Dipl Arb
Dipl Arb
Vorwort
Als ich von der Mglichkeit hrte eine Diplomarbeit am International Institute for Craniosacral Balancing (ICSB) schreiben zu knnen, war ich begeistert. Es fiel mir sofort das passende Thema ein, dass mich schon lange beschftigt hat. Craniosacral Arbeit nach Kaiserschnitt. Immer mehr Geburten finden durch Kaiserschnitt statt, ungefhr 40%. Die Folgen fr Mutter und Kind werden noch viel zu wenig beachtet. Ich freue mich, mit dieser Arbeit meine Erkenntnisse zu diesem Thema mitteilen zu knnen und dadurch etwas zur Aufklrung beizutragen. Mir liegen besonders die kleinen Menschenwesen am Herzen. Ich erlebe sie bei meiner Craniosacral Arbeit. Jedes Kind ist in seinem Innern wie ein klarer Kristall. Dieser bleibt unberhrt, ganz egal was im ueren an Erfahrungen stattgefunden hat. Mutter und Kind sind nach einer Kaiserschnitt-Geburt beide gleichermaen mitgenommen. Ich freue mich, einen Weg beschreiben zu knnen, wie Mutter und Kind wieder in den natrlichen Kontakt zu einander finden, trotz Geburtstrauma und postnataler Depression. Die Biodynamische Craniosacral Arbeit kann das auf wunderbare Weise ermglichen. Auch Lukas, ein achtjhriger Junge konnte durch die Craniosacral Arbeit wieder in seine Lebensfreude kommen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort..............................................................................................................................1 Einleitung...........................................................................................................................3 Craniosacral Therapie........................................................................................................3 Craniosacrale Biodynamik................................................................................................3 Der Atem des Lebens.........................................................................................................4 Die Zndung in der embryologischen Entwicklung..........................................................4 Zugang zur Matrix bei Babys............................................................................................5 Die Kaiserschnittgeburt.....................................................................................................6 Parasympathischer Schock............................................................................................6 Wo liegt die medizinische Indikation zum geplanten Kaiserschnitt?...........................7 Bei Kaiserschnitt Babys fehlt oft die innere Zndung..................................................7 Der geplante Kaiserschnitt............................................................................................8 Der Notfall Kaiserschnitt .............................................................................................8 Gekoppeltes sympathisches und parasympathisches Nervensystem............................9 Wege zur Ganzheit...........................................................................................................10 Die Entwicklung der Embryonalen Mittellinie...............................................................10 1.) Die Quanten Mittellinie.........................................................................................10 2.) Primre Mittellinie.................................................................................................11 Entwickung von Primrstreifen und Notochorda zur Primren Mittellinie................11 3.) Die Flssigkeitsmittellinie.....................................................................................12 Die Mittellinien in Verbindung zu Kaiserschnitt-Geburten........................................15 Therapeutische Mglichkeiten (Fluida Krper)..........................................................15 Alles geschieht ber das Einfhlen.............................................................................16 Das Neurocranium - Der Gehirnschdel.........................................................................17 Embryologische Entwicklung und Ossifikation (Knochenbildung)...........................18 Das Hinterhauptsbein - Os Occipitale.........................................................................18 Embryologische Entwicklung des Os Occipitale........................................................18 Kaiserschnitt-Geburtsdynamiken................................................................................20 Therapeutische Mglichkeiten (Struktur)...................................................................22 Das Os Occipitale in der Behandlung.........................................................................22 Das SBG (Sphenobasilargelenk).................................................................................23 Direkte Arbeitsmethode bei Babys.............................................................................23 Erfahrungsbericht in der Biodynamischen Craniosacral Arbeit nach einer Kaiserschnittgeburt..........................................................................................................25 1.) Fallgeschichte von Friederike und ihrer Mutter....................................................25 2.) Fallgeschichte von Lukas (Zusammenfassung).....................................................40 Nachwort.........................................................................................................................43 Quellenangaben...............................................................................................................44
Craniosacrale Biodynamik
In der Craniosacralen Biodynamik untersttzen wir ber den Atem des Lebens die Aktivierung der Selbstheilungskrfte im Klienten. Dadurch kommen Krper, Geist und Seele wieder in Einklang und in Kontakt mit seiner inneren Mitte. Wir wenden uns anstatt der Krankheit der Gesundheit im Menschen zu und achten seine Ganzheit. Wir lauschen mit den Hnden, dem Herzen und allen Zellen in den Krper hinein und lassen uns dabei von ihm fhren. So kommen wir in Kontakt mit den Krften die dem Leben innewohnen. Diese Krfte vermgen regulierend und korrigierend das Wohlergehen des Klienten zu beeinflussen. Sie bewirken eine Neuorganisierung und eine heilsame Balance von innen. Sie folgen einem innewohnenden Bauplan (Matrix), der schon seit der Entstehung der ersten Zelle in Aktion ist. Eine tiefe dynamische Stille liegt all dem zu Grunde, die das menschliche System im Innern regeneriert und Kraft schpfen lsst.
Die Kaiserschnittgeburt
Es finden mehr und mehr Kaiserschnittgeburten statt. Heute liegt die Kaiserschnittgeburtenrate bei ungefhr 40%. Beim Kaiserschnitt kann das Baby nicht den normalen Weg nehmen. Die Mutter-Kind-Einheit wird ohne Vorwarnung zuerst durch die Narkose gestrt, das Kind erlebt den Schnitt mit und wird dann gegen seinen Willen ganz schnell und abrupt aus dem warmen, gemtlichen Bauch heraus geholt. Hier erfhrt es innerhalb krzester Zeit eine komplette Reizberflutung auf jeder Ebene, visuell, akustisch und vom Empfinden des Krpers. Es gibt zwei Arten von Kaiserschnittgeburten: Geplanter Kaiserschnitt und Notfall Kaiserschnitt. Beim geplanten Kaiserschnitt wird die Geburt vorgenommen bevor das Baby in den Geburtskanal eintritt. Der Notfall-Kaiserschnitt ist nicht geplant und das Baby hat sich unter Umstnden schon tief im Geburtskanal befunden. Beide Arten von Kaiserschnittgeburten rufen unterschiedliche Schock-Symptome im System des Babys hervor. In beiden Fllen bekommt die Mutter eine Narkose, die auch von dem Baby empfunden wird. Dadurch kann ein so genannter Narkose Schock entstehen, welcher sich als parasympathischer Zustand mit beraktivierung zeigen kann.
Parasympathischer Schock
Im parasympathischen Schock ist das Baby berruhig, schlft viel, orientiert sich nicht zur Mutter, zeigt kein Interesse an Essen oder Kontakt. Dies kann zu Schwierigkeiten mit Essen und Verdauung, Dissoziation, Fluida Schock und keiner guten Zndung (Ignition) fhren. Die Kpfe von Kaiserschnitt Babys knnen sich sehr kompakt anfhlen, vergleichbar mit einer Kokosnuss. Wie kommt es dazu? Normalerweise ist ein Neugeborenes mit einem pulsierenden Fluidabeutel zu vergleichen, angefllt mit Potenz. Durch einen Fluida Schock, der im Kern des Systems gehalten wird entsteht Statik und Soliditt. Ein Fluida Schock kann entstehen, wenn das Baby durch chirurgisches ffnen vom Bauch der Mutter und des Uterus geboren wird. Das Baby erfhrt dabei eine pltzliche Druckvernderung von Unterdruck zu berdruck. Der Fluida Krper wird in seiner natrlichen Bewegung und der Primren Atmung 6
eingeschrnkt. Der natrliche Kontakt zur Primren Mittellinie fehlt. Die Auflsung vom Fluida Schock bei Babys geschieht am Besten ber die Long Tide und die Primre Mittellinie. So ist es mglich in tiefere Ressourcen vorzudringen und mit der originalen Matrix Kontakt aufzunehmen. Dies kann ber EV4 Prozesse, via des Sacrums geschehen. Zustzlich wird mit der sanften Intension von Raum stagnierende Potenz befreit und damit der Schock aufgelst.
man dies in der Regel an den Augen des Babys. Sie schauen anstatt nach innen im offenen Kontakt nach auen. Der Blick ist dabei klar und offen. Die innewohnende Intelligenz tritt nach auen in Kraft.
als Schock empfunden. Durch die zustzliche Verbindung mit Narkose kann sich diese Erfahrung als dissoziatives Verhalten zeigen: Das Baby mag das Gefhl von eigenen Grenzen vermissen. Es mag auch nicht in der Lage sein, sich zu seiner Umgebung und zu seiner Mutter zu orientieren. Dies wird noch verstrkt, wenn das Baby aus Notfallgrnden von der Mutter getrennt wird, wie z.B. wenn es in einer speziellen Babyabteilung untergebracht werden muss. Die Trennung von der Mutter kann Bonding- und Ftter-Schwierigkeiten hervor rufen. In der Regel leidet das Baby an ber- oder Unteraktivitt. Auch das soziale Nervensystem wird beeintrchtigt. Es besteht aus Elementen, welche die Bindung des Neugeborenen mit der Mutter erlauben: Stimme, Hren, Augenkontakt, Sehen und Gesichtsausdrcke.
