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Physik 1

Das Dokument ist ein Lehrbuch über Mechanik und Wärmelehre. Es behandelt Themen wie Kinematik, Dynamik, Impuls, Energie, Drehimpuls und die Bewegung von Massenpunkten, Teilchensystemen und starren Körpern. Das Dokument ist umfangreich und behandelt die Grundlagen der Mechanik in vielen Details.

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Physik 1

Das Dokument ist ein Lehrbuch über Mechanik und Wärmelehre. Es behandelt Themen wie Kinematik, Dynamik, Impuls, Energie, Drehimpuls und die Bewegung von Massenpunkten, Teilchensystemen und starren Körpern. Das Dokument ist umfangreich und behandelt die Grundlagen der Mechanik in vielen Details.

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L aszl o Kocs anyi und Patrik G adoros:

PHYSIK I
Mechanik und W armelehre f ur die Studenten der Fakult aten f ur Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau der Budapester Universit at f ur Technologie und Wirtschaft kurz genannt BME

BUDAPEST, 2013 BME

Inhalt
1 Einfu hrung 1.1 Physikalische Gr oen und Gesetze . . . . . . . . . . . . 1.2 Einheiten und Normen physikalischer Grundgr oen . . . 1.2.1 L angeneinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.2.2 Zeiteinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.2.3 Masseneinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3 Abgeleitete physikalische Gr oen . . . . . . . . . . . . . 1.4 Physikalische Gesetzte und das physikalische Experiment 1.5 Axiome, Theorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.6 Modellbildung, Korrespondenzprinzip . . . . . . . . . . . 8 9 9 10 10 10 11 11 12 13

. . . . . . . . .

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. . . . . . . . .

MECHANIK

14
16 16 17 18 18 20 21 23 24 27 27 30 32

2 Kinematik eines Massenpunktes 2.1 Ortsvektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Lineare Bewegungen, Geschwindigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.1 Die mittlere Geschwindigkeit f ur lineare Bewegungen . . . . . . . 2.2.2 Die Geschwindigkeit als Ableitung (Momentangeschwindigkeit) f ur lineare Bewegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Der Geschwindigkeitsvektor f ur krummlinige Bewegungen . . . . . . . . 2.4 Die Beschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.4.1 Die Bahnkomponenten der Beschleunigung . . . . . . . . . . . . 2.4.2 Die Bestimmung der tangentialen und der normalen Komponenten der Beschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5 Bestimmung der Geschwindigkeit und der Position des Massenpunktes von der Beschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.1 Lineare Bewegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.2 Krummlinige Bewegung mit konstanter Beschleunigung von a0 . . 2.6 Kreisbewegungen, Winkelgeschwindigkeit, Winkelbeschleunigung . . . .

2.7

Die vektorielle Denition der Winkelgeschwindigkeit und der Winkelbeschleunigung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6.2 Die Bestimmung von v und a mit Hilfe von , und r . . . . . . Kinematik der harmonischen Schwingbewegung . . . . . . . . . . . . . .

2.6.1

33 36 38 41 41 41 42 44 45 46 47 47 49 50 55 57 57 57 58 59 59 60 61 62 63 66 68 69 71 72 73 74 75 75 76 79

3 Dynamik der Bewegung eines Massenpunktes 3.1 Die Newtonsche Axiome, Kr afte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.1.1 Das Tr agheitsgesetz (erstes Newtonsches Gesetz) . . . . . . . . . 3.1.2 Impuls, Prinzip der Erhaltung des Impulses . . . . . . . . . . . . 3.1.3 Das zweite und dritte Newtonsche Gesetz, Kraftkonzept . . . . . 3.1.4 Das Prinzip der Unabh angigkeit (Superposition) der Kr afte . . . 3.1.5 Tr age und schwere Masse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Kr aftearten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2.1 Schwerkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2.2 Die Gravitationskraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2.3 Reibungskr afte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Elastische Kraft (Federkraft) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4 Der Drehimpuls und das Drehmoment . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.1 Denition des Drehimpulses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.2 Drehmoment und Drehimpulsgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.3 Drehimpuls in Zentralfelder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5 Arbeit und Energie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.1 Die Arbeit als Linienintegral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.2 Beispiel: Arbeit gegen Federkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.3 Die Leistung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.4 Kinetische Energie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.5 Konservative Kraftfelder, potentielle Energie, Konservative Felder 3.5.6 Die Bestimmung der Kraft von der potentiellen Energie, der Gradientenvektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.7 Energiesatz der Mechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.8 Typische konservative Felder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6 Das allgemeine Gravitationsgesetz und die Bewegung der Planeten . . . 3.6.1 Die Keplerschen Gesetze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6.2 Die Bedeutung des Fl achengesetzes . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6.3 Die Bestimmung der Gravitationskraft . . . . . . . . . . . . . . . 3.7 Relativbewegungen. Tr agheitskr afte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.7.1 Die Galileische Transformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.7.2 Kinematik der Bewegung der Massenpunkte in beschleunigten, bzw. rotierten Koordinatasystemen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.7.3 Tr agheitskr afte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

4 Dynamik der Teilchensysteme. 4.1 Der Schwerpunkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.1.1 Schwerpunkt von diskreten Massenpunktsystemen. . . . . . 4.1.2 Schwerpunkt von kontinuierlichen Massenverteilungen: . . . 4.2 Schwerpunktgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3 Drehimpulsgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4 Innerer Drehimpuls und Bahndrehimpuls . . . . . . . . . . . . . . 4.5 Erhaltung der Energie in einen Teilchensystem . . . . . . . . . . . 4.5.1 Die kinetische Energie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.2 Erhaltung der Energie des Teilchensystems in konservativen dern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.6 Bewegungen von speziellen, diskreten Teilchensysteme . . . . . . . . 4.6.1 Die Bewegung einer Rakete . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.6.2 St oe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fel. . . . . . . . . . . .

82 82 82 84 86 88 89 90 90 91 92 92 94 98 98 99 101 101 103 105 106 107 110 110 113 113 116 118 120 121 122 122 124

5 Bewegung vom starren K orper 5.1 Kinematik der Bewegung der starren K orper . . . . . . . . . . . . . . . . 5.2 Schwerpunktgesetz f ur starre K orper. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.3 Reine Rotationsbewegung der starren K orpers . . . . . . . . . . . . . . . 5.3.1 Drehimpulssatz f ur rein rotierte starre K orper . . . . . . . . . . . 5.3.2 Beispiel: Feste Rolle mit Gewichten . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.4 Rotationsenergie des rein rotierten starren K orpers. . . . . . . . . . . . . 5.5 Die zusammengesetzte Bewegung von starren K orper. . . . . . . . . . . 5.5.1 Kr afte und Kr aftepaare. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.5.2 Die Gesamtenergie bei der zusammengesetzten Bewegung des starren K orpers. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.5.3 Beispiele f ur die allgemeinen Bewegungen der starren K orper. . . 5.6 Die Kreiselbewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.6.1 Experimenten mit einem Kreisel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.6.2 Die Bestimmung der Frequenz der Pr azession des Kreisels der unter der Wirkung der Schwerkraft liegt. . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.7 Berechnung vom Tr agheitsmoment. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.7.1 Tr agheitsmoment eines homogenen d unnen Stabes, wobei die Rotationsachse durch den Mittelpunkt des Stabes senkrecht l auft. . 5.7.2 Tr agheitsmoment eines homogenen d unnen Stabes, wobei die Rotationsachse durch den Endpunkt des Stabes senkrecht geht . . . 5.7.3 Tr agheitsmoment eines Vollzylinders, der sich um die SymmetrieAchse rotiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.7.4 Tr agheitsmoment einer homogenen Kugel. . . . . . . . . . . . . . 5.7.5 Steinerscher Satz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

6 Die Gesetze der Mechanik bei Geschwindigkeiten, Lichtgeschwindigkeit liegen. 6.1 Die Folgen der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. . 6.2 Die Lorentz-Transformation. . . . . . . . . . . . . 6.3 Folgen der Lorentz-Transformation. . . . . . . . . . 6.3.1 L angenkontraktion (LBEW < LRU HE ). . . . 6.3.2 Zeitdilattation (TBEW > TRU HE ). . . . . . . 6.4 Die Lorentz-Transformation der Geschwindigkeit. . 6.5 Grundlagen der speziellen Relativit atstheorie . . . 6.5.1 Der relativistische Impuls. . . . . . . . . . . 6.5.2 Die Kraft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.5.3 Die relativistische Energie. . . . . . . . . . .

die in der N ahe der 126 . . . . . . . . . . . . 126 . . . . . . . . . . . . 127 . . . . . . . . . . . . 129 . . . . . . . . . . . . 130 . . . . . . . . . . . . 130 . . . . . . . . . . . . 132 . . . . . . . . . . . . 133 . . . . . . . . . . . . 134 . . . . . . . . . . . . 134 . . . . . . . . . . . . 136

7 W armelehre (Thermodynamik) 140 7.1 Klassische Thermodynamik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 7.1.1 Was sind Temperatur und W arme? . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 7.2 Die Temperatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 7.2.1 Die Temperatur nach Celsius und Fahrenheit . . . . . . . . . . . . 142 7.2.2 Die thermische Ausdehnung von Festk orper und Fl ussigkeiten . . 143 7.2.3 Die thermische Ausdehnung der Gase. Die allgemeine Gasgleichung 148 7.3 W arme, W armeenergie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 7.3.1 W armemenge und spezische W arme . . . . . . . . . . . . . . . . 157 7.3.2 Die Messung der spezischen W armekapazit aten von festen K orper und von Fl ussigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 7.3.3 Spezische W armekapazit aten von Gasen . . . . . . . . . . . . . . 160 7.4 Die Hauptgesetze der W armelehre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 7.4.1 Die W arme aquivalenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 7.4.2 Der erste Hauptsatz der Thermodynamik . . . . . . . . . . . . . . 165 7.4.3 Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, Kreisprozesse . . . . 170 8 Kinetische Gastheorie 8.1 Das Modell der idealen Gase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.1.1 Der Druck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.2 Absolute Temperatur, Gleichverteilungssatz. . . . . . . . . . . . . . . 8.2.1 Die absolute Temperatur und die mittlere kinetische Energie 8.2.2 Freiheitsgrade und Gleichverteilungssatz ( aquipartitionsgesetz) 8.2.3 Molare W armekapazit at der idealen Gasen. . . . . . . . . . . 8.3 Die Maxwell Boltzmannnsche Geschwindigkeitsverteilung. . . . . . 8.3.1 Barometrische H ohenformel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.3.2 Das Konzept der Geschwindigkeitsverteilung . . . . . . . . . . 8.3.3 Die Verteilung f ur die Komponenten der Geschwindigkeit . . . 4 177 177 177 180 180 182 182 184 184 187 187

. . . . . . . . . .

