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Entscheidbarkeit in Der Logik

Das Dokument beschäftigt sich mit Entscheidbarkeitsproblemen in der Logik. Es führt grundlegende Begriffe wie Algorithmus, Probleme und Entscheidungsprobleme ein und unterscheidet dabei die Aussagenlogik von der Prädikatenlogik. Während Entscheidungsprobleme in der Aussagenlogik algorithmisch lösbar sind, werden wesentliche Entscheidungsprobleme in der Prädikatenlogik als nicht entscheidbar charakterisiert.

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Entscheidbarkeit in Der Logik

Das Dokument beschäftigt sich mit Entscheidbarkeitsproblemen in der Logik. Es führt grundlegende Begriffe wie Algorithmus, Probleme und Entscheidungsprobleme ein und unterscheidet dabei die Aussagenlogik von der Prädikatenlogik. Während Entscheidungsprobleme in der Aussagenlogik algorithmisch lösbar sind, werden wesentliche Entscheidungsprobleme in der Prädikatenlogik als nicht entscheidbar charakterisiert.

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Algorithmus

Entscheidbarkeitsprobleme in der Logik


Informelle Charakterisierung:
• Theoreme zur Entscheidbarkeit / Unentscheidbarkeit semantischer Probleme • „Ein Algorithmus ist eine präzise, d.h. in einer festgelegten Sprache abgefasste,
endliche Beschreibung eines allgemeinen Verfahrens
• Aussagenlogik: unter Verwendung ausführbarer elementarer Verarbeitungsschritte.“
[Bauer & Goos, 1982; s.a. Folie 5 von P1]
Gültigkeit, Erfüllbarkeit, Unerfüllbarkeit, Folgerbarkeit, Äquivalenz sind entscheidbar
• Prädikatenlogik: Die intuitive Idee:
◊ Gültigkeit, Erfüllbarkeit, Unerfüllbarkeit, Folgerbarkeit, Äquivalenz • Ein Algorithmus legt fest, wie für ein vorgegebenes Problem (aus einer Klasse von
sind nicht entscheidbar Problemen) eine Lösung berechnet wird.
◊ Gültigkeit, Unerfüllbarkeit, Folgerbarkeit, Äquivalenz sind semi-entscheidbar • Alle Schritte der Problemlösung sind durch den Algorithmus festgelegt.
• Ausdruckskraft – Berechnungseigenschaften • Die Berechnung der Lösung ist nach einer endlichen Anzahl von Berechnungsschritten
abgeschlossen, d.h. der Algorithmus terminiert.
• Monadische Prädikatenlogik
• Aussagenlogik – Prädikatenlogik (eine Zusammenfassung) Die zentrale Frage:
• Das Dilemma: Ausdruckskraft – Berechnungseigenschaften • Wie kann die Idee des Algorithmus in einer präzisen, expliziten Weise charakterisiert
• Logik in der Informatik: Jenseits von F1 werden?
Î Theorie der Berechenbarkeit Î Vorlesung F3

Habel / Eschenbach Logik–13 [1] Habel / Eschenbach Logik–13 [2]

Theorie der Berechenbarkeit & Formalisierung des Begriffs des Problemklassen: Berechenbarkeit und Berechnungskomplexität
Algorithmus