Geburtspositionen 9
Embryo
Die Primre Mittellinie ist durchgehend vom Coccyx, ber Sacrum, Wirbelkrper, Occiput, Sphenoid bis zum Ethmoid. Auch die Schdelbasis ist ein Teil der Mittellinie. Das Sphenobasilargelenk (SBG) ist ein wichtiger Ansatzpunkt fr die Krfte, die in der Mittellinie prsent sind. Die Krfte der primren Mittellinie werden als aufsteigende, organisierende Kraft wahrgenommen. 11
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Die Duralrhre formt sich spter um diese dorsale Flssigkeitsmittellinie herum. Die Flssigkeitsittellinie erstreckt sich von der Mitte des Sacrums ber das Rckenmark zu den Ventrikeln. Ebenso gehrt der gerade Sinus und die Flax als Teile des Membranensystems dazu.
Zirkulation des Liquors ber die Flssigkeitmittellinie drckt sich die Potenz des Atem des Lebens als klare, organisierende und manifestierende Kraft in der Cerebrospinalen Flssigkeit aus. Die Primre Atmung von Inhalation und Exhalation zeigt sich als Fluiddrive und gibt 13
Auskunft ber den Zustand des Fluida Krpers. Es gibt also zwei ganz wichtige Mittellinien, welche die Cellulren- und FlssigkeitsEbenen auf ganz natrliche Weise organisieren.
Das Membransystem rechts: Die Bewegung der rezipoken Spannungsmembran und Duralrhre in Inhalation
Die ventrale, Primre Mittellinie organisiert Zellen und Gewebe. Die dorsale Flssigkeitsmittellinie organisiert die Cerebrospinale Flssigkeitsbewegungen (Fluidtides). Die Flssigkeitsmittellinie arbeitet in Verbindung mit der Primren Mittellinie. Flssigkeit, Zellen und Gewebe orientieren sich ganz natrlich zur Primren Mittellinie. Sie ist die klare organisierende Achse des physischen Krpers. Beide der oben genannten Mittellinien orientieren sich letztlich zur Quanten Mittellinie hin. Dies geschieht, weil der Atem des Lebens unsere Lebenskraft ist, die uns mit unserem inneren Sein verbindet, unserem Zentrum und unserer Gesundheit.
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Respektvolles Abwarten bis das Baby von selber Kontakt herstellt Weite Prsenz des Therapeuten Kontakt zum Baby ber die Long Tide und ber die Primre Mittellinie zur Matrix Primr Atmung (PR Primre Respiration) Ballance im Fluida Krper ber die Mid tide den EV4 Prozess vom Sacrum aus. Dynamische Stille
EV4 ist ein Stillpunktprozess in der Inhalation. Es entsteht eine Expansion des vierten 15
Ventrikels. Eine Ermutigung zur Manifestation und Ausdruck der Potenzen im System findet dabei statt. Ist genug Potenz im Fluida Krper vorhanden kann auch ein Zndungsprozess (Ignition) EV3, ber den dritten Ventrikel, angeboten werden. Dieses findet beim Baby am besten vom Sacrum aus statt.
Zndungsprozess
Schdel eines Kindes (links) und eines jungen Erwachsenen (rechts) Embryologisch gesehen entsteht das Neurocranium aus unterschiedlichen
Gewebestrukturen:
aus Membranen wird das Desmocranium, das Schdeldach (Calvaria), gebildet aus Knorpel wird das Chondrocranium, die Schdelbasis, gebildet
Das Neurocranium wird aus folgenden individuellen Strukturen gebildet: Lateinisch Os occipitale Os frontale Os parietsle (gepaart) Os sphenoidale Os temporale Os ethmoidale Zum Schdeldach gehren: Os frontale, os parietale, die Schuppe des Os temporale, die Schuppe des Os occipitale, die grossen Keilbeinflgel. Deutsch Hinterhauptsbein Stirnbein Scheitelbein Keilbein Schlfenbein Siebbein
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Zur Schdelbasis gehren: Os occipitale (pars basilaris und pars condylaris), Os sphenoidale (Krper vom Sphenoid), der Prozessus Mastoideus und das Felsenbein des Os temporale (pars petrosa), Os ethmoidale. (Quelle: www.icsb.ch)
Os Occipitale Das Os Occipitale ist knorpeligen Ursprungs und verwchst sich zwischen dem vierten bis achten Lebensjahr. Da das Os Occipitale bei der Geburt noch aus vier Teilen besteht, weist es eine groe Flexibilitt auf. Eine Rotation der Kondylen rechts/links und mediale Kompression ist mglich. Auch alle Strukturen knnen wie ein Teleskop ineinander verschoben werden. Lsen sich die Krfte der Geburtsdynamik nach der Geburt nicht von alleine auf, knnen sie als intraossre Kompression bestehen bleiben und noch bis ins erwachsene Alter gefhlt werden. Eine wichtige Funktion des Breath of Life (Atem des Lebens) ist es Selbstkorrekturen, besonders nach der Geburt, zu untersttzen und die Verbindung zum Gesunden wieder herzustellen.
Der Atlas trgt als oberster Teil der Wirbelsule, ber die Kondylen des Hinterhauptes (Os Occipitale), den Kopf. Durch Verschiebungen und Rotation, im Hinterhaupt, whrend der Geburt, beeinflusst werden. knnen sowohl das Membransystem im Wirbelsulenkanal ungnstig (Duralrhre), als auch die reziproke Spannungsmembran im Schdel
Kaiserschnitt-Geburtsdynamiken
Wenn man an geplante Kaiserschnitt geborene Babys denkt (schnes rundes Kpfchen), vergisst man oft, dass sie einem Geburtstrauma ausgesetzt wurden. Und sogar noch mehr, da der Fluida Schock und die Narkose dazu kommen. Bei ihnen kann ebenso eine Verschiebung der Kondylen stattgefunden haben und intraossre Krfte besonders im Occiput eingeschlossen sein. Ein Kaiserschnitt ist auch wenn er geplant ist immer eine schnelle Sache. Da wird das Baby schon mal auch am Kpfchen herausgehoben. Bei einem Notfall Kaiserschnitt ist das Baby oft schon tief in den Geburtskanal vorgedrungen, hat dort einige Stunden fest gesessen und war den Presswehen ausgeliefert. Dabei knnen Verdrehungen der Kondylen passieren und auch das Occiput rotiert werden.
Muster von Sidebending und Rotation des Sphenoid und Occiput Oft ist der Atlas mit beeintrchtigt. Ist das Occiput verschoben, beeinflusst dies das Sphenobasilar Gelenk (SBG). Und die beiden Flgel des Sphenoid (Keilbeinflgel). Er kommt aus seiner natrlichen Balance und sowohl physiologische Muster und nicht physiologische Muster knnen entstehen. Das Kpfchen des Babys kann sehr verformt aussehen. 20
Kncherne Verschiebungen des Os occipitale knnen zur Lagevernderung des Foramen Jugularis beitragen. Durch das Foramen Jugularis tritt der Vagus Nerv mit seinen zwei weiteren sten aus.