. . . . . . . . . .

8.3.4

Die Maxwell-Boltzmannsche Geschwindigkeitsverteilung . . . . . . 189

Vorwort
Liebe zuk unftige Ingenieurinnen und Ingenieure! Das Studium f ur Physik an einer technischen Universit at ist immer ein aufregendes Abenteuer, das dauernd Herausforderungen an dem menschlichen Geist stellt. So geht es auch Ihnen, die mit Physik an den deutschsprachigen Physikkursen der BME begegnen. Die Vorlesungen und die vorgef uhrte Experimente dienen f ur die Erlernung der Grundlagen der Physik und f ur die Erfahrung ihrer wissenschaftlichen Forschungsmethode. F ur die Weiterentwicklung ihrer F ahigkeiten um technische und physikalische Probleme l osen zu k onnen, sind Praktika zu absolvieren, wo einfache Aufgaben -teilweise selbst andig- gel ost werden sollen. Dieser Lehrsto ist eine kurze und b undige Zusammenfassung der Vorlesungen und der vorgef uhrten Experimente der Mechanik und der W armelehre, welche die Klausur- und Pr ufungsvorbereitung erleichtert. Der Autor hatte hier nicht die Absicht ein vollst andiges und ausf uhrliches Buch zu schreiben, daf ur haben sich schon mehrere Wissenschaftler erfolgreich entschlossen, und auch in der Bibliothek der BME stehen f ur Sie mehrere B ucher, Lehrb ucher [1-5] teilweise in Deutsch [1-4] zur Verf ugung. Dadurch, dass w ahrend der Klausuren und der Pr ufung auch rechnerische Aufgaben zu l osen sind, haben wir f ur Sie auch eine Sammlung von physikalischen Problemen zusammengestellt (Band IV: Problemen f ur Physik I und II). Da die Formulierung der physikalischen Theorien u ber mathematische Gleichungen oder Operationen folgt, m ussen wir uns auf Ihre fundierten mathematischen Kenntnisse st utzen. Jedoch wenn bestimmte, f ur Sie in der Mathematik noch unber uhrte Begrie und Themen auftauchen versuchen wir diese auf eine physikalische Art zu erkl aren (z.B. Linienintegral, Gra dientenbildung, usw.) oder eine Zusammenfassung im Anhang geben. Ich w unsche Ihnen viel Freude und haupts achlich viel Erfolg bei Ihrem Studium an der BME! Budapest, April, 2013 Dr. L aszl o Kocs anyi

Zu der Anwendung des Buches


Der Lehrsto ist in vier B ander zusammengefasst worden. Sie bearbeiten die folgenden Themen: Band I - Physik 1: Physikalische Gr oen; klassische Mechanik und Einf uhrung in die spezische Relativit atstheorie; W armelehre. Band II - Physik 2: Elektrostatik; station are elektrische Str ome; Magnetismus; Gesetze der zeitabh angigen elektromagnetischen Felder. Band III - Physik 3: Allgemeine Schwingungslehre, mechanische und elektromagnetische Wellen, Ausbreitung von Licht, Interferenz und Beugung, Photonen, Materialwellen. Band IV Problemen f ur Physik I und II Aufgaben und ihre L osungen, zur Physik 1-2-3. Studenten der Fakult at f ur Maschinenbau und Mechatronik m ussen Physik A2 (2 Kredite) im zweiten Semester ihres BSC Studium aufnehmen. Zu diesem Kurs ist grunds atzlich Band II. (Elektromagnetismus), erg anzt mit den Kapiteln 1, (Einf uhrung) 2 (Kinematik eines Massenpunktes) und 3 (Dynamik der Bewegung eines Massenpunktes) von Band I. als Hilfsmittel empfohlen. Die Studenten der Fakult at f ur Maschinenbau nehmen im dritten Semester Physik A3 (2 Kredite) auch auf. Dazu k onnen sie Band III. (Allgemeine Schwingung und Wellenlehre, Photonen, Materialwellen) als Lehrsto nehmen. Zuk unftige Elektroningenieure und Informatiker studieren im zweiten Semester Kurs Physik 1. (4 Kredite). Diese Vorlesung ist vollst andig abgedeckt mit Band I. (Mechanik und W armelehre). Im dritten Semester m ussen sie Kurs Physik 2 (4 kredite) aufnehmen. Dieser Kurs ist mit Band II. (Elektromagnetismus) und III (allgemeine Schwingung und Wellenlehre, Optik, Photonen, Materialwellen) vollst andig abgedeckt. Zu jedem Kurs k onnen die Studenten Band IV. (Problemen f ur Physik) zum Uben der L osungen physikalischer Problemen als Hilfsmittel anwenden.

Kapitel 1 Einfu hrung


Physik, als Wurzel aller Naturwissenschaften forscht die grundlegende Prinzipien des unlebendigen Universums von deren der Wechselwirkungen der Elementarteilchen bis zu deren der Sternerkundigung. Man k onnte sagen, dass die Grundlagen der bis heute angewandten und erfolgreichen Forschungsmethode der Physik Galileo Galilei (1564-1642) und Isaac Newton (1642-1727) abgelegt haben, als sie die Grundprinzipien der Mechanik erforscht haben. Galilei war der erste Wissenschaftler, der zuerst in der Geschichte versucht hat physikalische Hypothesen durch gezielte Experimente zu untermauern. Er hat die wichtige Rolle der kontrollierten Bedingungen und der Messgenauigkeit bei den Versuchen als erster erkannt, und hat damit das wissenschaftliche Experiment ins Zentrum der Naturforschung gestellt. Newton war der erste Theoretiker, der die Rolle der Mathematik bei der systematischen Beschreibung der Natur erkannt hat (Philosophiae Naturalis Principia Mathematica -1687). Damit konnte er die Kenntnisse seiner Zeit auf dem Gebiet der Mechanik auf drei Grundprinzipien (Axiome) zur uckf uhren (siehe Abs. 3.1.). Die experimentellen Arbeiten von Galilei und der theoretische Werk von Newton haben die Leitprinzipien f ur die Forschungen auf die anderen Fachgebiete der Physik vorgelegt. Mit der Zeit konnten die physikalischen Kenntnisse der Menschheit in mehrere Disziplinen unterteilt werden. Diese sogenannte klassische Zweige der Physik, wie W armelehre, Elektromagnetismus, Akustik und Optik sind ahnlich wie die Mechanik geforscht worden. Zuerst die Sammlung von zahlreichen Gesetze durch einfallsreiche Experimente, sp ater die Suche nach den Axiomen haben ihre Geschichte charakterisiert. Gegen das Ende des 19. Jahrhunderts standen schon die Axiome der klassischen Physik auf allen Gebieten fest (z.B.: Hauptgesetzte der Thermodynamik, Maxwellsche Gleichungen des Elektromagnetismus, elektromagnetische Lichttheorie, usw.) und die Honung um bald zu einem geschlossenen Weltbild zu gelangen, schien f ur viele Physiker realistisch zu sein. Jedoch einige Beobachtungen lieen sich mit den gut bew ahrten klassischen Methoden nicht erkl aren. Solch ein, merkw urdiges Ergebnis war die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, deren Unabh angigkeit von der Richtung und von dem Bewegungszustand des Messger ates durch Michelson und Morley in 1881 bewiesen wurde. Auf diesem Befund baute 8

Albert Einstein im Jahre 1905 seine spezielle Relativit atstheorie auf, die als erste Ergeb nis der modernen Physik betrachtet werden kann (Kap. 6). Ahnlich unerkl arbar waren die Charakteristik des Spektrums der Strahlung vom absolut schwarzen K orper und die Abh angigkeit der Austrittsarbeit der Elektronen von der Frequenz des Anregungslichtes beim photoelektrischen Eekt. Die L osung dieser Probleme f uhrte zu der Entdeckung der Dualit at von Teilchen und Wellen, deren exakte Erkl arung den Physiker schlielich nur nach der Ausarbeitung der Quantentheorie gelang. Mit diesen Themen besch aftigen wir uns im Band III, wo wir auch zeigen werden, in wiefern die neue Forschungsmethoden von den klassischen abweichen. In diesem ersten Kapitel wollen wir jetzt die wichtigsten allgemeinen Begrie der klassischen Physikforschung zusammenfassen.

