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Mathematik

Das Dokument behandelt mathematische Grundlagen wie Arithmetik, Proportionen, Potenzen, Wurzeln und Logarithmen. Es erklärt die grundlegenden Konzepte und Gesetze dieser Bereiche und gibt Beispiele zur Veranschaulichung. Das Dokument richtet sich an Studierende und dient der Wiederholung des mathematischen Schulstoffs.

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Das Dokument behandelt mathematische Grundlagen wie Arithmetik, Proportionen, Potenzen, Wurzeln und Logarithmen. Es erklärt die grundlegenden Konzepte und Gesetze dieser Bereiche und gibt Beispiele zur Veranschaulichung. Das Dokument richtet sich an Studierende und dient der Wiederholung des mathematischen Schulstoffs.

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Fakultt fr Mathematik und Informatik

Preprint 2012-03
Melanie Nentwich, Alina Ruziyeva
Mathematische Grundlagen zur Vorbereitung
des Studiums an der Technischen Universitt
Bergakademie Freiberg

ISSN 1433-9307

Melanie Nentwich, Alina Ruziyeva

Mathematische Grundlagen
zur Vorbereitung des Studiums an der Technischen
Universitt Bergakademie Freiberg

TU Bergakademie Freiberg
Fakultt fr Mathematik und Informatik
Prferstrae 9
09596 FREIBERG
[Link]

ISSN 1433 9307


Herausgeber:

Dekan der Fakultt fr Mathematik und Informatik

Herstellung:

Medienzentrum der TU Bergakademie Freiberg

Mathematische Grundlagen
zur Vorbereitung des Studiums an der Technischen
Universitt Bergakademie Freiberg
Melanie Nentwich, Alina Ruziyeva
6. August 2012

Bemerkungen
Das folgende Heft dient der selbstndigen Wiederholung des mathematischen Schulstoffes anhand von
praktischen Aufgaben.
Der Inhalt ist durch farbige Boxen kodiert: wichtige theoretische Sachverhalte in blau, mgliche Fehlerquellen in rot und die Beispielaufgaben in grn. Dies ermglicht eine selektive Bearbeitung des Heftes.
Wer nur die Theorie wiederholen mchte, kann sich auf die blauen Boxen beschrnken. Wer sich stattdessen zum Einstieg an einer Aufgabe probieren mchte, richtet seine Aufmerksamkeit auf die grnen
Boxen.
Mit orange markierten Zahlen sind Links markiert, die bei Klick auf entsprechende Zahl zur zugehrigen
Referenz fhren.
Die vorgestellten Aufgaben wurden teilweise aus den folgenden Bchern entlehnt:
Mathematik fr Ingenieure und Naturwissenschaftler Anwendungsbeispiele, Lothar Papula, 5.
Auage, 2004, Vieweg Verlag
Mathematik fr Wirtschaftswissenschaftler Basiswissen mit Praxisbezug, Knut Sydsaeter, Peter
Hammond, 2. Auage, 2006, Pearson Studium
Mathematik in der Biologie, Annika EickhoffSchachtebeck, Anita Schbel, 2009,
[Link]

1
Arithmetik
1.1

Proportion (Dreisatz)

Eine Sonderstellung unter den linearen Gleichungen mit einer Variablen (vgl. Abschnitt 3.1.1) nehmen
die Proportionen ein. Eine Proportion ist eine Verhltnisgleichung a : b = c : d bzw. in Bruchschreibweise
a/b = c/d (gesprochen: a verhlt sich zu b wie c zu d, vgl. Abschnitt C.4). Diese Proportion lsst sich
verschieden umformen. quivalente Formen sind:
b
d
=
c
a

a
b
=
c
d

d
c
=
b
a

b
d
=
a
c

a d = b c,

dabei muss der Nenner stets ungleich 0 sein.


Sind von den Gliedern einer Proportion drei bekannt, dann lsst sich das vierte Glied berechnen. Sind
zum Beispiel a, b, c bekannt und d gesucht, so gilt d = bc .
a
Beispiel 1.1.

x
4
=
(x = 1) 4(x + 1) = 5x 4x + 4 = 5x x = 4.
5
x+1

Aus der Proportion a/b = c/d lassen sich weitere Proportionen ableiten, etwa durch Addition oder
Subtraktion von 1 auf beiden Seiten. Solche Umformungen der Proportion werden korrespondierende
Addition oder korrespondierende Subtraktion genannt:
a
c
=
a+b
c+d
a
c
=
ab
cd

c+d
a+b
=
b
d
ab
cd
=
b
d

Beispiel 1.2. geometrische Anwendung: Strahlensatz


Er ermglicht Aussagen ber Streckenverhltnisse und die Bestimmung fehlender Seitenlngen. Bei
Kenntnis von drei Seitenlngen knnen die fehlenden mit Hilfe folgender Gleichungen bestimmt werden.

AB
ZA
ZB
=
=
B

A
ZA
ZB

B
B

ZA
ZB
=
AA
BB

A
A
Z

1.2

Potenzen

Eine Zahl der Form an (gesprochen: a hoch n) wird Potenz genannt. Dabei wird a als Basis und n als
Exponent bezeichnet. Fr a R\{0} (gleichbedeutend mit a R, a = 0) und n N gilt:
an = a a a .
n Faktoren

Potenzgesetze mit m, n Z und a, b R \ {0}:


am an = am+n
an bn = (ab)n
(am )n = amn

am
= amn
an
an
a n
=
n
b
b

(1.2.1)
(1.2.2)
(1.2.3)

Konventionen (a R \ {0}, n Z, m N\{0}):


a0 := 1

(1.2.6)

(1.2.5)

1
an
:= 0

an :=

(1.2.7)

a := a

(1.2.4)

0m

(1.2.8)

(1.2.9)
Die Ausdrcke 0 und 0 sind fr n N nicht deniert.
Allgemein sind Potenzen auch fr Exponenten n R deniert. Speziell fr n Q \ Z ist von Wurzeln
die Rede, vgl. Abschnitt 1.3. Diese sind jedoch nur fr a 0 deniert.
0

Fehlerwarnung: Summe und Produkt von Potenzen


Sind Basis und Exponent verschieden, so kann das Produkt zweier Potenzen nicht zusammengefasst
werden, im Allgemeinen gilt also:
am bn = (ab)mn

an bn = (a b)n

am an = amn

an + an = 2an = a2n

Eine wichtige Hilfe beim Berechnen von Potenzen von Summen sind die
Binomischen Formeln:
(a + b)2 = a2 + 2ab + b2
2

(a b) = a 2ab + b
2

(a + b)(a b) = a b

(1.2.10)

(1.2.11)

(1.2.12)

Eine weitere wichtige Hilfe ist das Pascalsche Dreieck


n
0
1
2
3
4
5
6

1
1

1
1
1
1
1

1
3

4
5

2
6
10

15

1
4

10
20

1
5

15

1
6

Mit ihm kann eine beliebige Potenz n eines Binoms (a b)n schnell berechnet werden. Aus Zeile n = 4
resultiert beispielsweise
(a b)4 = 1 a4 4 a3 b1 + 6 a2 b2 4 a1 b3 + 1 b4 .
3

Beispiel 1.3. Rechnen mit Potenzen


4. a2 + 2a2 + 3b2 = 3a2 + 3b2 = 3(a2 + b2 )

1. 35 = 3 3 3 3 3 = 243
1
1
2. 35 = 5 =
3
243
3. 30 = 1

5. a2 b2 + b2 b4 a2 a2 = (ab)2 + b6 1

6. an an = an+n = a2n = (an )2 = (a2 )n

Potenzrechnung vor Punktrechnung vor Strichrechnung!


abn = a (bn ),

an = (an )

Hug treten Fehler beim Potenzieren von negativen Zahlen auf. Beachte daher 24 = (2)4 , denn es
gilt 24 = (24 ) = 16 aber (2)4 = (2) (2) (2) (2) = 16.
Potenzen (mit negativer Basis und) geradem Exponenten sind immer positiv!
Beispiel: (2)4 = +16
Potenzen mit negativer Basis und ungeradem Exponenten sind immer negativ!
Beispiel: (2)3 = 8

1.3

Wurzeln

Die Umkehroperation des Potenzierens ist das Radizieren (Wurzelziehen). Der Ausdruck

a 0, n = 0
a = an ,

wird nte Wurzel aus a genannt. Es gilt b = n a bn = a. Die Zahl a heit hierbei Radikand, die Zahl
n ist der Wurzelexponent.
Konventionen:

a := 2 a

0=0

Wurzelgesetze fr m, n N\{0, 1} und a, b R, a 0, b > 0 gilt:



mn
n
n
n
m
a na=
am+n
a b = ab

m
n

b
a
a
mn
=
= n
bnm
n
n
b
b
b

n m
a = mn a

Jede Wurzel lsst sich auch als Potenz schreiben:

1
n
a = an

m
n
am = ( n a)m = a n

fr a 0, n = 0. Eine Wurzel ist daher nichts anderes als eine Potenz mit rationalem Exponenten. Die
Wurzelgesetze sind aus den Potenzgesetzen herleitbar.

Fehlerwarnung: Summe und Produkt von Wurzeln


Sind Wurzelexponent und Radikand verschieden, so lsst sich der Ausdruck nicht zusammenfassen.
Summen und Differenzen lassen sich auch bei Wurzeln nur zusammenfassen, wenn Radikand und
Wurzelexponent beide bereinstimmen (a, b, c, d 0). Im Allgemeinen gilt:

n
n
n
n
a+ b= a+b
a + m a = n+m a


n
mn
m
a b=
ab
c n a + d n a = (c + d) n a
Zahlen unter die Wurzel bringen oder herausziehen:
Allgemein gilt fr a, b > 0:

n
n
n
an b = n an b = a b
Beispiel 1.4. Rechnen mit Wurzeln

x0
1. 4x = 4 x = 2 x,

2. 3 27 = 3

a, b, c R
3. 5 a5 + b5 5 c = 5 (a5 + b5 ) c,

3
4. 5 3 y 2 = 53 3 y 2 = 3 53 y 2 = 3 125y 2 ,
yR

5. 2 4 3 + 5 4 3 4 23 5 = (2 + 5) 4 3 4 8 5 = 7 4 3 4 3 = 6 4 3

1
4
1
13
4
10
10
6. a0,5 a0,8 = a 2 a 5 = a 2 + 5 = a 10 =
a13 = a a3 ,
a0
Beim Rechnen mit Wurzeln empehlt es sich aus Grnden der Genauigkeit und bersichtlichkeit, diese
nicht in Dezimalbrche umzuwandeln, sondern mglichst lange als Wurzeln zu schreiben.

1.4

Logarithmen

Will man den Exponenten c einer Potenz b = ac ber die Basis a ausdrcken, so geschieht dies ber
den Logarithmus
c = loga b ac = b

(1.4.1)

(gesprochen: c ist der Logarithmus von b zur Basis a). Die Variable c ist also die Zahl, mit der a
potenziert werden muss, um b zu erhalten. Logarithmen sind nur deniert fr a, b R+ , a = 1.
Logarithmengesetze mit a R, a > 0, a = 1, r R und x, y > 0:
(1.4.2)
(1.4.3)
(1.4.4)

loga (x y) = loga x + loga y


loga (x/y) = loga x loga y
loga (xr ) = r loga x
Folgerungen aus den Potenzgesetzen:
denn a1 = a

loga a := 1,

denn a = 1

loga 1 := 0,
a

loga b

(1.4.5)
(1.4.6)
(1.4.7)

= b.

Der Ausdruck loga 0 ist nicht deniert, denn ac = 0 ist fr a = 0 mit keinem c zu erreichen und fr a = 0
kann c beliebig gewhlt werden, ist also nicht eindeutig bestimmt.
Spezielle Logarithmen: Ihrer Hugkeit und Wichtigkeit entsprechend gibt es fr Logarithmen zu den
Basen 2, 10 und e (Eulersche Zahl) spezielle Namen (vgl. Abschnitt 2.3.6, Abb. 2.14).
ldx := log2 x
lg x := log10 x

Basis a = 2, binrer Logarithmus


Basis a = 10, dekadischer Logarithmus

ln x := loge x

Basis a = e, natrlicher Logarithmus

Die Eulersche Zahl e ist eine mathematische Konstante mit dem Wert 2,718 281 828 459 045 235. . .
Um den Logarithmus einer Zahl zu einer beliebigen Basis auszurechnen, kann die folgende Formel
genutzt werden:
logc b =

loga b
loga c

(1.4.8)

Der Quotient zweier Logarithmen zur gleichen Basis a ist unabhngig von der gewhlten Basis a.
loga b
ln b
lg b
=
=
loga c
ln c
lg c

(1.4.9)

Weil die Logarithmen fr die Basis a = 10 und a = e bekannt sind (aus Logarithmentabellen bzw.
Taschenrechner), werden vorwiegend diese genutzt.
Beispiel 1.5. Logarithmieren einer Gleichung
12x = 100
x = log12 100
ln 100
=
ln 12

4, 60517 . . .
1, 8532
2, 48490 . . .

| Gl. (1.4.1)
| Gl. (1.4.8)

Wird stattdessen der dekadische Logarithmus verwendet, so entsteht natrlich das gleiche Ergebnis
x=

lg 100
2
=
1, 8532.
lg 12
1, 07918 . . .

Fehlerwarnung: Fehler durch falsches Krzen beim Logarithmen:


ln x
x
=
ln y
y

oder gar

Weitere Fehlerquellen:
falsch: loga (3a) = 3 loga a = 3
(1.4.2)

(1.4.5)

richtig: loga (3a) = loga 3 + loga a = loga 3 + 1


falsch: (ln x)2 = 2 ln x, denn (ln x)2 = ln(x2 )
richtig: (ln x)2 kann nicht weiter vereinfacht werden
falsch:

ln 4
= ln 4 ln 2 = ln(4/2) = ln 2
ln 2
6

ln x
= lx
n

richtig:

ln 4
= log2 4 = 2 (siehe Basiswechsel (1.4.8))
ln 2

richtig:

log2 4 2
ln 4
=
= /1 = 2 (siehe Basiswechsel (1.4.9))
ln 2
log2 2

Beispiel 1.6. Rechnen mit Logarithmen


= 1 log5 5 = 1 1 = 1

(1.2.1)

2. log6 362

(1.4.5)

(1.4.4)

1. log5 1/5 = log5 51

(1.4.4)

(1.4.5)

= log6 (64 ) = 4 log6 6 = 4 1 = 4

(1.2.8)

(1.4.5)

3. log2 1/8 = log2 81 = log2 23 = 3 log2 2 = 3 1 = 3


(1.4.4)

4. loga x2 + loga x = 2 loga x + loga x = 3 loga x


(1.4.2)

oder: loga x2 + loga x = loga (x2 x) = loga (x3 ) = 3 loga x


(1.4.4)

(1.4.5)

5. ln ex = x ln e = x loge e = x 1 = x
6. loga

n+1
n2

(1.4.4)

(1.4.3)

= loga (n + 1) loga n2 = loga (n + 1) 2 loga n

(1.4.8)

7. ln x + lg x = ln x +

1.5

ln x
1
= ln x 1 +
ln 10
ln 10

Trigonometrische Funktionen

Gegeben sei ein rechtwinkliges Dreieck mit den Katheten a und b sowie der Hypothenuse c und den
Winkeln und = 90 . ber die trigonometrischen Funktionen lassen sich die Zusammenhnge
der Seitenverhltnisse mit den Winkeln darstellen, vgl. Abb. 1.1.
B

A
b
Abbildung 1.1: Katheten und Hypothenuse am rechtwinkligen Dreieck

a
Gegenkathete
=
c
Hypothenuse
Ankathete
b
cos() := =
c
Hypothenuse
sin() :=

b
sin() = ,
c

a
sin()
=
b
cos()
Gegenkathete
=
Ankathete

(1.5.1)

tan() :=

(1.5.2)

cos() =

a
,
c

tan() =

b
sin()
=
a
cos()

(1.5.3)

Ein weiterer wichtiger Zusammenhang wird durch den Satz des Pythagoras beschrieben.
Satz des Pythagoras:
Die Summe der Quadrate der Katheten ist gleich dem Quadrat Hypothenuse.
Am Dreieck aus Abb. 1.1 bedeutet das
a 2 + b2 = c 2 .

(1.5.4)

Die trigonometrischen Funktionen sind 2periodisch, was leicht zu erkennen ist, wenn der Einheitskreis
zu Hilfe genommen wird, vgl. Abb. 1.2. Das bedeutet, dass ein Winkel von 0 gleichbedeutend ist mit
einem Winkel von 2, 4, . . . oder 1/2 gleichbedeutend mit 5/2, 9/2, . . ..

1
x

arc()

3
2

Abbildung 1.2: Verdeutlichung von Sinus und Kosinus am Einheitskreis. Die Beschriftungen in der linken
Abbildung bezieht sich auf den zugehrigen Winkel, nicht auf die x, yKoordinaten.
Die Hypothenuse des eingezeichneten Dreiecks in Abb. 1.2 betrgt c = 1, damit ergibt sich die Kreisgleichung
a 2 + b2 = 1
bzw
x2 + y 2 = 1.
Auerdem folgt mit Gl. (1.5.1) und (1.5.2) a = sin und b = cos , also
sin2 () + cos2 () = 1.
Tabelle 1.1: Eigenschaften der trigonometrischen Funktionen (k Z)
Merkmal

sin(x)

Denitionsbereich
Wertebereich
Nullstellen
Minima
Maxima

cos(x)

tan(x)

cot(x)

R
[1, 1]
k
3/2 + 2k
/2 + 2k

R
[1, 1]
/2 + k
+ 2k
2k

x = /2 + k
R
k

x = k
R
/2 + k

Additionstheoreme:
sin (x y) = sin(x) cos(y) cos(x) sin(y)
cos (x y) = cos(x) cos(y) sin(x) sin(y)

2
Funktionen
2.1

Denitionen und Darstellungen

2.1.1 Denition
Eine Funktion f ist eine Zuordnung, die jedem Element x einer gegebenen Menge X (oft Zahlenmenge
X R) ein eindeutiges Element y einer Menge Y (oft Zahlenmenge Y R) zuordnet.
Schreibweise: y = f (x) oder f : X Y oder manchmal auch x f (x). Man nennt f (x) das Bild
von x und umgekehrt x das Urbild von f (x).
Beispiel 2.1.
1. X = {1, 1, 2}, Y = {0, 1}, f (1) = 1, f (1) = 0, f (2) = 0
Dies ist eine Funktion (vgl. Abb. 2.1a).
2. A = {0, 100}, B = {2, 5}, g(0) = 5, g(100) = 2, g(100) = 5
Dies ist keine Funktion (vgl. Abb. 2.1b), da x = 100 nicht eindeutig ein y zugewiesen wird.

100
0

1
1

1
X

(a) Funktion f

0
Y

(b) Abbildung g, keine Funktion

5
B

Abbildung 2.1: f : X Y ist eine Funktion und g : A B ist keine Funktion


Die Menge X heit Urbildmenge, Denitionsmenge oder Denitionsbereich. Die Menge Y , aus der
Bilder stammen, heit Wertemenge oder Wertebereich. Die Menge der Bilder (also alle yWerte zusammen) heit Bildmenge, bezeichnet mit f (X).
Beispiel 2.2. Fr die quadratische Funktion y = x2 (siehe Abb. 2.2) ist der maximale Denitionsbereich
X = R und die Wertemenge ist Y = R+ .
Die Bildmenge f (X) ist eine Teilmenge des Wertebereichs Y , und Y ist eine Teilmenge der Menge R
der reellen Zahlen, d. h. f (X) Y R (vgl. Abschnitt A.1).
Eine Funktionsbeschreibung besteht aus drei Teilen: der Zuordnungsvorschrift f , dem Denitionsbereich
X und dem Wertebereich Y .
Zwei Funktionen sind genau dann gleich, wenn sowohl die Zuordnungsvorschriften, die Denitionsbereiche als auch die Wertebereiche bereinstimmen.
Allgemeiner knnen Funktionen auch als eine Zuordnung zwischen beliebigen Mengen (also nicht
eingeschrnkt auf Zahlenmengen) deniert werden.

y
4
3
2
1
x
2

Abbildung 2.2: quadratische Funktion f (x) = x2


Die Zuordnungsvorschrift fr eine Funktion ist im Regelfall eine Gleichung, die sogenannte Funktionsgleichung y = f (x) (y gleich f von x). Dabei heit x unabhngige Variable oder das Argument der
Funktion f und y abhngige Variable oder Funktionswert der Funktion f an der Stelle x.
Die Form y = f (x) heit explizite Darstellung der Funktionsgleichung. Die Schreibweise y = f (x) oder
f : X Y fr eine Funktion bedeutet, dass f eine Funktion ist, die von ihrem Denitionsbereich X in
den Wertebereich Y gem der Funktionsgleichung y = f (x) abbildet.