Durch Druck auf den Nervus glossopharyngeus IX, Nervus Vagus X und den Nervus accesorius XI knnen groes Unwohlsein nach der Geburt entstehen, mit Symptomen wie: Verdauungsprobleme, Koliken, Atemschwierigkeiten, Probleme beim Saugen. Daraus wird oft ein so genanntes Schrei-Baby, das erst nach Monaten damit aufhrt. Nicht, dass die Symptome sich aufgelst htten, in der Regel haben sie sich nur auf eine tiefere Ebene verschoben. In Stresssituationen werden sie wieder aktiviert. Wie z.B. bei Schulstress, Krankheiten und emotionalen Schwierigkeiten (Trennung der Eltern). Auch die heute sehr verbreiteten Lernschwierigkeiten bei Kindern mit und ohne ADS/ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitts-Syndrom), knnen auf diese Symptomatiken zurck gefhrt werden. Eine besondere Thematik ist noch das heftige rckwrtige Herausziehen der Babys wenn sie tief im Geburtskanal verklemmt sind. Dabei geht alles rckwrts. Der Schdel wird umgekehrt in die Lnge gezogen. Dies bedarf bei der spteren Behandlung besondere Beachtung. 21
Ein Baby hat normalerweise viel innere Potenz (Kraft) und kann mit Hilfe eines guten Fluiddrives verschobene Schdelknochen nach der Geburt selber ausbalancieren. Kaiserschnitt Babys sind da beeintrchtigt. Durch den starken Druckunterschied, denen sie beim Kaiserschnitt ausgesetzt waren, haben sie weniger Potenz in ihrem Fluida Krper und einen weniger guten Fluiddrive. Darum ist es sehr wichtig das Kaiserschnitt Baby beim Aufbau seiner Potenz zu untersttzen, ohne es jedoch zu berwltigen oder zu drngen. Die Arbeit mit Babys braucht viel Geduld und langsames Herangehen. Der Kontakt vom Baby zur Mutter ist bei der Arbeit essenziell. Warten bis das Baby von sich aus Kontakt macht. Vielleicht streckt es einen Fu aus, den man dann halten darf. Wichtig ist ebenfalls die verbale Kommunikation. Ein Baby darf niemals berwltigt werden. Respekt und Herzenergie sind unsere Begleiter.
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Nachdem
sich
die
intraossren
Spannungen
aufgelst
haben,
bringen
wir
Aufmerksamkeit zum Atlas und den Kondylen. Wir arbeiten ber eine Intension von mehr Raum und seitlichem Weiten. Eine so genannte Kondylen-Spreizung kann zur Untersttzung gewhlt werden. Die Finger liegen dabei an den Kondylen und die Ellenbogen des Therapeuten werden leicht nach medial zueinander bewegt. Eine Behandlung endet immer mit dem Kontakt zur Mittellinie und der Primren Atmung, am leichtesten ber das Sacrum.
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Foramen Jugulare verschoben sind, knnen sie sich ffnen und der Vagusnerv sich entspannen. Bei starker Verformung des Kpfchens kann ein so genanntes Molding des Kpfchens Teil einer Behandlung sein. Die Hnde ganz sanft und wie in Wasser getaucht um den Kopf legen, mit der Intension von Raum und Weite zur Mittellinie orientierend. In Verbindung zur Gesundenergie im Krper. Das Baby hat ein Recht darauf, sich einfach in seinem neuen Leben wohl und zu Hause zu fhlen. In vollen Kontakt zu seiner Mutter und ihrer Umgebung. Dabei ist die Biodynamische Craniosacral Arbeit ein wunderbares Werkzeug. Jahre nach dem Kaiserschnitt gibt es Betroffene jeden Alters, die noch an den Folgen leiden. Oft spren sie diese erst wenn sie sich einer Stresssituation aussetzen (z.B. in der Schule oder durch die Trennung der Eltern). Da kommt schon mal ein Kind mit Lesebzw. Rechtschreibschwche, das einen Kopf so hart und schwer wie eine Kokosnuss hat und ganz in sich zurckgezogen da sitzt. Hier arbeiten wir ber den Innewohnenden Behandlungsplan, mit den drei Schritten von Becker. Auflsung interossrer, als auch intraossrer Spannungen am Schdel knnen ntig sein. Ausgleich im Sympathikus und Parasympathikus und die Rckfhrung zu den eigenen Ressourcen. Strkung der Potenz im Fluida Krper und innerer Stille. CV4 als Tor zur Dynamischen Stille, EV4, der Stillpunktprozess durch die Inhalation zur Auflsung von gehaltenen Potenzen, Zndungsprozess-CV3, Orientierung zur Primren Mittellinie. ber den Atem des Lebens Rckorientierung zur Originalen Matrix und innerer heilender Stille. Wir honorieren die Geschichte und orientieren uns zum Gesunden hin. Diesen Kindern oder Erwachsenen geht es in der Regel nach sechs Biodynamischen Craniosacral Behandlungen viel besser. Sie finden zurck zu ihrem Urvertrauen ihrer Lebensfreude und Gesundheit. Zum Ende der Therapeutischen Grundlagen. Hiermit schliee ich die Zusammenfassung der Therapeutischen Grundlagen zur Biodynamischen Craniosacral Behandlung von Kaiserschnitt Geborenen ab und freue mich zwei Erfahrungsberichte aus dem Leben vorstellen zu knnen. 1.) Friederike 2 Monate alt und ihre Mutter. 2.) Lukas 8 Jahre alt. (als Zusammenfassung)
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sich wie in warmes Wasser getaucht an, meine Wahrnehmung ist weit und ich lausche mit Hand und Herz und allen Zellen in Friederikes Krper und Biosphre hinein. Dabei bin ich mir auch der Mutter bewusst. Ich schliee sie in die Behandlung ein. Ich kann fhlen wie wenig freie Potenz sich in Friederikes Krper befindet. Friederike lsst meine Berhrung geschehen und ich kann nach einiger Zeit meine zweite Hand auf ihren Bauch legen. Ich verbinde mich mit der Primren Mittellinie und dem Gesunden in Friederike. Ein wenig Stille ist zu erahnen. Danach halte ich Friederikes Kpfchen fr eine Weile. Spre, ob der Atlas verschoben ist. Da er leicht nach links verlagert ist gebe ich in die Intension einen Vorschlag von Raum und Weite hinein. >Kannst du dich wohl im Kontakt zur Mittellinie etwas nach rechts orientieren?< Dies geschieht ganz sanft und kein Tun von meiner Seite kommt dazu. Besonders da es die erste Behandlung ist, geht es hier ums Ressourcen und Kennenlernen. Friederike fngt an zu weinen und es ist klar... genug fr heute. Ich streiche noch etwas ber ihre Beine und sie entspannt sich wieder. Die Mutter hlt sie fr eine Weile. Ich sage Friederike noch, dass sie bald wiederkommen darf und lasse sie wissen, dass nun ihre Behandlung zu ende ist. Die Oma nimmt Friederike mit nach Hause. Sie versorgt das Baby viel, da ihre Tochter sich schnell durch Friederikes Schreien berfordert fhlt und sich nicht traut alleine mit Friederike raus zu gehen. Die Behandlung von Friederike hat ungefhr mit allen Pausen 40 Minuten gedauert. Gegenwrtige Situation: Friederike schlft unruhig, schreit viel in der Nacht, lsst sich dann kaum beruhigen. Trotzdem fhlt sie sich energetisch wie nicht da an, es gibt kaum Augenkontakt, kein Lcheln. Sie ist mehr innen als auen. Friederike hatte eine so genannte Notfall-Kaiserschnittgeburt. Sie war schon tief im Geburtskanal, als sie die Narkose und den Schnitt erfahren hat. Nach dem Herauskommen wurde sie von der Mutter getrennt, es gab keinen krperlichen Kontakt. Ihre Lungen wurden abgesaugt und sie kam in ein Wrmebettchen. Die Mutter war in einer tiefen Narkose und der Schnitt musste versorgt werden. Als Friederike zur Mutter zurck kam hatte sie Probleme mit dem Saugen und Stillen und die Mutter gab bald mit der Brustftterung auf. Der Kontakt von Mutter und Baby hatte whrend und nach der Geburt nicht wirklich stattgefunden und das so genannte Bonding fiel aus. Durch den Geburtsschock konnte das Baby keinen natrlichen Kontakt zur Mutter herstellen. Es war wie abgeschnitten und suchte keinen Augenkontakt. Die Mutter konnte dadurch ihrerseits ebenfalls nicht in Kontakt kommen. Auch gab es wohl bei der Mutter durch die Geburt
