds (IWF) muss das Land im fundamentalistisch-islamische Land. Als Gegner.
kommenden Jahr Schulden in Hhe von rund In den USA schlagen Nahostexperten offen vor,
20 Prozent der Wirtschaftsleistung aufnehmen. sich von Riad abzuwenden und Teheran anzu
Dagegen wirkt Alexis Tsipras solide. Die Saudis nhern. US-Neokonservative trumen schon lanwerden gezwungen, etwas zu tun, womit sie we- ge vom regime change in Riad, einem neukolonianig Erfahrung haben: Sie mssen sparen. Ein Ex- len Projekt. Zeit fr den Abschied von den Saudis?
periment mit ungewissem Ausgang in einem
Der Westen steckt in einem Dilemma. Bei den
Land, das nur durch viel Geld im Inneren zu- Wiener Verhandlungen ber einen Waffenstillstand
sammengehalten wird. Kein Wunder, dass die in Syrien sitzt Saudi-Arabien am Tisch. Als groAussicht auf Jahre der Austeritt fr Unruhe zgiger Untersttzer der sunnitischen Opposition
sorgt. Die Chefanalysten der amerikanischen gegen den Diktator Assad. Als sunnitische VorGrobank Citigroup vergleichen die Situation macht gegen den IS, der trotz hnlicher Ideologie
in Saudi-Arabien bereits mit dem Zerfall der ein scharfer Konkurrent ist, denn er strebt den Sturz
Sowjetunion auch der ereignete sich in einer des saudischen Knigshauses an.
Zeit niedriger lpreise.
Kein anderes Land als Saudi-Arabien kann
In ihrer Verzweiflung setzen die Scheichs auf diese Rolle glaubhaft einnehmen, weder gypten
eine Strategie der maximalen Kon
fron
ta
tion. noch die Trkei.
Statt die lproduktion zu drosseln, fluten sie
In genau diesem Widerspruch verfing sich der
den Weltmarkt mit l und durchkreuzen alle deutsche Vizekanzler. Einerseits attackierte Gabriel
Versuche der Opec, die Frderung zu begrenzen. das Regime in Riad. Andererseits sagt er, der Westen
Das letzte Treffen des Kartells am vergangenen brauche die Saudis zur Lsung der regionalen KonFreitag endete deshalb im Chaos. Das Kalkl der flikte. Manche in der Bundesregierung frchten
Scheichs: Sie wollen den Preis so lange niedrig auch die Konsequenzen eines mglichen Niederhalten, bis andere Produzenten, auch in den gangs des saudischen Knigshauses. Die Opposition
USA, entnervt aufgeben.
in dem erzkonservativen Land steht schlielich
Doch knnte es sein, dass die Saudis zuerst rechts und sympathisiert mit dem IS.
in die Knie gehen. Sie haben zwar Whrungs
Und so mischt sich in die Erleichterung ber
reserven in Hhe von rund 600 Milliarden Dol- die geringere Abhngigkeit vom saudischen l
lar fr schlechte Zeiten angehuft. Aber wenn zunehmend die Angst vor der eigenen Courage.
nichts geschieht, sind diese nach Einschtzung Dabei wre die schwindende Abhngigkeit vom
des IWF in fnf Jahren aufgezehrt. Das Beispiel saudischen l eine Gelegenheit, zwar nicht die
Venezuela zeigt, wie schnell es gehen kann: Syrien-Verhandlungen, aber den seit JahrzehnDort strzten am Wochenende die seit 1998 ten anhaltenden diplomatischen Ausnahme
regierenden Sozialisten, weil wegen des niedri- zustand am Golf zu beenden und Saudi-Arabien
gen lpreises auf einmal nicht mehr genug als das zu behandeln, was es ist: ein autoritr reGeld da ist fr grozgige staatliche Ausgaben- giertes arabisches Land, das einen Sonderstatus
programme.
nicht verdient.

Ein saudischer Brutigam


fhrt mit seinem Wagen zu
seiner Hochzeit in Dschidda

GUTE GESU

NDHEIT

mt es an

Darauf kom

Das Wichtigste zum Jahreswechsel


beim Brgertelefon: 030 / 340 60 66 01
oder unter www.das-aendert-sich-2016.de

Fotos: Jae C. Hong/AP/dpa (USA, 06.12.15; gr.); The New York Times/Redux/laif ([M]; r.); Campus Verlag (Ausschnitt; u.)

6 POLITIK

10. D E Z E M B E R 2015

MUSLIME IN DEN USA

D I E Z E I T No 5 0

Vollgeballert
mit Angst
Warum der jngste Anschlag
die Waffenlobby noch strkt

berwltigt: Gedenkgebet fr die Opfer von San Bernardino

Wem gehrt Mohammed?


Der IS benutzt unsere islamische Geschichte fr seinen Krieg. Nur wir Muslime knnen das ndern VON TAMIM ANSARY

ie wahre Macht des IS liegt


nicht in seinen Bomben
und Gewehren oder seiner
scheulichen Entschlossenheit. Sie liegt vielmehr in der
genialen Art und Weise, wie
die Organisation ihr Weltbild formuliert und zu einer Waffe schmiedet: Es
ist eine apokalyptische Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Westen im Gange. Hier
handelt es sich nicht einfach um einen weiteren
Krieg, Brder und Schwestern, es ist der Anfang
vom Ende, denn bald wird Gott wieder Geschichte
schreiben, und seine Lieblinge sind als Sieger vorherbestimmt. Sie werden die satanischen anderen
auslschen und die Erde unter dem Dach des Islams vereinen. Wer sich jetzt anschliet, wird zu
den Gesegneten gehren. Wer im Kampf umkommt, gelangt direkt ins Paradies, wer berlebt,
wird geehrtes Mitglied einer Gesellschaft, die exakt
nach den Regeln lebt, die Gott der Menschheit
durch seinen Boten Mohammed bermittelt hat.
Kann der IS besiegt werden, indem man seinen
selbst ernannten Kalifen Al-Bagdadi ttet? Indem
man alle seine Handlanger ttet? Bestimmt nicht,
denn das sind nur Menschen. Das Weltbild aber,
das ihren Feldzug antreibt, ist ein Netz aus Ideen,
das im Austausch zwischen Millionen Muslimen
weiterlebt und atmet.
Das Massaker von San Bernardino illustriert
seine bedrohliche Macht. Dort zog Tashfeen Malik, Mutter eines sechs Monate alten Babys, die mit
ihrem Mann in einer modellhaften kalifornischen
Vorstadt lebte, zusammen mit diesem los, um
Menschen niederzumhen, die sie nicht einmal
kannte. Wie konnte diese Handlung ihr sinnvoll
und gerechtfertigt erscheinen?
Vor dem Aufbruch zur Tat schwor Tashfeen
Malik dem Islamischen Staat in einem Facebook-Post Treue. Als dies ans Licht kam, fragte allerdings niemand, was gegen dessen Weltbild unternommen werden knnte. Ben Carson, ein republikanischer Prsidentschaftskandidat, sagte, San
Bernardino sollte das Ende der Debatte ber die
Aufnahme syrischer Flchtlinge bedeuten. Donald
Trump, der sich bereits fr die Wiedereinfhrung
der Folter ausgesprochen hatte, verlangte einen
generellen Einreisestopp fr Muslime. Grobritannien, Frankreich und die USA intensivieren
unterdessen das Bombardement Syriens.
Ist das der Plan? Schliet die Grenzen, bombardiert den Mittleren Osten, baut eine Mauer
und krnt sie mit Stacheldraht, damit die Terroristen und ihre Waffen nicht hereinkommen? Stacheldraht kann Menschen drauen halten, doch
Ideen flieen durch ihn hindurch wie Wasser. Jenes mrderische Weltbild, das beliebige Akte sinnloser Gewalt als heroische Taten erscheinen lassen
kann, muss aber besiegt werden.
Wen visiert dieses Weltbild an? Es richtet sich
vor allem an jene marginalisierten Muslime, deren
Leben keinen Sinn mehr ergibt. Kinder von nach
Europa oder Amerika ausgewanderten Muslimen
sind die vorderste Front dieser demografischen

Gruppe junge Mnner und Frauen, deren IdenObjektiv betrachtet existiert diese Geschichte,
titt seit Geburt in der Krise steckt.
weil Hunderte Millionen Menschen sie kennen
Ich kenne dieses Phnomen aus meinen Erfah- und damit aufgewachsen sind. Einige Leute zu trungen unter afghanischen Exilanten und Flcht- ten, die diese Geschichte erzhlen, bringt die Gelingen in Amerika. Ihren ersten Kontakt mit schichte nicht um. Ein Weltbild kann letztlich nur
Mainstream-Amerika hatten die Kinder in diesen durch ein anderes gettet werden, und das WeltFamilien in den staatlichen Schulen, wo viele we- bild, das den IS besiegt, kann keiner westlichen
gen ihrer Zugehrigkeit zum Islam verchtlich be- Quelle entspringen. Es kann nicht den Begriffen
handelt wurden. Versuchten sie, sich bestmglich und Werten einer skularen westlichen Kultur entamerikanisch zu benehmen, stieen ihre Bem- springen, mit Ideen wie Freiheit, Demokratie,
hungen auf Hohn und Spott. Nach dem Unter- Kapitalismus und Gleichstellung der Frau als
richt kehrten sie heim zu ihren Eltern, die von ei- vorbestimmten Endpunkten. Es wird nur dann
ner verlorenen Heimat trumten, von einer Zeit Kraft haben, wenn es aus der islamischen Welt geund einer Kultur, die die Kinder nie erlebt hatten. boren wird, von muslimischen Theologen entworBenahmen sich die Kinder dort wie Amerikaner, fen, die wegen ihrer Gelehrsamkeit Ansehen geniedrohten ihnen Anschuldigungen und Vorwrfe. en. Der Clou: Sie mssen dieselbe Ursprungs
Also gaben sie ihr Bestes, sich wie gute afghanische geschichte wie das IS-Weltbild nutzen, aber zu anMuslime aufzufhren. Ein junger Mann sagte zu deren Schlussfolgerungen gelangen.
mir: Zu Hause tue ich so, als sei ich Afghane. Ich
Aber kann aus den Schriften, Doktrinen und
gehe aus und tue so, als sei ich Amerikaner. Ich Traditionen des Islams ein wahrlich fortschritt
frage mich: Wann bin ich eigentlich ich?
liches und modernistisches Weltbild erwachsen?
Whrend die westliche Expansion ihre Zivilisa- Natrlich! Alle Zutaten sind vorhanden. Toleranz
tion berrannte, klammerten sich die Menschen in gegenber Andersglubigen zum Beispiel: Was tader arabischen Welt an ihren einen verbliebenen ten die ursprnglichen Muslime, nachdem sie von
Traum die romantische Fantasie von den uner- Mekka nach Medina umgezogen waren, in ihrer
schtterlichen Familienbanden. Aber wie berall neuen Heimat? Sie formulierten die Gemeindesonst, so auch hier: Die industrielle Moderne und ordnung von Medina, die weltweit erste Verfasder Kapitalismus zersetzten
sung. Ihre Regeln sollen gedie Strukturen von Stamm
whrleisten, dass unterschiedund Klan. Das emotionale
liche Gemeinschaften harmoDie Macht des IS liegt
Netz der traditionellen Genisch miteinander leben, jede
darin, marginalisierten
sellschaft wurde abgelst von
nach ihrer Fasson.
einer Welt aus Kernfamilien
Und Frauenrechte? Unter
Muslimen einen
und Individuen, die ihrem
Fhrung des Propheten MoLebenssinn zu geben
einzelnen Schicksal nachginhammed spielten im inneren
gen. Die traditionellen RolKreis der Gemeinde berragenlenbilder der Geschlechter
de Frauenpersnlichkeiten eine
trugen nicht mehr.
zentrale Rolle wie Chadidscha, Aischa, Fatima. Im
Dann erschien der IS auf der Bildflche. Und Frhislam wurde der Status der Frauen verbessert,
er kannte sein Publikum. Er bot ein Weltbild, das indem man ihnen erstmals das Recht zugestand, Geld
perfekt auf dessen Befindlichkeiten abgestimmt zu erben, Besitz zu haben, sich scheiden zu lassen.
ist, auf die gewaltige Schar potenzieller Rekruten. Das waren fr die damalige Zeit radikale Schritte.
Die Ideologie des IS habe nichts mit dem Islam
Oder das Thema von Grausamkeiten im Krieg:
zu tun, der Islam sei die Religion des Friedens, pl- Muslimische Schriften und Mohammeds Entdieren viel zu hufig wohlmeinende Stimmen. Das scheidungen legten Regeln und Bedingungen fest,
ist unaufrichtig. Natrlich hat das Weltbild des IS die die Exzesse des Kriegs begrenzen sollten ein
mit dem Islam zu tun. Wenn dem nicht so wre, frher Vorlufer der Genfer Konventionen.
wrde es nicht so viel Echo finden. Tatschlich fgt
All diese Elemente sind Teil der ursprnglichen,
sich das Weltbild passgenau in die von den Muslimen mythischen Frhhistorie des Islams. Ja, das dschiso geliebte Ursprungsgeschichte ein: Vor langer Zeit hadistische Weltbild hat durchaus mit dem Islam
gab es eine kleine Gruppe reiner Seelen, die sich zu tun, aber es ist nicht dasselbe wie der Islam. Es
peinlich genau an die Vorgaben hielt, die ihnen Gott ist nur eines von vielen Weltbildern, die sich aus
auferlegt hatte. Diese Menschen standen einem un- denselben historischen Quellen ableiten lassen.
erbittlichen Feind gegenber, der sie auslschen woll- Keinerlei theologische Grnde sprechen dagegen,
te. Alle Macht, alle Vorteile lagen bei dem Feind er dass ein mchtiges Gegenbild in Konkurrenz mit
war reicher und zahlenmig berlegen. Aber die dem Dschihadismus treten kann. Der Erfolg wird
Gemeinde hatte als Anfhrer den einzigen Menschen abhngen von Fragen wie dieser: Wie kann die
auf Erden, der direkt vom einzigen Gott angeleitet Scharia angepasst werden an sich ndernde Zeiwurde. Unter seiner Fhrung setzte sich die kleine ten? Denn wrde man die oben zitierten Beispiele
Gemeinde erfolgreich zur Wehr und trug den Kampf so umsetzen, wie sie vor 1400 Jahren formuliert
in das gegnerische Lager. Sie errang Sieg um Sieg, bis wurden, wrde das den Islam noch nicht zu einem
sie die Welt beherrschte (zumindest den wichtigen fortschrittlichen Glauben machen.
Kann man die Scharia aber so denken, dass
Teil). Das ist die Geschichte, die der IS sich zunutze
heutige Muslime Dinge anders tun drfen, als sie
macht. Sie hat die Kraft eines Mythos.

im 7. Jahrhundert gehandhabt wurden? Die Dschihadisten sagen, dass dies nicht mglich sei: Die
Scharia knne sich nicht an die Zeiten anpassen,
die Zeiten mssten sich an die Scharia anpassen.
Aber muss man die Scharia als Ansammlung wortwrtlich zu nehmender Vorschriften und Anweisungen verstehen? Kann man sie nicht als Schatz
tief sitzender Prinzipien ansehen, die das mora
lische Handeln leiten? Und wenn ja, wie werden
diese Prinzipien abgeleitet? In der muslimischen
Welt ist dies heute eine Frage von Leben und Tod.
Sie wird sich letztendlich nicht auf den Schlachtfeldern entscheiden, sondern in Seminaren und
Unterrichtsrumen. Damit eine progressive Lesart
des Islams Fu fassen kann, muss sie zu den Realitten des islamischen Lebens heute passen. In der
westlichen Welt lebende Muslime erleben sich als
marginalisiert und ihrer Identitt beraubt. Das soziale Gefge ihrer Herkunftsgesellschaften ist im
Zerfall begriffen. Muslime stehen in den Trmmern ihrer Welt vor der Herausforderung, einen
Sinn in ihrem Leben zu erkennen.
Politische Entscheider im Westen knnen ihnen das nicht abnehmen, aber sie haben dennoch
eine Funktion zu erfllen. Sie knnen es den muslimischen Intellektuellen leichter oder aber schwerer machen. Wenn in Europa oder Amerika Politiker religise Kopfbedeckung verbieten, wenn sie
von Sonderausweisen sprechen, wenn sie die Grenzen fr muslimische Flchtlinge schlieen oder
wie es jetzt im US-Wahlkampf debattiert wird
Religionstests einfhren wollen, damit nur Christen ins Land kommen, dann spielen sie dem IS in
die Hand. Sie besttigen die Behauptung der
Dschihadisten, dass zwischen zwei gewaltigen Blcken ein apokalyptischer Kampf tobe. Mnner wie
die republikanischen Kandidaten Donald Trump,
Ben Carson und Ted Cruz agieren beinahe wie ISSchlfer. Wie verrckt! Denn der eigentliche Wettstreit findet heute nicht zwischen dem Islam und
dem Westen, sondern zwischen zwei muslimischen
Weltbildern statt.
Stellen Sie sich vor, Sie lebten irgendwo auf der
Welt als Muslim. Sie fnden sich zwischen zwei
Weltbildern wieder. Das eine besagt, dass ein
Kampf epischen Ausmaes begonnen hat. Sie haben die Gelegenheit, sich der Seite anzuschlieen,
die vom Schicksal als Sieger vorbestimmt ist, und
Sie knnten zum unsterblichen Helden aufsteigen.
Die andere Seite wiederum erklrt, dass einige
Menschen zivilisiert und wrdig sind, Sie aber
nicht dazugehren. Sie sind nichts als verabscheuungswrdiges Geschmei, das zwar leben, es aber
nicht zu etwas bringen darf. Sie wird man verachten und stndig im Blick haben. Wahrscheinlich
werden Sie im Gefngnis landen und gefoltert
werden. Nun frage ich Sie: Fr welches Weltbild
wrden Sie sich entscheiden?
Tamim Ansary, geboren 1948 in
Kabul. Der Historiker lebt in San
Francisco. Die unbekannte Mitte
der Welt. Globalgeschichte aus
islamischer Sicht erschien 2010

merika nimmt von immer mehr Ereignissen zwei vllig unterschiedliche


Bilder mit nach Hause. Wo die eine
Hlfte nach dem Attentat von San Bernardino das Problem des allzu freien Zugangs
zu Waffen sieht, erkennt die andere Hlfte
das Problem in radikalisierten amerika
nischen Muslimen.
Barack Obama war einmal angetreten,
solche Grben zu berbrcken. Aber inzwischen versucht er es kaum mehr. So wird er
selbst zum Hindernis fr ein strengeres Gesetz zur Waffenkontrolle.
Am Tag nach dem Attentat in San Bernardino standen im Kongress zwei Gesetze
zur Abstimmung, die den Waffenbesitz einschrnken sollten. Das eine htte es Menschen, die auf der No-Fly-Liste fr Terrorverdchtige stehen, untersagt, Waffen zu
kaufen. Das andere htte eine verpflichtende Hintergrunduntersuchung beim Onlinekauf von Waffen eingefhrt. Der Kongress
stimmte in beiden Fllen dagegen, fein suberlich entlang der Parteigrben. Demokraten dafr, Republikaner dagegen.
Letzteren hat Obama die Sache zu leicht
gemacht, indem er auf den grten Terrorangriff auf amerikanischem Boden seit dem
11. September ausschlielich mit dem Ruf
nach strengerer Waffenkontrolle reagierte.
Nach jeder Massenschieerei macht
Obama den Amerikanern deutlich, fr wie
rckstndig er die amerikanischen Waffengesetze erachtet. In keinem anderen entwickelten Land kmen so viele Menschen
durch Schusswaffen ums Leben wie in den
USA. Und nun 14 Tote und 21 Verletzte bei
der Massenschieerei Nummer 352 in diesem Jahr. Weniger Waffen, weniger Tote,
mehr Sicherheit: Das klingt so einfach wie
berzeugend. Die New York Times sieht es
genauso und verffentlicht zum zweiten
Mal in der Geschichte der Zeitung einen
Kommentar auf der ersten Seite, einen
flammenden Appell, Schnellfeuergewehre
zu bannen.
Doch zwei Drittel der US-Amerikaner
geben in einer Umfrage an, sich von Obama
nicht mehr ausreichend geschtzt zu fhlen.
Sie greifen nach anderem, das ihnen Sicherheit gibt. Seit San Bernardino sind die Waffenverkufe sprunghaft angestiegen und
die Umfragewerte fr Donald Trump. Obama hat die politische Angstverarbeitung den
Demagogen unter den republikanischen
Prsidentschaftskandidaten berlassen.
In seiner Rede an die Nation wollte er
die Amerikaner berzeugen, dass er die Bedrohung durch den Terrorismus ernst nehme. Alle Fernsehsender bertrugen zur besten Sendezeit die Rede aus dem Oval Office.
Es htte eine kraftvolle Rede werden
mssen, die Angst der Amerikaner ernst
nehmend und Wrme spendend. So wie
nach dem Attentat des rechtsextremen Jugendlichen Dylann Roof auf die schwarze
Kirchengemeinde in Charleston. Es wre
eine politische Aufgabe, das Land in seiner
Aufgewhltheit anzusprechen und zwei so
verschiedene Bilder, wie es sie von San Bernardino in den Kpfen der Amerikaner gibt,
zum Verschmelzen zu bringen. Aber Obama
kann das nicht.
Seine Ansprache klang pflichtschuldig.
Hngen blieb: Der IS ist nicht so gefhrlich,
wie ihr denkt; ich ndere meine Strategie
nicht; was wir im Nahen Osten machen,
funktioniert; und da wir nicht jeden einsamen Wolf, der in Amerika zum Attentter
wird, stoppen knnen, muss der Kongress
eben strengere Waffengesetze erlassen. Wer
die Angst der Bevlkerung mit einem kalten
Klirren an sich abprallen lsst, liefert der
anderen Seite den Vorwand, trotzig jede Gesetzesnderung abzulehnen.
Die Verkaufszahlen im Waffenhandel
schnellten nach Obamas Rede abermals in
die Hhe. 
KE RSTIN KOHLE NBE RG

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

POLITIK 7

D I E Z E I T No 5 0

Kleineres
bel?
Fotos: SZ Photo; Itar-Tass/imago (r.)

Ohne Baschar al-Assad sei


der IS nicht zu besiegen, heit es
jetzt ein fataler Fehlschluss
VON ANDREA BHM

2001 galt Assad als Reformer

enn es um den Kampf


gegen den Islamischen
Staat geht, macht sich
derzeit in Washington,
Paris und Berlin eine
seltsame Aufgekratztheit
breit. Man msse vielleicht doch mit dem syrischen Diktator Baschar alAssad und dessen Armee kooperieren, wenn man
diesen Krieg gewinnen wolle. So haben sich schon
die Auenminister der USA und Frankreichs sowie
die deutsche Verteidigungsministerin geuert.
Stets folgten halbherzige Dementis. Aber die Idee
vom kleineren bel namens Assad greift um sich.
Was als Tabubruch daherkommt, ist in Wahrheit
ein Symptom der Ratlosigkeit.
Wie she eine Syrien-Strategie aus, bei der der
Westen sich nicht abwechselnd von Wladimir Putin, dem syrischen Regime oder dem IS am Nasenring durch die geopolitische Arena ziehen liee?
Sie msste mit einem Priorittenwechsel beginnen:
Nicht Luftkrieg gegen den IS um jeden Preis, sondern der Schutz der syrischen Zivilbevlkerung
muss das erste Ziel sein. Und zwar sowohl aus
moralischen, vlkerrechtlichen wie aus politischstrategischen Grnden. Wer die Flchtlingstrecks
aus Syrien stoppen will, muss die Gewalt gegen die

ANZEIGE

Bevlkerung stoppen. Die geht in Syrien in viel


strkerem Mae vom Regime als vom IS aus. Wer
den IS aus Syrien vertreiben will, braucht Bodentruppen. Westliche Soldaten knnen und drfen
das nicht sein, denn eine erneute Invasion der
Unglubigen auf muslimischem Boden wie
schon 2003 im Irak ist genau das, was der IS fr
sein apokalyptisches Szenario provozieren will.
Die syrische Armee wiederum kann es nicht
sein jedenfalls nicht unter dem Kommando
Assads. Sie ist, erstens, durch Kriegsverbrechen
kompromittiert und gehrt genau wie der IS und
der Al-Kaida-Ableger Dschabhat al-Nusra auf die
Liste der terroristischen Organisationen in Syrien.
Zweitens besteht sie inzwischen zu groen Teilen
aus schiitischen Milizen aus dem Libanon, dem
Iran und dem Irak. Schiitische Kmpfer werden
von der sunnitischen Bevlkerung nicht als Befreier,
sondern als Eroberer wahrgenommen, was wiederum Aktionsrume fr den IS erffnet.
Bleibt also das breite und verwirrende Spektrum
aus nationalistisch-skularen Rebellen wie der Freien
Syrischen Armee, dem salafistischen Bndnis von
Dschaisch al-Islam und den radikal-islamistischen
Kmpfern von Ahrar al-Scham, um nur die grten
zu nennen. Die Namen sollte man sich merken, denn
Vertreter dieser Gruppen sowie der zivilen syrischen

2015 liegt sein Land in Trmmern

Opposition tagen seit Dienstag in Riad, um eine gemeinsame Delegation fr zuknftige Verhandlungen
mit dem Regime zusammenzustellen. Ob das gelingt,
ist angesichts der tiefen ideologischen Grben zwischen den Fraktionen alles andere als sicher. Dass
diese Konferenz, ein Ergebnis der Wiener Syrien-
Gesprche Mitte November, berhaupt stattfindet,
darf man schon als Erfolg sehen.
Diese Gruppen mssten den Kern einer Bodentruppe gegen den IS bilden. Das aber ist nur unter
zwei Voraussetzungen vorstellbar: Ihre wichtigsten
Sponsoren, Saudi-Arabien, Katar und auch die USA
mssen ihnen klarmachen, dass Assad dank der russischen Schtzenhilfe militrisch nicht mehr zu
strzen ist. Gleichzeitig mssen die russischen und
syrischen Luftangriffe auf diese Rebellengruppen
sofort aufhren. Syrien msste also mit Ausnahme
der vom IS kontrollierten Gebiete zu einer NoBombing-Zone erklrt werden, wie die deutsche
Syrien-Expertin Kristin Helberg vorschlgt und
zwar mit russischem Einverstndnis. Jeder Versto
Assads gegen dieses Bombardierungsverbot wre militrisch abzustrafen notfalls von westlichen Kriegsschiffen aus dem Mittelmeer.
Mit Assad muss man darber nicht mehr reden,
der syrische Prsident ist lngst kein eigenstndiger
Akteur mehr, sondern eine Marionette an den Fden

Teherans und Moskaus. Die Frage ist vielmehr: Wie


wren Russland und der Iran zu einem solchen Deal
zu bewegen? Womglich mit einer aggressiveren
Diplomatie und zwei Teufelspakten.
Beide Lnder wollen ihre Interessen in Syrien
gewahrt sehen. Dafr waren und sind sie bereit zur
Komplizenschaft mit einem verbrecherischen Regime, aber nicht zu einer militrischen Intervention
ohne absehbares Ende. Teheran will eine Regierung
in Damaskus, die den iranischen Korridor zur libanesischen Hisbollah garantiert und damit die
schiitische Drohkulisse gegen Israel. Wie immer eine
mgliche bergangsregierung in Damaskus aussehen
wird, diese iranische Bedingung muss sie erfllen.
Darber herrscht offenbar auch bei allen westlichen
Regierungen stillschweigendes Einvernehmen. Das
wre der erste Teufelspakt.
Russland mchte klarmachen, dass es in seinen
Einflussgebieten keinen Regimewechsel mehr zulsst.
Die westliche Forderung nach Assads Rcktritt vor
allen weiteren Verhandlungen ist deswegen auch stillschweigend vom Tisch. Stattdessen ist die Rede von
einem politischen Prozess, der ber die Zukunft
des syrischen Prsidenten bestimmen soll. Das wre
der zweite Teufelspakt.
Als Gegenleistung, so schreibt der amerikanische
Diplomat Philip Gordon in einem aktuellen Memo-

randum des Council on Foreign Relations, mssten


Moskau, Teheran und ihr syrischer Schtzling sich
auf folgende Bedingungen einlassen: Waffenstillstand
zwischen Regime und Opposition; Selbstverwaltung
fr Gebiete auerhalb der Kontrolle von Damaskus;
ungehinderte humanitre Hilfe fr die Zivilbevlkerung. Und: militrische Eskalation gegen den IS.
Einige dieser Punkte sind bei den Wiener Gesprchen
bereits aufgetaucht und in einen Fahrplan eingearbeitet worden. Aber das Entscheidende fehlt bislang:
die eigentlich selbstverstndliche Forderung seitens
der USA und Europas, dass der Terror des Regimes
gegen die eigene Bevlkerung aufhren muss. Genau
das hat der UN-Sicherheitsrat vor einem Jahr schon
einmal gefordert mit der Stimme Russlands.
Ein diplomatischer Vorsto fr eine No-
Bombing-Zone wrde Moskau nun vor die Wahl
stellen: Verweigert sich Putin, entlarvt er sich als
Komplize des Kalifats, dem diese Politik nicht nur
Rekruten zutreibt, sondern auch Territorium, das
die Opposition nicht mehr halten kann. Will er
wirklich den IS bekmpfen, stellt er seine und Assads Angriffe auf die Opposition ein.
Das Kalifat wre damit noch lange nicht am
Ende. Aber der erste Schritt fr eine Deeskalation
in Syrien wre getan. Und Europa htte Wladimir
Putin gezwungen, Farbe zu bekennen.

ANZEIGE
Informationen zu allen ZEIT KONFERENZEN: www.zeit-konferenzen.de

Fotos: Andreas Henn fr DIE ZEIT

LOGISTIK & MOBILITT

Wolfgang Kubicki (2. v. r.), FDP, diskutierte mit Marcel Fratzscher (2. v. l.) vom
Deutschen Institut fr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Dirk Rompf (l.), DB Netz
AG, und dem Moderator, ZEIT-Redakteur Mark Schieritz (r.), ber eine zukunftsfhige
Verkehrsinfrastruktur.

Bernhard Simon (l.), Chef des Logistikdienstleisters Dachser SE, sprach mit Peter Gerber
(r.), dem Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa Cargo AG, ber vernetzte Logistik im
globalen Wettbewerb. Dachser erwirtschaftete 2014 mit 25.000 Mitarbeitern einen
Umsatz von 5,3 Milliarden Euro. Daten sind unser A und O, sagte Simon.

Stau vermeiden mit Sensoren und klugen Ideen


Autonome Fahrzeuge,
digitalisierte Dienstleistungen,
vernetzte Logistik: Je mobiler
wir werden und je mehr wir
im Internet einkaufen, desto
schneller mssen Unternehmen
ihre Geschftsmodelle anpassen.
Selbstfahrende LKW auf der digitalen Autobahn, das hrt sich super
an, sagte Detlef Braun, Geschftsfhrer der Messe Frankfurt. Allerdings ist die Logistikbranche nach
Aussage Brauns noch mit ganz
anderen, simpleren Problemen beschftigt: So wrden heute auf deutschen Autobahnen ber 10.000
Stellpltze fr Laster fehlen. Die
Folge: ber Nacht mssten viele
am Fahrbahnrand parken ein Risiko fr die Fahrer ebenso wie fr
andere Verkehrsteilnehmer. Dabei
gebe es Technik und Ideen fr telematische Parksysteme, die Abhilfe
schaffen knnten, sagte Braun.
Vernetzung, Digitalisierung und
autonomes Fahren sind Zukunftsthemen von Logistik und Mobilitt,
der zgerliche Ausbau und Erhalt
der Infrastruktur das grte Hindernis. Das zeigte die 3. ZEIT KONFERENZ zum selben Thema im Kap
Europa, dem neuen Kongresszentrum der Messe Frankfurt.
Die Logistikbranche steht vor
alles umwlzenden Vernderungen: Bald knnten PKW und LKW
autonom lenken, beschleunigen,
bremsen aber nicht ohne flchendeckendes Internet und intelligente Verkehrssysteme. Und
sollten Autos in naher oder ferner
Zukunft autonom fahren, knnte
ein Systemausfall lebensgefhrliche Folgen haben. Weil Themen
rund um die intelligente Mobilitt
rasant an Bedeutung gewinnen,
hat die Messe Frankfurt den neuen
Geschftsbereich Mobilitt und
Logistik geschaffen. Kern des
neuen Geschftsbereichs ist nicht
zufllig die Zulieferermesse Automechanika.

Frank Sportolari, Deutschland-Chef von


UPS, will ein Mautsystem fr ganz Europa: Die Welt wartet auf mehr Made in
Germany, auch bei Logistiklsungen.

Veranstalter:

International vernetzte Produktions- und Wertschpfungsketten,


intelligente Verkehrssysteme fr
die digitale Gesellschaft, die dafr
notwendige Technik, das sei alles
vorhanden. Aber, fragte MesseGeschftsfhrer Braun: Sind wir
zu langsam, zu verhalten, zu brokratisch? Denn nicht nur die Technik und die Ideen sind vorhanden,
sondern auch zahlreiche Hindernisse. Die fasste Ulrich Nubaum,
Prsident des Deutschen Verkehrsforums, so zusammen: Sieben Pro-

werde: Das Problem der Umsetzung ist grer als das des Geldes.
Nach Ansicht von Nubaum stehe
ohne Investitionen in intelligente
Infrastruktur die Wettbewerbsfhigkeit des Standorts Deutschland
auf dem Spiel.
Auch Volker Markl, Professor an
der Technischen Universitt Berlin,
kritisierte die Prozesse in Deutschland allerdings im Hinblick auf
Unternehmer und Datenanalysen:
Wir mssen viel aggressiver und
agiler werden. Die Entscheider in

standsmitglied der DB Netz AG,


Dirk Rompf. Die Hlfte der ffentlichen Investitionen wrden die
Kommunen leisten, sagte Fratzscher, der auch die Infrastrukturkommission des Bundes leitet. 40
Prozent dieser Kommunen htten
jedoch Finanzierungsprobleme, seien berschuldet oder mssten zu
viel Geld fr Sozialleistungen ausgeben. Oft gebe es keine Baumter
oder die wenigen Mitarbeiter seien
berfordert. Jedes Infrastrukturprojekt sei jedoch mit unglaub-

Fahrzeughersteller wie Daimler


beim Bau autonomer Fahrzeuge
mit einkalkulieren, sondern auch
Stadtsoziologen und Infrastrukturforscher. Laetitia Dablanc untersucht an der Universitt Paris-Est
unter anderem, wie der OnlineHandel den Verkehr in den Metropolen wie Los Angeles und Paris
verndert. Gerade zu Stozeiten
vor und nach der Arbeit stehen die
Bewohner der beiden Stdte oft
stundenlang im Stau. Groe Frachtund Logistikzentren in Parkhusern
oder stillgelegten Gterbahnhfen
in den Stadtzentren knnten die Situation entzerren, meint Dablanc.
Umweltzonen, wie sie in Deutschland vor Jahren eingefhrt wurden,
plane Paris nun ebenfalls. Denn
verschiedene Studien htten ergeben, dass sich dadurch die Anzahl
der Transportunternehmen auf einige wenige reduziert habe, diese
jedoch in der Lage waren, genauso viele Pakete wie zuvor auszuliefern mit weniger Fahrzeugen.
In Zukunft werden solche Transporter und Lastwagen leistungsfhige und hochempfindliche Sensoren bentigen, damit sie selbststndig durch die Stdte navigieren
knnen, den nchsten freien Parkplatz finden und dazu noch die
Umwelt schonen beispielsweise,
indem sie nicht mehr beschleunigen, wenn sie auf eine rot werZehn Minuten dauert
es jedes Mal, bis man in
der Stadt einen Parkplatz
findet.

Detlef Braun, Geschftsfhrer der


Messe Frankfurt: Die Welt beneidet
uns um unsere Effizienz und vernetzte
Infrastruktur.

zent der Bundesstraen in einem


kritischen Zustand, der Investitionsstau bei Bahnen und Bussen bei
mittlerweile 4,3 Milliarden Euro,
viele Brcken und ein Teil des
Schienennetzes marode und auch
in einen groen Teil der Wasserstraen und Schleusen msse inDas Geld fr Straen
und Autobahnen ist
da aber die Fachleute
fehlen.
vestiert werden. Bestandserhalt
geht vor Ausbau, forderte Nubaum, ehemaliger Berliner Finanzsenator, von Bund und Lndern.
Allerdings wrden viele der geplanten Investitionen nicht umgesetzt, weil die Brokratie zu langsam arbeite und das Geld am
Jahresende wieder eingesammelt

Horst Amann, verantwortlich fr den


Ausbau des Frankfurter Flughafens,
sprach ber Sensoren fr Parkpltze
und vernetzte Logistik.

Mitveranstalter:

Dr. Ulrich Nubaum, Prsident des


Deutschen Verkehrsforums, kritisierte
den Zustand der Infrastruktur und forderte nachhaltigere Investitionen.

den Unternehmen haben oft keine


Ahnung von IT. Die ist aber das
Wichtigste, um in Zukunft wettbewerbsfhig zu bleiben. Gerade
die Logistik sei fr knftige Effizienzsteigerungen in Zukunft auf
Datenwissenschaftler angewiesen,
die Verkehrsstrme analysieren und
die Informationen nutzbar machen
wrden.
Warum es unter diesen Voraussetzungen so entscheidend, aber
gleichzeitig so schwierig ist, eine
zukunftsfhige Infrastruktur zu
planen und zu finanzieren, diskutierte im Anschluss Marcel Fratzscher, Professor fr Makrokonomie an der Humboldt-Universitt
zu Berlin und Prsident des Deutschen Instituts fr Wirtschaftsforschung (DIW), mit dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki und dem
fr Groprojekte zustndigen Vor-

Dr. Laetitia Dablanc, vom Institut fr


Transport, Entwicklung und Netzwerke
(IFSTTAR) an der Universitt Paris-Est,
erforscht den Verkehr in Metropolen.

Frderer:

Dr. Ilja Radusch (links), FraunhoferInstitut, und Armin G. Schmidt, Vorstandsvorsitzender der ATS Advanced
Telematic Systems.

lichen Risiken behaftet, mit denen


kleine Gemeinden und Stdte nicht
umgehen knnten.
Bahn-Manager Rompf pldierte
fr krzere Vorlaufzeiten fr Infrastrukturprojekte: Wir brauchen im
Schnitt 25 Jahre, um ein Groprojekt zu realisieren, von der Idee bis
zur Inbetriebnahme. Die ersten 15
Jahre mssten allein fr die Planung und den Prozess bis zum Baubeginn kalkuliert werden. Gegen
Planfeststellungsbeschlsse wrde
hufig geklagt. Um die Akzeptanz
fr ihre Vorhaben zu erhhen, beziehe die Bahn die Brger mittlerweile viel frher und viel weitreichender mit ein, whrend sie ihre
Projekte entwerfe.
Wie Menschen ihr Verhalten ndern und worauf sie reagieren,
mssen nicht nur Unternehmen wie
die Bahn bei Groprojekten oder

Prof. Volker Markl vom Deutschen


Forschungszentrum fr Knstliche Intelligenz GmbH (DFKI) und Fachgebietsleiter an der Technischen Universitt.

Kooperationspartner:

dende Ampel zufahren. Siemens


entwickelt und baut solche Sensoren, Digitalisierung und Automatisierung gehren zu den grten Wachstumsfeldern der Sparte
der Intelligenten Verkehrssysteme.
Padideh Gtzkow leitet in dieser
Sparte bei Siemens den Bereich
fr integrierte Logistiklsungen.
Eine dieser Lsungen ist das Kolonnen- und Kompaktparken fr
Lastwagen, mit dem zwischen
50 und 100 Prozent mehr Parkpltze auf der gleichen Flche geschaffen werden knnten. Dabei
parken die miteinander vernetzten
LKW neben- und hintereinander,
abhngig davon, wann sie ankommen und wann sie wieder losfahren mssen. Mithilfe der Sensoren
will Siemens auch die Suchzeit
nach einem freien Parkplatz fr
Stadtbewohner reduzieren. Denn
im Schnitt suchen Autofahrer heute
zehn Minuten, bis sie auf der Suche
nach einer Lcke fndig werden.
Am Ende bedeutet das also: Je
intelligenter wir uns in Zukunft
fortbewegen ob privat oder
geschftlich , umso mehr werden
wir sparen: Zeit, Geld und sicher
auch Nerven.
INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Der Gterverkehr auf den Straen
wird bis 2030 um 30 Prozent
zunehmen, schtzt das Bundesverkehrsministerium. Die Messe Frankfurt setzt deshalb auf die beiden
Themen Mobilitt und Logistik,
denn die wrden das Rckgrat
international vernetzter Produktionsund Wertschpfungsketten bilden,
sagte Detlef Braun, Geschftsfhrer der Messe Frankfurt: In
Deutschland gibt es die besten Ideen
fr die intelligente Verknpfung von
Verkehrssystemen.