2.1.2 Darstellung
Funktionen knnen durch Schaubilder (Graphen) oder Wertepaare (Wertetabelle) dargestellt werden.
Dabei stellt die Wertetabelle keine eindeutige oder vollstndige Umschreibung dar. Der Graph einer
Funktion f mit dem Denitionsbereich X ist die Menge der geordneten Zahlenpaare
f = {(x, y) | y = f (x), x X und y Y }.
Geordnet bedeutet, dass in (x, y) = (x, f (x)) die Reihenfolge von x und y wichtig ist: (x, y) ist im
Allgemeinen nicht gleich (y, x).
In einem kartesischen, 2dimensionalen Koordinatensystem ist die waagerechte Achse die xAchse
oder Abszissenachse, die senkrechte Achse ist die yAchse oder Ordinatenachse. Die Zahl x ist die
Abszisse und y die Ordinate eines Punktes (x, y).
Auch mittels einer Wertetabelle kann eine Funktion dargestellt werden. In einer Wertetabelle werden
fr einige ausgewhlte Argumente x die geordneten Zahlenpaare (x, y) fr eine Funktion y = f (x)
eingetragen. Dabei mssen die ausgewhlten Werte fr x Elemente des Denitionsbereichs X der
Funktion sein (in Zeichen: x X).
Eine elementare Funktion ist eine Funktion, deren Funktionsgleichung durch einen geschlossenen analytischen Ausdruck dargestellt werden kann.
Elementare Funktionen sind durch Formeln deniert, die nur endlich viele mathematische Operationen
mit der unabhngigen Variablen x und den Koefzienten enthalten.
Beispiel 2.3. lineare Funktionen (vgl. Abschnitt 2.3.1):
1. y = 2x + 3, X = Y = R (vgl. Abb. 2.3b)

2. v = 2u, X = Y = R (vgl. Abb. 2.3a)

Wertetabellen:
x
y

3/2

0
3

u
v

10

0
0

1
2

1
x
1

u
2

(a) monoton fallende Funktion y = 2x + 3

(b) monoton wachsende Funktion v = 2u

Abbildung 2.3: Graphen der linearen Funktion

Zum Zeichnen linearer Funktionen gengt es, die Funktionswerte von zwei Stellen zu berechnen.
Beispiel 2.4. y = 2/x, X = (; 0) (0; +), Y = (; 0) (0; +) (siehe Abb. 2.4 blau und
Abschnitt 2.3.5)
Wertetabelle:
x
y

4
1/2

2
1

1
2

1
2

2
1

4
1/2

Beispiel 2.5. y = x, X = [0; +), Y = [0; +) Quadratwurzel


(siehe Abb. 2.4 rot und Abschnitt 2.3.5)
Wertetabelle:
x
y

0
0

1
1

4
2

Beispiel 2.6. y = x2 , X = R, Y = [0; +) Quadratische Funktion (siehe Abb. 2.5a und Abschnitt 2.3.3)
Wertetabelle:
x
y

0
0

1
1

2
4

Beispiel 2.7. y = 2/3 x3 , X = R, Y = R Kubische Funktion (siehe Abb. 2.5b und Abschnitt 2.3.4)
Wertetabelle:
x
y

2.2

2
8

1
1

0
0

1
1

2
8

Eigenschaften von Funktionen

Eine ausfhrlichere Behandlung folgt im Abschnitt 6.3. Hier sollen nur ein paar grundlegende Begriffe
erklrt werden, die im nchsten Abschnitt von Bedeutung sind.
Es sei y = f (x). Die Stelle x0 heit die Nullstelle der Funktion f (x), wenn f (x0 ) = 0 gilt. Es kann mehr
als eine Nullstelle geben.
11

y
5
4
3
2
1
x
5

1
2
3
4
5

Abbildung 2.4: Hyperbelfunktion 2/x (blau) und Wurzelfunktion

x (rot)

Die Nullstellen von f sind Lsungen der Gleichung f (x) = 0.


Anschaulich sind die Nullstellen von f (x) die Abszissen der Schnittpunkte des Graphen mit der x
Achse.
Eine Funktion f heit in einem bestimmten Bereich B X
monoton wachsend, falls
x1 < x2 f (x1 ) f (x2 )

x B

x1 < x2 f (x1 ) f (x2 )

x B

monoton fallend, falls


Eine Funktion heit streng monoton wachsend/ fallend, falls f (x1 ) = f (x2 ) ausgeschlossen wird (vgl.
Abschnitt 5.1.5).
Beispiel 2.8. Im vorhergehenden Beispiel (siehe Abschnitt 2.1.2) wurden elementare Funktionen diskutiert. Jetzt kann bestimmt werden, welche Funktionen monoton fallend oder wachsend sind.
1. f (u) = 2u ist streng monoton wachsend in R (vgl. Bsp. 2)
2. f (x) = 2x + 3 ist streng monoton fallend in R (vgl. Bsp. 1)
3. f (x) = 2/x ist streng monoton wachsend im Bereich (; 0) und auch im Bereich (0; +)
(vgl. Bsp. 2.4)

4. f (x) = x ist streng monoton wachsend im Denitionsbereich X = [0; +) (vgl. Bsp. 2.5)
12

y
2

x
2

1
x
2

1
2

(a) quadratische Funktion y = x2

(b) kubische Funktion y = 2/3 x3

Abbildung 2.5: Normalparabel und Parabel 3. Ordnung


5. f (x) = x2 ist streng monoton fallend in (; 0] und streng monoton wachsend in [0; +) (vgl.
Bsp. 2.6)
6. f (x) = 2/3 x3 streng monoton wachsend in R (vgl. Bsp. 2.7)

2.3

Spezielle Funktionstypen

2.3.1 Lineare Funktionen


Eine Funktion mit einer Funktionsgleichung
a, b R, b = 0

f (x) = a + bx,

ist eine afn lineare Funktion (ganzrationale Funktion 1. Grades). Wenn b = 0, d. h. f (x) = a, ist die
Funktion f (x) unabhngig von x, f (x) wird in diesem Fall eine konstante Funktion genannt (Abb. 2.6,
blau).
Die konstante Funktion ist monoton wachsend und monoton fallend zugleich.
Der Graph einer linearen Funktion ist eine Gerade (daher der Name lineare Funktion), und zwar die
Gerade mit dem Anstieg (auch Hhenzuwachs oder Steigung) b und dem Achsenabschnitt a auf der
Ordinatenachse.
Ist a = 0, so wird die lineare Funktion y = bx auch lineare Funktion genannt. Der Graph einer linearen
Funktion ist eine Gerade durch den Koordinatenursprung mit der Steigung b (Abb. 2.6 rot). Der
Parameter b wird auch Proportionalittsfaktor der Gleichung genannt, denn es gilt y = bx, b = y/x (vgl.
Anstieg einer Funktion Abschnitt 6.2).
Fr b > 0 ist die Funktion streng monoton wachsend (Abb. 2.6 rot), fr b < 0 ist sie streng monoton
fallend (Abb. 2.6 grn).
Den Schnittpunkt des Graphen der linearen Funktion mit der xAchse (die Nullstelle) kann leicht gefunden werden: Dazu wird die Gleichung a + bx0 = 0 nach x0 aufgelst. Addition von a auf und
Division durch b = 0 auf beiden Seiten fhrt zu x0 = a/b. So konnte die Lsung x0 dieser linearen
Gleichung gefunden werden.
Der Schnittpunkt des Graphen der linearen Funktion mit der yAchse ist a, vgl. Abb. 2.6. Bei dem roten
Graph der Abbildung ist a gleich Null, im grnen Graph ist a negativ und im blauen ist a positiv.

13

3
2
1

x
3

1
2
3

Abbildung 2.6: Monotonie linearer Funktionen: konstante Funktion (blau), monoton wachsende Funktion (rot), monoton fallende Funktion (grn)

2.3.2 Betragsfunktionen
In der Mathematik ordnet die Betragsfunktion einer reellen Zahl ihren Abstand zur Null zu. Dieser so
genannte absolute Betrag, Absolutwert oder auch schlicht Betrag ist immer eine nichtnegative reelle
Zahl. Der Betrag einer Zahl x wird mit |x| bezeichnet. Fr eine reelle Zahl x gilt:
|x| =

x 0,
x < 0.

x,
x,

(2.3.1)

Beispiel 2.9.
1. |5| = 5

2. | 4| = 4

Der Graph der Betragsfunktion y = |x| ist in Abb. 2.7 dargestellt.


y

3
2
1

x
3

Abbildung 2.7: Betragsfunktion y = |x|


Beispiel 2.10. Die Funktion f (x) = |x 3| gibt den Abstand von x zu 3 an.

2.3.3 Quadratische Funktionen


Eine Funktion mit einer Funktionsgleichung in der Form
f (x) = a + bx + cx2 ,

14

a, b, c R, c = 0

heit quadratische Funktion (ganzrationale Funktion 2. Grades).


Der Schnittpunkt mit der yAchse kann direkt abgelesen werden, da f (0) = a (vgl. Abb. 2.8, f (0) =
a = 6/5).
y
4
3
2
1
x
2

Abbildung 2.8: Quadratische Funktion y = 1/2 x2 x + 6/5


Die Nullstellen von f (x) sind Lsungen der quadratischen Gleichung f (x) = 0 (siehe Abschnitt 3.2).
Der Graph jeder quadratischen Funktion ist eine Parabel (Abb. 2.8). Parabeln besitzen einen tiefsten
bzw. hchsten Punkt, den Scheitel
(u, v) =

b
,f
2c

b
2c

b
b2
,a
2c
4c

Jede Funktion 2. Grades lsst sich mit Hilfe des Prinzips der quadratischen Ergnzung in die Scheitelpunktform umschreiben:
f (x) = c(x u)2 + v.

(2.3.2)

In dieser Darstellung kann man den Scheitel (u, v) direkt ablesen.


Durch die quadratische Ergnzung soll ein Ausdruck so erweitert werden, dass er einen Binom enthlt.
Dafr wird zuerst der Faktor c bzgl. quadratischen und linearen Gliedes ausgeklammert.
a + bx + cx2 = c x2 + b/c x + a
Anschlieend wird zum Ausdruck innerhalb der Klammer ein Absolutglied (rot in Gl. (2.3.3)) addiert,
sodass auf die Klammer eine binomische Formel angewandt werden kann (grn in Gl. (2.3.4)). Um den
Wert des Gesamtausdrucks nicht zu verndern, muss dieses Absolutglied gleichzeitig wieder subtrahiert
werden (blau in Gl. (2.3.3)). Insgesamt wird eine Null addiert.
b
b
c x2 + x + a = c x2 + x +
c
c
x+

=c

=c x+

b
2c
b
2c

+a

b
b2
= c x + + a

2c
4c
xu

15

+a

(2.3.3)

b
2c

b
2c

b
2c

b
2c

+a

(2.3.4)
(2.3.5)

(2.3.6)

Beispiel 2.11. Fr die Funktion y = 1/2 x2 x + 6/5, vgl. Abb. 2.8, ist der Scheitel:
1
b
= 1 = 1
2c
2 /2
v = f (u)

u=

= 1/2 (1)2 (1) + 6/5 = 27/10


Der Faktor c steuert den ffnungswinkel und die ffnungsrichtung der Parabel. Durch Division durch
c = 0 (weil wir sonst eine lineare Funktion haben), erhlt man die sogenannte Normalform der quadratischen Funktionsgleichung f (x) = x2 + px + q (mit p = b/c und q = a/c).
Die Nullstellen einer quadratischen Funktion in Normalform lassen sich mit Hilfe der Diskriminanten D
bestimmen
p2
p
q
x1,2 =
2
4

1
=
p D ,
2

D = p2 4q

Fr die Zahl der Lsunge gilt


D > 0: zwei

D = 0: genau eine

D < 0: keine

Mit Hilfe des Satzes von Vieta lsst sich ein Zusammenhang zwischen den Nullstellen einer quadratischen Funktion und den Parametern der Normalform herstellen.
Satz von Vieta:
Sind x1 und x2 die Nullstellen einer quadratischen Funktion f (x), dann resultieren die Parameter der
Normalform aus
p = (x1 + x2 ),
q = x1 x2 .
Beispiel 2.12. x1 = 2, x2 = 3 p = (2 + 3) = 5, q = 2 3 = 6
f (x) = x2 5x + 6 = (x 2)(x 3)
Mit den Koefzienten p = q = 0 resultiert die Gleichung der Normalparabel (f (x) = x2 Abb. 2.5a).
Der Punkt (0, 0), also der Koordinatenursprung, ist der Scheitelpunkt der Normalparabel. Die Normalparabel ist symmetrisch zur yAchse und nach oben geffnet.

2.3.4 Kubische Funktion


Eine Funktion mit einer Funktionsgleichung
f (x) = a + bx + cx2 + dx3 ,

a, b, c, d R, d = 0

heit kubische Funktion (ganzrationale Funktion 3. Grades).


Der Graph jeder kubischen Funktion ist eine kubische Parabel. Die kubische Normalparabel y = x3
ergibt sich mit den Koefzienten a = b = c = 0, d = 1 (Abb. 2.9).
Abhngig von den Koefzienten a, b, c, d gibt es einen, zwei (dann ist ein Schnittpunkt ein Berhrungspunkt) oder drei Schnittpunkte mit der xAchse. Der Schnittpunkt mit der yAchse ist (0, a).
Die kubische Normalparabel schneidet sowohl die xAchse als auch die yAchse im Ursprung.

16

4
3
2
1

x
2

1
2
3
4

Abbildung 2.9: Kubische Normalparabel y = x3

2.3.5 Potenz- und Wurzelfunktionen


Potenzfunktionen
Funktionen mit einer Funktionsgleichung der Form
f (x) = xn ,

nQ

heien Potenzfunktionen. Dabei ist n der Exponent oder auch Grad der Potenzfunktion. Meist wird
fr n Z von Potenzfunktionen und speziell fr n Q \ Z von Wurzelfunktionen (siehe dazu Abschnitt 2.3.5) gesprochen. Bei Wurzelfunktionen ist jedoch zustzlich x 0 zu beachten.
Fall 1: Ganzzahlig positiver Exponent Der Graph einer Potenzfunktion mit natrlichem Exponenten
n N \ {0} wird Parabel nten Grades genannt.
In Abb. 2.10 ist erkennbar, dass der Graph einer Potenzfunktion mit geradem, positivem Exponenten
(n = 2, 4, 6, . . .) symmetrisch zur yAchse ist, die Funktion ist gerade. Auerdem sind ale Funktionswerte
nicht negativ. Bei ungeradem, positivem Exponenten (n = 1, 3, 5, . . .) ist der zugehrige Funktionsgraph
punktsymmetrisch zum Koordinatenursprung (vgl. Abb. 2.11), die Funktion ist daher ungerade (vgl.
Abschnitt 6.3.4).

Denitionsbereich: Df = R
Nullstellen: x0 = 0 je nach Grad n der Potenzfunktion ist es eine nfache Nullstelle
Monotonie:
gerader Exponent: monoton fallend fr x 0, monoton wachsend fr x 0

ungerader Exponent: monoton wachsend

17

1
x

x
2

Abbildung 2.10: Potenzfunktionen mit positiven ganzzahligen Exponenten n (blau n = 2, cyan


n = 4, rot n = 3, orange n = 5)
Werden solche Potenzfunktionen durch Skalierung, Verschiebung entlang der Koordinatenachsen oder
Verkettung untereinander transformiert, so entstehen beispielsweise quadratische und kubsiche Funktionen (siehe dazu Abschnitt 2.3.3 und 2.3.4).
Fall 2: Ganzzahlig negativer Exponent n Z und n 1
Der Graph einer Potenzfunktion mit negativem, ganzem Exponenten n wird Hyperbel genannt. Er
besteht immer aus zwei Teilen, den sogenannten Hyperbelsten. Anhand von Abb. 2.11 ist erkennbar, dass der Graph einer Potenzfunktion mit negativem geradem Exponent (n = 2, 4, 6, . . .)
symmetrisch bezglich der yAchse ist, die Funktion ist gerade. Bei negativem ungeradem Exponent
(n = 1, 3, 5, . . .) ist der zugehrige Funktionsgraph symmetrisch bezglich der Geraden y = x.
Denitionsbereich: Df = R \ {0}
Nullstellen: keine
Monotonie:
gerader Exponent: monoton wachsend fr x 0, monoton fallend fr x 0

ungerader Exponent: monoton fallend auf x < 0 und x > 0

18

10

10

2
x

1
2

x
3

1
2

10

10

Abbildung 2.11: Potenzfunktionen mit negativen ganzzahligen Exponenten n (blau n = 1, cyan


n = 3, grn n = 5, rot n = 2, orange n = 4)
Wurzelfunktionen
Potenzfuntkionen mit gebrochenem Exponenten n = p/q, wobei p, q N \ {0} teilerfremd sind, werden
Wurzelfunktionen genannt. Die einfachste Wurzelfunktion ist dabei

1
f (x) = x /2 = x,
x 0,
vgl. Abschnitt 1.3 und Abb. 2.12.
y
2

1
x
1

Abbildung 2.12: Wurzelfunktionen (blau zweite Wurzel, rot dritte Wurzel, gren fnfte Wurzel

Eigenschaften der Wurzelfunktion f (x) =

x:

Denitionsbereich: Df = [0, +)
Nullstellen: x0 = 0
Monotonie: monoton wachsend
19

Krmmung: konkav

2.3.6 Exponential- und Logarithmusfunktion


Exponentialfunktion
Funktionen mit einer Funktionsgleichung der Form
f (x) = ax ,

a R, a > 0, a = 1

heien Exponentialfunktionen. Im Gegensatz zu den Potenzfunktionen bendet sich die Variable x im


Exponenten und nicht in der Basis.
Denitionsbereich: Df = R
Nullstellen: keine
Monotonie: fr 0 < a < 1 monoton fallend, fr a > 1 monoton wachsend
Krmmung: konvex, a R, a = 0
Schnittpunkt mit yAchse: immer (0; 1), denn a0 = 1, a R, a = 0
y

1
x

x
2

(a) Exponentialfunktion, positiver Exponent n

(b) Exponentialfunktion, negativer Exponent n

Abbildung 2.13: Beispiele fr Exponentialfunktionen (blau n = 1, cyan n = 2, grn n = 3)


Spezialfall der Exponentialfunktionen ist die natrliche Exponentialfunktion mit der Eulerschen Zahl e
(vgl. Abschnitt 1.4):
f (x) = ex .
Hug bezeichnet man diese Funktion auch schlichtweg als Exponentialfunktion oder kurz eFunktion.
Fehlerwarnung: Am PC oder Taschenrechner wird das Symbol e manchmal fr die Exponentialdarstellung von Zehnerpotenzen genutzt. Dies kann zu Missverstndnissen fhren.
20

Logarithmusfunktionen
Funktionen mit einer Funktionsgleichung der Form
a R, a > 0, a = 1

f (x) = loga x,

heien Logarithmusfunktionen mit der Basis a (vgl. Abschnitt 1.4).


Denitionsbereich: Df = (0; +)
Nullstellen: x0 = 1 fr a R, a > 0, a = 1
Monotonie: fr 0 < a < 1 monoton fallend, fr a > 1 monoton wachsend
Krmmung: fr a > 1 konkav, fr 0 < a < 1 konvex
In Abb. 2.14 ist die asymptotische Annherung an die yAchse fr x gegen Null erkennbar (vgl.
Grenzwerte, Abschnitt 6.1.1).
y
2

1
x
1

1
2
3
Abbildung 2.14: Logarithmusfunktionen mit verschiedenen Basen b (blau b = e, cyan b = 10, grn
b = 2)

2.4

Graphentransformation

Betrachten wir jetzt verschiedene Mglichkeiten eine Funktion f (x) zu modizieren.

2.4.1 Verschiebung
Horizontalverschiebung

f (x) = f (x + a)

Verschiebung entlang der xAchse um a, nderung des Denitionsbereichs: X = X + a, keine nderung des Wertebereichs.
21

nach rechts, falls a < 0

nach links, falls a > 0

Beispiel 2.13. Die Funktion f (x) = 2x2 wird in f (x) = f (x 3) = 2(x 3)2 transformiert. Der
Parameter a = 3 ist negativ, Verschiebung des Graphen nach rechts (Abb. 2.15, blau).
Vertikalverschiebung

f (x) = f (x) + b

Verschiebung entlang der yAchse um b, nderung des Wertebereichs: Y = Y + b.


nach oben, falls b > 0

nach unten, falls b < 0

Beispiel 2.14. Die Funktion f (x) = 2x2 wird in die Funktion f (x) = f (x)2 = 2x2 2 transformiert.
Der Parameter b = 2 ist negativ, Verschiebung des Graphen nach unten (Abb. 2.15, rot).

Beispiel 2.15. Die Funktion f (x) = 2x2 wird in die Funktion f (x) = f (x + 1) 3 = 2(x + 1)2 3
transformiert.

Schritt 1: f (x) = f (x + 1) = 2(x + 1)2 : a = 1 ist positiv, Verschiebung des Graphen nach links

Schritt 2: f (x) = f (x) 3 = 2(x + 1)2 3: b = 3 ist negativ, Verschiebung des Graphen nach oben
(Abb. 2.15, grn).
y

4
3
2
1

x
3

1
2
3

Abbildung 2.15: verschiedene Verschiebungen der Funktion y = 2x2 (schwarz Ausgangsfunktion,


blau Horizontalverschiebung um a = 3, rot Vertikalverschiebung um b = 2, grn Horizontalund Vertikalverschiebung um a = 1 und b = 3)

2.4.2 Multiplikation mit einer Zahl


Dehnen entlang der yAchse

f (x) = c f (x)
22

Strecken um den Faktor c, falls c > 1

Stauchen um den Faktor c, falls 0 < c < 1

Dehnen des Graphen entlang der yAchse, nderung des Wertebereichs: Y = c Y .


Spezialfall: Spiegelung an der xAchse, falls c = 1. Der Graph wird nach unten geklappt.
Beispiel 2.16.
1. f (x) = x2 :

Transformation in f1 (x) = 1/2 f (x) = 1/2 x2 . Wegen c1 = 1/2 (0, 1) Stauchen des Graphen
(Abb. 2.16a rot).

Transformation in f2 (x) = 2 f (x) = 2x2 . Wegen c2 = 2 > 1 Strecken des Graphen (Abb. 2.16a
blau).

2. f (x) = x2 : Transformation in f (x) = f (x) = x2 (Abb. 2.16b).


4

y
2

1
x

2
2

x
2

(a) Stauchen (rot) und Strecken (blau) von


f (x) = x2 (schwarz)

(b) Spiegelung (blau) von f (x) = 1/2 x2 (schwarz)

Abbildung 2.16: Stauchen, Strecken, Spiegeln von Funktionen

Dehnen entlang der xAchse

f (x) = f (dx)
Stauchen um den Faktor d, falls d > 1

Strecken um den Faktor d, falls 0 < d < 1

Dehnen entlang der xAchse, nderung des Denitionsbereichs: X = 1/d X.


Spezialfall: Spiegelung, falls d = 1 (Symmetrie bzgl. xAchse).
Beispiel 2.17.
1. f (x) = x2 :

Transformation in f1 (x) = f (2x) = (2x)2 = 4x2 . Wegen d1 > 1 Stauchen des Graphen.

Transformation in f2 (x) = f (1/2 x) = (1/2 x)2 = 1/4 x2 . Wegen 0 < d2 < 1 Strecken des
Graphen.

2. f (x) = x2 : Transformation in f (x) = f (x) = x2 , Spiegelung (Abb. 2.16b).

Es gilt: f (x) = f (x)!