Die Ausgangssituation: Gegeben ein Problem bzw. eine Problemklasse


• Gegeben ein Problem P. Gibt es einen Algorithmus, der P löst? • Gibt es Algorithmen, die das Problem lösen?
Prinzipiell zwei Möglichkeiten: D.h. existiert
• Es gibt einen Algorithmus, der P löst. Dies kann am besten dadurch gezeigt werden, • eine rekursive Funktion, die für das Problem als Eingabe einen Ausgabewert berechnet?
dass ein entsprechender Algorithmus angegeben und seine Korrektheit bewiesen wird. • eine Turing-Maschine, die für das Problem als Eingabe einen Ausgabewert berechnet?
• Es gibt keinen Algorithmus, der P löst. Dies kann nur dadurch gezeigt werden, dass
bewiesen wird, dass es keinen derartigen Algorithmus geben kann. Î Wenn ein derartiger Algorithmus existiert, heisst er berechenbar (computable).
• Konsequenz: Es muss eine explizite Definition des Begriffs ‘Algorithmus’ existieren, um Das Verfahren wird als effektiv bezeichnet.
überhaupt die Existenz eines Algorithmus’, der ein vorgegebenes Problem P löst, • Falls Algorithmen existieren, die das Problem effektiv lösen, dann stellt sich die Frage nach
untersuchen zu können. der Komplexität des Verfahrens.
Î Komplexitätstheorie: Komplexitätshierarchien
Die historische Entwicklung: Suche nach effizienten Verfahren.
• In den 20er- und 30er-Jahren: Suche nach Beweisverfahren in Logik und Mathematik.
• 1936 / 1937: Formale, explizite Definitionen von Berechenbarkeit und Algorithmus:
• Alonzo Church, Stephen Kleene, Emil Post: rekursive Funktionen • Fragen der Berechenbarkeit und Komplexität beziehen sich primär auf Problemklassen!
• Alan Turing: universal-algorithm machine Î Theorien der Berechenbarkeit und Komplexität Î Vorlesung F3

Habel / Eschenbach Logik–13 [3] Habel / Eschenbach Logik–13 [4]


Probleme, Algorithmen, Entscheidungsprobleme Entscheidungsprobleme in Aussagen- und Prädikatenlogik

• Ein Problem P spezifiziert eine Funktion fP : DP → RP (‘Problemfunktion’). Entscheidungsprobleme:


DP spezifiziert die Probleminstanzen, RP die Lösungsinstanzen.
1. Gültigkeit einer Formel F bzw. einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι}
• Ein Algorithmus A spezifiziert / berechnet eine Funktion fA: DA → RA
(‘Algorithmusfunktion’). 2. Erfüllbarkeit einer Formel F bzw. einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι}
DA spezifiziert die Eingabeinstanzen, RA die Ausgabeinstanzen. 3. Unerfüllbarkeit einer Formel F bzw. einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι}

• Ein Problem P ist ein Entscheidungsproblem, 4. Folgerbarkeit einer Formel G aus einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι}
wenn fP eine Boolesche Funktion ist, d.h. wenn RP = {0, 1} bzw. RP = {false, true}. 5. Äquivalenz von zwei Formeln F und G bzw. zwei endlichen Formelmengen
• Ein Algorithmus A ist ein Entscheidungsalgorithmus, {Fi | i ∈ Ι} und {Gj | j ∈ J}
wenn fA eine Boolesche Funktion berechnet.
• Für jedes dieser Entscheidungsprobleme existiert eine aussagenlogische und eine
• Problem P ist entscheidbar, wenn die Boolesche Problemfunktion fP durch einen prädikatenlogische Variante:
Entscheidungsalgorithmus A berechnet wird, d.h. wenn fP = fA. • Für (1) – (3): DP = DA = LAL DP = DA = LPL
bzw. DP = DA = ℘(LAL) DP = DA = ℘(LPL)
• Für (4)): DP = DA = ℘(LAL) x LAL DP = DA = ℘(LPL) x LPL

Habel / Eschenbach Logik–13 [5] Habel / Eschenbach Logik–13 [6]

Entscheidbarkeitsresultate für die Aussagenlogik Unentscheidbarkeitsresultate für die Prädikatenlogik