Netzwerkpartner:

Den CO2-Aussto
um bis zu 25 Prozent senken
Interview mit Dr. Wolfgang
Bernhard, Vorstandsmitglied
der Daimler AG und Leiter der
Unternehmenssparte Trucks &
Buses, ber autonome Lastwagen, das Gefhl von Sicherheit, weniger Staus und
umweltfreundlichere Autos.
Wann werden Lastwagen und
Busse ganz von selbst ber die
Autobahnen rollen? Wir brauchen
noch zehn Jahre, bis der vollautomatische Future Truck 2025 auf
die Strae kommt. Teilautonome
LKW werden wir sehr viel frher
sehen. Der Fahrer muss dann
nicht mehr selbst lenken, bremsen
oder beschleunigen, sondern berwacht den Verkehr wie ein Pilot.
Welche Hrden mssen Sie noch
meistern? Die Straenverkehrsordnung muss so angepasst werden, dass man die Hnde vom
Lenkrad nehmen darf. Auerdem
brauchen wir Zertifizierungsvorschriften fr das teilautomatisierte und spter vollautomatisierte
Fahren.
Wie war es fr Sie, das erste Mal
in einem autonomen Auto zu fahren? Anfangs war es ungewohnt,
aber die Technik funktioniert und
man fhlt sich sehr schnell sehr sicher. Im Gegensatz zu anderen
Unternehmen, die nur mit Daten
und Software umgehen, geht es
bei uns vor allem um die Hardware. Es geht um Menschenleben,
die Technik muss immer funktionieren.
Bleibt es nicht riskant, die Kontrolle abzugeben? Wer noch nie
von seinem Fahrzeug gefahren
worden ist, hat Vorbehalte. Aber
diese Technik wird die Menschen
berzeugen. Unflle, die bermdete und abgelenkte Fahrer verursachen, gibt es dann auch nicht
mehr. LKW knnen sicherer und
effizienter genutzt werden. Und
wir brauchen dafr keine neue
Infrastruktur und keine Subventionen.
Wird der Lastwagen der Zukunft
auch sauberer sein? ber die CO2 Reduzierung haben wir ganzheitlich nachgedacht: Wo auer im
Motor entsteht noch Spritverbrauch? Welchen Einfluss haben
die Reifen und der Rollwiderstand?
Wie gut ist der Fahrer? Kann man
den Lang-LKW einsetzen? Optimiert man solche Faktoren strker
als bisher, liee sich der CO2 -Aussto um 20 bis 25 Prozent senken.
Aussteller:

Offizieller
Druckpartner:

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

POLITIK 9

D I E Z E I T No 5 0

101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Vor zwei Wochen forderte Martin Schulz,
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 Prsident
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 des
1 0 1 0EU-Parlaments,
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1eine
0 1 0 1 0Internet-Charta.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Hier
0 1 0 1 0ist
1 0 1ein
0 1 0 1Vorschlag
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1
01010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0entworfen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1und
0 1 0 1 aufgeschrieben
01010101010101010
1 0 1 HEIKO
0 1 0 1 0 MA
1 0 1AS
010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
VON
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0ie1 Digitalisierung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0ist1 0zu1 0einem
1 0 1 0Total1 0 1 0 1 0Artikel
1 0 1 0 1 031 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 0 1 0 170 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Artikel
0 1 0 1 011
101010101010101010101010101010101010101010
Artikel
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Jeder Mensch hat ein Recht auf Datensicherheit.
Jeder
darauf,
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0phnomen
1 0 1 0 1 0 1 0geworden.
1 0 1 0 1 0 1Kein
0 1 0 1Lebens0 1 0 1 0 1 0Jeder
1 0 1 0 Mensch
1 0 1 0 1 0 hat
1 0 1 das
0 1 0Recht,
1 0 1 0 1ber
0 1 0 1seine
01010101010101010
1 0 1 0Mensch
1 0 1 0 1 0hat
1 0ein
1 0 1Recht
01010
1 0 1 0 1dass
0 1 0seine
1 0 1 0Arbeit
10101010101010101010101010101010101010101010101010101010
macht
angemessen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0bereich,
1 0 1 0 1 0der
1 0 1 nicht
0 1 0 1 0von
1 0 1ihr
0 1 0erfasst
1 0 1 0 1 0digitale
1 0 1 0 1 0Identitt
1 0 1 0 1 0 1selbst
0 1 0 1 zu
0 1 bestimmen.
0 1 0 1 0 1 0 1 0Jeder
10101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0bezahlt
1 0 1 0 1 0wird,
1 0 1 0wenn
1 0 1 0er
1 0Dienstleistungen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1im
0 1 0 1Die
0 1 0enorme
1 0 1 0 1 0Bedeutung
1 0 1 0 1 0 1 0 der
1 0 1 0Datenverarbeitung
10101010101010
101010101010
unser
Gemeinwesen
verwundbar
und
erhht
die
Gefahr,
Internet
erbringt
oder
sie
ber
das
Internet
vermittelt.
Mensch
hat
ein
Recht
auf
Vergessenwerden.
wird.
Das
Internet
ist
einst
mit
heh101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Das
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0ren
1 0 1Zielen
0 1 0 1 0gestartet:
1 0 1 0 1 0 freie
1 0 1 0Informa1 0 1 0 1 0 1 0Welche
1 0 1 0 1 0Datenspuren
1 0 1 0 1 0 1 0 1im
0 1 Netz
0 1 0 1jemand
0 1 0 1 0 hinterlsst,
1 0 1 0 1 0 1 0muss
1 0 1 0er1 0 1 0
1 0 1Internet
0 1 0 1 0 1verndert
0 1 0 1 0 1 0unsere
1 0 1 0 1Arbeitswelt.
0 1 0 1 0 1 0 1 0Immer
1 0 1 0 1weni0 1 0 1 0 1dass
0 1 0sensible
1 0 1 0 1 0persnliche
1 0 1 0 1 0 1 0Daten
1 0 1 0 in
1 0falsche
1 0 1 0 1 Hnde
0 1 0 1 0geraten.
10101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0tionen
1 0 1 0 1 0fr
1 0 1alle,
0 1 0 1dezentral,
0 1 0 1 0 1 0 1ohne
0 1 0 1 0selbst
1 0 1 0 1entscheiden
010101010
101010
0 1 0 1 0weil
1 0 1 0solche
1 0 1 0 Spuren
10101010
1 0Menschen
1 0 1 0 1 0 1 0sind
1 0 1 fest
0 1 0angestellt,
1 0 1 0 1 0 1 0immer
1 0 1 0 1mehr
0 1 0 1arbeiten
0 1 0 1 0 1 0 1Der
0 1 0Terror
1 0 1 0 ist
1 0 1lngst
0 1 0 1auch
0 1 0 1im
0 1Netz
0 1 0 1angekommen.
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Frher
0101010101010
ger
knnen
1gerade
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Kommerz
1 0 1 0 1 0 1 und
0 1 0 1Hierarchien.
0 1 0 1 0 1 0 1 0Inzwi1 0 1 0 1 0hufig
1 0 1 0 1 0zur
1 0 1Erstellung
0 1 0 1 0 1 0 1von
0 1 0Persnlichkeitsprofilen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1und
01010
1 0 1 0 1 0 1 0oder
1 0 1 0Soloselbststndige
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1on
0 1 demand.
0 1 0 1 0 1 0Das
1 0 1 0 1waren
0 1 0 1 Hacker
0 1 0 1 0 1die
0 1Teenage-Nerds
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0von
1 0 1nebenan,
0101010
1 0 1 0ge1010101010
heute
als1 0Freiberufler
1 0 1 0 1 0 1 0 1schen
0 1 0 1 0steht
1 0 1 0die
1 0 1Digitalisierung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0fr
1 0 1die
0 1 0Herrschaft
1 0 1 0 1 0 1 0der
1 0 1 0Verhaltensbeeinflussung
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 benutzt
0 1 0 1 0 1werden.
0 1 0 1 0 1Deshalb
0 1 0 1 0 1sollten
0101010
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
schafft mehr Flexibilitt, aber auch das Risiko, zum digi- hen die Cyberattacken von Kriminellen, Terroristen oder0 1 0 1 0 1 0 1 0
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
talen
Tagelhner
Pseudonym
1 0 1 0 1 0 1 0 1Kennzahlen,
0 1 0 1 0 1 0 1 0die
1 0 konomisierung
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1aller
0 1 0Lebensbereiche.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0viele
1 0 1 0Onlinedienste
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 auch
1 0 1 0anonym
1 0 1 0 1 0 1oder
0 1 0mit
1010
1010101010
1010
1 0 1 0 1 0 1 0zu1 0werden
1 0 1 0 1 0 1 ohne
0 1 0 1 jede
0 1 0 1soziale
0 1 0 1 0Sicher1 0 1 0 1 0 1fremden
0 1 0 1 0 1Geheimdiensten
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1aus.
0 1 0Wer
1 0 1 0sensible
1 0 1 0 1 0Daten
1 0 1 0 spei101010101010
heit.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 Weil
0 1 0 1die
0 1 Digitalisierung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0mit
1 0 1dem
0 1 0Neoliberalismus
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0ein1 0 1 0nutzbar
1 0 1 0 1 0sein.
1 0 1 0Auerdem
1 0 1 0 1 0 1 brauchen
0 1 0 1 0 1 0wir
1 0 1Transparenz:
0 1 0 1 0 1 0 1 0Jeder
101010
1 0 1Und
0 1 0 wenn
1 0 1 0 1Arbeitsauftrge
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0per
1 0 Online-Auktion
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0ver1 0 1 0 1chert
0 1 0 1oder
0 1 0digitale
1 0 1 0 1 0Dienstleistungen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0der
1 0 1Daseinsvorsorge
0101010101010101010
geben
1 0 1 0 1 0 1 0 1herging,
0 1 0 1 0 1 wurde
0 1 0 1 0viel
1 0 1zu
0 1lange
0 1 0 1 auf
0 1 0eine
1 0 1 demokratische
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Re1 0 1 0muss
1 0 1 0ein
1 0 1Recht
0 1 0 1 haben
0 1 0 1 0zu1 0wissen,
1 0 1 0 1was
0 1 0andere
1 0 1 0 1ber
0 1 0 ihn
1 0 1 ge01010
1 0 1 0und
1 0 1 0Handwerker
1 0 1 0 1 0 1 0 1 oder
0 1 0 1Haushaltshilfen
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1in0 1einen
0 1 0 1 0 1erbringt,
0 1 0 1 0 1 muss
0 1 0 1 diese
0 1 0 1 kritische
0 1 0 1 0 1 0Infrastruktur
1 0 1 0 1 0 1 0 1 auch
0 1 0 1 beson0101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1gulierung
0 1 0 1 0 1 0verzichtet.
10101010
1 0 1Technikgestaltung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0durch
1 0 1 0Recht
1 0 1 0 1 0speichert
1 0 1 0 1 0 1haben,
0 1 0 1 0und
1 0 1die
0 1 Berichtigung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 falscher
1 0 1 0 1 0Daten
1 0 1 0 1ver01010
1 0 1 0 1 0Wettbewerb
1 0 1 0 1 0 1 0 1getrieben
0 1 0 1 0 1 0werden,
1 0 1 0 1 0dann
1 0 1 0brauchen
1 0 1 0 1 0 1 0 1ders
0 1 0sichern.
1 0 1 0 1 0Datensicherheit
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1ist
0 1Grundrecht
0 1 0 1 0 1 0 1 und
0 1 0 Grund10101010101010
ruinsen
Eine
1 0 1 0 1 0 1 0 1fand
0 1 0 kaum
1 0 1 0 1statt.
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0langen
101010
1 0 1 0 1 0Weil
1 0 1 0digitale
1 0 1 0 1 Informationen
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0auch
1 0 1 0noch
101010
1 0ein
1 0 1Dumping-Verbot
0101010101010
1 0 1 0 1 0 Auch
1 0 1 0 1in0 1der
0 1 digi
0 1 0 1 0 1pflicht
0 1 0 1 0 1bei
0 1 0Smartcars,
1 0 1 0 1 0 1 also
0 1 0vernetzten
1 0 1 0 1 0 1 0Fahrzeugen,
1 0 1 0 1 0 1 0 1wird
01010101010
wir
im1 0Internet.
knnen.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 Heute
0 1 0 1 0nutzen
1 0 1 0 1 0wir
1 0 fasziniert
1 0 1 0 1 0 1 viele
0 1 0 1der
0 1 0digitalen
1 0 1 0 1 0 Mg1 0 1 0 1 0nach
1 0 1 0Jahrzehnten
1 0 1 0 1 0 1 0 weltweit
1 0 1 0 1 0 1mit
0 1 0wenigen
1 0 1 0 1 0Klicks
1 0 1 0auffindbar
1010101010
1 0 1 Welt
0 1 0 1muss
0 1 0 1es0 fr
1 0 1gute
0 1 0Arbeit
1 0 1 0 1eine
0 1 0menschenwrdige
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1sie
0 1sogar
0 1 0 1lebenswichtig
0 1 0 1 0 1 0 1 0 werden.
10101010101010101010101010101010
talen
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
lichkeiten und schaudern doch zugleich angesichts der sind, muss es ein Recht auf Vergessenwerden geben. Da- Bezahlung geben.
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1Kollateralschden:
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0von
1 0 1 der
0 1 0zunehmenden
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Auflsung
1 0 1 0 1 0 1 0un1 0 1 0mit
1 0 1etwa
0 1 0 1Jugendsnden
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1nicht
0 1 0 1zur
0 1 0lebenslangen
1 0 1 0 1 0 1 0 1Belastung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Artikel
0 1 0 1 012
101010101010101010101010101010101010101010
Artikel
1 0 1 0 1 0 1 0 1serer
0 1 0 Privatsphre
1 0 1 0 1 0 1 0 1ber
0 1 0 die
1 0 1Manipulierbarkeit
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 menschliches
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0werden,
1 0 1 0 1 0drfen
1 0 1 0 1Suchmaschinen
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0dann
1 0 1 bestimmte
0 1 0 1 0 1 0 1personen
010101010
1 0 1 0 180 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Die
0 1 0Staaten
1 0 1 0 1 schaffen
0 1 0 1 0 1 0ein
1 0 Vlkerrecht
1 0 1 0 1 0 1 0 1 des
0 1 0Netzes,
101010101010101010
die
Alle
1 0 1 0 1 0 1 0 1Verhaltens
0 1 0 1 0 1 0 1bis
0 1 0hin
1 0 1zur
0 1 0Machtflle
1 0 1 0 1 0 1 0der
1 0 1fnf
0 1 0 Oligarchen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0bezogene
1 0 1 0 1 0 1Eintrge
0 1 0 1 0 1nicht
0 1 0 1mehr
0 1 0 1anzeigen.
010101010101010101010
1 0 1Urheber
0 1 0 1 0 1und
0 1 0 ausbenden
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Knstler
1 0 1 0 1 0haben
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1um
010
1 0Freiheit
1 0 1 0 1 0des
1 0 1Internets
0 1 0 1 0 1 0weltweit
1 0 1 0 1 0zu
1 0sichern.
101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1d0es1 0Westens
1 0 1 0 1 01 0Amazon,
1 0 1 0 1 0 1Apple,
0 1 0 1 0Facebook,
1 0 1 0 1 0 1 0Google
101010
1010101010101010101010101010101010101010101010
1 0Recht
1 0 1 0 1auf
0 1 0einen
1 0 1 0fairen
1 0 1 0 1Anteil
0 1 0 1 0an1 0den
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Seit
0 1 0Edward
1 0 1 0 1 Snowden
0 1 0 1 0 1 0und
1 0 1 dem
0 1 0 1NSA-Skandal
0 1 0 1 0 1 0 1 0 wissen
1 0 1 0 1 wir,
01010101010
das
und
1 0 1 0 1 0 1 0 1Microsoft.
0 1 0 1 0 1 0 1Der
0 1 0Internet-Philosoph
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Evgeny
1 0 1 0 1 Morozov
0 1 0 1 0 1 0hat
1 0 1 0Artikel
1 0 1 0 1 041 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 0 1 0 1 0der
1 0 1digitalen
0 1 0 1 0 1 0Nutzung
1 0 1 0 1 0 ihrer
1 0 1 0 Werke.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1dass
0 1 0der
1 0 1digitale
0 1 0 1 0 1Leviathan
0 1 0 1 0 1 0nicht
1 0 1 0 nur
1 0 1 0im
1 0Silicon
1 0 1 0 1 0Valley
101010101010
Ertrgen
1 0 1 0 1 0 1 0 1es
0 1auf
0 1 0den
1 0 1Punkt
0 1 0 1 0gebracht:
1 0 1 0 1 0 Die
1 0 1 0digitalen
1 0 1 0 1 0 1Technologien
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Kein
1 0 1 0Mensch
1 0 1 0 1 0darf
1 0 1 0zum
1 0 1 Objekt
0101010101010101010101010
1 0 1 0nie
1 0hatten
1 0 1 0 1so
0 1viele
0 1 0 Menschen
1 0 1 0 1 0 1 0zu
1 0so1 0viel
1 0 Wissen
1 0 1 0 1 0und
1 0 1 0 1lauert.
01010
1 0 1 0Staaten
1 0 1 0 1bleiben
0 1 0 1 0 eine
1 0 1 0Gefahr
1 0 1 0 1fr
0 1 0die
1 0Freiheit,
10101010101010
Auch
Noch
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
wenn sie an den Knotenpunkten des Internets ungezgelt
Kultur
aber
1 0 1 0 1 0 1 0 1sind
0 1 0 unsere
1 0 1 0 1 0beste
1 0 1 0Hoffnung,
10101010
1 0 1auch
0 1 0 1unser
0 1 0 1schlimms0 1 0 1 0 1 0 1 0eines
1 0 1 0Algorithmus
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0werden.
1010101010101010101010101010
1 0 1 0 so
1 0 einfach
1 0 1 0 1 0Zugang
1 0 1 0 1 0wie
1 0 1heute.
0 1 0 1 0Das
1 0 1verdanken
0 1 0 1 0 1 0 wir
1010101010101010101010101010101010101010101010101010
der
Digitalisierung.
Zugleich
ist
geistiges
Eigentum
in
der
In
Zeiten
von
Big
Data
werden
aus
Analysen
vergangenen
ter
Feind.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1E-Mails
0 1 0 1 0 1mitlesen
0 1 0 1 0 1 0oder
1 0 1 0unser
1 0 1 0Surfverhalten
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 aussphen.
1010101010101010
digitalen
besonders
Nach
Grundfrage
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 Wir
0 1 0 mssen
1 0 1 0 1 0daher
1 0 1 0schleunigst
1 0 1 0 1 0 1 0eine
1010
1 0 1 0 1 0 1 0beant1 0 1 0 1 0Verhaltens
1 0 1 0 1 0 1 0Prognosen
1 0 1 0 1 0 1 0fr
1 0 die
1 0 1 Zukunft
0 1 0 1 0 1 0erstellt.
1 0 1 0 1 Aber
0 1 0 1 der
01010
1 0 1 0 1 0Welt
1010
1 0 1 0 1 0 1verletzlich
0 1 0 1 0 1 0geworden.
10101010
1 0 1 0dem
1 0 1 0 1Das
0 1 0Vlkerrecht
1 0 1 0 1 0 1 0wurde
1 0 1 0 1vor
0 1 400
0 1 0Jahren
1 0 1 0 1geschaffen,
0 1 0 1 0 1 0 1um
0 1 0die
1010101010
0 1 0 1 0 11Wie
00 11 00 1wollen
110011leben?
0011001100Und
11001100
11001100mssen
110011001100
11001100Mensch
1 1001 1001 1001ist
1 1001 10Datenprofil,
01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Grundsatz
100110011001100sollten
1 0 1 0 1 0 1 0 1worten:
1 00 11 00 1100wir
1001mehr
1001 1001 10als
01 100sein
01 1001 0
1 01 0
1 01 01 01 und
0011001100110011Vergten
0011001100110011statt
0011001verbieten
11001100 11 00 11Freiheit
00 11 00 11 00 der
11 00 11Meere
00 11 00 11 00zu
11 0sichern.
1 0 1 0 1 0Die
1 0 1Weltmeere
0 1 0 1 0 1 0 1des
0 1 digita0101010101010
dann
wir
0 1 0 1 0 11 0Eine
00 11 00 11001die
00110011001100
11001100will,
11001100kann
1100110auf
1 1001 1001 1001 1001 10Verhalten
1 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1vor
1 0 1 0 1 0 1 0 1handeln.
0 11 00 11Politik,
10011Relevanz
011001100menschliches
01 1001 1001 1001 lsst
1001 1001sich
1001 0
1 nicht
01 0
1 01 01 0wert001100allem
11001100neue
11001100Bezahlmodelle
11001100110011001100entwickelt
1100110011001100wer1100 11 00 11len
00 11Zeitalters
00 11 00 11 00 11 0011 das
00 11 00ist
11 0das
1 0 Internet,
1 0 1 0 1 0 1und
0 1 0deshalb
101010
10101010101010
brauchen
haben
0 1 0Gestaltung
1 0 11 00 11 00 11 00der
11 00Digitalisierung
1100110011001100110011001national
110011001100neutral
1 1001 1001 10berechnen.
1 1001 1001 0
1001100sich
1 0 1 0 1 0 1 0 1die
100110011001und
1001100trans01 1001 1001 1001 10Jeder
01 1001 100Algorithmus
1 01 0
1 01 01basiert
01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1den,
0011001statt
110011den
001100Auswirkungen
11001100110011001100der
110011Digitali0011001100 11 00 11wir
00 11 00
11 00 11internationale
00 11 00 11 00 11 00 11 0 1Verstndigung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0ber
1 0 1 die
0 1 0Achtung
10101010101010
eine
0 1 0 1 0 1100nicht
11 00 11 00lnger
11 00 110011verzichten.
001100110011001Martin
110011001hat
1 1001 1Annahmen,
001 1001 1001 1001 10die
0
100110011001100entgegenzustemmen.
0 11 00 11 00 1um
1 0 1 sie
1 0 1 0 1 0 1 0 1national
10011001100Schulz
100110
011001100auf
01 1001falsch
1001 1001 oder
1001 1001gar
1 01 0
1diskrimi01 01 01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1sierung
00110011001vergeblich
110011001100110011001100110011001100 11 00 11persnlicher
00 11 00 11 00 11 00 11 0Daten,
010
1 0dem
1010
1 0 1 0 1 0 1 0 1Zugriff
0101010101010
vor
willkrlichen
des1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 11 00 11 00 11 00 11 00 110011001100110011001100110011001100110011001100110011001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 0
1 01 0
1 01 01 01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 100110011001100110011001100110011001100110011001100110011001100 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
zu1 0schtzen.
Wir
0 1 0 in
1 0der
11 00 11ZEIT
00 11 00 11(Nr.
00 110048/15)
11001100110nach
00110011Charta
0011001100der
11001digi1 1001 1001 100sein
1 1001 10knnen.
1 1001 10brauchen
01 01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 100110011001100110011001100110011001100110011001100110011001100 11 00 11von
1 0 1 0 1 0 1 0 1halb
0110011einer
10011001100nierend
01 1001 1001 100
01 1001 0
1 01 0
1 01deshalb
00 11 00Geheimdiensten
11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 0
101010101010101010101010101010
Artikel
9
einen
Algorithmen-TV,
der
die
Lauterkeit
talen
Grundrechte
gerufen.
Recht
hat
er!
Starten
wir
die
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 11 00 11 00 11 00 11 00 110011001100110011001100110011001100110011001100110011001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 0
1 01 0
1 01 01 01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 100110011001100110011001100110011001100110011001100110011001100 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
Hier
0 1 0 1 0 11 0
00 11 0Anfang:
1 1001 1Programmierung
001 1001 1001 1001 1001 1001 10gewhrleistet
0
01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Der
10011001gewhrleistet
1001100110011001100die
1 0 1 0 1 0 1 0 1Debatte.
0 11 00 11ein
0 11001100110011001100110011001100110011001100110011001100der
01 1001 1001 1001 0
1 01 und
1 01 01 01auch
0011001Staat
110011Netzneutralitt.
0011001100110011001100 11 00 11Artikel
00 11 00 11 0013
11 00 11 00 11 00 11 00 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 1001 1001 1001 100dass
1 1001 10unsere
01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Gleichheit
0110011001100Zeitalter
100 11 00 11Jeder
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 11 00 11 00 11 00 11 00 11001100110011001100110011001100110011001100110011001100sicherstellt,
01 1001 1001Handlungs1001 1001 1001 0
1 01 0
1und
01 01 01Ent0011001100110011im
00110
110011001100bedeutet
1100110011001vor
00 11 00 11Mensch
00 11 00 11 00 11hat
00 11 00das
11 0 Recht
1 0 1 0 1auf
0 1 0eine
1 0 1 analoge
0 1 0 1 0 1 Welt.
010101010101010
digitalen
010101
11 00 11 00 11 00 11 00 11001100110011001100110011001100110011001100110011001100scheidungsfreiheit
1 1001 1001 1001 1001 1001 1001 10nicht
1 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1allem
0 11 00 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 0 1 0 1 0 1 0 1Artikel
01 1001 1001manipuliert
1001 1001 0
1 01 0
1 01 01 0wird.
0011001100
1100110011001100110011das
001100heit,
1100110011alle
001100Daten11001100 11 00 11Niemand
00 11 00 11 00 11 00darf
11 00 11 0
1 0 1 0 1 0 1 0 1 werden,
010101010101010
ungerechtfertigt
benachteiligt
Netzneutralitt,
Heiko Maas (SPD)
0 1 0 1 Mensch
0 11 00 11 00 11hat
00 11 00das
11001Recht
1 1001 1001 1001 100
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
1 0 1 0 1 0 1 0 1Jeder
100110011001100110011001100110011001100110011001100Maschinen
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
haben keine eigene Ethik und emp- ist Bundesminister pakete mssen mit der gleichen Geschwindig- weil er digitale Dienstleistungen nicht nutzt. 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 00 11 0 eine
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 11 00 11 00 11 00 11 00 110011001100110011001100110011001100110011001100110011001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 0
1 01 0
1 01 01 01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 100110011001100110011001100110011001100110011001100110011001100 11 00 11Freiheit
11 00 11stets
00 11 00 1auch
1 0 1 0negative
1 0 1 0 1 0Dimension
1 0 1 0 1 0 1 0und
1 0 1gibt
01010101010
keit und Qualitt bertragen werden. Wir 00 11 00 11 00 hat
finden keine Empathie. Nachteilige
Entscheiauf Zugang zum Internet.
0 1 Justiz
0 1 0 1 0und
1 0 fr
1 0 1 0 100110011001100110011001100110011001100110011001100110011001100 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 11 00 11 00 11 00 11 00 110011001100110011001100110011001100110011001100110011001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 0
1 01 0
1 01 01 01 01 01 01 1 0 1der
geht
0 1 0 1 0Internet
11 00 11 00 11 00
11 00 11es
0011nicht.
001100110Die
11001100110011auf
001100Einkom1100110011001100dungen
1 1001 1001 10drfen
0
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1brauchen
0110011001100bei
1 0 1 0 1 0 1 0 1Ohne
01100Chancen
01 1001 1001daher
1001 1001nicht
1001 1001allein
1001 1001von
1 01 0
1Algorith01 01 01 01 01 01 1 0Verbraucherschutz
00110011001100ein
1100offenes
11001100110Internet,
1100dem
11001100die
1100An1100 11 00 11uns
00 11 00das
11 00 11Recht,
00 11 00 11 00etwas
11 00 11 0 nicht
1 0 1 0 1zu
0 1tun.
0 1 0 Das
1 0 1 0muss
1 0 1 0auch
1 0 1 0im
1010101010
Zeitalter
der
Digitalisierung
gelten.
Eine
Fahrkarte
bieter
entscheiden,
was
ins
Netz
kommt,
und
men
getroffen
werden.
Wir
drfen
nicht
blind
men,
Wissen,
Teilhabe
hngen
immer
strker
vom
Zu1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 11 00 11 00 11 00 11 00 110011001100110011001100110011001100110011001100110011001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 1001 0
1 01 0
1 01 01 01 01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 100110011001100110011001100110011001100110011001100110011001100 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 00 11 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1kau01010101010
0 1 0 1zum
0 11 00 1Netz
00110011001100110011im
00110digitalen
1100110011001100auf
1 1001Statistiken
1 1001Data
01 01 01 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1die
10011001100Inhalte
01100wahrnehmen
1 0 1 0 1 0 1 0 1gang
1 00 11 00 1ab.
1 00 11Gerechtigkeit
0110011001100Zeitalter
1001 1001 1001 1001und
1001 100Big
1001 1001vertrauen,
1001 0
1 01 0
1 01 01 01denn
001100Kunden,
1100110011001welche
11001100110sie
1100110011001100 11 00 11fen,
00 11 00einen
11 00 11 00Reisepass
11 00 11 00 11 00 11beantragen,
0 1 0 1 0 1 0 1 0eine
1 0 1Kontoberweisung
010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1heit
0 1 0 1daher
0 1 0 1 auch:
0 1 0 1 0die
1 0soziale
1 0 1 0 1Spaltung
0 1 0 1 0 1 0bei
1 0der
1 0 1Digitalisie0 1 0 1 0 1 0 1 0eine
1 0 1 0richtige
1 0 1 0 1 Entscheidung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1muss
0 1 0 1nicht
0 1 0 1nur
0 1 0effizient,
1 0 1 0 1 0 son101010
0 1 0nicht
1 0 1 0die
1 0 Netzbetreiber.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 Ein
1 0 1 Zwei-Klassen-Internet
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1vornehmen
0 1 0 1 0 1 0 10 so
1 0etwas
1 0 1 0 muss
1 0 1 0 auch
1 0 1 0mglich
1 0 1 0 1 0 bleiben,
1 0 1 0 1 0 ohne
101010101010
1aber
1 0 1 0auch
1 0 1 0gerecht
1 0 1 0 1sein.
01010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1rung
0 1 0 1berwinden.
0 1 0 1 0 1 0 1 0Whrend
1 0 1 0 1 0 Gutverdiener
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0und
1 0 1Menschen
0 1 0 1 0 1 0 1 0dern
1 0 1 0dazu
1 0 1 0fhren,
1 0 1 0 1dass
0 1 0kommerzielle
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Inhalte
1 0 1 0 1noch
0 1 0 1mehr
0 1 0 1 0 1ein
0 1 teures
0 1 0 1 0Smartphone
1 0 1 0 1 0 1 0 1zu
0 1kaufen,
0 1 0 1 0 1und
0 1 0es1 0darf
1 0 1 auch
0 1 0 1nie01010101010
wrde
01010101010101010101010101010101010101010101010
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1mit
0 1 0hohem
1 0 1 0 1 Bildungsgrad
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1in
0 1Deutschland
0 1 0 1 0 1 0 1 0zu
1 0fast
1 0 195
0 1 Prodominieren, aber wir die Videos der gyptischen Brger- mand benachteiligt werden, weil er keinen Facebook-
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Account besitzt. Das ist nicht nur ein Minderheitenrecht
rechtler
1 0 1 0 1 0 1 0 1zent
0 1 0 online
1 0 1 0 1 sind,
0 1 0 1ist
0 1von
0 1 0den
1 0 1 Menschen
0 1 0 1 0 1 0 1mit
0 1 0Hauptschul1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Artikel
1 0 1 0 1 051 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 0 1 0 1mit
0 1 0den
1 0 1bergriffen
0 1 0 1 0 1 0 1vom
0 1 0 Tahrir-Platz
1 0 1 0 1 0 1 0 1wohl
0 1 0 1kaum
01010101010101010101010101010101010101010101010101010
gesehen
1 0 1 0Jeder
1 0 1 0 Mensch
1 0 1 0 1 0 hat
1 0 1 das
0 1 0Recht,
1 0 1 0 1seine
0 1 0 1Meinung
1 0 1 0 1 htten.
0 1 0 1 0 Es
1 0 ist
1 0 gut,
1 0 1 0dass
1 0 1das
0 1 0Europaparlament
1 0 1 0 1fr
0 1 alle
0 1 0Digitalverweigerer,
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0sondern
1 0 1 0 1 0auch
1 0 1 0ein
1 0 Gebot
1 0 1 0 1 0der
1010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1abschluss
0 1 0 1 0 1 0oder
1 0 1 0einem
1 0 1 0Monatsnetto
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0unter
1 0 1 01000
1 0 1 0Euro
1 0 1 0nur
0 1 0 1 0 1 0im
1010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0sich
sozialen
Gerechtigkeit

zum
Beispiel
im
Interesse
grundstzlich
zur
Netzneutralitt
bekannt
hat.
Internet
frei
zu
uern
und
zu
verbreiten
und
sich
gut
die
Hlfte
im
Netz

Tendenz
fallend!
Nicht
nur
der
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 von
01010101010
0 1 0 1Senioren,
0 1 0 1 0 1 0die
1 0 keine
1 0 1 0 Digital
1 0 1 0 1 0Natives
1 0 1 0 1 mehr
0 1 0 1 werden.
010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1Netzausbau
0 1 0 1 0 1 0 1 0ist1 0ntig,
1 0 1 0auch
1 0 1 0der
1 0 tatschliche
1 0 1 0 1 0 1 0 1und
0 1 0faire
1 0 1 0Zu1 0 1 0aus
1 0 1allgemein
0 1 0 1 0 1 0 zugnglichen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 Quellen
1 0 1 0 1 0 1ungehindert
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1vielen
1 0 1 0 1 0 1 0 1gang
0 1 0 1fr
0 1 alle
0 1 0muss
1 0 1 0Realitt
1 0 1 0 1 0werden.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0zu
1 0 unterrichten.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 Eine
1 0 1 0Zensur
1 0 1 0 1 0findet
1 0 1 0nicht
1 0 1 0 statt.
101010101010
1 0 1 0 110
01010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Artikel
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Kommt
1 0 1 0 1 0 Ihnen
1 0 1 0 1 das
0 1 0bekannt
1 0 1 0 1 0 vor?
1 0 1 0Artikel
1 0 1 0 1 05 1 des
0 1 0Grund
10101010
1 0 1 0 1 0 darf
1 0 1 0seine
1 0 1 0wirtschaftliche
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 Macht
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 ie
1 0grte
1 0 1 0 1 Herausforderung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 der
0 1 0Digitalisierung
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 10 1 0 1 0 1 0 1 0
Niemand
1 0 1 0 1 0 1 0 1Artikel
010102
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0gesetzes
1 0 1 0 1 0lautet
1 0 1 0ganz
1 0 1 0hnlich.
1 0 1 0 1 0Das
1 0 1Internet
0 1 0 1 0 1bietet
01010
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1 0 1 formuliert
0 1 0 1 0 1 0 10 1 0 1 0 1 0 1 0
mit dem missbrauchen. Der Staat verhindert Monopole und
so hat es Frank Schirrmacher einst
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Kartelle;
Machtasymmetrie
1 0 1 0 1 0 1 Zugang
0 1 0 1 0 1und
0 1 0Austausch
1 0 1 0 1 0 1 von
0 1 0Informationen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1und
01010
1 0 1 0 1 0er
1 0frdert
1 0 1 0 1 Vielfalt
0 1 0 1 0 1und
0 1 0 Wettbewerb.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 bestehe
1 0 1 0 1 0 darin,
1 0 1 0 1 0wie
1 0 1wir
0 1 0die
1010
10101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1Jeder
0 1 0 1 Mensch
0 1 0 1 0 1 hat
0 1 0das
1 0 1Recht,
0 1 0 1 0ber
1 0 1 0seine
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0einfachen
Wenn
1 0 1 0 1 0 1 0 1persnlichen
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Daten
0 1 0 1 0selbst
1 0 1 0zu
1 0bestimmen.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0durch
1 0 1 0 1 die
0 1 0Vernetzung
1 0 1 0 1 0 1 0 1von
0 1 0Minderheiten
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1ein
0 1 0enormes
10101010
1 0 1 0Edeka
1 0 1 0 1und
0 1 0Tengelmann
1 0 1 0 1 0 1 0 1 fusionieren
0 1 0 1 0 1 0 1 0wollen,
1 0 1 0 1dann
0 1 0 1 0 1zwischen
0 1 0 1 0 1 uns
0 1 0 Normalbrgern
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0und
1 0 1 den
0 1 0 Internetgiganten
10101010101010101010
schreiten
1 0 1 0 1 0 1 0 1Daten
0 1 0 1 0sind
1 0 1angeblich
0 1 0 1 0 1 0das
1 0 1l
0 1des
0 1 021.
1 0Jahrhunderts.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Wenn
1 0 1 0 1 0Freiheitspotenzial.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 Das
0 1 0 mssen
1 0 1 0 1 0wir
1 0 1schtzen,
0 1 0 1 0 1 0gerade
1 0 1 0 1weil
01010
1 0 1 0 1 0unsere
1 0 1 0 1Kartellwchter
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1ein,
0 1 0damit
1 0 1 0es
1 0auch
1 0 1 0knftig
1 0 1 0 1 0 1demokratisieren,
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1ohne
0 1 0 1dadurch
0 1 0 1 0 1 0die
1 0 Vorteile
1 0 1 0 1 0 der
1 0 1 0neuen
101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Regime
1 0 1 0 1 0es1 0so1 0sehr
1 0 1 0frchten.
10101010
1 0 1 0 1 0 1 0 zwischen
1 0 1 0 1 0 1 den
0 1 0 Supermrkten
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1gibt.
0 1 0tun
1 0 1 0 1Technologie
010101010
1 0 1 0 1 0Damit
1 0 1 0 1 das
0 1 0gelingt,
1 0 1 0 1 0mssen
1 0 1 0 1sich
01010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1das
0 1 0 stimmt,
1 0 1 0 1 0 1betreiben
0 1 0 1 0 1 0all
1 0 1diejenigen,
010101010
1 0 behaupten,
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0autokratische
1 0 1 0 1 0 Dass
1 0 1 0 digitale
0 1 0 1Was
Wettbewerb
die
zu1 0verlieren.
1 0 1 0 1 0 1 0 1Daten
0 1 0 1 s0chutz
1 0 1 0sei
1 0im
1 0digitalen
1 0 1 0 1 0 Zeitalter
1 0 1 0 1 0 1obsolet,
0 1 0 1 0 unsere
1 0 1 0 1Ent0 1 0 1 0Gegenffentlichkeit
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 auch
1 0 1 0bei
1 0 1uns
0 1 0wichtig
1 0 1 0 1 0ist,
1 0hat
1 0 1gerade
0101010
1 0aber,
1 0 1 0wenn
1 0 1 0 Google
1 0 1 0 1 0in
1 0Deutschland
1010101010
1 0 1 0 1 0aller
1 0 1 0 1die
0 1 Staaten
0 1 0 1 0 1wieder
0 1 0 1 0auf
1 0 ihre
1 0 1 0Handlungsmglichkeiten
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0be1010101010
wir
951 0Prozent
1 0 1 0 1sinnen
0 1 0 1 0und
1 0 1ihre
0 1 0demokratische
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Macht
1 0 1 0 1nutzen.
010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1eignung.
0 1 0 1 0 1 0Daten
1 0 1 0 sind
1 0 1 0ein
1 0 Teil
1 0 1 unserer
0 1 0 1 0 1Persnlichkeit,
01010101010
1 0 1 0das
1 0 1Olympia-Referendum
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1in0 Hamburg
1 0 1 0 1 0 1 0gezeigt.
1 0 1 0 1 Alle
0 1 0 1Par01010
1 0 1 0 1 0 1 0 1abwickelt?
0 1 0 1 0 1 0 Bei
1 0 1diesem
0 1 0 1 0Quasi-Monopol
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0sollSuchanfragen
des0 1 0 1 alle
0 1 0Angebote
10101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
0 1 0 Neutralitt
1 0 1 0 1 0 1 0sichergestellt
1 0 1 0 1 0 1 0 1 sein,
0 1 0 1damit
10101010101010101010101010101010101010101010101010101010
halb muss es dabei bleiben: Ohne die freiwillige Einwilli- teien und klassischen Medien waren pro Olympia aber te1eine
Als die Vereinigten Staaten in den 1930er Jahren in der
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
diskriminierungsfrei
auffindbar
sind.
Um
den
Wett
den
Mehrheitswillen
der
Menschen
hat
die
Nein-Kamgung
des
Betroffenen
darf
grundstzlich
niemand
dessen
Krise
seinen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1steckten,
0 1 0 1 0 1 0hat
1 0 1Franklin
0 1 0 1 0 1 D.Roosevelt
01010101010
1 0 1 0 New
101010101010
bewerb
1 0 1 0 1reprsentiert,
0 1 0 1 0 1 0 1 0die
1 0 1sich
0 1 0im
1 0 1 0 1 0 1 0 1Daten
0 1 0 1 0nutzen.
1 0 1 0 1 Souvern
0 1 0 1 0 1 0ist,
1 0 1wer
0 1 0ber
1 0 1die
0 1 0Nutzung
1 0 1 0 1 0seiner
1 0 1 0 1 0pagne
1 0Internet
1 0 1 0 1 0organisiert
1 0 1 0 1 0 1 0hat.
101010
1 0 1 0 1zu
0 1 frdern
0 1 0 1 0 1und
0 1 0neuen
1 0 1 0 1Anbietern
0 1 0 1 0 1 0 bessere
1 0 1 0 1 0Markt1 0 1 0 1 0 1Deal
0 1 0 gestartet.
1 0 1 0 1 0 1 Er
0 1 0hat
1 0 die
1 0 1 Menschen
0 1 0 1 0 1 0 1nicht
0 1 0 1 lnger
0 1 0 1 0allein
101010101010
chancen
01010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 zu
0 1 geben,
0 1 0 1 0brauchen
1 0 1 0 1 0 1wir
0 1 auch
0 1 0 1mehr
0 1 0 1Datenportabi0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1den
0 1 0Mrkten
1 0 1 0 1 0 berlassen.
1 0 1 0 1 0 1 0 1Er
0 1hat
0 1 0den
1 0 1 Staat
0 1 0 1 zum
0 1 0 1Akteur
0101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1Daten
0 1 0 1 0selbst
1 0 1 0bestimmt.
1 0 1 0 1 0 1 Fr
0 1 0diese
1 0 1 0Datensouvernitt
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1ms1 0 1 0 1 0 1 0 1sen
0 1 0aber
1 0 1 Einwilligungen
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0verstndlicher
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 als
1 0 1bisher
0 1 0 1 formu0 1 0 1 0 1 0Artikel
1 0 1 0 1 061 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0
1 0 1also
0 1 0das
1 0Recht,
1 0 1 0 1die
010
1 0 1 0 1Daten
0 1 0 1 0beim
1 0 1 Wechsel
0 1 0 1 0 1 eines
0 1 0 1 0 1gemacht
0 1 0 1 0 1und
0 1 0sich
1 0 1 dafr
0 1 0 1 als
0 1 0Kommunist
1 0 1 0 1 0 1 0beschimpfen
1010101010
1010101010
litt,
eigenen
las1 0 1 0 1 0 1 0 1liert
0 1 0 1werden.
0 1 0 1 0 1 Mit
0 1 0 1einem
0 1 0 1 0einzigen
1 0 1 0 1 0 1Ja/Nein-Klick
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1ber
0 1 01 0Das
1 0 1 0Recht,
1 0 1 0 seine
1 0 1 0 1Meinung
0 1 0 1 0 1 0im
1 0Internet
1 0 1 0 1 0zu
10101010101010
1 0 1 0 1 0 mitzunehmen.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Auerdem
0 1 0 1 0 1 0 1sind
0 1 0offene
1 0 1 0 1Schnitt0 1 0 1 0 1 0 1sen.
0 1 0Im
1 0 Interesse
1 0 1 0 1 0 1der
0 1 0Mehrheit
1 0 1 0 1 0 1hat
0 1 0er1 0den
1 0 1Konflikt
0 1 0 1 0 1 mit
01010101010
Anbieters
1 0 1 0uern,
1 0 1 0 1 0befreit
1 0 1 0 1 niemanden
0 1 0 1 0 1 0 1 0davon,
1 0 1 0 1die
1 0 1 0und
1 0 1 Interoperabilitt
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1wichtig,
0 1 0 1 0 damit
1 0 1 0 1 0 1 0 1den
0 1 0Mchtigen
1 0 1 0 1 0 1 0nicht
1 0 1 0gescheut.
1 0 1 0 1 0 Aber
1 0 1 0 am
1 0 1Ende
0 1 0 1hat
0 1 0er1 0die
1010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1seitenlange
0 1 0 1 0 1 0 1 0Allgemeine
1 0 1 0 1 0 1 0Geschftsbedingungen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1zu
010
01010101010101010
1 0 1 0 1man
0 1 0 Produkte
stellen
ent101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
verschiedener Anbieter an seinen Gerten nutzen kann.
Gesetze
Persnlichkeitsrecht
0 1 0 1 0Frage
1 0 1 0in
1 0den
1 0 1 0Griff
1 0 1 0bekommen,
1 0 1 0 1 0 1 0 1ohne
0 1 0 1dabei
0 1 0 1 den
01010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1scheiden
010101
0 1das
0 1 wird
0 1 0 1meinem
0 1 0 1 0 1Ideal
0 1 0 1von
0 1 0Selbstbestimmung
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0allgemeinen
1010101010
1 0 1 0 1 und
0 1 0 1das
010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1soziale
Die
Welt
besteht
nicht
nur
aus
Apple-Produkten!
seiner
Mitmenschen
zu
beachten.
nicht
gerecht.
Jeder
muss
die
Wahlfreiheit
behalten,
sich
Kapitalismus
preiszugeben.
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
ent1 0 1 0 1 0 1 0 1ohne
0 1 0 1Nachteile
0 1 0 1 0 1 0auch
1 0 1 gegen
0 1 0 1 0einzelne
1 0 1 0 1 0Datennutzungen
101010101010
1 0 1 0Das
1 0 1 0Netz
1 0 1 0verleitet
1 0 1 0 1 0leider
1 0 1 0zu
1 0 viele
1 0 1 0 Menschen
1 0 1 0 1 0 1 0zu
1 0 sprach
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Heute
0 1 0 1 0mssen
1 0 1 0 1 0wir
1 0 die
1 0 1 digitale
0 1 0 1 0 1Frage
0 1 0 1 lsen,
0 1 0 1 0ohne
1 0 1 0zu
1010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1scheiden
0 1 0 1 0 1 0zu1 0knnen.
1 0 1 0 1 0 1Mit
0 1 0der
1 0 1neuen
0 1 0 1 0EU-Datenschutz1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0licher
1 0 1 0 1Verrohung.
0 1 0 1 0 1 0 1 0Auch
1 0 1 0wenn
1 0 1 0 Trolle
1 0 1 0 1 und
0 1 0 1Fanatiker
0 1 0 1 0 1 0es1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Maschinenstrmern
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 zu
0 1 0werden.
1 0 1 0 1 0Wir
1 0 1 mssen
0 1 0 1 0 1 Big
0 1 0 Data
101010101010
1 0 1 0wahrhaben
1 0 1 0 1 0 1 0wollen:
1 0 1 0 1 0Das
1 0 1 0 1 0 1 0 1Grundverordnung,
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 die
1 0 1in
0 1diesen
0 1 0 1 0Tagen
1 0 1 0beschlossen
1 0 1 0 1 0 1 0 1wird,
0 1 0 1 0nicht
1 0 1Internet
0 1 0 1 0 ist
1 0 kein
1 0 1 0rechtsfreier
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1demokratische
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 Regeln
0 1 0 1 0 setzen
1 0 1 0 1 und
0 1 0 drfen
1 0 1 0 1 0dies
1 0 1nicht
0 1 0 1ln01010101010
1 0 1 0 1 Auch
0 1 0 1 im
0 1 0Netz
1010
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1
0
1010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1kommen
0 1 0 1 0 1 0wir
1 0diesem
1 0 1 0 1 0Ideal
1 0 1 ein
0 1 0Stck
1 0 1 0nher.
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0Raum.
darf man Hass, Hetze und Beleidiger dem Big Business berlassen. Wir werden um Kon1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0gungen
1 0 1 0 1 0nicht
1 0 1 0 ungestraft
1 0 1 0 1 0 1 0ber
1 0 1 0seine
1 0 1 0Mitmenschen
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1aus0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1flikte
0 1 0 1mit
010
1 0 Global
1 0 1 0 1 0Playern
1 0 1 0 1nicht
0 1 0 1herumkommen,
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1aber
01010101010
den
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1Es
0 1ist
0 1gut,
0 1 0dass
1 0 1 die
0 1 0Justiz
1 0 1 0jetzt
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1wir
0 1 0haben
1 0 1 0 1die
0 1 0Marktmacht
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0von
1 0 1 500
0 1 0 1Millionen
0 1 0 1 0 1 0 1EU-
01010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0schtten.
1 0 1konsequenter
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1eingreift,
wenn
etwa
im
Netz
dazu
aufgerufen
wird,
FlchtBrgerinnen
und
-Brgern
hinter
uns.
Weil
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0wir
1 0 auch
1 0 1 0 in
1010101010
0 1 0 1 0 1 souverne
0 1 0 1 0 1 0 1statt
0 1 0 1determinierte
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Menschen
0 1 0 1 0 1 0 1sein
01010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0lingsunterknfte
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0in
1 0Brand
1 0 1 0 1zu
0 1 stecken.
0 1 0 1 0 1 0Ebenso
1 0 1 0 1tut
0 1 0Face1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1Zukunft
1 0 1 0 1 0 1wir
0 1 0heute
1 0 1 0nicht
1 0 1 0weniger
1 0 1 0 1 0als
1 0einen
1 0 1 0 digi101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0book
1 0 1 0gut
1 0 1daran,
01010
1 0 1 0 1seine
0 1 0 1Verantwortung
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 wahrzuneh0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1wollen,
0 1 0 1 0brauchen
endlich
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0men
1 0 1 0und
1 0 1 Bedrohungen
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 und
0 1 0 1Gewaltaufrufe
0 1 0 1 0 1 0 1 0 1rasch
0 1 0 1 zu
0 1 0l-1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1talen
0 1 0 New
1 0 1 0Deal.
1010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0schen.
1 0 1 0 1Zensur
0 1 0 1 0durch
1 0 1 0 1Private
0 1 0 1 0darf
1 0 1 es
0 1nicht
0 1 0 1geben,
0 1 0 1 0aber
1 0 1 das
010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
Lschen rechtswidriger Inhalte ist keine Zensur, sondern
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0 1 0gleiches
1 0 1 0 1 0Recht
1 0 1 0 fr
1 0 1alle
0 1 0 1analog
0 1 0 1 0und
1 0 1digital.
010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010
101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010101010