Um den Unterschied zwischen Vervielfachung des Argumentes und Vervielfachung der Funktionen deutlicher zu erkennen, werden folgende Beispiele betrachtet.
Beispiel 2.18. Sei f (x) = sin(x) die Ausgangsfunktion.

23

1. Transformation in f1 (x) = 2f (x) = 2 sin(x). Wegen c > 1 Strecken des Graphen entlang y
Achse (siehe Abb.2.17 rot).
2. Transformation in f2 (x) = 1/2 f (x) = 1/2 sin(x). Wegen 0 < c < 1 Stauchen des Graphen
entlang yAchse (siehe Abb. 2.17 orange).
3. Transformation in f3 (x) = f (2x) = sin(2x). Wegen d > 1 Stauchen des Graphen entlang
xAchse. (siehe Abb. 2.17 blau).
4. Transformation in f4 (x) = f (1/2 x) = sin(1/2 x). Wegen 0 < d < 1 Strecken des Graphen
entlang xAchse. (siehe Abb. 2.17 grn).
y
2

1
x

1
2
Abbildung 2.17: Stauchen und Strecken am Sinus (schwarz f (x) = sin (x), rot f1 (x) = 2 sin (x),
orange f2 (x) = 1/2 sin (x), blau f3 (x) = sin (2x), grn f4 (x) = sin (1/2 x))

2.4.3 Betrag
Funktion eines Betrages

f (x) = f (|x|) =

f (x),
f (x),

x0
x < 0.

1. Auftragen der Funktion f (x) (Ignorieren des Betrages) fr x 0

2. Spiegeln des Graphen an yAchse

Beispiel 2.19. Die Funktion f (x) = x + 1 wird in die Funktion f (x) = f (|x|) = |x| + 1 transformiert
(siehe Abb. 2.18 blau).
Betrag einer Funktion

f (x) = |f (x)| =

f (x),
f (x),

f (x) 0
f (x) < 0.

Auftragen der Funktion f (x) (Ignorieren des Betrages) fr f (x) 0

Spiegeln des Graphen an xAchse

Beispiel 2.20. Die Funktion f (x) = x + 1 wird in die Funktion |f (x)| = |x + 1| bzw. f (|x|) = |x + 1
transformiert (siehe Abb. 2.18 rot bzw. blau).
Beispiel 2.21. Die Funktion f (x) = x2 + 2x 1, 5 wird in die Funktion |f (x)| = |x2 + 2x 1, 5| bzw.
f (|x|) = |x|2 + 2|x| 1, 5 transformiert (siehe Abb. 2.19 rot bzw. blau).
24

y
4
|x| + 1

3
2

|x + 1|

1
x

2
x+1

1
2

Abbildung 2.18: Betrge und Funktionen: dargestellt sind f (x) = x+1 (schwarz), sowie f (|x|) = |x|+1
(blau) und |f (x)| = |x + 1| (rot)

f (|x|)
3
|f (x)|

2
1
x

f (x)

1
2

Abbildung 2.19: Betrge und Funktionen: dargestellt sind f (x) = x + 1 (schwarz), sowie f (|x|) =
|x|2 + 2|x| 1, 5 (blau) und |f (x)| = |x2 + 2x 1, 5| (rot)

25

3
Gleichungen, Ungleichungen und Systeme
3.1

Lineare Gleichungen, Ungleichungen und Systeme

3.1.1 Lineare Gleichungen mit einer Variablen


Eine lineare Gleichung oder Gleichung 1. Grades ist eine algebraische Gleichung, in der die Variable
x in keiner hheren als der ersten Potenz verkommt. Die Gleichung
a + bx = 0,

a=0

heit allgemeine Form der linearen Gleichung.


Lsungsschritte:
Schritt 1: Subtraktion von a

Schritt 2: Division durch b = 0

Fr die Lsungsmenge gilt: L = {b/a}.


Beispiel 3.1.
1. Lsen von 9x + 10 = 1:

2. Lsen von (x + 4) 2 = 2(3x + 1):


(a) Ausen der Klammern: 2x + 8 = 6x + 2

(a) Addieren 10 auf beiden Seiten:


9x = 9

(b) Zusammenfassen: 6 = 4x

(b) Dividieren beider Seiten durch 9:


x = 1

(c) Dividieren beider Seiten durch 4:


x = 6/4 = 3/2

(c) Lsungsmenge: L = {1}.

(d) Lsungsmenge: L = {3/2}.

Grundstzlich sollte eine Probe durchgefhrt werden. Dabei ist jede Seite der Gleichung einzeln auszurechnen. Der berechnete Wert fr x sollte stets in die Ausgangsgleichung eingesetzt werden. Nach
Einsetzen der Lsung sollen nicht die gleichen Umformungen wie bei der Hauptrechnung vorgenommen
werden, da sonst leicht ein mglicher Fehler wiederholt werden kann.
Fehlerwarnung: Lsen von 2x = x:
Dividieren durch x ist nur fr x = 0 zulssig, Null ist aber hier gerde die Lsung. Richtig ist den Ausdruck
zu 2x x = 0 zusammenzufassen und x = 0 als Lsung zu erhalten.

3.1.2 Lineare Ungleichungen mit einer Variablen


Eine Ungleichung zu lsen bedeutet, alle Werte der Variablen aus dem zugrunde liegenden Zahlenbereich zu bestimmen, fr die die Ungleichung erfllt ist.
Alle diese Werte heien Lsungen der Ungleichung und alle Lsungen zusammen bilden die Lsungsmenge L der Ungleichung.
Eine lineare Ungleichung mit einer Variablen lsst sich durch quivalente Umformungen stets in eine der
folgenden vier Ungleichungen berfhren. Zustzlich sind die zugehrige Lsungsmenge angegeben
(Subtraktion von a, Division durch b > 0):
a + bx < 0,
a + bx > 0,

L = (, a/b)
L = (a/b, )

26

Durch die Wahl von bzw. wird der Punkt a/b teil der Lsungsmenge.
Beispiel 3.2. Lsen von (2x + 1) < 5:
1. Ausung der Klammer: 2x 1 < 5
2. Zusammenfassen: 0 < 2x + 6
3. Ausen nach x: 3 < x
4. Lsungsmenge: L = {x | x > 3} = (, 3).
Beispiel 3.3. Lsen von 3x + 4 5x:
1. Zusammenfassen: 4 2x
2. Ausen nach x: 2 x
3. Lsungsmenge: L = {x | x 2} = [2, ).
Alternative Rechnung:
1. Zusammenfassen: 2x 4
2. Ausen nach x (Division durch negativ Zahl 2, dadurch Wechsel des Relationszeichens): x 2
3. Lsungsmenge: L = {x | x 2} = [2, ).

3.1.3 Lineare Gleichungssysteme


Die Schwierigkeiten beim Bestimmen der Lsungen von Gleichungen werden noch grer, wenn nicht
nur eine Variable aus einer Bestimmungsgleichung errechnet werden soll, sondern wenn mehrere Variable mehrere Gleichungen gleichzeitig erfllen sollen.
Im Folgenden wird nur der Fall eines Systems von 2 Variablen und 2 Gleichungen betrachtet.
a11 x + a12 y = b1
a21 x + a22 y = b2

(3.1.1)

Die Lsung eines solchen Gleichungssystems umfasst alle Werte, die fr alle Gleichungen gleichzeitig
eine Lsung darstellen. Sie besteht im Fall von zwei Gleichungen und zwei Variablen aus einer Menge
von Wertepaaren.
Ein Gleichungssystem heit linear, wenn alle Gleichungen des Systems lineare Gleichungen sind. Ein
lineares Gleichungssystem (LGS) ist durch die Koefzienten der Variablen und durch die Absolutglieder
(die Terme, die die Variablen nicht enthalten) bestimmt.
Fr die Lsbarkeit eines LGS knnen drei Flle auftreten (vgl. Abb. 3.1):
das lineare Gleichungssystem hat keine Lsung,
das lineare Gleichungssystem hat genau eine Lsung,
das lineare Gleichungssystem hat unendlich viele Lsungen.
Es gibt verschiedene Methoden, solche LGS zu lsen. Die einfachsten Verfahren sind das Einsetzungsverfahren (Substitutionverfahren), das Additionsverfahren und das Gleichsetzungsverfahren.
Beispiel 3.4. Gleichung I: x y = 0 und Gleichung II: 2x + y = 2, vgl. Abb. 3.2

27

y0

I=II
x

x0
II

II
(b) unendlich viele Lsungen

(a) eindeutige Lsung (x0 , y0 )

(c) keine Lsung

Abbildung 3.1: Graphen des Systems zweier linearer Funktionen


y
2
II

I
1
x0

1
y0
1

2
Abbildung 3.2: Lsungsskizze fr das System I: x y = 0, II: 2x + y = 2
Einsetzungsverfahren
Eine der Gleichungen wird umgestellt, so dass eine der Variablen (z. B. y) einzeln auf einer Seite steht
und durch die ander Variable beschrieben wird.
Nun wird die manipulierte Gleichung in die zweite eingesetzt. Gleichung zwei ist nun nur noch von
einer Variablen abhngig und kann nach Umstellen wie gewohnt gelst werden.
Die erhaltene Lsung fr die zweite Variable wird nun in eine der Ausgangsgleichungen eingesetzt. Es
resultiert die zugehrige Lsung der ersten Variablen.
Beispiel 3.5. System aus Bsp. 3.4
Umstellen von II nach y: y = 2 2x (II)

Einsetzen von II in I: 0 = x (2 2x) = x + 2 + 2x = 3x + 2 (I)

Lsen von I: x = 2/3

Einsetzen von x in I: 2/3 y = 0 (I)


Lsen von I: y = 2/3
L = {2/3, 2/3}

28

Additionsverfahren
Das Vielfache einer Gleichung wird auf die zweite Gleichung so aufaddiert, dass eine der Variablen eliminiert werden kann. Die resultierende Gleichung hngt also nur noch von einer Variablen ab und kann
wie gewohnt gelst werden. Die erhaltene Lsung wird in eine der Ursprungsgleichungen eingesetzt, es
folgt die zugehrige Lsung fr die zweite Variable.
Beispiel 3.6. System aus Bsp. 3.4
II= II + (2) I: (2x + y) + (2) (x y) = 2 + (2) 0
Berechnen von II: 2x + y 2x + 2y = 3y = 2

Lsung: y = 2/3

Einsetzen in I: x + 2/3 = 0
Lsung: x = 2/3
L = {2/3, 2/3}

Gleichsetzungsverfahren
Die Gleichungen werden so umgestellt, dass die rechten Seiten identisch sind und nur eine Variable
enthalten. Das bedeutet, dass auch die linken Seiten identisch sein mssen. Diese werden gleich gesetzt
und die resultierende Gleichung gelst. Die Lsung wird in eine der beiden Ausgangsgleichungen
eingesetzt und diese gelst.
Beispiel 3.7. System aus Bsp. 3.4
Gleichung I+y: y = x (I)

Gleichung I2x: y = 2 2x (II)

Gleichsetzen von I und II: x = 2x 2


Umstellen: 3x = 2

Lsen: x = 2/3

Einsetzen von x in II: 2 (2/3) + y = 2


Lsen: y = 2/3

L = {2/3, 2/3}

3.1.4 Lineare Ungleichungssysteme


Als Erweiterung zu den linearen Ungleichungen mit einer Variable (Abschnitt 3.1.2) gibt es Systeme
von linearen Ungleichungen mit mehreren Variablen, hnlilch den LGS (Abschnitt 3.1.3). Diese Art von
Systemen wird z. B. bentigt, um Denitionsbereiche zu bestimmen. Auch bei Optimierugnsproblemen
spielen Ungleichungen eine wichtige Rolle.
Im folgenden werden nur die Systeme betrachtet, die aus zwei Ungleichungen bestehen und von zwei
Variablen abhngen
a11 x + a12 y
a21 x + a22 y

b1
b2

(3.1.2)

Anstelle von knnen natrlich auch die Symbole , < bzw. > platziert werden.
Eine graphische Lsung ist mglich, wenn statt der Ungleichungen die Gleichungen betrachtet und
als lineare Funktionen aufgetragen werden. Jede solche Funktion teilt die Ebene in zwei Hlften, in
der einen ist die Ungleichung erfllt, in der anderen nicht. Zr Prfung wird ein Punkt, der nicht auf
der Geraden liegt, in die Ungleichung eingesetzt und der Wahrheitswert geprft. Zum Schluss wird der
gltige Bereich markiert und vermerkt, ob die Geraden mit zur Lsungsmenge gehren, oder nicht.

29

Beispiel 3.8.
5
5x + 4y
x 2y

>

0
4

<

1, 25x
0, 50x + 2

=
=

y = 0, 5x + 2

Zugehriges LGS, umgestellt nach y:


y
y

y = 1, 25x

System umgestellt nach y:


y
y

1
x

1, 25x
0, 50x + 2

Ein mglicher Punkt, der in beide Ungleichungen eingesetzt werden kann, ist (0, 1):
?

5 0 + 4 1 < 0

0 2 1 > 4

4<0
falsche Aussage
(0, 1) Lsungsmenge
/

2 > 4
wahre Aussage
(0, 1) Lsungsmenge

Die orange Flche und der rote Rand bilden die Lsungsmenge.

3.2

Quadratische Gleichungen und Ungleichungen

3.2.1 Quadratische Gleichungen mit einer Variablen


vgl. Abschnitt 2.3.3.

3.2.2 Quadratische Ungleichungen mit einer Variablen


Im folgenden Abschnitt sollen Quadratische Ungleichungen der Form
f (x) = x2 + px + q > 0

(3.2.1)

gelst werden. Dazu gehren natrlich auch alle Ungleichungen mit <, oder statt >.
Zunchst werden die Nullstellen x1 , x2 von f (x) bestimmt, vgl. Abschnitt 2.3.3. Anschlieend wird eine
von den Nullstellen unabhngige Stelle gewhlt, diese wird in f eingesetzt und der Wahrheitswert der
Ungleichung (3.2.1) geprft. Die entstehende Lsungsmenge L ist ist abhngig vom Ungleichheitszeichen und der Wahl von p und q:
fr D < 0 (keine Lsung):

fr D = 0 (genau eine Lsung x1 ):

ganz R oder

die Stelle x1 oder

die leere Menge,

R\{x1 },

fr D > 0 (zwei Lsungen x1 , x2 ):


das Intervall zwischen den beiden Nullstellen (x1 , x2 ) oder
der Bereich auerhalb der beiden Nullstellen R\(x1 , x2 ) = (, x1 ] [x2 , ).
30

hnliches gilt fr Ungleichungen mit bzw. statt < bzw. >. Bei Betrachtung der Lsung mssen hier
offene und abgeschlossene Intervallgrenzen vertauscht werden.
Sollen die Schnittpunkte von zwei quadratischen Gleichungen bzw. von einer quadratischen Gleichung
mit einer linearen bestimmt werden, werden diese gleich gesetzt. Durch Umformung wird eine neue
(quadratische) Gleichung in Nullstellenform erzeugt und diese wie bisher gelst.
Beispiel 3.9. Seien f (x) = 0, 75x 0, 5 und g(x) = x2 0, 25x 2, 5. Es soll der Bereich bestimmt
werden, in dem g(x) f (x) gilt (also auch h(x) := g(x) f (x) 0).
Nullstellen bestimmen:
3

0 = h(x) = g(x) f (x)

y
g(x)

0 = x2 0, 25x 2, 5 (0, 75x 0, 5)

0 = x2 x 2

D = (1)2 4 (2) = 9 > 0

1
x1,2 =
(1) 9
2
1
= (1 3)
2
x1 = 1,
x2 = 2

x
3

1
1

f (x)

Test: h(x0 = 0) 0?

02 0 2 0
wahre Aussage
L = [1, 2]

3.3

Gleichungen und Ungleichungen mit Betrgen

3.3.1 Gleichungen mit Betrgen mit einer Variablen


Taucht in einer Gleichung ein oder mehr Betrge auf, ist es sinnvoll zunchst den Betrag allein auf eine
Seite des Gleichheitszeichens zu bringen. Es ergibt sich die Form
(3.3.1)

|f (x)| = g(x).
Nun wird die Denition der Betrge Gl. (2.3.1) (Abschnitt 2.3.2) beansprucht. Es folgt
g(x) = |f (x)| =

f (x),
f (x),

falls f (x) 0
falls f (x) < 0.

Es resultieren zwei Gleichungen mit einer Variablen und Nebenbedingungen. Diese sind unabhngig
voneinander zu lsen. Falls die Nebenbedingungen erfllt sind, ergibt die Vereinigung der Einzellsungen die Gesamtlsungsmenge L.
Beispiel 3.10. Es sei |x + 2| 3 = 4x gegeben und die Lsungemenge fr x gesucht. Nach Addition
von 3 folgt die Normalform (3.3.1) |x + 2| = 4x + 3
4x + 3 = x + 2,
4x + 3 = x 2,
x = 1/3,
x = 1,

falls x + 2 0
falls x + 2 < 0

3x = 1,
5x = 5,

falls x 2
falls x < 2

L = {1/3}
31

falls x 2
falls x < 2

Beispiel 3.11. |x 100| = 5 ist unlsbar, da der Betrag stets nicht negativ ist. Es kann jedoch auch
nachgerechnet werden.
5 = |x 100| =
x = 95,
x = 105,

x 100,
x + 100,

falls x 100 0
falls x 100 < 0

5 = x 100,
5 = 100 x,

falls x 100
falls x < 100

falls x 100
falls x < 100

3.3.2 Ungleichungen mit Betrgen mit einer Variablen


Natrlich gibt es auch Ungleichungen mit Betrgen. Hier wird, wie bei den Gleichungen zuerst eine
Normalform
|f (x)| < g(x)

erzeugt. Dabei muss natrlich gelten g(x) 0. Diese wird ebenfalls mit Hilfe der Denition des Betrages
aufgesplittet, dieses mal jedoch in zwei Ungleichungen. Diese werden wie in Abschnitt 3.1.2 gelst und
die Resultate mit den Nebenbedingungen abgeglichen.

32

4
Vektorrechnung
Das in Abbildung 4.1 dargestellte Fachwerk wird durch die Krfte F1 , F2 und F3 in der angegebenen
Weise belastet. Im Punkt A bendet sich das Festlager und in Punkt B das Gleitlager. Beim Aufbau des
Fachwerks kommt es zu einer Ausgleichsbewegung, der Punkt B bewegt sich entlang der xAchse, bis
sich ein Gleichgewicht einstellt. Daher wirkt im Punkt B lediglich eine Kraft in yRichtung. Wie gro sind
die Auagerkrfte FA und FB und deren Betrge |FA | und |FB | im statischen Gleichgewichtszustand?
a = 5m
|F1 | = 20 kN

= 30
|F3 | = 10 kN

b = 4m
|F2 | = 30 kN

F2

F1

a
FA

F3
a

x
Festlager A
b

4.1

2c

FB

Gleitlager B

b
b
b
Abbildung 4.1: Krfte am Fachwerk

Denition

Ein Vektor

x1
.
x= .
.

oder

x = (x1 , . . . , xn )

xn

ist mathematisch gesehen ein Tupel von n reellen Zahlen xi Rn (i = 1, . . . , n). In der Physik ist er
eine Gre mit Betrag und Richtung. Der physikalische Vektor ist ein Spezialfall des mathematischen:
es wird n = 2 oder n = 3 gewhlt.
Wird eine Kraft ausgebt, besitzt diese immer eine Richtung und einen Betrag. Damit kann sie als Vektor
dargestellt werden.
Als Koordinatensystem wird meist das kartesische gewhlt, bei dem alle Basisvektoren die Lnge Eins
besitzen und im rechten Winkel zueinander stehen
|x| = |y| = |z| = 1,

x y,
33

x z,

yz

Allgemein ist der Betrag eines Vektors x Rn deniert als


(4.1.1)

x2 + . . . + x2 .
n
1

|x| :=

Unteschied zwischen Punkt und Vektor:


Obwohl die Schreibweisen von Punkt und Vektor identisch sind, haben sie unterschiedliche Bedeutungen. Ein Punkt markiert eine bestimmte Stelle im Raum. Ein Vektor hingegen gibt Richtung und Lnge
an.
Wird die Differenz von zwei Punkten gebildet, so ist das Resultat ein Vektor.

Rechenregeln
Das Fachwerk soll sich im Gleichgewicht benden. Das bedeutet, dass sowohl die Summe der Krfte
als auch die Summe der Momente verschwinden mssen.
Um dies rechnerisch umsetzen zu knnen, muss die Summe von Vektoren deniert werden.
Mit Hilfe des Kreuzproduktes x y (Gl. (4.1.5)) lsst sich ein Vektor z bestimmen, der senkrecht auf
der Ebene steht, die von den Vektoren x und y aufgespannt wird. Der Betrag von z entspricht dem
Flcheninhalt des Parallelogramms mit den Seiten x, y
|x y| = |x| |y| sin ( (x, y)) .

Das Skalarprodukt von zwei Vektoren x, y ist Null, wenn diese Senkrecht aufeinander stehen.
Rechnen mit Vekoren x = (x1 , . . . , xn ) Rn bzs. y = (y1 , . . . , yn ) Rn und dem Skalar c R:

Addition:


x 1 + y1
y1
x1

. .
.
.
x+y = . + . =

.
.
.

Multiplikation mit Skalar:

x n + yn

yn

xn


c x1
x1
. .
cx=c . = .
.
.

xn

Skalarprodukt:

(4.1.2)

(4.1.3)

c xn


y1
x1
. .
x y = . . = x 1 y1 + + x n yn
.
.

xn

yn

= |x| |y| cos ( (x, y))

(4.1.4)

Kreuzprodukt


x 2 y3 x 3 y2
y1
x1
x y = x2 y2 = x3 y1 x1 y3
x 1 y2 x 2 y1
y3
x3

(4.1.5)

CauchySchwarzUngleichung:

|x y| |x| |y|

34

(4.1.6)

Bestimmung der Kraftvektoren:


Die Vektoren Fi wurden in Kilonewton (kN) gemessen. Die Maeinheiten werden jedoch bei den folgenden Rechnungen nicht mit angegeben.
Die Vektoren F1 und F3 weisen entlang einer der ausgezeichneten Richtungen x, y, z des kartesischen
Koordinatensystems, vgl. Abb. 4.1. Die Lnge, also der Betrag, wird durch eine einzige Komponente
realisiert. Zu beachten ist noch der Richtungssinn, der bei diesen Vektoren entgegen dem Koordinatensystem verluft, daher das negative Vorzeichen.