• Gültigkeit einer Formel F bzw. einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι} Die Resultate:
• Erfüllbarkeit einer Formel F bzw. einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι} • Das Erfüllbarkeitsproblem ist in der Prädikatenlogik nicht entscheidbar.
• Unerfüllbarkeit einer Formel F bzw. einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι} • Das Gültigkeitsproblem ist in der Prädikatenlogik nicht entscheidbar.
Î Das Unerfüllbarkeitsproblem, das Folgerbarkeitsproblem und das Äquivalenzproblem sind
• Folgerbarkeit eine Formel G aus einer endlichen Formelmenge {Fi | i ∈ Ι} ebenfalls unentscheidbar.
• Äquivalenz von zwei Formeln F und G bzw. zwei endlichen Formelmengen
{Fi | i ∈ Ι } und {Gj | j ∈ J }
• Es gibt keinen Algorithmus, der bei Eingabe einer beliebigen prädikatenlogischen Formel
sind (für die Aussagenlogik) entscheidbar, denn: entscheidet, ob diese Formel erfüllbar ist.
• Wahrheitstafelmethode ist ein algorithmisches Verfahren, um Erfüllbarkeit bzw. • Es gibt keinen Algorithmus, der bei Eingabe einer beliebigen prädikatenlogischen Formel
Unerfüllbarkeit, und somit auch Gültigkeit und Folgerbarkeit, zu prüfen. entscheidet, ob diese Formel gültig ist.
• Der Resolutionsalgorithmus der Aussagenlogik entscheidet ebenfalls Erfüllbarkeit bzw.
Unerfüllbarkeit einer Formel (in KNF).
• Die Verfahren zur Prüfung von Formeln (auf Erfüllbarkeit bzw. Unerfüllbarkeit) können
auch zur Prüfung der entsprechenden Eigenschaften von Formelmengen verwendet werden.

Habel / Eschenbach Logik–13 [7] Habel / Eschenbach Logik–13 [8]


Wie lässt sich Unentscheidbarkeit beweisen? Entscheidbarkeit / Semi-Entscheidbarkeit
Zwei „Klassiker“ der Unentscheidbarkeit:
• das Postsche Korrespondenzproblem Entscheidbarkeit eines Problems P
JA!
• das Halte-Problem für Turingmaschinen I hat die Eigenschaft P.
Î Beide Probleme sind unentscheidbar! Algorithmischer Test
Instanz auf die problemspezifische
Reduktionsmethode: Eigenschaft P
NEIN!
• Gegeben ein Problem P und ein bekanntermassen unentscheidbares Problem P*.
I hat die Eigenschaft P nicht.
• Reduktion von P auf P*, etwa in der folgenden Weise:
Bestimme ein Lösungsverfahren für P* auf der Basis eines – angenommenen –
Lösungsverfahrens für P. D.h.: zeige: Semi-Entscheidbarkeit eines Problems P
# Wenn P entscheidbar ist, dann ist P* entscheidbar. „Hat die Eigenschaft P!“ falls
• Also: Wenn die Beziehung # nachgewiesen ist, dann kann P nicht entscheidbar sein. I die Eigenschaft P hat.
Algorithmischer Test
Î Schönings Unentscheidbarkeitsbeweis (S. 72ff.) basiert auf einer Reduktion auf das Instanz auf die problemspezifische
Postsche Korrespondenzproblem. Eigenschaft P
Hält (eventuell) nicht an, falls
I die Eigenschaft P nicht hat.
Habel / Eschenbach Logik–13 [9] Habel / Eschenbach Logik–13 [10]

Semi-Entscheidbarkeitsresultate für die Prädikatenlogik Nicht-Semi-Entscheidbarkeit der Erfüllbarkeit in der Prädikatenlogik

• Das Erfüllbarkeitsproblem der Prädikatenlogik ist nicht semi-entscheidbar.


• Das Unerfüllbarkeitsproblem der Prädikatenlogik ist semi-entscheidbar.
Begründung: Resolutionsverfahren. Begründung:
• Das Gültigkeitsproblem der Prädikatenlogik ist semi-entscheidbar. • Wäre das Erfüllbarkeitsproblem semi-entscheidbar,
Begründung: Reduktion der Gültigkeitsprüfung auf Unerfüllbarkeitsprüfung so könnten wir folgenden Algorithmus konstruieren:
• Das Folgerbarkeitsproblem der Prädikatenlogik ist semi-entscheidbar.
Begründung: Reduktion der Folgerbarkeitsprüfung auf Unerfüllbarkeitsprüfung. Gegeben sei eine Formel F: Auf F wenden wir gleichzeitig die Semi-Entscheidungs-
algorithmen Au für Unerfüllbarkeit und Ae für Erfüllbarkeit an.

Î Jede gültige Inferenz kann als gültig nachgewiesen werden! Da F entweder erfüllbar oder unerfüllbar ist, würde entweder Au oder Ae nach endlich
vielen Schritten mit einem positiven Resultat terminieren.