Foto: Martin Lengemann/laif

10 POLITIK

10. D E Z E M B E R 2015

FRANKREICH

D I E Z E I T No 5 0

HNIN-BEAUMONT
Calais

Die Siegerin bleibt khl

Lens

Nord-Pas-deCalais-Picardie

Paris
FR ANKREICH

Ein ehemaliger Sozialist whlt rechtsradikal, und Marine Le Pen, die Chefin des Front National, hrt
linke Arbeiterlieder. Frankreichs Regionalwahlkampf birgt bizarre berraschungen auch bse VON GEORG BLUME

sidentschaftswahlen 2012 noch fr Sarkozy entschieden, whlen heute FN. Landesweit erzielt Le
Pen derzeit fast 30 Prozent Zustimmung, allein
zehn Prozent davon hat sie in den drei Jahren der
Amtszeit Hollandes hinzugewonnen. Jetzt braucht
sie nur noch weitere zehn Prozent, zum Beispiel
fnf aus jedem Lager, um sich in eine fast unschlagbare Ausgangsposition fr die Prsidentschaftswahlen 2017 zu bringen.
Die Welt verndert sich. Man muss mit der Zeit
gehen, sagt der aufstrebende Jungpolitiker Ludovic

Hausmeister
unter Hausarrest

eit fast vier Wochen schon leben die Franzosen im Ausnahmezustand. Zu Beginn
war das eher beruhigend. Als die Sicherheitskrfte im Norden von Paris kurz nach den
Attentaten vom 13. November deren Drahtzieher
und zwei seiner Komplizen berwltigten, war es
gut, dass sie keinen Richter nach einem Hausdurchsuchungsbefehl fragen mussten. Kurz darauf beschloss das Parlament, den Ausnahme
zustand auf drei Monate bis zum 26. Februar zu
verlngern, inzwischen wird sogar eine Auswei-

Notstand in Frankreich:
Droht ein Polizeistaat?

lokalen Bestsellers. Vlrick will es gern beweisen,


fhrt durch seine entvlkerte Bergbaustadt Lens,
kennt hier jeden Winkel, grt die wenigen Passanten, zeigt auf abrissreife Backsteinhuser von
ehemaligen Minenarbeitern, die vor Kurzem noch
neue Fenster bekommen hatten: Weil die Fenster
schon bei einem befreundeten Unternehmen bestellt waren, erklrt Vlrick. Er wei das, er war
schlielich Rathaussekretr in Lens und ist deshalb
ein Mann, wie ihn sich der FN nur wnschen
kann: kompetent, brgernah, zugleich durch und
durch Politprofi. Mit Opportunisten wie ihm wird
der FN regierungsfhig.
Frdric Sawicki, Politik-Professor an der Pariser Sorbonne-Universitt, kennt das Phnomen
der Lagerwechsel von links nach rechts. Sawicki,
Jahrgang 1963, stammt selbst aus einer Bergbaustadt unweit von Lens. Jahrzehntelang hat er seine

Wenn es so weiter geht, ist Weihnachten kein Problem. Sonst schon. Nur 1300 Euro netto verdient
Guillaume im Monat beim Umladen von gefrorenem Fleisch. Das ist harte Arbeit, er trgt dabei
Winterkleidung, denn er muss das Fleisch in
25-Kilo-Paketen aus Containern holen, in denen
es bei 60 Grad minus lagert. Lachend zeigt
Guillaume seine Selfies vom Arbeitsplatz. Immerhin hat er gerade einen unbefristeten Arbeitsvertrag
bekommen, und das ist in Frankreich viel wert.
Experten sprechen davon, dass in Frankreich fr
Beschftigte mit unbefristetem Vertrag japanisches
Arbeitsrecht gelte und fr die anderen amerika
nisches. Frher waren die Bergleute fast alle unbefristet eingestellt, heute gibt es kaum noch solche
Stellen; das Prekariat ist zum Normalzustand der
Lohnabhngigen in der Region geworden.
Doch das ist es gar nicht, was Guillaume am
meisten fuchst. Vielmehr ertrgt er es nicht, dass er
heute netto weniger verdient, als er vor ein paar
Jahren als Arbeitsloser bekam. Je mehr man arbeitet, desto schwerer ist das Leben. Ich verstehe
das nicht!, sagt Guillaume. Das sind die Ungereimtheiten von Frankreichs seit langer Zeit nicht
mehr reformiertem Sozialstaat, den weder rechte
noch linke Regierungen anzutasten wagten.
Mein Grovater sagte mir, der FN mache den
Leuten nur Angst. Ich war einverstanden, ich habe
immer die Sozialisten gewhlt, sagt Guillaume.
Doch jetzt sei Schluss: Dieses Mal whle ich Marine. Sie wolle Auslnder rausschmeien, aus Europa aussteigen und sich erst mal um Frankreich
kmmern so versteht er sie. Vielleicht liegt sie
richtig, sagt er noch, und dann kommt der Satz,
den man heute an jeder Caftheke in Frankreich
hrt: Wir haben die Rechte probiert, wir haben
die Linke probiert, uns bleibt nichts anderes, als
Le Pen zu probieren.
Guillaume ist das groe Problem Frankreichs.
Eigentlich ein harmloser Zeitgenosse, tchtig,
franzsischer Billard-Meister in einer unbedeutenden Klasse, tolerant, geschieden von einer algerienstmmigen Frau. Glaub mir, ich bin kein
Rassist, sagt Guillaume, er werde darauf achten,
dass seine Kinder mit 18 Jahren ihre Religions
zugehrigkeit frei whlen knnen. Auch den Islam,
wenns sein muss. Bis dahin gehe er mit seinen
Kindern zwar nicht jeden Sonntag in die Kirche,
dafr aber alle zwei Wochen zum RC Lens ins
Fuballstadion. Normaler geht es nicht. Und Leute
wie er, bislang treue Sozialistenwhler, stimmen
nun fr Le Pen.
Die politische Erzhlung, die bei ihnen verfngt, klingt aus dem Munde der FN-Chefin so:
Keine Vernderung ist mglich, wenn man nicht
die Kpfe tauscht. Das sagte sie am Sonntagabend
vor ihren Anhngern in der Sporthalle Franois
Mitterrand von Hnin-Beaumont. Sie rief ihre
Whler auf, einer politischen Klasse den Rcken
zuzukehren, die sie betrgt. Sodann verspricht sie
ein groes Kollektiv-Projekt, mit dem Frankreich zu seiner alten Gre zurckkehren knne.
Nichts Konkretes. Nichts explizit Radikales.
Le Pen redet wie eine Siegerin, und sie will alle
ansprechen, sie verwendet sogar Schlsselbegriffe
des Pariser Intellektuellendiskurses. Auf ihn spielt
sie an, wenn sie verspricht, dass ihre Partei die verlorenen Territorien der Republik zurckerobern
werde ein Begriff, den der Pariser Publizist und
Philosoph Alain Finkielkraut unentwegt im Munde
fhrt; gemeint sind die Ghettos der Vorstdte.
Immer sicherer, immer gewandter wirkt sie in
diesen Tagen. Fragen nach skandalsen uerungen ihres Vaters, des Grnders ihrer Partei, beantwortet sie einfach nicht mehr. Auch wenn der
Radiomoderator in Frankreichs populrer Morgensendung RTL Matin die Frage drei Mal stellt. Sie
lsst sich nicht aus der Ruhe bringen.
Auch dann nicht, wenn etwas schiefluft. So
Lug und Trug. In Wahrheit habe die Arbeiter wie beim Festumzug in Hnin-Beaumont am verkultur aufgehrt zu existieren. Familien und gangenen Freitag. Da befindet sie sich auf einmal
Schulen versagten als Bildungsinstitutionen, Be- an der Spitze des Umzuges, direkt hinter den mit
triebe bauten Arbeitspltze ab oder machten dicht, militrischem Gleichschritt marschierenden Feuer
Abstiegsngste zerstrten Grundwerte des Zu- wehrleuten. Die Kameras begleiten sie, die Bilder
sammenlebens. Offenheit, Solidaritt und Fort- knnten womglich zu martialisch ausfallen. Soschrittsglaube werden durch Protektionismus, fort wei sich Le Pen zu helfen, dreht sich zur
Xenophobie und Autorittsglaube ersetzt der FN Menge um und ruft eine Gruppe verkleideter
Kinder herbei. Im Nu springen die Kleinen frhist nur ein Ausdruck davon, sagt Sawicki.
Die proletarische Lebenswelt von heute ist bei- lich vor ihr her und die Bilder fr die Kameras
spielsweise die von Guillaume Prybesbiski, 32 Jah- stimmen wieder.
Sie wei, welche Risiken sie vermeiden muss.
re alt, Lagerarbeiter, Vater von zwei Kindern, geschieden und neuerdings FN-Whler. Guillaume Wissen die Franzosen, welches Risiko eine Prsimit dem polnischen Nachnamen ist ein dunkel- dentin Le Pen wre? Regionalwahlen sind keine
blonder Jngling, der viel lacht. Er trgt Kapuzen- Prsidentschaftswahlen. Aber eine Stufe auf der
jacke, Jeans, Turnschuhe und viele Ttowierungen. Treppe, die ins hchste Amt fhrt.
In den ersten vier Dezembertagen hat er schon
sieben berstunden geschoben. Das beruhigt ihn.
www.zeit.de/audio

tung auf sechs Monate diskutiert. Warum? Etwa


um im Namen des Kriegs gegen den Terror, Tag
fr Tag, die Fundamente eines Polizeistaats zu errichten, wie der grne Parlamentsabgeordnete
Nol Mamre unterstellt?
Whrend der Klimakonferenz in Paris darf beispielsweise nicht demonstriert werden. Allerdings
wird das Verbot eher zgerlich durchgesetzt. Als
am 29. November auf dem Platz der Republik gegen Klimasnder protestiert wurde, lie die Polizei
die Teilnehmer lange Zeit gewhren, bis sie die

Versammlung gewaltsam auflste. Da hat es auf


Pariser Straen schon Emprenderes gegeben.
Also alles halb so wild? Leider nein. Mit der Begrndung, dass sie der Polizei als einschlgige Randalierer bekannt seien, lie das Innenministerium
whrend der Klimakonferenz zwei Dutzend Umweltaktivisten aus allen Landesteilen unter zweiwchigen Hausarrest stellen. Offenkundig diente
hier eine Notstandsmanahme anderen Zwecken
als der Terrorbekmpfung. Damit werden sich nun
Frankreichs Gerichte beschftigen.

wenn sie ein Bad in der Menge nimmt. Auch das


ist ihre Art: hart nach innen, jovial nach auen.
Der Neue ist trotzdem angetan: Offen und liebenswrdig findet Vlrick Le Pen. Dabei hat ihn
aus Sicht seiner Vorvter gerade der Teufel geksst.
Tags darauf spricht der berlufer im kleinen
Parteibro des FN in der Nachbarstadt Lens ber
die Grnde seines Lagerwechsels: Die heutigen
Sozialisten regierten feudal, sagt Vlrick, sie bedienten nur die eigenen Leute. Man nenne sie zu
Recht die Rosenmafia, so lautet der Titel eines

politische Heimat erforscht, die Gesellschaft der


Sozialisten, die den Norden Frankreichs ber
hundert Jahre seit Beginn des ersten Weltkriegs
prgte. Er betont das immer wieder: Hundert Jahre, die nur von der deutschen Besatzungszeit unterbrochen wurden, verwalteten die franzsischen
Linksparteien die Region. Eine Ewigkeit. Umso
radikaler sei heute der Bruch mit der Geschichte.
Denn der zur Schau getragene Einklang des FN
mit Traditionen der Arbeiterbewegung wie dem
Fest der heiligen Barbara ist fr Sawicki nichts als
Fotos: Herv Lequeux fr DIE ZEIT (Frankreich, 03. u. 04.12.15); ZEIT-Grafik

Hnin-Beaumont
m Gedenktag der heiligen Barbara, dem 4. Dezember, feiert
ganz Hnin-Beaumont. Die
alte Bergwerksstadt im Norden
Frankreichs ehrt wie jedes Jahr
die Schutzpatronin der Bergleute und Feuerwehrmnner.
Kinder haben sich ihre Gesichter mit Kohle beschmiert und sind als Minenarbeiter verkleidet.
Blau uniformierte Feuerwehrleute mit orange
farbenen Helmen ziehen durch die Stadt. Dann
drngen sich die Leute in einen Gemeindesaal und
singen Bergmannslieder, in denen von der Volksfront 1936 und dem Kampf gegen den Faschismus
die Rede ist. Wer aber sitzt in der ersten Reihe und
applaudiert? Marine Le Pen, die Fhrerin des
rechtsradikalen Front National (FN).
Sie trgt einen einfachen Lodenmantel mit
Kunstpelzkragen sowie eine rote Handtasche,
Marke Desigual fr 79 Euro, und begleitet die
Feierlichkeiten. Die zelebrieren noch immer eine
stramm linke Bergarbeiterkultur. Ob sie sich an
einem solchen Tag als Teil dieser Kultur fhle,
wollen wir von Le Pen wissen. Ich feiere hier die
Werte der Arbeit, des Opfers und des Patriotismus, entgegnet sie. Die Bergarbeiter haben einst
hart fr die Nation gearbeitet.
So ist sie stets: hellwach und schlagfertig. Sie
schafft es, in zwei kurzen, klaren Stzen vier
Schlsselbegriffe ihrer Ideologie zu zitieren: Arbeit,
Opfer, Patriotismus, Nation. Ihr dritter Satz gilt
der Partei: Heute glauben Frankreichs Arbeiter,
dass unsere Partei ihre Werte am besten vertritt.
Le Pen will Frankreichs Prsidentin werden.
Und von der kommenden Woche an knnte sie
die drittgrte Region Frankreichs mit ber sechs
Millionen Einwohnern verwalten. Den ersten
Wahlgang der franzsischen Regionalwahlen in
der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie gewann
Le Pen am vergangenen Sonntag mit ber 40 Prozent der Stimmen. Landesweit whlten 43 Prozent
der Arbeiter und 35 Prozent der Jungwhler ihre
Partei, die sich nach den Europa- und Departmentswahlen nun schon zum dritten Mal in Folge
als strkste Kraft prsentieren kann.
In insgesamt sechs von dreizehn Regionen liegen die Rechtsradikalen nach dem ersten Wahlgang vorn. Zwar sind sie im zweiten Wahlgang in
den meisten Regionen chancenlos, und sogar Le
Pens rechtsbrgerlicher Herausforderer im Norden, der Ex-Minister Xavier Bertrand, hat noch
gute Aussichten. Allerdings nur, wenn die sozialistischen Whler dem Rat ihrer Partei folgen und im
zweiten Wahlgang Bertrand ihre Stimme geben,
um Le Pen zu stoppen. Das ist allerdings mehr als
ungewiss; vor allem laufen Anhnger der sozialis
tischen Partei (PS) in groer Zahl direkt zum FN
ber. Wahlprognosen sehen Le Pen deshalb auch
am kommenden Sonntag im Norden vorn.
Fr das politische Frankreich wre das ein
Schock. Gut, der Sden mit seinen Rentnern an
der Cte dAzur und den zahlreichen ehemaligen
Algerienkolonisten sowie ihren Nachkommen war
schon immer rechtslastig aber der Norden? Ausgerechnet eine der frher weltoffensten Regionen
des Landes, Frankreichs Tor nach Brssel, Amsterdam und London! Erstmals htte Le Pen hier
Amt und Wrden, wenn auch nur wenig unmittelbare Macht in den Hnden. Ihr Regionalhaushalt
lge bei 2,3 Milliarden Euro, mehrheitlich fr
Nahverkehr und Gymnasien. Zum Vergleich: Allein der Haushalt des franzsischen Kulturministeriums ist mehr als dreimal so hoch. Doch sie knnte symbolische Erfolge erzielen, an Ansehen und
Glaubwrdigkeit gewinnen, endgltig ihr Image
als Auenseiterin loswerden.
Denn das ist der Trend: Die Sozialisten und die
Republikaner (die ehemalige brgerliche Rechtspartei UMP) verlieren gemeinsam, whrend der
FN den Wind in den Segeln hat. Er surft auf einer
Angstwelle: Angst vor neuerlichen Attentaten, vor
einem Massenzustrom von Flchtlingen (der in
Frankreich nicht existiert) und vor der grassierenden Arbeitslosigkeit.
Die Sozialisten sehen sich jetzt gezwungen, in
drei Regionen ihre Kandidatenlisten fr die Wahl
der Regionalrte zurckzuziehen und zur Stimmabgabe fr die brgerliche Rechte aufzurufen, um
den FN zu stoppen. Ein dramatisches Eingestndnis eigener Schwche. Aber auch die Rechte steht
nicht besser da. Sarkozys altes Rezept, mit starken
Sprchen dem FN Stimmen wegzunehmen, funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil: Seine Propaganda gegen die Flchtlinge, das Grenzregime der EU
und gegen Brssel treibt dem FN Whler aus
dem eigenen Lager zu. Viele, die sich bei den Pr-

Szenen aus der Arbeiterstadt


Hnin-Beaumont: Marine Le
Pen hat ein Heimspiel (oben),
Guillaume Prybesbiski whlt
Front National (links). Rechts
im Bild: Sozialwohnungen

Vlrick, als er beim Fest der heiligen Barbara in


Hnin-Beaumont die hohen Stufen des weihnachtlich
geschmckten Rathauses erklimmt. Der 37-Jhrige
hatte einst mit Erreichen der Volljhrigkeit den Aufnahmeantrag fr die PS ausgefllt. Er war Fuballer
beim Bergarbeiterclub RC Lens, der in Frankreich so
bekannt ist wie Schalke 04 in Deutschland. Er arbeitete als Wahlkampagnenleiter fr die PS, noch vor
einem Jahr bewarb sich Vlrick fr sie um das Amt
des Brgermeisters.
Vlricks Mantel und Schal wehen im kalten
Winterwind. Drinnen im Rathaussaal von HninBeaumont wartet seine neue Parteichefin auf ihn,
Marine Le Pen. Vlrick will nun unter anderem
Vorzeichen Karriere machen: Seit zwei Jahren regiert ein Brgermeister des FN die Stadt.
Die Frontfrau bleibt khl, als Vlrick ihr die
Hand reicht. Viel khler als dann zum Beispiel,

Unter anderem traf die Verfgung des Haus


arrests den 38-jhrigen Hausmeister Ali Benamara
im sdfranzsischen Montauban, der berhaupt
nicht verstand, wie ihm geschah und warum. Vermutlich hatte er blo den falschen Namen.
Und da liegt die Gefahr: Frankreichs Polizei, in
deren Reihen leider immer wieder Rassisten auffllig werden, knnten sich in Notstandszeiten frei
fhlen, Muslime zu schikanieren, ja zu terrorisieren. Das wre noch nicht das, wovor Mamre
warnt, aber schlimm genug.
GEORG BLU ME

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

POLITIK 11

D I E Z E I T No 5 0

Gier nach Gewalt

Abb.: Ausschnitt aus einem Tweet von Frauke Petry, zitiert in der F.A.S. vom 6.12.15 (o.); kl. Foto: dpa (u.)

Volker Zastrow, Politikchef der FAS, hat einen harschen Kommentar ber Pegida und AfD geschrieben.
Danach wurde er im Netz beschimpft, bedroht und angefeindet. Ein Interview
DIE ZEIT: Herr Zastrow, am 29. November haben Sie in der FAS einen Kommentar mit dem
Titel Die neue vlkische Bewegung geschrieben, in
dem Sie argumentieren, es gebe kaum noch Unterschiede zwischen AfD und Pegida, es habe
sich um die beiden Gruppierungen der Nukleus
einer Brgerkriegspartei gebildet. Die Anhngerschaft zeige einen kaum mehr zu bersehenden Hunger nach Gewalt. Was war der Auslser,
diesen Text zu schreiben?
Volker Zastrow: Die zunehmende Zahl solcher
Demonstrationen und die Zunahme von bergriffen am Rande dieser Demonstrationen. Alle
Kollegen, die wir dahin geschickt haben, kamen
bestrzt zurck. Und es wurde immer schlimmer. Das zeigen auch die Aufnahmen der ffentlich-rechtlichen Fernsehsender, die jetzt mehrfach die Berichte ihrer Korrespondenten ungeschnitten ins Netz gestellt haben, um dem Vorwurf zu begegnen, sie berichteten parteiisch.
Hinzu kam, dass Alexander Gauland, der AfDVorsitzende in Brandenburg, sich bei den Medien
fr einen Vorfall entschuldigt hatte, aber diese
Entschuldigung schien mir bei genauerer Betrachtung in Wahrheit eine Rechtfertigung der
Gewalt zu sein. Das strkste Motiv, jetzt zu
schreiben, war aber vielleicht, dass ich wirklich
den Eindruck habe, da ist eine Bewegung entstanden. Eine Bewegung, die weiter wchst.
ZEIT: berraschend an dem Text ist vor allem
der Tonfall, der hart ist, konfrontativ. Gab es
darber Diskussionen in der Redaktion?
Zastrow: Ich finde den Text nicht hart. Ich habe
mich sehr um Vorsicht und Zurckhaltung bemht. Ich habe sogar manche Formulierungen
rausgestrichen, um mich nicht dem Vorwurf
bertriebener Hrte auszusetzen.

ZEIT: Hart heit: Sie bieten keine Entschuldi-

gungen, Sie zeigen keine Spur von Verstndnis


fr die besorgten Brger, wie andere Kommentatoren das tun.
Zastrow: Das stimmt. Weil es keine Entschuldigung fr Hass und die Gier nach Gewalt gibt.
ZEIT: Noch einmal: Wie waren die Reaktionen
in Ihrer Redaktion?
Zastrow: Wir haben den Text vor dem Erscheinen intensiv in der politischen Redaktion diskutiert, wie wir das immer machen. Wenn es um
Hass und Gewalt und den Habitus des Wutbrgertums geht, sehe ich keinen Kollegen, der anders denkt.
ZEIT: Frauke Petry hat auf Facebook Ihren Text
verlinkt und dazu geschrieben Hass & Hetzjournalismus. Am vergangenen Sonntag nun
haben Sie im Politikteil der FAS, den Sie verantworten, auf einer ganzen Seite die FacebookKommentare zu Ihrem Artikel dokumentiert.
Man knnte sagen, Ihre These von einer hasserfllten, Gewalt herbeisehnenden Bewegung ist
durch diese Kommentare voll besttigt worden.
Zastrow: Genau so ist es.
ZEIT: Sie haben die Kommentare gelesen?
Zastrow: Nicht alle, es sind wohl um die 800,
aber viele.
ZEIT: Und: Hat Sie das kaltgelassen?
Zastrow: Nicht ganz.
ZEIT: Fhlen Sie sich bedroht?
Zastrow: Es geht nicht um mich. Es soll einfach
jeder mundtot gemacht werden, der anderer
Meinung ist.
ZEIT: In den Kommentaren geht es sehr wohl
um Sie. Ihnen wird unverhohlen gedroht: Und
ja, Du Lgner nach Nazi-Manier gehrst eines
Tages dafr gerichtet, schreibt ein Mike Peters.

Zastrow: Ja, das ist wohl eine Todesdrohung. Es

gab auch andere, hnliche Kommentare. Die


habe ich unserem Justiziar bergeben. Ich beschftige mich damit nicht weiter.
ZEIT: Haben Sie auch Kommentare auf Ihrer
Onlineseite FAZ.net zu dem Artikel bekommen?
Zastrow: Nein. Wir lassen bei diesen Themen
keine Kommentare mehr zu. Wir wollen diese
Klientel auf unserer Webseite nicht haben. Das
sind ja in Wahrheit keine Zeitungsleser, sondern
Online-Vagabunden.
ZEIT: Sie sind seit 25 Jahren Redakteur der FAZ.
Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
Zastrow: Ich glaube, da baut sich seit Jahren etwas auf. Eigentlich seit Stuttgart21. Da haben
wir zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass
es unmglich war, zu berichten, ohne wtendste
Reaktionen zu erhalten. Damals ist ja, wenn ich
mich recht entsinne, auch der Begriff Wutbrger vom Spiegel-Kollegen Dirk Kurbjuweit geprgt worden. Seitdem gab es mehrere Ereignisse,
die zu einer Verschrfung des Tons gefhrt haben, Guttenberg war so ein Phnomen, spter
die Euro- und Griechenland-Krise. Seither gibt
es uerungen, die wren frher allenfalls ausnahmsweise gefallen. Das erklre ich mir mit den
Assoziations- und Synchronisationseffekten des
Netzes: Frher htte man sich nicht getraut, bestimmte Dinge zu sagen. Aber nun sieht man,
dass alle anderen das auch tun, oder diejenigen,
die man fr alle anderen hlt, und dann glaubt
man, dass man es auch darf. So vervielfachen
und verfestigen sich die Positionen. Das gibt eine
permanente Zufuhr neuer emotionaler Energie.
ZEIT: In den Facebook-Kommentaren zu Ihrem
Leitartikel stecken nicht nur Hass und Verachtung, es wird ganz selbstverstndlich auch von

der sogenannten Lgenpresse geschrieben. Die


gesamte Medienlandschaft ist dermaen verlogen da wird selbst Goebbels blass schreibt ein
Hans Lenz. Wie tief, glauben Sie, reicht der Vertrauensverlust und die Verachtung fr die Medien
in das brgerliche Lager hinein?
Zastrow: Ich glaube, wenn die Menschen sich
radikalisieren, dann verlangen sie von den Medien,
dort nur noch ihre Positionen wiederzufinden.
Und wenn die Medien das nicht tun, dann ist
das die sogenannte Lgenpresse. Diese Leute
wollen eigentlich einen Vlkischen Beobachter,
eine Presse, die radikal einseitig ist.
ZEIT: Sind solche Leute verloren fr die Demokratie?
Zastrow: Das wei ich nicht. Jeder Mensch hat es
selbst in der Hand, ob er dem Hass nachgibt.
Das ist ja keine Charaktereigenschaft, sondern
eine Entscheidung.
ZEIT: Ist das volle Eskalationspotenzial dieser
Radikalisierungswelle schon ausgeschpft?
Zastrow: Im Kern der Bewegung gibt es, denke
ich, ein terroristisches Potenzial. Und im Umfeld
gibt es Leute, die irgendwann auf den Gedanken
kommen werden, dass nicht mehr nur Asyl
bewerberheime brennen sollen, sondern Menschen. Die Versuche hat es ja schon gegeben. Ich
kann jedenfalls gerade nicht erkennen, dass sich
diese Leute beruhigen.

Abbild eines
Tweets der
AfD-Sprecherin
Frauke Petry

Die Fragen stellte Heinrich Wefing

Volker Zastrow, 1958 in Niebll


geboren, ist seit 2006 Politikchef
der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung (FAS)

Ein Preisregen
fr die ZEIT
Beim Deutschen Reporterpreis wurden gleich fnf Autoren
der ZEIT ausgezeichnet VON HANNES SOLTAU

um Jahresende gibt es in unserer Redaktion richtig Grund zu feiern: Fnf


der elf Auszeichnungen, die im Rahmen des 7. Deutschen Reporterpreises
verliehen wurden, gingen in diesem
Jahr an Autorinnen und Autoren der ZEIT und
des ZEITmagazins.
Die ZEIT-Autorin Jana Simon erhielt fr ihren
Artikel Der Junge, der in den Krieg ging, der im
ZEITmagazin Nr. 19/15 erschien, den Preis fr die
beste Reportage. In der Geschichte beschreibt Simon einen jungen deutschen Mann, der zum Islam konvertiert, sich dem IS in Syrien anschliet
und schlielich nach Deutschland zurckkehrt,
wo er unter Orientierungslosigkeit leidet. Das
Stck sei eines der besten, das bislang zu diesem
Thema erschienen ist, urteilte die Jury.
ANZEIGE

Interhyp-Beratung:
Fr eine runde
Baufinanzierung.

- Beste Konditionen
- berall in Ihrer Nhe

- 400 Banken im Vergleich


- Persnlich vor Ort

www.interhyp.de
0800 200 15 15 85

Malte Henk, Redakteur im Ressort Dossier,


erhielt fr seinen Artikel Die Jagd auf 67P/C-G,
erschienen in der ZEIT Nr. 46/14, den Preis fr
die beste Wissenschaftsreportage. Henk beschreibt
darin den Versuch der Europischen Raumfahrtbehrde, mit einer Sonde auf einem Kometen zu
landen. Der Jury zufolge mache die Geschichte
die abstrakte Arbeit der Wissenschaftler erlebbar
und sei damit exemplarisch fr eine moderne
Wissenschaftsreportage.
Bastian Berbner, freier Autor im Ressort Dossier, wurde fr seinen in der ZEIT Nr. 35/15 erschienenen Text Die Hlle, das ist der andere in der

Kategorie Bestes Interview ausgezeichnet. Das


Doppelinterview fhrte er mit zwei Amerikanern, die sieben Monate Geiseln von Al-Kaida
in Syrien waren und in einer Zelle lebten, sich
gegenseitig aber feindselig gesinnt waren. Besonders lobte die Jury die durchdachte Dramaturgie als gelungene Ausweitung des Genres.
Anne Kunze, Reporterin im InvestigativRessort, erhielt den Preis in der Kategorie Investigation fr ihren in der ZEIT Nr. 51/14
erschienen Text Die Schlachtordnung. Darin
schildert sie die Zustnde in der deutschen
Schlachtindustrie und die Ausbeutung von auslndischen Leiharbeitern. Der Jury zufolge
konnte der Text die Verhltnisse der Massentierhaltung in Deutschland verndern.
Peter Kmmel, Redakteur im Feuilleton,
wurde fr sein Stck Sie sprechen nicht zu uns,
erschienen in der ZEIT Nr. 37/15, in der Kategorie Beste Kulturkritik ausgezeichnet. In seinem Text analysiert Kmmel das Verhltnis
vieler Theatermacher zur Tradition ihrer
Kunst. Die Frage nach dem Stellenwert des
heutigen Theaters beantworte Kmmel laut
der Jury so zugespitzt, dass die Widersprche
sichtbar werden.
Des Weiteren gewannen in der Kategorie
Innovation David Schraven und Jan Feindt mit
ihrer Graphic Novel Weie Wlfe. In der Kategorie Freier Reporter wurde Claas Relotius fr
sein Stck Gottes Diener, erschienen im Spiegel,
geehrt. Der Preis fr die beste Lokalreportage
ging an Nik Afanasjew vom Tagesspiegel fr
seinen Text Die Kids aus unserem Hinterhof.
Emilia Smechowski erhielt den Preis fr den
besten Essay fr ihr Stck Ich bin wer, den du
nicht siehst, erschienen in der taz.
Das Web-Projekt M29 Berlins Buslinie der
groen Unterschiede wurde in der Kategorie
Datenjournalismus ausgezeichnet. Das Team
der Berliner Morgenpost besteht aus Theresa
Rentsch, Julius Trger, Moritz Klack, Max
Boenke, David Wendler und Andr Ptzold.
Der Preis fr die beste Webreportage ging
an ein Team der NZZ fr seine Videoreportage
Good Night, Malaysia, an der Fabian Biasio,
Alice Kohli, Simon Wimmer und Thomas
Preusse beteiligt waren.
Der Deutsche Reporterpreis wird von einem Netzwerk deutscher Printjournalisten,
dem Reporter-Forum e.V., vergeben. Er wrdigt herausragende Texte in unterschiedlichen
Medien und gilt als einer der renommiertesten
Preise fr Journalisten in Deutschland. Das
Buch Ins Herz der Welt enthlt jene Beitrge,
die in den vergangenen Jahren mit dem
Reporterpreis ausgezeichnet wurden. Es ist im
Ankerherz-Verlag erschienen.

NCHSTES ZIEL

FACHKRFTE
FRDERN

Haben Sie die Potenziale von Flchtlingen im Blick?


Flchtlinge integrieren, Fachkrfte gewinnen:
Gehen Sie neue Wege, und ermglichen Sie Flchtlingen den Sprung ins Praktikum,
in die Ausbildung und Beschftigung. Die neuen Regelungen erleichtern es.
www.fachkraefte-offensive.de/unternehmen

12 POLITIK

10. D E Z E M B E R 2015

MEINUNG

D I E Z E I T No 5 0

ZEITGEIST

Le Pen und Trump


Warum Frankreich und Amerika nicht
auf die Verfhrer hereinfallen werden

Heute

VON JOSEF JOFFE

8. 12. 2015

Macht hoch die Tr, das Tor


macht weit, da ist der Papa ante
portas. Genauer gesagt vor der
Heiligen Pforte, und htte die
eine Klingel, wre das wohl
heiliger Bimbam. Papst Franziskus jedenfalls lutet mit dem
ffnen der Pforte im Petersdom
das Heilige Jahr ein. Genauer
gesagt das auerordentliche Heilige Jahr. Und das steht im
Zeichen der Barmherzigkeit.
Welch frommer Wunsch angesichts der derzeitigen Welten
lage. Fr die gilt eher: Heiliges
Kanonenrohr! 
DRO

Foto: Alberto Pizzoli/AFP/Getty Images

Foto: Larry Fiebert

Es ist Zeit, die Hysterie-Bremse zu ziehen und zu


begrnden, warum Marine Le Pens Triumph in
Frankreichs Regionalwahlen und Donald Trumps
aberwitzige Rhetorik nicht den Untergang des
Abendlandes verknden. Dazu muss der Leser sich
leider mit den drgen Zahlen beschftigen.
Donald Trumps Absaufen in den Umfragen
wird seit Monaten vorausgesagt. Nur: Unter den
Republikanern luft er national mit rund 30 Prozent nach wie vor an der Spitze. Andere hinken
mit jeweils 15 Prozent hinterher. Trump fhrt
auch in Iowa und New Hampshire, die den Vorwahl-Marathon im Januar erffnen. Dort liegt er
mit 27 Prozent vorn mit fnf oder gar 15 Punkten vor dem jeweils Zweitplatzierten: Ted Cruz in
Iowa, Marco Rubio im Granit-Staat.
Die Vorwahlen aber geben nur die Stimmungslage der Partei wieder. Abgerechnet wird bei der
Prsidentschaftswahl in elf Monaten. Nach dem
heutigen Stand kann nur ein Republikaner gegen
die Spitzenfrau der Demokraten, Hillary Clinton,

Josef Joffe ist


Herausgeber der ZEIT

gewinnen: Marco Rubio, der junge Senator aus


Florida, der die Mitte der Partei reprsentiert. Fazit: Entweder er oder sie, Mitte-rechts oder Mittelinks und die Welt bleibt in Ordnung. Primaries
sind immer Denkzettel-Wahlen, wo Protest billig
ist. Wenn es ums Weie Haus, um die nchsten
vier Jahre geht, verblassen Wut und Abenteuerlust;
dann stimmt das Wahlvolk fr Berechenbarkeit.
Die Sache ist komplizierter in Frankreich. In
der ersten Runde der Regionalwahlen haben Mittelinks (Hollande plus Verbndete) und Mitte-rechts
(Sarkozy und Partner) die Hlfte der Stimmen
kassiert. Wird das Volk aber gefragt, wen es in der
zweiten Runde am Sonntag whlen wrde, kommen Hollande, Sarkozy und Andere auf 70(!)
Prozent, whrend Le Pens Nationale Front mit
30 etwa gleich bleibt. Solche Voraussagen sind angesichts des vertrackten Wahlrechts mit Skepsis zu
genieen, aber sie zeichnen die Richtung vor. In
der Stunde der Wahrheit entscheiden sich die
Duponts in Frankreich und die Smiths in Amerika
fr das Vertraute und Berechenbare.
Das ist der Unterschied zu den Zwanzigern und
Dreiigern, als Faschisten und Nazis in Europa an
die Macht kamen. Heute qulen nicht nationale
Erniedrigung und Weltwirtschaftskrise die Seelen,
die nach Erlsung durch Duce und (Ver-)Fhrer
lechzten. Heute ist es wirtschaftliche Stagnation
auf hohem Niveau. Plus Flchtlinge, Terror, Euro,
offene Grenzen, Europa berhaupt. Das sind ernste, nicht existenzielle Krisen, zumal ein grozgiger
Wohlfahrtsstaat den totalen Absturz verhindert.
Die Brger sind sauer. Sie fhlen sich von den
politischen Eliten nicht verstanden. Sie lassen ihren rger in Vor-Runden wie in Frankreich und
Amerika aus. Aber sie sind auch seit 1920 ff. realistischer, abgebrhter geworden. Warum sollten es
Le Pen oder Trump oder gar die AfD besser
knnen als Hollande oder Obama?
Voraussagen darf man, dass Europa wie Amerika etwas nach rechts rcken werden, aber bestimmt nicht in die Klauen der schrecklichen Vereinfacher, wie die Franzosen sagen. Gott sei Dank
sind die Whler zynischer, als die Alarmisten whnen. Das Pendel schlgt diesmal nach rechts aus,
aber es wird nicht die Uhr zertrmmern.