1.1

Physikalische Gr oen und Gesetze

Die physikalische Gesetzm aigkeiten sind meist mathematische Verkn upfungen physikalischer Gr oen. Unter diesen versteht man messbare Eigenschaften von physikalischen Begrien (z.B. Objekte, Zust ande). Messbarkeit bedeutet, dass man ein Mastab (Etalon) und eine Methode f ur die Vergleichung der einzelnen Gr oen mit dem Mastab denieren kann. Die so denierte physikalische Gr oen sind als Grundgr oen (auch Basisgr oen oder fundamentale Gr oen) genannt. Aus den Grundgr oen lassen sich weitere Gr oenarten ableiten, entweder als zweckm aige Denition (z.B. Arbeit als Produkt von Kraft und Weg, Dichte als Quotient der Masse und des Volumens), oder als Aussage eines Gesetzes (z.B. im Ohmschen Gesetz der Widerstand: R = U/I ). Sie sind die abgeleitete physikalische Gr oen. Es erhebt sich die Frage, wie viele Grundgr oen u ur berhaupt f die Beschreibung der Natur gebraucht werden. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass alle physikalischen Gr oen auf die drei Grundgr oen, L ange, Zeit und Masse zur uckgef uhrt werden k onnen. Die Antwort lautet also, im Prinzip drei. Aus zweckm aigen Gr unden sind doch noch weitere vier physikalische Grundgr oen eingef uhrt worden, n amlich die Temperatur, die Stomenge, die Stromst arke und die Lichtst arke. (siehe Tabelle 1.1).

1.2

Einheiten und Normen physikalischer Grundgr oen

Wir sagten, dass die Messung eine Vergleichung mit dem Mastab (Etalon) bedeutet. In der Geschichte der Physik haben sich solche Mast abe als Einheiten etabliert, die zu unserem allt aglichen Leben angepasst wurden (z.B. Meterstab). Wichtig ist, dass die Messungen mit der geforderten Genauigkeit wiederholbar sein sollen. Die Einheiten m ussen mit solchen Normalen festgelegt werden, die einerseits f ur jedermann zur Verf ugung stehen sollen, anderseits immer wieder geeicht werden k onnen. F ur diese Arbeiten sind die Normungsamten (z.B. Orsz agos M er es ugyi Hivatal, National B uro of Standards USA, 9

usw.) zust andig. Mit der Entwicklung der Messtechnik stiegen die Anforderungen f ur die Genauigkeit der Nachweisung, und die Normen der Einheiten sollten neu deniert werden. In der Tabelle 1.1 sind die sieben Basisgr oen mit ihren u blichen Formalzeichen, Einheiten und mit dem Jahr der letzten Modikation ihrer Normen angegeben. Tabelle 1.1: Fundamentale Gr oen nach SI Fundamentale Gr oe L ange Masse Zeit Elektrische Stromst arke Temperatur Substanzmenge Lichtst arke Symbol l, s m t I, s T n Iv Massenheit Letzte Modikation von dem Norm. Meter, m 1983. Kilogramm, kg 1889. Sekunde, s 1969. Ampere, A 1948. Kelvin, K 1967. mol 1971. Candela, cd 1979.

Hier werden wir die Normen der mechanischen Grundgr oen (L ange, Zeit, Masse) angeben, die weitere SI-Einheiten werden wir dort denieren, wo wir sie einf uhren (z.B. Temperatur in dem Kapitel f ur W armelehre).

1.2.1

L angeneinheit

Als L angeneinheit wurde in 1875 das Meter gew ahlt. Der Internationale Prototyp des Meterstabes wurde in Paris aufbewahrt. Die jetzige Denition des Meters (seit 1983) ist: Das Meter ist die L ange der Strecke, die das Licht im Vakuum w ahrend eines Zeitin 9 tervalls von 1/299792458s (= 3, 335640952 10 s) hinter sich l asst. Wir m ussen hier erw ahnen, dass der Gr oenbereich der L ange in der Physik etwa 43 Gr oenordnung (von dem Radius des Elektrons, der kleiner als 1018 m ist, bis zu der Ausdehnung des Weltalls, das etwa 3 1025 m betr agt) ist.

1.2.2

Zeiteinheit

Die Maeinheit der Zeit ist die Sekunde. Ihre heute festgelegte Denition ist: Eine Se kunde ist das Zeitintervall w ahrend dessen die C asium Uhr (Cs133 ) 9192631770 Schwingperioden durchf uhrt.

1.2.3

Masseneinheit

Als Einheit der Masse wurde der Kilogramm gew ahlt. Als Massennormal dient ein PlatinIridium-Zylinder, der in Paris aufbewahrt wird. Urspr unglich sollte 1 dm3 Wasser bei 4C 10

1 kg wiegen. Jedoch hat es sich gezeigt, dass der Normzylinder in Paris etwa 0,025 g mehr wiegt.

1.3

Abgeleitete physikalische Gr oen

Als wir erw ahnt haben, hinter den abgeleiteten Gr oen versteckt sich ein zweckm aiges mathematisches Formel (z.B. Quotient, Produkt) oder eine Reihe von Naturgesetzen, die dann die abgeleitete physikalische Gr oen durch die Basisgr oen ausdr ucken lassen. Die abgeleitete Gr oen werden - genauso wie die Basisgr oen - mit einer Zahl und mit einer Dimension ausgedr uckt. Die Dimension ist dann immer ein Potenzprodukt der Dimensionszeichen der Basisgr oenarten (z.B. Geschwindigkeit = Weg/Zeit). Oft wird hier auch eine eigene Einheit eingef uhrt, allerdings kann sie mit der Einheiten der Basisgr oen aus2 1 kg m gedr uckt werden (z.B. Ohm, 1 = 1V /1A = /s3 A2 ). Abgeleitete physikalische Gr oen k onnen skalare oder vektorielle Gr oen sein. Skalare Gr oen sind durch Zahlenwert und Einheit vollst andig charakterisiert. Bei den vektoriellen Gr oen auer dem Zahlenwert und der Einheit muss eine Richtung im Raum auch angegeben werden. Da die Vektoren in der Physik von besonderer Wichtigkeit sind, haben die Mathematiker eigene Disziplinargebiete f ur ihre Algebra und Analysis eingef uhrt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Regel der Vektoralgebra ist im Anhang 1. angegeben.

1.4

Physikalische Gesetzte und das physikalische Experiment

In der klassischen Physik sind die Gesetze meist mathematische Gleichungen. Zu den Gesetze kommt man durch Beobachtungen (z.B. Tycho de Brahe, Johannes Kepler, siehe Abs. 3.6.) oder physikalischen Experimente. In einem Experiment stellen wir eine Frage an die Natur. Sie soll gut gezielt sein um eine eindeutige Antwort zu bekommen. Dazu m ussen wir bestimmtem Ver anderlichen konstant halten, oder sollen wir solche Bedingungen erschaen, dass manche Variablen vernachl assigt werden k onnen. Deswegen haben die ber uhmte, meilensteinartige Experimente der Physik jahrelange Vorbereitungen ben otigt und diese sollten sogar oft nach der Einf uhrung verbesserten Messtechnik wiederholt werden (z.B. Michelson Morley Experiment). Es kam auch oft vor, dass man zahlreiche Messungen w ahrend der Ausf uhrung des Experimentes (Millikan Versuch) durchf uhren sollte oder jede menge Daten bei der Beobachtungen notieren (Tycho de Brahe) musste. Viele Gesetze existierten lange als Hypothesen (oder Arbeitshypothesen) nur mit der Zeit k onnte man sie wirklich beweisen. (ZB. Torsionswaage von L or and E otv os f ur den Beweis der Gleichheit der schweren und tr agen Masse.) Das Hauptziel der Theoretiker ist dann die wichtigste Zusammenh ange, Prinzipien zu nden auf deren die viele verschiedene Gesetze zur uckgef uhrt werden k onnen. Diese 11

Wurzelgesetze bilden dann die Axiome einer Theorie.

1.5

Axiome, Theorie

In der klassischen Zweige der Physik gelang es den Wissenschaftler all die gefundene Gesetze auf wenige Grundgesetze (Axiome) zur uckzuleiten. Die Axiome bilden die Grundsteine einer Theorie (siehe Abb. 1.1 Sie sind solche Gesetze oder Prinzipien, die einander erg anzen und all die anderen Gesetze des physikalischen Gebiets herleiten lassen. In dem Sinne sind sie Hypothesen, deren Beweisbarkeit in der wahre Aussagen all der anderen, von den Axiomen ableitbaren Gesetze liegen. Zum Beispiel die Axiome der Mechanik sind die drei Prinzipien (Inertia, Actio, Reactio) von Newton und die von dem Elektromagnetismus die vier Maxwellsche Gleichungen (Durchutungsgesetz -1, Faradaysches Induktionsgesetz -2, die Hypothese, dass magnetische Monopolen nicht existieren -3, und das Gausche Gesetz -4).

Abb. 1.1: Der Aufbau der Theorie. Zwischen den physikalischen Gr oen (PG) wurden Gesetze entdeckt, von denen die Axiome so ausgew ahlt worden sind, dass danach all die anderen ausgebliebenen Gesetze ableitbar sind. Nach der Festlegung der Axiome k onnen weitere, bis dahin unbekannte Gesetze abgeleitet werden, die dann in den Anwendungen z.B. in den technischen Wissenschaften sehr groe Bedeutung haben.