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eine starke hormonelle Imbalance. Friederikes Mutter: Sie ist Musiklehrerin und 38 Jahre alt. Sie hatte bisher immer erfolgreich im Leben gestanden. Mit 38 Jahren war sie eine so genannte Sptgebrende. Sie wollte unbedingt ihr Kind auf normalem Wege zur Welt bringen. Als Friederike per Kaiserschnitt geboren wurde, fhlte sie, dass sie als Mutter versagt hatte. Sie fhlte sich sehr an der ganzen Situation schuldig und unzureichend. Sie war in eine Depression hinein gefallen. Fhlte sich mit Friederike berfordert und weinte fast stndig. Ihr Nervensystem war so aus der Balance, dass sich der Trnenfluss nicht stoppen lie. Ihr Mann war beruflich sehr viel unterwegs und die Beziehung angespannt. Es fand so gut wie kein Austausch ber Ihre Gefhle statt. Nachdem die Oma mit Friederike nach Hause gegangen ist, beginnt nach der Sitzung mit Friederike ein langes Gesprch mit der Mutter. Es fhlt sich an, als ob die Sitzung fr die Mutter genauso dringend ntig ist wie fr Friederike. Eine groe Erleichterung geschieht unter Trnen, als Friederikes Mutter sich erlaubt erstmals offen ber ihre Gefhle zu sprechen: Ich habe seit dem Kaiserschnitt eine Depression, der Kontakt zu Friederike ist weitgehend verloren und ich kann sie kaum um mich haben. Friederike schreit viel, besonders Nachts. Ich gebe Sie zur Oma ab so viel es geht und fhlte mich mehr und mehr schuldig. Dieses lsst die Depression noch strker werden. Die Depression uert sich in Trnen, die fast stndig flieen und unkontrollierbar sind. Die Einweisung in eine psychiatrische Klinik steht bevor. Dies wrde wieder eine Trennung von Friederike bedeuten. Ich habe meinen Beruf als Musiklehrerin fr Kinder sehr geliebt und habe das Gefhl meine Selbststndigkeit durch Friederikes Geburt verloren zu haben. Alles ist jetzt anders in meinem Leben, ich komme damit nicht klar. Ich habe mich doch so auf mein Kind gefreut und jetzt ist nichts mehr davon da. Da waren groe Schuldgefhle und das Nervensystem feuerte stndig. Zur Strkung des Nervensystems beginne ich das Gesprch mit vielen Ressourcen und Trauma Arbeit. Ich bin mir dabei sehr meiner Mittellinie bewusst und ein Raum von Weite, Entspannung und Vertrauen breitet sich langsam aus. Ich orientiere mich zum Gesunden hin. Ich mache der jungen Mutter Mut und hre ihr zu. Nach einer Weile wird der Trnenfluss weniger und ich schlage der Mutter eine Craniosacrale Behandlung vor, die sie gerne bereit ist anzunehmen. 27
Friederikes Mutter 1. Behandlung: Ich verbringe lange Zeit bis ich mit dem System von Friederikes Mutter in Kontakt kommen kann. Ich fahre mit Ressourcieren und Trauma Arbeit fort. Ihr System ist sehr gehalten und gleichzeitig beraktiv. hnlich wie bei ihrer Tochter. Ich lade EV4 Stillpunkprozesse ein und langsam kann ich etwas mehr Potenz fhlen. Bei der Sitzung zeigt sich ein verschobenes Becken. Der Keilbeinflgel (Sphenoid) ist stark aus der Balance und regelrecht am Schwimmen. Ich folge dem Inneren Behandlungsplan. Das Zentrum der Imbalance befindet sich im Becken. Das Sacrum ist nach links ausgerichtet, was wohl auf die elf Stunden der vergeblichen Presswehen zurckzufhren ist. Nachdem sich Becken und Sacrum ausgerichtet haben, lege ich meine Hnde an den Kopf. Der Keilbeinflgel zeigt eine rechte Torsion. Mit den drei Schritten von Becker setzt sich ihr System in Neutral und Stille. Es ist erstaunlich, wie unter all den Schwierigkeiten Friederikes Mutter doch noch recht gute Ressourcen hat. Sie kommt am Ende der Sitzung in eine tiefe Entspannung und der Trnenfluss hat zu ihrem Erstaunen ganz aufgehrt. Fast sitzt mir da eine andere Frau gegenber. Jetzt konnte ich ihr gut erklren, was fr Prozesse bei Friederike und ihr im Gange sind und was ich fr die Behandlung vorschlage: Friederike war bereits auf ihrer Reise in den Geburtskanal gegangen und steckte dort schon seit mehreren Stunden fest. So hatte sie, die Mutter, keine Chance eine natrliche Geburt zu machen. Es war also nicht ihre Schuld. Sie hatte ihr Bestes gegeben. Der Kaiserschnitt hatte in dieser Indikation sein mssen. Durch die Schockerfahrung fr Friederike ist das sympathische wie auch parasympathische Nervensystem berfordert worden. Dadurch schreit Friederike viel und erscheint trotzdem wie abgeschaltet. Durch die Umstnde wurde die innere Lebenskraft nicht richtig aktiviert. Das Kind entwickelt gleich zu Beginn seines Lebens ein Gefhl von Getrenntsein von seiner Lebensquelle der Mutter und fhlt sich fremden Menschen ausgeliefert. Da seine einzige Ressource in ihm selbst ist, zieht es sich nach innen zurck, zu seinem eigenen inneren Kern hin. Da wo es selbst noch ein Gefhl von Ganzheit empfinden mag. Nach auen reagiert das Nervensystem und das Baby schreit aus Leibeskrften, oft bis zur Erschpfung. Friederike braucht viel Ressourcieren. Dabei knnen ihr die Craniosacral Behandlungen helfen. Ebenso ist die Stimme und der krperliche Kontakt zur Mutter wichtig. Ich schlage der Mutter vor, in Friederikes Gegenwart zu singen und sie zu massieren. Eine sichere Atmosphre zu gestalten und mit ihr mehr Zeit zu verbringen. 28
Friederikes Mutter ermuntere ich zu einem offenes Gesprch mit ihrem Mann, indem sie ihm von ihren inneren Konflikten und Schuldgefhlen berichten mge. Sowie sie es hier getan hat. Die Anzahl der Craniosacral Behandlungen lasse ich offen, schlage aber vor, Mutter und Kind nach 3 Tagen wieder zu sehen und beide am selben Tag nacheinander zu behandeln. So wrde die Oma weiterhin mitkommen. Ressourcieren beim Baby
Nhe zur Mutter Haut- und Krperkontakt zwischen Mutter und Kind liebevolle Berhrungen generell Stimme der Mutter (das Baby erinnert sich) Stille und sichere Atmosphre im Raum Brustfttern Liebevolle Nhe des Vaters Wrme
Gegenwart der Mutter Krperkontakt zur Mutter auch whrend der Craniosacral Arbeit. Sich ganz viel Zeit lassen vor dem ersten Kontakt mit dem Baby
Als nchstes sanft eine Hand auf den unteren Rcken des Babys legen Wenn das Baby sich auf dem Arm der Mutter befindet, kann man die zweite Hand auch auf den Rcken der Mutter legen, denn Mutter und Kind sind noch eins und das Kind erfhrt sich auch als Mutters Krper
Dann kann die zweite Hand zum Baby auf dessen Bauch gelegt werden. Danach folgt Warten in Geduld und Stille, im Kontakt zu meiner Mittellinie und dem Gesunden im Krper. Ich fhle die Primre Mittellinie des Babys und nebenbei die der Mutter
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Vielleicht bewegt sich das Baby, dies ist ok und darf sein. Ich kann einfach seinen Bewegungen folgen. Ist es noch sehr klein geht es meist ganz einfach. Es ist gut mit dem Kind im Wachzustand zu arbeiten, da wir auch hier die Erlaubnis zum Berhren bewusst einholen wollen.
Beim Kaiserschnitt und der Nachuntersuchung hat man die Grenzen des Kindes bertreten und es ist ganz wichtig dem Kind zu vermitteln, dass ich seine Grenzen akzeptiere und respektiere. Grenzen akzeptieren:
Ich sage an, was ich tun mchte und warte auf Kontakt. Ist der Kontakt erfolgt, zeigt sich in mir ein inneres Ok-Gefhl, dann kann Berhrung sanft und klar geschehen.
Fngt das Baby bei der Berhrung an zu schreien, unterscheiden wir zwischen zwei Arten:
1. Schreien, das innere Anstrengung in Richtung Auflsung anzeigt. 2. Schreien, das uns anzeigt, dass das Baby wtend ist oder genug hat.