Wir sind seltsam, aber nicht verrckt

ill ein Deutscher, der vor 1928 lierung ist deswegen so hilfreich, weil an ihr jede
geboren ist, nach Israel fahren, Silbe falsch ist.
Zunchst rein sachlich. Als die ersten Flchtso braucht er ein Visum. Der
Sinn der Regelung ist klar: Wer lingswellen kamen und die deutsche Politik,
zu NS-Zeiten im schuldfhi- auch die Kanzlerin, noch lange nicht aufgewacht
gen Alter war, der soll nicht einfach so einreisen war, da taten Abertausende Deutsche etwas ganz
drfen in den Staat der Juden. Heute leben in Schlichtes: Sie gaben den Menschen, die da
Deutschland noch gerade mal anderthalb Millio- pltzlich in ihren Vorgrten standen, Wasser
nen Menschen im jenem historisch schuldfhigen und Wurstsemmeln (ohne Schwein). Dass die da
Alter weniger als zwei Prozent. Die Mehrheit der bei sich einen historischen Makel versprt haben
Deutschen trgt nicht nur selbst keine persnliche sollen und nicht einfach nur einen menschlichen
Impuls, ist reine Fantasie.
Schuld, auch ihre Eltern tun
Und auch als diese von
das nicht, nicht mal mehr die
Bundeskanzlerin Merkel
unten wachsende Willkommeisten Groeltern.
menskultur durch die KanzMan sollte das wissen,
hat bei ihrer
lerin offizielle Politik wurde,
denn zurzeit wird in der internationalen ffentlichkeit Flchtlingspolitik an vieles hat Angela Merkel gewiss an
gedacht aber bestimmt vieles gedacht vor allem an
so getan, als wre die deutverdurstende Flchtlinge,
sche Flchtlingspolitik von
nicht an Auschwitz
nur nicht an Auschwitz.
einem schweren SchuldkomSchlielich das mit dem
plex bestimmt. Mal wird gelobt, die Deutschen wrden aus ihrem allgegen- Freikaufen von einem Makel. Diejenigen unter
wrtigen Schuldbewusstsein heraus eine vorbild- den Deutschen (hoffentlich eine Mehrheit), die
liche Willkommenskultur entwickeln (Washing- sich in der historischen Verantwortung fr den
ton Post), mal getadelt, ihre Geschichte treibe sie Holocaust sehen, wissen zugleich (man lernt das
zu einem irrationalen Gutmenschentum, das in den Schulen und Universitten, kann aber
auch durch einfaches Nachdenken darauf komganz Europa in Gefahr bringt (The Guardian).
Den Vogel abgeschossen hat bei dieser die men), dass derjenige sofort in der Wieder
Deutschen paternalisierenden und pathologisie- holungsfalle steckt, der anfngt zu denken, man
renden Denkart der franzsische Philosoph knne unter Krieg und Holocaust einen SchlussAlain Finkielkraut im Interview mit der ZEIT: strich ziehen. Ein Deutscher, der glaubt, sich
Als die ersten Flchtlingswellen ankamen, hiel- von der Geschichte freikaufen zu knnen, hat
ten die Deutschen den Moment fr gekommen, sie nicht begriffen. Wer sie wiederum nicht beihren historischen Makel zu bereinigen. Sie griffen hat, dem ist sie auch kein Seelenstachel,
konnten sich endlich freikaufen. Diese Formu- folglich muss er sich nicht von ihr freikaufen.

Das historisch-pathologische Argument hat


ohnehin den Nachteil, dass es mal so und mal so
verwendet wird, je nach Gusto. Wenige Wochen
etwa bevor die Deutschen im Schuldwahn die
Tore fr die Syrer geffnet haben, berzogen sie
Europa bekanntlich mit einer Art Austeritts
faschismus, wobei es ihnen rtselhaft gleichgltig
zu sein schien, dass sie wieder als bse Deutsche
galten. Das taten sie, so hie es, weil ihnen das zu
Hitler fhrende Inflationstrauma noch in den
Knochen steckt, schlappe hundert Jahre spter.
Gehts noch, liebe britische und franzsische
Freunde?! Wir mgen ja ein bisschen seltsam
sein, verrckt sind wir nicht. Wir haben uns mit
unserer Geschichte recht intensiv beschftigt,
sie ist keine in unserem Unterbewusstsein wtende Macht mehr, sondern Gegenstand von
jahrzehntelanger Reflexion, von Streit, neuer
Reflexion, Erkenntnis und wieder Streit.
Es mag von auerhalb nicht gut zu sehen
sein, ist aber doch ganz leicht zu verstehen: Die
Deutschen haben mit allen indirekten Lehren
aus der eigenen Geschichte verdammt gute Erfahrungen in der Gegenwart! gemacht: Das
Antiautoritre hat unsere Schulen verbessert;
der kologische Gedanke wurde zum Wett
bewerbsvorteil, die relative Sparsamkeit ebenfalls.
Der Fderalismus hat uns zu leidlich begabten
Europern werden lassen. Und in den letzten
Jahren haben die Deutschen auch noch ihre Fhigkeit zur Fremdheit entdeckt und fr ntzlich
befunden. Darum halten sie es fr mglich, dass
sich auch die Willkommenskultur irgendwann
als Zukunftsinvestition erweisen knnte.
Ja, so einfach ist das.

STRASSE, HAUSNUMMER

Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen knnen

POSTLEITZAHL, ORT

TELEFON

E-MAIL

DATUM, UNTERSCHRIFT

Die Zeitschrift, die fr eine bessere Welt streitet Jetzt kostenlos Probelesen

Mission Weltrettung

NAME, VORNAME

GEBURTSDATUM

20152185

BITTE EINSENDEN:

Publik-Forum Verlagsgesellschaft, Postfach 2010,


61410 Oberursel,Telefon: 06171-7003470, Fax:
06171/700346 oder bestellen Sie Ihre zwei Ausgaben
auf: www.publik-forum.de/zeit

IDEOLOGIE DES ALLTAGS

Heien die Deutschen ihre Flchtlinge aus schlechtem historischen Gewissen willkommen? Unsinn!
Wider das geschichtspathologische Argument VON BERND ULRICH

ANZEIGE

Ja, schicken Sie mir bitte die nchsten


zwei Ausgaben von Publik-Forum kostenlos zu. Die
Belieferung endet automatisch nach der zweiten
Ausgabe.

NEIN. QUARTERLY

Lesen Sie auerdem im neuen Publik-Forum:


Bomben lsen kein Problem: Friedensforscher zum Kampf gegen den IS
Auf der Suche nach dem Bruttosozialglck: Eine Reise nach Bhutan
Margot Kmann: Christliche Werte, die Flchtlinge und wir
Die nchsten drei Ausgaben kostenlos: www.publik-forum.de/zeit
Telefon: 06171/7003470

ERIC JAROSINSKI

#TRUMP
Der REICHE.
BSE.
ONKEL.
Aus Amerika.

Als @NeinQuarterly kommentiert


Eric Jarosinski, 44, auf Twitter das
Weltgeschehen. Seine abgrndigen
Sinnsprche finden dort Zehntausende
Follower. Jarosinski ist amerikanischer
Germanist und deutscher Aphoristiker.
Bei uns erscheint seine Printkolumne

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

D I E Z E I T No 5 0

POLITIK 13

MEINUNG

Torten
der Wahrheit
VON KATJA BERLIN

Damals

Was sich ndert

20. 5. 2005

Prsident ante portas waren


das noch Zeiten, als nicht nur
die Bewerber ums Weie Haus,
sondern auch die Amtsinhaber
fr eine Slapstickeinlage gut
waren. Bereits die verschlossene
Tr zu einem Konferenzraum
konnte George W. Bushs Mimik
Limbo tanzen lassen. Die
Sparte Niveau-Limbo aber dominiert lngst Donald Trump.
Allerdings freuen wir uns schon
jetzt auf sein Gesicht, wenn ihm
der Weg ins Weie Haus so verschlossen bleibt wie diese Tr
George W. Bush. 
DRO

Das Klima

Fotos: Charles Dharapak/AP/dpa (o.); Christian Kruppa (u.)

Wir

Woran wir glauben

Gott
Schicksal

VON AUSSEN

DAUSEND

Macht das!

Queer und quer

Durch Zuwanderung entsteht neue Wirklichkeit. Daher brauchen wir


ein Ministerium der Integration und Globalisierung VON MARKUS KERBER

Die Schwulen und Lesben in der SPD sollen nicht mehr Schwule und Lesben in der
SPD heien drfen aber Schwule und Lesben bleiben

ie Flchtlingskrise verlangt der


deutschen Politik einen vllig
neuen Ansatz in ihrem globalen Handeln ab. Dazu braucht
es ein Bundesministerium der
Integration und Globalisierung, das jenseits
der aktuellen fderalen Kompetenzen und Integrationsmanahmen fr das Thema Migration verantwortlich ist. Denn Integration
hrt nicht mit der Organisation von Unterbringung in Turnhallen, Kasernen und Containerdrfern auf sie beginnt dort erst.
Staatliche Verwaltung ist immer Anpassung an neue Wirklichkeit. So entstand das
Bundesumweltministerium als Reaktion auf
die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im
Jahr 1986, so wurde 2002 ein Superministerium fr Wirtschaft und Arbeit whrend der
Massenarbeitslosigkeit geschaffen. Zwar sind
Entwicklung und Integration beileibe keine
Katastrophen. Doch das Ausma der gegenwrtigen und absehbaren Wanderungsbewegungen lsst ein neues Ministerium geraten
erscheinen. Es wre ein deutliches Zeichen
der Politik an die Gesellschaft: Ja, wir haben
begriffen, wie gro die Aufgabe ist. Es wre
ein Ausweis dafr, dass die zunchst spontane
und zum Teil naive gesinnungsethische
Grundhaltung in eine nachhaltige und ernsthafte verantwortungsethische Struktur fr
Jahrzehnte berfhrt wird. Und es wre ein
Signal, dass unser Land sich verndern wird.
Zuwanderung bringt Neues in unser
Land, zugleich werden wir Deutschen und
Europer die Welt drauen untersttzen
und gestalten mssen. Fr beides bedarf es
der Bereitschaft zur Vernderung. Dazu gehrt auch, lieb gewonnene Bequemlichkeit
aufzugeben.
Ein Schwerpunkt fr das neue Ministerium
drfte die Auseinandersetzung mit der islamischen Welt sein. Hier ist Deutschland besser
aufgestellt als gemeinhin gedacht: Mit der
Deutschen Islam Konferenz und anderen migrations- und integrationspolitischen Strukturen im Bundesinnenministerium, der Integrationsbeauftragten im Bundeskanzleramt
sowie Experten in anderen Bundesministerien
liegt wertvolles, bislang nicht gengend genutztes Erfahrungswissen vor. Seit der Grndung der Islam Konferenz im Jahr 2006 ist ein
tragfhiges Netzwerk mit und in der deutschen
islamischen Bevlkerung entstanden.
In Deutschland leben viele Menschen, die
in den vergangenen vier Jahrzehnten einen
eigenen mhevollen, aber zumeist erfolgreichen Weg der Integration gingen. Sie sollten
ihre Erfahrungen weitergeben und einbringen knnen, um das Diktum Wir schaffen
das umzusetzen. Es gibt in Deutschland
unzh
li
ge Vereine und nachbarschaftliche
Zusammenschlsse, in denen sich die Gastarbeiter und Zuwanderer ber sechzig Jahre
hinweg in die deutsche Gesellschaft integriert
haben. Seit Jahren erfolgt hier eine sehr gute
Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen auf
allen fderalen Ebenen. Nun schlgt die
Stunde fr diese Organisationen. Zuwanderer
mssen natrlich die deutsche Sprache lernen, aber das allein reicht nicht. Ihnen muss

auch das Betriebssystem Deutschland vermittelt werden. Es ist unsere Aufgabe, den
Menschen, die oft aus autoritren, unfreien,
grundrechtlich restriktiven, repressiven nicht
westlichen Staaten kommen, die Wirkungsmechanismen einer offenen Gesellschaft nahezubringen. Fr diesen Prozess haben unsere
Vorfahren Jahrhunderte gebraucht. Wir werden ihn ber sprachlich und kulturell bedingte
Hindernisse hinweg in Monaten, maximal
Jahren intensiver Arbeit zu erbringen haben.
Aber nicht nur nach innen, zu den Zuwanderern aus islamischen Lndern hin, kann hier
Wirkung entfaltet werden. Gleichermaen
bedeutend und anerkannt sind Wissen und
Erfahrung dieser deutschen Mitbrger fr die
entwicklungspolitische Aufgabe in den Spannungsregionen. Die bemerkenswerte Rede
Navid Kermanis bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ist
hierfr ebenso ein Beleg wie die wissenschaftliche Arbeit Mouhanad Khorchides an der
Universitt Mnster. Deutschland und seine
europischen Nachbarn sind die Heimat einer
geistigen und wirtschaftlichen Elite musli
mischer Abstammung, die fr die vor uns
liegende Aufgabe dringend gebraucht wird.
Fr die Integration werden wir immense
Ressourcen nutzen mssen. Die Aufwendungen fr eine Million Zuwanderer liegen geschtzt bei jhrlich zehn Milliarden Euro.
Dazu drften diverse Einzelhaushalte fr Integration und entwicklungspolitische Zusammenarbeit von gut und gern weiteren zehn

Auf Seite 580 des 839 Seiten starken, aufrttelnden


Werkes Antrge zum ordentlichen Bundesparteitag
2015 meldet sich der SPD-Landesverband Berlin
zu Wort, was allein schon deshalb bemerkenswert
ist, weil er in der SPD eigentlich gar nichts zu sagen
hat. Die Berliner Genossen mchten, dass die Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD,
kurz: Schwusos, knftig nicht mehr Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, kurz:
Schwusos, heien soll, sondern Arbeitsgemeinschaft
queerer Sozialdemokrat_innen, kurz: QueerSozis.
Schn, dass Berlin sonst keine Probleme hat.

Fr den Schwuso wre die Umwandlung zum


QueerSozi ein Wendepunkt, da er/sie knftig Ich
bin ein queerer Sozialdemokrat-Unterstrich-in
und das ist auch gut so sagen msste und damit
garantiert nicht berhmt wrde. Fr die Hauptstadt-SPD wre es aber ein Hhepunkt, htte sie den
Provinz-Genossen doch mal was voraus: das Wissen,
was queer bedeutet. Da jetzt in der SPD, wie schon
in der griechischen Klassik, Hhe- und Wendepunkt
zusammenfallen, ahnt der Peripetie-erfahrene Betrachter, wie die Wahl 2017 enden wird: quer zu den
Erwartungen der Schwusos. 
PETE R DAUSE ND

Meinungsumfragen

Sicherheitsdiskussionen
in Deutschland

Mehr berwachung
Noch mehr berwachung
Striktere Tempolimits

Das ist
kein Rucksack.
Sondern die Schatzkiste eines Weltentdeckers: Der 7-jhrige Karl Niermann
fliegt schon ganz allein um den Globus. Na ja, fast. Unsere Mitarbeiter
sind die ganze Zeit bei ihm und sorgen dafr, dass jeder Flug fr Karl zu einer
Entdeckungsreise wird. Erfahren Sie, was wir noch alles tun, damit sich
jeder bei uns wohlfhlt: #LufthansaStories

Markus Kerber ist


seit Sommer 2011
Hauptgeschftsfhrer
des Bundesverbands
der Deutschen
Industrie (BDI)

Milliarden Euro kommen. Beispielsweise wird


sich Deutschland deutlicher beim Flchtlingswerk der Vereinten Nationen einbringen
und engagieren mit Geld, Wissen und Helfern. Auch daraus lsst sich die Dimension der
Aufgabe erkennen, vor der wir stehen.
Es gibt in der deutschen Bevlkerung ein
groes Interesse an der Gestaltung der Globalisierung. Das beweisen die vielen ehrenamt
lichen Helfer, die bei der Bewltigung der Zuwanderung anpacken, ebenso wie die sehr
leidenschaftlich gefhrte Diskussion um das
transatlantische Handels- und Investitionsabkommen (TTIP). Politische Energien der
Zivilgesellschaft nutzbar zu machen fr eine
effiziente staatliche Integrationspolitik im Inneren und eine nachhaltige Ent
wick
lungs
politik im ueren darum geht es nun. Am
besten wird dies gelingen mit der festen
Struktur eines Ministeriums der Integration
und Globalisierung.
Es wird ein langer und teurer Weg fr
viele Millionen Menschen auf beiden Seiten
des mare nostrum. Der wirtschaftlichen Globalisierung muss nun die soziale folgen, sie
ist zu gestalten und zu befrdern: Das gilt es
zu schaffen.

Unterwegs und
doch zu Hause

LH.com /lufthansa-stories

D I E Z E I T No 5 0

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

RECHT & UNRECHT


war der Tter unter ihnen. Man trinkt, redet,
schimpft, schaukelt sich hoch und die Unter
kunft ist ja gleich nebenan. Die Befragung der
Anwohner erbrachte nichts. Aber eine weitere zer
brochene Bierflasche wurde gefunden, ebenfalls
Marke Hasserder. Ihre Scherben lagen in einem
biergetrnkten Stoffbeutel in der Tatortnhe.
Am frhen Sonntagmorgen bernahm Bernd
Scharen die Ermittlungen. Scharen ist 59 Jahre
alt, ein drahtiger, zupackender Typ, elf Jahre lang
war er Chef der Rostocker Morduntersuchungs
kommission, seit 2014 leitet er den Staatsschutz.
Rechtsextreme Taten fallen in seinen Bereich, wir
haben auch in andere Richtungen ermittelt, sagt
er, aber bei einem Anschlag auf eine Asylbewerber
unterkunft und der heutigen Stimmung ist die
Tendenz natrlich klar. Scharen versammelte alle
Kollegen, die zur Verfgung standen. In den ers
ten zwei Wochen war sein gesamtes Fachkommis

die neuen Bewohner gepbelt und ein Flcht


lingskind geohrfeigt. Ein Sprhund, der auf die
Fhrte der zerbrochenen Bierflasche im Stoff
beutel angesetzt worden war, lief ber ein paar
Umwege bis zur Haustr des Verdchtigen. Alles
habe dafr gesprochen, sagt Scharen, dass man den
Richtigen gefunden hatte. Die Polizei nahm den
frheren Hausbewohner vorlufig fest, verhrte
ihn, durchsuchte das Haus. Er gab an, zum Tat
zeitpunkt mit Freunden bei seinen Eltern im Gar
ten gefeiert zu haben. Das Alibi wurde berprft
und hielt stand. Am Abend wurde er entlassen.
Am nchsten Tag, Montag, fanden Scharen und
seine Kollegen heraus, wem der Stoffbeutel mit der
zerbrochenen Bierflasche gehrte: einem Bekannten
des ersten Verdchtigen, der bei dessen Gartenfest
dabei gewesen war. Auf dem Heimweg war er zu
sammen mit anderen Gsten, alle stark alkoholisiert,
in der Nhe der Unterkunft vorbei gewankt. Dort

mehr, welche Flaschen wohin geliefert werden.


Egal, welcher Spur die Ermittler auch nachgingen,
immer landeten sie in einer Sackgasse.
So htten die Ermittlungen enden knnen.
Keine Spur, kein Tter. Aber das widerstrebte
Bernd Scharen und seinen Kollegen. Auch wenn
in Gro Lsewitz die groe Katastrophe ausge
blieben ist es geht um schwere Brandstiftung
und um versuchten Mord. Und es ist sehr un
befriedigend, so eine Sache einzustellen, sagt
Scharen, auch fr einen selbst, als Kriminalisten.
Sie wollten nicht aufgeben.
Schlielich, am 23. Januar 2015, wird die Be
lohnung ausgesetzt. Und tatschlich geht im Dorf
der Tratsch wieder los. Die Namen zweier Mnner
fallen, aber wenn die Beamten fragen, wer die
Namen ins Spiel gebracht hat, weichen alle aus:
Das erzhlt doch jeder hier..., heit es. Keiner
will offen den Verdacht aussprechen, keiner will

Anschlge auf Flchtlingsheime werden


fast nie aufgeklrt. Doch als es in Gro Lsewitz brannte,
stellten Ermittler die Tter

VON A N N A K E M P E R

Die Telefon-Falle

sariat an den Ermittlungen beteiligt, 12 bis 16


Beamte. Der Fall hatte absolute Prioritt, alles
andere blieb vorerst liegen. Da gibt es kein Wochen
ende und keinen Achtstundentag, sagt Scharen.
Ermittelt wurde nicht nur wegen schwerer Brand
stiftung, sondern auch wegen versuchten Mordes:
Die Flchtlinge schliefen arglos im obersten
Stock, Brnde breiten sich vor allem nach oben
aus. Und das Benzin in den Molotowcocktails
fhrt dazu, dass es schon nach wenigen Sekunden
groflchig brennt.
Die Polizisten versprten im Justizapparat groe
Untersttzung. Zum Beispiel war die fr politische
Kriminalitt zustndige Staatsanwltin rund um
die Uhr fr uns erreichbar, nicht nur der Bereit
schaftsdienst, sagt Scharen. Wir haben nicht
nach anderen Mastben ermittelt als sonst, aber
die Wege zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht
und uns waren krzer, sodass Beschlsse schnell
gefasst werden konnten.
Am Vormittag nach der Tat gab ein Anwohner
einen Verdacht zu Protokoll: Er habe einen Mann
erkannt, der am Abend des Festes in Richtung des
angegriffenen Hauses gelaufen sei. Der Mann
hatte frher in dem Haus gewohnt, in dem nun
die Flchtlinge lebten, er hatte bereits offen gegen

hatte er sich kurz von der Gruppe entfernt, um aus


zutreten. Festnahme, Hausdurchsuchung. Doch auch
bei ihm besttigte sich der Verdacht nicht.
Vier Tage nach der Tat setzte die Polizei einen
Hund auf die Spur jener Flasche an, die mit Ben
zin gefllt und nicht zerschellt war. Der Hund lief
zu einem Mehrfamilienhaus. Ein zweiter Hund
zeigte dasselbe Verhalten. Es war ein Haus, in dem
acht Parteien lebten, von einem Bewohner wuss
ten die Polizisten, dass er dem rechten Milieu an
gehrt. Aber weder die Vernehmung noch die
Hausdurchsuchung erhrteten den Verdacht.
Aber irgendetwas musste die Hunde zu diesem
Haus gefhrt haben. War der Tter dort gewesen?
Oder jemand, der in der Nacht mit ihm zusam
men gewesen war? Die Polizei berprfte nun alle
Bewohner und auch deren Umfeld. Wer arbeitet
fr den Pflegedienst der alten Frau, die im Haus
wohnt, und welche Kontakte haben die Mitarbei
ter? Welche Klempnerfirma war krzlich wegen
der Reparaturen hier? Und dann die Bierflaschen:
Vielleicht wrden Chargennummer oder Abfll
ort und -zeit verraten, wo die Flasche verkauft wor
den war. Vielleicht an einer Tankstelle mit Video
berwachung? Aber Hasserder ist ein Massen
produkt, schon der Grohndler registriert nicht

als Zeuge in den Akten landen. Die Mnner sind


zwei junge Vter, 24 und 25 Jahre alt, einer wohnt
im Nachbardorf, der andere ist in Gro Lsewitz
aufgewachsen und kurz nach dem Anschlag nach
Rostock-Lichtenhagen umgezogen. Ausgerechnet
also in jenen Rostocker Stadtteil, der vor 23 Jah
ren in ganz Deutschland zum Inbegriff fr aus
lnderfeindliche Ausschreitungen geworden war.
Und: Beide Mnner sind polizeibekannt, wenn
auch nicht im Zusammenhang mit rechtsextremen
Taten. Einer der beiden, finden die Fahnder he
raus, hat allerdings schon Ende Dezember 2013
auf Facebook mit anderen ber die Flchtlinge
geschrieben, die zwei Wochen spter in den oberen
Stockwerken des Hauses einziehen sollten: Also
man sagt ja, die grte Scheie schwimmt in
Glle immer oben, aber in diesem Fall wohnt sie
oben. Er schrieb auch, dass er NPD whle. Sogar
eine Verbindung zwischen den beiden Mnnern,
existiert: Sie haben sich in Kommentaren auf
Facebook ber ihre Ablehnung von Flchtlingen
ausgetauscht. Polizei und Staatsanwaltschaft ent
scheiden, die beiden zunchst nicht mit dem
Verdacht zu konfrontieren. Sie beantragen eine
Telefonberwachung. Zeitgleich wollen die Be
amten herausbekommen: Mit wem haben die

Verdchtigen Kontakt, was ist aus ihrem sozialen


Umfeld bekannt?
Ende Mrz beginnt die Telefonberwachung.
Whrend sie luft, vernehmen die Beamten Personen
aus dem Umfeld der Tatverdchtigen, werfen den
einen oder anderen Namen ein, auch den der beiden
Mnner sie wollen ihnen Anlass geben, am Telefon
miteinander zu reden.
Nach ein paar Wochen klappt es. Die beiden Ver
dchtigen machen am Telefon zwar nur Andeutun
gen, so, als vermuteten sie, belauscht zu werden, aber
mit unserem Hintergrundwissen war es eindeutig,
dass sie ber die Tat reden, sagt Bernd Scharen. Und
aus den Gesprchen ergeben sich Hinweise auf Mit
wisser. Als die Polizei einen von diesen befragt, ver
sucht er, den Tatverdchtigen ein abgesprochenes
Alibi zu geben. Sie seien zum Zeitpunkt der Tat bei
ihm gewesen, in einem Nachbarort von Gro
Lsewitz. Allerdings unterluft ihm ein Fehler: Der
Anschlag wurde am 12. Oktober 2014 verbt, in
der Nacht zum Sonntag. Das Alibi gibt er aber fr
die Nacht zum Montag. Auch eine Korrektur hilft
ihm nicht: Die Handys der zwei Verdchtigen haben
in der Tatnacht ausschlielich Signale aus Gro
Lsewitz gefunkt. Es ist unwahrscheinlich, dass die
Mnner den Ort verlassen haben.
Als die Polizeibeamten dem Zeugen auf den
Zahn fhlen, verstrickt er sich in Widersprche,
beschuldigt dann den einen der Verdchtigen,
nimmt die Aussage aber wieder zurck. Alsbald
werden die Verdchtigen unruhig, sie wissen
nicht, was genau der Zeuge aussagt. Als einer ver
sucht, weitere Zeugen zu beeinflussen, erlsst das
Amtsgericht am 14. August gegen ihn Haftbefehl
wegen Verdunkelungsgefahr, am 21. August wird
auch der mutmaliche Komplize festgenommen.
Zehn Monate sind vom Zeitpunkt der Tat bis
zum Ausstellen der Haftbefehle vergangen. Eine
Ewigkeit. Htte es schneller gehen knnen? Mit
mehr Personal, mehr Mitteln, mehr Einsatz?
Scharen glaubt: Nein. Gerade in diesem Fall war
Zeit ein Faktor. Wir hatten keine Spur mehr,
waren angewiesen darauf, dass das Gerede im
Dorf erneut in Gang kommt. Und dass die Ver
dchtigen endlich Fehler machen. Wir brauchten
Geduld. Scharen und seine Ermittler halten
Gro Lsewitz fr kein rechtes Nest, sondern fr
ein ganz normales Dorf. Sie sind weder Sozio
logen noch politische Analytiker, sie sind einfach
Polizisten, die ihren Job machen. Keine groe
Sache finden sie, aber ohne ihre Hartnckigkeit
wre auch dieser Brandanschlag wie fast alle ande
ren unaufgeklrt geblieben.
Am 30. September 2015 erhebt die Staats
anwaltschaft Rostock Anklage wegen versuchten
Mordes und schwerer Brandstiftung gegen die
beiden Beschuldigten. Wann das Hauptverfahren
erffnet wird, steht noch nicht fest. Sollten die
Angeklagten wegen versuchten Mordes verurteilt
werden, wird die Freiheitsstrafe mindestens drei
Jahre betragen. Der eine streitet die Tat ab, der
andere hat mittlerweile gestanden. Er habe, sagt
er, nicht das Leben der Flchtlinge gefhrden,
sondern seinem rger ber die fehlenden Infor
mationen der rtlichen Politiker Luft machen
wollen. Ein Zeichen habe er setzen wollen. Seinen
Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft
hat das Gericht abgelehnt.

HINTER DER GESCHICHTE


Die Recherche
Warum wird kaum ein Tter von An
schlgen auf Flchtlingsheime gefasst?
Dieser Frage sind 15 Redakteure von
ZEIT und ZEIT ONLINE in den letz
ten Wochen nachgegangen. Weitere Ar
tikel und eine detaillierte Datenanalyse
inklusive aller gewaltttigen Angriffe auf
Flchtlingsunterknfte 2015 finden sie
auf ZEIT ONLINE: www.zeit.de/thema/
gewalt-gegen-fluechtlinge

ANZEIGE

Ja, ich lese DIE ZEIT 3 Monate zum Sonderpreis!


Ich lese DIE ZEIT 3 Monate lang fr nur 37,40 statt 61,10 im Einzelkauf. Zudem erhalte ich den kostenlosen
Newsletter ZEIT-Brief. Wenn ich mich nach der 12. Ausgabe nicht melde, beziehe ich DIE ZEIT 52x im Jahr
fr zzt. nur 4,40 pro Ausgabe frei Haus statt 4,70 im Einzelkauf. Ansonsten reicht eine formlose Mitteilung
an den Leser-Service. Mein Geschenk darf ich in jedem Fall behalten. Der Versand erfolgt nach Eingang der
1. Zahlung. Angebot nur in Deutschland gltig. Auslandspreise auf Anfrage. Diese Bestellung kann binnen
14 Tagen ab Erhalt der 1. Ausgabe ohne Angabe von Grnden formlos widerrufen werden. Ihr Abonnement
ist auch danach jederzeit kndbar. Ausfhrliche Informationen zum Widerrufsrecht unter www.zeit.de/wr.
Mein Wunschgeschenk: (Bitte nur ein Kreuz machen)
ZEIT-Uhr Tempus 1946
ZEIT-Uhr Weimar

Damenuhr

Damenuhr

Herrenuhr

ZEIT-Taschenuhr mit Kette

Herrenuhr

Anrede/Vorname/Name
Strae/Nr.
PLZ/Ort
Telefon (fr eventuelle Rckfragen)

E-Mail (dient als Benutzername fr das Digital-Paket)

Ich zahle per Bankeinzug und erhalte 2 weitere ZEIT-Ausgaben kostenlos!

IBAN/ersatzweise Konto-Nr.

BIC/ersatzweise Bankleitzahl

Geldinstitut

Ich zahle per Rechnung

Unsere Empfehlung:
Ja, ich mchte zustzlich fr nur 0,60 statt 4,10 pro Ausgabe (0,50 E-Paper-Anteil)
die digitale ZEIT beziehen DIE ZEIT als E-Paper, App, Audio und fr den E-Reader.
Ich bin Student und spare nach dem Test ber 43%, zahle zzt. nur 2,65 pro Ausgabe und erhalte DIE ZEIT 52x sowie das Studentenmagazin ZEIT CAMPUS 6x im Jahr separat zugeschickt.
Meine gltige Immatrikulationsbescheinigung fge ich bei.
Ja, ich mchte von weiteren Vorteilen profitieren. Ich bin daher einverstanden, dass mich
DIE ZEIT per Post, Telefon oder E-Mail ber interessante Medien-Angebote und kostenlose
Veranstaltungen informiert.

Datum

Unterschrift

DIE ZEIT, Leser-Service, 20080 Hamburg


040/42237070* 040/42237090
[email protected]*
*Bitte jeweilige Bestellnummer angeben
Anbieter: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Buceriusstrae, Hamburg

100994_ANZ_10099400003941 [P].indd 1

Bestellnr.: 1436946 H13/H15 1436945 Stud. H13/H15 1287445 Digital-Paket

Foto (Symbol): imago

ernd Scharen, Erster Kriminal


hauptkommissar des Staatsschut
zes in Rostock, und seine Kollegen
sind drauf und dran aufzugeben,
die Akte zu schlieen, den Fall
einzustellen. Das Verbrechen ist
einfach nicht aufzuklren so sieht
es aus im Januar 2015.
Drei Monate zuvor, im Oktober 2014, hat ein
Unbekannter einen Brandsatz auf ein Haus im Ort
Gro Lsewitz geworfen. Der Anschlag galt Men
schen: Vierzig Flchtlinge waren in dem attackierten
Gebude untergebracht. Verletzt wurde zum Glck
niemand. Seitdem sucht die Polizei vergeblich nach
dem Tter. Ende Januar treffen sich die Polizisten mit
der Staatsanwaltschaft zur Krisensitzung: Was knnen
wir noch tun? Die Kriminalbeamten haben den Ver
dacht, einige Bewohner des Dorfes wssten mehr, als
sie preisgeben. Aus der Zeit, als Scharen noch die
Ermittlungen bei Ttungsdelikten leitete, wei er,
wie schwierig es ist, in einem Dorf Menschen zum
Reden zu bringen. Zu gro die Angst vor der chtung
durch die Nachbarn. Zu gro die Skrupel, ber
Freunde und Bekannte mglicherweise etwas Belas
tendes auszusagen. Oder decken die Bewohner den
Tter, weil sie den Angriff gutheien?
Wie auch immer die Fahnder beschlieen, eine
Belohnung auszusetzen: 3000 Euro. Sie wollen im
Dorf noch einmal fr Gerede sorgen: Es ist der finale
Versuch, den Tter zu ergreifen.
Gro Lsewitz liegt in Mecklenburg, etwa 15
Kilometer stlich von Rostock. 850 Einwohner, ein
Schloss, ein See, ein Institut fr Kartoffelforschung.
Und, seit Anfang Januar 2014: eine Unterkunft fr
Asylbewerber. Zwei Monate bevor die ersten Flcht
linge einzogen, hatte die Gemeinde zum Informa
tionsabend eingeladen. Achtzig Dorfbewohner kamen,
und es wurde laut. Man wolle keine Flchtlinge hier,
sagten einige; andere waren darber verrgert, dass
zwar die Bauarbeiter, die das Haus renovierten, lngst
wussten, wer einziehen sollte die Dorfbewohner
aber nicht. In den Monaten danach wurden die
Reifen der Fahrrder zerstochen, die fr die Flcht
linge gespendet worden waren. Ein anderes Mal
drehte jemand im Haus die Wasserzufuhr ab. Aber
es gab auch Solidaritt mit den Flchtlingen, Brger
unterrichteten Deutsch, Helfer kmmerten sich um
Kleidung. Unmut einerseits, Zuwendung anderer
seits, dazwischen die schweigende Mehrheit, die
einfach weiterlebt Gro Lsewitz unterschied sich
im Sommer 2014 in nichts von anderen Orten, die
Flchtlinge aufgenommen hatten.
Bis zum 12. Oktober 2014. Um 0.40 Uhr, es war
die Nacht auf einen Sonntag, flogen zwei Molotow
cocktails, mit Benzin gefllte Bierflaschen, Marke
Hasserder, auf das Haus mit den vierzig Flcht
lingen. Eine der Flaschen zersprang nicht, sondern
blieb brennend vor dem Haus liegen, die andere
zersplitterte auf Hhe des zweiten Stocks an einem
Baugerst und setzte einen Fensterrahmen in Brand.
Htten die beiden Flaschen oder auch nur eine ein
Fenster durchschlagen, der Brand htte sich verhee
rend auswirken knnen. Die vierzig Einwohner
kamen aus Afghanistan, Eritrea, Tschetschenien und
vom Balkan, es waren Familien, Frauen, Kinder. Es
ist hchst wahrscheinlich, dass der oder die Tter
das wussten.
Jede Woche, beinahe jeden Tag werden in
Deutschland Flchtlinge und ihre Unterknfte an
gegriffen. Im Jahr 2015 waren es nach Recherchen
von ZEIT und ZEIT ONLINE bis Ende November
222 Gewalttaten, darunter 93 Brandanschlge, von
denen fast die Hlfte auf bewohnte Heime verbt
wurde, wie der in Gro Lsewitz. Die Aufklrungs
quote ist erschreckend gering (ZEIT Nr. 49/15). Und
selbst wenn die Tter gefunden wurden: Nur in drei
Fllen von Brandstiftung kam es bislang berhaupt
zu einer Anklage.
In Gro Lsewitz alarmierten die rtlichen
Polizeibeamten sofort ihre Kollegen aus Rostock,
die noch in der Nacht mit der Spurensicherung
begannen und nach Zeugen suchten. Auf der
Strae, die zur Unterkunft fhrt, war auch um
diese Zeit noch einiges los, die Anwohner hatten
ein Fest gefeiert. Der erste Gedanke: Vielleicht

14

Jetzt 3 Monate DIE ZEIT


lesen und ber 38% sparen!
Nehmen Sie sich mehr ZEIT fr das Wesentliche, und genieen Sie das gute Gefhl, immer bestens
informiert zu sein. Im Mini-Abonnement lesen Sie 13 Ausgaben fr nur 37,40 und sparen ber 38 %
gegenber dem Einzelkauf. Als Dankeschn erhalten Sie zustzlich eine ZEIT-Uhr Ihrer Wahl!

ZEIT-Uhr
zur Wahl!
ZEIT-Uhr
Tempus 1946

ZEIT-Taschenuhr
mit Kette

ZEIT-Uhr
Weimar

04.12.15 12:12

DOSSIER
10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

D I E Z E I T No 5 0

Unsere DDR ist ein


sauberer Staat: Der
Kampf der SED gegen
die westliche Kultur
Seite 23

15

Was ist da drin?


Das Pflanzengift Glyphosat
wird weltweit auf ckern
versprht. Es sorgt dafr,
dass dort kein Unkraut
wchst, sondern Gemse
oder Getreide. Vielleicht
sorgt es auch fr Krebs.
Das behaupten jedenfalls
manche Forscher. Die EU
muss jetzt entscheiden, ob
sie das Mittel verbietet

Fotos: Reinhard Hunger fr DIE ZEIT (S. 15 und 16); kl. Fotos (S. 15): Nigel Cattlin/Holt Studios/Okapia (u.); DEFA (o.)

VON ANKE SPARMANN

s war ein schleichender Prozess


von den ersten Zeichen bis zu der
Erkenntnis: Sven, mit deiner
Herde stimmt was nicht. Sven
Krey, 34 Jahre alt, rosiges rundes
Gesicht, sitzt in seiner Kche,
neben der Eckbank steht ein Kinderstuhl, an der Wand hngen Fotos von seiner
Hochzeit. Durch das Fenster fllt mildes Sonnenlicht, doch Krey frstelt. Ihn berluft Gnsehaut,
wenn er sich erinnert, wie das Grauen auf seinen
Hof kam.
Der Kreysche Bauernhof: Backstein, Reetdach, gleich hinterm Elbdeich gelegen, nicht weit
von der Nordsee. Ein idyllischer Ort, an dem das
Wort Grauen wie ein Fremdwort klingt. Die Auffahrt halten die Kreys so sauber, dass die beiden
Kinder in Hausschuhen zum Kuhstall laufen
knnen. Diesen Weg gingen in den vergangenen
fnf Jahren auch Tierrzte, Landwirtschafts- und
Rinderspezialberater. Erst, erzhlt Krey, sackte
die Milchleistung seiner 150 Khe ab. Dann fielen die Tiere vom Fleisch, verloren 30, 40 Kilo.
Durchfall, handtellergroe Geschwre an den
Eutern, lahme Beine.
2014, der Tiefpunkt. Sechs Notschlachtungen.
Der Rest der Herde dermaen angeschlagen, dass
Krey Listen fhren muss, um nicht den berblick
ber das Leid zu verlieren. Fast wird ihm eine tote
Kuh lieber als eine lebende, denn die lebende kostet. Futter, Tierarzt, Nerven.
Kein Landwirt redet gerne ber Tod und Siechtum in seinem Stall. Zu der Sorge um die Tiere
kommt die Scham: Du glaubst, du hast als Bauer
versagt, sagt Sven Krey.
Krey hat lange berlegt, ob er seine Geschichte
ffentlich machen soll. Er wolle, sagt er, sich alles
mal von der Seele reden. Die tiefe Verzweiflung.
Aber auch die groe Erleichterung, als ihm jemand, endlich, eine mgliche Ursache fr das
Grauen nennt.
Vor etwas mehr als einem Jahr fhrt der Tierarzt Achim Gerlach aus der schleswig-holsteinischen Gemeinde Burg zum ersten Mal auf den
Hof der Kreys. Gerlach diagnostiziert bei den Khen Anzeichen einer chronischen Vergiftung: ab-

In Kartoffeln, Zitronen, Blumenkohl und vielen anderen Lebensmitteln werden regelmig Rckstnde von Glyphosat gefunden

Der Erfolg
eines Gifts
Glyphosat wurde erstmals 1950
von einem Schweizer Chemiker
synthetisiert. Seit den siebziger
Jahren wird der Stoff in der
Landwirtschaft eingesetzt.
Zunchst wurde er vor allem
vor der Aussaat verwendet, um
cker von lstigem Unkraut
zu befreien.
Seitdem es gentechnisch
vernderte Pflanzen gibt, die
gegen Glyphosat resistent sind,
kann das Mittel auch nach der
Saat eingesetzt werden.
Glyphosat wird vor allem von
dem US-Konzern Monsanto
an Bauern rund um die Welt
verkauft. Monsanto produziert
auch das zugehrige
genmanipulierte Getreide.

sterbendes Gewebe an Zitzen, Schwnzen, Ohren.