12

1.6

Modellbildung, Korrespondenzprinzip

Wenn wir einen Problemkreis in der Physik untersuchen wollen, bilden wir zuerst ein physikalisches Modell der physikalischen Objekten und stellen die Grenzungen des Modells fest (z.B. Massenpunkt, starre K orper usw.). Das heit, wir m ussen angeben, unter welchen Bedingungen unsere Ergebnisse (die gefundene Gesetze) anwendbar sind. Zum Beispiel, wenn die schnelle Rotation eines Gummiballes mit der Gesetzen der Rotation von starren K orper abgeschrieben werden soll, dann muss man einen Grenzwert f ur die Drehzahl angeben, wor uber die elastische Eigenschaften der Gummi zu der Deformation des Balles f uhren. Eine Modellgrenze liegt auch zwischen den klassischen und den relativistischen Theorie der Mechanik. Bei groen Geschwindigkeiten (in der N ahe der Lichtgeschwindigkeit) muss man mit einer erweiterten Impulsdenition die zweite Axiome von Newton anwenden (Einstein: Spezielle Relativit atstheorie, siehe Kap. 6). Wenn wir in den Ausdruck dieser sogenannten relativistischen Impuls p = mv2 2 , die im Alltag u blichen klei1v /c

nen Geschwindigkeitswerten (v c) einsetzen, erhalten wir die gew ohnliche Impulsdenition (p = mv ). Dieses Prinzip ist das Korrespondenzprinzip, das durch Niels Bohr bei der Ausarbeitung der Axiome der Quantenmechanik zuerst allgemein formuliert wurde. Wenn die Axiome einer existierenden Theorie die neue, bisher unbekannte Erscheinungen nicht mehr richtig beschreiben k onnen, und die Einf uhrung einer neuen Theorie unvermeidbar n otig wird, dann sollen die Prinzipien der neuen Theorie f ur die u bliche, schon bekannte Erscheinungen zu der Axiomen der etablierten Theorie f uhren.

13

Teil I MECHANIK

14

Die wichtigsten Gesetze der Mechanik werden wir u ber Modelle studieren. Zuerst betrachten wir solche K orper, bei denen die Ausdehnung der K orper vernachl assigbar ist, und nur Ihre Massen sollen in Acht genommen werden. Die sind die Massenpunkte. Nach der kinematischen Beschreibung der Massenpunktbewegung suchen wir die Ursachen der Bewegungs anderungen. Die Axiome der Mechanik hat Newton f ur die Bewegung eines Massenpunktes formuliert. Von den Newtonschen Axiomen werden wir weitere Gesetze zwischen abgeleiteten dynamischen Gr oen (z.B. Drehimpuls, Energie) aufstellen. Diese Formeln erleichtern die Probleml osung in vielen F alle. Danach werden wir die Gesetze der Bewegung von Punktsystemen zusammenfassen, die wir wieder von den Newtonschen Axiome ableiten werden. Letztendlich werden wir die so erhaltene Gesetze (Schwerpunktgesetz, Drehimpulsgesetz und die Erhaltung der Energie) f ur die Beschreibung der Bewegung der starren K orper, die als kontinuierliche Verteilungen von Massenpunkten, mit konstanten relativen Position betrachtet werden k onnen, anwenden.

15

Kapitel 2 Kinematik eines Massenpunktes


In diesem Absatz wollen wir die physikalische Gr oen, die f ur die Beschreibung der Bewegung (griechisch: kinema) der Punkten relevant sind, denieren und einige spezielle Bewegungsvorg ange analysieren.

2.1

Ortsvektor

Der Ortsvektor ist der Vektor, der von dem Ursprung eines Bezugssystems zu der Position des Massenpunktes gezogen wird (siehe Abb. 2.1.). Die Spitzen der Ortsvektoren liegen also auf der Bahnkurve.

Abb. 2.1: Ortsvektor und Verschiebung im Kartesischen Koordinatensystem Die zeitabh angige Funktion des Ortsvektors gibt zu jeder Zeitpunkt die genaue Position des Massenpunktes an. Aufgrund des Vektorzerlegungsgesetzes (siehe Anhang 1) 16

ben otigt diese Beschreibung die Angabe von 3 skalaren Funktionen: r (t) = x (t) ex + y (t) ey + z (t) ez . Nach t ist der Ortsvektor: r (t + t) = x (t + t) ex + y (t + t) ey + z (t + t) ez . Die Verschiebung ist auch ein Vektor, und kann als Dierenz von den zwei obigen Ortsvektorn deniert werden: r (t) = r (t + t) r (t)

2.2

Lineare Bewegungen, Geschwindigkeit

Lineare Bewegungen k onnen mit einer skalaren Funktion abgeschrieben werden. Zweckm aig w ahlen wir f ur die Richtung der Bewegung die X-Achse. Der Einheitsvektor ist: i = ex . Der Ortsvektor ist dann: r (t) = x (t) ex Beispiele: gleichf ormige Bewegung v=konstant x = v t gleichf ormig beschleunigte Bewegung (Freier Fall) t2 v =at x= a 2 g 2 v =gt x= 2 t

Abb. 2.2: Gleichf ormige und gleichf ormig beschleunigte Bewegung

17

2.2.1

Die mittlere Geschwindigkeit fu r lineare Bewegungen

Abb. 2.3: Die mittlere Geschwindigkeit ist der Quotient von x und t. Die mittlere Geschwindigkeit ist die hinterlassene Strecke bezogen auf das dazu geh orende Zeitintervall, unabh angig von dem Charakter der Bewegung: vM = x t .

Die mittlere Geschwindigkeit ist ein Vektor: vM = ex x(t2 ) ex x(t1 ) x(t2 ) x(t1 ) r(t2 ) r(t1 ) = ex = . t2 t1 t2 t1 t2 t1

Die mittlere Geschwindigkeit h angt also von dem Zeitintervall (t) und auch von dem Zeitpunkt (t) ab. Je ofter und f ur je kleinere Intervallen wir die mittlere Geschwindigkeit f ur eine Bewegung angeben, desto besser k onnen wir die Schnelligkeit der Bewegung u berall charakterisieren.

2.2.2

Die Geschwindigkeit als Ableitung (Momentangeschwindigkeit) fu r lineare Bewegungen

Wenn man f ur ein Zeitpunkt t0 und f ur immer k urzere Zeitintervalle (ti ) die mittlere Geschwindigkeiten bildet, und bei der Bedingung von tto0 deren Grenzwert bestimmt, erh alt man die Momentangeschwindigkeit (siehe Abb. 2.4). Das ist eigentlich die Dierentialquotient der Kurve x (t) im t0 :

18

Abb. 2.4: Zu der Denition der Geschwindigkeit als Ableitung

t 0 x 0

dx xi = tan i = tan T AN GEN T E = v ti dt

Wie von der Abbildung oenbar scheint, f ur stetige, nicht knickende x (t) Funktionen ist die Momentangeschwindigkeit gleich der Richtungstangente der Kurve in t0 . Die Funktion v (t) ist also die Ableitung von x (t): v (t) = dx(t) =x (t) . dt

Der Wert in t0 ist der Dierentialquotient: v (t0 ) = lim x(t0 + t) x(t0 ) dx(t) = t0 t dt .
t0

Unter der Annahme: t2 = t1 + t, und r (t) = x (t) ex kann man sehen, dass die Momentangeschwindigkeit auch als Vektor betrachtet werden kann: v(t1 ) = ex lim = lim x(t2 ) x(t1 ) ex x(t2 ) ex x(t1 ) = lim = t2 t1 t2 t1 t2 t1

t2 t1

t2 t1

r(t2 ) r(t1 ) r dr(t) (t1 ) . = lim = =r t t 2 1 t t2 t1 dt

19

2.3

Der Geschwindigkeitsvektor fu r krummlinige Bewegungen

Abb. 2.5: Der Geschwindigkeitsvektor f ur eine krummlinige Bewegung ist der Grenzwert der Verschiebung bezogen auf das Zeitintervall. Der Vektor der Momentangeschwindigkeit zeigt immer in Richtung der Tangente der Bahnkurve.

F ur eine krummlinige Bewegung kann die Momentangeschwindigkeit genauso deniert werden, wie f ur die linearen Bewegungen. Das heit, wir nehmen die Verschiebungen f ur immer kleinere Zeitintervalle (ti ) in der Umgebung eines t Zeitpunktes (siehe Abb. 2.5): ri = r(t + ti ) r(t), dann bilden wir die mittleren Geschwindigkeiten: vM.i = ri ti ,

letztendlich suchen wir den Grenzwert bei ti 0, und erhalten wir den Geschwindigkeitsvektor: r dr = . v = lim vM = lim t0 t0 t dt Die Richtung der Geschwindigkeit ist die Tangente der Bahnkurve (siehe Abb. 2.5). Deswegen kann die Geschwindigkeit auch so angegeben werden, dass man die Ableitung der Wegfunktion bildet und dann multipliziert mit dem Einheitsvektor, der in Richtung der Tangente zeigt: dr ds(t) v= = eT . dt dt 20

Mit Hilfe der kartesischen Koordinaten k onnen wir die Zeitabh angigkeit des Geschwindigkeitsvektors durch drei Skalarfunktionen abschreiben. Dazu nehmen wir die Koordinaten des Ortsvektors und bilden ihre Ableitungen: r(t) = ex x(t) + ey y (t) + ez z (t), r(t + t) = ex x(t + t) + ey y (t + t) + ez z (t + t), r = ex [x(t + t) x(t)] + ey [y (t + t) y (t)] + ez [z (t + t) z (t)] , r(t + t) r(t) r(t) = lim = t0 t0 t t [x(t + t) x(t)] [y (t + t) y (t)] [z (t + t) z (t)] = ex lim + ey lim + ez lim t0 t0 t0 t t t dy (t) dz (t) dx (t) + ey + ez . v (t) = ex dt dt dt Oenbar die skalare Komponenten der Geschwindigkeit in einem kartesischen Koordinatensystem sind die Ableitungen der Koordinatenfunktionen des Ortsvektors. Die Gr oe der Geschwindigkeit ist: v(t) = lim v (t) =
2 vx