0
0
|F3 |
10
F1 = |F1 | = 20 ,
F3 = 0 = 0 .
0
0
0
0
Der Vektor F2 besitzt Komponenten in die Richtungen x und y, um hier die Zahlenwerte bestimmen zu
knnen, werden die trigonometrischen Funktionen (vgl. Abschnitt 1.5) bentigt


26
30 cos (30 )
|F2 | cos
F2 = |F2 | sin = 30 sin (30 ) 15 .
0
0
0

Wie in Abb. 4.1 angedeutet, weist FA in eine gemischt Richtung und FB entlang einer ausgewiesenen
Richtung

0
FAx
FB = FBy .
FA = FAy ,
0
0
Gleichgewichtsbedingung (Krfte):
Die Summe ber alle wirkenden Krfte muss Null ergeben.
FA + FB + F1 + F2 + F3 = 0



10
26
0
0
FAx
FAy + FBy + 20 + 15 + 0 = 0
0
0
0
0
0


FAx + 16
0
(4.1)
FAy + FBy 35 = 0
0
0

(4.1.7)

Bestimmung der Drehomente:


Wirkt eine Kraft F auf einen Hebelarm der Lnge r, dann ist das resuliterende Drehmoment
Mi = Fi ri ,
mit dem Kreuzprodukt (vgl. Gl. (4.1.5)). Die Maeinheit der hier gemachten Angaben ist fr r
Meter (m) und fr das Drehmoment Kilonewtonmeter (kNm).
Die Hebelarme ri sind die Richtungsvektoren zwischen dem Drehzentrum A und den Ansatzpunkten der
Krfte FB , F1 , F2 bzw. F3 . Um diese zu bestimmen, wird die Lnge c bentigt. Sie kann mit Hilfe des
Satzes von Pythagoras bestimmt werden (vgl. Abschnitt 1.5), beachte die unterschiedliche Beschriftung)
a 2 = b2 + c 2

c=

a 2 b2 =

25 16 = 9 = 3

In diesem Fall wird nur die positive Lsung genutzt, da es sich bei c um einen Abstand handelt.
35

Die Vektoren ri knnen durch Abgleich mit der Skizze (vgl. Abb. 4.1) erhalten werden.

b
4
r1 = c = 3 ,
0
0

12
3b
r3 = c = 3 ,
0
0


2b
8
r2 = 2c = 6 ,
0
0

16
4b
rB = 0 = 0 ,
0
0

Die zugehrigen Momente lauten also:




30

0
4

M1 = r1 F1 = 3 20 = 0 0
4 (20)
0
0

8
26
0
M2 = r2 F2 = 6 15 = 0 ,
0
0
276


12
10
0
M3 = r3 F3 = 3 0 = 0 ,
0
0
30



0
0
16
MB = rB FB = 0 FBy = 0
16 FBy
0
0


0
0 (20)
4 0 = 0 ,
80
30

Gleichgewichtsbedingung (Momente):
Die Summe ber alle wirkenden Momente muss Null ergeben.
M1 + M2 + M3 + MB = 0


0
0
0
0
0
0 + 0 + 0 + 0 = 0
0
16 FBy
30
276
80

0
0
= 0

0
0
326 + 16 FBy

Aus Gl. (4.1.7) und (4.1.8) resultieren die drei skalaren Bedingungen
FAx + 16 = 0
FAy + FBy 35 = 0

FAx = 16

16 FBy 326 = 0

FAy = 35 FBy

FBy = 20, 375


= 14, 625

Die Betrge der Auagekrfte sind mit Gl. (4.1.1) bestimmbar


FA =

2
2
FAx + FAy + 02 =

FB =

2
02 + FBy + 02 = FBy = 20, 375.

36

(16)2 + 14, 6252 = 21, 68

(4.1.8)

4.2

Geradengleichungen

In Abb. 4.2 ist zu sehen, wie auf dem Dach eine Antenne am Punkt Q angebracht ist. Die Antenne
weist 2,5 m senkrecht nach oben. Paralleles Licht (gelb) fllt in Richtung v auf die Antenne, sodass ein
Schatten auf dem Dach erscheint.
Welche Koordinaten hat die Spitze des Antennenschattens S?


2
10
v = 3, 5
Q = 4, 5 ,
2
5
P
y
Q
H

S
x

B
z

Abbildung 4.2: 3DAnsicht des Hauses

Ziel ist es eine Geradengleichung g fr den Lichstrahl zu nden, der die Antennenspitze streift. Auerdem
muss eine Gleichung fr die Dachebene E bestimmt und beide zum Schnitt miteinander gebracht
werden.

Punktrichtungsform einer Geraden


Fr die Punktrichtungsform einer Geraden g wird ein Ortsvektor p und ein Richtungsvektor v bentigt.
Ein Ortsvektor entsteht bei Subtraktion von Null von einem festen Punkt P
p = P 0.
Ausgehend vom Ortsvektor p wird eine Richtung v verfolgt und beim Durchlaufen des Parameters t R
eine Gerade erzeugt.

g : x = p + t v,

tR

Paramterform der Geraden:


Der Ortsvektor bezieht sich in dieser Aufgabe auf die Spitze der Antenne P :

10
0
10
0
P = Q + 2, 5 = 4, 5 + 2, 5 = 7
5
0
5
0
37

(4.2.1)

Der Ortsvektor lauter daher

10
p = P 0 = 7 .
5

Es resultiert die Paramterform

10
2
g : x = 7 + t 3, 5
5
2

(4.2.2)

4.2.1 ZweiPunktForm einer Geraden


Sind zwei Punkte P, Q gegeben, durch die die Gerde verlaufen soll, dann werden die beiden Ortsvektoren
p = P 0,
q =Q0
bentigt

g : x = p + t (q p) ,

tR

4.2.2 Normalform einer Geraden


Die Normalform einer Geraden bzw. Ebene kann nur aufgestellt werden, wenn das Bezugssystem
eine Dimension grer ist. Fr Geraden bedeutet das ein 2dimensionales und fr Ebenen ein 3
dimensionales Koordinatensystem.
Fr die Normalform einer Geraden g wird ein Normalenvektor n bentigt, dieser steht senkrecht auf g
und hat eine beliebige Lnge.
Im zweidimensionale Raum ist ein Normalenvektor n zum Vektor x:
x=

x1
x2

n=

g : n (x p) = 0,

x2
x1

P g

(4.2.3)

Der Vektor p ist dabei ein beliebiger Punkt auf der Geraden.

4.2.3 Hessesche Normalform einer Geraden


Die Hessesche Normalform (HNF) ist ein Spezialfall der Normalform, bei der der Normalenvektor die
Lnge 1 besitzt (|n| = 1).
Schreibweise: n0
Wurde bereits ein Normalenvektor n bestimmt, dann gilt fr den Normaleneinheitsvektor
n0 =

n
.
|n|

38

4.3

Ebenengleichungen

4.3.1 Punktrichtungsform einer Ebene


Bentigt wird ein Ortsvektor p und zwei linear unabhngige Vektoren v1 , v2 , die Richtungs- oder Spannvektoren.
E : x = p + s v1 + t v2 ,

s, t R

Fr die Ebenengleichung werden drei Punkte der Ebene bentigt. Einer davon ist Q, der Verankerungspunkt der Antenne auf dem Dach. Ein zweiter ist Punkt B aus dem ersten Teil der Aufgabe. Ein dritter
mglicher Punkt ist der Giebel H, ebenfalls in Abb. 4.1 ablesbar.



10
16
8

Q = 4, 5 = q,
B = 0 = b,
H = 6 = h
5
0
0
Eine Mglichkeit, die Richtungsvektoren zu bestimmen, ist folgende

6
2
v1 = b q = 4, 5
v2 = h q = 1, 5
5
5

Dann ist die Parameterform der Ebene



2
6
10
E : x = 4, 5 + s 4, 5 + t 1, 5 ,
5
5
5

s, t R.

4.3.2 DreiPunktForm einer Ebene


Liegen drei Punkte P , Q und R einer Ebene vor, mit den zugehrigen Ortsvektoren p, q und r, dann
gilt
E : x = p + s (q p) + t (r p)

Normalform einer Ebene


Zentrales Element ist auch hier wieder der Normalenvektor n, vgl. Abschnitt 4.2.2. Nur im dreidimensionalen Fall wird mit Hilfe der Gleichung
E : n (x p) = 0,

pE

eine Ebenengleichung angegeben.


Die Bestimmung des Normalenvektors erfolgt mit Hilfe der drei Punkte P , Q, R und damit der zugehrigen Ortsvektoren p, q, r. Eine Mglichkeit ist das Kreuzprodukt zu Hilfe zu ziehen
n = (q p) (r p) .

(4.3.1)

Eine andere Mglichkeit ist die Lsung eines nichtlinearen Gleichungssystems. Hieraus resultiert sogar

39

schon der Normaleneinheitsvektor n0 .


(q p) n = 0
(r p) n = 0
|n| =

n2 + n2 + n2 = 1
3
2
1

n2 + n2 + n2 = 1
1
2
3

Mit Gl. (4.3.1) folgt


n = (b p) (h p)

16
10
8
10
= 0 4, 5 6 4, 5
0
5
0
5


2
6
= 4, 5 1, 5
5
5

30
= 40
0

Bei Normalenvektoren geht es nicht um deren Lnge, sondern nur um die Richtung, daher darf der
Vektor skaliert werden:

3
30
3
40 = 10 4 4
0
0
0

Die Normalform lautet also zum Beispiel:




16
3
E : 4 x 0 = 0.
0
0

4.3.3 Hessesche Normalform einer Ebene


Analog zu Abschnitt 4.2.3 ist die Hessesche Normalform der Ebene ein Spezialfall der Normalform mit
dem Normalenvektor n0 und |n0 | = 1.
Fr die Hessesche Normalform muss der Normalenvektor n noch normiert werden


3
3
n
1
1
4 .
n0 =
=
4 =
|n|
5
32 + 42 + 02
0
0
Dann gilt fr die Hessesche Normalform


16
3
1
4 x 0 = 0
E:
5
0
0

40

(4.3.2)

Der Schnittpunkt S der Geraden g (Gl. (4.2.2)) mit der Ebene E (Gl. (4.3.2)) wird durch Einsetzen von
g in E bestimmt:


3
10
2
16
1
E(g) : 4 7 + t 3, 5 0 = 0
5
0
5
2
0

3
6 + 2t
1
4 7 3, 5t = 0
5
0
5 2t
1
(18 + 6t + 28 14t) = 0
|5
5
10 8t = 0
| + 8t
8t = 10
|:8
t = 1, 25

Der erhaltene Paramteter t wird wiederum in g eingesetzt, um den Schnittpunkt S zu erhalten


10
2
S = g(t = 1, 25) = 7 + 1, 25 3, 5
5
2

10
2, 5
= 7 + 4, 375
5
2, 5

12, 5
= 2, 625
7.5

4.4

Weitere Aufgaben

1. Ein Unternehmen hat zwei Fabriken, die als Output drei verschiedene Gter produzieren. Die
gesamte Arbeitskraft ist fest. Wenn ein Anteil der Arbeitskraft der ersten Fabrik und der Anteil
1 (mit 0 1) der zweiten Fabrik zugewiesen wird, so ist der gesamte Output der drei
Gter gegeben durch den Vektor



6 + 2
2
8
4 + (1 ) 6 = 2 + 6 .
6 + 10
10
4
(a) Ist es dem Unternhmen mglich, einen der zwei Outputvektoren a = (5, 5, 7)T und b =
(7, 5, 5)T zu produzieren, wenn kein Output vernichtet werden darf?
(b) Wie ndern sich Ihre Antworten, wenn Output vernichtet werden darf?
(c) Wie wird die den Erls maximierende Wahl des Anteils von dem Verkaufspreis (p1 , p2 , p3 )
dieser drei Gter abhngen? Welche Bedingung mssen die Preise erfllen, damit beide
Fabriken in Betrieb bleiben sollen?

2. In dem in Abb. 4.3 dargestellten Dreibein, dessen Stbe gelenkig gelagert sind, greift im Gelenk S eine Gewichtskraft G vom Betrag |G| = 18 kN an. Welche Reaktionskrfte (Zug- bzw.
Druckkrfte) FA , FB und FC treten in den drei Stben auf?




2
1
1
0
A = 1 ,
B = 1 ,
C = 2 ,
S = 0
0
0
0
2
41

Lsungshinweis: Setzen Sie die Reaktionskrfte in der aus Abb. 4.3 ersichtlichen Weise zunchst
als Zugkrfte an. Das Eigengewicht der Stbe bleibt unbercksichtigt.
z

S
FC
G

FB

FA
C
O

A
Abbildung 4.3: Dreibein

3. Ein Bauunternehmen hat einen Auftrag fr mehrere Huser von drei verschiedenen Typen: 5 vom
Typ A, 7 vom Typ B und 12 vom Typ C. Schreiben Sie einen 3dimensionalen Vektor x, dessen
Koordinaten die Anzahl der Huser von jedem Typ angeben. Nehmen Sie an, dass fr Huser
vom Typ A je 20 Einheiten Holz gebraucht werden, fr Typ B je 18 Einheiten und fr Typ C
je 25 Einheiten. Schreiben Sie einen Vektor u auf, der die verschiedenen Holzmengen angibt,
die fr je ein Haus von jedem der drei Typen A, B und C bentigt werden. Bestimmen Sie die
Gesamtmenge an Holz, die bentigt wird, indem Sie das innere Produkt u x berechnen.
4. Ein Unternehmen produziert nichtnegative Outputmengen z1 , z2 , . . . , zn von n verschiedenen
Gtern und benutzt als Input die nichtnegativen Mengen x1 , x2 , . . . , xn derselben n Gter.
Konkret produziert das Unternehmen zwei Gter: dabei wird das zweite Gut als Input genutzt und
das erste ist der Output. Sein NettoOutputvektor y = z x ist (2, 1). Der Preisvektor p ist
(1, 3). Bestimmen Sie
(a) den Outputvektor z und den Inputvektor x

(d) den Wert des NettoOutputs n

(b) dei Kosten k

(e) den Gewinn oder Verlust des Unternehmens.

(c) die Einnahmen e

Lsungen
1.

(a) Wenn kein Output vernichtet werden darf, kann der Outputvektor a mit = 1/2 produziert
werden. Der Outputvektor b ist nicht produzierbar.
(b) Wenn Output vernichtet werden darf, ist b trotzdem nicht produzierbar.
(c) f () = (6p1 2p2 6p3 ) + 2p1 + 6p2 + 10p3 max
Die Funktion f () = m + n ist linear. Damit beide Fabriken bestehen bleiben, muss
m = 6p1 2p2 6p3 = 0
gelten. Fr m > 0 lge das Maximum bei = 1 und fr m < 0 lge das Maximum bei
= 0.
42

2. Die Stabkrfte sind Druckkrfte mit (Angaben in kN)

FA

|FA |

2
1,
2
3,

FB

|FB |

5
5,
10
12, 25,

FC

|FC |

3
6,
6
9.

3. x = (5, 7, 12), u = (20, 18, 25), u x = 526


4.

(a) Da das erste Gut nur als Output dient und das zweite nur als Input gilt
z = s (1, 0),

x = t (0, 1),

s, t R.

Wegen y = (2, 1) gilt x = (0, 1) und y = (2, 0).

(b) Die Kosten ergeben sich als Produkt von Preis der Gter und Anzahl des Inputs (k = (1, 3)
(0, 1) = 3).
(c) Die Einnahmen ergeben sich als Produkt von Preis der Gter und Anzahl des Output (e =
(1, 3) (2, 0) = 2).

(d) Der Wert des NettoOuputs

43

5
Folgen und Reihen
Zu Jahresbeginn wird ein Kredit in Hhe von 125 000 e ausgereicht. Beginnend mit Ende des gleichen
Jahres soll durch Zahlung von jhrlich nachschssigen Raten jeweils gleicher Hhe die Tilgung des
Kredits nach 25 Jahren abgeschlossen sein. Wie hoch mssen die Raten sein, wenn jhrliche Verzinsung
mit Zinseszins bei einem Zinssatz von 4 % vereinbart wird?
Um die Aufgabe zu bearbeiten werden die beiden Zahlungsstrme
1. Einmalzahlung K0 = 125 000 e zur Zeit k = 0
2. 25 Raten jeweils zu den Zeiten k = 1, . . . , 25 der noch zu bestimmenden Hhe r
getrennt betrachet. Das quivalenzprinzip verlangt die Gleichheit der Endwerte beider Zahlungsreihen
nach 25 Jahren im entsprechenden Zinsmodell, das ist hier die Verzinsung mit Zinseszins mit Zinssatz
i = 4 % = 0, 04, d. h. mit Aufzinsungsfaktor p = i + 1 = 1, 04. Der Endwert der 2. Zahlungsreihe ergibt
sich als Summe der Endwerte von 25 Einmalzahlungen der Hhe r mit einer Laufzeit von 25 k Jahren,
k = 1, . . . , 25. Mit n = 25 resultiert allgemein:
K0 pn = r pn1 + r pn2 + + r p1 + r.

5.1

(5.0.1)

Folgen

5.1.1 Denition Folge


Sei eine beliebige Menge M und eine Zuordnungsvorschrift gegeben, dann wird die entstehende Menge {a0 , a1 , a2 , . . . , ai , . . .} eine Folge genannt.
Sind die Glieder a0 , a1 , a2 . . . , ai , . . . Zahlen, also M = R, so wird von einer Zahlenfolge gesprochen.
Andere Beispiele sind: M = Rn eine Folge von Vektoren oder fr M = {A, B, . . . , Z} eine Folge von
Grobuchstaben. Alle hier folgenden Aussagen beziehen sich auf Zahlenfolgen.
Die Folgen
{ak }i = {a0 , a1 , . . . , ai }, i <
k=0

bzw.

{ak } = {ak }kN = {a1 , a2 , . . .}


k=0

heien endliche bzw. unendliche Zahlenfolge.


Die einzelnen Zahlungen des zweiten Zahlungsstroms knnen als endliche Folge betrachtet werden.
Sinnvoll ist es hierbei die Summe rckwrts zu betrachten
Z0 = r
Z 1 = r p1
.
.
.
Zn1 = r p

n1

Z k = r pk ,

k = 0, . . . , n 1

(5.1.1)

Das Symbol k heit Index, ak heit ktes Glied der Folge und ak+1 heit Folgeglied oder nachfolgendes
Glied von ak .
44

Es kann aber auch jeder andere Startindex gewhlt werden. Statt einer Aufzhlung aller (bei endlich
vielen) oder der ersten Glieder der Folge ist es oft vorteilhafter und prziser eine Folge durch ein
Bildungsgesetz oder eine Bildungsvorschrift zu charakterisieren. Man unterscheidet dabei:
implizite Bildungsvorschrift: sie gibt an, wie das Glied ak+1 aus ak erzeugt werden kann, bei einem
Startwert a0 ,
Beispiel 5.1. ak+1 = 2ak + 3, a0 = 0
{0, 3, 9, 21, 45, . . .}
explizite Bildungsvorschrift: sie gibt an, wie jedes beliebige Glied der Folge direkt berechnet werden
kann, bei einem Startwert a0 ,
Beispiel 5.2. ak = k 2 , a0 = 0
0, 1, 4, 9, . . .
Beispiel 5.3. Darstellungsformen unendlicher Zahlenfolgen durch
Aufzhlung: Folge der Quadratzahlen {ak }kN = {0, 1, 4, 9, 16, 25, . . .}
Wertetabelle: Zuordnung von Kapital auf einem verzinsten Konto jeweils am Ende des nten
Jahres.
0

100,00 e

105,00 e

110,25 e

115,76 e

121,55 e

127,62 e

explizite Bildungsvorschrift:
Folge der geraden Zahlen: ak = 2k, k N
{0, 2, 4, 6, . . .}

Folge der ungeraden Zahlen: ak = 2k + 1, k N


{1, 3, 5, 7, . . .}
Folge der Zweierpotenzen: ak = 2k , k N
{1, 2, 4, 8, . . .}

weitere Folge: an =

3k2 4

,
k

k N \ {0}

5.1.2 Vergleich von Folgen, Funktionen und Mengen


Zusammenhang zwischen Folgen und Funktionen
Zahlenfolgen sind Funktionen, deren Denitionsbereich die Menge der natrlichen Zahlen ist, also X =
N. Die explizite Bildungsvorschrift einer Zahlenfolge ist dabei der Funktionsgleichung einer Funktion
gleichzusetzen.
Beispiel 5.4. Die lineare Funktion f (x) = 1/2x2 hat gewhnlich den Denitionsbereich X = R (siehe
Abb. 5.1a). Wird nun der Denitionsbereich auf die natrlichen Zahlen X = N eingeschrnkt und
f (k) := ak deniert, so folgt die Zahlenfolge {a0 , a1 , . . .} mit der Zuordnungsvorschrift ak = 1/2 k 2
(siehe Abb.5.1b).
Abbildung 5.1b zeigt, dass der Graph einer Zahlenfolge stets aus einzelnen Punkten besteht und keine
durchgezogenen Linie darstellt!

45

1
x

2 1
1

x
2 1
1

(a) Graph der Funktion

(b) Graph der Folge

Abbildung 5.1: Vergleich Funktion und Folge


Unterschiede zwischen Folgen und Mengen
Auch wenn die Schreibweise einer Zahlenfolge hnlich zu der einer Menge ist, so gibt es doch zwei
entscheidende Unterschiede zwischen Mengen (vgl. Kapitel A) und Folgen:
Bei Mengen spielt die Reihenfolge der Aufzhlung der Elemente keine Rolle. Fr Folgen ist die
Reihenfolge jedoch mageblich.
In einer Menge kann tritt jedes Element genau einmal auf. Eine Folge hingegen kann ein Element
beliebig oft enthalten.
Beispiel 5.5. Gegeben seien zwei Mengen und zwei Folgen mit den Elementen 1 und 3.
Die Mengen A = {1, 3} und B = {3, 1} sind identische Mengen.
Die Folgen {ak } = {3, 1, 3, 1, 3, . . .} mit ak = 2 + (1)k , k N und {bk } = {1, 3, 1, 3, 1, . . .}
k=0
k=0
mit bk = 2 + (1)k1 , k N sind hingegen verschiedene Folgen.