Magen- und Klauenprobleme.
Es sind Symptome, auf die der Tierarzt in
jngster Zeit hufig stt. Irgendeine Substanz in
ihrem Futter scheint die Tiere krank zu machen.
Gerlach lsst den Urin der Khe testen. In allen
Proben finden sich hohe Rckstnde eines bestimmten Stoffes: Glyphosat.
Es gibt viele Begriffe, um die Gegenwart zu
charakterisieren. Wir whnen uns im Zeitalter der
Digitalisierung, auch im Zeitalter von Terror und
Flucht. Weitgehend unbemerkt aber brach schon
vor Jahrzehnten eine weitere ra auf der Erde an.
Die ra des Glyphosats.
Glyphosat ist das erfolgreichste und meistverkaufte Pestizid der Welt. Vom amerikanischen Agrarkonzern Monsanto 1974 in den Vereinigten Staaten
unter dem Namen Roundup auf den Markt gebracht,
ist es heute rund um den Globus im Einsatz. Das
Pestizid hat sich zu einem der wichtigsten Treibstoffe der konventionellen Landwirtschaft entwickelt.
Amerikanische Maisfarmer, indische Baumwollbauern, argentinische Sojabarone und deutsche
Getreidelandwirte, sie alle sprhen Glyphosat auf
ihre Felder. Denn dieser Wirkstoff ttet die Vogelmiere und das Rispengras, den Weien Gnsefu und
die Acker-Kratzdistel. Es ttet praktisch jede Art von
Unkraut, berall auf der Welt.
Und womglich nicht nur das Unkraut.
Seit Langem schon gibt es Gerchte, Hinweise,
mehr oder weniger ernst zu nehmende Verdachtsmomente, dass Glyphosat nicht nur Pflanzen vernichtet, sondern auch Tieren und Menschen schadet.
Anhaltspunkte wie die kranken Khe auf Sven Kreys
Bauernhof. Streitpunkte in einem ideologischen
Kampf, der sich an diesem Pestizid entzndet hat.
Glyphosat ttet, es muss sofort verboten werden! Das sagen Umweltschtzer.
Glyphosat rettet Leben, es erhht die landwirtschaftlichen Ertrge und sichert die Welternhrung!
Das antworten Agrarfunktionre und Industrie
verbnde.
Was lange fehlte in diesem Kampf zwischen kologischer und konventioneller Landwirtschaft, war
eine wissenschaftliche Instanz, die ein Urteil sprach,
das die Wahrheit von der Propaganda trennte.

Dann, im Mrz dieses Jahres, meldete sich die


Internationale Krebsforschungsagentur der Welt
gesundheitsorganisation (WHO) zu Wort. Nach
ausfhrlicher Prfung wissenschaftlicher Untersuchungen war sie zu dem Ergebnis gekommen,
Glyphosat sei: wahrscheinlich krebserregend.
Warnstufe tiefes Orange also. Offenbar genau zum
richtigen Zeitpunkt. In den kommenden Monaten
muss die Europische Kommission routinemig
entscheiden, ob sie den Einsatz von Glyphosat in
Europa weiterhin genehmigt. In dieser Woche tagt
der zustndige Ausschuss zum ersten Mal.
Mit dem Votum der WHO schien die Entscheidung gegen Glyphosat gefallen zu sein. Aber es schien
eben nur so. Denn wenig spter gab auch das Bundesinstitut fr Risikobewertung in Berlin seine Einschtzung ab: Glyphosat sei nicht kanzerogen. Mitte
November schloss sich die Europische Behrde fr
Lebensmittelsicherheit, mit Sitz in der italienischen
Stadt Parma, dieser Meinung an: Glyphosat sei wahrscheinlich nicht krebserzeugend.
Wahrscheinlich krebserregend. Wahrscheinlich
nicht krebserregend. Aus einem Konflikt zwischen
Umweltaktivisten und Agrarlobbyisten ist eine
Auseinandersetzung zwischen Wissenschaftlern
und Wissenschaftlern geworden.
Dazwischen stehen Politiker und Verbraucher
und fragen sich: Wer hat recht?
Gefhrdet Glyphosat wirklich unsere Gesundheit? Erzeugt es tatschlich Krebs? Oder ist es doch
vllig unbedenklich?
Und: Wie stark sind wir diesem Wirkstoff
berhaupt ausgesetzt?
Eine erste Antwort findet man hinter einer Fassade
aus Klinker, Glas und Stahl, im Medizinischen Labor
Bremen. In dem privaten Institut arbeitet der
Chemiker Hans-Wolfgang Hoppe, ein Buchhalter
der chemischen Substanzen, die uns umgeben. Sie
finden sich in unserem Essen, in unseren Mbeln, in
unserer Kleidung, in Frischhaltefolie, Wandfarben
und Kinderspielzeug. Und fast immer lassen sie sich
auch in unserem Krper nachweisen. Zurzeit beschftigt sich Hoppe mit der Frage, in welcher M
enge
die Deutschen Glyphosat aufnehmen.
Hoppe geht vorbei an stahlblanken, leise brummenden Gerten, die aussehen wie Khlschrnke,

aber so viel kosten wie ein Einfamilienhaus. Jeder


der teuren Apparate ist fr die Analyse eines bestimmten Wirkstoffs ausgelegt, sprt ihn auf in
Blut oder Urin.
Zum Beispiel Polychlorierte Biphenyle, kurz
PCB. Das war mal ein Riesending, sagt Hoppe.
PCB dienten der Industrie jahrzehntelang als
Weichmacher und Flammschutzmittel in Farben,
Lacken und Kunststoffen. Schon geringe Mengen
knnen zu schweren Schden der Leber fhren,
das Wachstum bei Kindern verzgern. Seit 2001
sind PCB weltweit verboten. Noch immer aber
sind sie in der Umwelt, in der Nahrungskette, findet Hoppe sie in menschlichem Blut.
Oder: Dichlordiphenyltrichlorethan, kurz DDT,
das einst meistverwendete Insektizid der Welt,
dessen Entdecker 1948 den Medizin-Nobelpreis
bekam inzwischen als wahrscheinlich krebs
erzeugend eingestuft und in den meisten Industrie
lndern seit den siebziger Jahren verboten.
Oder: Lindan, ein Insektizid und Holzschutzmittel, seit Langem unter Verdacht, schwere
Krankheiten auszulsen, im Juni dieses Jahres von
der WHO als krebserregend kategorisiert.
Es sind kurze Geschichten des Zusptkommens, die Hans-Wolfgang Hoppe an diesem Tag in
seinem Labor erzhlt. Chemische Substanzen gelangten in die Welt. Frhe Warnsignale wurden
berhrt. Erst als Menschen schwer erkrankten,
begannen Wissenschaftler, die Wirkmechanismen
grndlich zu erforschen. Am Ende standen Verbote, die schon viel frher htten ausgesprochen
werden knnen.
Sollten die Krebsforscher der WHO richtig
liegen, wiederholt sich dieses Muster gerade im
Fall von Glyphosat.
Bei amtlichen Lebensmittelproben tauchte
Glyphosat in Austernseitlingen, Blumenkohl, Erdbeeren, Grapefruits, Zitronen, Erdnssen, Feigen,
Linsen, Lauchzwiebeln, Wachtelbohnen, Kartoffeln, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer auf. Vor
drei Jahren untersuchte die Zeitschrift ko-Test
verschiedene Getreideerzeugnisse auf Glyphosat.
In 14 von 20 Produkten fanden sich Spuren: in
Fortsetzung auf S. 16

16 DOSSIER

10. D E Z E M B E R 2015

D I E Z E I T No 5 0

Was ist da drin? Fortsetzung von S. 15

Vazquez redet auf Spanisch, eine Dolmetscherin


Tatschlich fanden Wissenschaftler des US-Konbersetzt ins Deutsche. Die deutlichste Sprache aber zerns bereits vor Jahrzehnten heraus, wie Glyphosat in
sprechen diese Bilder: eine blutige Geschwulst an der den Stoffwechsel von Pflanzen eingreift: Es unterbinBrust einer Frau. Ein Sugling mit offenem Rcken. det die Bildung eines Enzyms, das fr den Aufbau leSchlielich ein Foto, das eine Verbindung zwischen benswichtiger Aminosuren zustndig ist. Ohne dieses
Agrarlandschaft und menschlichem Leid herstellen soll: Enzym sterben Pflanzen innerhalb weniger Tage.
Ein Glyphosatmolekl setzt sich zusammen aus
ein Lager mit Pestizidkanistern.
Glifosato, sagt Avila Vazquez.
Glycin, einer Aminosure, und Phosphonsure. MonIm Oktober 2014 ging Vazquez gemeinsam santo lie sich die Verbindung Anfang der siebziger
mit anderen Wissenschaftlern in
Jahre patentieren. Inzwischen ist das
Monte Maz von Haus zu Haus.
Patent fast berall ausgelaufen.
Sie fragten die Bewohner nach
Neben dem Monsanto-Produkt
Lebensgewohnheiten, KrankheitsRoundup sind allein in Deutschland
geschichten. Sie fanden heraus, dass
rund 80 weitere glyphosathaltige
Mittel auf dem Markt. Sie heien
in diesem Dorf dreimal so viele
Menschen an Krebs erkranken wie
zum Beispiel Taifun forte, Dominaim Landesdurchschnitt. Doppelt so
tor ultra und Dr. Sthler Unkrautfrei. Es gibt sie in groen Kanistern
hufig, wie statistisch zu erwarten
fr Landwirte und in kleinen Flawre, bringen die Frauen missgebilschen fr Hobbygrtner.
dete Babys zur Welt.
Es gibt in Argentinien keine
Europaweit stellen heute 14UnSollte Blumenkohl
breit angelegten Studien, die einen
ternehmen Glyphosat her. Aber fr
Zusammenhang zwischen Glyphokeines dieser Unternehmen ist der
tatschlich gefhrlich
auch nur annhernd so
sat und Missbildungen oder Krebs
fr die Gesundheit sein, Wirkstoff
wichtig wie fr Monsanto. Denn
erkrankungen belegen knnten.
hnlich wie
Aber Avila Vazquez zeigt an diesem
Monsanto liefert der Welt nicht nur
Abend in Berlin zwei Landkarten.
Glyphosat, es verkauft den Bauern
Alkohol und Tabak?
Auf der einen sind jene Areale
auch das genvernderte Saatgut,
dunkel markiert, auf denen in Ardas dem Pestizid standhlt unter
gentinien besonders viel Soja andem Namen Roundup Ready.
gebaut und besonders viel Glyphosat gespritzt wird. Bereit fr Roundup.
Auf der anderen die Gebiete, in denen berdurchWre der Einsatz von Glyphosat nicht mehr erschnittlich viele Menschen an Krebs sterben.
laubt, knnte Monsanto nicht nur kein Roundup
Die Karten sind fast deckungsgleich.
mehr absetzen. Die Bauern htten auch keinen Grund
35 bis 40 Millionen Tonnen genvernderten Sojas mehr, den Genmais, den Genweizen und das Gensoja
werden jhrlich aus Nord- und Sdamerika in die EU zu kaufen. Das Geschftsmodell von Monsanto brche
importiert. Denn hier ist zwar der Anbau genmani- zusammen.
pulierter Pflanzen weitgehend verboten, nicht aber
In Europa sind die Umstze des Unternehmens
die Einfuhr. Das Gensoja landet als Mehl oder zu vergleichsweise gering. Aber wenn die EU-KommisPellets gepresst in den Trgen europischer Rinder, sion dem Pestizid die Zulassung verwehrt, knnten,
Schweine, Hhner. ber Jahre fraen auch die Khe nicht zuletzt durch wachsenden Druck der Verbrauauf dem Hof von Sven Krey in Schleswig-Holstein cher, weitere Lnder nachziehen. Das ist es, wovor
Monsanto Angst haben muss.
dieses Futter.
In Dsseldorf, in der Deutschland-Zentrale des
War es also tatschlich das Glyphosat, das seine
Konzerns, wechseln sich die Monsanto-Mitarbeiter
Tiere erkranken lie?
Zwei Broetagen im Dsseldorfer Stadtteil Rath: Ophoff und Kchler an diesem Tag mit dem Reden
Das ist die Deutschland-Zentrale des amerikanischen ab. Sie variieren die Wortwahl. Aber im Grunde
Konzerns Monsanto. Drauen drckt der Sturm gegen sagen sie mit fast jedem Satz das Gleiche, egal, was
die Fenster, drinnen verbreiten zwei Mnner beruhi- man zuvor gefragt hat.
Kchler: Wir gehen zuversichtlich davon aus,
gende Zuversicht.
Wir kennen den Wirkstoff Glyphosat schon sehr, dass es eine weitere Genehmigung fr Glyphosat
sehr lange, und wir kennen ihn sehr, sehr gut, sagt gibt.
Ophoff: Die Unbedenklichkeit von Glyphosat
Holger Ophoff, Leiter der Zulassungsabteilung von
ist durch eine nie da gewesene Flle an Daten und
Monsanto Deutschland.
Glyphosat ist seit ber 40 Jahren auf dem Markt Studien belegt.
und seither weltweit immer wieder geprft und zuKranke Khe. Missgebildete Kinder. Ein Konzern,
gelassen worden, sagt Thoralf Kchler, Sprecher von der aus finanziellen Grnden alles daransetzen muss,
seinen Wirkstoff im Markt zu halten. Das sind die
Monsanto Deutschland.

Weizenmehl, Haferflocken, Brtchen. In Nahrungsmitteln, die beinahe jeder tglich isst. Der
Chemiker Hoppe findet es erstaunlich, dass die
Substanz sogar den Backprozess bersteht.
Wie stark die breite Bevlkerung hierzulande mit
Glyphosat belastet ist, wurde von den Behrden noch
nie gemessen. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass
kein anderes Pestizid hufiger in die Umwelt gelangt.
Hans-Wolfgang Hoppe hat zumindest den Urin
von 90 Mitarbeitern seines Labors auf Glyphosat getestet. In rund 70 Prozent der Proben fanden sich Rckstnde. Hoppe nimmt an, dass dieses Ergebnis ungefhr
dem Bundesdurchschnitt entspricht.
In Deutschland landet Glyphosat heute auf knapp
40 Prozent der Ackerflche, rund 6000 Tonnen jedes
Jahr. Whrend Biobauern auf das Pestizid verzichten,
ersetzt Glyphosat vielen konventionellen Landwirten
den Pflug. Statt das Unkraut vor der Aussaat von Getreide- und Gemsesamen mechanisch zu entfernen,
tten sie es chemisch.
Am meisten Glyphosat aber wird in Lndern eingesetzt, in denen der Anbau gentechnisch vernderter
Pflanzen erlaubt ist, etwa in den Vereinigten Staaten,
in Brasilien und Argentinien. Dort pflanzen die Bauern
genvernderte Getreidesorten an, die Glyphosat zwar
aufnehmen, aber nicht daran zugrunde gehen. So
knnen die Bauern ihre cker auch nach der Aussaat
mit dem Pestizid einsprhen und nachgewachsenes
Unkraut vernichten. Die Weizenhalme, Maisstauden
und Sojapflanzen bleiben trotzdem stehen.
Allein die Anbauflche fr genmanipuliertes Soja
ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von null auf
weltweit ber 90 Millionen Hektar gestiegen. 22
Millionen Hektar davon erstrecken sich in Argentinien, das entspricht zwei Dritteln der Gesamtflche
Deutschlands.
Argentinien ist ein Glyphosat-Land, und das ist der
Grund, weshalb Avila Vazquez in diesem Herbst nach
Deutschland gekommen ist.
Ein lauer Novemberabend in Berlin, der argentini
sche Kinderarzt Avila Vazquez hat sein Jackett abgelegt
und in einem Konferenzraum der Organisation Brot
fr die Welt Platz genommen. Vazquez ist hier, weil er
wei, dass die EU-Kommission bald ber die Neuzulassung von Glyphosat entscheidet. Er hofft, darauf Einfluss nehmen zu knnen. Er will die Europer warnen.
Avila Vazquez leitet die Intensivstation fr Neugeborene in einer Klinik in der argentinischen Provinzhauptstadt Crdoba. Erst fiel ihm auf, dass immer
mehr Babys mit Missbildungen zur Welt kamen.
Dann stellte er fest, dass die Mtter dieser Kinder
hufig aus lndlichen Gegenden stammten, aus Orten
wie Monte Maz.
In Berlin drckt Vazquez jetzt eine Taste auf seinem
Laptop. Auf der Leinwand erscheinen die wei getnchten Huser dieses Dorfes. Monte Maz, 8000
Einwohner, umgeben von einem groen grnen Meer,
bestehend aus Millionen von Sojapflanzen.

ANZEIGE

Deutscher ReporterPREIS 2015

R E P O RTA G E : Jana Simon


I NV ESTIGATIO N : Anne Kunze
WEB R E PO RTAG E: Fabian Biasio
DATEN J OU R N A LI SMUS : Theresa Rentsch
WISSEN SC H AF T: Malte Henk
LOK A L R EPORTAG E: Nik Afanasjew
E SSAY: Emilia Smechowski
KU LTU R KR ITI K: Peter Kmmel
I NTERV I EW: Bastian Berbner
FR EI ER R EPO RTER: Claas Relotius

Konzept: www.ankerplatz-hamburg.de | Foto: photocase.com complize | m.martins

Der Preis von Journalisten fr Journalisten

I N NOVATIO N : David Schraven


Die Jury: die Journalisten Franziska Augstein, Matthias Eberl, Michael Ebert, Ullrich Fichtner, Richard Gutjahr, Rainer Hank,
Claus Kleber, Ulrike Langer, Hania Luczak, Caren Miosga, Anja Reschke, Evelyn Roll, Margrit Sprecher, Jessica Schober,
Pauline Tillmann, Dominik Wichmann, Armin Wolf und Diana Zinkler; die Autoren Anke Domscheit-Berg, Axel Hacke,
Sascha Lobo und Christine Westermann; die Verleger Michael Krger und Helge Malchow; und der TV-Produzent Friedrich
Kppersbusch. Verliehen am 7. Dezember im Meistersaal Berlin.
www.reporter-forum.de
Der Deutsche Reporterpreis und das Reporter-Forum werden nanziell untersttzt von der Robert Bosch Stiftung, der Rudolf
Augstein Stiftung und dem Augustinum.

Bestandteile fast jeder Erzhlung vom gefhrlichen, Glyphosate Task F


orce arbeiten die Hersteller von
Pflanzenschutzmitteln zusammen, genauer: jene
giftigen Glyphosat.
Aber es sind keine wissenschaftlichen Beweise. Unternehmen, die beantragt haben, Glyphosat inDie Khe auf dem Bauernhof von Sven Krey knn- nerhalb der EU verkaufen zu drfen.
Der 947 Seiten starke Bericht besteht im Weten theoretisch auch durch andere Substanzen erkrankt sein. Die Bewohner des argentinischen Dorfs sentlichen aus Zusammenfassungen von Studien,
Monte Maz sind nicht nur Glyphosat ausgesetzt. in denen die Unternehmen selbst die gesundheit
Die Sojabauern dort versprhen auch Insektizide, lichen Auswirkungen von Glyphosat untersuvielleicht sind sie es, die den Menschen schaden, chen lieen.
nicht das Glyphosat.
Nun mssen von Pestizidherstellern finanzierte
Sptestens an dieser Stelle ist daher der Zeitpunkt Studien ber Pestizide nicht notwendigerweise
gekommen, den Streit der Wissenschaftler zu be- unseris sein. Man wrde sich nur gerne selbst ein
leuchten und zunchst nach Lyon zu fahren, zu Bild von diesen Untersuchungen machen. Das aber
einem Broturm, der die Wohn- und Geschfts- ist kaum mglich. Die Studien wurden nie ver
gebude im Sdosten der franzsischen Grostadt ffentlicht. Und viele Angaben zu den Studien
weit berragt. Unten, am Haupttor, ein Schild: Verfasser, durchfhrendes Labor sind in dem
IARC. International Agency for Research on Cancer. BfR-Bericht sogar geschwrzt.
Sehr gut lesbar aber ist das abschlieende Fazit:
Die Krebsforschungsagentur der WHO.
Im fnften Stockwerk arbeitet die Amerikanerin nicht krebserregend.
Vor diesem Hintergrund bekommt eine uKathryn Guyton, Cheftoxikologin der IARC. Auf
ihrem Schreibtisch liegt der 92 Seiten starke Bericht erung von Robert Fraley, dem stellvertretenden
zu Glyphosat, 17 Wissenschaftler aus elf Lndern Vorstandschef von Monsanto, eine ganz eigene
haben daran gearbeitet. Kathryn Guyton hat die Bedeutung. Nachdem die Efsa im November ihre
Gruppe geleitet. Drei Stunden lang wird sie erklren, Einschtzung zu Glyphosat abgegeben hatte, die
wie die Krebsforscher nach und nach zu der Ein- in weiten Teilen auf den Studien der Hersteller
Science wins! Die
schtzung gelangten, Glyphosat sei wahrscheinlich beruhte, twitterte Fraley:
Wissenschaft hat gesiegt! Dass es vor allem seine
krebserregend.
Die IARC hat seit Anfang der siebziger Jahre an eigenen Studien waren, auf die er sich damit berief,
die 1000 Chemikalien, Lebens- und Genussmittel sagte er nicht.
sowie Umweltfaktoren wie UV-Strahlung und FeinDer Glyphosat-Bericht der Task F
orce, den das
staub untersucht. Das Vorgehen war dabei immer BfR bernahm, war bereits vor dem Urteil der
das gleiche. Auch bei Glyphosat. Guyton sagt: Wir Krebsforschungsagentur IARC entstanden. Als
diese zu der Einschtzung kam, Glyphosat sei
machen keine Ausnahmen.
Fr ihre Beurteilung haben die Wissenschaftler wahrscheinlich krebserregend, erstellte das BfR
der IARC alle Studien gesichtet, die bisher in Fach- ein Addendum, eine Ergnzung zum ursprng
zeitschriften zum Thema Glyphosat verffentlicht lichen Report. Darin beschftigte sich die Behrde
wurden. Zum Beispiel epidemiologische Unter- auch eingehender mit Studien, die nicht von der
suchungen, die einen Zusammenhang herstellen Industrie finanziert worden waren und die den
zwischen bestimmten Krankheiten und mglichen blichen wissenschaftlichen Publikationsprozess
Einflussfaktoren. Es gebe, sagt Guyton, drei Stu- durchlaufen hatten. Sie waren von Fachleuten bedien, die fr Bauern und Feldarbeiter, die dem gutachtet und fr verffentlichungswrdig befunPestizid ausgesetzt waren, ein leicht erhhtes Risi- den worden. Es waren jene Untersuchungen, auf
ko feststellten, an einem Krebs des Lymphsystems denen das Urteil der IARC beruht.
zu erkranken, dem sogenannten Non-HodgkinDen epidemiologischen Studien, aus denen die
Lymphom.
Wissenschaftler um Kathryn Guyton einen glaubDie IARC-Forscher bewerteten in diesem Fall haften Zusammenhang zwischen Glyphosat und
den Zusammenhang zwischen Ursache Gly- Krebserkrankungen bei Menschen ableiteten, gephosat und Wirkung Krebserkrankung nur steht das BfR nur geringe Aussagekraft zu.
als glaubhaft, nicht als gesichert. Aber, gibt
Bei den beiden Musestudien, die nach Ansicht
Kathryn Guyton zu bedenken, wir sehen starke, der IARC-Forscher das Krebspotenzial von Glygesunde Mnner, die auf die Felder ziehen und phosat belegen, vertritt das BfR die Auffassung, die
dann an Krebs erkranken. Das Risiko fr Alte, Tumore gingen nicht auf das Glyphosat zurck.
Kranke, Kinder knne weit hher liegen. Diese Zur Begrndung zieht die Behrde andere ExpeBevlkerungsgruppen msse man bei der Beur- rimente heran, in denen Muse ohne glyphosatteilung im Hinterkopf haben.
haltiges Futter hnliche Tumore
Es gibt auch Daten aus Koentwickelten. Allerdings wurden
lumbien. Dort setzte die Regiediese Experimente weder in eirung wiederholt Glyphosat ein,
nem vergleichbaren Zeitraum
noch mit derselben Museart,
um groflchig Kokainplantagen
noch im selben Labor durchgezu vernichten. Bei Untersuchunfhrt. Die Argumentation der
gen von Anwohnern in den beBehrde widerspricht damit
troffenen Gebieten zeigten sich
wissenschaftlichen Richtlinien.
Vernderungen im Erbgut der
Blutzellen. Solche Schden knAuf genau dieser Argumenta
nen dazu fhren, dass eine Zelle
tion aber beruht das weiterhin
sich unkontrolliert zu teilen
gltige Urteil des BfR: nicht
Kaum jemand kann
beginnt und schlielich ein
krebserzeugend, was die Efsa
Tumor entsteht.
mit wahrscheinlich nicht krebs
wirklich wissen,
Ein weiterer Hinweis: der
erzeu
gend etwas vorsichtiger
wie viel Glyphosat
Blick auf Versuche mit Labor
formuliert.
er mit seiner Nahrung
tieren. Kathryn Guyton schlgt
Man wrde von den Mitardie entsprechende Seite in dem
beitern
des BfR gerne erfahren,
aufnimmt
Bericht auf. In einer Langzeit
warum sie den einen Teil der
ftterstudie mit Glyphosat entStudien fr kaum aussagekrftig
wickelten mnnliche Muse einen Nierentumor. halten. Und den anderen mithilfe einer zweifelKathryn Guyton kringelt ein Krzel am Ende der haften Argumentation verwerfen. Aber trotz erneuStudie ein: P=0,001. P steht fr probability, Wahr- ter Nachfrage bleibt die Behrde dabei: kein perscheinlichkeit, 0,001 bedeutet: Die Chancen, dass snliches Gesprch zum Thema Glyphosat.
Vergangene Woche erhob sich Protest. Ein ofdas Tumorwachstum nicht durch Glyphosat ausgelst wurde, stehen 1 zu 1000. Woher man das fener Brief ging an die Presse. Der Adressat: der
wei? Wie Menschen erkranken auch Muse mit EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.
zunehmendem Alter hufiger an Krebs. Der beob- Der Absender: 96 Wissenschaftler, unter ihnen
achtete Nierentumor aber ist bei Musen so selten, Epidemiologen, Toxikologen, Molekularbiologen,
dass er aller Wahrscheinlichkeit nach nur durch das Statistiker von Krebsforschungszentren und UniGlyphosat ausgelst worden sein kann. Bei einem versitten in 25 Lndern. Die Botschaft: Das Voranderen Versuch bildeten mit Glyphosat geftterte gehen der europischen Behrden in Sachen GlyMuse ebenfalls einen bsartigen, ungewhnlichen phosat sei wissenschaftlich inakzeptabel, die BeurTumor aus, diesmal sa er im Bindegewebe.
teilung sei durch die vorliegenden Daten nicht
Zwei voneinander unabhngige Studien, die gedeckt, auerdem nicht auf transparente Weise
einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und erreicht worden.
Tumorbildung belegen: Nach den Kriterien der
Es fllt schwer, sich der Meinung dieser WissenIARC ist damit die Kanzerogenitt eines Stoffes in schaftler zu widersetzen. Und es fllt daher auch
Tierexperimenten hinlnglich bewiesen.
schwer, sich der Einschtzung der IARC, dass
Daher das Urteil der IARC: wahrscheinlich Glyphosat wahrscheinlich krebserregend sei, entkrebserregend.
gegenzustellen.
Die Frage ist nun: Wie kann es sein, dass das
Entspricht die Erzhlung vom gefhrlichen,
Bundesinstitut fr Risikobewertung, kurz BfR, giftigen Glyphosat also tatschlich der Wahrheit?
und die Europische Behrde fr LebensmittelMan muss sich an dieser Stelle noch einmal mit
sicherheit, kurz Efsa, zu der gegenteiligen Ein- der Arbeit der IARC beschftigen. Ihre Krebsforschtzung kommen?
scher gehen ausdrcklich nur der Frage nach, ob
Dazu ist zunchst zu sagen, dass sich die Efsa in eine bestimmte Substanz in der Lage ist, Krebs zu
ihrem Urteil weitgehend an einem Bericht des BfR erzeugen. Auch wenn sie diese Frage mit wahrorientiert hat. Das Urteil wurde also dort gefllt, bei scheinlich ja beantworten wie im Fall von Glyphoder deutschen Behrde in Berlin.
sat, ist damit noch nichts ber die WahrscheinlichRuft man jedoch bei der Pressestelle des BfR an keit gesagt, mit der die Krankheit tatschlich eintritt.
und bittet um ein Gesprch, lehnt die Behrde eine Wie hoch das Risiko ist, hngt insbesondere davon
persnliche Stellungnahme ab. Stattdessen verweist ab, wie stark und wie lange ein Mensch dem bedas BfR auf seine Internetseite, auf die Rubrik treffenden Stoff ausgesetzt ist, wie viel er von der
Fragen und Antworten zur Bewertung des gesund- Substanz aufnimmt.
Die Menschen in dem argentinischen Dorf
heitlichen Risikos von Glyphosat. Dort hat das BfR
Monte Maz zum Beispiel nehmen das Pestizid
die Aussagen seines Berichts zusammengefasst.
Dieser Bericht ber die mgliche toxische Wir- nicht allein ber Nahrungsmittel auf. Die Sojakung von Glyphosat ist nicht weniger als 947 Seiten farmer besprhen ihre Felder aus Flugzeugen,
lang. Das lsst zunchst eine beeindruckende wieder und wieder, der Wind trgt die Gift
Grndlichkeit vermuten. Bei genauerem Hinsehen wolken in die Drfer, die Bewohner atmen mit
allerdings stellt man fest, dass das BfR den Report der Luft auch das Pestizid ein. Man kann davon
gar nicht selbst erstellt hat. Verfasser ist die Glypho ausgehen, dass sie um ein Vielfaches mehr
sate Task F
orce, die Glyphosat-Arbeitsgruppe. Das Glyphosat aufnehmen als ein Bundesbrger, der
wiederum hrt sich nach einem interdisziplinren morgens ein oder zwei Frhstcksbrtchen aus
Gremium an, aber auch dies ist ein Irrtum. In der konventionell erzeugtem Mehl isst.

DOSSIER 17

D I E Z E I T No 5 0

Erst vor wenigen Wochen hat die IARC einen


ganz anderen Stoff ebenfalls als wahrscheinlich
krebserregend eingestuft: rotes Fleisch. Auch
Schweinesteaks, Rinderbratwrste und Kochschinken haben aus wissenschaftlicher Sicht das
Potenzial, Tumore zu erzeugen. Allerdings sind
sich die Experten einig, dass der Einzelne bei zurckhaltendem Konsum kein groes Risiko eingeht, tatschlich zu erkranken.
Sogar die IARC-Forscherin Kathryn Guyton,
die Glyphosat fr wahrscheinlich krebserregend
hlt, schtzt das tatschliche Gefhrdungspotenzial
des Pestizids eher gering ein. So gesehen, msste
man den Wirkstoff nicht unbedingt verbieten,
auch der Konsum von rotem Fleisch ist weiterhin
erlaubt. Die Einstufung der IARC msste nicht
notwendigerweise das Aus fr Glyphosat in Europa bedeuten. Es wrde womglich reichen, verbindliche Grenzwerte festzusetzen.
Kurioserweise gibt es die sogar schon. Obwohl
das BfR der Meinung ist, Glyphosat sei nicht in
der Lage, Krebs zu erzeugen, hlt die Behrde die
Substanz nicht fr vollkommen ungefhrlich, womglich lst sie ja andere Krankheiten aus. Es
wurden daher sogenannte Rckstandshchstgrenzen definiert allerdings nach mitunter nicht
ganz logischen Mastben. So darf ein Kilogramm
Weizen mit zehn Milligramm Glyphosat belastet
sein, ein Kilogramm Reis dagegen nur mit einem
Hundertstel dieser Menge.
Die unterschiedliche Einstufung knnte
auch damit zu tun haben, dass es in Europa
eher wenige Reisbauern, dafr aber sehr viele
Weizenfelder gibt. Und manche Bauern besprhen die Halme noch kurz vor der Ernte
mit Glyphosat. Sie tten die Pflanzen, um sie
schneller weiterverarbeiten zu knnen.
Dennoch, man knnte die Grenzwerte neu
bestimmen und dabei auch die Krebsgefahr bercksichtigen. Das knnte eine Lsung sein.
Wre da nicht die EU-Verordnung mit der
Nummer 1107/2009.
Diese Verordnung regelt das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln. Gem dieser
Verordnung darf ein Wirkstoff nur dann zugelassen werden, wenn er nicht als bekanntermaen oder wahrscheinlich krebs
erzeu
gend
einzustufen ist. Als Nachweis reichen, laut EUVerordnung Nummer 1272/2008, zwei von
einander unabhngige tierexperimentelle Studien, die einen urschlichen Zusammenhang
zwischen einer bestimmten Substanz und einer
erhhten Tumorhufigkeit aufzeigen.
Genau das ist bei Glyphosat der Fall, es gibt die
beiden Musestudien.
Hinter dieser strengen Regelung steht der
Gedanke, dass der einzelne Verbraucher selbst bestimmen kann, wie viel rotes Fleisch er isst, wie
viel Alkohol er trinkt, wie viele Zigaretten er
raucht. Bei einem Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat ist das anders. Niemand, der sich nicht
ausschlielich von Bioprodukten ernhrt, kann
annhernd berblicken, welche Menge des Pestizids er aufnimmt.
Da die EU-Kommission sich schlecht ber
EU-Verordnungen hinwegsetzen kann, bleiben
ihr damit nur zwei Mglichkeiten. Entweder
gibt sie vor, die Beurteilung von BfR und Efsa
sei wissenschaftlich vertretbar und Glyphosat
somit unbedenklich. Oder sie entzieht dem
Pestizid die Zulassung und der konventionellen Landwirtschaft damit eines ihrer wichtigsten Produktionsmittel.
Fr diesen Artikel hat die ZEIT zahlreiche
Krebsexperten, Toxikologen, Beamte in Bundesmtern und Ministerien kontaktiert, die
meisten wollten nicht namentlich zitiert werden, sie waren nur zu Hintergrundgesprchen
bereit. Der Satz, der whrend dieser Gesprche
so oder hnlich am hufigsten fiel, lautet: Ich
beneide niemanden, der in Sachen Glyphosat
eine Entscheidung treffen muss.
Der Milchbauer Sven Krey aus Schleswig-Holstein hat seine Entscheidung gefllt. Er verwendet
kein Tierfutter aus bersee mehr. Seine Khe
sollen kein Glyphosat mehr fressen.
Krey baut jetzt selbst eiweireiches Viehfutter
an, Erbsen, Bohnen. Kein Gramm Gensoja, sagt
er, komme ihm mehr in den Stall. Der Landwirt
steht zwischen seinen Khen, einige sehen erschreckend mager aus, aber Krey sieht Zeichen der
Erholung. Er zeigt auf ein fast weies Tier. In der
Vergangenheit sei diese Kuh in der Dmmerung
kaum auszumachen gewesen, so grau und stumpf
sei das Fell gewesen. Jetzt glnzt sie wieder, sagt
Sven Krey und fgt hinzu, er sei jetzt wieder stolz,
ein Bauer zu sein.

Fotos: Gianni Occhipinti fr DIE ZEIT

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

Lange rtselte der


Milchbauer Sven Krey aus
Schleswig-Holstein,
was sein Vieh krank machte.
Dann fand der Tierarzt
hohe Mengen von Glyphosat
im Urin der Khe. Der
Stoff steckte wohl im Futter

Der Chemiker
Hans-Wolfgang Hoppe
aus Bremen untersucht,
wie viel Glyphosat
sich im menschlichen
Krper nachweisen lsst.
Urinproben seiner
eigenen Mitarbeiter waren
zu 70 Prozent belastet

Echt Papa? Die pegen einen


dort spter im eigenen Appartement?
Wie aktiv Sie Ihr Alter gestalten, liegt bei Ihnen.
Im Augustinum erwartet Sie eine offene Gesellschaft.
Wir bieten Ihnen umfassende Dienstleistungen und
Kulturvielfalt. Und die Sicherheit, bei Bedarf in Ihrem
eigenen Appartement gepflegt zu werden.

HINTER DER GESCHICHTE


Leitfragen: Ist Glyphosat tatschlich
krebserregend? Wie kommen die Wissen
schaftler zu ihren Aussagen?
Dauer der Recherche: Zwei Monate.
Erster Ansatzpunkt: Im Internet stie
unsere Reporterin auf ein Seminar der
Landwirtschaftskammer. Thema: Glyphosat hat es einen Einfluss auf die
Tiergesundheit? Der Veranstalter verwies Anke Sparmann an den Tierarzt
Achim Gerlach. Als sie ihn fragte, ob er
Bauern kenne, deren Tiere womglich
durch glyphosathaltiges Futter erkrankt
seien, prsentierte er ihr gleich eine ganze
Reihe von Namen. Die rtselhaften
Vergiftungen seien ein weitverbreitetes
Phnomen, so Gerlach.

Hausfhrung in unseren 23 Seniorenresidenzen jeden Mittwoch, 14 Uhr und


jeden 1. Samstag im Monat, 14 Uhr. Weitere Informationen unter www.augustinum.de
Haben Sie erste Fragen, z. B. zum Pegekonzept?
Rufen Sie uns kostenfrei aus dem deutschen Festnetz an:

Tel. 0800 / 22 123 45

Sie entscheiden

ANZEIGE | WEIHNACHTEN | Ein Spezial des Zeitverlags

WEIHNACHTEN
Dekoideen mit Pfiff
HENRIETTE BANZ

Wer nicht gern bastelt, aber


nach hbschem Beiwerk fr
die Weihnachtszeit sucht,
wird hier fndig.
Was ist zu tun, wenn sich Freunde berraschend zum Adventskaffee ankndigen und man den
Tisch ohne viel Aufwand schn
und stimmungsvoll schmcken
mchte? Kein Problem, meint
die Hamburger Stylistin Patricia
Darlison. Ihr Tipp fr eine LastMinute-Deko: Wenn der Tisch
weihnachtlich, aber nicht tutig
wirken soll, versieht man zum
Beispiel mittelgroe, undurch-

sichtig weie Christbaumkugeln ob sie glnzend oder matt


sind, ist egal mit schwarzem
Permanentmarker. In Schnschrift wnscht man dann Frohe Weihnachten oder schreibt
den Namen des Gastes auf die
jeweilige Kugel. Dann zieht man
einen Rosmarin- oder Olivenzweig durch die se. Die Kugeln
dienen so gleichermaen als
Tischschmuck und Platzkarte.
Kreative Anregungen kann
man sich auch auf entsprechenden Websites holen und in
ihren Onlineshops Materialen
zum (gemigten) Selbermachen oder auch fertige Produkte
bestellen. Einige Beispiele: Die

Diplomgrafikerin Katja Kcherer


gestaltet in Frankfurt die bunte
Welt von Perlenfischer und
entwickelt angenehm schlichte
Stempelmotive. Mit dabei sind:
Matroschka, Nikolaus, Knusperhuschen, Baum, Christbaumkugel, Sternenregen, Keks, Anker
und vieles mehr. So werden zum
Beispiel Einladungen, Weihnachtsgre und Geschenkanhnger zum ganz persnlichen
Unikat. Dazu gibt es Stempelkissen in Grund- und Neonfarben sowie natrlich auch in
Gold und Silber.
Wer nach hbschen Verpackungen und anderen tollen
Ideen sucht, wird auf der Web-

site der Familie Kirsch fndig:


Es gibt Nostalgietten mit Glitzerbildchen, edel mattglnzende
Geschenkbeutel in acht Farben
und Prgemotive wie silberne
und goldene Mondsicheln, die
sich perfekt zum Aufkleben eignen etwa zum Verschnern
von Einladungskarten fr ein
Winterabendessen, fr Briefe,
Karten, Tagebcher und vieles
mehr. Etwas ganz Besonderes
sind dabei die groen Schneekristalle aus mehrfach verleimtem Papier: Metallpigmente
verleihen ihnen einen ganz eigenen luxurisen Schimmer. Wie
man mit den hbschen Karten
Im Wald aus festem geeistem

Transparentkarton Windlichter
verschnern kann, erfhrt man
hier auch: Die Karten werden
einfach mit kleinen Klammern
aus Kunststoff an Windlichtglsern befestigt. Das wirkt lssig
und edel zugleich.
Auch im Onlineshop von
Franks Home gibt es dekorative Verpackungsideen sogar
Klebebnder, auf die man seine
eigenen Texte schreiben kann.
Damit lassen sich dann ganz
individuell Geschenkpckchen
verschlieen, Pakete schmcken
oder Tische dekorieren.
www.perlenfischerdesign.de
www.kirsch-interior.de
www.franks-home.de

Buon Natale

Qualittsweine direkt vom Winzer

SABINE WITT

10331

10332

10333

10334

10335

feine.weine.burgenland

feine.weine.burgenland

Probepaket VDP. ORTSWEIN

Franz Keller Schwarzer Adler

ZANTHO Rotweinset
Mit jew. 2 Flaschen ZANTHO Pink,
Zweigelt, Blaufrnkisch,
St. Laurent, Pinot Noir
und Zweigelt Reserve
verschaffen Sie sich den
perfekten berblick zum
Sonderpreis und sind
fr jede Gelegenheit
gerstet.
Herkunft: A, Burgenland
Preis/0,75 Liter: 8,33
Preis/Karton:
12 Flaschen 99,90
Preis/Liter: 11,10
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 13 %
www.zantho.com

ZANTHO Weiweinset
Mit jeweils 3 Flaschen ZANTHO
Grner Veltliner, Muskat
Ottonel, Welschriesling
und Sauvignon Blanc
verschaffen Sie sich den
perfekten berblick
zum Sonderpreis und
sind fr jede Gelegenheit gerstet.
Herkunft: A, Burgenland
Preis/0,75 Liter: 6,66
Preis/Karton:
12 Fl. 79,90
Preis/Liter: 8,88
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 12 %
www.zantho.com

Staatsweingut Freiburg
Je 2 Flaschen Weiburgunder,
Grauburgunder und Sptburgunder
Rotwein. Sehr gehaltvolle,
fruchtige und mineralische
Weine.
Herkunft:
D, Baden-Kaiserstuhl
Ihringen/Blankenhornsberg
Preis/0,75 Liter: 8,17
Preis/Karton:
6 Fl. 49,00
Preis/Liter: 10,89 .
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt:
Weiweine 13,0 %
Rotwein 13,5 %
www.staatsweingutfreiburg.de

2009 Chteau Tronquoy-Lalande


Klassischer Bordeaux aus Cabernet
Sauvignon, Merlot, Petit Verdot
dunkle Beeren, Mokka, dezente Holzwrze, saftig, schmelziges
Mundgefhl, langer Abgang,
angenehme Surestruktur.
Trinkreif mit groem Lagerpotenzial. Robert Parker 91 P.
Herkunft:
F, Saint-Estphe, Bordeaux
Preis/0,75 Liter: 35,00
Preis/Karton:
12 Fl. 420,00
Preis/Liter: 46,67
Versand: Holzkiste mit
12 Fl. frei Haus
Alkoholgehalt: 14 %
www.franz-keller.de

10336

10337

Festtagswein aus der Einzellage Heuholzer Dachsteiger


Lemberger Elgance trocken 2012
Ein dicht purpurroter Wein
mit der Tendenz zu
schwarz. Rassig, feurig,
mit den Aromen nach
dunkler Kirsche und roter
Johannisbeere, mit
leichter Tanninnote.
Herkunft: Wrttemberg
Preis/0,75 Liter: 10,23
Preis/Karton:
6 Fl. 61,40
Preis/Liter: 13,64
Versand: 5,99 ,
ab 12 Flaschen frei
Alkoholgehalt: 12,5 %
www.heuholz.de

103311

Weingut Wolf-Deiss
Fein nach Wiesenkrutern duftend,
rauchige Hefewrze, cremiger
Gaumenauftakt mit vollmundiger Art. Reife Mandarine,
gezuckerte Grapefruit.
Anspruchsvoller Riesling mit
phenolischem Charakter.
Herzhaft und packend.
Herkunft: D, Rheinhessen
Preis/0,75 Liter: 8,50
Preis/Karton:
6 Fl. 51,00
Preis/Liter: 11,30
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 13 %
weingut-wolf-deiss.de

10339

2014 Chardonnay Sptlese trocken


Im Aroma ein Anflug von Honigmelone, reifer Pfirsich und Vanille.
Ein krftiger, schmelziger
Chardonnay mit dezenter
Fruchtse und mineralisch
frischer Sure. Einfach ein
universeller Essensbegleiter!
Herkunft:
D, Bad Drkheim, Pfalz
Preis/0,75 Liter: 8,10
Preis/Karton:
6 Fl. 48,60
Preis/Liter: 10,80
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 13 %
www.weingut-wegner.de

103310

Saint-Emilion Grand Cru

Ihringer Winklerberg

Tarapac+Plus Chiles Natur

Einzellage Zeller Abtsberg

Chteau Bard 2009


Dieser hochwertige Saint-Emilion
Grand Cru zeigt die schnsten
Seiten der Merlot-Traube:
samtig und komplex, Zeder
und Veilchen. 2009 ist einer
der groen Jahrgnge der
letzten Zeit mit Potenzial.
Passend zum
Weihnachtsschmaus.
Herkunft: F, Bordeaux
Preis/0,75 Liter: 22,50
Preis/Karton:
6 Fl. 125,00
Preis/Liter: 30,00
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 13,5 %
www.hardy-weine.de

2014 Grauer Burgunder


Alte Rebe, Sptlese trocken
Intensiver, schmeichelnder
Wein mit fruchtigen Noten
von Birne, Bananen und
Ananas. Langer, harmonischer Abgang, ein Grauer
Burgunder vom Kaiserstuhl, der Lust auf mehr
macht.
Herkunft: D, Baden
Preis/0,75 Liter: 8,65
Preis/Karton:
Sonderpreis 6 Fl. 52
Preis/Liter: 11,56
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 13,5 %
www.weingutgerhard-karle.de

Gold: Chile Wein Contors bester


Bio-Wein Tiefdunkler Rotwein, KO006, aus dem Vulkankrater. Kraftvolle
Verweise auf Brombeeren und Sauerkirsch, ein Hauch After Eight. Elegante Noten getoasteter Eiche,
Zeder, Eukalyptus und feine
Gewrze. Intensiv und reif,
dunkle Frchte. Lang anhaltender fruchtiger Nachgang.
Herkunft: CHL,
Maipo Valley
Preis/0,75 Liter: 10,90
Preis/Karton:
12 Fl. 119,90 (11+1)
Preis/Liter: 13,32
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 14,5 %
www.cwc.de

Gengenbacher Winzer eG
Kraftvoll mit erdig-uriger Nase;
konzentriert und dicht mit feinsten
Sure- und Tannin-Konturen. Bester
Rotwein 2012 aus Baden
mit 89 Pkt. Fachzeitschrift
Weinwelt. Originaletikett
aus dem Jahre 1834.
Herkunft: D, Baden
Preis/0,75 Liter:
15 statt 18
Preis/Karton:
6 Fl. 90
Preis/Liter: 20
Versand: 7,50
ab 12 Fl. frei Haus
Alkoholgehalt: 14,5 %
www.gengenbacherwinzer.de

103312

2013 Lagenwein Riesling


Steinberg trocken

10338

Aromatisch-schmelziger
Chardonnay aus der Pfalz

103313

2012 Sptburgunder trocken

Ideal fr die Feiertage

Weingut Wolf-Deiss
Krftig, reif mit leichten
Vanillenoten, im kleinen
Holzfass gereift. Gleichfalls
zupackend wie cremig am
Gaumen, sehr gute Dichte,
der ideale Begleiter zur
Weihnachtszeit.
Herkunft:
D, Rheinhessen
Preis/0,75 Liter: 7,20
Preis/Karton:
6 Fl. 43,20
Preis/Liter: 9,60
Versand: frei Haus
Alkoholgehalt: 13 %
weingut-wolf-deiss.de

2013 Glottertler Eichberg


Riesling Sekt Brut
Bei diesem rassigen Sekt,
der nach dem klassischen
Champagnerverfahren ausgebaut wurde, bleibt kein
Wunsch offen. Er besticht
durch seine Frische und
Fruchtigkeit mit sehr
feinem Moussaux.
Herkunft: D, Baden
Preis/0,75 Liter: 9,90
Preis/Karton:
6 Flaschen 55,00
Preis/Liter: 13,20
Versand: 8,00 bei 6 Fl.,
10,00 bei 12 Fl.
Alkoholgehalt: 12,5 %
www.wg-glottertal.de

Ja, ich bestelle folgende Weine.