2 vy

2 vz

dx(t) dt

dy (t) + dt

dz (t) + dt

2.4

Die Beschleunigung

Im allgemeinen Fall wie zum Beispiel beim Radfahren - ist die Geschwindigkeit nicht konstant, sondern eine bestimmte Funktion der Zeit. Gem a unserer Beobachtungen und der physikalischen Experimenten, bei der Anderung der Geschwindigkeit von Gegenst anden treten immer zus atzliche Ereignisse auf. Zum Beispiel wenn wir beim Fahrradfahren bleiben- um unseren Fahrrad zur schnelleren Fortbewegung zu bringen, m ussen wir das Pedal kr aftiger treten. Beim Bremsen, um von dem Fahrrad nicht nach vorne zu ie gen, m ussen wir am Lenkrad dagegen halten, wobei erh oht sich sogar die Temperatur des Bremsklotzes. Diese Erscheinungen deuten uns die Wichtigkeit der Geschwindigkeits an derungen an. Deswegen wollen wir die zeitliche Anderung der Geschwindigkeit des Massenpunktes quantitativ anfassen, wobei wir die Methode, die wir bei der Einf uhrung der Geschwindigkeit angewendet haben, folgen. Also betrachten wir einen Massenpunkt, der in einem Punkt (P) der Bahnkurve die Geschwindigkeit von v (t) hat. Wir k onnen f ur die n achste ti Zeitintervalle die Geschwindigkeits anderungen denieren. Die Anderung der Geschwindigkeit ist: vi = v(t + ti ) v(t).

21

Damit die mittlere Beschleunigung betr agt: aM.i = vi . ti

Abb. 2.6: Zu der Denition der Beschleunigung Gem a der Abbildung 2.6, kann die ti Reihe der Zeitintervalle so aufgenommen werden, dass die Gr oe der Glieder mit der Erh ohung von i verschwindet. Dadurch wird die Reihe der mittleren Beschleunigungen an einem Grenzwert n ahern, die dann als die Denition f ur die momentane Beschleunigung dient: a = lim aM = lim
t0

dv v = . t0 t dt

Die Beschleunigung ist gleich die 1. Ableitung der Geschwindigkeit und gleich die 2. Ableitung der Ortsvektor-Funktion:
(t) d dr dv (t) d2 r (t) dt = = . a (t) = dt dt dt2 m Die Maeinheit der Beschleunigung ist: 1 s 2 . Die Beschleunigung kann mit den kartesischen Koordinaten aufgeschrieben werden. Dazu schreiben wir die Geschwindigkeit in t und t + t mit der Hilfe der Koordinaten auf:

v(t) = ex vx (t) + ey vy (t) + ez vz (t), v(t + t) = ex vx (t + t) + ey vy (t + t) + ez vz (t + t). Die Anderung der Geschwindigkeit erhalten wir durch Subtraktion der Koordinaten: v(t) = v(t + t) v(t) = 22

= ex [vx (t + t) vx (t)] + ey [vy (t + t) vy (t)] + ez [vz (t + t) vz (t)] . Bilden wir die momentane Beschleunigung und merken wir, dass die Bestimmung des Grenzwertes unabh angig von den Einheitsvektoren, jeweils auf die Skalarkomponenten durchgef uhrt werden kann: a(t) = lim = ex lim v(t + t) v(t) v(t) = lim = t0 t0 t t

[vy (t + t) vy (t)] [vz (t + t) vz (t)] [vx (t + t) vx (t)] +ey lim +ez lim t0 t0 t0 t t t dvx (t) dvy (t) dvz (t) a(t) = ex + ey + ez . dt dt dt Die kartesischen Koordinaten der Beschleunigung sind die 1. Ableitung der kartesischen Koordinaten der Geschwindigkeit: a(t) = ex oder d
dx dt

dt

+ ey

dy dt

dt

+ ez

dz dt

dt

d2 x d2 y d2 z + e + e . y z dt2 dt2 dt2 Wir haben erhalten, dass die Koordinaten der Geschwindigkeit die zweite Ableitungen der Koordinaten der Ortsvektor-Funktion sind. Die Gr oe der Beschleunigung kann dann durch das Pythagorasschen Gesetz bestimmt werden: a = ex a(t) =
2 2 a2 x (t) + ay (t) + az (t) =

dvx (t) dt
2

dvy (t) dt
2

dvz (t) dt

d2 x(t) dt2

d2 y (t) + dt2

d2 z (t) + dt2

Bei der Einf uhrung der Momentangeschwindigkeit f ur krummlinigen Bewegungen haben wir festgestellt, dass ihre Wirkungslinie genau an der Tangente der Bahnkurve liegt. So genau k onnen wir die Richtung der Beschleunigung nicht angeben. Eins ist sicher, da sich die Geschwindigkeit in Richtung der Kr ummung andert, zeigt die Beschleunigung immer zur konkaven Seite der Kurve.

2.4.1

Die Bahnkomponenten der Beschleunigung

Wir k onnen die Beschleunigung in eine tangentiale Komponente aT und in eine normale Komponente aN zerlegen (siehe Abb. 2.7). 23

Abb. 2.7: Die Denition und die Gr oen der Tangentialbeschleunigung und der Normal(Zentripetal-)Beschleunigung

Die tangentiale Komponente, die parallel zu der Tangente der Bahnkurve liegt, ist Tangentialbeschleunigung genannt. Die parallel zu der Normalen der Tangente verlau fende Komponente ist die Normal oder Zentripetalbeschleunigung. Die Anderung im Betrag der Geschwindigkeit steht in Beziehung mit der Tangentialbeschleunigung. Die Richtungs anderungen manifestieren sich in der Normalbeschleunigung. Ihre Gr oen sind: aT = v2 dv und aN = , dt R

wobei R der Radius der Bahnkr ummung ist. In den folgenden werden wir diese Zusammenh ange beweisen.

2.4.2

Die Bestimmung der tangentialen und der normalen Komponenten der Beschleunigung

Gem a der Abbildung 2.8, nehmen wir die Tangente (T) der Bahnkurve bei der Position P des Massenpunktes an. Nehmen wir an, dass diese Position durch den Massenpunkt im Zeitpunkt t angenommen worden ist. Der Ortsvektor von P ist also r (t), wobei die Geschwindigkeit v (t) dann auf der Tangente liegt und die Beschleunigung zur konkaven Seite der Bahnkurve zeigt. Nach einem t Zeitintervall wird die Position von dem Massenpunkt r (t + t) sein, wobei ihre Geschwindigkeit sich auf v (t + t) ge andert hat. Der Winkel zwischen v (t + t) und v (t) ist .

24

Abb. 2.8: Die Bestimmung von v. Dazu soll v (t + t) in Punkt P verschoben werden.

Die Anderung der Geschwindigkeit v k onnen wir nach Verschiebung von v (t + t) in P und durch Subtraktion der Vektoren erhalten: v = v (t + t) v (t) . Durch die Verk urzungen v = v (t + t) und v = v (t) erhalten wir f ur die Gr oen dieser Vektoren: |v (t + t)| = v , |v (t)| = v. Gem a der Abbildung 2.9 k onnen wir die Bahnkomponenten von v mit Hilfe von v, v und ausdr ucken: vT = v cos () v vN = v sin () .

Abb. 2.9: Zu der Bestimmung der Bahnkomponenten der Beschleunigung Nach Division mit t, erhalten wir die mittlere Werte der tangentialen und der normalen Komponenten der Beschleunigung: vT v cos v = t t 25 vN v sin = t t

Durch Bestimmung des Grenzwertes bei der Annahme, dass t zu Null strebt, erhalten wir die Tangentialbeschleunigung und die Normalbeschleunigung: aT = lim v cos v vt = lim t0 t0 t t , aN = v lim . t

t0

Von der Annahme t 0 k onnen wir die n achsten Folgen abziehen:


sin to0

tto0 v tov cos to1 Damit ist die Tangentialbeschleunigung: aT = dv . dt

Durch Anwendung der obigen Folgen erhalten wir f ur die Normalbeschleunigung: aN = v lim . t

t0

Abb. 2.10: Durch die Bildung des Grenzwertes mit t 0 wird der Ber uhrungskreis von der Bahnkurve immer weniger abweichen und damit der Winkel zwischen KP und KQ wird immer genauer sein.

Gem a der Abbildung 2.10 f uhren die Bedingungen t 0 und 0 dazu, dass die Ebene, die durch v und v aufgespannt ist, sich immer mehr zu der Ebene des Ber uhrungskreises n ahert und die Spitze von r (t + t), die Gleichzeitig der Wirkungspunkt 26

des Geschwindigkeitsvektors v (t + t) ist, sich immer mehr an die Linie des Ber uhrungskreises anpasst.Das heit aber auch, dass der Winkel zwischen den Linien, die wir von dem Mittelpunkt des Kreises zu den Wirkungspunkten von v und v ziehen k onnen (KP und KQ), sich immer besser an ern ahert. Letztendlich bei sehr kleinen t Werte (sehr kleine Werte) laufen die Bahnkurve und die Kreisbahn sehr nahe. Der Weg, der in t hinterlassen wurde (die Strecke auf der Bahnkurve zwischen den Spitzen von r (t) und r (t + t), kann durch den Bogen, der unter von dem Kreismittelpunkt zu sehen ist, ersetzt werden: s = R .
s . Daher erhalten wir: = R Durch das Einsetzen dieser Gleichung in den vorigen Ausdruck f ur die Normalbeschleunigung, erhalten wir:

1 ds 1 s =v aN = v lim t0 R t R dt

v v2 =v = . R R

2.5

Bestimmung der Geschwindigkeit und der Position des Massenpunktes von der Beschleunigung

Dadurch, dass wir die Geschwindigkeit und die Beschleunigung als 1. und 2. Ableitungen der Ortsvektor-Funktion deniert haben, l asst sich die Frage auch umgekehrt stellen: Wie bestimmt man die Geschwindigkeit und den Ortsvektor, wenn die Beschleunigungsfunktion bekannt ist. Gelernte Mathematiker k onnen sofort sagen: durch Inte gralrechnung. Jedoch in der Physik m ussen wir einige Fragen, zum Beispiel die Rolle der Anfangsbedingungen klarstellen. Deswegen werden wir diese Frage f ur einige spezielle Bewegungsvorg ange auch konkret beantworten.