Beim ersten knnen und sollen wir in der Handposition verbleiben, bis die Auflsung geschieht. Beim zweiten die Hnde (nach Ansage) entfernen und Kontakt zur Mutter untersttzen. Sanfte verbale Kommunikation untersttzt das Vertrauen des Babys. Die Arbeit findet immer in der Verbindung zur Primren Mittellinie statt. Es fhrt uns dorthin, wo im Baby noch immer alles heil und gesund ist. Zu seiner innere Quelle. So knnen wir dieses Urvertrauen wieder in sein Jetzt-Bewusstsein zurck bringen. Friederikes Augen erweckten den Eindruck, als sei sie noch nicht wirklich hier in dieser Welt angekommen. Sie schauten nach innen. Darum ist es fr ihre Mutter so schwer den Kontakt zu ihrem Kind zu fhlen. Durch den verschoben Keilbeinflgel, in Verbindung zur Beckenverschiebung bei der Mutter, ergeben sich starke emotionale Schwankungen in ihrem System. Dazu kommt ein Nervensystem das durch den Kaiserschnitt berfordert ist, plus ein unausgewogener Hormonspiegel durch Schwangerschaft und Geburt. Als sich der Keilbeinflgel in Balance gesetzt hat, entspannte sich etwas in Friederikes Mutter auf tiefster Ebene. Jetzt hatte das Nervensystem, in Verbindung mit dem Ressourcieren, eine Chance sich in Richtung von Entspannung und Heilung zu begeben.
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Nach 3 Tagen sah ich Friederike mit ihrer Mutter und ihrer Oma wieder. Friederike ging es soweit gut und sie hatte etwas mehr in der Nacht geschlafen, was auch der Mutter gut getan hatte. Friederike 2. Behandlung: Ich nhere mich ihr sehr sanft und spreche sie leise an. Ich warte geduldig, bis ich in Kontakt mit ihr komme. Danach lege ich meine linke Hand unter ihren Rcken, auch dies kndige ich vorher an. So verblieben wir fr einige Zeit im Kontakt zur Primren Mittellinie. Nach einer Weile spre ich Stille und danach kann ich leichte Primre Respiration fhlen. Ich lege die andere Hand auf ihren Bauch. Sie bleibt ganz still, verzieht nur manchmal das Gesicht. Sie weint aber nicht, so als msste sie lieb sein, so kam es mir jedenfalls vor. Ich mache mich ganz weit und lade ber die Primre Mittellinie die Long Tide ein. Auch die Mglichkeit eines EV4. Hier war Ressourcieren angesagt. Ich kann spren, dass die Art und Weise in der ich mit Friederike Kontakt aufnehme (Long Tide, Weite und Stille) eine wirkliche Ressource fr sie ist. Friederike kann darin eine fast vergessene Kraft wieder erkennen, ihre innere Seins-Quelle. Die Primre Respiration wird wieder klar fhlbar und Friederike sprbar lebendiger. Ich fhle mich im Herzen sehr berhrt. Friederike lsst auch zu, dass ich meine Hnde an ihren Kopf lege und Atlas und Occiput beginnen sich zur Mitte hin ein zu balancieren. Am Ende von ihrer zweiten Sitzung schaut Friedrike schon viel klarer aus ihren Augen und etwas in ihr hat sich tief entspannt. Ihre Mutter hlt Friederike auf dem Arm und gibt ihr zu trinken, danach wartet die Oma mit Friederike im Nebenzimmer. 2. Sitzung mit Friederikes Mutter: Nun kommt die Sitzung und Behandlung fr die Mutter. Sie wirkt viel ausgeglichener und hat durch das Gesprch mit ihrem Mann gute Untersttzung gefunden. Ihr Nervensystem hat sich beruhigt und der Trnenfluss hat fast ganz aufgehrt. Sie traut sich nun mit Friederike alleine aus dem Haus. Sie wirkt auf mich zuversichtlicher und geerdeter. ber Ressourcieren untersttze ich ihr System weiter. In der Craniosacral Behandlung zeigt sich, dass schon mehr Potenz in ihrem Krper ist und auch der Keilbeinflgel ist noch in der mittigen Balance. Das Becken mit dem Kreuzbein braucht noch etwas Untersttzung. Der innere Behandlungsplan zeigt mir dabei den Weg. Zum Ende ergibt sich spontan ein langer EV4 Prozess. Ich war sehr zuversichtlich und hatte das Gefhl, dass die Einweisung in eine Klinik 31
hier nicht mehr ntig war. Friederikes Mutter war eine starke Frau, die mit etwas Hilfe ihre Ressourcen mobilisieren konnte. Friederike 3. Behandlung: Friederike schlft viel besser und schreit weniger. Sie verfgt ber mehr Potenz im Krper und mehr Flssigkeitsantrieb. Ich beginne mit der Craniosacral Arbeit wieder ber die Long Tide im Kontakt zur Primren Mittellinie. Dann ergibt sich ein EV4 Prozess. Der Atlas mit dem Occiput sind in guter Balance. Und ich erspre keine weiteren Verschiebungen an den Schdelknochen. Auer einer intraossren Spannung im Squama occipitalis re., die sich durch direkte Arbeit und dem Vorschlag von Raum und Weite auflsen lsst. Friederike verfgt nun ber eine weit bessere Potenz. Der Fluida Krper fhlt sich klarer und flssiger an. So entschliee ich mich ihr ber das Sacrum zum dritten Ventrikel einen so genannten Zndungsprozess anzubieten. Dies kann ihr helfen, noch mehr hier in ihrem Krper anzukommen. Der Zndungsprozess ist die Zndung von Potenzen als Prozess der Verkrperung und eine bertragung von Potenzen in Flssigkeit und Gewebe. Ich verbinde mich mit dem dritten Ventrikel. Stimme mich auf die Long Tide ein und warte in Verbindung mit der Primr Atmung (Primre Respiration), dass das System in die Stille geht und ein Stillpunktprozess entsteht. Ich orientiere mich zur Flssigkeitsmittellinie und dem Ansteigen der Potenz innerhalb der Flssigkeit. Warte bis der Vogel vielleicht erst mit dem einen und dann dem anderen Flgel bereit ist in den Flug zu gehen (sich anhebt). Dabei beobachte ich die Motilitt des zentralen Nervensystems, die Vitalitt der Potenz und den Flssigkeitsantrieb (Fluiddrive) nach der Stille. Friederike hatte eine wunderbare Erfahrung von Zndung im dritten Ventrikel. Ihre Augen ffneten sich und begannen offen in die Welt zu schauen. Sie war endlich hier angekommen. Ihre Potenz war gut ber die Primre Respiration in der Flssigkeitsbewegung zu spren, in Verbindung zu einer klaren Mittellinie. Friederikes Mutter 3. Behandlung: Der Mutter geht es zunehmend besser. Ich fahre mit verbalem Ressourcieren fort. ber den Inneren Behandlungsplan kann sich ihr System weiter entspannen und das Nervensystem kann noch mehr Ressourcen aufbauen. Das Becken und Kreuzbein haben sich weitgehend stabilisiert. Friederikes Mutter hat guten Kontakt zu ihrer Inneren Mitte 32