Bitte ankreuzen und Stckzahl eintragen:
1033-1

Fl.

Kartons

1033-2

Fl.

Kartons

1033-3

Fl.

Kartons

1033-4

Fl.

Kartons

1033-5

Fl.

Kartons

1033-6

Fl.

Kartons

1033-7

Fl.

Kartons

1033-8

Fl.

Kartons

1033-9

Fl.

Kartons

1033-10 Fl.

Kartons

1033-11

Fl.

Kartons

1033-12 Fl.

Kartons

1033-13 Fl.

Kartons

Drei Dinge gehren zum italienischen Weihnachten: Krippe,


Panettone und Tombola und
am Ende kommt die Befana.
Es ist der 8. Dezember in Neapel.
Die ganze Stadt ist auf den Beinen:
Man feiert Mari Empfngnis,
und in ganz Italien beginnt die
Weihnachtszeit. Die sditalienische Metropole ist die Hochburg
des italienischen Krippenbaus,
der bis ins frhe 14. Jahrhundert
zurckreicht. Viele Kirchen zeigen Krippenausstellungen, und
in der Via San Gregorio Armeno
ist kaum noch ein Durchkommen. Hier sind viele traditionelle Krippenhandwerksbetriebe
ansssig flankiert von Lden,
die industrielle Plastikware vertreiben. Die Krippenfiguren beschrnken sich nicht auf Maria,
Joseph und das Jesuskind, nein,
das ganze Volk ist vertreten: eine
Fischhndlerin, ein Metzger, sogar eine Prostituierte und auch
Diego Maradona, Padre Pio und
so mancher Politiker finden sich
in den ppig gestalteten Krippen
wieder (ursprnglich wollten so
die Adligen am volkstmlichen
Leben teilhaben). Viele italienische Familien schwren inzwischen auf den Weihnachtsbaum,
den italienische Auswanderer in
die USA nach dem Zweiten Weltkrieg bei ihrer Rckkehr mit in
die Heimat brachten. Man stellt
ihn mit Wurzelballen oder aber
knstlich bereits am 8. Dezember auf. Zum blinkenden und
bunten Baum gesellen sich oft
groe Weihnachtsstern-Pflanzen.
Traditionellere Familien bevorzugen die Krippe, die Jahr fr
Jahr verschnert und erweitert
wird; manchmal werden diese
Kunstwerke von Generation zu
Generation weitervererbt. Am
Heilig Abend um Mitternacht
wird feierlich die Hauptperson
hinzugefgt: das Jesuskind.

Und dann geht es in die Messe,


nachdem man den Brodo di
Natale (eine fleischlose Suppe)
oder eine andere vegetarische
Mahlzeit zu sich genommen hat.
Der wichtigste Weihnachtstag
ist der 25. Dezember. Morgens
gibt es Geschenke, und man verbringt den Tag mit der Familie.
Nun wird ppig gegessen: Auch
an einem solchen Festtag drfen
Nudeln nicht fehlen. Lasagne
mit Fleischragout kommt ebenso
gern auf den Tisch wie mit Rindfleisch gefllte Ravioli in Brokkolisauce. Als Hauptgang folgt
Zampone (eine Art Eisbein) mit
Linsen und Kartoffelmus oder je
nach Region Stockfisch, Hhnchen oder Braten. Zum Nachtisch
gibt es Hefekuchen: Panettone,
getrnkt mit Espresso oder Spumante, oder den sternfrmigen
Pandoro, der, anders als der
Panettone, keine Rosinen und
kandierten Frchte enthlt. Ein
Glschen Limoncello (Zitronenlikr) rundet das Men ab.
Und es wird gespielt. Zum
Beispiel Tombola, ein dem Bingo hnelndes Zahlenspiel. Hier
gehts auch gern um Geld! Einen
Zweiten Weihnachtstag gibt es
in Italien nicht, aber der 26. Dezember ist trotzdem ein Feiertag: der Namenstag des Heiligen
Stephanus.
Der 6. Januar markiert auch in
Italien das Ende der Weihnachtszeit aber er hat dort etwas Besonderes zu bieten: Es kommt
die gutmtige Hexe Befana
(abgeleitet von Epiphania) und
bringt den Kindern abermals
Geschenke. Sie hatte bei Christi
Geburt getrdelt und konnte
den Heiligen Drei Knigen nicht
schnell genug folgen: Als sie in
Bethlehem eintraf, waren alle
schon fort, auch das Jesuskind.
Seither ist sie Jahr fr Jahr am 6.
Januar unterwegs und bringt ein
Geschenk in jedes Haus in der
Hoffnung, in einem mge sich
das Jesuskind befinden.

Name/Vorname

Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer.

Strae/Nr.

Mit Ihrer Unterschrift gehen Sie einen verbindlichen Kaufvertrag mit dem Anbieter ein.
Der Vertrag wird nicht mit dem Zeitverlag geschlossen.
Der Versand erfolgt durch den Verkufer.

PLZ/Ort

Telefon

Bestellannahme:
TVM GmbH, Gregor Meschter, Ltzowstrae 102104, 10785 Berlin
030/260 68 260 030/260 68 245
[email protected]

E-Mail

Datum

Unterschrift

Das handbemalte
Fonduecaquelon Heidi
von STCKLI lsst
Kindheitserinnerungen
wach werden. Hergestellt
aus hochwertiger,
feuerfester Qualittskeramik lsst sich darin
leckeres Ksefondue
optimal zubereiten.
www.stockliproducts.com

Ein Spezial des Zeitverlags | WEIHNACHTEN | ANZEIGE

Ein Teig bunte Vielfalt


Wer Pltzchen
auf Vorrat backen
mchte, bewahrt
sie am besten in
einer luftdicht
verschlossenen
Dose auf. Auf diese Weise halten
sie sich bis zu drei
Wochen.

HENRIETTE BANZ

Alle Jahre wieder backe ich


Pltzchen so wie es mir
meine Oma Martha vor
langer Zeit beigebracht hat.
Der 1-2-3-Teig ist ein Mrbeteig,
und die Zahlen sind eine Gedchtnissttze fr die Zutaten:
Zucker, Butter und Mehl werden
im Verhltnis 1:2:3 verwendet.
Fr die Weihnachtspltzchen
braucht man 100 g Zucker, 200 g
kalte Butter und 300 g Mehl
sowie 1 Prise Salz und 1 Eigelb.
Anders als Oma Martha lasse
ich das Eiwei weg so wird der
Teig feiner und mrber.
Wer Handarbeit liebt, vermischt Mehl und Zucker und

hufelt alles auf ein Holzbrett.


Oben formt man eine Mulde
und lsst das Eigelb hineingleiten. Darauf verteilt man die
kalte Butter in kleinen Stcken
und hackt dann alles mit einem
groen Messer, das beherzt,
aber achtsam an Spitze und
Ende festgehalten wird.
Wenn alles grob vermischt
ist, den Teig mit den Hnden
kneten, in Folie wickeln und,
am besten ber Nacht, in den
Khlschrank stellen.
Wer den Mrbeteig mhelos
herstellen mchte, verknetet
die kalte Butter mit den Knethaken des Handrhrgerts mit
Zucker, Salz und Eigelb und
gibt dann das Mehl dazu. Zum
Schluss den Teig mit den Hn-

den kneten, in Folie wickeln


und kalt stellen (wie oben).
Am nchsten Tag den Teig
per Hand geschmeidig kneten und auf einer bemehlten
Arbeitsflche 3 mm dick ausrollen. Pltzchen ausstechen.
1 Eigelb mit 1 TL Wasser vermischen und die Pltzchen damit
bestreichen. Wer mag, kann sie
mit Hagel- oder Kristallzucker,
gehackten Haselnssen oder
gehackten Mandeln bestreuen. Bei 180 C Ober-/Unterhitze
(160 C Umluft) etwa 10 Minuten goldbraun backen.
Nach dem Backen: Schokoladenliebhaber bestreichen
die Pltzchen mit verschiedenen Kuvertren. Fr gefllte
Varianten wird ein Pltzchen
mit Marmelade, Konfitre oder
Gelee bestrichen und ein zweites darauf gelegt. Feine Muster
erzielt man mit einem Tortendeckchen: Auf das Pltzchen
legen, Puderzucker darber
streuen, Deckchen entfernen.
Und wer Kringel ausgestochen
hat, kann sie nach dem Backen,
mit einem hbschen Band versehen, als Schmuck an den
Weihnachtsbaum hngen.

WELTRAD eine Liebe


aus gemufftem Stahl!
Ein BEitrag DEr
WELTRAD mAnufAcTuR

Fr den intensiven Geschmack dieser gemahlenen Vanille ist


die Herkunft entscheidend. Die Biovanille von Lebensbaum
kommt aus Madagaskar. Sie hat ein weiches, sliches, volles
Aroma. Die Vanille wird in einem geschtzten Regenwald von
Kleinbauern angebaut. Das Klima in dem von der UNESCO
anerkannten Biosphrenreservat ist ideal fr den Vanilleanbau.
Seit 1979 steht Lebensbaum fr Tee, Kaffee und Gewrze in
feinster Bioqualitt. Das norddeutsche Familienunternehmen
wurde gerade mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Lebensbaum-Produkte gibt es im Bioladen oder unter

Einst wurden in Schnebeck


bis 1948 ber 3 Millionen Fahrrder produziert. Heute lebt
diese Tradition in einer kleinen Manufaktur fort. Vom ersten Stck Rohr bis zum Fahrrad alles in Handarbeit!

shop.lebensbaum.de

ARbEiT nAch mASS


Aus Schrittlnge, Rckenlnge und dem Ma der Arme
konzipieren wir Ihnen ein
Fahrrad fr die Ewigkeit! Es
entsteht ein unverwstlicher
Stahlrahmen mit individueller
Farbgestaltung. Immer im
Kontext der Historie. Moderne
Elemente sind dezent verbaut
und verhelfen zu hchster
Funktionalitt!

Etwas ganz Wunderbares fr


die kalte Jahreszeit sind die
HeatPaxx Fuwrmer. Einfach an die Socken kleben
und den Schuh anziehen.
Strt nicht beim Laufen und
hlt 6 Stunden angenehm
warm. Ein wichtiges Accessoire fr den Winter. Gibt es
auch als Handwrmer.

KonTAKT

WELTRAD manufactur
Cokturhof 3 am Elbufer
39218 Schnebeck
www.weltrad.de

HeatPaxx.de

IMPRESSUM
Verantwortlich fr den redaktionellen Inhalt: ZEIT Verlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Pressehaus Speersort 1, 20095 Hamburg Geschftsfhrung: Dr. Rainer Esser Art
Direktion: Kay Lbke, Dietke Steck Realisierung: TEMPUS CORPORATE GmbH Ein Unternehmen des ZEIT Verlags; Projektmanagement: Jessica Heitmann; Grafik: Sonja Feldkamp;
Redaktion: Regine Smith Thyme, Lektorat: Sabine Witt; Fotos: iStockphoto - egal / tacojim Anzeigenleitung: DIE ZEIT, Matthias Weidling (Gesamtanzeigenleitung), Nathalie Senden
Produktmanagement: Silke Lisek Verkaufsleitung: Mark Kohne, Tel.: 040 / 32 80 359, [email protected]; Anzeigenpreise: Preisliste 60 vom 01. Januar 2015

www.zeit.de/linktipps
Accessoires

Dienstleistungen

Geschenkideen

Gesundheit

Mbel

Uhren & Schmuck

Weine & Spirituosen

Wellness & Entspannung

SPEZIALIST FR GEHSTCKE
MADE IN GERMANY

Das originelle
Weihnachtsgeschenk:

Gesundheit durch authent.


Ayurveda im Kunzmann's

MASSIVHOLZBETTEN
fr Ihren gesunden Schlaf

Exkl. Kleinserien, direkt


vom Designer, nummeriert.

Zauberhaftes Wintermrchen im Weingut

Qualitts-Saunas
fr Haus & Garten

Ebenso wie eine Brille ist nun auch der


Stock Ausdruck eines individuellen
Lebensgefhls geworden und wird nach
modischen Kriterien ausgesucht. Bei uns
finden sie die grte Auswahl an
Designs, exclusiven und edlen Hlzern
und wertigen Griffmaterialien.
10% Gutschein: ZEIT2015
www.stockshop.de

besondere Geschenke im
WARENHAUS Bouchon & Sooth

Verschenke einen Clown-Auftritt


oder einen Clown-Workshop
als originelles Weihnachtsgeschenk
www.clown-fidelidad.de

hier findet man langersehnte Geschenke


fr Mann und Maus, Kind und Kegel
nachhaltig, fair und schn
www.warenhaus-berlin.com

mit Spitzenkoch - T.:09708-780


m.indischem Ayurveda Arzt
und ind.Therap. in der Bayer.Rhn
www.ayurveda4u.de

Naturmatratzen und Naturbettwaren.


Alles fr Ihren gesunden Schlaf - online
kaufen unter:
www.biobett.com

Partime, die neue grafische Zeitanzeige


aus der Schweiz, schenkt Ihnen zu
Weihnachten 10% Ermigung. ber ein
Dutzend Swiss made Modelle mit der Zeit
als Bild stehen fr Sie exklusiv zur
Auswahl.
10%-Gutschein-Code: AMEX
Offizieller Webshop:
www.partime.ch

Es erwartet Sie eine knstlerische,


handwerkliche, kulinarische und unterhaltsame Einstimmung auf Weihnachten.
Zudem haben Sie die Mglichkeit unser
gesamtes Weinsortiment zu probieren.
Auf Wunsch knnen wir Ihnen individuell
Ihre Weihnachtsprsente zusammenstellen
Gerne knnen Sie uns telefonisch oder
per E-Mail kontaktieren.
Wir freuen uns darauf, Sie auf unserem
Weingut begren zu drfen!
Maximilian von Kunow
www.weingut-vonhoevel.de

Individuell, echtfinnisch, natrlich gut


Mit garantiertem Wohlfhlklima!
02594 96581 / [email protected]
www.welt-der-sauna.de

Essen & Trinken

Interieur

Bcher

Edelstein- und Silberschmuck


individuell und immer anders
www.schmuckbeere.de

Wein und Feinkost: www.la-tienda.de

Klingende Weihnachten mit


Noten von Heinrichshofen

Geschenk fr Sie,
Ihn und Familie!
Erstellen Sie Ihr Erlebnis-Archiv im
Jahresweiser 2016-2025. Datiert, Leder,
Goldschnitt................02505/93080-0
www.jahresweiser.de

THE WOODLANDS
Bei uns finden Sie Wohnaccessoires
und Mbel aus Skandinavien,
USA, Frankreich & den heimischen Wldern
www.thewoodlands.de

Seit 1797 ist Heinrichshofen & Noetzel


Spezialist fr gute Noten zu Weihnachten
Instrumentalmusik fr viele Besetzungen
www.heinrichshofen.de

Mutmacher sein/Staunen-Leben
-Lieben / Inneres Wachstum.
Das wertvolle Buch-Geschenk.
www.hirsmueller.de

Delikatessen

Cremiger Trffel-Risotto
Balsam fr die Seele
Aromatherapie, die durch den Magen geht.
Leckere Trffelpasta, intensiv duftendes
Trffel-Prree, sahnige Trffelkse
www.dietrueffelmanufaktur.eu

EDLE Mbel nach Ma


Interior Design

45 authentic recipes
from World and Press
Autorinnen aus den USA, England und
Kanada stellen Ihnen ihre Lieblingsrezepte vor. In englischer Sprache und
mit englisch-deutschem Vokabular.
64 Seiten, DIN-A4 8,90
Lieferung versandkostenfrei!
Gutscheincode: DIE ZEIT
Bestellungen 04213690376 oder:
www.sprachzeitungen.de

KSTLICHES AUS FRANKREICH


Gnsestopfleber, Topenaden,
Walnusslikr, Cognacs.
www.perigord-import.de

Genussmittel

Veranstaltungen

Lenz Moser Prestige


Weine mit Herkunft
Lenz Moser verbindet gekonnt Tradition
und Moderne und berzeugt mit zeitgemen Weinen, die dennoch deutlich ihre
sterreichische Herkunft betonen. Zu
besonderen Anlssen empfehlen sich die
Spitzengewchse der Serie Prestige.
Verwhnen Sie Ihre Lieben an den Festtagen mit ausgezeichneter Qualitt zum
vernnftigen Preis, natrlich von
Lenz Moser.
VOG Deutschland GmbH, Rheinstrae 32,
64283 Darmstadt, Tel. 06151/1725-0
www.lenzmoser.at

Musikinstrumente
Unser Geschenktipp!
Englisch, Franzsisch

Kinder

- und Spanisch o. Deutsch: 1 Jahr lang


1x im Monat ab 25,- im Geschenkabo!
LandeskundeSprachtrainingVokabelhilfen
www.sprachenzeitungen.de

Die perfekte Geschenkidee


Antike Spiegel & Kamine

Feine KLANGGESTALTUNG
fr Flgel und Klaviere
www.pianocandle.de

Online Shopping

Baby- & Kinderkleidung


kologisch & fair
...warm und schn eingehllt!
5% mit dem Code: Weihnachtszeit
1x pro Kunde einlsbar bis 31.01.2016
www.lilalaemmchen-shop.de

ASTRID BAUCHMLLER LEDERHOSEN


Fertigung in Deutschland
www.mylederhosen.com

Bester deutscher Hndler


Argentinischer Weine
lt. Selection; Probierpakete:
www.argentinienweine.de

Weine & Spirituosen

BIENVENUE SUR NOTRE SITE!


Qualitt zum fairen Preis
www.frankreichsweine.de
MIRABELLENBRAND DLG GOLD
aus biol. Streuobstanbau
www.brennerei-baumgaertner.de

Edler Essig und


feiner Senf
direkt in der Manufaktur
online einkaufen.
www.essig.at/onlineshop

LINOder Tisch mit dem Dreh

Klassisches Teegeschirr
Ostfriesland
Auch Friesischblau & Ostfriesische Rose
Laden: Hamburg, Mohlenhofstr. 8
Tel: 040/324311 Mail: [email protected]
www.teekiste.com

QSack Echtleder-Sitzsack
mit Toxproof Fllung
Gefertigt in perfekter sterreichischer
Handwerkskunst. Schadstofffreie, vom
TV-Rheinland zertifizierte Fllung.
www.univok.eu

Geschenkideen

unser Kinderschreibtisch wchst mit gut und schn und Made in Germany
www.warenhaus-berlin.com

Nie wieder frieren!

Hamburgs erste Adresse


fr Geniesser

Die akkubetriebene Unterziehhose


von ALPENHEAT
heizt je nach Heizstufe
bis zu 5 Stunden.

ber 300 Weine aus aller Welt


Weinseminare & -events
Eigenimporte & Gastroservice
www.weinlust.de

Preis: 189,95

Mbel

www.alpenheat.com

Geschenke online shoppen!


Geschenke, Schmuck & Unikate
www.stil-trends.de

Feinkost & Alpiner Lifestyle.


Katalog anfordern, telefonische
Bestellannahme 0711-67430810
www.alpenweit.de

TSCHECHISCHE SPEZIALITTEN
Obladen, Slivovice Kndel
www.tsche-deu.com

Groe Auswahl
israelischer Weine

Nachhaltige Geschenkideen
zu WEIHNACHTEN gibts im
www.lilligreenshop.de

Hochgenuss aus den Alpen

Wohnaccessoires+Geschenke
aus EMAILLE...
Entdecken Sie die groe Vielfalt
an emaillierten Produkten im Online Shop
und Ladengeschft Berlin.
www.emaille24.de

Schenken Sie JAPANISCHES.....


Schal,Kimono,Clutch o. Kissen
www.yukata-kimono.de
SCHNES AUS ALLER WELT
Mbel, Leuchten, Accessoires
Textilien,Keramik,Schmuck uvm
www.guru-shop.de

Ausgeruht in den
Tag starten!

Nie wieder frieren mit


den beheizten Handschuhen

Mit wohligem, gesundem, natrlich


komfortablem Schlafvergngen
auf BIOFUTON von futonwerk.de
www.futonwerk.de

Die akkubetriebenen Unterziehhandschuhe


heizen je nach Heizstufe bis zu 5
Stunden..................Preis: 229,95
www.alpenheat.com

Verschenken Sie kostbare Zeit und


ganz besondere Genuss-Momente:
Wellness Sunday ab 90,- p.P.
1/F, Anreise sonntags, Thermen- &
Saunanutzung, Cocktail, 4 Gang-Men
Hotel Heinz GmbH, Bergstrae 77,
56203 Hhr-Grenzhausen, 02624/9430384
Viele weitere Verwhn-Ideen unter:
www.hotel-heinz.de

Wohnen

arttecc design kamine


archaisch zeitlos
Kamine und andere Objekte aus Stahl
Edelstahl, Stahl pur und mit Rostpatina

EIN STCK HEIMAT IMMER DABEI!


zeitlos u. individuell unter:
www.schwarzwaldtasche.de

Reisen

ber 600 Unikate in allen Gren


auf ber 2.000m Ausstellungsflche
52457 Aldenhoven b. Aachen 02464/99060
www.oellers-antik.de

Erlesene Gutschein-Ideen
fr Wellness & Beauty

Planung & Fertigung in hchster Qualitt


fr den gesamten EU Raum
[email protected]
www.gombocz-design.at

Familienbetten,
Betten nach Ma
www.bodenseembel.de

Wellness & Entspannung

Mehr als 500 Weine aus Israel am Lager.


Jetzt testen: 10% Rabatt auf Weine der
Barkan, Carmel, Dalton, Golan Heights
und der Tabor Winery. GS Code: Z01
Spitzenweine auf hchstem Niveau.
Weine fr besondere Anlsse
oder einfach nur zum Genieen.
Hier finden Sie den richtigen Wein!
www.israelwein.de

www.mastertmuehle.de

Cadeau
Wohnaccessoires
www.cadeau-home.de
CHECK-IN ins Traumbad
Badideen kostenlos bestellen:
www.splash-bad.de
DEKORATION KINDERZIMMER
zum Verschenken und Wohnen
www.ja-kids.de

ANZEIGE

Wissen zum
Verschenken
Fr alle, die mehr
ber unsere
Schaltzentrale
im Kopf wissen
wollen

Die Lektionen im berblick:


1 Ein einzigartiges Organ Warum unser Gehirn
so besonders und so enorm leistungsfhig ist
2 Wie wir die Welt wahrnehmen Von der Reprsentation der Welt in unserem Kopf
3 Wie lernen wir? Vom Einfluss der ueren Umstnde
4 Wie funktioniert mein Gedchtnis? Die ausgefeilte
Verarbeitung unserer Erinnerungen
5 Wie Erinnerungen entstehen Warum wir Wichtiges
vergessen und mitunter Falsches behalten
6 Wenn das Gedchtnis versagt Wie es zu geistigen
Ausfllen kommt und was man dagegen tun kann

Unser Gehirn:
Wie wir denken, lernen und fhlen
Alles, was uns als Mensch ausmacht, ist ein Produkt unseres Gehirns. Es steuert unsere Handlungen und Gefhle. Aber wie funktioniert unser Gehirn? Wie lernen und wieso vergessen
wir? Was ist eigentlich Intelligenz, und lassen sich unsere Gedanken steuern? In zehn spannenden Lektionen gibt Prof.Dr. Onur Gntrkn einen einzigartigen Einblick in die Hirnforschung
und lsst uns das zentrale menschliche Organ besser verstehen. Erfahren Sie, ob Intelligenz
angeboren ist, wie sich Mnner und Frauen im Denken unterscheiden, was Emotionen sind
und wie Sie Ihr Gehirn austricksen knnen. Auerdem zeigen wir Ihnen Mglichkeiten, Demenz
aktiv entgegenzuwirken, und geben tiefe Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse der
Biopsychologie.
DVD:

99 statt 129 (Bestellnr. 6757)| Online: 49 statt 69 (Bestellnr. 6758)


*

Fr Freunde des
Weltgeschehens
und der
Geschichte

7 Was macht ein Gehirn intelligent? Warum manche


schneller denken und Intelligenz kein Schicksal ist
8 Vom Wert der Emotionen Warum Gefhle so
wichtig sind
9 Das asymmetrische Gehirn Warum wir links und
rechts so unterschiedlich denken
10 Knnen Hirnforscher Gedanken lesen? Von den Mglichkeiten und Grenzen einer spannenden Disziplin
11 Gesprch: Ein Besuch am Wissenschaftskolleg
zu Berlin

Die Lektionen im berblick:


1 Archologie als Wissenschaft Methoden, Kontroversen und politische Dimensionen
2 Die Etappen der Menschwerdung Vom Vegetarier
zum spezialisierten Jger
3 Erfindungsgeist und groe Kunst Die Entstehung der
kulturellen Modernitt
4 Sesshaftwerdung und Landwirtschaft Die erste
Revolution
5 Mit Technologie und Rohstoffen an die Macht
6 Die Kulturen des Orients Der Weg vom Dorf zur Stadt

Archologie:
Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte

7 Wirtschaftskrise und religiser Umbruch

Seit Millionen von Jahren hinterlassen wir Menschen auf der Erde Spuren unseres Lebens.
Es sind die Relikte von Jagd und Wanderzgen, von Herrschaft und Sklaverei, von Religion
und Kultur. Im Seminar nimmt Sie Prof.Dr. Hermann Parzinger mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigt bedeutsame Fundstcke, Relikte und Grabungssttten, die von der
Geschichte der Menschwerdung berichten. Dabei betrachtet er unsere Geschichte von den
Etappen der Menschwerdung bis zur Entstehung Europas, von den ersten Siedlungen bis zum
Leben in der Stadt, von Gottknigen bis zu groen Baumeistern. In 12Lektionen gibt er tiefe
Einblicke in die aufregende Arbeit der Archologen und prsentiert Funde aus wichtigen Museen und faszinierenden Sammlungen.
DVD:

99* statt 129 (Bestellnr. 6752)| Online: 49* statt 69 (Bestellnr. 6753)

Bestellen Sie jetzt Ihre Weihnachtsgeschenke:

100995_ANZ_10099500002950 [P].indd 1

8 Wandel durch Handel Die Faszination fremder


Kulturen
9 Die Kelten in Europa Migrantentum und wirtschaftlicher Aufstieg
10 Von Rmern und Germanen Zwischen Vernichtung
und kultureller Annherung
11 Die Entstehung des heutigen Europas Der Einfluss
der Christen, Hndler und Ritter
12 Ohne Archologie keine Geschichte Was uns Latrinen,
Schlachtfelder und entartete Kunst erzhlen

040/3280-1190

[email protected]

ANZEIGE

Ihr
Geschenk

Bis zu

30

Ihr Weihnachtsgeschenk ab 2Bestellungen:


Bei einer Bestellung ab zwei DVD-/Audio-Seminaren
schenken wir Ihnen einen LEUCHTTURM1917Wochenkalender 2016 (A5) im Wert von 17,50.
Solange der Vorrat reicht!

Weihnachtsrabatt

Fr Hobby-Astronomen

Die Lektionen im berblick:


1 Faszination Astronomie
2 Das Sonnensystem: Unsere kosmische Heimat

Die Astronomie ist eine Wissenschaft, die an die Grenzen geht an die Grenzen des fr den
menschlichen Verstand Fassbaren. Allein unsere Galaxie, die Milchstrae, besteht aus etwa
300Milliarden Sternen. Und sie ist nur eine von Hunderten von Milliarden Galaxien in unserem
Universum. Doch wie gro ist eigentlich das Universum? Was war vor dem Urknall? Gibt es
fremdes Leben im Weltraum, und was hat es mit den Schwarzen Lchern auf sich? Folgen Sie
der renommierten MIT-Astrophysikerin Prof. Dr. Anna Frebel auf der spannenden Exkursion
an die Grenzen von Zeit und Raum, und lassen Sie sich die wichtigsten Erkenntnisse der Astronomie erklren. Eindrucksvolles Bild- und Videomaterial helfen, das Unvorstellbare fassbar
zu machen und die Extreme dieser Wissenschaft zu veranschaulichen.
DVD:

99* statt 129 (Bestellnr. 7131)| Online: 49* statt 69 (Bestellnr. 7132)

Fr Musikliebhaber
Musik:
Die Vielfalt der Klassik neu entdecken und verstehen
Kennen Sie auch das Gefhl, nach einem Konzertbesuch oder einem Abend in der
Oper mehr ber das Stck, seine Entstehung und Interpretation wissen zu wollen? In acht
Lektionen vermittelt Ihnen die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr.Melanie Unseld, wie sich
unsere Musikkultur entwickelt hat und was wir aus der Vergangenheit ber das heutige Musikerlebnis lernen knnen. Im Anschluss an jede Lektion ermglichen persnliche Interviews
zwischen der ZEIT-Redakteurin Christine Lemke-Matwey und renommierten Musikern einen
exklusiven Blick hinter die Kulissen.
DVD:

99* statt 129 (Bestellnr. 7141)| Online: 49* statt 69 (Bestellnr. 7142)

Fr Genieer

3 Licht und Spektroskopie


4 Die Suche nach der zweiten Erde
5 Der Anfang des Universums
6 Sterne: Der kosmische Ursprung des Menschen
7 Teleskope
8 Kosmische Senioren
9 Die Milchstrae
10 Galaxien
11 Schwarze Lcher und exotische Objekte
12 Dunkle Materie und Dunkle Energie

Die Lektionen im berblick:


1 Was ist Musik?
2 Im Konzertsaal Die Sinfonie und ihre Rume
3 Interpretation Warum die gleichen Stcke immer
anders klingen
4 Neue Musik Schwierig, anders oder zeitgem?
5 Kammermusik Nur fr Kenner?
6 Das Klavier Solist unter den Instrumenten
7 Die Oper Ein multimediales Vergngen
8 Die Zukunft der klassischen Musik

Die Lektionen im berblick:


1 Weinbau in Deutschland Mit Ernst Loosen an der
Mosel. Interview: Verhaltensregeln im Restaurant

Deutsche Weine:
Erleben, verstehen, genieen

2 Der Jahreszeiten-Zyklus Mit Theresa Breuer im


Rheingau. Interview: Sekt& Champagner

Folgen Sie ZEIT-Redakteur Gero von Randow auf seiner Reise durch Deutschlands
Anbaugebiete, und lernen Sie Wein besser verstehen und genieen. In sechs Lektionen
erfahren Sie von namhaften Winzern, wie guter Wein entsteht und welchen Einfluss
Klima, Bden und Ausbau auf den Geschmack haben. Lernen Sie auerdem, worauf es
bei der Auswahl, Lagerung und Genuss eines guten Weins wirklich ankommt. Im Anschluss an jede Lektion beantwortet Sommelier Markus Berlinghof alle wichtigen Fragen
zum Weingenuss und vermittelt Ihnen praxisnahe Verbrauchertipps.

3 Die Arbeit im Weinberg Mit Philipp Wittmann in


Rheinhessen. Interview: Auswahl& Lagerung

DVD:

79* statt 99 (Bestellnr. 7123)| Online: 39* statt 59 (Bestellnr. 7124)

4 Von der Traube zum Wein Mit Fritz Keller in Baden


Interview: Verschlsse& ffner
5 Rebsorten& Jahrgnge Mit Werner Knipser in der
Pfalz. Interview: Wein& Speisen
6 Ein Anbaugebiet im Wandel Mit Markus Berlinghof aus
Wrttemberg. Interview: Qualittsstufen& Prdikate

*Gltig bis 04.01.2016. Preis zzgl. 4,95 Versandkosten innerhalb Deutschlands, Auslandspreise auf Anfrage.
Anbieter: ZEIT Akademie GmbH, Buceriusstrae, Hamburg

Astronomie:
Eine Reise durch unser Universum

www.zeitakademie.de

4.12.2015 15:30

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

DAS LESERZITAT

D I E Z E I T No 5 0

LESERBRIEFE

Die Religion ist nur ein Kochtopf, in dem die Ressentiments sich
am besten warm halten knnen. Solange es solche krassen
Unterschiede gibt, wird es Konflikte geben. Von Dr. Salvatore Algieri

22

ZUR AUSGABE N 0 48

Mark Schieritz/Arne Storn: Keine


Sorge, wir zahlen! ZEIT NR . 48
Die beiden Verfasser machen es sich zu einfach, indem sie unkritisch die Aussage des finanzpolitischen Sprechers der Grnen im
Bundestag bernehmen: Man kann nicht bei
der Unterbringung der Flchtlinge auf europische Solidaritt setzen und bei der Ein
lagensicherung sagen, jeder soll sich um seine
eigenen Probleme kmmern.
Die Unterschiede zwischen den beiden
Themenblcken sind so gro, dass sie nicht
miteinander aufrechenbar sind. Bei den
Flchtlingen handelt es sich um eine uere
Katastrophe, mit vielfltigen Ursachen, die
nur sehr begrenzt durch die einzelnen EUStaaten beherrschbar und damit also ein
gesamt
europisches Thema sind. Bei den
Banken handelt es sich um nationale
Wirtschaftsunternehmen, die in hohem Mae
durch die nationale Finanz- und Wirtschaftspolitik beeinflusst werden.
Dr. Herbert Powelz, Dieburg

Beton statt Zement


Andrzej Rybak: Eine Frau
grbt sich durch ZEIT NR . 48
In Ihrem Artikel schreiben Sie auf der dritten
Zeile der dritten Spalte, dass fast 4,4 Millionen Kubikmeter Zement verbaut wurden.
Bitte lassen Sie sich darauf aufmerksam machen, dass Zement ein graues Pulver ist, mit
dem man erst dann bauen kann, wenn Wasser
und Kies dazugemischt werden und das
nennt man Beton! So beginnen (wenige Zeilen spter) nicht die Zementarbeiten, sondern
die Betonbauarbeiten. Ich hoffe, Sie nicht in
Ihrer Ehre gekrnkt zu haben.
Hans-Paul Splbeck, per E-Mail

Grausam
Fritz Habeku: Banane in
Not ZEIT NR . 48
Faulende Bananenstauden mit aidskranken
Menschen in Verbindung zu bringen, finde
ich falsch und grausam. Davon abgesehen,
dass der Vergleich hinkt, denke ich nicht, dass
es noch mehr schlechte Assoziationen geben
muss, gerade wo HIV-Infizierte immer noch
mit Vorurteilen konfrontiert werden.
Janna Thonius, per E-Mail

BEILAGENHINWEIS
Die heutige Ausgabe enthlt Publikationen folgender Unternehmen, in der Gesamtauflage: JDB
Media GmbH, 20357 Hamburg; in Teilauflagen:
Deutsches Rotes Kreuz e.V., 12205 Berlin; Jesuitenmission, 90402 Nrnberg; Schenkenfelder Kommu
nikation im Tourismus GmbH, A-5020 Salzburg

Mit zweierlei Ma

Soli und Kirchensteuer


kommen noch dazu
Roman Pletter: Schluss mit dem
Rabatt! ZEIT NR . 48

Adam Soboczynski: Mit dem IS kann man nicht verhandeln ZEIT NR . 48

dam Soboczynski bt Kritik am


Beitrag von Bernd Ulrich. Aber
auch er kann anerkennen, dass
die Politik des Westens in den
vergangenen Jahren einen nicht
unwesentlichen Einflussfaktor
fr die derzeitige Situation im
Nahen Osten darstellt.
Soboczynskis Argumentation begrndet jedoch
aus meiner Sicht nicht eine Ablehnung der von
Ulrich formulierten zentralen These, der Westen
mge seine Politik gegenber dem Nahen Osten
neu ordnen. Ulrich hat nicht geschlussfolgert,
dem Terror mit Verhandlungen mit dem IS zu
begegnen; aber er hat ein klares Votum gegen
eine Fortsetzung des Krieges gegen den Terror
abgegeben. Das untersttze ich vorbehaltlos. Hat
der Westen dabei nicht genug Misserfolge ein
gefahren? Wir brauchen keinen neuen Krieg.

Dr. Karlheinz Grokopf, Seddiner See

Ein groes Dankeschn an den Autor. Wunderbar recherchiert, analysiert und argumentiert.
Bester Journalismus! Riesenunterschied zu den
dmmlichen Kommentaren im Staatsfernsehen
von ARD und ZDF.
Roland Bednarsch, per E-Mail

Natrlich muss gegen den IS vorgegangen werden aus den vom Autor genannten Grnden. Nur
warum hat man nicht vor dem Anschlag in Paris eine groe Koalition gebildet, um dies gemeinsam zu tun?
Warum hat man die anfnglich gemigte Oppo
sition in Syrien nicht ausreichend untersttzt und
stattdessen vier Jahre lang zugesehen, wie das
Land mehr und mehr im Chaos versank und der
IS sich ausbreiten konnte, auch im Irak?
Warum der groe Aufschrei bei Attentaten in
Europa, aber nicht bei solchen im Nahen Osten?
Wo doch die Resultate der schon Jahre andauernden Anschlge im Irak mit unzhligen Toten

und zeitlebens Verstmmelten beinahe tglich


Gegenstand der Abendnachrichten waren.
Wir haben das hingenommen wie auch das Tten
und Vergewaltigen der Jesiden, die Entfhrung
Hunderter Schlerinnen durch Boko Haram in
Nigeria sowie das neuerliche Erstarken der Taliban in Afghanistan mit den bekannten Konsequenzen nach Abzug unserer Truppen.
Wohin soll das ewige Suchen nach Ausflchten
und Beschnigung unserer Politik noch fhren?
Wir messen weiterhin mit zweierlei Ma. Die
steigenden Flchtlingszahlen in Europa sind das
Ergebnis unseres Wegschauens.