2.5.1

Lineare Bewegungen

Wir werden in den Folgenden die wichtigste Spezialf alle der linearen Bewegungen zusammenfassen, n amlich
gleichf ormige Bewegung; gleichf ormig beschleunigte, lineare Bewegung; lineare Bewegung mit zeitlich andernden Beschleunigung.

Eine weitere wichtige lineare Bewegung ist die harmonische Schwingung, die wir sp ater im Abs. 2.7. ausf uhrlich behandeln werden. 27

2.5.1.1

Gleichf ormige Bewegung

In diesem Fall ist die Beschleunigung 0. Die Geschwindigkeit ist konstant (v0 ).

Abb. 2.11: Die Zeitabh angigkeit der Geschwindigkeit f ur die gleichf ormige Bewegung Die Strecke, die nach t = t1 t0 hinterlassen wurde ist: s = v0 t = v0 (t1 t0 ). Das ist die Fl ache unterhalb der Kurve zwischen t0 und t1 = t0 +t. Daher ist es klar, dass wir durch die Bildung der Stammfunktion nur die Positions anderung (s) auf der Linie erhalten k onnen. Um die genaue Position nach t = t1 t0 zu bestimmen, brauchen wir eine Position, wohin wir die s Strecke auf der Linie legen sollen. Am einfachsten ist es, die Position des Massenpunktes am Anfang der Strecke anzugeben (Anfangsbedingung): s (t0 ) = s0 . Damit kann die Position des Massenpunktes eindeutig festgestellt werden: s (t) = s0 + v0 t. In den Weiteren werden wir diesen Ausdruck als magebender Regel anwenden. 2.5.1.2 Lineare Bewegung mit konstanter Beschleunigung

In diesem Fall ist die Beschleunigung: a0 . Die Geschwindigkeit in t0 ist v0 und die Position in t0 ist x0 . Also m ussen wir zwei Anfangsbedingungen angeben: a0 , v0 = v (t0 ) , x0 = x (t0 ) .

Die Geschwindigkeit ist dann durch das Riemannsche Integral der Beschleunigung unter der Beachtung der ersten Anfangsbedingung (v0 ) zu erhalten:
t

v (t) = v0 +
t0

a0 dt = v0 + [a0 t]t t0 = v0 + a0 t a0 t0 = v0 + a0 (t t0 ) . 28

Die Position erhalten wir durch Integration des, f ur die Geschwindigkeit erhaltenen Ausdrucks:
t t

x(t) = x0 +
t0

v (t) dt = x0 +
t0 t t

[v0 + a0 (t t0 )] dt =

= x0 +
t0

v0 dt +
t0 t

a0 (t t0 ) dt =
t

= x0 + [ v 0

t]t t0

+
t0

a0 t dt
t0

a0 t0 dt =

t 1 a0 t2 [a0 t0 t]t t0 = 2 t0 1 1 2 = x0 + v0 t v0 t0 + a0 t2 a0 t2 0 a0 t0 t + a0 t0 = 2 2 1 1 = x0 + v0 t v0 t0 + a0 t2 a0 t0 t + a0 t2 0. 2 2 Nach kleiner Umformung:

= x0 + [v0 t]t t0 +

x (t) = x0 + v0 (t t0 ) + 2.5.1.3

1 a0 (t t0 )2 . 2

Lineare Bewegung mit einer zeitabh angigen Beschleunigung

Schreiben wir noch die Formeln auf, die wir f ur eine lineare Bewegung mit einer allgemeinen a (t) Funktion erhalten k onnen! Gegeben sind also: a (t) , v0 = v (t0 ) , x0 = x (t0 ), gefragt ist x (t).
t

F ur die Geschwindigkeit: v (t) = v0 + a (t) dt.


t0 t

F ur die Position: x(t) = x0 + v (t) dt.


t0

Schreiben wir den vorigen Ausdruck f ur die Geschwindigkeit ein:


t

v0

x(t) = x0 +
t0

+
t0

a (t) dt dt.

F uhren wir die Integration f ur die konstante v0 durch:


t

x(t) = x0 + v0 (t t0 ) +
t0

t
t0

a (t) dt dt.

Um das genauen Endergebnis erhalten zu k onnen, brauchen wir die konkrete Funktion von a (t). 29

2.5.2

Krummlinige Bewegung mit konstanter Beschleunigung von a0

Hier m ussen wir die Anfangsbedingungen als Vektoren angeben: v0 = v (t0 ) und r0 = r (t0 ). Die Ableitung der Formel ist vollkommen gleich mit der vorigen Ableitung, die wir f ur die lineare Bewegung mit konstanter Beschleunigung erhalten haben, nur statt a a0 , statt v v0 und statt x0 r0 soll geschrieben werden. Also f ur die Geschwindigkeit erhalten wir:
t

v (t) = v0 +
t0

a0 dt = v0 + [a0 t]t t0 = v0 + a0 t a0 t0 = v0 + a0 (t t0 ) ,

und f ur die Position:


t t

r(t) = r0 +
t0

v (t) dt = r0 +
t0 t t

[v0 + a0 (t t0 )] dt =

= r0 +
t0

v0 dt +
t0 t

a0 (t t0 ) dt =
t

= r0 + [v0

t]t t0 t]t t0

+
t0

a0 t dt
t0

a0 t0 dt =

t 1 2 a0 t [a0 t0 t]t = r 0 + [ v0 + t0 = 2 t0 1 1 2 = r0 + v0 t v0 t0 + a0 t2 a0 t2 0 a0 t0 t + a0 t0 = 2 2 1 1 = r0 + v0 t v0 t0 + a0 t2 a0 t0 t + a0 t2 0. 2 2 Die Ortvektorfunktion ist also: 1 r (t) = r0 + v0 (t t0 ) + a0 (t t0 )2 . 2 Diese Bahnkurve ist ein Parabel (siehe Abb. 2.12).

Abb. 2.12: Die Bewegung ist in der Ebene, die durch die Vektoren v0 und a0 aufgespaltet ist. Die Kurve ist ein Parabel.

30

Bei konkreten F allen muss man durch Komponentenzerlegung arbeiten. Daf ur ist ein Beispiel der Schr agwurf. Beispiel: Schr agwurf im Schwerkraftfeld Nehmen wir an, dass ein K orper (Massenpunkt) unter dem Neigungswinkel von relativ zu der Horizontalebene mit einer Anfangsgeschwindigkeit von v0 weggeworfen wurde (siehe Abb. 2.13). Bestimmen wir die H ohe (H) und die Reichweite (R)!

Abb. 2.13: Zum Schr agwurf Setzen wir den Ursprung des Koordinatensystems zu dem Punkt, wo der K orper weggeworfen wurde. Die Bewegung wird in der senkrechten Ebene, die durch g und v0 bestimmt ist, ablaufen. Waagerecht bewegt sich der Massenpunkt gleichf ormig, senkrecht bendet sich im Schwerefeld mit der konstanten Beschleunigung von g . Zerlegen wir die Anfangsgeschwindigkeit (v0 ) in waagerechten (x) und senkrechten (y) Komponente! Damit: v0,x = v0 cos undv0,y = v0 sin . Senkrecht wird sich der Massenpunkt solange heben, bis die Anfangsgeschwindigkeit durch das freies Fallen kompensiert wird: v0,y g t = 0. Daher: t = v0 sin . g

Die H ohe ist der Weg, der senkrecht in diesem t Zeitintervall hinterlassen wurde: 1 H = v0,y t g t2 . 2 Setzen wir t und v0,y ein: H = v0 sin
2 2 v0 sin 1 v0 sin2 v0 sin2 g = . g 2 g2 2g

31

In diesem t Zeitintervall bewegt sich der Massenpunkt waagerecht mit der konstanten Geschwindigkeit von v0,x , und erreicht die H alfte der Reichweite, weil die Bewegung spiegelsymmetrisch auf die Achse ist, die u ohepunkt senkrecht zu dem Boden ber den H aufgenommen werden kann. = v0,x t. Also R 2 Setzen wir v0,x und t ein: v0 sin = g v0 sin 2 R= . g Der Horizontalwurf ist der Spezialfall von dem Schr agwurf mit v0,y = 0. Also in diesem Fall die Anfangsposition ist gleichzeitig der H ohepunkt. R = 2 v0 cos

2.6

Kreisbewegungen, Winkelgeschwindigkeit, Winkelbeschleunigung

Falls das Koordinatensystem - gem a der Abbildung 2.14 - aufgenommen wurde, kann die Bahnkurve einer Kreisbewegung wie folgt aufgeschrieben werden: r(t) = R [ex cos (t) + ey sin (t)]