5.1.3 Grenzwert einer Folge


Eine Zahl a heit Grenzwert der Zahlenfolge {ak } , wenn fr jede reelle Zahl > 0 ein Index k0
k=0
existiert, so dass alle Glieder an der Folge mit einem Index k > k0 einen Abstand kleiner als von a
haben:
> 0 k0 N :
a ak a + ,
k k0 , k N.

Der Abstand kann beliebig klein sein, d. h., dass die Folgeglieder ab dem Index k0 beliebig nah am
Grenzwert a liegen mssen. Da der Index vom gewhlten abhngt, wird auch k0 () geschrieben.
Besitzt eine Zahlenfolge einen Grenzwert, so heit sie konvergent.

Schreibweise:
lim ak = a

Die Folge ak konvergiert fr k gegen unendlich gegen a.


Der Grenzwert einer Zahlenfolge ist eindeutig. Eine Zahlenfolge kann nicht mehrere Grenzwerte besitzen.
Eine Zahlenfolge, die keinen Grenzwert besitzt, heit divergent. Eine Zahlenfolge {ak } heit bek=0
stimmt divergent gegen , wenn fr jede noch so groe Zahl C > 0 ein Index k0 := k0 (C) existiert,
sodass
ak > C,
k k0
46

gilt. Das heit, die Glieder der Folge wachsen ber jede Schranke C hinaus. Entsprechend heit eine
Zahlenfolge mit ak < C, k k0 , C R bestimmt divergent gegen .
Anders als bei Funktionen wird immer das Verhalten fr n gegen unendlich betrachtet. Eine Folge kann
daher nicht zwischendurch gegen unendlich streben und spter gegen einen Grenzwert.

5.1.4 Rechnen mit Grenzwerten


Seien zwei konvergente Zahlenfolgen {ak }kN und {bk }kN mit den Grenzwerten lim ak = a und
k

lim bk = b gegeben. Dann gelten folgende Grenzwertstze:

lim (ak bk ) = a b
k

lim (ak bk ) = ab
k

lim

ak/bk

= a/b falls b = 0 und bk = 0, k N

Einige wichtige Grenzwerte, die bekannt sein sollten (fr eine Konstante c R, b R, b 0):
1
=0
k k

lim k c = 1

lim c = c

lim

lim 1 +
k

lim

lim 1 +

k=1

1 k
k

=e

c k
k

= ec , vgl. Abschnitt 2.3.6

Beispiel 5.6. Ausgehend von obigen Rechenregeln und der Kenntnis einiger Grenzwerte lassen sich
Grenzwerte fr weitere Folgen berechnen, beispielsweise so:
lim

1
= lim
k
k2

1 1

k k

= lim

1
1
lim
=00=0
k k k

lim 4
4k
4k
k
= lim
=
k k + 1
k k(1 + 1 )
lim 1 + lim
k
lim

1
k k

4
=4
1+0

5.1.5 Eigenschaften von Folgen Beschrnktheit und Monotonie


Eine Zahlenfolge {ak }kN heit
nach oben beschrnkt, wenn es ein Konstante Co R gibt, fr die gilt ak Co , k N
nach unten beschrnkt, wenn es ein Konstante Cu R gibt, fr die gilt ak Cu , k N
beschrnkt, wenn sie nach oben und nach unten beschrnkt ist. Anders formuliert: wenn eine
Zahl C > 0 existiert fr die C ak C, k N gilt.
Anschaulich bedeutet dies, dass die Folge den rot markierten Bereich in Abb. 5.3 nicht verlsst, weder
nach oben noch nach unten.
Eine Zahlenfolge {ak }kN heit
monoton wachsend, wenn ak < ak+1 , k N
47

1
x
1

(a) konvergente Folge, lim ak = 1

(c) divergente Folge

y
6
5

5
x
1

(b) bestimmt divergente Folge gegen +

(d) bestimmt divergente Folge gegen

Abbildung 5.2: Konvergenz und Divergenz an Beispielfolgen


monoton fallend, wenn ak > ak+1 , k N
monoton nicht wachsend, wenn ak ak+1 , k N
monoton nicht fallend, wenn ak ak+1 , k N
Zum Teil werden auch die Begriffe streng monoton wachsend/ fallend verwendet, falls die Gleichheit
ausgeschlossen wird, und monoton wachsend/ fallend falls die Gleichheit gilt (vgl. Abschnitt 2.2). Es ist
also zu beachten, welche Formulierung im konkreten Fall genutzt wird.
Zum Test auf Monotonie wird die Ungleichung ak > ak+1 bzw. ak < ak+1 so lange umgeformt, bis
eine wahre oder falsche Aussage entsteht.
Beispiel 5.7. Beispielfolgen mit unterschiedlichen Eigenschaften:
Jede konvergente Zahlenfolge ist beschrnkt.
Die Umkehrung der vorigen Aussage gilt nicht! Nicht jede beschrnkte Folge ist automatisch konvergent! Siehe dazu Abb. 5.4a blau.

48

y
3
2
1
x
1

Abbildung 5.3: Beschrnktheit einer Zahlenfolge


y

1
x
1

(a) beschrnkte Folgen

(b) nicht beschrnkte Folgen

Abbildung 5.4: Beschrnktheit, Monotonie und Konvergenz; monotone Folgen in rot und nicht monotone in blau; die einzige konvergente Folge ist die rote in Abb. 5.4a

Jede monotone und beschrnkte Zahlenfolge ist konvergent.


Betrachte zu einer Folge {ak } die zugehrige Folge {|ak |}. Ist diese neue Folge monoton und beschrnkt, dann ist auch die ursprngliche Folge konvergent.

5.1.6 Spezielle Zahlenfolgen


Einige Zahlenfolgen haben aufgrund ihrer speziellen Form bzw. ihrer besonderen Bedeutung in der
Anwendung eigene Namen.
Konstante Folgen sind Folgen {ak }kN , deren Glieder alle gleich sind. Solche Folgen sind stets monoton nicht wachsend und nicht fallend zugleich, beschrnkt und daher konvergent. Es gilt (c R):
ak = c,

k N

lim ak = c.

Alternierende Folgen sind Zahlenfolgen, deren Glieder abwechselnd das Vorzeichen wechseln. Eine
typische alternierende Folge ist die Folge mit der Bildungsvorschrift ak = (1)k .
Die Folgen {ak }kN mit ak = (1)2k oder ak = (1)k + 4 hingegen sehen zwar hnlich aus, sind
jedoch keine alternierenden Folgen, da sich die Vorzeichen nicht ndern.
Nullfolgen sind Zahlenfolgen {ak }kN mit dem Grenzwert Null, d. h. lim ak = 0. Da sie einen Grenzk

wert besitzen, sind Nullfolgen stets konvergent. Fr die Berechnung von Grenzwerten und Reihen sind
Nullfolgen von besonderer Bedeutung.
Beispiel 5.8. Beispiele fr Nullfolgen:

49

1. ak =

1
1
=
k!
k (k 1) 2 1

1
= 0, 5k
2k

3. ak = k 4 1

2. ak =

y
3

1
x
1

Abbildung 5.5: verschiedene Nullfolgen: blau

1
1
, rot k , grn k 4 1
k!
2

Harmonische Folge nennt man die Folge der Kehrwerte der natrlichen Zahlen, {ak }kN mit ak = 1/k.
Die harmonische Folge ist eine Nullfolge.
Arithmetische Zahlenfolgen
Arithmetische Zahlenfolgen sind Folgen, bei denen die Differenz d zwischen zwei aufeinanderfolgenden
Gliedern immer konstant ist. Es gilt also:
ak+1 ak = d,
ak+1 = ak + d

k N
(rekursive Bildungsvorschrift).

Nach Zusammenfassen dieser Eigenschaft lsst sich fr arithmetische Folgen die explizite Bildungsvorschrift formulieren:

ak = a0 + kd
ak = a1 + (k 1)d

falls die Folge mit dem Index k = 0 startet,


falls die Folge mit dem Index k = 1 startet.

Mit dieser expliziten Bildungsvorschrift lsst sich jedes Glied der Folge sofort aus der Differenz d und
dem Startglied a0 berechnen.
Eigenschaften:
d = 0: konstante Folge, beschrnkt (durch das Startglied)
konvergent.
d > 0: monoton wachsend, nicht beschrnkt
bestimmt divergent gegen +.
d < 0: monoton fallend, nicht beschrnkt
bestimmt divergent gegen .
50

Beispiel 5.9. Arithmetische Folgen sind vergleichbar mit linearen Funktionen.


1. ak = 1/2 + 1/2 k; Startindex: k = 0; d = 1/2; a0 = 1/2 (vgl. Abb. 5.6 blau)
2. ak = 3, 5 0, 6k; Startindex: k = 0; d = 0, 6; a0 = 3, 5 (vgl. Abb. 5.6 rot)
y
4
3
2
1
x
1

Abbildung 5.6: verschiedene arithmetische Folgen: blau d > 0, rot d < 0

Geometrische Zahlenfolgen
Geometrische Zahlenfolgen sind Folgen, bei denen der Quotient q zweier aufeinanderfolgender Glieder
konstant ist. Es gilt also:
ak+1
,
ak
= ak q

q=
ak+1

(5.1.2)

k N
(rekursive Bildungsvorschrift).

(5.1.3)

n1
Die aufeinander folgenden Glieder der Folge {Zk }k=0 des zweiten Zahlungsstroms unterscheiden sich
um den Faktor p. Es gilt
(5.1.2) Zk+1 (5.1.1) r pk+1
= p.
q :=
=
Zk
r pk
n1
Die Folge {Zk }k=0 ist also eine geometrische Folge mit

a0 = Z0 = r.
Ein Glied der Folge lsst sich folglich aus dem vorhergehenden durch Multiplikation mit q ermitteln.
Die explizite Bildungsvorschrift lautet:

ak = a0 q k

ak = a1 q

k1

falls die Folge mit dem Index k = 0 startet


falls die Folge mit dem Index k = 1 startet

Konvention: q = 0 und a1 = 0 bzw. a0 = 0.


Hug treten solche Folgen bei Wachstumsprozessen auf, beispielsweise bei Bakterienkulturten, Sparguthaben durch Verzinsung oder auch beim radioaktiven Zerfall.

51

Eigenschaften:
q = 1: konstante Folge monoton nicht wachsend und fallend, beschrnkt

konvergent

q > 1: nicht beschrnkt


a0 > 0: monoton wachsend

bestimmt divergent gegen +

a0 < 0: monoton fallend

bestimmt divergent gegen

0 < q < 1: beschrnkt


a0 > 0: monoton fallend

Nullfolge

a0 < 0: monoton wachsend

Nullfolge

1 < q < 0: beschrnkt, alternierend

Nullfolge

q < 1: alternierend, nicht beschrnkt

divergent

q = 1: alternierend, beschrnkt

divergent

Konvergente geometrische Folgen sind also entweder konstant oder Nullfolgen.


Mit
q = p = 1, 04 > 1
und a0 = r > 0 ist die Folge

n1
{Zk }k=0

also monoton wachsend.


lim q k = 0,

|q| < 1

Beispiel 5.10. Beispiele fr geometrische Folgen:


1. ak = 2k , Startindex: k = 0, q = 2, a0 = 1
2. ak = 2/3k , Startindex: k = 0, q = 1/3, a0 = 2
3. ak = 4(3/5)k1 , Startindex: k = 1, q = 3/5, a1 = 4

5.2

Reihen

5.2.1 Denition Partialsumme und Reihe


Sei {ak } eine Zahlenfolge. Dann heit die Aufsummierung aller Glieder einer Folge bis zum Index
k=0
n, geschrieben
n

sn =
k=0

ak = a1 + a2 + + an ,

nte Partialsumme der Zahlenfolge {ak } . Die Partialsumme ist eine reelle Zahl.
k=0
Die rechte Seite aus Gl. (5.0.1) stellt die Summe ber den Folgenwerten aus (5.1.1) dar. Diese Summe
ist also eine Reihe
n1

rp

n1

+rp

n2

+ + r p + r = r + r p + + r p

52

n2

+rp

n1

=
k=0

r pk .

y
1

y
x
1

(a) Geometrische Folgen mit 0 < q < 1 (blau) und


3
1 < q < 0 (rot)

x
1

(c) Geometrische Folge mit q > 1

(b) Geometrische Folge mit q = 1

Abbildung 5.7: verschiedene Geometrische Folgen


Wird aus den nten Partialsummen eine Folge {sn } gebildet, so heit die Folge der Partialsummen
n=0
Reihe. Konvergiert diese Folge gegen eine Zahl s, so heit s Summe der Folge {ak } oder Grenzwert
k=0
der Reihe.
Schreibweise:

s = lim sn = lim
n

ak =:

ak

k=0

k=0

Dementsprechend heit eine Reihe mit einem Grenzwert konvergent, andernfalls divergent. Fr Reihen
gelten ebenso die Begriffe bestimmt divergent gegen .
Damit eine Reihe konvergiert, mssen ihre Glieder eine Nullfolge bilden.
Der Ausdruck

ak ist zum Einen der Wert bzw. Grenzwert einer Reihe, zum Anderen wird er aber

k=0

auch verwendet, um die Reihe als Partialsummenfolge zu benennen.


IndexVerschiebung: Manchmal ist es zweckmig den Laundex k der Summe zu verschieben. Wichtig
ist, bei Verschiebung der Indizes den Wert der Summe nicht zu verndern.
Verschieben des Startindex:
n+l

akl

ak =
k=m+l

k=m

Erweitern der Reihe um Glieder, die danach wieder abgezogen werden mssen:

k=5

ak =

k=1

53

ak

ak
k=1

(5.2.1)

Indexverschiebung:
n1

n1

k=0

r pk =

k=0

(5.2.1)

Zk =

Zk1 =
k=1

k=1

r pk1

(wird bei den weiteren Rechnungen nicht bentigt)

5.2.2 Spezielle Reihen


Analog zu den speziellen Folgen gibt es auch spezielle Reihen mit eigenen Namen.
Alternierende Reihen
Ist die Folge ak eine alternierende Folge, so wird

ak eine alternierende Reihe genannt, vgl. Ab-

k=0

schnitt 5.1.6. Eine solche Reihe konvergiert, wenn {|ak |}kN eine Nullfolge ist.
Harmonische Reihe

Die Harmonische Reihe ist die Reihe basierend auf der Harmonischen Folge:

k=1

obwohl die zugehrige Folge eine Nullfolge ist.


Die alternierende Harmonische Reihe

k=1

(1)k
k

1
k.

Sie ist divergent,

hingegen ist konvergent.

Arithmetische Reihen
Fr eine arithmetische Folge {ak }kN = {a0 , a1 , a2 , . . .} lautet die nte Partialsumme
n

sn =
k=0

Die zugehrige arithmetische Reihe

(a0 + (k 1)d) = na0 +

k=0

n(n 1)d
.
2

(a0 + (k 1)d) ist stets bestimmt divergent (auer fr den

trivialen Fall a0 = d = 0). Fr d > 0 ist sie bestimmt divergent gegen +, fr d < 0 bestimmt divergent
gegen . Fr d = 0 resultiert eine konstante Folge und somit die Reihe
Vorzeichen von a0 bestimmt divergent gegen + oder ist.

a0 , die abhngig vom

k=0

Geometrische Reihen
Fr eine geometrische Folge {ak }kN = {a0 , a1 , a2 , . . .} lautet die nte Partialsumme
n

sn =
k=0

Die zugehrige geometrische Reihe

a0 q k = a0

k=0

q n+1 1
,
q1

q = 1.

a0 q k1 konvergiert fr |q| < 1. Ihr Wert ist

54

(5.2.2)

a0 q k = a0

k=0

1
,
1q

q = 1.

Fr q 1 ist die Reihe bestimmt divergent gegen +. Fr q 1 divergiert die Reihe unbestimmt.
n1
Wie in Abschnitt 5.1.6 festgestellt, ist die Folge {Zk }k=0 eine geometrische. Daher ist
n1

n1

Zk =
k=0

k=0

r pk

eine endliche geometrische Reihe, mit p = q = 1. Daher gilt fr die Partialsumme sn1 (beachte den
abweichenden Endwert der Summe)
(5.2.2)

sn1 = r

pn 1
.
p1

(5.2.3)

Gleichung (5.0.1), die aus dem quivalenzprinzip folgte


K0 pn = r pn1 + r pn2 + + r p1 + r
pn 1
(5.2.3)
= r
p1
muss nach r umgestellt werden, weil dies die gesucht Gre ist
r = K0 pn

p1
.
pn 1

Mit den konkreten Daten n = 25, p = 1, 04, K0 = 125 000 e ergibt sich
r = 125 0001, 0425
= 8 001, 50

0, 04
1, 0425 1

Es sind also jhrlich nachschssig 25 Raten in Hhe von 8 001, 50 e zu zahlen, um die Schuld von
125 000 e zu tilgen.

5.3

Weitere Aufgaben

1. ber eine Bakterienkultur ist bekannt, dass die tgliche Wachstumsrate 6 % betrgt, jedoch sterben auch tglich 150 Bakterien durch Umwelteinsse. Zu Beginn bestand die Kultur aus 2 000
Bakterien. Wieviele Bakterien leben am nten Tag nach Start der Beobachtungen?
2.

(a) Als Mr. Barnes starb, erhielt seine Witwe 2/3 seines Vermgens, 1/4 teilten sich seine Kinder
und der Rest, 100 000 e ging an eine wohlttige Organisation. Wie gro war das Vermgen
von [Link]?
(b) Wenn die Witwe ihren Anteil zu 3 % Zinsen mit Zinseszins anlegt, wieviel Geld hat sie dann
nach 10 Jahren?
(c) Wann erfolgt eine Verdreifachung des eingezahlten Geldes?

55

3. Eine bestimmte Menge m0 einer organische Substanz sei in Wasser gelst und soll mit Benzen
extrahiert werden. Nach Zugabe des Benzens ergibt sich im Gleichgewichtszustand der Verteilungskoefzient k = c1/c2 = 0, 653 (c1 Konzentration des Stoffes in Wasser, c2 Konzentration in
Benzen).
(a) Wie oft muss man 200 ml der wssrigen Lsung mit jeweils 200 ml Benzen extrahieren, um
97 % der Substanz aus der wssrigen Lsung zu entfernen?
(b) Wie oft msste man mit jeweils 100 ml Benzen extrahieren, um dieselbe Abreicherung zu
erhalten?

Lsungen
1.
an+1 = 1, 06 an 150,
n+1

an+1 = 1, 06

2 000 150 (1 + 1, 06 + + 1, 06n )

= 1, 06n+1 2 000 150


2.

a0 = 2 000
1, 06n+1 1
1, 06 1

(a) Mr. Barnes hatte insgesamt 1 200 000 e. Der Anteil der Witwe betrgt 800 000 e und der der
Kinder 300 000 e.
(b) Die Witwe erhlt nach angegebenem Modell nach 10 Jahren 1 075 133, 10 e.
(c) Die Verdreifachung erfolgt nach 38 Jahren.

3.

(a) Es mssen n = 4 Extraktionen durchgefhrt werden, weil


n

ln 0, 03
ln 0, 03
=
= 3, 775 483.
ln
ln 0, 395 039

(b) Es mssen n = 7 Extraktionen durchgefhrt werden, weil


n

ln 0, 03
ln 0, 03
=
= 6, 209 910.
ln
ln 0, 566 348

56

6
Differentialrechnung
Abbildung 6.1 zeigt einen vernderlichen Verbraucherwiderstand Ra , der von einer Spannungsquelle
mit der Quellenspannung U0 und dem Innenwiderstand Ri gespeist wird. Bei Kurzschluss (Ra = 0) und
Leerlauf (Ra ) erfolgt keine Leistungsaufnahme. Dazwischen gibt es fr den Verbraucherwiderstand
Ra einen Wert, bei dem er die grtmgliche Energie aufnimmt, die sogenannte Leistungsanpassung.
Bestimmen Sie diesen Extremwert.
Lsungshinweis: Stellen Sie zunchst die vom Verbraucherwiderstand Ra aufgenommene Leistung P
als eine Funktion von Ra dar und bestimmen Sie dann das Maximum dieser Funktion.
Ri

U0

Ra

Abbildung 6.1: Verbraucherwiderstand

Der Gesamtwiderstand einer Reihenschaltung ist die Summe der Teilwiderstnde


RG = Ra + Ri .
Mit Hilfe des Ohmschen Gesetz (RG = U0/I ) folgt
I=

U0
.
Ra + Ri

(6.0.1)

Die Maschenregel besagt, dass die Gesamtspannung U0 einer Reihenschaltung der Summe der Teilspannungen entspricht
U0 = U + Ri I

U = U0 Ri I.

(6.0.2)

Somit folgt fr die aufgenommene Leistung P am Verbraucherwiderstand Ra


P =U I

U0
Ra + Ri
Ra U 0 + Ri U0 Ri U 0
Ra + Ri
2
U 0 Ra

(6.0.1),(6.0.2)

(C.4.2)

(C.4.3)

U 0 Ri

(Ra + Ri )

U0
Ra + Ri
U0
Ra + Ri
(6.0.3)

Die Quellspannung U0 , sowie der Innenwiderstands sind feste Gren. Damit hngt die Leistung nur
noch vom Auenwiderstand Ra ab (P = P (Ra )).
57

6.1

Grenzwert und Stetigkeit von Funktionen

6.1.1 Grenzwert
Grenzwert an einer endlichen Stelle x0
Sei f : R R eine Funktion. Die Zahl a R heit Grenzwert der Funktion f an der Stelle x0 R,
wenn fr jede Folge {xn } mit xn R, xn = x0 , n N+ mit dem Grenzwert x0 die Folge der
n=1
zugehrigen Funktionswerte {f (xn )} gegen den Wert a konvergiert.
n=1

{xn }n=1 , xn R, xn = x0 , n N+ = N\{0}:

lim xn = x0

lim f (xn ) = a

Desweiteren werden auch sogenannte einseitige Grenzwerte betrachtet. Die Funktion f besitzt an der
Stelle x0 den linksseitigen Grenzwert al , wenn fr jede Folge {xn } , die sich von links an x0 ann=1
nhert (d. h. xn < x0 , n N+ ), die Folge der zugehrigen Funktionswerte den Grenzwert al hat:
lim f (xn ) = al .