Teresa Scholl, Gundelfingen

Vielen Dank fr Herrn Soboczynskis groartige


Erwiderung auf Bernd Ulrichs verfehlte Thesen.
Als wren meine Argumente in einem fulminanten Artikel zusammengefasst worden. Und danke
auerdem fr die Rehabilitierung der Realpolitik.
In einer unvollkommenen Welt muss man sich
seine Realitt erarbeiten, man kann nicht die
Utopie einer friedlichen und gleichen Welt leben,
wenn man damit allein ist.
Dr. David Wolff, Mnchen

Die westliche Dominanz in den wirtschaft


lichen, kulturellen, politischen und militrischen
Bereichen erzeugt Ressentiments unter der jungen arabisch-muslimischen Bevlkerung (mindestens unter den rmeren Brdern der Saudis).
Die Religion ist nur ein Kochtopf, in dem die Ressentiments sich am besten warm halten knnen.
Solange es solche krassen Unterschiede gibt, wird
es Konflikte geben. Auch wenn man die These der
Schuld des Westens nicht akzeptiert, sollte man
mindestens der Wirklichkeit ins Auge schauen.
Dr. Salvatore Algieri, Worms

Ich teile die Meinung des Autors, dass realpoli


tisches Handeln geboten ist, jedoch nicht seine
These, der Nahostkonflikt mit seinen globalen

Auswirkungen sei weniger ein Beispiel fr den


Zusammenprall von Morgen- und Abendland als
vielmehr die Folge des Zusammenwirkens verschiedener regional- und religionsspezifischer
Entwicklungen. Eine Herabstufung des Konflikts
auf religise, ethnische und politische Spannungen innerhalb der Region verstellt den Blick fr
die moralische Kraft einer Kultur, die sich mit
groer Glaubensstrke von anderen Kulturen abgrenzt. Darin liegt die Herausforderung fr unsere Zivilgesellschaft und ihre Wehrhaftigkeit.

Dr. Harald Peipers, Essen

Adam Soboczynski versucht in seinem Artikel, die


Rolle des Westens im Krieg in Syrien abzuschwchen. Der Westen (wiewohl das kein homogener
Begriff ist, wenn man die Willkommenskultur in
Deutschland der blinden Untersttzung von Rebellengruppen durch den Westen in verschiedenen Regionen gegenberstellt) hat eine zumindest
moralische Verantwortung fr die derzeit herrschende Unmenschlichkeit ungeheuren Ausmaes
im Nahen Osten. Der Sturz von Diktatoren muss
von der eigenen Bevlkerung kommen, militrische Untersttzung von auen kurbelt nur die
Militrindustrie an. Dass der IS auf dem freien
Markt l verkaufen kann, ebenso wie Boko Haram in Nigeria, ist ein Zeichen der (bewussten?)
Ohnmacht des Westens. Dass Saudi-Arabien, Teil
der westlichen Politik, behaupten kann, dass es die
Rebellen untersttzt, solange Assad an der Macht
ist, und dies toleriert wird, stellt die Glaubwrdigkeit des westlichen Interesses an einer baldigen
Lsung des Konflikts in Syrien ebenso infrage.
Kurzfristig den IS mit Bodentruppen zu bekmpfen wre der erste Ansatz, wo sich viele nun nach
dem Massaker in Paris einig sind. Lngerfristig
muss aber der Westen seinen engen Verbndeten
Saudi-Arabien unter die Lupe nehmen und sich
fragen, wie und warum diese extremen Terrorgruppen dort ihren Nhrboden haben.
Dr. Siroos Mirzaei, Wien

Zu unserem neuen Ressort Z Zeit zum Entdecken ZEIT NR . 48

Eberhard Rapp, per E-Mail

Glaubt die ZEIT wirklich, es sei interessant, mitzuteilen, dass eine Redakteurin Ramazotti mag,
Teil einer Doppelkopf-Runde ist, beim Sat.1Film nicht abschalten kann, Drinks fr jede
Lebenslage hat et cetera? Ich meine, die ZEIT
sollte bei ihrer Kernkompetenz einer serisen und
anspruchsvollen Wochenzeitung bleiben und
nicht jeden Schnickschnack mit- und nachmachen. Der Z-Teil steht fr mich deshalb fr Zeitund Geldverschwendung; etwas Entdeckenswertes habe ich fr mich darin noch nicht gefunden.
Dr. Herbert Powelz, Dieburg

Besonders gerne ging mein erster Blick auf die


letzte Seite mit den Rubriken Mein Wortschatz und
Was mein Leben reicher macht. Auch Z finde ich
sehr gelungen und spannend zu lesen. Leider fhrt
die Rubrik Mein Wortschatz jetzt ein Schatten

Sie schreiben, 25 Prozent sei der Satz, mit


dem Kapitalertrge derzeit pauschal besteuert
werden. Sie haben vergessen, dass zustzlich
alle den Solidarittszuschlag bezahlen mssen
und dass fr die Mehrzahl der Steuerpflichtigen die Kirchensteuer dazukommt. Das empfinde ich als unredlich und irrefhrend.
Dass Sie die Kritik an Ihrer Meinung nach zu
niedrigen Steuern und an Steuerhinterziehung
mit der Flchtlingsfrage verbinden, halte ich
fr tendenzis.
Carl Siebel, per E-Mail

Explosive Stadtteile
Gtz Hamann: Tod, Steine,
Scherben ZEIT NR . 48
Ich finde es klasse, dass die ZEIT-Redaktion
das Thema der explosiven Stadtteile derart
tiefgrndig schildert und analysiert. Die Aufnahme in den Wirtschaftsteil hat mich zwar
gewundert, vom Stellenwert der Problematik
her ist die Entscheidung aber sehr gerechtfertigt. Ich kann nur hoffen, dass politische Entscheidungstrger auf allen Ebenen und die
Zivilgesellschaft wie Sie erkennen, dass die
dargestellten Dimensionen einen wesentlichen
Aspekt der Terrorbekmpfung darstellen. Ein
Dank dafr, dass sie wichtige Arbeit leisten,
indem Sie die Ursachen, die zur Radikalisierung von Leuten in explosiven Stadtteilen
beitragen, beleuchten.
Benjamin Lber, Dresden

Neugierig machen
Marie Schmidt: Nicht einfach nur
schn ZEIT NR . 48

Drinks fr jede Lebenslage


ch bin ein sehr humorvoller Mensch, lese
gern und viel und lasse mich auch gern
unterhalten. Gernhardt, Goldt, Tucholsky,
Kstner, Rowohlt stehen bei mir quasi
tonnenweise im Regal, ich lache und schmunzle
gern, egal, ob Loriot oder Helge Schneider. Das ist
auch der Punkt: Gut muss es sein.
Ihre Z-Redakteure haben offensichtlich keine
Humorsubstanz mehr. Und sie wissen nicht mehr,
was eine gute Geschichte ausmacht. Und sie haben
offensichtlich so wenig Bldelerfahrung (vergleiche
die Frankfurter Schule), dass sie ber Banales lachen, aber nicht ber Dinge, die wirklich Witz
haben. Guter Humor war noch nie einfach, der
fordert viel Denkarbeit und Lebenserfahrung. Z
verhlt sich zur (im optimalen Fall gut gemachten)
ZEIT wie ein Comedian zu einem Kabarettisten.

Illustration: Smetek fr DIE ZEIT

Das kann man


nicht vergleichen

dasein und ist kaum noch zu entdecken. Diese


originelle Rubrik hat es nicht verdient, sich zwischen anderen Artikeln so einquetschen zu lassen.

Werner Mller, Berlin

Im neuen Z-Ressort kommt mir das Thema Reisen zu kurz. Ich mchte meinen alten Reiseteil
wieder.
Alexander Ruff, Mnchen

Gerade habe ich zum ersten Mal Ihre neue Rubrik Zeit zum Entdecken so richtig bewusst gelesen. Ich hatte keine groe Lust, einen schweren
Artikel (Politik, Dossier, Wirtschaft) zu lesen. Ich
mchte Ihnen daher danken, dass Sie fr genau
diese relaxten Abende eine eigene Rubrik herausgebracht haben.
Andreas Eger, per E-Mail

Oft schon wollte ich eine Nachricht an die


ZEIT senden, wenn Ihre Feuilletonisten mal
wieder das Ende eines Buches oder die entscheidende Szene eines Films verraten hatten.
Immer wieder wollte ich die Beispiele sammeln, eine Liste des entgangenen Vergngens
prsentieren.
Aber nun kommt es andersherum. Ihr Artikel
leistet, was eine Rezension leisten sollte: auf
kluge Weise neugierig machen.
Rainer Kurt Neh, per E-Mail

ZUSCHRIFTEN AN
Am schnellsten erreicht uns
Ihre Post unter der Mail-Adresse:
[email protected]. Zustzlich knnen
Sie die Texte der ZEIT auf
Twitter (@DIEZEIT) diskutieren
und uns auf Facebook folgen.

ANZEIGE

Wir bedanken uns bei allen


ZEIT fr die Schule-Paten
ber 11.000 Schulklassen lernen mithilfe der ZEIT, Medien kompetent zu nutzen. Durch die bernahme
einer Patenschaft schenken ZEIT-Leser einer Schulklasse drei Wochen lang DIE ZEIT im Klassensatz.
Die Paten des Schuljahres 2015/16:
John Adler, Rainer Alefs, Petra Alpen, Georg Altmeier, Sven Bachmann-Frey, Dieter Blinn, Vera Bodmann, Klaus Ber,
Tobias Bracht, Sebastian Brckner, Margarete Brunner, Angelika Dams, Helmut Deiler, Barbara Doblin, Claudia Engelmann,
Dr. Andreas Fieber, Roland Framhein, Gudrun Gedig, Henning Gmerek, Daniel Gorissen, Ite Gomann, Ernst-Otto Grahle,
Thomas Hoffmann, Horst Igel, Jochen Jehle, Dr. Rdiger Jungbluth, Cordula Kahrmann, Andreas Kegel, Peter Kesa,
Monika Kind, Friedrich Knorpp, Sigurd Koppen, Thomas Krenzer, Meike Krger, Anke Kuhlmann, Ellen M. Liebherr,
Sabine Lienhard, Heinrich Lnnecke, Jrgen-Georg Lcke, Antje Lund, Elke Mangold, Karin Mannhardt, Gnter Mero,
Gilbert Penser, Dr. Jan Christoph Pfeffer, Werner Pflaum, Niklas Alexander Reininghaus-Zierfu, Prof. Brbel G. Renner,
Harald Ricken, Heiko Riedel, Eva-Maria Scherer-Bastuck, Doris Schulz, Dagmar Schwanke-Krmann,
Martin Steckel, Hella Stock, Eva Strack, Ingeborg Strempel, Ingrid Struss, Peter Stumpf, Christa Tahden,
Hans-Dieter Tauer, Dr. Ulrich Trambacz, Markus Trster, Lutz Wallner, Dr. Ruth und Dr. Norbert Warnking,
Peter Weinig, Almuth Windels, Erich Wrth, Wolfgang Zapel, Ingrid Zimmermann

Jetzt fr das neue Schuljahr spenden:

100975_ANZ_10097500004651 [P].indd 1

www.zeit.de/patenschaft

24.11.15 10:30

10. D E Z E M B E R 2015

Hier wird

unsere Par

tei beleidig
t!

Gegen die
des SEDper v
Zentralko
mitees. H erse, unsittliche
eute lsst
sich im O Kultur des Westen
s: Vor 50
riginalton
Ja
nachhre
n, wie die hren tagte das ber
c
Partei K
nstler und htigte Kahlschlag
-Plenum
Schriftste
ller niede
rmachte
VO N R E
G IN

in Mann bringt sich um.


Erich Apel, 48, ist Vor
sitzender der Staatlichen
Plankommission, Mitglied
des Zentralkomitees (ZK)
der Sozialistischen Ein
heitspartei Deutschlands
(SED) und des Prsidiums
des Ministerrats. Das rzt
liche Bulletin vom 4.De
zember 1965 erklrt den Selbstmord mit einer
Kurzschlussreaktion.
Erich Apel war seit 1963 fr das Neue ko
nomische System der Planung und Leitung zu
stndig, fr die Entwicklung einer Wirtschafts
reform. Walter Ulbricht, Erster Sekretr der Partei
und Staatsratsvorsitzender, untersttzt das Pro
jekt. Es soll Marktstrukturen schaffen, den Kom
binaten mehr Eigenverantwortung einrumen
und die DDR von der Sowjetunion unabhngiger
machen. Es ist der einzige wirtschaftliche Reform
versuch der DDR, der auf staatliche Initiative zu
rckgeht. Er scheitert.
Im Oktober 1964 kommt es in Moskau zum
Machtwechsel. Leonid Breschnew lst Nikita
Chruschtschow ab. Die nun geltende Linie bedeutet
die Absage an Experimente im sozialistischen Lager.
Die Sowjetunion verlangt ein neues Auenhandels
abkommen, nach dem die DDR fr Exporte aus der
Sowjetunion mehr bezahlen muss. Apel spricht sich
dagegen aus und steht bald allein da. Auch Ulbricht
rckt von ihm ab. Am 3.Dezember 1965, wenige
Stunden vor der Unterzeichnung des Vertrags, er
schiet sich Erich Apel mit seiner Dienstwaffe.
Der neuen sowjetischen Politik folgt in der DDR
eine Umorientierung. Sie kommt aus dem Macht
apparat des Landes oder erfllt Weisungen der Sow
jetunion, auch in ideologischen Fragen. Daraus
folgen Konsequenzen fr das 11.Plenum des ZK
der SED, das vom 15. bis 17. Dezember 1965 zu
einer Tagung zusammentreten soll.
Auf diesem Plenum sind Wirtschaftsfragen als
wichtigstes Thema geplant. Apels Tod verndert die
Lage. Es droht eine Diskussion ber seine Motive.
Das ZK entscheidet sich fr einen Kompromiss:
konomische Fragen werden zwar mit der Hlfte
der Beitrge im Programm des Plenums bleiben, aber
die Verantwortlichen rcken nun die Kultur- und
die Jugendpolitik in den Vordergrund. In den Augen
fhrender Genossen gibt es Alarmzeichen.
Nach dem Mauerbau 1961 glaubten einige,
vor allem jngere Knstler an eine Art Neustart.
Der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase erinnerte
sich 2004: Die Verletzbarkeit der DDR durch
diese permanent offene Grenze, aber auch die of
fene Grenze als Ausrede gegen jedes zugespitzte
Gesprch ber die eigenen Angelegenheiten bei
des war nun nicht mehr gegeben. Wenn die DDR
dadurch sicherer war, konnte man dann nicht an
ders miteinander umgehen? Mit mehr Geduld,
mit mehr Liebe zur Wahrheit, mit mehr Freund
lichkeit? Aber jedem mutigen Schritt folgte Zu
rckweisung. Jetzt, 1965, will die Partei ihren
Machtanspruch manifestieren.
Das 11.Plenum wird generalstabsmig vorbe
reitet. Eine Gruppe des Politbros analysiert knst
lerische Entwicklungen unter anderem prft sie
die Filme Das Kaninchen bin ich von Kurt Maetzig
und Denk blo nicht, ich heule von Frank Vogel. Sie
schtzt Theaterstcke ein Moritz Tassow von Peter
Hacks, Marski von Hartmut Lange, Der Bau von
Heiner Mller und Romane: Spur der Steine von
Erik Neutsch und Rummelplatz von Werner Bru
nig. Sie bestellt sich unverffentlichte Manuskripte
und sammelt Informationen ber Amateur-Beat
gruppen und deren Publikum. Was ist parteifeind
lich? Es wird Zeit, auf den Busch zu klopfen.

E S Y LV E
STE

Fotos: D. Schwarz/DEFA-Stiftung; Interfoto (u.)

GESCHICHTE

23

1965

D I E Z E I T No 5 0

Ein Meisterwerk des DDR-Kinos, von der SED diffamiert und ins Abseits gedrngt: Szene aus Frank Beyers Film Spur der Steine mit Manfred Krug (Mitte)

Am 25.November gibt es einen Testlauf: Wal


ter Ul
bricht ldt Schriftsteller, Literaturwissen
schaftler und Kulturpolitiker zum Gesprch in den
Staatsrat. Im Referat behauptet er direkte Zusam
menhnge zwischen der moralischen Verkom
menheit einiger Jugendlicher und der Wirkung
von Film und Fernsehen. Er greift Werner Brunig
an, obwohl von dessen Roman Rummelplatz bisher
nur zwei Kapitel in einer Literaturzeitschrift er
schienen sind. Er droht, dass er Kenntnis habe von
mehr als zehn weiteren schdlichen Manuskrip
ten. Den Schriftstellern bestreitet er den Rang:
Das ist eine Selbstberschtzung, da Sie die
Fehler besser sehen als wir.
Die Knstler sind irritiert. Die Veranstaltung
heit Humanismus und Realismus in der Deut
schen Demokratischen Republik. Christa Wolf
setzt sich fr Werner Brunig ein. Anna Seghers
wendet sich gegen das Hinwegdrngen einer Sa
che, die uns in ihrer Widerspiegelung nicht gefllt.
Ulbricht vertritt die These, dass Skeptizismus den
Lebensstandard senke. Gnter Mittag, Leiter des
Bros fr Industrie- und Bauwesen des ZK, ver
langt, dass Geld nur noch fr gute Kunst ausge
geben werde. Die Rede ist auch von einer Gruppie
rung sie betreibe eine Politik des Skeptizismus,
trete in westlichen Medien auf und schade der
DDR. Feindbilder gehen wie Gespenster durch
den Raum. Die Diskussion stockt.
Mit der Gruppe, die in den Westmedien auf
getreten ist, waren Robert Havemann, Stefan
Heym und Wolf Biermann gemeint. Schon
schumt die Angriffswelle im Par
tei
organ Neues
Deutschland. Hermann Axen, Politbromitglied,
greift am 28.November Stefan Heym an: Der sehe
Schriftsteller und Naturwissenschaftler als Prophe
ten. Klaus Hpcke, Kulturredakteur, polemisiert
gegen Biermann. Den Gedichtband Die Drahtharfe
hat Wagenbach verlegt: Sei es denn Zufall, dass
solche Verse in West-Berlin gedruckt werden? Die
Frankfurter Allgemeine Zeitung rezensierte die Ge
dichte. Das Blatt nehme, schreibt Hpcke, Bier
mann die ins Pornografische hinbergleitenden
Passagen bedenkenlos ab. Er folgert: Wer poli
tisch pervers ist, darf es auch im Sexuellen sein.
Manfred Krug schickt einen kurzen Brief: Sehr
geehrter Herr Hpcke, Sie sind ein Arsch. Gru
Manfred Krug. Das wird man 1996 in seinem
Buch Abgehauen lesen knnen. Krug bleibt noch
bis 1977 in der DDR.

m Vortag des 11.Plenums, am


14.Dezember 1965, liegen im Lese
saal des Zentralkomitees rote Map
pen. 174 Mitglieder und Kandida
ten des ZK und etwa 200 Gste
Abteilungsleiter, Botschafter, Rektoren, Bezirks
rte, Generaldirektoren, dazu einige wenige
Knstler knnen die etwa 150 Seiten einsehen.
Sie mssen Empfang und Rckgabe quittieren.
Die Mappe mit Referaten und Gutachten darf
nur im Gebude des ZK ab zehn Uhr mor
gens gelesen werden.
Es geht um Probleme der Fernseh
kunst (eine Neigung zu Sex), um
Bcher und Dramen, um Stimmungen
in der knstlerischen Intelligenz (zeigen
sich groe Unsicherheiten und Schwan
kungen) und unter Studenten
(Bequemlichkeit, Resignation,
Mdigkeit), um Beatmusik
und Rowdys. Auer einem
Text von Stefan Heym und ei
nem Schreiben von Ul
bricht
ber Beat- und Gammlergrup
pen in Leipzig (Die Anfhrer
der Ausschreitungen sind sofort in

Arbeitslager eingewiesen worden) bleiben die


Verfasser der Dokumente anonym.
Um 16 Uhr sehen die Mitglieder und Kandida
ten des ZK den Film Das Kaninchen bin ich, der im
Februar 1966 Premiere haben soll. Der Inhalt:
Maria, 19, ist Berlinerin; ihr Bruder sitzt wegen
staatsgefhrdender Hetze im Gefngnis. Maria darf
nicht studieren und kellnert. Sie verliebt sich gegen
alle Vernunft in den Richter ihres Bruders. Der
Mann benutzt den Fall des Bruders und einen neuen
Rechtspflege-Erlass, um sich zu profilieren. Maria
trennt sich und liebt ihn trotzdem. Der Bruder wird
entlassen. Als er erfhrt, dass seine Schwester die
Geliebte seines Feindes war, schlgt er sie zusammen.
Am Ende zieht Maria auf der Friedrichstrae einen
klapprigen Handwagen mit Gepck.
Alexander Abusch, ZK-Mitglied, verffentlicht
am 15. Dezember im Neuen Deutschland einen
Text: ber Grundprobleme unserer sozialistischen
Literatur und Filmkunst. Grundprobleme, ein
Wort wie ein Donnerschlag.
Abusch nimmt die Tonlage des Plenums vor
weg: Einige Knstler bevorzugten das Abseitige
und Uncharakteristische. Sie ahmten die ber
betonung des Sexuellen in der kapitalistischen
Filmkunst nach. Der Film Das Kaninchen bin ich
sei besonders schdlich.
Ein besonders schdlicher Film von Professor
Kurt Maetzig? Mitgrnder der Defa, vierfacher Na
tionalpreistrger, erster Direktor der Filmhochschule
in Babelsberg? Er ist 1965 ein gebildeter 55-jhriger
Herr, der 14 Filme gedreht hat, darunter der Klassi
ker Ehe im Schatten und spter die pathetischen
Thlmann-Filme Pflichtveranstaltungen fr DDRSchuljahrgnge. Sptestens jetzt ist klar, dass auf dem
11.Plenum jeder drankommen kann.

ur Erffnung spricht Erich Honecker,


Sicherheitssekretr des ZK. An diesem
Tag sind nur Mitglieder und Kandida
ten des ZK zugelassen, noch nicht die
Gste. Honecker redet ber Erfolge
und die Weltlage. Nach zwei Stunden ist er beim
eigentlichen Thema: Unsere DDR ist ein saube
rer Staat. In ihr gibt es unverrckbare Mastbe
der Ethik und Moral, fr Anstand und gute Sitte.
Dem gegenber stehen: Unmoral. Dekadenz.
Spiebrgerlicher Skeptizismus. Kultur des
Zweifelns. Er spricht von Staatsfeindlichkeit in
den Medien, etwas Schlimmeres gibt es nicht.
Honecker fhrt die Kritik weiter: Auch die verant
wortlichen Genossen htten keinen prinzipiellen
Kampf gegen die im Bericht aufgezeigten Erschei
nungen gefhrt. Nur wenige Eingeweihte im Saal
knnen sich sicher fhlen.
Nach Honecker spricht Paul Frhlich, SED-Funk
tionr in Leipzig. Er fordert den Finanzminister
Willy Rumpf auf, zu berprfen, was uns das alles
kostet, diese konterrevolutionren Meisterwerke!.
Immer wieder kommt es zu Zwischenrufen.
Auf Zwischenrufe folgt Kumpanengelchter.
Funktionre lsen sich vom Manuskript und
reden sich in Rage und Rpelei, wie Kon
rad Naumann, Mitglied der Berliner
Bezirksleitung: So eine primitive, ita
lienisch-sozialkritische Masche ghnt
und kotzt mich an! Er meint den Kaninchen-Film.
Die Diskussion dauert bis
18Uhr. Wie ein Grollen
dringt eine Frage hindurch:
Wer ist eigentlich verantwortlich
fr das alles?
Um 18.30 Uhr sehen die
Genossen den Film Denk blo
nicht, ich heule von Frank
Vogel. Der Inhalt: Peter ist

Erich Honecker

ein Oberschler, der gerne provoziert. In einem Auf


satz schreibt er, dass er die Republik nicht braucht,
und fliegt von der Schule, streunt herum. Er findet
kein Verstndnis fr seinen jungenhaften ungest
men Kampf gegen Heucheleien. Ein Mdchen hilft
ihm, seine Verweigerung zu berdenken.
Am nchsten Morgen sollen eigentlich die Gste
dazukommen, aber es gibt noch so viele Wort
meldungen, dass sie bis zum Mittag drauen blei
ben mssen. Drinnen kndigt Ulbricht Wirt
schaftsreferate an, vorher kommt er auf die Filme
zurck. Sie seien nicht die ganze Information. Ich
will das nur sagen, damit niemand denkt, da er
jetzt alles wei. Wir wissen auch nicht alles, noch
nicht alles.
Jetzt sprechen Genossen, die direkt oder indi
rekt kritisiert worden sind. Der Fernsehintendant
Heinz Adameck kann mit bescheidener Selbst
kritik und Verweisen auf hochgelobte Fernseh
filme seine Haut retten. Der Filmminister Gnter
Witt stimmt der Kritik der Partei zu. Er habe sei
nen Parteiauftrag, mit jedem Film unsere sozia
listische Sache zu untersttzen, nicht erfllt.
Trotzdem wird er gnadenlos unterbrochen, von
Abusch, Ulbricht von der Macht. Spter wird
Witt sagen: Es war wie eine Inquisition.
Der Ton ist oft vulgr. Hanna Wolf spricht, die
Leiterin der Parteihochschule, nein: Sie schreit. Bei
manchen Leuten sei ein Bordellstandpunkt ent
standen. Der Kulturfunktionr Alfred Kurella ver
langt von den Medien, nicht jeden Scheidreck
mitzumachen, auch nicht jeden Furz von drben.
Wer Widerstand leiste, msse ausgeschaltet werden.
Andere Redner schlagen immerzu auf das Pult.
Woher kann man das wissen?
Seit 2012 steht der Tonbandmitschnitt der
Tagung auf der Seite des Bundesarchivs online. Der
Filmhistoriker Gnter Agde hat ihn ausgewertet.
Eine Audio-CD mit Auszgen liegt einem dieser
Tage erschienenen Buch bei: Verbotene Utopie (hrsg.
v. Andreas Ktzing u. Ralf Schenk, Verlag Bertz +
Fischer).
Anderthalb Tage hat Christa Wolf als Kandi
datin des ZK zugehrt, bevor sie spricht. Kennt
man die Hintergrnde und die Atmosphre
nicht, knnte man ihre Rede fr zaghaft halten.
Sie betont ihr Einverstndnis mit der DDR-
Kulturpolitik. Es ist still im Saal. Dann wird sie
kritischer: Es sei nicht richtig, die Schriftsteller
in eine Defensive zu drngen, so da sie immer nur
beteuern knnen: Genossen, wir sind nicht partei
feindlich! Langsam entsteht Unruhe. Christa
Wolf engagiert sich eindringlich fr Werner
Brunig. Es gebe bei ihm keine antisozialistische
Haltung. Zuruf: Das hrt sich an wie eine Ver
teidigungsrede! Ab jetzt kann sie kaum einen
Satz sprechen, ohne unterbrochen zu werden, ein
Hexenkessel. Sie widersetzt sich der Partei nie
mand sonst wagt das hier.
Bald danach ist das Plenum mit den Gsten
vollzhlig. Wieder melden so viele Genossen Bei
trge an, dass es verlngert wird es tagt auch noch
am 18. Dezember.
Die Partei erklrt ihre Macht ber die Kunst
zum Gesetz. In seinem Schlusswort legt Walter
Ulbricht noch an Schrfe zu. Er spricht von einem
freien Spiel der Krfte, das sich bei der Defa ent
wickelt habe, weil die Mitarbeiter vor der Verant
wortung zurckgewichen seien. Das betrifft auch
den Leiter der Defa. Der heit Jochen Mcken
berger und sitzt als Gast im Saal. Ulbricht behaup
tet, dass nicht die Staatsmacht fr Kritik an Fern
sehfilmen verantwortlich sei: Nicht wir haben sie
kritisiert, sondern die Bevlkerung hat sie kriti
siert. Die Bevlkerung hat mit Protesten begon
nen. Das ist die Wahrheit. Aus dem Saal rufen sie:
Vllig klar! Vollkommen klar! Die DDR

habe, sagt Ulbricht, viel weiter gehende Freiheiten


als der Westen: Wir haben nur keine Freiheiten
fr Verrckte, sonst haben wir absolute Freiheiten
berall. Glaubt er wirklich, was er sagt?
Bald danach ist das 11.Plenum vorbei. Aber es
ist nicht vorbei. Es schwelt noch lange weiter.
Kurt Maet
zig hofft, mit ffentlicher Selbst
kritik den Schaden zu begrenzen, und nennt nun
seinen eigenen Film schdlich. Bis zum Lebens
ende wird ihn diese Unterwerfung verfolgen.
Christa Wolf muss wegen einer Depression in die
Psychiatrie der Charit und bittet das ZK, sie
nicht mehr als Kandidatin aufzustellen. Werner
Brunig trinkt sich ins Grab. Kulturminister
Hans Bentzien, Filmminister Gnter Witt, DefaDirektor Jochen Mckenberger, Chefdramaturg
Klaus Wischnewski und Defa-Parteisekretr W
erner
Khn werden entlassen, ebenso die Regisseure
Frank Beyer und Gnter Stahnke, der Arbeits
gruppenleiter Gnter Karl, die Filmwissenschaft
ler Christiane Mckenberger, Heinz Baumert,
Gnther Dahlke.
Alle abgedrehten, noch im Drehprozess oder
in Vorbereitung befindlichen Defa-Spielfilme
werden vom Studio, von der Hauptverwaltung
Film und der Partei berprft. Ein Film, der
schon im Kino luft Der Frhling braucht Zeit,
wird zurckgezogen.
Das spektakulrste Schicksal hat Frank Beyers
Film Spur der Steine. Er spielt auf einer Grobau
stelle, Arbeiter sind die Hauptfiguren. Auf diesen
Film haben die Verantwortlichen groe Hoff
nungen gesetzt. Er luft Pfingsten 1966 erfolg
reich bei den Arbeiterfestspielen in Potsdam. Am
30.Juni ist Premiere in Berlin. In der Zwischen
zeit opponiert eine Gruppe in der Partei gegen
den Film und organisiert eine Kampagne: Zehn
Minuten nach Premierenbeginn spielen Str
kommandos aus FDJ, Kampfgruppen, Partei
schule die Stimme des Volkes. Sie schreien Das
sind nicht unsere Arbeiter!, Hier wird unsere
Partei beleidigt!, Unsere Parteisekretre gehen
nicht fremd!. In anderen Stdten setzen sich die
bestellten Tumulte fort. Bald verschwindet der
Film aus den Kinos.

is Ende Oktober 1966 mssen neun


Spielfilme die Pro
duk
tion stoppen,
das gedrehte Material verschwindet
bis zur Wende im Keller: Karla, Wenn
du gro bist, lieber Adam, Jahrgang45,
Hnde hoch oder ich schiee, Frulein Schmetterling, Berlin um die Ecke. Das Material von Ritter
des Regens ist verschwunden.
Kaum jemand hatte damals die verbotenen
Filme sehen knnen, sie lebten in der DDR nur
als Legende weiter. Die Knstler hatten sich eine
khnere Kulturpolitik erhofft. Anders als der
Partei
apparat vermutete, bildeten sie keine
Gruppe, sie kamen nur zur gleichen Zeit auf hn
liche Fragen. Einige erwiesen sich als Stilisten
einer filmischen Avantgarde. Bis auf eine Aus
nahme waren alle Regisseure Parteimitglieder. Sie
wollten das Land verbessern und das sagen, was
zu sagen mglich sein muss. Sich berschtzende
Funktionre richteten 1965 und auch spter ber
Filme, Bcher, Bilder, Plastiken, Musik, ber Bio
grafien und Wirklichkeit.
Die Mauer stand noch 25 Jahre. Mitten in ei
ner Geschichte kennt man ihr Ende noch nicht.
Regine Sylvester ist Journalistin, Schriftstellerin
und Filmautorin. Sie lebt in Berlin.
Die Aufzeichnungen des ZK-Plenums finden sich unter
www.argus.bstu.bundesarchiv.de/tony1/index.htm
(TONY 1 SED / 1. Parteitage, Parteikonferenzen und
Tagungen / 1.5 / TonY 1/1365 und 1/1366)

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

D I E Z E I T No 5 0

FUSSBALL

Schleichts euch,
ich will spielen!
Er unterschrieb die Vertrge,
aber wir fhrten ihm die Feder:
ber die tiefe Unschuld des Franz
Beckenbauer VON PETER KMMEL

PORTRT

Falsche
Bescheidenheit

In seiner ersten Saison stieg der Club prompt auf. keine wirklich professionellen Strukturen entstehen,
Wenn Hrtel morgens aus dem Haus ging, schliefen keine potenten Sponsoren gebunden, keine hochseine Shne noch, wenn er nach dem Training nach klassigen Nachwuchszentren gebaut werden. Der
Hause kam, waren sie schon im Bett. Als der Klassen- Grund dafr ist einfach: Es fehlt in den neuen
erhalt feststand, stellte er seine Familie ber die Lei- Lndern nach wie vor die Wirtschaftskraft, und
denschaft und hrte auf. Er ging nur noch zur Arbeit nirgends geht es mehr um Geld als im Spitzenfuins Autohaus und trainierte nebenher seine Shne. ball. Nur die reichsten Firmen knnen es sich leisMan hat sich so sehr gewhnt an Fuballtrainer, ten, groe Vereine zu finanzieren. Solche Firmen
die Maanzge tragen und Kosmetika bewerben, existieren im Osten aber nicht.
Als die deutsche Nationalmannschaft im veran Selbstdarsteller, deren Ego grer scheint als ihre
Fhigkeiten, da wirkt ein bodenstndiger Mann gangenen Jahr Weltmeister wurde, gab es viele
wie Hrtel in dieser Welt etwas sonderbar. Hrtel Spieler im Kader, die erst nach dem Mauerfall gewei das. Er habe die Hlfte seines Lebens in der boren wurden. Es htte der WM-Titel der Einheit
DDR gelebt, natrlich sei er anders sozialisiert als werden knnen. Doch im Finale in Rio stand nur
seine westdeutschen Kollegen, sagt er. Und wenn ein Ostdeutscher auf dem Platz: Toni Kroos. Auch
man einen Job in der Bundesliga haben will, sagt auf der Ersatzbank sa kein anderer Spieler aus
er, ist Bescheidenheit wahrscheinlich das Falsche. dem Osten. Kroos wurde zum ersten ostdeutschen
Wer Hrtel zuhrt, bekommt leicht das Gefhl, Fuballweltmeister. Und zum einzigen.
Es wird kein Prsidium auf den Gedanken
dass da einer versucht, die Erwartungen zu bremsen. Die der anderen und die eigenen. Denn natr- kommen, im Osten nach einem Trainer zu sulich ist auch Jens Hrtel selbstbewusst, man muss chen, sagt Hans Meyer. der selbst im Prsidium
nicht laut sein, um Ehrgeiz zu entwickeln. Seine von Borussia Mnchengladbach sitzt. Der OstfuTrainerkarriere htte ja im Autohaus enden kn- ball spiele in den Entscheidungsgremien der Funen, aber Hrtel blieb dort nicht. Als sich nach ei- ballclubs in Deutschland eben berhaupt keine
nigen Monaten die Chance ergab, beim SV Babels- Rolle, sagt Meyer, mit Ausnahme von RB Leipzig,
berg als Co-Trainer einzusteigen, schmiss er seinen das durch seine konomischen Bedingungen auf
Job und griff zu. Er absolvierte den Trainerlehrgang allen Ebenen in den Blickpunkt rcke.
Vor Kurzem hat Hoffenheim Markus Gisdol,
und nahm 2011 beim Berliner AK seine erste beden ehemaligen Mitschler
zahlte Stelle als Cheftrainer an.
von Jens Hrtel, entlassen.
Jens Hrtel hat sich selbst
Von der kommenden Saison
hineingearbeitet in den Profian soll dort ein Jugendtrainer
fuball. Er hat keinen Berater,
bernehmen, der dann 28
der ihn in Stellung bringt, er
Jahre alt sein wird. Fr den
hat keinen Mentor, der ihn
Jens Hrtel
Verein ist es ein Risiko, fr den
protegiert. Jens Hrtel hat nur
jungen Trainer eine Chance,
Jens Hrtel. Machen wir uns
aber einer wie Hrtel kam fr
nichts vor, sagt er, als osthat die Geschichte des
solch eine Stelle nicht infrage,
deutscher Trainer wird dir
Fuballs in Ostdeutschland
weil er die entscheidenden Perkeiner eine Stelle anbieten, da
mitgeprgt: Er wurde im Juni
sonen nicht kennt. Trainer aus
musst du schon selbst hoch1969 in Rochlitz in Sachsen
anderen Regionen haben ihre
kommen.
geboren. Zu spielen begann
Karrierenetzwerke im Ruhr
Es ist ein herrlicher Herbster bei BSG Motor Grimma,
gebiet oder in Bayern, wo es
tag in Nrnberg, Hans Meyer
wechselte von dort aus zu
immer gleich mehrere Spitzenempfngt in seiner Dach
Lokomotive Leipzig. ber
vereine gibt. Hrtel hat sein
geschosswohnung. Das Licht
Sachsen Leipzig gelangte er
Netzwerk im Osten Deutschgleit durch die Jalousie, Bzu Union Berlin und nach
lands. Warum haben die Mitcher an den Wnden: Brecht,
Zwickau. 2007 begann seine
schler von Hrtel so schnell
Bachmann, Bernhard; dazwiTrainerkarriere bei Babelsberg
Karriere gemacht und Hrtel
schen die Biografien von Ottin der Regionalliga, es folgte
nicht? Connections,sagt
mar Hitzfeld und Jimmy
der Berliner AK 07 und die
Meyer, das sind Beziehungen,
Hartwig. Meyer, 73, war einer
U 19 des RB Leipzig. Nach
nichts anderes.
der erfolgreichsten Trainer der
einem Jahr verlie er Leipzig,
Magdeburg, der PresseDDR. Und er ist einer der
Hrtel vermisste ein bisschen
raum.
Ich wollte immer
wenigen ostdeutschen Trainer,
Wrme, 2014 unterschrieb er
Trainer
werden,
sagt Hrtel,
die auch nach der Wende erbeim 1. FC Magdeburg.
aber das htte am Ende auch
folgreich waren: in Gladbach,
ein Kreisligist sein knnen.
bei Hertha BSC, in Nrnberg.
Fr mein Lebensglck ist es
Auer ihm gab es eigentlich
nicht notwendig, in der Bunnur noch Eduard Geyer, Falko
desliga zu arbeiten. Und:
Gtz und Matthias Sammer.
Das ist einfach nicht realisAktuell trainiert in der Erstisch. Er sagt das ohne Sehnten Bundesliga Dirk Schuster
sucht, ohne Hadern, Hrtel
in Darmstadt, wobei der fr
bemitleidet sich nicht selbst.
Meyer nicht zhlt. Dirk
Es ist die Gelassenheit eines
Schusters Leben hat mit dem
Ernchterten.
Osten fast nichts mehr zu
Vielleicht ndern sich die
tun, sagt Meyer. Der habe die
Dinge auch, wenn Leipzig
meiste Zeit seiner Karriere als
Erstligastadt ist. Und vielSpieler im Westen verbracht
und seinen Lebensmittelpunkt auch danach dort leicht muss Dirk Schuster in Darmstadt auch nicht
behalten. Da fragt niemand mehr, ob er im Osten die ewige Ausnahme bleiben. Sondern taugt zum
oder im Westen geboren wurde. Damit ist Meyer Vorbild fr einen wie Hrtel. Vielleicht schafft
auch Hrtel mit Magdeburg irgendwann den
beim Thema.
Das Problem sind die Strukturen, sagt Meyer. Sprung in die Zweite Liga.
Jens Hrtel schlendert durch den Mittelkreis
Frher sei im Osten Europapokal gespielt worden,
jedes Jahr, in Jena, in Magdeburg, in Leipzig, in der Magdeburger Arena. Es ist Samstag, eine halbe
Dresden. Heute gibt es keinen Erstligisten aus den Stunde vor Anpfiff, Derby gegen Energie Cottbus.
neuen Lndern und in der Zweiten Liga nur Union Hrtels Blick verliert sich zwischen den Gras
Berlin und RB Leipzig. Acht traditionsreiche Ost- halmen, links und rechts von ihm machen sich die
Teams spielen heute in der Dritten Liga, neben Mannschaften warm, da joggt Florian Meyer auf
Magdeburg Vereine wie Dynamo Dresden, Erz ihn zu, der Schiedsrichter der Partie. Meyer leitete
gebirge Aue, Hansa Rostock. Die Dritte Liga ist zu das Pokalfinale, er war Fifa-Schiedsrichter und vereiner Art Sammelbecken fr ostdeutsche Traditions- trat Deutschland bei der Europameisterschaft. Er
ist ein Mann fr die wichtigen Spiele. Als Hrtel
clubs zwischen Euphorie und Abgrund geworden.
In der ersten Bundesligasaison nach der Wie- Meyer bemerkt, hebt Jens Hrtel den Kopf, lchelt
dervereinigung durften nur zwei ehemalige DDR- ihn an und nickt. Der Schiedsrichter grt, ohne
Mannschaften in der Bundesliga mitmischen: zu stoppen, luft an Hrtel vorbei, neben ihm die
Rostock und Dresden. Rostock stieg gleich in der beiden Linienrichter. Auch Hrtel senkt den Kopf
ersten Saison wieder ab, Dresden folgte 1995. Kei- wieder, sein Blick sucht den Rasen, er verharrt einer der Ostvereine konnte sich nach der Wende nen Augenblick und lchelt noch einmal, ganz
dauerhaft in der Bundesliga halten. Es konnten kurz, nur fr sich. Dann geht er weiter.