Somit hätten wir ein Entscheidungsverfahren für Erfüllbarkeit und für Unerfüllbarkeit
konstruiert.

Î Es ist nicht möglich, alle nicht-gültigen Inferenzen als nicht-gültig nachzuweisen.

Habel / Eschenbach Logik–13 [11] Habel / Eschenbach Logik–13 [12]


Monadische Prädikatenlogik Logiken: Ausdruckskraft und Berechnungseigenschaften

Monadische Formel (Definition)


Eine Formel F aus LPL ist monadisch, falls sie ausser den logischen Symbolen
Ausdruckskraft Berechnungseigenschaften
(Junktoren und Quantoren) sowie den Variablen und Konstantensymbolen Aussagenlogik keine interne Strukturierung • Entscheidbarkeit der
atomarer Aussagen Unerfüllbarkeit / Gültigkeit
nur einstellige Prädikatensymbole enthält.
Î nur ja/nein Fragen behandelbar • Erfüllbare Formeln haben
Ein prädikatenlogisches System LPL, das nur monadische Formeln enthält, endliche Modelle
wird als Monadische Prädikatenlogik bezeichnet. monadische einstellige Prädikate • Entscheidbarkeit der
Prädikatenlogik Î einfache Syllogismen Unerfüllbarkeit / Gültigkeit
Theoreme der monadischen Prädikatenlogik (Klassenlogik) Î Ergänzungsfragen behandelbar • Erfüllbare Formeln haben
endliche Modelle
1. Falls F eine Formel einer monadischen Prädikatenlogik ist, so gilt: Prädikatenlogik Prädikate beliebiger Stelligkeit • Semi-Entscheidbarkeit der
F ist erfüllbar genau dann, Unerfüllbarkeit / Gültigkeit
wenn F erfüllbar ist in einem Modell dessen Domäne maximal 2k r Elemente enthält, Î komplexe Syllogismen
Î Ergänzungsfragen behandelbar • Erfüllbare Formeln haben
wobei k die Anzahl der einstelligen Prädikate in F und r die Anzahl der Variablen in F ist. abzählbare Modelle
2. Es gibt ein Entscheidungsverfahren für die Erfüllbarkeit der monadischen Prädikatenlogik.
• (1) korrespondiert zum Theorem von Löwenheim-Skolem:
Jede erfüllbare Formel der Prädikatenlogik besitzt ein abzählbares Modell.
• (2) ist ein Konsequenz von (1).

Habel / Eschenbach Logik–13 [13] Habel / Eschenbach Logik–13 [14]

Logiken: Ausdruckskraft und Berechnungseigenschaften (2) Logik für InformatikerInnen: Jenseits von F1

• Grössere Ausdruckskraft führt – häufig – zu ungünstigeren Berechnungseigenschaften


• Entscheidbarkeit → Semi-Entscheidbarkeit (Effektivität) • Aussagenlogik & Prädikatenlogik: weitere Kalküle
• endliche Modelle → abzählbare Modelle
• Erweiterung der Ausdruckskraft logischer Sprachen
• Komplexität der Berechnungsverfahren (Effizienz)
• Modallogiken
Î Welche Ausdruckskraft benötigt wird, hängt vom Anwendungsgebiet ab! • Zeit-Logik
• nicht-monotone Logiken
• mehrwertige Logiken

• Was bleibt – in diesem Dilemma – zu tun? • Verbesserung der Berechnungseigenschaften


• Wähle die billigste Logik, die das Anwendungsgebiet zulässt, • terminologische Logik
z.B. suche monadische Teilbereiche. • Sortenlogik
• Suche effiziente Verfahren für spezifische Formelklassen • effiziente Schlussverfahren für spezifische Formelklasse
z.B. Hornlogik, Logik-Programmierung, eingeschränkte Resolutionsverfahren.
• Strategien des Schliessens
• Untergliedere die Menge der Terme! [→ Sortenlogiken]
• Berücksichtige Strukturen der Domäne! [→ temporale Logiken]

Habel / Eschenbach Logik–13 [15] Habel / Eschenbach Logik–13 [16]

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