Abb. 2.14: Die Kreisbewegung kann mit dem konstanten Radius und mit der zeitabh angigen Winkelposition eindeutig charakterisiert werden

32

Das heit, dass wir nur eine zeitabh angige physikalische Gr oe (Winkelposition) f ur die Beschreibung brauchen. Bilden wir die mittlere Geschwindigkeiten gem a der Der(t+t)r(t) r nition: vM = = . t t Bei der Bildung des Grenzwertes v (t) k onnen wir feststellen, dass |r| = |r (t + t) r (t)| s = R immer mehr erf ullt wird. Das heit, dass wir den Absolutenwert der Verschiebung immer besser durch die Bogen(Weg-)l ange ern ahern k onnen. Deswegen kann die Gr oe der Momentangeschwindigkeit als: |v (t)| = lim s == lim R =R = R . t0 t0 t t t
rad . s

aufgeschrieben werden. Die ist die Winkelgeschwindigkeit, ihre Einheit ist [ ] = Die Geschwindigkeit ist dann: v (t) = R eT ,

wobei der eT Einheitsvektor in Richtung der Kreisbewegung an der Tangente zeigt. Wenn wir bei der Bildung der Beschleunigung auch die Konstanz des Radius in Acht nehmen, erhalten wir: d |a| = R = R . dt Die Gr oe ist die Winkelbeschleunigung. a = eT R Die Einheit der Winkelbeschleunigung ist
1 s2

2.6.1

Die vektorielle Denition der Winkelgeschwindigkeit und der Winkelbeschleunigung.

Die Winkelgeschwindigkeit kann als Vektorgr oe deniert werden, deren Richtung gem a der Rechten Hand Regel, senkrecht zu der Ebene der Kreisbewegung zeigt.

33

Abb. 2.15: Zu einer Kreisbewegung kann ein Winkelgeschwindigkeitsvektor, der senkrecht zu der Ebene aufw arts (wenn gegen dem Uhrzeigersinn lauft) zeigt, zugeordnet werden (Rechte Hand Regel).

Das heit, wenn unser rechter Daumen in die Richtung der Winkelgeschwindigkeit zeigt, dann bewegt sich der Massenpunkt gegen dem Uhrzeigersinn, parallel mit der Richtung der anderen Fingerspitzen unserer rechten Hand (siehe Abb. 2.15). Wir k onnen eine andere Denition (siehe Abb. 2.16)f ur den Vektor der Winkelgeschwindigkeit angeben mit Hilfe des radialen Einheitsvektors. Auf dem Einheitskreis k onnen wir zu dem Ortsvektor r (t) den Einheitsvektor er (t) dazuordnen. ahnlich zum r (t + t) k onnen wir den Einheitsvektor er (t + t) aufschreiben. Der Winkel zwischen er (t) und er (t + t) ist dann . Betrachten wir den Vektor, der sich bei der Berechr r = lim e . nung des folgenden Grenzwertes bildet: e t0 t Von der Abbildung ist es klar zu sehen, dass mit t 0 der er immer mehr an die r er . Anderseits f r k Tangente sich n ahern wird, daher ist e ur die Gr oe des e onnen wir folgendes sagen: r | = lim |e |er | s = lim = 1 lim = | | . t0 t t0 t t0 t

34

r Abb. 2.16: Zu der Denition von = er e r . Da die Vektoren senkrecht sind, ist f Bilden wir jetzt er e ur den absoluten Wert g ultig: r | = 1 sin 90 = , |er e und f ur die Richtung ergibt sich die aufw arts zu der Ebene zeigende senkrechte, also, die von . Daher ist die vektorielle Denition der Winkelgeschwindigkeit: r. = er e Durch diese Denition k onnen wir auch eine vektorielle Darstellung f ur die Winkelbeschleunigung angeben: =e r e r + er e r = er e r . =

35

2.6.2

Die Bestimmung von v und a mit Hilfe von , und r

Abb. 2.17: F ur den Beweis von v = r Falls man den Ursprung auf der Wirkungslinie von aufnimmt, ist die Geschwindigkeit der Kreisbewegung eines Massenpunktes um der Achse immer v = r, weil die Gr oe |v| = | | |r| sin = R ist, wobei die Richtung die Tangente ist. (Rechte Hand Regel) Spezialfall: gleichfo rmige Kreisbewegung In diesem Fall ist = 0 konstant, und ist 0. Durch den vorigen Zusammenhang (v = r), erhalten wir f ur die Gr oe der Geschwindigkeit: |v| = | 0 r| = | 0 | R = v0 , welche auch konstant ist: v0 = 0 R. Jedoch andert sich die Richtung der Geschwindigkeit dauernd. F ur die Beschleunigung erhalten wir: a= dr d ( 0 r) = 0 = 0 v, dt dt a = 0 ( 0 r)

Bei der gleichf ormigen Kreisbewegung zeigt die Beschleunigung radial nach innen, immer senkrecht zu der Geschwindigkeit. Daher ergeben sich f ur die tangentielle und die normale Komponenten der Beschleunigung: aT = 0 und aN = 36
2 v0 2 = 0 R. R

Im Fall von einer gleichf ormigen Kreisbewegung sind die Umlaufzeiten (T) gleich. Die Position und die Winkelposition des Massenpunktes ist also mit T periodisch. r (t + T ) = r (t) und (t + T ) = (T ) . Deswegen kann die Umlaufzeit auch als Periode (P) genannt werden. Mit der Einf uhrung der Drehzahl n (Umdrehungen in der Sekunde, wir: 1 1 n= = T P Die Beziehungen zwischen , T und n sind: = 2 = 2 n, T
1 s

) bekommen

weil in der Umlaufzeit T genau 2 Winkel hinterlassen wird. Die Winkelposition des Massenpunktes ist durch eine Anfangsbedingung bestimmt: (t) = 0 t + 0 . Spezialfall: Kreisbewegung mit gleichf ormigen Winkelbeschleunigung In diesem Fall ist = 0 . Die Gr oe der Winkelgeschwindigkeit ist eine lineare Funktion der Zeit mit einer Anfangsbedingung 0 = (t = 0): (t) = t + 0 . Um die genaue Bestimmung der Position zu bekommen, brauchen wir noch eine Anfangsbedingung [0 = (t = 0)]: 1 (t) = t2 + 0 t + 0 2 Die Drehzahl ist mit der Zeit linear proportional: n (t) = 1 1 (t) = t, 2 2
2 (t)

und die Umlaufzeit ist auch Zeitabh angig: T (t) = Allgemeine Kreisbewegung

2 . t

37

In diesem Fall ist die Winkelbeschleunigung eine Funktion der Zeit: (t). F ur die Winkelgeschwindigkeit und Winkelposition erhalten wir
t

(t) =
t0

(t) dt + (t0 )

und (t) =

( (t) dt)dt + (t0 ) [t t0 ] + (t0 ) .


t0 t0

Die Geschwindigkeit ist: v (t) = (t) R Die Normalkomponente der Beschleunigung ist: aN (t) = 2 (t) R, und die Tangentialkomponente der Beschleunigung ist: aT (t) = (t) R.

2.7

Kinematik der harmonischen Schwingbewegung


x(t) = A cos ( t + 0 )

Harmonisch ist eine lineare Bewegung, wenn die Funktion x (t) harmonisch ist, also z.B.:

wobei A - die Amplitude; - die Kreisfrequenz; 0 - die Anfangsphase; x - der Ausschlag ist. Betrachten wir Abb. 2.18! Da ist eine gleichf ormige Kreisbewegung mit dem Radius von R A dargestellt. Man kann sehen, dass die obige Denition der harmonischen Schwingung eigentlich die waagerechte Komponente der gleichf ormigen Kreisbewegung beschreibt. Sicherlich ist auch die andere Komponente harmonisch[y = R sin (t + 0 )], und im Prinzip w are es egal, welche Komponente wir als Denition w ahlen. Bilden wir die 1. und 2. Abbildung von x (t) und erhalten wir f ur die Geschwindigkeit: v (t) = und f ur die Beschleunigung: a(t) = dv (t) = A 2 cos ( t + 0 ) . dt 38 dx (t) = A sin ( t + 0 ) , dt

In diesem Ausdruck k onnen wir x (t) wiedererkennen, und damit erhalten wir die kinematische Grundgleichung der harmonischen Bewegung: a(t) = 2 x (t) .

39

Abb. 2.18: Die Projektion auf die X-Achse einer gleichf ormigen Kreisbewegung, die in der X-Y Ebene, um den Ursprung mit R A abl auft, ist eine Cosinus-Funktion, also eine harmonische Schwingbewegung. Die Beziehungen der harmonischen Schwingung zu 2 vK der gleichf ormigen Kreisbewegung sind: R A; vK = A ; azp = R = 2 A

40

Kapitel 3 Dynamik der Bewegung eines Massenpunktes


Wir haben bis jetzt die Bewegung eines K orpers (als Massenpunkt) beschrieben. Die eingeleitete physikalische Gr oen (v, a, , usw.) dienen f ur die eindeutige Charakterisierung der Bewegung des Teilchens. In den Weiteren werden wir die Ursachen der anderung des Bewegungszustandes suchen. Zum Beispiel, warum ein frei fallende K orper auf der Erde 1 g t2 gehorcht, und warum die Gr oe der Gravidem quadratischen Weggesetz s = 2 tationsbeschleunigung (g) mit dem Breitengrad sich andert, usw. Das Studium, das die Ursachen des konkreten Ablaufes einer Bewegung sucht, ist die Dynamik.