Ost-Trainer (2)

Fotos: Sebastian Wells/pixathlon; Christian Schroedter/imago (u.); Illustration: Andr Gottschalk fr DIE ZEIT

s gehrt zu den Vorzgen des Fuballs, dass er die Dinge auf ihren
Kern reduziert. Dass er unterscheidet in Gewinner und Verlierer. Was-wre-wenn-Fragen haben
da eigentlich keinen Platz. Dabei
sind diese Fragen manchmal wichtig. Weil jemand, der sie stellt, nicht akzeptiert, dass
die Dinge so bleiben mssen, wie sie sind.
Was wre, wenn der Fuballtrainer Jens Hrtel
im Sauerland geboren wre wie sein Kollege Roger
Schmidt oder in Geislingen wie Markus Gisdol?
Und nicht in Rochlitz in Sachsen? Wre Jens Hrtel
dann auch Bundesligatrainer?
Im Mrz 2011 schloss Hrtel als einer von 25
Mnnern und Frauen seine Ausbildung zum FuTrainer Jens Hrtel knnte in der Bundesliga arbeiten,
balllehrer erfolgreich ab. Das ist die hchste Trainerlizenz in Deutschland. Wer diese Prfung bestanden
aber er hat ein Problem: Dort, wo er seine Erfolge feiert,
hat, kann ein groer Trainer werden. Ein Gewinner.
gibt es keine Erstligisten und selten Sieger
Einige der Mnner aus Hrtels Jahrgang haben NaVON FRITZ ZIMMERMANN
men, die mittlerweile viele kennen: Roger Schmidt,
Trainer von Bayer Leverkusen. Oder Markus Weinzierl, Augsburg. Gisdol trainierte zweieinhalb Jahre
lang die TSG Hoffenheim, Thomas Schneider arbeitet als Co-Trainer der Nationalmannschaft. Auch
Tayfun Korkut, Ex-Trainer von Hannover 96, war
in Hrtels Jahrgang. All diese Mnner sind jung
und stehen fr modernen, aufregenden, schnellen
Fuball. Hrtels Jahrgang gilt als eine Art Keimzelle
einer deutschen Fuballrevolution. Nur ihn, Jens
Hrtel, verbindet damit niemand.
Der Weg von Hrtel verlief anders als der seiner berhmten Mitschler, denn er trug die Revolution in die Regionalliga. Als Roger Schmidt
im Sommer 2014 seinen Job bei Bayer Leverkusen
antrat und Thomas Schneider gerade Co-Trainer
von Joachim Lw geworden war da erreichte
auch Hrtel den Hhepunkt seiner bisherigen
Karriere: Er bernahm den 1. FC Magdeburg.
Hrtel sitzt auf dem Podium im Presseraum der
Magdeburger Arena, eines Fuballstadions aus
Wellblech, Beton und weiem Putz. Vor ihm ein
halbes Dutzend Reporter, zwei Kamerateams und
eine Flasche Bier vom Sponsor Wernesgrner. Hrtel gebruntes Gesicht, kurze dunkle Haare, breite
Schultern spricht ber das kommende Auswrtsspiel in Kiel. Er sagt ooch statt auch, er schselt
leise. Die Reporter duzen ihn, Hrtel siezt zurck.
Im vergangenen Sommer fhrte Hrtel den
1.FC Magdeburg in seiner ersten Saison als Trainer in die Dritte Liga. Nach 25 Jahren war der
Traditionsclub, der einzige Europapokalsieger der
DDR, wieder zurck im Profifuball. In der laufenden Saison haben sich die Magdeburger in der
Spitzengruppe der Dritten Liga festgesetzt.
Bevor er nach Magdeburg kam, hatte Hrtel fr
ein Jahr die A-Jugend von RB Leipzig trainiert
und kein Spiel verloren. Ralf Rangnick hat ihn zu
Red Bull geholt, nachdem Hrtel im Sommer 2012
als Trainer des Regionalligisten Berliner AK die
TSG Hoffenheim im DFB-Pokal mit 4:0 besiegt
hatte. berall, wo er antrat, hatte er Erfolg. Und
dennoch fllt sein Name nie, wenn darber diskutiert wird, wer nchster Trainer in Stuttgart werden
knnte oder wer in der Lage wre, Werder Bremen
aus dem Tabellenkeller zu fhren. Ostdeutschland
spielt im Spitzenfuball nahezu keine Rolle. In den
oberen drei Fuballligen gibt es 56 Mannschaften.
Nur fnf von ihnen haben einen ostdeutschen
Cheftrainer. Einer von ihnen ist Jens Hrtel.
Der 46-Jhrige war immer nur im Osten aktiv,
auch als Spieler, er lief fr Sachsen Leipzig und fr
den FSV Zwickau auf, fr Union Berlin und fr
Babelsberg. Wie weit kann es ein ostdeutscher
Trainer im deutschen Fuball bringen? Gibt es fr
ihn, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung, noch
unsichtbare Grenzen?
Ich freue mich fr jeden von denen, sagt Jens
Hrtel nach der Pressekonferenz ber seine Kollegen aus dem Lehrgang. Er sitzt nun an einem Holztisch, zwischen Thermoskannen und Stehtischen.
Ich neide das berhaupt nicht, sagt er. Aber natrlich frage er sich manchmal schon, warum der eine
die Chance bekommen habe. Und er selber nicht.
Nach seiner aktiven Karriere als Spieler hatte
Hrtel eine Lehre in einem Autohaus begonnen. Es
war ja nicht davon auszugehen, dass ich als Trainer
so viel Geld verdiene, dass ich davon leben kann,
sagt er. Spter arbeitete er im selben Autohaus als
Disponent. Nach Feierabend trainierte er Germania
Schneiche, einen Fnftligisten aus Brandenburg. Jens Hrtel fhrte den 1. FC Magdeburg wieder zurck in die Profiwelt

24

enn man das zu Ende gehende Fuballjahr berer, muss des sein?, und der Mann mit dem Verin einer Geste, einer Spielbewegung zu- trag nickt und legt ein Lschpapier auf die Untersammenfassen msste, knnte man Franz schrift vom Franz.
Es wird jetzt ein bisschen schattig auf der blhenBeckenbauer zeigen, wie er auf einer blhenden
Alpenwiese steht und einen Ball mit schlankem Fu den Alpenwiese, die Sonne geht unter, der Franz fngt
in der Luft hlt. Rings um ihn her liegt Schnee, aber mit dem autogenen Mannschaftstraining an, er spielt
der Franz wei: Wo er ist, schmilzt das Eis, und die den Schorsch Schwarzenbeck an, der aber gar nicht
Blumen, die eigentlich eine Blhpause machen da ist, sondern zu Haus bei seiner Familie, dann den
wollten, blhen wieder. Auf ihn herab fllt Schnee, Uli Hoene, der ist aber auch nicht da, sondern veraber ungefhr 30 Zentimeter ber ihm schmilzt er hindert, und dann beendet der Franz das Training
und verwandelt sich in silbernen Dunst.
und geht nachdenklich allein ber den Rasen, wie er
Rings um den Franz sieht man jetzt, wie seine alten es im Sommer 1990 im Olympiastadion von Rom
Spezln sich nach und nach in Luft auflsen, aber der tat. Immer wieder schreibt er dabei mit der rechten
Franz ist noch da und fgt dem Ball mit seinem po- Hand seltsame Zeichen in die Luft, und wirklich, er
lierten Gamaschenschuh winzige Tritte zu, und so- merkt gar nicht, dass er einen Fller in der Hand hlt,
lange er den Ball in der Luft hlt, ist er, der Franz, in und er merkt erst recht nicht, dass ihm jemand unter
Sicherheit.
die Kringel, die er in die Luft malt, ein Stck Papier
Whrend er so spielt, kommen Boten vom ver- geschoben hat. Und dass die Spitze seines Fllers das
schneiten Rand der Szene ins blhende Zentrum, Papier berhrt, das hat der Franz nicht gewollt, aber
einer von ihnen, der sich jetzt nhert, sieht ein biss- nun ist es wieder passiert, ja gut, aber lesen tu ich des
chen aus wie der junge... ach, egal, jedenfalls hlt net, was ich da unterschreib, des mssts euch merken,
der Mann ihm einen Vertrag hin und deutet mit und jetzt schleichts euch, ich will spielen!
dem Zeigefinger auf die Stelle, wo der Franz unterDas ist natrlich nur mein Tagtraum, den ich hier
schreiben muss, der Franz unterschreibts blind, offenbare. Der Franz, den ich mir vorstelle, unterohne sein Spiel zu unterbrechen, und man hrt ihn schreibt an diesem Tag brigens auch noch einen
murmeln: Ja gut, scho wieder, ihr seids mir so Zau- Vertrag, der den am Bau der Elbphilharmonie betei-

ligten Unternehmen zusichert, dass sie drei Milliarden zur Unterschrift vorlegte, unterschrieb Potjomkin,
Euro Entschdigung wegen Bauverzgerung erhalten ohne den Vertrag gelesen zu haben, aber er tat es
werden, auerdem unterschreibt er noch zwei, drei nicht mit seinem Namen, sondern mit dem Namen
Schriftstcke, die die Erffnung des neuen Berliner des Mannes, der ihm das Schriftstck vorgelegt
hatte. Als ich diese Anekdote las, dachte ich an unFlughafens fr das Jahr 2027 garantieren.
Aber jetzt im Ernst: Wie konnte unser Franz eine seren Hof- und Staatsmann Beckenbauer. WomgWM nach Deutschland holen, ohne ein Schriftstck, lich hat er es hnlich gemacht. Kam jemand mit
einen Vertrag, eine Seite Kleingedrucktes gelesen zu einem Vertrag, so unterschrieb der Franz, aber vielhaben? Dazu habe ich zwei Theorien. Erste Theorie: leicht gar nicht mit eigenem Namen, sondern etwa
Der Franz unterschreibt blind, weil er auch so gespielt mit dem Namen Blatter oder Warner oder Sexwale,
hat: ohne Blick auf den Ball, das Auge in die Zukunft was wei denn ich. So kam es, dass er, nachdem er
gerichtet. Er leitete Angriffe ein, den Rest mussten die Tausende Schriftstcke in seinem reichen Leben
Zauberer da vorn, der Gerd, der Uli, der Jupp, erledi- unterschrieben hatte, immer noch glaubhaft versigen. Der Franz erffnete das Spiel mit geschlenztem chern konnte, er habe keine Vertrge gelesen.
Der Kaiser litt nicht an Depressionen, sondern
Pass, majesttisch blind, ohne seinen Sklaven, den
Ball, berhaupt anzusehen. Und spter unterschreibt an Angriffseuphorie. Er schlenzte jeden Ball, den
er Vertrge, ohne sie gelesen zu haben, er wei sowie- man ihm zuspielte, majesttisch blind in die Zukunft. Er unterschrieb alles, aber wir, seine Unter
so, was drinstehen knnte.
Theorie zwo: Hierzu muss ich ein wenig aus tanen, fhrten ihm die Feder. Der Franz htte seine
holen. Von dem russischen Feldherrn, Hof- und Vertrge ebenso gut mit Das deutsche Volk unterStaatsmann Grigori Alexandrowitsch Potjomkin schreiben knnen, denn er war das oberste Medium,
wird gesagt der Philosoph Walter Benjamin hat der Vollstrecker unseres Willens.
darber geschrieben , dass er in Phasen der DeDeshalb mssen wir ihn unbedingt weiterspielen
pression seinen Amtsgeschften nicht mehr nach- lassen auf seiner blhenden Alpenwiese; solange ihm
kam, sie der Form halber jedoch erfllte. Wenn der Ball nicht vom Fu springt, ist fr die Fuballein Untergebener kam und ihm ein Schriftstck nation Deutschland noch alles drin.

WIRTSCHAFT
10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

D I E Z E I T No 5 0

25

Foto: Kevin Frayer/Getty Images; kl. Fotos: Newscom/ddp images (o.); Reinhardt/dpa Picture-Alliance

DIESE WOCHE

Facebook: Was knnen


45 Milliarden Dollar
bewirken? Ein Pro und
Contra zur Stiftung von
Mark Zuckerberg Seite 30

Benzinpreise: konomen
legen die Strategien von
Aral, Shell und Jet offen.
So kann jeder im
Preispoker mitspielen Seite 31

QUEN
GEL
ZO N E -

Rechnen mit Pflanzen


MARCUS ROHWETTERS

wchentliche Einkaufshilfe

Szene vor einem Arbeitsamt in der Stadt Yiwu: Die Frau bietet Arbeitssuchenden einen Job an

Im Reich der Krise


Chinas Wirtschaft hat lange floriert und den Wohlstand der Welt wachsen lassen. Das hat sich gendert. Woran liegt es? VON MATHIAS BLINGER

hen Zhisheng ist kein reicher


Mann. Ein Treppenhaus aus
rohem Beton fhrt in seine
Etagenwohnung in der Stadt
Dongyang. Einfache Holzmbel stehen auf dem gefliesten
Boden. An der Wand hngt ein
Mao-Bild. Immer wieder wiegelt er ab.
Ich habe doch nur der Immobilienfirma eines
Freundes ein paar Yuan geliehen. Nicht viel, sagt
er. 700000 oder 800000 Yuan. Das sind hunderttausend Euro und drfte ein groer Teil seiner Ersparnisse sein. Ob er sich Sorgen mache?
Ach was, sagt er. Ich wsste ja gar nicht, was ich
mit dem Geld machen soll. Solange sie es brauchen, knnen sie es behalten. Mir reicht es, wenn
sie mir jedes Jahr meine Zinsen auszahlen.
Tun sie das?
Na ja, im letzten Jahr haben sie nicht gezahlt.
In diesem werden wir sehen.

China im Jahr 2015. Nach Jahrzehnten fast unChens Wohnort Dongyang liegt rund dreihundert
gebrochenen Wirtschaftswachstums macht sich Kilometer sdlich von Shanghai im Jangtse-Delta,
Unsicherheit breit im Land. Immobilienpreise einer der reichsten Regionen Chinas. Die Stadt lebt
und Aktienkurse sinken, der Wohlstand wchst
vor allem von zwei Branchen: von ihrer
nicht mehr so schnell wie frher. Die Folgen sind
Mbel- und ihrer Bauindustrie. Firallerorten zu sehen: Fabriken
men aus Dong
yang bauen im
schlieen, Neubauten stehen
ganzen Land. Whrend der Boomleer. Woran das liegt, wisjahre brachten sie der Stadt und den
Peking
sen die Chinesen nicht.
Brgern Wohlstand. Als es bergab ging,
Boading
Sie rtseln ber die Grnkosteten sie viele, die ihnen Geld gelieLinyi
CHINA
de. Dass die Presse nur
Shanghai hen hatten, ihre Ersparnisse. Im
eingeschrnkt ber die ProJuni verlangten Hunderte wtenDongyang
bleme berichten darf, macht es
de Anleger bei Protesten vor der Stadtnicht besser.
verwaltung ihre Einlagen zurck. Die
Hongkong
In Chens Umfeld ist die Unsicherheit
Polizei versuchte, sie auseinanderzu
ber die Entwicklungen zu greifen. Neulich sa- treiben. Es gab eine Rangelei und Verhaftungen.
en wir zusammen, sieben oder acht Freunde. JeShen Meiliang erinnert sich nur ungern an die
der hatte Geld verloren, erzhlt Chen, der in Proteste. Wir konnten damals nur noch unter
Wirklichkeit anders heit und nicht mit seinem Polizeischutz zur Arbeit gehen, sagt sie. Shen arbeitet
richtigen Namen in der Zeitung stehen will.
in einer der Firmen, die den Skandal verursachten.

Nun gehrt sie zu den letzten Mitarbeitern, die noch


da sind. Sie wickeln die Firma ab, von deren einst
hochfliegenden Plnen das Modell eines Wolkenkratzers in der Eingangshalle kndet. Die Broetagen
sind grtenteils dunkel. Ihr Gehalt hat Frau Shen
schon seit Monaten nicht mehr bekommen. Und
doch ist sie uerst unzufrieden damit, dass ihre
Firma stndig in Zusammenhang mit dem Skandal
genannt wird. Warum sind Sie zu uns gekommen?
Sie htten genauso gut zu jeder anderen Baufirma
hier im Ort gehen knnen, sagt sie. Im ganzen Land
htten doch alle die gleichen Probleme.
Als nach der globalen Finanzkrise 2008 die Exporte einbrachen, weil der Rest der Welt weniger
Waren aus Fernost kaufen wollte als zuvor, reagierte
die chinesische Regierung mit einem groen Inves
titionsprogramm. Sie lie Autobahnen in den ent
legensten Regionen bauen. Sie spannte ein Netz von
Fortsetzung auf S. 26

Yves Rocher ist diese franzsische Firma, die


Schnheit mit Pflanzen verspricht aber jetzt
nicht im Sinne von hbschen Blumen auf dem
Tisch, sondern in Form von Dingen wie der
Sexy Pulp Ultra-Volumen Mascara. Diese
Wimperntusche kann, wie Leser Manfred K.
auffiel, angeblich Wunder vollbringen.
86 Prozent der Frauen besttigen, dass die
Wimpern voller sind, bewirbt Y
ves Rocher
dieses Teil. Das habe ein dreiwchiger Anwendungstest bei 20 Frauen ergeben. Trotz
dreiwchiger Rechenzeit kam es aber zu einem
Fehler. Denn 86 Prozent von 20 Frauen ergibt
Taschenrechner raus! exakt 17,2 Frauen.
Auf- oder abgerundet wurde der Wert auch
nicht, denn 17 oder 18 Frauen ergeben 85
oder 90 Prozent. Glatte Zahlen.
Es bleibt also eine Fnftelfrau brig, und
jetzt wsste man schon gern mehr darber,
welche Tests Y
ves Rocher in seinen Laboren
genau durchfhrt. Schnheit liegt im Auge des
Betrachters, Mathematik aber nicht. Und es
kann ja durchaus sein, dass Pflanzen schn
machen. Viel wichtiger zu wissen wre aber:
Machen sie auch dumm?
Von Verkufern gentigt? Genervt von WerbeHohlsprech und Pseudo-Innovationen? Melden
Sie sich: [email protected] oder folgen Sie
dem Autor auf Twitter unter @MRohwetter

26 WIRTSCHAFT

Auch Presseversorgung
steigt aus Kohle aus

Die Renten von Journalisten


sollen klimafreundlicher werden

Journalisten schreiben seit vielen Jahren ber


den Klimawandel und warnen vor den Fol
gen. Ihre eigene Altersvorsorge aber beruhte
bisher auch auf Profiten aus dem Geschft
mit dreckiger Kohle. Damit soll nun Schluss
sein. Das Presseversorgungswerk, bei dem
120
000 Medienschaffende versichert sind
und das rund sechs Milliarden Euro verwaltet,
will nicht mehr in Unternehmen investieren,
die mehr als 30Prozent ihres Umsatzes mit
Kohle machen. Wir wollen so die schlimms
ten Verschmutzer aus unserem Portfolio strei
chen, sagt Geschftsfhrer Manfred Hoffmann. Von Kohle-Aktien will das Versor
gungswerk sich innerhalb von sechs Monaten
trennen. Entsprechende Anleihen sollen aus
laufen und nicht verlngert werden.
Das Presseversorgungswerk schliet sich da
mit der Anlagestrategie der Allianz an. Der
Versicherungskonzern hatte bereits im No
vember angekndigt, in Zukunft nicht mehr
in Kohle zu investieren. Die Allianz betreut
zwar federfhrend die Kapitalanlagen des
Presseversorgungswerks. Ihre Entscheidung
hatte dennoch keine unmittelbare Konse
quenz fr die Altersvorsorge der Medien
schaffenden, da es sich dabei um ein un
abhngiges Sicherungsvermgen handelt. Den
Entschluss, aus der Kohle auszusteigen, traf
die Finanzkommission des Presseversorgungs
werks eigenstndig. Wie viel Kapital nun um
geschichtet werden muss, konnte Hoffmann
noch nicht beziffern.
Der Divestment-Bewegung, die Investo
ren weltweit auffordert, aus fossilen Energien
auszusteigen, geht die Entscheidung des Pres
seversorgungswerks noch nicht weit genug.
Sie will es dazu bringen, auch aus seinen In
vestments in l und Gas auszusteigen. Zu
dem fordert sie bei der Kohle noch striktere
Regeln, da Rohstoffriesen wie Glencore oder
Anglo American von der 30-Prozent-Marke
nicht betroffen sind.
Im Fokus der Bewegung stehen auch andere
berufsstndische Versorgungseinrichtungen,
zum Beispiel die der rzte. Herausgehobene
Berufsgruppen wie Journalisten oder Medizi
ner haben aus unserer Sicht eine Vorreiter
rolle und sollten den Klimawandel mit ihrer
Alters
vorsorge nicht lnger untersttzen,
sagt Ella Lag von der Divestment-Organi
sation 350.org. 
FR

Mehrheit der Deutschen


will Kohleausstieg

68

der Deutschen wnschen sich in


Zukunft kohlefreie Energie

Die Mehrheit der Deutschen will den Ein


stieg in den Kohleausstieg. In einer bislang
nicht verffentlichten Umfrage des EmnidInstituts fr die Umweltschutzorganisation
Greenpeace, die der ZEIT vorliegt, unterstt
zen 68 Prozent der Befragten den Vorsto von
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.
Die SPD-Politikerin hatte Ende November
gefordert, die Bundesregierung msse direkt
nach der Welt-Klimakonferenz in Paris den
Kohleausstieg fr die kommenden 20 bis 25
Jahre angehen.
Auffallend gro ist die Zustimmung zu
den Plnen unter den Anhngern beider Re
gierungsparteien. 74 Prozent der CDU/CSUSympathisanten und sogar 89 Prozent der
SPD-Whler untersttzen Hendricks Forde
rung; nur die AfD-Whler lehnen sie mehr
heitlich ab. Unter den Befragten mit Abitur
und Hochschulausbildung sind 80 Prozent
fr den Kohleausstieg. Am grten ist die
Skepsis unter Schlern, von denen nur 52
Prozent das baldige Ende der Kohle ver
langen. Emnid hatte vom 5. bis 7. Dezember
insgesamt 1008 reprsentativ ausgewhlte
Bundesbrger befragt.
CHE

M+M

Im Reich der Krise Fortsetzung von S. 25

Hochgeschwindigkeitstrassen fr Zge, inklusive


neuer Bahnhfe in fast jeder Kreisstadt. Und Provinz
stdte bekamen Flughfen. Viele dieser Projekte
waren schon lange in Planung. Im Kampf gegen die
Weltwirtschaftskrise floss nun schnell Geld dafr.
Mithilfe von Staatsausgaben versuchte Peking,
gegen die Krise anzusteuern. Die ffentlichen und
privaten Investitionen waren in den vergangenen
Jahren etwa halb so gro wie die gesamte chinesische
Wirtschaftsleistung. Das ist selbst fr Schwellen
lnder ein hoher Wert. In entwickelten Lndern wie
Deutschland liegt er bei 17Prozent.
Nicht nur die Zentralregierung investierte. Die
Kommunen wiesen gleichzeitig laufend Neubau
gebiete aus. Auf diese Weise verstrkten sie den
ohnehin schon starken Immobilienboom.
Fr die Gemeinden war das ein lukratives Ge
schft. Der Grund gehrt in China dem Staat. Seine
Verpachtung sicherte den kommunalen Kassen Ein
nahmen. Es waren die Regierungen, die immer mehr
Geld fr ihr Land verlangten und damit die Preise
nach oben trieben, sagt ein Geschftsmann in Dong
yang. Bis vor Kurzem ging die Rechnung fr Kom
munen und Investoren auf. 2013 waren doppelt so
viele Quadratmeter im Bau wie noch 2009. Ein
chinesisches Institut hat ausgerechnet, dass seit 2009
eine Flche bebaut wurde, die 40-mal der Stadtflche
von Frankfurt am Main entspricht.
Um all die Projekte zu finanzieren, brauchten
Immobilienentwickler und Baufirmen in Dongyang
und dem Rest des Landes Kapital. Das liehen sie sich
zu groen Teilen bei Sparern, weil chinesische Banken
traditionell eher zurckhaltend mit Krediten fr
Privatfirmen sind. Die Sparer bekamen fr ihr Geld
Wertpapiere mit dem Versprechen auf feste Zinsen.
Um Bedenken der Anleger zu zerstreuen, baten
die Immobilienkonzerne Mnner wie Zheng Hai,
die Kredite mit Garantien abzusichern. Zheng Hai,
ein athletischer Endfnfziger auch er heit in Wirk
lichkeit anders, war einmal ein hoher Beamter in
der Stadtverwaltung. Als ihn ein befreundeter Unter
nehmer bat, eine Brgschaft zu unterschreiben, hat
er nicht gezgert. Zheng brgte nicht mit Vermgen
es war sein Name, der den Leuten Sicherheit geben
sollte. Seine Position war das Gtesiegel.
Nun sitzt er mit resignierter Miene auf Chen
Zhishengs Sofa. Die Brgschaft knnte ihn dem
nchst die Freiheit kosten. Die Regierung hat das
Finanzierungsmodell, an dem er sich beteiligt hat,
inzwischen fr illegal erklrt, Anleger mchten die
Verantwortlichen vor Gericht sehen. Jetzt sind es
wir kleinen Leute, die darunter leiden, klagt Zheng.
Zhengs Problem ist, dass die Verkaufspreise fr
Immobilien pltzlich einbrachen. Laut der nationa
len Statistikbehrde lagen die Verkaufspreise fr
Neubauten im ersten Halbjahr 2015 in fast allen
Stdten niedriger als im Vorjahr. Es fanden sich nicht
mehr genug Kufer. Ohne Kufer konnten Dong
yangs Immobilienentwickler aber die Zinsen auf ihre
Kredite nicht mehr bezahlen. Das System der kredit
finanzierten Neubauten brach zusammen.

ie Krise am Immobilienmarkt koste


te nicht nur viele Sparer in Dong
yang ihr Geld. Sie griff auch auf
andere Branchen ber. Zunchst
traf es die Baustoffindustrie: Stahl,
Zement, Glas, Keramik. Spter folgten die Erdlund Kohleindustrie, erneuerbare Energien und
Konsumgter. Im Sommer spiegelten sich die
schlechten Aussichten auch an der Brse wider, wo
die Kurse zahlreicher Unternehmen einbrachen.
Das passt zu einer Umfrage der deutschen Handels
kammer in China. Die ergab vor Kurzem, dass die
Hlfte der deutschen Unternehmen in dem Land
ihre Ziele fr das laufende Jahr nach unten korrigie
ren mussten. Die groen Jahre sind hier vorbei,
sagt der Manager eines deutschen Anlagenbauers.
Nach zwei Jahrzehnten der Modernisierung sei aber
lediglich eine gewisse Sttigung erreicht.
Wen Kejian sieht das anders. Chinas Wachstums
modell ist am Ende, sagt der Wirtschaftsblogger. Er
hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zahlen der Re
gierung unter die Lupe zu nehmen. Sein Ergebnis:
Den Statistiken kann man nicht trauen. Fr das
dritte Quartal 2015 hat die Regierung trotz des
Brsencrashs und offensichtlicher Strukturprobleme
ein Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent ausge
wiesen, ziemlich nah an den sieben Prozent, die sie
offiziell anpeilt.
Das hat viele berrascht. Auch Wen zweifelte. Also
hat er versucht, das Wirtschaftswachstum anhand
von Indikatoren zu bestimmen. Das Ergebnis
machte ihn misstrauisch. Der Stromverbrauch zum
Beispiel stieg im jngsten Quartal nur um 0,1 Pro
zent. Der Warenverkehr auf der Schiene ging nach
seinen Erkenntnissen sogar um zehn Prozent zurck.
Das passt nicht zur Vergangenheit. Bis 2013 wichen
beide Ziffern nicht mehr als ein oder zwei Punkte
vom Wachstum ab, sagt Wen. Doch seit 2014 haben
sie sich entkoppelt. Sein Fazit: Chinas Wirtschaft
befindet sich in Wirklichkeit nahe der Rezession.
In Linyi sieht man auf den ersten Blick nicht viel
von der Krise. Seit sechs Uhr steht Yang Zhen an
diesem Vormittag schon an der Straenecke. Busse,
kleine Lastwagen und elektrische Dreiradtaxis drn
gen sich auf der Fahrbahn. In Sichtweite ziehen
Krne dreiigstckige Wohntrme hoch. Und doch
sprt Yang die Krise an jedem Tag, den er aus seinem
Dorf hierherkommt. Die Straenecke ist einer der
informellen Arbeitsmrkte der Stadt. Wer hier steht,
wartet auf Auftrge: Zementscke schleppen, Woh
nungen renovieren, Waren ausladen. Der Konkur
renzkampf ist hart, sagt Yang. Viele Fabriken ent
lassen im Zuge der Krise Personal. Seit einigen Mo
naten werden es deshalb immer mehr Arbeiter, die
sich auf jeden Ankommenden strzen, der einen Job
anbieten knnte. An diesem Tag sind es gut hundert.
Linyi ist eine typische nordchinesische Stadt. Die
Industrialisierung begann hier spter als im Sden,
wo sich schon in den achtziger Jahren die Export
industrien mit ihren Fabriken ansiedelten. Im Norden

Fotos (Ausschnitte): Kevin Frayer/Getty Images; kl. Foto: Shutterstock

MACHER UND MRKTE

10. D E Z E M B E R 2015

Bauarbeiter vor einem neuen Apartment-Komplex in Peking im Sommer 2014

Arbeiterin in einer Spielzeugfabrik in der Provinz Zhejiang

Ein Techniker auf dem Dach der Konzernzentrale von Yingli Solar in Baoding

Sehr abhngig

HINTER DER GESCHICHTE

Der Handel ist fr Deutschland


und China wichtig
80

74

in Mrd.
Euro
33
21

2004
Deutscher Import aus China
Deutscher Export nach China
ZEIT-GRAFIK/Quelle: statista

2014

Hintergrund des Autors: Mathias


Blinger hat als Student der chinesi
schen Sprache ein Jahr lang in Shang
hai gelebt, ist spter mehrmals zu Re
cherchen nach China zurckgekehrt.
Dauer der Recherche: Vier Wochen
in China fr mehrere Geschichten.
Zahl der Gesprchspartner: 18
Probleme der Recherche: Chine
sische Unternehmen sind sehr ver
schlossen und geben kaum Informa
tionen preis. Selbst Eigentumsver
hltnisse sind oft nicht ffentlich zu
ermitteln. Dazu kommt die Angst
vieler Unternehmer vor Repression,
falls sie sich in der Presse kritisch zu
Wirtschaft und Politik uern.

D I E Z E I T No 5 0

fanden die Boombranchen der vergangenen fnfzehn


Jahre eine Heimat: Stahl, Zement, Glas und Keramik
alles, was man braucht fr das Geschft mit dem
Bau. Doch seit dem vergangenen Sommer ist hier
vieles anders und das liegt nicht nur an der Krise.

or der Glasfabrik Lanxing wscht ein


Fahrer sein Auto. Ja, er habe noch Ar
beit, sagt er. Noch gebe es Waren, die
er ausliefern knne. Ich werde fahren,
bis die Lager leer sind. Danach werde

ich sehen.
Auf dem Fabrikgelnde kurvt ein Gabelstapler
zwischen den Hallen herum. Doch die Produktion
steht still. Lanxing ist eines von vielen Unternehmen
in der Stadt, die im Sommer pltzlich schlieen
mussten. Die Regierung in Linyi hat beschlossen, ein
Exempel zu statuieren. Wenn Unternehmen nicht in
neue Umwelttechnologie investieren, drfen sie nicht
mehr produzieren, weil der Smog sonst unertrglich
wre. 57 Werke wurden stillgelegt, Zehntausende
Arbeiter nach Hause geschickt. Ein Teil von ihnen
drngt sich jetzt neben Yang an der Straenecke.
Ob Lanxing jemals wieder produzieren wird, wei
niemand. Ein Angestellter kommt aus der Mittags
pause zurck. Die Hlfte der Belegschaft musste
gehen, murmelt der Mann. Er ist seit dem Pro
duktionsstopp auf Kurzarbeit. Auf 2000 Yuan sei
ihm sein Gehalt gekrzt worden, sagt er. Das ent
spricht 300 Euro und ist etwa die Hlfte dessen, was
ein Industriearbeiter normalerweise verdient.
Es kommt in China hufiger vor, dass Fabriken
wegen der Smogbelastung vorbergehend schlieen
mssen zuletzt Anfang dieser Woche in der Region
um Peking. Hat sich die dicke Luft wieder verzogen,
wird in der Regel weitergearbeitet wie bisher.
Von Linyi soll nun eine klare Botschaft ausgehen:
Der Staat meint es ernst mit dem Strukturwandel.
Den grenzenlosen Raubbau an der Natur, der Chinas
Wachstum der vergangenen dreiig Jahre ermglicht
hat, soll es nicht mehr geben.
Was aber dann?
Viele Exportbranchen haben sich bis heute nicht
vom Einbruch infolge der globalen Finanzkrise im
Jahr 2008 erholt. Fr das Modell Billige Produk
tion dank niedriger Lhne ist China inzwischen
zu teuer geworden. In ihrem neuen Fnfjahresplan
spricht die Regierung davon, den Dienstleistungs
sektor ausbauen zu wollen. Anspruchsvolle und
innovative Technologien sollen die Billigproduktion
ablsen. Statt fr Plastikspielzeug und Billig
klamotten soll made in China in Zukunft fr
Hochtechnologie stehen.
Eigentlich sollte man diesen Wandel hundert
Kilometer von Peking entfernt besichtigen knnen.
Der Generalplan fr die Hauptstadtregion weist das
Stdtchen Baoding als einen Entwicklungsschwer
punkt aus. Hier hat sich eine der Branchen angesie
delt, die das neue China verkrpern sollte: die fr
erneuerbare Energien. Zwei der grten Solar- und
Windkrafthersteller des Landes haben hier ihren Sitz.
Zum einen der Staatsbetrieb Tianwei, zum anderen
die Firma Yingli, die 2010 zum Symbol der neuen
chinesischen Wirtschaftskraft wurde. Damals spon
serte Yingli die Fuball-Weltmeisterschaft. Die Bot
schaft: Es gibt ein chinesisches Unternehmen, das auf
Augenhhe ist mit den groen Weltkonzernen in
einer Branche, die sauberes Wachstum verspricht.
Die Hallen des Unternehmens erstrecken sich
kilometerlang in den Industriegebieten von Baoding.
Doch viele Fabriken stehen inzwischen still. Vor einer
Werkshalle liegen die Rotoren von Windrdern im
Nieselregen. Das verlassene Halbleiterwerk nebenan
mit seinen getnten Scheiben wirkt, als ob nie jemand
darin gearbeitet htte. Nicht einmal das Wach
huschen ist noch besetzt. In der Nachbarstrae hat
ein Hersteller von Starkstromkabeln dichtgemacht.
Ein paar Ecken weiter prangt vor einer Baustelle das
Firmenmotto von Yingli auf Blechschildern wie ein
ironischer Kommentar zur Gegenwart: Flei, Ehr
lichkeit, Tugend, Loyalitt. Die Fertigungshalle, in
der seit 2010 die neueste Generation von Solar
paneelen produziert wurde, ist abgerissen worden.
2011 haben die USA und Europa Strafzlle gegen
die chinesische Solarbranche erlassen. Sie warfen den
Unternehmen vor, dank billiger Kredite und staat
licher Subventionen ihre Produkte zu wettbewerbs
widrig gnstigen Preisen anzubieten. Dennoch
wuchs die Branche weiter. Die Regierung frderte
die erneuerbaren Energien nach Krften mit Sub
ventionen, Krediten, Auftrgen. Wind- und Solar
parks mit der Leistung mehrerer Atomkraftwerke
hat der Staat in den Steppen des Nordwestens er
richten lassen. Doch inzwischen ist unbersehbar,
dass riesige berkapazitten entstanden sind ganz
hnlich wie im Immobiliensektor. Chinas Solar
branche steckt in groen Schwierigkeiten. Yingli
musste gerade mit staatlichem Geld gerettet werden.
Tianwei hat im April als erster Staatsbetrieb eine
Anleihe nicht bedient.
Ein Gesprch mit Managern wollen beide Unter
nehmen nicht ermglichen. Es gibt immerhin einen
Artikel des Yingli-Grnders Miao Liansheng in der
Global Times, dem Sprachrohr der chinesischen Na
tionalisten. Ja, die Branche stecke in Schwierigkeiten,
schreibt er darin. Doch man sei gegenber den
Dumpingverfahren des Westens standhaft geblieben
und werde mit Flei und Einigkeit auch die aktuellen
Probleme meistern. Ich habe volles Vertrauen in die
chinesische Wirtschaft. Ich habe volles Vertrauen in
den chinesischen Traum, zitiert er das Regierungs
motto von Staatsprsident Xi Jinping.
Die Lobeshymne auf den Prsidenten wirkt, als
ob er um den Beistand der Regierung bittet fr das
Unternehmen, dessen Chef er noch immer ist.
Loyalitt gegen Cash ein Rezept, das in der Ver
gangenheit immer wieder funktioniert hat. Ob das
bei der Solarindustrie noch einmal gelingt, ist un
gewiss. Im Oktober hat Chinas Regierung als Reak
tion auf das langsamere Wachstum angekndigt, die
ffentlichen Investitionen zu erhhen.
Weitere Informationen im Internet:
 ww.zeit.de/china
w

WIRTSCHAFT 27

D I E Z E I T No 5 0

Element of Crime wehren sich


gegen eine Kostenlos-Kultur

Seit 1982 im Geschft, aber nicht


bei Spotify und Co.: Die rzte

Adeles Album bricht


Verkaufsrekorde ohne Streaming

Fotos (v.l.n.r.): Alasdair McLellan; Nela Koenig; Paul Ripke; Charlotte Goltermann; Universal Music

10. D E Z E M B E R 2 0 1 5

Auch die Toten Hosen setzen auf


den altbewhrten CD-Verkauf

Taylor Swift bezeichnete Spotify


als Konzern-Maschine

Jedes Tnchen ein Millinchen


Die Sngerin Adele verweigert sich Streaming-Diensten wie Spotify. Megastars und groe Labels wollen die Macht im Musikgeschft neu verteilen,
an den Flatrate-Anbietern vorbei. Kann das gelingen? VON JAN WITTENBRINK UND JENS TNNESMANN

ello, its me, singt Adele zu Beginn Anbieter rgert das, der Chef eines Dienstes
ihres neuen Megahits. Mehr muss spricht hinter vorgehaltener Hand von Misssie nicht sagen, damit ein jeder brauch auf Kosten der Hrer.
Bei den meisten Anbietern berweisen Nutzer
wei, wer singt: Die Britin ist die
erfolgreichste Musikerin unserer 9,99 Euro im Monat, wenn sie unbegrenzt zuhZeit. Ihr neues Album, 25, am 20. November ren wollen. Dafr bezahlen die Dienste den Muverffentlicht, hat sich innerhalb einer Woche siklabels der Knstler je Abruf Geld, insgesamt
allein in den USA fast 3,4 Millionen Mal ver- schtten sie etwa zwei Drittel ihrer Einnahmen
kauft, so hufig wie noch nie eines in der Ge- aus jeweils entsprechend dem Anteil eines
Knstlers an den gesamten Song-Abrufen. Spotischichte der Popmusik in so kurzer Zeit.
Adele fhrt damit nicht nur Album-, Single- fy zahlt nach Angaben des Unternehmens pro
und Download-Charts vieler Lnder an. Ihr Er- Song etwa 0,6 bis 0,8 Cent an die Inhaber der
folg markiert auch eine neue Phase im weltweit Rechte, abhngig davon, in welchen Lndern die
15 Milliarden Dollar schweren Geschft mit Musik abgespielt wird.
Davon geben die Musiklabels in der Regel
Musik. In diesem verschrft sich die Tendenz zur
Zweiklassengesellschaft weiter: Auf der einen wiederum nur einen kleinen Teil an die Knstler
Seite stehen Knstler, die Internetvertrieben und weiter. Was am Ende ankommt, ist vielen zu
Hrern ihre Bedingungen diktieren und auf wenig. Vor Adele und Coldplay hatten sich schon
der anderen jene Knstler, die jeden Preis in andere Branchengren dem Streaming verweigert. Taylor Swift etwa hat all ihre Alben von
Kauf nehmen mssen, um zu berleben.
Dieser Entwicklung gingen drei Phasen des Spotify entfernt, Apple Music gab sie erst nach
digitalen Musikkonsums innerhalb von nur 15 zhen Verhandlungen eine Zusage. Auch die AlJahren voraus: Zunchst teilten Nutzer illegal ben der Beatles sind bei Spotify nicht zu finden.
Musik im Internet, ohne dafr zu bezahlen. Die Das Geschftsmodell spaltet die Industrie.
Streaming-Befrworter sagen: Die Dienste
Nutzer hatten die Macht. Dann fand Apple
Mglichkeiten, Musik online zu verkaufen. Mu- sorgen dafr, dass Menschen fter und lnger
siker und Labels mussten mit dem Konzern tei- Musik hren und leichter neue Knstler entdelen. Apple hatte die Macht. Es folgte die Phase cken. Auerdem wrden sie durch das Abo-
der Streaming-Dienste wie Spotify. Sie bieten Modell mehr Geld in Musik stecken. So geben
Abonnenten gegen eine Pauschale den Zugriff die Deutschen Spotify zufolge durchschnittlich
50 bis 60 Euro im Jahr fr
auf Millionen von Songs.
Musik aus. Ein SpotifyNun wird die Macht schon
Abonnent zahlt dagegen
wieder neu verteilt.
knapp 120 Euro. Die KriAdele enthlt Streatiker der Angebote berming-Diensten wie Spotify,
zeugt das nicht. Macht
Deezer und Apple Music
Umsatzanteile der Musikverkufe
euch keine Illusionen,
ihr neues Album vor. Es
im 1. Halbjahr 2015
twitterte Thom Yorke,
gibt bei Spotify zwar die
18,2 Downloads
Snger der populren
Single Hello zu hren, weit
12,8 Streaming-Abos
Band Radiohead, neue
ber 200 Millionen Mal
1,1 Sonstiges
Knstler, die ihr ber Spowurde sie angeklickt. Das
digital
tify entdeckt, werden nicht
Album existiert aber nur
analog
bezahlt. Das ist zwar
als Symbolbild, versehen
0,6 Sonstiges
bertrieben. Richtig ist
mit dem Hinweis: Wir
3,6 Musik-DVDs,
Blu-Rays
aber, dass es vielen Knstbleiben weiter dran und
3,1 Vinyl-Alben
lern wenig einbringt was
hoffen, sie bald umstim60,6 CD-Alben
eben auch an den Vertrmen zu knnen. Und
gen zwischen Knstlern
Adele hat prominente
Die Umsatzentwicklung von
und Labels liegt.
Nachahmer: Die britische
108
Streaming-Abos in Mio.
Letztere nutzen den
Band Coldplay hat ihr am
Wettbewerb zwischen den
4. Dezember erschienenes
61
Plattformen aus. Die
Album dem Marktfhrer
+
Musiklabels versuchen abSpotify ebenfalls nicht so29
78,6
19
17
zuschpfen, was sie abfort zur Verfgung ge%
schpfen knnen, sagt
stellt. Es ist ganz einfach
2010
2011
2012
2013
2014
denn auch Steffen Wicker.
so,