bekommen. Es wre trotzdem gut gewesen noch weitere Behandlungen anzuschlieen. Doch Friederikes Mutter fhlte sich so gut, sie wollte nur noch mit den Behandlungen fr das Baby fortfahren. Friederike 4. Behandlung: Friederike kommt zur 4. Behandlung mit groen offenen Augen. Die Mutter ist viel entspannter. Ich spre mehr Kontakt von beiden zueinander. In dieser vierten Sitzung mit Friederike ist es irgendwie anders. Sie bleibt ruhig auf der Behandlungsliege liegen. Ich lege meine Hnde an ihren Rcken und Bauch und warte wie immer auf die Entfaltung des Inneren Behandlungsplans. Da streckt sich Friederike nach hinten und ihr Rcken macht dabei eine Kurve und es fhle sich an, als wrde sie sich mit den Fen abstoen wollen. Es kam mir gleich der Gedanke wie bei einer Geburt. Wollte Friederike heute etwa ihre Geburt nachholen? Ich habe Oma und Mutter im Zimmer, so traue ich mich der Aufforderung nachzugeben. Ich erklre der Mutter was ich wahrgenommen habe und erbete ihr ok, falls Friederike ihren Geburtsvorgang wiederholen wollte. Ich untersttze Friederike bei ihren Press- und Push-Aktionen: Mit Kontakt zur Mittellinie, weites Aufmachen, Long Tide, Kontakt zum Fluida Krper. Jede meiner Zellen ist prsent und klar. Friederikes Kpfchen biegt sich nach hinten, ich bitte die Mutter ihre Hnde an Friederikes Fe zu legen, damit Friederike dagegen drcken kann. Die Oma bitte ich sacht das Kpfchen zu halten. Dann hebe ich Friederike leicht an, den Kopf hat sie nach unten und hinten gebeugt, die Fchen drcken nach oben gegen Mutters Hnde. Friederike macht Anstrengungen wie wohl damals im Geburtskanal um herauszukommen. So drckt sie fr eine Weile und weint etwas dabei. Aber sie war ganz klar in ihrer Kraft und Aktion. Dann wird sie pltzlich still und ist wie eingeschlafen. Ich bekomme einen leichten Schreck, Was ist denn jetzt los? Dann verstehe ich: Dies ist der Moment in Friederikes Geburt, als der Mutter die Narkose verabreicht wurde. Aus voller Aktion ist sie wie abgeschaltet worden. Ich lege Friederike sanft auf den Rcken und in diesem Moment geht ein lautes Gebrll los, voller Kraft und Wut. Ich bitte die Mutter sie hoch zu nehmen und gleich an ihren Krper zu halten. Da wirbelt Friederike mit ihren kleinen Fusten auf die Mutter los und schreit wtend. Nun habe ich aber in Franklyn Sills Buch Informationen ber Geburtsdynamiken gelesen und bin gewappnet. Friederike drckt wohl gerade eine ganz innen gehaltene Wut auf ihre Mutter aus. Ich rede sanft, erklre noch einmal die 33
unglckliche Situation mit dem Kaiserschnitt und beteuere die Unschuld der Mutter. Keiner hat Schuld, es war die Situation. Die Mutter hlt es gut aus, behlt Kontakt zu Friederike, bleibt da und spricht liebevoll zu ihr ber ihre Liebe und dass sie jetzt immer fr Friederike da ist und dass jetzt alles gut ist. Friederike hrt nach langer Zeit auf zu schreien, ganz pltzlich und schmiegt sich an den Krper der Mutter. Ich lege noch einmal meine Hnde an Friederike, whrend sie auf dem Arm der Mutter bleibt. Alles fhlt sich gut an. Nach einer Ruhepause lasse ich beide mit der Oma nach Hause gehen. Friederike 5 .Behandlung: In der nchsten Behandlung, eine Woche spter, kommt die Mutter allein mit Friederike. Es ist auffallend, wie sehr beide verndert sind. Die Mutter ist viel selbstbewusster und aufrechter, Friederike strahlt mich aus ganz offenen und klaren Augen an. Wow, was war hier geschehen? Friederikes Mutter ist sichtlich stolz auf ihre Tochter. Sie sagt mir, dass Friederike schon sprechen kann. Dabei macht sie einen Hah Ton zum Kind. Dieses strahlt die Mutter an und macht das Hah zurck. Hier habe ich eine ganz normale Mutter, die auf ihr Kind stolz ist und die Liebe dabei fhlen kann. Friederikes Mutter ist voller Energie, erzhlt mir, dass sie sich nun traut mit Friederike alleine raus zu gehen und dass sie selbst wenn sie schreit bei ihr bleiben kann. Wir verabreden noch eine weitere Behandlung fr Friederike in einer Woche und eine weitere zur Kontrolle nach sechs Wochen. Das Nervensystem, in seinen drei Funktionen, von Friederike erscheint ausgeglichen. Nachkontrolle: Der Mutter und Friederike ging es weiterhin gut, ich bekam ein Bild von Friederike geschenkt und freute mich sehr. Bei der Kontrolle nach sechs Wochen kam auch Friederikes Vater mit, wobei die Mutter auf die besondere energetische Verbindung zwischen Friederike und mir whrend der Craniosacral Arbeit hinwies. Ich sah Mutter und Kind noch einmal nach 6 Monaten. Friederike war ein krftiges, gesundes und ausgeglichenes Baby geworden. Ihrer Mutter geht es auch gut, die Depression hat sie weitgehend berstanden. Sie ist im ganzen etwas weniger belastbar und sensibler geblieben, als vor der Kaiserschnittgeburt. Alles zusammen eine gesunde Familie. Die Mutter hat mir spter einen langen Brief mit ihrer Geschichte geschrieben, um anderen Mttern in einer hnlichen Situation nach einer Kaiserschnittgeburt Mut zu machen.
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Brief von Friederikes Mutter: ber meine Erfahrungen mit Craniosacral Arbeit nach dem Kaiserschnitt . Ich htte so glcklich sein sollen. So glcklich sein mssen! Am heiesten Tag des Sommers war unser Kind zur Welt gekommen. Die 11 Stunden Wehen, denen dann doch ein Kaiserschnitt folgte, waren vergessen, als ich meine kleine Tochter zum ersten Mal im Arm hielt, mein Mann stand strahlend neben meinem Bett, meine Familie kam noch am selben Abend, um die Kleine zu begren und mich zu beglckwnschen. Und eine Glck war unsere Tochter im wahrsten Sinne des Wortes sie war gesund und munter und ein besonders hbsches Baby (obwohl das wohl alle Eltern von ihrem Kind denken!). Ja, ich htte glcklich sein sollen. Doch schon im Krankenhaus merkte ich, dass sich kein rechtes Glcksgefhl einstellen wollte. Auch die Muttergefhle, von denen ich dachte, sie kmen sozusagen gleichzeitig mit dem Kind, waren einfach nicht da. Statt dessen stellte ich mit Befremden fest, dass ich das kleine Menschenwesen zwar wunderbar fand, ich aber auch geradezu erleichtert war, wenn ich mein Kind in die Obhut der Schwestern geben konnte, wenn jemand anders sie wickelte, ftterte, ber ihren Schlaf wachte. Gleichzeitig mit dieser Erleichterung aber empfand ich immer grere Schuldgefhle, warum ich nicht wie die anderen Mtter mein Kind immer um mich haben wollte. Nach sechs Tagen dann durften oder mussten?! - wir nach Hause. Ich freute mich auf unser Haus, meinen Mann, mein Leben ... und als mein Mann dann mit dem Auto-Kindersitz erschien, kreiste in meinem Kopf nur noch der Gedanke: Ich will sie gar nicht mit nach Hause nehmen!. Ich weinte fast ununterbrochen und war zutiefst erschrocken ber mich selbst. Warum nur freute ich mich nicht, dass ich mein gesundes, ses Kind mit nach Hause nehmen durfte? Warum nur war ich nicht glcklich darber? Wie konnte ich nur den Gedanken haben, mein Kind nicht zu wollen??? In den nchsten Tagen zu Hause wurden diese Gedanken und Gefhle nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Ich versorgte mein Kind, aber ich tat es nur aus Verantwortungsgefhl. Ich war erleichtert, sobald sie schlief, sobald mein Mann sie mir abnahm, sobald meine Mutter oder meine Schwestern sie mal nehmen wollten. Ich weinte so viel wie noch nie in meinem Leben. Es ging mir so schlecht wie noch nie in meinem Leben. Ich dachte, mein Leben, mein vorheriges Leben mit der von mir geliebten beruflichen Ttigkeit, meiner Selbstbestimmtheit, mit all dem, was meine Tage angefllt und fr mich erfllt hatte, wre vorbei. Eine tiefe Traurigkeit hatte mich erfasst und lie mich nicht mehr los. Zunchst wagte ich gar nicht, darber zu