Die Funktion f besitzt an der Stelle x0 den rechtsseitigen Grenzwert ar , wenn fr jede Folge {xn } ,
n=1
die sich von rechts an x0 annhert (d. h. xn > x0 , n), die Folge der zugehrigen Funktionswerte den
Grenzwert ar hat: lim f (xn ) = ar .
n

Alternativ wird auch statt lim xn x0 kurz x x0 geschrieben.


n

Schreibweise:
al

= lim f (x)

linksseitiger Grenzwert

ar

= lim f (x)

rechtsseitiger Grenzwert

xx0
xx0 +

Es existieren alternative Schreibweisen:


x x0

x x0

x x0

x x0 +

x x0

x x0

Beispiel 6.1. Signumfunktion (vgl. Abb. 6.2):

+1,

sgn(x) =
0,

1,

lim sgn(x)

lim sgn(x)

+1

lim sgn(x)

= sgn(0) =

x0

x>0
x=0
x<0

x0+
x0

lim sgn(x)

x0+

Grenzwert im Unendlichen
Die Funktion f konvergiert fr unbeschrnkt wachsende bzw. fallende Argumente x gegen einen Grenzwert a, wenn fr jede Folge {xn } , die bestimmt gegen + bzw. divergiert, die zugehrige
n=1
Folge der Funktionswerte gegen a konvergiert, lim f (xn ) = a.
n

58

y
1
x
3

Abbildung 6.2: Einseitiger Grenzwert am Beispiel der Signumsfunktion (rot)

Schreibweise:
lim f (x) = a

Beispiel 6.2. vgl. Abschnitt 5.1.3


Fr zwei Funktionen f und g gelte lim f (x) = a und lim g(x) = b. Dann gelten folgende Grenzxx0

wertstze fr Funktionen:

xx0

lim (c f (x)) = c lim f (x)

xx0

xx0

lim (f (x) g(x)) = lim f (x) lim g(x)


xx0

xx0

xx0

lim (f (x) g(x)) = lim f (x) lim g(x)


xx0

xx0

xx0

lim f (x)

lim

xx0

f (x)
xx0
,
=
g(x)
lim g(x)

falls g(x) = 0, x, lim g(x) = b = 0


xx0

xx0

Analoge Aussagen gelten auch fr einseitige Grenzwerte und das Verhalten im Unendlichen. Dazu setzt
man x0 = .
Besondere Bedeutung haben solche Betrachtungen fr Polstellen und Lcken, also an Stellen an denen
die Funktion nicht deniert ist.
Beispiel 6.3. Berechnung von Grenzwerten bei Funktionen.
1. lim (0.5x + 1.5) = 1, vgl. Abb. 6.3 blau
x1

x2 4x + 4
+1
x2
Diese Funktion ist an der Stelle x = 2 nicht deniert, der Grenzwert ist jedoch berechenbar.
Betrachtet wird dazu eine Folge {xn } , die gegen 2 konvergiert und fr die xn = 2 gilt.
n=1
x2 4xn +4
Die zugehrige Folge der Funktionswerte {f (xn )} heit dann f (xn ) = n xn 2 + 1 =
n=1

2. f (x) =

(xn 2)2
xn 2

+ 1 = (xn 2) + 1 = xn 1, ihr Grenzwert ist lim f (xn ) = lim (xn 1) = 2 1 = 1


n

(vgl. Abb. 6.3 rot).

6.1.2 Stetigkeit
Eine Funktion heit im Punkt x0 stetig, wenn die Funktion f im Punkt x0 deniert ist und der Grenzwert
in diesem Punkt mit dem Funktionswert f (x0 ) bereinstimmt:
lim f (x) = f (x0 )

xx0

59

y
2
1
x
1

1
2

Abbildung 6.3: Beispiele fr Grenzwerte bei Funktionen


Ist die Funktion f in jedem Punkt ihres Denitionsbereiches stetig, so heit sie stetig.
Sind zwei Funktionen f und g im Punkt x0 stetig, dann sind auch die folgenden Funktionen in x0 stetig
(c R):
f
c f,
f + g,
f g,
f g,
,
falls g(x0 ) = 0.
g
Anschaulich gesprochen: Funktionen die gezeichnet werden knnen, ohne den Stift abzusetzen, werden
als stetig bezeichnet.
Beispiel 6.4. Die Funktion
f (x) =

x sin (1/x) ,
0,

x=0
x=0

ist stetig. Allerdings kann diese Funktion wegen der Oszillationen und der unendlich langen Kurve nahe
Null nicht durchgezeichnet werden. Im Intervall [1, 1] wird unendlich viel Tinte bentigt.
Beispiel 6.5. Stetige Funktionen:
Potenzfunktionen (vgl. Abschnitt 2.3.5): f (x) = xn , n N, stetig auf R, folglich auch Polynome
stetig
Exponentialfunktionen (vgl. Abschnitt 2.3.6): f (x) = ax , a > 0 stetig auf R+
Logarithmusfunktionen (vgl. Abschnitt 2.3.6): f (x) = loga x, a > 0 stetig auf R
Betragsfunktion (vgl. Abschnitt 2.4.3): f (x) = |x| stetig auf ganz R
Funktionen, die nicht in allen Stellen ihres Denitionsbereiches stetig sind, heien unstetig. Die entsprechenden Punkte Unstetigkeitsstellen.
Beispiel 6.6. Signumfunktion aus Abschnitt 6.1.1, Abb. 6.2

6.2

Ableitungen

Seien (x0 , y0 ) und (x1 , y1 ) zwei Punkte auf dem Graphen der Funktion f . Der Differenzenquotient
y
f (x1 ) f (x0 )
f (x0 + x) f (x0 )
=
=
x
x1 x0
x

(6.2.1)

ist der Quotient aus der Differenz der yWerte y = y1 y0 zu der Differenz der xWerte x =
x1 x0 . Er gibt den Anstieg der Sekanten zwischen den beiden Punktpaaren (x0 , y0 ) = (x0 , f (x0 )) und
(x1 , y1 ) = (x1 , f (x1 )) an (Vergleiche dazu Abb. 6.4).
60

y
Tangente
Sekante
y0 + y

Funktion
y

y0
x
x
x0

x0 + x

Abbildung 6.4: Zusammenhang von Tangente (rot), Sekante (grn) und Funktion f (blau). Durch Verkleinern des Abstands x 0 wird aus der Sekante eine Tangente, die den Anstieg der Funktion f im
Punkt x0 beschreibt.
Soll der Anstieg von f in einem bestimmten Punkt (x0 , y0 ) betrachtet werden, dann wird geometrisch
die Tangente in diesem Punkt an den Graphen der Funktion bentigt. Anschaulich wird der Abstand
der beiden Punkte (x0 , y0 ) und (x1 , y1 ) so nah zusammengefhrt, bis sie fast miteinander verschmelzen. Mathematisch wird also der Grenzwert x 0 des Differenzenquotienten (6.2.1) gebildet (vgl.
Abb. 6.4)
f (x0 + x) f (x0 )
x0
x
lim

(6.2.2)

gebildet werden. Existiert der Grenzwert, so heit Gleichung (6.2.2) Differentialquotient oder auch erste
Ableitung der Funktion f an der Stelle x0 . Die Funktion f heit dann differenzierbar an der Stelle x0 .
Schreibweise:
f (x0 ) =

df
f (x0 + x) f (x0 )
(x0 ) = lim
x0
dx
x

Fr lineare Funktionen (vgl. Abschnitt 2.3.1) sind Sekante und Tangente in jedem Punkt identisch und
y
es gilt x = b.
Ist die Funktion f an jeder Stelle ihres Denitionsbereiches differenzierbar, so heit die Funktion differenzierbar. Es entsteht eine Ableitungsfunktion f . Ist diese Funktion wiederum differenzierbar, resultiert die
zweiten Ableitung von f . Fortfhrend knnen so bei vorliegender Differenzierbarkeit hhere Ableitungen
vom Grad n gebildet werden.
Schreibweise:
d2 y
dx2
.
.
.
.
.
.
dn y
f (n) (x) =
dxn
f (x) =

zweite Ableitung

n-te Ableitung

61

Beispiel 6.7. Differenzierbare Funktionen


konstante Funktionen: Fr jede konstante Funktion f (x) = c mit c R gilt:
f (x) = lim

xx0

cc
f (x) f (x0 )
= lim
= lim 0 = 0
xx0 x x0
xx0
x x0

lineare Funktionen: Fr jede lineare Funktion (vgl. Abschnitt 2.3.1) f (x) = a + bx mit a, b R,
b = 0 gilt:
f (x) = lim

xx0

a + bx a bx0
b(x x0 )
f (x) f (x0 )
= lim
= lim
=b
xx0
xx0 x x0
x x0
x x0

Exponentialfunktionen: fr jede Exponentialfunktion (vgl. Abschnitt 2.3.6) f (x) = ax und a R,


a = 0, gilt f (x) = ax ln(a),
Spezialfall: f (x) = ex , f (x) = ex
Eine Funktion heit an einer Stelle x0 nicht differenzierbar, wenn der Grenzwert des Differenzenquotienten nicht existiert. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn linksseitiger und rechtsseitiger Grenzwert
verschieden sind.
Beispiel 6.8. Nichtdifferenzierbare Funktionen (visuell erkennbar am Knick):
1. Die Betragsfunktion f (x) = |x| (vgl. Abschnitt 2.3.2 und Abb. 2.7) ist auf ganz R stetig und
berall differenzierbar, auer im Nullpunkt x0 = 0.
2. Die Funktion
f (x) =

0,
2x + 1,

fr x 0
fr x > 0

ist in x0 = 0 nicht differenzierbar.


Jede differenzierbare Funktion ist stetig, aber nicht jede stetige Funktion ist auch differenzierbar (siehe
dazu die Betragsfunktion).

Ableitungsregeln
Fr viele Funktionstypen vereinfacht sich die Bildung der ersten Ableitung durch die Formeln aus
Tab. 6.1.
Zusammenhnge:
Jede konstante Funktion kann als f (x) = c = c x0 aufgefasst werden. Jede lineare Funktion als
f (x) = a + bx = ax0 + bx1 . Zum Ableiten kann dann die Formel fr Potenzfunktionen verwendet
werden.
Wurzelfunktionen sind Potenzfunktionen mit rationalen Exponenten. Es empehlt sich fr die bersichtlichkeit vor dem Ableiten Wurzelfunktionen als Potenz zu schreiben und dann abzuleiten, vgl.
Abschnitt 2.3.5.

Sind die Funktionen f = f (x) und g = g(x) differenzierbar, so gelten folgende Differentiationsregeln:
Faktorregel:
(c f (x)) = c f (x)
62

(6.2.3)

Tabelle 6.1: Ableitungsregeln (a R, n Z)


Funktionstyp

f (x)

f (x)

Konstante Funktionen
Potenzfunktionen
Exponentialfunktionen

k
xa
ax

Logarithmusfunktionen

loga (x)

Sinusfunktion
Kosinusfunktion

sin(x)
cos(x)

Tangensfunktion

tan(x)

0
axa1
ax ln(a)
1
x ln(a)
cos(x)
sin(x)

Kotangensfunktion

cot(x)

1
= 1 + tan2 (x)
cos2 (x)
1
2
= 1 + cot2 (x)
sin (x)
1

1 x2
1

1 x2
1
1 + x2
1

1 + x2

arcsin(x)
arccos(x)
arctan(x)
arccot(x)

Bedingungen
k R, fest
a > 0, a = 1
a > 0, a = 1

x = (2n + 1)/2
x = n
|x| < 1
|x| < 1

Summenregel:
(f (x) g(x)) = f (x) g (x)

(6.2.4)

(f (x) g(x)) = f (x) g(x) + f (x) g (x)

(6.2.5)

Produktregel:

Quotientenregel: g(x) = 0, x R

f (x)
g(x)

f (x) g(x) f (x) g (x)


g 2 (x)

(6.2.6)

Kettenregel: Sei h(x) = g(f (x)), dann gilt


h (x) = g (f (x)) f (x)
(uere Ableitung mal innere Ableitung)
Beispiel 6.9. Ableitungen von Funktionen

1. f1 (x) = 3x + 5, f1 (x) = 3
(Potenzfunktion Abschnitt 2.3.5, Faktor- und Summenregel)

2. f2 (x) = 4x3 2x, f2 (x) = 12x2 2


(Potenzfunktion Abschnitt 2.3.5, Faktor- und Summenregel)

3. f3 (x) = (2 + x)ex e, f3 (x) = ex + (2 + x)ex


(Potenz- und Exponentialfunktion Abschnitt 2.3.5 und 2.3.6, Produkt- und Summenregel)

4. f4 (x) = x2k , f4 (x) = 2kx2k1 , k N


(Potenzfunktion Abschnitt 2.3.5)

63

(6.2.7)

5. f5 (x) = (x2 +3)3 , f5 (x) = (x6x 4


2 +3)
(Potenzfunktion 2.3.6, Kettenregel oder Quotientenregel)

6. f6 (x) =

4x + 1, f6 (x) = 1/3 (4x + 1)2/3 4 =

3 3 (4x + 1)2
(Wurzel- bzw. Potenzfunktion Abschnitt 2.3.5, Summen- und Kettenregel)

7. f7 (x) = log4 x2 = 2 log4 x, f7 (x) = x ln(4)


(Logarithmusfunktion Abschnitt 2.3.6 und Faktorregel)

Oftmals sind Kombinationen mehrerer Regeln ntig. Teils lassen sich auch verschiedene Regeln verwenden.
Fehlerwarnung: Fr f (x) = x ist die erste Ableitung f (x) = 1 und nicht f (x) = 0.
Viele Fehler beim Ableiten entstehen nur durch falsches Umstellen, Weglassen von Klammern, Krzen
oder Zusammenfassen (vgl. Anhang C)!
Fehlerwarnung: Beachte, wonach abgeleitet wird! Es gibt auch Funktionen mit mehr als einer Variablen
oder mit freien Paramtern.
Fr f (x) = 3y + 4z + 6 ist die Ableitung f (x) = 0 und nicht 3 oder 4! Die Symbole y und z sind hier
als Konstanten zu betrachten.

6.3

Kurvendiskussion

6.3.1 Denitionsbereich, Wertebereich und Nullstellen


Die Denitionen fr Denitions- und Wertebereich nden sich in Abschnitt 2.1.1.
Denitionsbereich:
Widerstnde haben stets einen nichtnegativen Wert, dies gilt auch fr Ra . Der Widerstand ist nicht
deniert, falls der Nenner (Ra + Ri )2 verschwindet. Daher muss gelten
(Ra + Ri )2 = 0

(Ra + Ri ) = 0

Ra = Ri ,

Da aber alle Widerstnde nicht kleiner als Null sein sollen, ist diese Bedingung stets erfllt.
DB(P ) = R+ = {Ra : Ra R, Ra 0} = [0, ).
0
Fr P auf [0, ) gilt

0
2
P (Ra ) = U0

Ra
0.
(Ra + Ri )2

Also gilt fr den Wertebereich


WB(P ) = R+ ,
0
dieser Bereich ist nach oben nicht scharf.
Die Nullstellen einer Funktion f = f (x) sind jene Stellen x, fr die gilt f (x) = 0.

64

Nullstellen:
2
P (Ra ) = 0 = U0

Ra
(Ra + Ri )

2
= U0 Ra
U0 = 0

oder

Ra = 0

6.3.2 Minima, Maxima und Monotonie


Eine typische Anwendung der Differentialrechnung ndet sich in sogenannten Extremwertaufgaben.
Dabei werden Funktionen auf Minima (Punkte mit kleinstem Funktionswert) und Maxima (Punkte mit
grtem Funktionswert) untersucht. Ein Sammelbegriff fr Minima und Maxima ist Extremum oder Extremalstelle. Diese Extrema knnen lokal oder global sein.
Eine Funktion f mit dem Denitionsbereich Df R besitzt an der Stelle x0 Df ein lokales Minimum,
wenn es eine Umgebung von x0 gibt, in der kein Funktionswert kleiner ist als der Funktionswert im Punkt
x0 :
> 0 :
f (x0 ) f (x),
x Df [x0 , x0 + ].

Eine Funktion f besitzt an der Stelle x0 Df ein lokales Maximum, wenn es eine Umgebung von x0
gibt, in der kein Funktionswert grer ist als der im Punkt x0 :
> 0 :

f (x0 ) f (x),

x Df [x0 , x0 + ].

Gilt diese Bedingung fr den gesamten Denitionsbereich, kann also = gewhlt werden, dann ist
von einem globalen Minimum bzw. Maximum die Rede.
Notwendiges Kriterium fr Extrema
Ist die Stelle x0 ein lokales Extremum der differenzierbaren Funktion f , dann verschwindet die erste
Ableitung der Funktion an dieser Stelle
x0 ist Extremum

f (x0 ) = 0.

Die Umkehrung der vorhergehenden Aussage ist falsch


f (x0 ) = 0

x0 ist Extremum.

Bestimmung der ersten Ableitung:

(6.2.3)

P (Ra ) =

2
U0

Ra
(Ra + Ri )

1 (Ra + Ri )2 Ra 2 (Ra + Ri )
(Ra + Ri )4
2 (Ra + Ri ) ((Ra + Ri ) 2 Ra )
= U0
(Ra + Ri )4
Ra Ri
2
= U0
(Ra + Ri )3

(6.2.6)

2
= U0

65

(6.3.1)

Nullsetzen (notwendiges Kriterium):


0 = P (Ra )
Ra Ri
2
= U0
(Ra + Ri )3
2
= U0 (Ri Ra )
U0 = 0 oder

Ra = Ri

(6.3.2)

Da es in dieser Aufgabe um die Anhngigkeit der Leistung P vom Auenwiderstand geht, ist nur
Ra = Ri von Interesse.
Allerdings ist nicht jede Stelle x mit der Eigenschaft f (x) = 0 ein Minimum oder Maximum (vgl.
Abschnitt 6.3.3). Die Bedingung ist daher notwendig, aber nicht hinreichend.
Abhngig von der zweiten Ableitung der Funktion (falls die entstandene Ableitungsfunktion ebenfalls
differenzierbar ist) lsst sich bestimmen, ob es sich um ein Minimum oder Maximum handelt.
Hinreichendes Kriterium
Es sei f (x0 ) = 0.
f hat an der Stelle x0 ein lokales Maximum, falls f (x0 ) < 0
f hat an der Stelle x0 ein lokales Minimum, falls f (x0 ) > 0
Bestimmung der zweiten Ableitung:

Ri Ra
(Ra + Ri )3
3
2
(6.2.6)
2 (1) (Ra + Ri ) (Ri Ra ) 3 (Ra + Ri )
= U0
6
(Ra + Ri )
2
2 (Ra + Ri ) ((Ra + Ri ) 3 (Ri Ra ))
= U0
(Ra + Ri )6
2 Ra Ri 3Ri + 3Ra
= U0
(Ra + Ri )4
Ra 2Ri
2
= 2U0
(Ra + Ri )4

(6.2.3)

2
P (Ra ) = U0

Einsetzten der kritischen Stelle aus (6.3.2):


Ri 2Ri
(Ri + Ri )4
Ri
2
= 2U0
(2Ri )4
2 Ri
= 2U0
4
16Ri
2 1
= U0
3 <0
8Ri

2
P (Ra = Ri ) = 2U0

Wegen P (Ri ) < 0 besitzt P an der Stelle Ri ein lokales Maximum.


Minima und Maxima einer Funktion sind manchmal nicht eindeutig bestimmt, d. h. eine Funktion kann
beliebig viele lokale aber auch globale Minima und Maxima besitzen. Beispielsweise besitzt die Sinus
Funktion unendlich viele globale Minima und Maxima.
66

Beispiel 6.10. Es sei die Funktion f (x) = 2/3 x3 4x auf Extremalstellen zu untersuchen.
Schritt 1: Bestimmung mglicher Extrema mittels erster Ableitung:
Bestimmung von f (x) und Nullsetzen (Nullstellenberechnung der ersten Ableitung).
0 = f (x) = 2x2 4

4 = 2x
2=x

|+4

|:2

x1,2 = 2

Schritt 2: Untersuchung der zweiten Ableitung mglichen Extremalstellen: f (x) = 4x

f (x1 ) = f
2 =4 2
>0

f (x2 ) = f 2 = 4 2
<0

Die Funktion f hat somit an der Stelle x1 = 2 ein lokales Minimum und an der Stelle x2 = 2
ein lokales Maximum. In Abb. 6.5 ist erkennbar, dass es sich tatschlich nur um lokale, nicht aber
um globale Extrema handelt. Globale Extrema existieren in diesem Falle nicht.
y f (x) f (x) f (x)

4
3
2
1

x
3

1
2
3
4

Abbildung 6.5: Die Funktion f (x) = 2/3 x3 4x (blau) mit der zugehrigen ersten (rot) und zweiten
(grn) Ableitung
Extremstellen markieren die nderung der Monotonie der Funktion (vgl. Abschnitt 5.1.5). Mit Hilfe der
ersten Ableitung knnen ebenfalls Aussagen ber die Monotonie getroffen werden.
Eine Funktion f heit in einem Intervall I
monoton wachsend, falls f (x) 0, x I,
monoton fallend, falls f (x) 0, x I.

67

6.3.3 Konvexitt, Konkavitt und Wendepunkte


Ein Punkt (xw , yw ) wird Wendepunkt (WP) genannt, wenn die Krmmung des Funktionsgraphen ihr
Vorzeichen wechselt.
Notwenidges Kriterium
Ist der Punkt (xw , yw ) ein Wendepunkt der zweimal differenzierbaren Funktion f , dann gilt fr die zweite
Ableitung
f (xw ) = 0.