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sprechen. Alle freuten sich fr uns, alle gratulierten mir, brachten Geschenke und da sollte ich sagen, dass ich als MUTTER mich gar nicht ber mein Kind freute? Doch das Weinen hrte nicht auf und meine Familie sorgte sich immer mehr. Ab und zu deutete ich nun an, wie ich mich fhlte. Die Hebamme sprach von Hormonumstellungen, Freundinnen vom Baby-Blues, Nachbarinnen davon, dass man mit einem Baby erst mal seinen Rhythmus finden msse. Die Zeit verging, es wurde kaum besser. Gute Ratschlge, homopathische Mittel, Baldrian, Nchte, in denen unser Kind bei meiner Mutter blieb, damit wir durchschlafen konnten nichts half. Inzwischen waren fast 8 Wochen vergangen. Meine Tochter war laut Kinderarzt ein wirklich prchtiges Kind, alle rundherum waren begeistert von ihr, in wenigen Momenten konnte auch ich erahnen, dass sie ein ganz besonderes Geschenk fr mich war und da war es wieder!! - ich eigentlich unheimlich glcklich sein msste. Doch das Weinen blieb, das Gefhl, das Kind htte mir mein Leben genommen, blieb, das Gefhl, eine furchtbar schlechte Mutter zu sein, bestimmte mein ganzes Denken. Meine Mutter, die sich inzwischen sehr groe Sorgen um mich und uns machte, erzhlte einer Freundin von der traurigen Situation. Diese berichtete ihr dann von einer eigenen, tiefen Lebenskrise und ihren guten und heilsamen Erfahrungen mit der Craniosacral-Therapie. Als meine Mutter mir vorschlug, Kontakt zu der Therapeutin aufzunehmen, war ich nach nur kurzem Zgern dazu bereit. Ich glaube, in meinem Leben vor dem Kind" htte ich einer Therapie, die nicht auf Medikamenten, auf Operationen, auf SICHTBAREM Eingreifen beruhte, wohl eher nicht zugestimmt. Aber in all meiner Traurigkeit sprte ich, dass die Erklrung meiner Frauenrztin Das sind die Hormone, geben Sie sich Zeit, wenn sie sich erst an die Situation gewhnt haben ... seien Sie ganz gewiss, es geht vorbei!" mir als Ausweg nicht mehr reichte. Ich steckte fest in meiner Traurigkeit, fhlte mich unzulnglich als Mutter, nicht mehr wie ich selbst, eine Freundin, die hnliches erlebt hatte, fasste es passend in die Worte: Ich kannte mich selbst nicht mehr." Ich brauchte Hilfe. Und vielleicht konnte mir die Craniosacral-Therapie, von der ich zuvor noch nie gehrt hatte, helfen. Also rief ich die Therapeutin an und vereinbarte gleich in den nchsten Tagen einen Termin, fr mich und auch fr meine kleine Tochter. Zwar hatte die Kleine keine offensichtlichen" Probleme wie Blhungen, Schlafstrungen oder hnliches, es erschien mir aber richtig und gut, dass wir die Therapie gemeinsam machen wrden. Meine Mutter begleitete mich, so dass das Kind als erstes behandelt werden und dann mit der Oma nach Hause fahren konnte, so dass dann Zeit und Ruhe fr meine 36
Behandlung sein wrde. In einer Atmosphre von Ruhe und Geborgenheit, die wohl meiner Tochter viel schneller als mir bewusst wurde, lernten wir die Therapeutin kennen. Whrend ich die Kleine noch auf dem Arm hielt, begann sie mit ihrer Behandlung. Sie sprach mit meinem Kind, nahm ersten Berhrungskontakt auf, lie ganz zart ihre Hnde und Finger auf dem Baby ruhen. Ich beobachtete alles genau, doch zu sehen war fast gar nichts. Passierte da berhaupt etwas? Meine Tochter hingegen schien zu spren, dass etwas passierte. Sie war hellwach und hchst aufmerksam, gleichzeitig aber ganz besonders ruhig und entspannt. Die Berhrungen schienen ihr sehr gut zu tun. Ich hielt sie, schaute zu und musste fast unablssig dabei weinen. So ein wunderbares kleines Wesen! Ich fhlte mich mit meiner nach wie vor fehlenden Bindung und Beziehung zu meiner Tochter so unzulnglich wie noch nie. Dabei war ich immer ein sehr emotionaler Mensch gewesen, als Lehrerin hatte ich die Kinder in meinen Grundschulklassen sehr gemocht, manche so sehr ins Herz geschlossen - warum nicht mein eigenes Kind?? Whrend ich noch weinte und mir wieder und immer diese Gedanken durch den Kopf gingen, hatte die Therapeutin das Baby auf eine Liege gelegt und berhrte es nun an verschiedenen Stellen des Krpers. Ganz ruhig. Ganz sacht. Und mein Kind lag da, genoss die Berhrungen, staunte geradezu, hin und wieder bewegte sie sich auch, streckte sich und es schien in und mit ihr ganz offensichtlich etwas zu passieren. Es war ein Kontakt ohne Worte, aber sehr intensiv. ber eine Stunde lang hielt und berhrte die Therapeutin sie, erklrte hin und wieder ganz leise, was sie im Krper erspren konnte und wie dort etwas in Bewegung und wieder gerade wurde. Ich konnte nur hinschauen und mich wundern, wie ruhig, entspannt und friedlich mein Baby war. So hatte ich sie noch nie erlebt. Am Ende der ersten Sitzung lie sie sich zum ersten Mal ohne sich zu wehren in ihren Autositz legen und Oma und Kind machten sich auf den Heimweg. Nun war ich an der Reihe. Ein langes und von vielen Trnen begleitetes Gesprch leitete meine Behandlung ein, der Therapeutin lag viel daran, genau um meine Situation und meine Gefhle zu wissen. Auch als ich auf der Liege lag, konnte ich nicht aufhren zu weinen. Die Berhrungen der Hnde der Therapeutin nahm ich zunchst kaum wahr, so zart waren sie und so sehr war ich noch gefangen in meiner Traurigkeit. Doch mit der Zeit wurde ich ruhiger, sprte zwar nicht, was in meinem Krper geschah, fhlte aber die Wrme und den beraus sanften Druck der behandelnden Hnde. Und es tat gut. Die Therapeutin sprach von einem groen inneren Ungleichgewicht, von 37
Unsicherheit und Traurigkeit, von fehlendem Lebensmut und Lebensfreude und vor allem von Zuversicht und Selbstvertrauen, die ich fr mich wieder zurckgewinnen msse. Wieder zu Hause konnte ich das, was in diesen Stunden bei der Craniosacral-Therapie mit meiner Tochter und mir geschehen war, meinem Mann nur schwer erklren. Dass unser Kind besonders ruhig und zufrieden war, war fr ihn erkenn- und sprbar, doch mir ging es nach wie vor schlecht, ich weinte auch an dem Abend noch viel. Am nchsten Tag dann war der absolute Tiefpunkt fr mich. Es ging mir so schlecht wie noch nie vorher, ich war zutiefst traurig und niemand konnte mich trsten. Mir war, als htte die Therapiesitzung all meine Verzweiflung so richtig zu Tage treten lassen. Meine Mutter musste ihr Enkelkind holen, ich konnte mich nicht um sie kmmern. So saen dann mein Mann und ich zusammen, weinten beide und wussten nicht mehr weiter. Und auf einmal, in der allertiefsten Traurigkeit, kam ganz leise ein Gefhl in mir auf, um das sich auch das Gesprch zwischen der Therapeutin und mir gedreht hatte: Vertrauen. Darauf, dass es besser werden wird. Dass ich es irgendwie schaffen kann. Dass ich die Kraft, die ich frher in Beruf und Privatleben hatte, wieder mobilisieren kann. Vielleicht musste dieser Tiefpunkt kommen. Vielleicht hatte die Therapie ihn ausgelst. Genau wissen werde ich das wohl nie, wichtig war nur, dass ich ihn erreicht hatte und es nun wieder aufwrts ging. Und das ging es tatschlich. Ich hatte noch zwei weitere Sitzungen, die hnlich der ersten verliefen und aus denen ich ruhig und gestrkt herauskam. Laut der Therapeutin verbesserten sich meine innere Balance und meine Aura - und das sprte ich selbst auch. Auch eine zweite Sitzung fr mein Kind verlief hnlich der ersten und schien ihr wiederum sehr gut getan zu haben. In der dritten Sitzung fr meine Tochter schlielich erklrte mir die Therapeutin, dass der Kleinen durch den Kaiserschnitt die Erfahrung des eigentlichen Geburtsvorganges fehlen und sie diesen heute gern nachstellen" wrde. Ich war skeptisch - konnte meinem Kind wirklich etwas fehlen" durch den von mir durchaus als gute, richtige und vor allem rettende Lsung erschienenen Kaiserschnitt? Und konnte - sollte? - man einen Geburtsvorgang nachspielen"? Ich lie es einfach zu, halb zgernd, halb neugierig. Meine Mutter, die auch wieder dabei war, sollte uns helfen. Die Therapeutin erklrte uns, dass ich das Baby halten sollte, whrend meine Mutter ihre Hnde als Schale bereithielt. Und dann ging es los. Wir stellten die Kleine buchstblich auf den Kopf, gebettet in die Hnde der Oma, gehalten von mir und die Therapeutin begann, das Kind zu bewegen. Meine Tochter wurde unruhig, wehrte sich, fing an zu schreien. 38