Nullsetzen der zweiten Ableitung:


2
0 = P (Ra ) = 2U0

Ra 2Ri
(Ra + Ri )4

= Ra 2Ri
Ra = 2Ri

(6.3.3)

Hinreichendes Kriterium
Sei f (xw ) = 0.
f hat an der Stelle x0 einen LinksrechtsWendepunkt, falls f (xw ) < 0
f hat an der Stelle x0 einen RechtslinksWendepunkt, falls f (xw ) > 0
Bestimmung der dritten Ableitung:
1 (Ra + Ri )4 (Ra 2Ri ) 4 (Ra + Ri )3
(Ra + Ri )8
3
2 (Ra + Ri ) (Ra + Ri 4 (Ra 2Ri ))
= 2U0
(Ra + Ri )8
2 9Ri 3Ra
= 2U0
(Ra + Ri )5
3Ri Ra
2
= 6U0
(Ra + Ri )5

2
P (Ra ) = 2U0

Einsetzen von (6.3.3) in (6.3.4)


3Ri 2Ri
(2Ri + Ri )5
Ri
2
= 6U0
(3Ri )5
2
2
= U0
4 >0
81Ri

2
P (Ra = 2Ri ) = 6U0

Wegen P (2Ri ) = 0 liegt an der Stelle 2Ri ein RechtslinksWendepunkt vor.


Eine zweimal differenzierbare Funktion f heit in einem Bereich konkav, falls
f (x) 0.
68

(6.3.4)

Gilt jedoch
f (x) 0,

dann ist sie konvex.


Prfen von P auf Konvexitt

2
0 P (Ra ) = 2U0

Ra 2Ri
(Ra + Ri )4

0 Ra 2Ri
Ra 2Ri

6.3.4 Gerade und ungerade Funktionen


Eine Funktion f mit Denitionsbereich X heit
gerade genau dann, wenn f (x) = f (x), x X
Achssymmetrie
ungerade genau dann, wenn f (x) = f (x), x X
Punktsymmetrie
Eigenschaften gerader und ungerader Funktionen:
Die Summe zweier gerader (ungerader) Funktionen ist wieder gerade.
Das Produkt zweier gerader (ungerader) Funktionen ist wieder gerade.
Das Produkt einer geraden und einer ungeraden Funktion ist ungerade.
Die Ableitung einer geraden Funktion ist ungerade, die Ableitung einer ungeraden Funktion ist
gerade (vgl. Abschnitt 6.2).
Jede Funktion g einer geraden Funktion f ist gerade, denn es gilt g (f (x)) = g (f (x)).
Nicht alle Funktionen sind gerade oder ungerade. Es gibt auch viele, die keines von beiden sind.
Beispiel 6.11. Gerade Funktionen:
3. f3 (x) = cos(x)

1. f1 (x) = x2n , n N
2. f2 (x) = x + x
4

4. f4 (x) = |x|

Beispiel 6.12. Ungerade Funktionen:

3. f3 (x) = sin(x)

1. g1 (x) = x2n1 , n N

4. f4 (x) = x5 + tan(x)

2. g2 (x) = x3 + x

6.4

Weitere Aufgaben

1. Beim ElektronenstrahlOszilloskop werden die von einer Glhkathode ausgesandten Elektronen


zunchst auf eine konstante Geschwindigkeit v0 beschleunigt und treten dann senkrecht zu den
elektrischen Feldlinien in einen auf die Spannung U aufgeladenen Plattendetektor ein, wo sie aus
ihrer ursprnglichen Richtung abgelenkt werden (vgl. Abb. 6.6). Die Kondensatorplatten stehen
im Abstand d zueinander und besitzen die Lnge l. Die Elektronen besitzen die Elementarladung
e und eine Ruhemasse m0 .
69

(a) Unter welchem Ablenkwinkel (gegenber der Eintrittsrichtung gemessen) verlassen die
Elektronen den Kondensator?
(b) Im Abstand s hinter dem Kondensator bendet sich ein Auffangschirm fr die Elektronen.
Wie gro ist die seitliche Ablenkung b der Elektronen auf diesem Schirm, gemessen gegenber der ursprnglichen Flugbahn?
Lsungshinweis: Bestimmen Sie zunchst die Bahnkurve der Elektronen im Plattenkondensator.
y

v0

d
2

+
B

A
x

m0
d
2

E
-

Abbildung 6.6: ElektronenstrahlOszilloskop


2. Abbildung 6.7 zeigt einen bis zur Hhe H mit Wasser gefllten Zylinder. In der Tiefe h (von der
als unvernderlich angenommenen Wasseroberche aus gerechnet) bendet sich eine seitliche
ffnung, aus der das Wasser in waagerechter Richtung mit der nach der Formel
v0 =

2gh

berechneten Geschwindigkeit austritt. An welcher Stelle A des Gefes muss man dies ffnung
anbringen, damit der seitlich austretende Wasserstrahl den Boden an einer mglichst weit entfernten Stelle B (in horizontaler Richtung gemessen) trifft?
Lsungshinweis: Die Bewegung des Wasserstrahls kann in guter Nherung als ein waagerecher
Wurf im luftleeren Raum betrachtet werden.

h
v0

xW

x
y

Zylinder
mit
Wasser

H h

B
xW

Abbildung 6.7: Parabel eines Wasserstrahls


70

3. Ein Unternehmen produziert in einer Zeitperiode x Einheiten einer Ware. Der Gewinn der Produktion (x) ist die Differenz aus dem Ertrag R(x) und den Produktionskosten C(x).
Die Grenzkosten sind deniert als die Ableitung der Kosten C(x). Sie geben die Kosten an,
die durch die Produktion einer zustzlichen Einheit eines Produktes entstehen. Analog ist der
Grenzertrag ist die Ableitung des Ertrags R(x), er beschreibt den Ertragszuwachs bei Verkauf
einer weiteren Produktionseinehit. Der Grenzgewinn ist natrlich die Ableitung des Gewinns (x).
Er gibt den erwarteten Gewinn fr eine (innitesimal kleine) weitere produzierte Einheit eines
Produktes an und kann Aufschluss darber geben, wieviele Einheiten produziert werden mssen,
um Gewinnschwelle zu erreichen.
Bestimmen Sie den Grenzertrag, die Grenzkosten und den Grenzgewinn sowie einen Wert x, so
dass der Grenzgewinn Null ist, fr
(a) R(x) = ax, C(x) = a1 x2 + b1 x + c1 ,
(b) R(x) = ax bx2 , C(x) = a1 x + b1 .

Lsungen
1.

(a) Die Koordinaten eines Elektrons zu Zeit t lautet


x = v0 t,

y=

1 2
at ,
2

mit der Beschleunigung a = (eU )/(m0 d), es folgt


y=

eU 2
1 2
at =
t .
2
2m0 d

Nach Eliminierung von t


eU
2m0 d

f (x) =

x
v0

Im Punkt B verlassen die Elektronen den Kondensator und bewegen sich geradlinig auf der
Bahntangenten weiter auf den Schirm zu. Es gilt:
f (x) = tan

= arctan

eU l
2.
m0 dv0

(b) Im Auftreffpunkt C = (l + s, b) betrgt die Auslenkung


b=

eU l(l + 2s)
2 .
2m0 dv0

2. Die Wasserbewegung besteht aus zwei unabhngigen Teilen: Die Bewegung in xRichtung besitzt
die konstante Geschwindigkeit x = v0 t. In yRichtung geschieht eine Beschleunigung aufgrund
der Gravitation mit der Beschleunigung g, es folgt
y=

1 2
gt .
2

Durch Substitution von t folgt


x2
.
4h
Einsetzten des Auftreffpunktes B = (xW , H h) und Ausen nach xW
y=

xW = 2 Hh h2 .
71

Diese Gre soll maximiert werden, es gengt hierfr


z(h) = Hh h2
zu maximieren. Der Austrittspunkt A sollte in der Hhe h = H/2 liegen, dann ist xW,max = H.
3. Der Grenzertrag, die Grenzkosten und den Grenzgewinn fr die gegebenen Werte lauten
(b) (x) = bx2 + (a a1 )x b1 ,
R (x) = a 2bx,
C (x) = a1 ,
(x) = 2bx + a a1 ,
a a1
(x) = 0 x =
2b

(a) (x) = a1 x2 + (a b1 )x c1 ,
R (x) = a,
C (x) = 2a1 x + b1 ,
(x) = 2a1 x + a b1 ,
a b1
(x) = 0 x =
2a1

72

7
Integralrechnung
Sei K(t) der Kapitalbestand einer Volkswirtschaft zur Zeit t. Dann ist die mit I(t) bezeichnete Netto
Investition zur Zeit t gegeben durch die Zuwachsrate K (t) von K(t). Es sei I(t) = 3t2 + 2t + 5,
t 0.
1. Wie hoch ist der gesamte Zuwachs im Kapitalbestand im Intervall [0, 5]?
2. Es sei K(t0 ) = K0 . Finden Sie einen Ausdruck fr den gesamten Zuwachs im Kapitalbestand im
Zeitintervall [t0 , T ].

7.1

Unbestimmtes Integral

Im vorhergegangenen Kapitel haben wir uns mit dem Differenzieren beschftigt. Hier betrachten wir
nun den umgekehrten Vorgang.
Sei eine Funktion f gegeben. Sollen nun zu f alle Funktionen F bestimmt werden, so dass F = f gilt,
dann ist von der Integralrechnung die Rede. Die Funktion f heit Integrand und eine Funktion F , die die
Voraussetzung erfllt, heit Stammfunktion. Die Menge aller Stammfunktionen wird als unbestimmtes
Integral bezeichnet und wird als f (x)dx geschrieben.
In der vorliegenden Aufgabe soll gelten I(t) = K (t) bei gegebener Funktion I. Damit ist ein Integral
von I gesucht.
Regeln (Konstanten c, c1 , . . . , cn ):
Linearitt:
(c1 f1 (x) + cn fn (x))dx = c1
Differentiation:

df (x)
dx = f (x) + c,
dx

f1 (x)dx + + cn
d
dx

fn (x)dx

(7.1.1)

f (x)dx = f (x)

Allgemein gelten die Regeln aus Tab. 7.1 (c, k R konstant):


3t2 + 2t + 5dt

I(t)dt =
(7.1.1)

= 3

t2 dt + 2

tdt + 5

1dt

1
1
1
t2+1 + 2
t1+1 + 5
t0+1 + c
2+1
1+1
0+1
= t3 + t2 + 5t + c

Potenzfkt.

73

(7.1.2)

Tabelle 7.1: Regeln der Integralrechnung (a R, n Z, beliebige Konstanten c1 , c2 )


Funktionstyp

F (x)

kx + c1
1
xa+1 + c1
a+1
1 x
a + c1
ln(a)
cos(x) + c1
sin(x) + c1

Konstante Funktion
Potenzfunktionen

Exponentialfunktionen

ax

Sinusfunktion
Kosinusfunktion

7.2

Bedingungen

f (x)
a

sin(x)
cos(x)
1
2
sin (x)
1
cos2 (x)
1
a + x2
1

1 x2

k R, fest

x > 0, a = 1
a > 0, a = 1

cot(x) + c1

x = n

tan(x) + c1

x = /2 + n

arctan(x) + c1 = arccot(x) + c2
arcsin(x) + c1 = arccos(x) + c2

|x| < 1

Bestimmtes Integral

Neben dem unbestimmten gibt es auch das bestimmte Integral, bei dem nur ber ein Intervall [a, b] integriert wird, dieses Intervall kann auch offen oder halboffen sein, vgl. Abb. 7.1. Es wird, wie gewohnt, die
Stammfunktion F bestimmt, dann werden die Integrationsgrenzen eingesetzt und die Differenz gebildet:
Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung:
b
b

(7.2.1)

f (x)dx = [F (x)]a = F (b) F (a).

y
f (x)

F (b) F (a)
x
a

Abbildung 7.1: Bestimmtes Integral von f (x) im Intervall [a, b]

74

In der vorliegenden Aufgabe soll der Zuwachs des Kapitalbestands in einem Zeitinvervall bestimmt
werden. Das bedeutet, dass das bestimmte Integral von I gesucht wird.

1. Intervall I = [0, 5]
5

I(t)

(7.2.1),(7.1.2)

t3 + t2 + 5t + c

5
0

0
(7.2.1)

53 + 52 + 5 5 + c 03 + 02 + 5 0 + c

= 125 + 25 + 25 + c c
= 175
Der gesamte Zuwachs betrgt 175 Einheiten.

Mit rot markiert ist die Konstante, die beim unbestimmten Integral vermekrt werden musste. Bei
der Berechnung des bestimmten Integrals wird diese Konstante jedoch stets gekrzt und muss
daher nicht angegeben werden.

2. Die Berechnung erfolgt analog zum ersten Teil, die Randbedingungen sind nur etwas allgemeiner
gefasst (Intervall I = [t0 , T ]).
T
(7.2.1)

I(t) =
t0

T 3 + T 2 + 5 T t3 + t2 + 5 t0
0
0

= (T 3 t3 ) + (T 2 t2 ) + 5(T t0 )
0
0
Das bestimmte Integral zwischen einer Funktion f (x) und der xAchse auf einem Intervall [a, b] kann
mit dem RiemannIntegral anschaulich beschrieben werden. Dafr wird das Intervall in n Bereiche der
Breite unterteilt. Es ergibt sich eine Zerlegung Z von [a, b] x0 = a < x1 < . . . < xn = b. Anschlieend
werden n Rechtecke gezeichnet, mit einer Breite dk = xk xk1 und einer Hhe hk =
max f (x),
x[xk1 ,xk ]

k = 1, . . . , n. Die Obersumme (vgl. Ab. 7.2) ergibt sich als


n

max

Of (Z) :=
k=1
n

=
k=1

x[xk1 ,xk ]

f (x) (xk xk1 )

hk dk

Analog dazu kann die Untersumme (vgl. Ab. 7.2) deniert werden
n

min

Uf (Z) :=
k=1

x[xk1 ,xk ]

f (x) (xk xk1 ).

Je grer n gewhlt wird, umso besser passen sich die Rechtecke an die Funktion an, das Resultat wird
genauer. Fr n gilt
lim Uf (Z) = lim Of (Z) =

75

f (x)dx.

y
f (x)

x
a = x0

x1

x2

x3

b = x4

Abbildung 7.2: Veranschaulichung der Ober- (cyan) und Untersummen (blau) einer Funktion f (x)
Anschaulich: die Intervalle bk ziehen sich mit wachsendem n auf einen Punkt xk zusammen mit einer
innitesemalen (unendlich kleinen) Breite dk . An dieser Stelle hat die Funktion den Wert f (xk ). ber
alle Punkte xk wird aufsummiert. Das Symbol fr das Integral kann als stilisierte S fr Summe betrachtet
werden.
Es ergeben sich ein paar neue Regeln und die oben genannten Regeln gelten auch fr diese Form des
Integrals, nur die Schreibweise wird etwas abgewandelt:

Addition:

(c1 f1 (x) + cn fn (x))dx = c1

Differentiation:

f1 (x)dx + + cn

d
dx

df (x)
dx = f (x) + c,
dx

fn (x)dx
a

f (x)dx = f (x)
a

Aufspaltung:
b

d (a, b)

f (x)dx,

f (x)dx +

f (x)dx =
a

partielle Integration:
b

b
b

f (x)g(x)dx = [f (x)g(x)]a

f (x)g (x)dx
a

Substitution:
(b)

f ((s)) (s)ds

f (x)dx =
(a)

76

7.3

Flchenberechnung mit Integralen

Der Flcheninhalt zwischen zwei Funktionen f (x) und g(x) auf einem Intervall [a, b] kann mit Hilfe der
Integralrechnung bestimmt werden.
Seien f (x), g(x) zwei Funktionen mit f (x) g(x), x [a, b], dann kann der Flcheninhalt A zwischen
beiden Funktionen auf [a, b] bestimmt werden durch
b

A=
a

(f (x) g(x)) dx =

f (x)dx

(7.3.1)

g(x)dx.
a

Beispiel 7.1. Sei f (x) = x2 + 5x 2 und g(x) = 2x2 7x + 7. Berechne den Flcheninhalt, der von
beiden Kurven eingeschlossen wird, vgl. Abb. 7.3.
Zunchst mssen die beiden Schnittpunkte der Funktionen bestimmt werden
f (x) = g(x)
2

x + 5x 2 = 2x2 7x + 7

0 = 3x2 12x + 9

0 = x2 4x + 3 = (x 1)(x 3)
x1 = 1,
x2 = 3
Nun kann Gl. 7.3.1 genutzt werden. Dafr muss geprft werden, ob f (x) g(x), x [x1 , x2 ] gilt.
Dies ist tatschlich der Fall. Sonst msste umdeniert werden.
5

y
g(x)

x2

A=
x1

f (x) g(x)dx

x2 + 5x 2 2x2 7x + 7 dx

=
1

f (x)

=
1

3x2 + 12x 9dx

= 3 1/3 x3 + 12 1/2 x2 9x
= x3 + 6x2 9x

x
3
1

3
1

= 33 + 6 32 9 3 13 + 6 12 9 1
=4

7.4

1
Abbildung 7.3: Flche zwischen den
Funktionen f (x) = x2 + 5x 2 und
g(x) = 2x2 7x + 7

Volumenberechnung von Rotationskrpern

Rotationskrper entstehen durch Rotation einer Kurve um die x- bzw. yAchse. Im Weiteren soll die
Kurve durch eine Funktion f ber einem Intervall [a, b] erzeugt werden.

77

Rotation der Funktion f um die xAchse, begrenzt von x = a und x = b:


b

f 2 (x)dx

V =
a

Rotation der Funktion f um die yAchse, begrenzt von y = f (a) und y = f (b):
max(f (a),f (b))
2

f 1 (y)

V =

(7.4.1)

dy

min(f (a),f (b))


b

=
a

x2 |f (x)| dx

Voraussetzung ist die Existenz der Umkehrfunktion f 1 , dies ist der Fall, wenn f stetig und streng
monoton ist (vgl. Abschnitt 6.1.2 und Abschnitt 2.2).
Rotation der Funktion f um die yAchse, begrenzt von x = a und x = b, sowie der xAchse:
b

V = 2

7.5

x f (x)dx

Weitere Aufgaben
y

1. Abbildung 7.4 zeigt einen homogenen Rotationskrper mit elliptischem Querschnitt. Er entsteht durch Drehung einer Ellipse mit den Halbachsen a und b um die yAchse.
(a) Berechnen Sie das Massentrgheitsmoment Jy dieses Krpers bezglich der Rotationsachse in Abhngigkeit vom Parameter h (2h ist die Hhe des Rotationskrpers; 0 h b). Wie gro ist das
Volumen dieses Krpers?
(b) Welche Werte ergeben sich aus dem ersten Teil fr die Massentrgheitsmomente
eines Rotationsellipsoids und einer Kugel
vom Radius R? Wie gro sind die Volumina dieser Krper?

b
h
x

a
Abbildung 7.4: Rotationsellipsoid

2. Eine Nachfragefunktion P = f (Q) beschreibt den Zusammenhang von nachgefragter Menge Q


und Preis P . Eine Angebotsfunktion P = g(Q) stellt die Beziehung von angebotener Menge Q
78

und Preis P dar. Wenn Angebot und Nachfrage gleich sind, wird von einem Gleichgewichtspreis
P gesprochen. Er tritt bei einer Menge Q ein. Mit Konsumentenrente CS wird der Betrag bezeichnet, der insgesamt von allen Konsumenten eingespart wird, wenn sie das Gut zu einem Preis
kaufen, der unter dem Preis liegt, den sie maximal zu zahlen bereit sind
Q

CS =
0

f (Q) P dQ.

Die Produzentenrente PS ist der Gesamtbetrag aller Produzenten, die einen hheren Preis erzielen, als der minimale Preis, zu dem sie ihr Gut verkaufen wrden
Q

PS =
0

P g(Q)dQ.

Gegeben seien eine Nachfragefunktion f (Q) = 200 0, 2 Q sowie eine Angebotsfunktion


g(Q) = 20+0, 1Q. Bestimmen Sie den Gleichgewichtspreis und berechnen Sie die Konsumentenund Produzentenrente.

Lsungen
1.

(a) Das Massentrgheitsmoment ist deniert als


J=
V

2
r (r)dV.

Dieses Integral ist in diesem Rahmen zu schwer zu lsen. In Tafelwerken ist jedoch die
einfache Formel fr das Trgheitsmoment eines Zylinders mit Radius R und Masse m, bzw.
Volumen V
1
1 1
JZylinder = mR2 = V R2
2
2
zu nden. Diese Formel kann genutzt werden, wenn der Rotationskrper in Zylinderscheiben
zerteilt wird, die senkrecht zur yAchse stehen. Der Radius der Scheiben ist die xAuslenkung
der begrenzenden Funktion R = x = g(y). Die Zahl der Scheiben wird vergrert, sodass
sich deren Hhe H = y und damit auch das Volumen V auf innitesemale Gre verringert
(dy bzw. dV )
V = R2 y

dV = R2 dy.