Die Therapeutin ahmte Bewegungen nach, die wohl an Wehen erinnern sollten, presste das Kpfchen in die Hnde der Oma, drehte den Krper so, wie sich Kinder im Geburtskanal drehen. Das Baby schrie inzwischen heftig, meine Mutter und ich sahen uns verunsichert an. Die Therapeutin sprach beruhigend auf die Kleine ein und fhrte ihre Bewegungen fort. Ganz pltzlich verstummte das Geschrei, der kleine Krper war ganz still - was war nun los? Unglaublich - die Kleine war eingeschlafen! Auf dem Kopf stehend, mitten whrend der Geburt". (Im Nachhinein erfuhr ich, dass Babys das whrend einer Geburt tatschlich manchmal tun!) Nach einigen Sekunden aber erwachte sie, schrie weiter und nun brachte die Therapeutin alles zu Ende, eine letzte Bewegung und dann gab sie mir meine Tochter auf den Arm. Ein ganz besonderer Moment, sie beruhigte sich allmhlich (... ich auch!) und kuschelte sich an mich. Hatte sie wirklich eine Geburt" erlebt? Es muss wohl so gewesen sein. Jedenfalls konnte ich sie nun nach dieser Erfahrung - anders als nach dem Kaiserschnitt - im Arm halten und das tat uns beiden irgendwie gut. Inzwischen sind viele Wochen vergangen, meine Tochter ist fast ein halbes Jahr alt, sie hat noch zwei weitere Behandlungen bei der Craniosacral-Therapeutin gehabt, die zwar - es lagen ja auch keine wirklichen Beschwerden vor - keine groe Wirkung" oder nderungen verursacht haben, aber die - und ich kann es einfach nicht anders ausdrcken - ihr schlicht gut getan haben. Sie hat jede Behandlung genossen, auch wenn sie manchmal zwischendurch unruhig wurde oder auch weinte, das gehrt wohl dazu und die Entspannung und Ruhe danach war umso deutlicher und nachhaltiger. Auch mir geht es als Mutter inzwischen gut. Die Depression, denn eine solche war es, ist noch nicht vllig verschwunden, in stressigen Situationen fhle ich mich nach wie vor manchmal noch unsicher und ich weine leichter als frher", aber ich habe eine wunderbare und innige Beziehung zu meiner kleinen Tochter entwickelt und fhle mich wohl und beschenkt damit, ihre Mutter zu sein.
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auf. Das Aufmerksamkeitsdefizit in der Schule verschwand und die Beziehung zu seinem kleinen Bruder verbesserte sich. Bei Lukas war besonders zu spren, dass er keine Grenzen hatte. Diese wurden durch die Arbeit mit der Mittellinie geklrt und wieder gestrkt. Bei seiner letzten Sitzung malte Lukas ein Bild, wie es ist, wenn es ihm gut geht und wie, wenn es ihm schlecht geht. Hier drckte sich besonders die gute Verbindung zu seiner Mittellinie und die Klrung aus (siehe Bild). Es hat sich als sehr Vorteilhaft herausgestellt, die Mutter immer in die Sitzungen mit einzubeziehen, indem sie nach Lukas' Sitzungen jeweils fr zwanzig Minuten behandelt wurde. So konnten sich Mutter und Kind ber die Erfahrungen austauschen und auch die Mutter in ihre innere Mitte und Strke gelangen.
Dieses Bild hat Lukas bei seiner letzten Behandlung gemalt. Es zeigt sich ganz deutlich, dass er zu seiner Primren Mittellinie einen guten Kontakt bekommen hat und unterscheiden kann, wann es ihm gut geht. Als Lukas zu seiner sechsten Sitzung mit einem Indianer Kopfputz erschien, wusste ich, dass er wieder in seiner Kraft und 41
inneren Quelle verankert war. Die Mittellinie hatte sich hier auch im Auen manifestiert. Lukas steht kurz vor der Einschulung ins Gymnasium. Er ist ein waches, frhliches und gesundes Kind.
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Nachwort
Das Schreiben dieser Diplomarbeit hat mir ein tiefes Eintauchen in die Arbeit mit Babys vermittelt. Mir ihre innere Welt noch mehr vermittelt. Und mir nahe gebracht, wie wichtig der Start ins Leben ist. Es hat mich an meine eigene erste Zeit erinnert und auch an die Dynamik zu meiner Mutter. In einer Prnatalen Craniosacral Sitzung hatte ich das groe Glck mich im Bauch meiner Mutter wieder erfahren zu knnen. Damals erfuhr ich, dass ein Baby sich dort vllig eins mit der Mutter fhlt, es also die Mutter ist. So ist Trennung bei der nicht natrlichen Geburt immer ein tiefes Schockerlebnis und sollte wirklich nur im Notfall gewhlt werden. All die vielen Kaiserschnitt-Geburten, die heute unntig stattfinden, belasten nur den Lebensweg des Kindes und auch das Wohlbefinden der Mutter. Ich wrde mich freuen, wenn ich mit dieser Arbeit etwas zum Verstndnis dazu beitragen kann. Die Erfahrung in den Sitzungen mit Lukas hat mir besonders gezeigt, dass die Primre Mittellinie eine zentrale Rolle in der Biodynamischen Craniosacral Arbeit mit Kindern einnimmt. Sie kann ihnen den Weg zu gesunden Grenzen vermitteln und den Zugang zu ihrem inneren Selbst ermglichen. Ihre innere Matrix ist ihr kreativster Teil und kann wunderbar ber Zeichnen und Malen wieder gesprt werden. Die Biodynamische Craniosacral Arbeit erffnet mir immer wieder den Weg zur Inneren Quelle.
Herzlichen Dank an meine Lehrer Bhadrena C. Tschumi Gemin und Kavi Gemin fr ihre wunderbare Art zu lehren und ihre persnliche Untersttzung. Sowie an meine Mitschler und Kolleginnen und Kollegen aus Indien und der Schweiz, dafr das es Euch gibt. Und an Thomas Schmidt fr seine kreative und praktische Untersttzung beim Design am Computer. Nicht zuletzt Danke an die Kinder und Mtter die es mir durch ihr Vertrauen ermglicht haben diese Diplomarbeit zu erstellen. Mein besonderer Dank gilt Alvina Mulcher fr ihre Impulse beim Korrektur lesen und meinem Lebenspartner Dr. Hans-Ulrich Jarck fr seine Untersttzung und Beratung.
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Quellenangaben
International Institute for Craniosacral Balancing, www.icsb.ch Craniosacral Biodynamics Volume I, Franklyn Sills Craniosacral Biodynamics Volume II, Franklyn Sills Listen, It's All About Perception, Franklyn Sills Bilder teilweise von www.icsb.ch Erstes Baby Bild aus Eltern, Ausgabe 02/2003 Zweites Baby Bild aus persnlichem Archiv
Literaturliste
Arbeitsbcher der Craniosacral Grundausbildung von Seminar eins bis fnf, Bhadrena Tschumi Gemin und Kavi Gemin Funktionelle Embryologie, die Entwicklung der Funktionssysteme des menschlichen Organismus, Rohen / Ltjen-Drecoll, 3. Auflage, Schattauer Verlag (2006) Kraniosacrale Osteopathie, Torsten Liem, Hippokrates Verlag Kleine Sorgenkinder, Anne Mohr-Bartsch, Ksel-Verlag Natur und Heilen: Kaiserschnitt, eine Abkrzung mit Folgen, Ausgabe 07/2007 Es ist nicht egal wie wir geboren werden, Michael Odent, Walter-Verlag Die Hnde als Fenster zum Ganzen, Margot Fercher und Daniela Andres
Kontakt
Indradhanu Petra Keagy, BCST Gldenpfennigweg 10 33100 Paderborn [email protected] www.craniosacral-resonanz.de
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