Es folgt fr einen einzelnen Zylinder


1 4
R dy.
2

JZylinder =

Fr den gesamten Rotationskrper wird nun ber alle unendlich dnnen Zylinder summiert,
es ndet eine Integration im Intervall [h, h] statt
h

JZylinder =

Jy :=

1 4

R dy =
2
2

R4 dy.
h

Der Krper ist symmetrisch zur x, zEbene, d. h. es gengt eine Hlfte des Krpers zu berechnen (0 y h statt h y h) und den errechneten Wert dann zu verdoppeln
h

Jy =
79

x4 dy.
0

Die Formel fr x = g(y) resultiert aus der Ellipsengleichung


x2
y2
+ 2
a2
b
2
a
x 2 = 2 b2 y 2
b

1=

y2 2
, a
b2
(7.5.1)

Es folgt fr das Massentrgheitsmoment


h

Jy =

x2

dy =

2
1
a4
b4 h b2 h 3 + h 5
b4
3
5

Das Volumen wird mit Hilfe von Gl. (7.4.1) gelst, die Funktion x = g(y) wird dabei von
y = h und y = h begrenzt
h

V =

x2 dy

a2
b2

2
2b2 h h3
3

(b) Rotationsellipsoids (h = b):


JEllipse =

VEllipse =

4 2
a b
3

VKugel =

8
a4 b
15

4 3
R
3

Kugel mit Radius R (a = b = R):


JKugel =

8
R5
15

2. Gleichgewichtspreis:
f (Q) = g(Q)
200 0, 2 Q = 20 + 0, 1 Q
Q = 600
f (600) = P = 80

Konsumentenrente

Produzentenrente

600

CS =
0

600

200 0, 2 80 QdQ

PS =
0

= 36 000

80 20 0, 1 QdQ

= 18 000

80

A
Mengen
A.1

Denition

In der Mathematik wird jede Zusammenfassung von bestimmten wohlunterscheidbaren Objekten zu


einer Gesamtheit eine Menge, genannt. Die Bezeichnung erfolgt mit Grobuchstaben, z. B. A. Eine
Menge ist deniert, wenn feststeht, welche Objekte zu dieser Menge gehren (a A) und welche nicht
(b A). Die zur Menge gehrenden Objekte heien ihre Elemente.
/
Nur die leere Menge enthlt kein Element.
Mengen werden meistens mit groen lateinischen Buchstaben bezeichnet und die Elemente mit kleinen
Buchstaben. Es gibt zwei Mglichkeiten, Mengen zu denieren:
Durch Aufzhlen ihrer Elemente, die in beliebiger Reihenfolge zwischen geschweiften Klammern
(Mengenklammern) gesetzt sind und durch Kommata getrennt werden.
Schreibweise: {Element 1, . . . , Element n}
Beispiel A.1.
A = {a, b, c, . . . , z} lateinisches Alphabet

B = {1, 2, 3} die ersten drei natrlichen Zahlen


Durch Angabe einer die Elemente charakterisierenden Eigenschaft
Schreibweise: {x | x erfllt Eigenschaft},
Beispiel A.2. L =

n2 + 1
|n N
n2 + n

= {1, 5/6, 10/12, . . .}

Einige der Zahlenbereiche werden hug in Mengenschreibweise dargestellt:


natrliche Zahlen: N = {0, 1, 2, 3, . . .}
Beispiel A.3. 7 N, 10 000 N, 0 N, 10 N, 3.15 N
/
/
Die natrlichen Zahlen dienen oft zum Abzhlen oder Nummerieren.
ganze Zahlen: Z = {. . . , 3, 2, 1, 0, 1, 2, 3, . . .}
Beispiel A.4. 17 Z, 7 Z, 15.9 Z, 10.34 Z
/
/
Mit den ganzen Zahlen knnen Differenzen angegeben werden,
rationale Zahlen: Q = {m/n | m, n Z, n = 0}
Beispiel A.5. 2 = 2/1 Q, 17/10 Q, 17/10 Q, 0 Q (weil 0/1 Q)
Mit den rationalen Zahlen knnen Anteile einer Menge von einer Obermenge angegeben werden.
reelle Zahlen: R
Beispiel A.6. 4 R, 7/10 R, R,

3R
95

Wenn jedes Element einer Menge N auch Element einer Menge M ist, so wird N Teilmenge von M
genannt und es wird geschrieben N M (siehe Abb. A.1). Nach dieser Denition ist jede Menge
Teilmenge von sich selbst. Die Menge M ist in diesem Fall eine Obermenge von N . Wenn M zudem
weitere Elemente enthlt, die nicht in N enthalten sind, so heit N eine echte Teilmenge von M und
M eine echte Obermenge von N (N M ).

M
N

Abbildung A.1: N ist Teilmenge von M


Beispiel A.7. N Z Q R.
Notation Q = I bedeutet nicht, dass I Q. Q = I bedeutet nicht, dass I Q und Q I.
Beispiel A.8.
1. A = {x | x N, x 5}, B = {0, 1, 2, 3, 4, 5}. Dann A = B.
2. C = {1, 2, 4, 3}, D = {3, 2, 1, 4}. Dann C = D.
3. C = {1, 2, 4}, D = {3, 2, 1}. Dann C = D.
Bezeichnungen:
Allquantor: fr alle, fr jedes.
Existenzquantor: es gibt ein, "fr mindestens ein".
Beispiel A.9.
1. Jeder Mensch hat einen Kopf.
( Menschen Kopf)

4. x Z gilt x Q

5. x Q gilt x R

2. Falls M N gilt: x M gilt x N

6. x [0, 1] gilt x R. x [0, 1] gilt nicht x N,


aber x [0, 1] : x N

3. x N gilt x Z

A.2

Mengenoperationen

Die Vereinigung C = A B zweier Mengen A und B besteht aus denjenigen Elementen, die in A oder
B, also in mindestens einer der beiden Mengen A, B enthalten sind (Abb. A.2):
Fr die Menge C = A B = {x | x A oder x B} gilt:
x C ist x A oder x B. Damit ist A C und B C.
Der Durchschnitt D = A B zweier Mengen A und B besteht aus denjenigen Elementen, die sowohl
in A als auch in B, also gleichzeitig in beiden Mengen A, B enthalten sind (Abb. A.2):

96

Fr die Menge D = A B = {x | x A und x B} gilt:


x D ist x A und x B. Damit ist D A und D B.
Die Differenz E = A\B besteht aus allen Elementen x A, die nicht in B liegen (x B).
/
Fr die Differenzmenge E = A\B = {x | x A und x B} gilt:
/
x E ist x A und x B (Abb. A.2).
/

A B
A

A\B

A B
B

(a) Vereinigung A B

(b) Durchschnitt A B

(c) Differenzmenge A\B

Abbildung A.2: Mengenoperationen, die zugehrigen Mengen sind blau hervorgehoben


Beispiel A.10. Seien A = {1, 2, 3, 4, 5} (die Menge der natrlichen Zahlen von 1 bis 5) und B =
{1, 3, 5, 7, 9} (die Menge der ungeraden natrlichen Zahlen von 1 bis 9).
1. Dann ist die Vereinigung C = A B = {1, 2, 3, 4, 5, 7, 9},
2. Dann ist der Durchschnitt D = A B = {1, 3, 5},
3. Dann ist die Differenzmenge E = A\B = {2, 4}.

97

B
Intervalle
Es seien a und b zwei reelle Zahlen mit a < b. Die Menge aller reeller Zahlen x, die die Ungleichung
a < x < b (a x b) erfllen, heit Intervall (Zahlenintervall) mit den Endpunkten (Randpunkten) a
und b.
Gehrt ein Randpunkt selbst nicht zum Intervall, so ist von einem offenen Intervallende die Rede, im
entgegengesetzten Fall von einem abgeschlossenen Intervallende. Die Angabe eines Intervalls erfolgt
durch seine Randpunkte a und b, indem diese in Klammern gesetzt werden. Eine eckige Klammer steht
fr ein abgeschlossenes Intervallende, eine runde fr ein offenes Intervallende.
Gehren beide Randpunkte zu dem Intervall, so heit es abgeschlossen:
[a, b].
Gehrt nur einer der Randpunkte (also entweder a oder b) zum Intervall, so heit es halboffen:
[a, b) oder (a, b].
Gehrt keiner der Randpunkte zum Intervall, so heit es offen:
(a, b).
Intervalle dienen der Beschreibung von Zahlenmengen. Man unterscheidet beschrnkte und nicht beschrnkte Intervalle. Bei einem beschrnkten Intervall sind die Intervallgrenzen a und b reelle Zahlen.
Das Symbol mit der Schreibweise heit unendlich und steht fr "beliebig gro". Das Symbol heit
entsprechend minus unendlich und steht fr "beliebig klein". Die Symbole und sind keine reellen
Zahlen; ist kleiner als jede reelle Zahl, ist grer als jede reelle Zahl. Bei einem unbeschrnkten
Intervall ist mindestens eine der Intervallgrenzen oder . Solche Intervalle knnen durch eine
Ungleichung beschrieben werden:
halboffenes Intervall, nach rechts unbeschrnkt:

[a, ) = {x | x R, a x}

offenes Intervall, nach rechts unbeschrnkt:

(a, ) = {x | x R, a < x}

halboffenes Intervall, nach links unbeschrnkt:]

(, b] = {x | x R, x b}

offenes Intervall, nach links unbeschrnkt:

(, b) = {x | x R, x < b}

offenes Intervall, nach links und rechts unbeschrnkt:

(, ) = {x | x R}

Beispiel B.1.
I1 = [0, 10], I2 = (5, 2), I1 beschrnkt, abgeschlossen und I2 beschrnkt, offen
I1 I2 = [0, 2) ist ein beschrnktes halboffenes Intervall,

I1 I2 = (5, 10] ist ein beschrnktes halboffenes Intervall,

I1 \I2 = [2, 10] ist ein beschrnktes abgeschlossenes Intervall.


I1 = (, 2/5], I2 = [0, 1), I1 halboffen, nach links unbeschrnkt, I2 beschrnkt halboffen
I1 I2 = [0, 2/5] ist ein beschrnktes abgeschlossenes Intervall,

I1 I2 = (, 1) ist ein offenes Intervall, nach links unbeschrnkt,

I1 \I2 = (, 0) ist ein offenes Intervall, nach links unbeschrnkt.

98

C
Grundlegende Rechenregeln
Wird eine mathematische Aussage formuliert, die nicht nur fr eine bestimmte Zahl, sondern fr einen
ganzen Zahlenbereich oder sogar fr alle Zahlen gilt, dann wird statt einer Zahl ein Buchstabe benutzt.
Der Buchstabe heit unbestimmte Zahl oder Variable.
Beispiel C.1.
1. (a + b)2 = a2 + 2ab + b2 (Binomische Formel, gilt fr alle reellen Zahlen a, b, vgl. Gl. (1.2.10)
bis (1.2.12))
2. (ab)c = a(bc) = abc (Assoziativgesetz bezglich der Multiplikation, gilt fr alle reellen Zahlen
a, b und c). Beachten Sie, dass wir hier eine Vereinbarung machen. Der Multiplikationspunkt
(Malpunkt) kann zwischen zwei Variablen, zwischen einer Zahl und einer Variablen, zwischen
einer Zahl und einer Klammer, zwischen einer Variablen und einer Klammer sowie zwischen zwei
Klammern weggelassen werden (vgl. Abschnitt C.2.2).


3. ab = a b, a, b 0

C.1 Teilbarkeitsregeln
Der Kehrwert oder reziproker Wert einer Zahl a = 0 ist die Zahl 1/a.
Beispiel C.2. Der Kehrwert von 5 ist 1/5, der Kehrwert von 10 ist 1/10, der Kehrwert von 1/4 ist 4, der
Kehrwert von 1/3 ist 1 : 1/3 = 3.
Die Quersumme einer Zahl ist die Summe ihrer Ziffern.
Beispiel C.3. Die Quersumme der Zahl 357 129 ist 3 + 5 + 7 + 1 + 2 + 9 = 27. Dies lsst sich weiter
zusammenfassen zu 2 + 7 = 9.
Die einzelnen Zeichen einer Zahl sind ihre Ziffern. Aus Eigenschaften der Ziffern lassen sich Teilbarkeitseigenschaften der Zahlen ableiten.
Eine ganze Zahl ist teilbar durch
2, wenn die letzte Ziffer durch 2 teilbar ist.
3, wenn die Quersumme der Zahl durch 3 teilbar ist.
5, wenn die letzte Ziffer durch 5 teilbar ist (also 0 oder 5 ist).
6(= 2 3), wenn die letzte Ziffer durch 2 und die Quersumme der Zahl durch 3 teilbar ist.
11, wenn die alternierende Quersumme der Zahl (also die Summe der Ziffern, die abwechselnd
positives und negatives Vorzeichen erhalten) durch 11 teilbar ist.

C.2 Grundgesetze der Addition und Multiplikation


C.2.1 Kommutativgesetz (Vertauschungsgesetz)
Fr reelle Zahlen gilt bezglich der Addition und bezglich der Multiplikation das
99

Kommutativgesetz:
a+b=b+a

ab = ba,

dabei knnen a, b und c positiv oder negativ sein!

C.2.2 Assoziativgesetz (Verknpfungsgesetz)


Fr reelle Zahlen gilt bezglich der Addition und bezglich der Multiplikation das
Assoziativgesetz:
(a + b) + c = a + (b + c) = a + b + c

(ab)c = a(bc) = abc

Fehlerwarnung: (ab)c = ac bc.

C.2.3 Distributivgesetze (Zerlegungsgesetze)


Fr reelle Zahlen a, b, c gelten die
Distributivgesetze:
(a + b)c = ac + bc,

a(b + c) = ab + ac

Beispiel C.4.
1. 2 + 3 = 3 + 2 = 5 und 2 3 = 3 + 2

4. 2 3 = 3 2 = 6 und 2 : 3 = 3 : 2

3. (2 + 3) 7 = 2 7 + 3 7 = 35

6. (2 + 3) = 1 (2 + 3) = 2 3 = 5

2. (2 + 3) + 7 = 2 + (3 + 7) = 12

5. (1 3) 2 = (3 2) = 6

C.3 Konventionen
Um eine bersichtliche Schreibweise ohne allzu viele Klammern ermglichen zu knnen, werden einige
Konventionen hinsichtlich der Reihenfolge der Rechenoperationen verwendet:
K1 Klammern haben absoluten Vorrang (werden also stets zuerst berechnet).
K2 Danach werden alle Potenzen (ax bzw. xn ) berechnet und zwar bei fehlenden Klammern von
oben nach unten. Dasselbe gilt fr die Auswertung von anderen Funktionstermen wie z. B. loga .
K3 Danach werden alle Punktoperationen (Multiplikation und Division :) durchgefhrt, und zwar
von links nach rechts, falls keine Klammern stehen.
K4 Danach werden alle Strichoperationen (Addition + und Subtraktion ) durchgefhrt (bei
fehlenden Klammern ebenfalls von links nach rechts).
Das heit, die Rechenzeichen und : binden strker als + und , d. h. Multiplikation und
Division mssen vor Addition und Substraktion ausgefhrt werden. Potenzieren bindet strker als Multiplizieren und Dividieren,.

100

a + bc = a + (bc),

a b : c = a (b : c),

ab2 = a(b2 )

Fehlerwarnung: Es gilt im Allgemeinen:


ab2 = (ab)2 ,

ab = (ab).

Merkregel: Klammern vor Potenz vor Punkt vor Strich.


Beispiel C.5.
2

1. 43 = 4(3 ) = 49 = 262144 (K2: von oben nach unten),


aber: (43 )2 = 642 = 4096 (K1: Klammern zuerst)
2. 48 : 3 : 4 2 = 16 : 4 2 = 4 2 = 8 (K3: von links nach rechts),
aber: 48 : 3 : (4 2) = 48 : 3 : 8 = 16 : 8 = 2 (K1: Klammern zuerst)
3. 120 50 20 = 70 20 = 50 (K3: von links nach rechts),
aber: 120 (50 20) = 120 30 = 90 (K1: Klammern zuerst).
Man multipliziert zwei Summen miteinander, indem man jedes Glied der einen Summe mit jedem Glied
der anderen Summe multipliziert und die erhaltenen Produkte addiert:

(a + b)(c + d) = ac + ad + bc + bd

Fehlerwarnung: im Allgemeinen gilt:


(a + b)2 = a2 + b2 , sondern (a + b)2 = a2 + 2ab + b2 (das erste Binom).

C.4 Bruchrechnung
Ein Bruch ist eine Zahl, die durch einen Ausdruck m/n (m : n, d. h. m geteilt durch n) dargestellt wird.
Es gilt dabei n = 0, denn die Division durch Null ist nicht deniert.
Die Division von Null durch eine von Null verschiedenen Zahl ergibt Null: 0/n = 0.
Die Division einer von Null verschiedenen Zahl durch Null m/0, sowie Null durch Null 0/0 ist nicht
deniert.
Ein Bruch ist ein Quotient, der Zhler m heit Dividend und der Nenner n Divisor. Brche, deren Zhler
kleiner ist als der Nenner (m < n), heien echte Brche.
Beispiel C.6. 7/9, 1/2, 10/13
Brche, bei denen der Zhler grer ist als der Nenner (m > n), heien unechte Brche.
Beispiel C.7. 9/7, 2/1, 13/10
Ganzzahlige Anteile von Brchen knnen vorgezogen werden.
Beispiel C.8. 9/7 = 12/7, 13/10 = 13/10

101

Fehlerwarnung: 12/7 = 1 2/7, sondern 12/7 = 1 + 2/7 = 9/7.


Der Kehrwert eines Bruches p/q ist der Bruch q/p, also der Bruch, bei dem Zhler und Nenner vertauscht
sind, denn 1 : p/q = q/p.
Es ist wichtig zu wissen (a, b R, b = 0):
a
= a,
1

a
a
a
=
=
,
b
b
b

a
a
=
b
b

C.4.1 Erweitern und Krzen


Die Ausdrcke 1/2, 3/6, 4/8 sind verschiedene Schreibweisen desselben Bruchs. Der bergang von
einer Schreibweise zur anderen erfolgt durch Erweitern und Krzen.
Erweitern heit, Zhler und Nenner eines Bruches mit derselben, von Null verschiedenen Zahl zu multiplizieren. Der Wert des Bruches bleibt durch Erweitern unverndert:
ad
a
=
,
b
bd

b, d = 0.

Die Erweiterung von Brchen ist fast immer dann notwendig, wenn zwei Brche addiert werden sollen.
Beim Lsen von Bruchgleichungen ist meist ebenfalls eine Erweiterung (und zwar mit Termen) notwendig.
Es ist darauf zu achten, dass nur mit solchen Termen erweitert wird, die nicht Null werden drfen. Wird
dies nicht beachtet, knnen Lsungen erreicht werden, die die Ausgangsgleichung nicht erfllen!
Krzen heit, Zhler und Nenner eines Bruches durch dieselbe Zahl zu dividieren. Dabei bleibt der Wert
des Bruches unverndert.
a
ac
= ,
b, c = 0.
bc
b
Wird die Krzungsregel nur schematisch durchgefhrt, kann es zu unsinnigen Ausdrcken kommen
a
a
=
=?,
3a
3 a

a = 0.

Es ist ratsam das korrekte Divisionsergebnis (hug 1) zu vermerken


a
a1
1
1
=
=
= ,
3a
3 a1
31
3

a = 0.

Beispiel C.9.
1.

x2 49
(x 7)(x + 7)
1
=
= (x 7), dabei x + 7 = 0, d. h. x = 7
2x + 14
2(x + 7)
2

2.

ab2 b2
b2 (a 1)
b
=
= , dabei ab(a 1) = 0, d. h. a, b = 0 und a = 1.
2 b ab
a
ab(a 1)
a

Fehlerwarnung: Unterschiede Krzen und Dividieren, im Allgemeinen gilt:


a+c
a
a+1
=
=
b+1
b+c
b

102

C.4.2 Addieren und Subtrahieren


Gleichnamige Brche (Brche mit dem gleichen Nenner) werden addiert oder subtrahiert, indem man
die Zhler addiert oder subtrahiert und den Nenner beibehlt:

a b
a+b
+ =
,
c
c
c

c=0

(C.4.1)

Beispiel C.10.
1. 1/9 + 7/9 = 8/9
2.

3.

2x + 3y
2x 3y
x y
=
+
= +
6
6
6
3
2

x2 6x
x2
6x
1 3
= 2 2 = , x = 0.
2
2x
2x
2x
2 x

Ungleichnamige Brche werden addiert oder subtrahiert, indem man sie auf den Hauptnenner bringt,
also durch Erweitern gleichnamig macht. Der Hauptnenner ist das kleinste gemeinsame Vielfache der
Nenner:

b
ad bc
a
=
,
c
d
cd

c, d = 0

Eine ganze Zahl a und ein Bruch b/c werden addiert, indem die Zahl a mit dem Nenner c = 0 erweitert
wird (vgl. Abschnitt C.4.1) und die beiden Brche nach Gl. (C.4.1) addiert werden

a+

b
ac b
ac + b
=
+ =
.
c
c
c
c

(C.4.2)

Beispiel C.11.
1.

3 9 1 7
27
7
27 + 7
34
3 1
+ = + =
+
=
=
7 9
7 9 9 7
63 63
63
63

2.

1 1y
y
(1 y)x
y x(1 y)
y x + xy

=
=
x
y
xy
xy
xy
xy

Fehlerwarnung: Der hugste Fehler beim Addieren (Subtrahieren) von Brchen besteht darin, sowohl
Zhler als auch Nenner separat zu addieren (subtrahieren):
a
2a
a a
+ =
=
b
c
b+c
b+c
sondern

ab + ac
a a
+ =
b
c
bc

C.4.3 Multiplizieren und Dividieren


Brche werden miteinander multipliziert, indem man Zhler mit Zhler und Nenner mit Nenner multipliziert

103

a c
ac
=
b d
bd

(C.4.3)

Beispiel C.12.
1.

1 1
1
=
ab
a b

2.

a c
ac
=
b d
bd

3.

a
a c
ac
c= =
b
b 1
b

Vor dem Multiplizieren sollte gekrzt werden:


ack
ac
a ck
=
= .
bk d
bkd
bd
Ein Bruchstrich ersetzt die separate Klammerung von Zhler und Nenner:
a+b
= (a + b) : (c + d).
c+d
Zwar ist die separate Klammerung von Zhler und Nenner prinzipiell erlaubt, fhrt aber (insbesondere
bei Mehrfachbrchen) zu unbersichtlicher Darstellung.
Beispiel C.13.
1.
2.

2+8
2+8
= 2 + 8 : 2 + 3 = 9, aber:
= (2 + 8) : (2 + 3) = 10 : 5 = 2
2+3
2+3
x8
1
=
(x 8) (d. h. die Klammern mssen geschrieben werden, wenn der Bruchstrich
2
2
entfllt).

Durch Brche wird dividiert, indem mit dem Kehrwert multipliziert wird
a d
ad
a b
: = =
.
c d
c b
bc
Im Doppelbruch D aus obiger Box deutet die Lnge der Bruchstriche an, in welcher Weise die vorkommenden Brche berechnet werden sollen, ohne dass eine Klammersetzung notwendig ist. Wren
nmlich die vorkommenden Bruchstriche gleich lang, so muss eine (hug unbersichtliche) Klammerung die Hierarchie der Berechnung verdeutlichen.
Fehlerwarnung: Unterschiede Erweitern und Multiplizieren:
a
a
ad
ad
Erweitern:
Multiplizieren: d =
=
, (b, d = 0),
,
b
bd
b
b
3
32
6
z. B. 3/4 2 = 6/4
z. B. =
=
4
42
8

104

(b = 0),

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