3.1

Die Newtonsche Axiome, Kr afte

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Bewegung eines K orpers die Folge einer Wechselwirkung mit seiner Umgebung ist. Wechselwirkungen in der Physik sind mit den quantitativen Gr oen, die Kr afte genannt sind, charakterisiert. Die Kraft ist zuerst durch Newton deniert und eingeleitet worden. Newton hat diese Gesetze f ur die Bewegung eines Massenpunktes in einer Umgebung formuliert. In diesem Kapitel wollen wir diese Axiome kennenlernen. Dieses Modell (Massenpunkt und Umgebung), kann bei der Beschreibung der Bewegungen in zusammengesetzten Teilchensystemen (z.B. starrer K orper, Gasmolek ulen in einer Flasche) sehr eektiv angewendet werden und die Newtonsche Axiome dienen als Basis f ur die Beschreibung aller Bewegungen in der Mechanik und in der W armelehre.

3.1.1

Das Tr agheitsgesetz (erstes Newtonsches Gesetz)

Ein Teilchen, das u ahrt, wird berhaupt keine Wechselwirkung mit seiner Umgebung erf frei genannt. Ein freies Teilchen bewegt sich immer gleichf ormig, also mit konstanter 41

Geschwindigkeit. Das ist das Tr agheitsgesetz, das eigentlich zuerst durch Galilei formuliert wurde. Unmittelbar stellen sich zwei Fragen. Die erste Frage w are, ob ein solches freies Teilchen u berhaupt existiert oder nicht. Streng genommen existiert es nicht, da jedes Teilchen der Wechselwirkung mit anderen auf der Welt unterliegt. In vielen F allen ist diese Wechselwirkung so klein, dass sie vernachl assigbar ist. Zum Beispiel auf einer waagerechten Luftkissenbahn bewegt sich das Schlitten gleichf ormig. Die zweite Frage bezieht sich auf das Beobachtungssystem, in dem die Geschwindigkeit des Teilchens konstant gemessen wurde. Dadurch dass die Geschwindigkeit relativ ist, und sich selbst der Beobachter bewegen kann (siehe Abs. 3.6.), m ussen wir annehmen, dass der (und sein Bezugssystem) selbst frei ist, sonst w urde er bei seinen Beobachtungen falsche Schlussfolgerungen ziehen. Zum Beispiel wenn wir in einem beschleunigten System die Ruhelage eines Teilchens wahrnehmen, dann muss es auch - genau wie unseres Beobachtungssystem - beschleunigt worden sein, also er ist ja auch nicht frei. Die freien Bezugssysteme sind Inertialsysteme genannt. In Inertialsysteme sind die Naturgesetze, so die Newtonsche Axiome, g ultig. Wie wir das in Abs. 3.7. zeigen werden, in Systemen die sich nicht gleichf ormig bewegen (also nicht frei sind) treten zus atzliche, scheinbare Kr afte auf, die die sogenannte Tr agheitskr afte sind. Da die Erde sich rotiert und auf einer elliptischen Bahn bewegt k onnen wir auf der Erdober ache streng genommen gar keine Inertialsysteme denieren. In vielen F allen kann der Eekt der Erdbewegung vernachl assigt werden, und die Bezugssysteme, die mit unseren irdischen Laboratorien verbunden sind, k onnen als Inertialsysteme betrachtet werden.

3.1.2

Impuls, Prinzip der Erhaltung des Impulses

Als Ma f ur den Bewegungszustand eines Massenpunktes f uhren wir den Impuls ein: p=mv wobei - m die Masse des Teilchens; - v seine Geschwindigkeit ist. Der Impuls ist also ein Vektor, mit der Maeinheit[p] = 1 kg m s1 . F ur ein freies Teilchen ist p konstant (Formulierung des Tr agheitsgesetzes mit dem Impuls). Das Prinzip der Erhaltung des Impulses hat zuerst Huygens ausgesagt, als er die elastische St oe der Teilchen studiert hat (siehe Abb. 3.1).

42

Abb. 3.1: Impulserhaltung bei dem elastischen Sto zweier Teilchen. Die Summe der Impulsen vor dem Sto (a.) und nach dem Sto (b.) sind gleich.

Es hat sich sp ater doch gezeigt, dass das Prinzip der Erhaltung des Impulses eines der grundlegenden und allgemeinen g ultigen Prinzipien der Physik ist. In seiner allgemeinen Form lautet: F ur ein isoliertes Teilchensystem (die Teilchen erfahren nur gegenseitige Wechselwirkungen und keine von der Umgebung) ist der Gesamtimpuls konstant (siehe Abb. 3.2). Das Gesetz ist auch g ultig, wenn die Zahl der mitwirkenden Teilchen sich vermehrt (z.B. Sprengung der Granate), oder sich reduziert (v ollig unelastischer Sto). Das Impulserhaltungsgesetz ist f ur mehrere Teilchen formuliert worden. Newton hat das Gesetz nicht in dieser Form in die Axiome der Mechanik aufgenommen, sondern hat die Axiome f ur ein Teilchen und die Umgebung aufgeschrieben.

43

Abb. 3.2: Prinzip der Erhaltung des Impulses.

3.1.3

Das zweite und dritte Newtonsche Gesetz, Kraftkonzept

Betrachten wir ein bewegendes Teilchen. Falls sein Impuls sich andert, dann k onnen wir sicher sein, dass sich das Teilchen (siehe Abb. 3.3a.) unter der Wirkung einer Kraft bendet. Newton hat die Kraft im zweiten Gesetz als die anderung des Impulses des Teilchens deniert: dp F= . dp Die Herkunft der Kraft ist egal. Die Ursachen der Kraft k onnen Kontakte mit einem oder mehreren Teilchen oder auch Kraftfelder sein (siehe Abs. 3.2.). Das Gesetz ist oft Aktionsprinzip (actio) genannt. Bilden wir die Ableitung des Impulses: F= d (mv) dm dv dp = = v+m . dp dt dt dt

F ur den Fall, wenn m konstant ist, erhalten wir also F = m a. Eine Bewegung mit ver anderlicher Masse wird in Abs. 4.6.1. (Raketenbewegung) analym siert. Die Maeinheit der Kraft ist: [F ] = 1 N = 1 kg s 2. Das dritte Newtonsche Gesetz beschr ankt sich auf die Wechselwirkung von zwei Teilchen, und sagt das folgende aus: F1 = F2 ist. Das Gesetz ist das Reaktionsprinzip (reactio). Wir werden jetzt einsehen, dass das zweite und dritte Newtonsche Gesetz gemeinsam die unmittelbare Folge der Erhaltung des Impulses f ur zwei Teilchen sind. Anders formuliert sie sind gleichwertig damit. Nehmen wir n amlich die zwei Teilchen in der Abbildung 3.3b. 44

Abb. 3.3: a.) Zu dem Aktionsprinzip (Newton II); b.) Zu dem Reaktionsprinzip (Newton III)

Die Erhaltung des Impulses f ur die zwei Teilchen ist: p1 (t) + p2 (t) = p1 (t + t) + p2 (t + t) Nach Umsetzung der Impulsen der einzelnen Teilchen auf gleichen Seite der Gleichung : [p2 (t + t) p2 (t)] = p1 (t + t) p1 (t) Dividieren wir mit t und dann bilden wir den Grenzwert bei t 0: lim und erhalten wir: p2 (t + t) p2 (t) p1 (t + t) p1 (t) = , t t

p2 (t + t) p2 (t) p1 (t + t) p1 (t) = lim , t0 t0 t t

dp2 (t) dp1 (t) = . dt dt Durch Anwendung von Newton I und II. erhalten wir F1 = F2 .

3.1.4

Das Prinzip der Unabh angigkeit (Superposition) der Kr afte

Wie von dem zweiten Newtonschen Gesetz folgt, die Kraft ist ein Vektor. Es kann aber sein, dass in der Umgebung mehrere Teilchen oder Kraftfelder existieren, die zu der 45

anderung des Impulses beitragen k onnen. Sicher ist es nur, dass ihre resultierende (FR ) p Wirkung die Ursache der Bewegungs anderung: d = FR ist. dt Dass sich die Teilkr afte dann tats achlich als Vektoren addieren lassen, ist eine Erfahrungstatsache. Dieses Prinzip kann dann als zus atzliches Axiom neben die drei Newtonschen Axiome zugef uhrt werden. Mathematisch k onnen wir das zweite Newtonsche Gesetz zusammen mit dem Prinzip der Unabh angigkeit der Kr afte durch die folgende Gleichung aufschreiben: dp = F1 + F2 + ... + Fi = dt Fi = FR

Nehmen wir ein Teilchen mit einer konstanten Masse und zwei Kr afte (F1 und F2 ), von denen immer nur eine auf das Teilchen wirkt! Die Beschleunigungen sind dann -gem a NII F1 F2 a1 = unda2 = . m m Dass die Beschleunigung: a= F1 F2 + = a1 + a2 , m m

wenn die zwei Kr afte gleichzeitig auf das Teilchen wirken, f ur den Fall g ultig ist, ist nicht F1 F2 die direkte Folge der Addition der Gleichungen a1 = m und a2 = m , sondern die Folge dieses Superpositionsprinzips.

3.1.5

Tr age und schwere Masse

Wir haben gesehen, dass die K orper (Massenpunkte) verharren in ihrem Bewegungszustand. Diese Eigenschaft ist genannt Tr agheit. Die Ursache der anderung des Bewegungszustandes ist die Kraft. Im Fall von einem K orper, der konstante Masse besitzt, ist die Kraft mit der Masse proportional. Diese Masse kann also als der Grund der Tr agheit angesehen werden. Von dem Gesichtspunkt des Impulses und von dem zweiten Newtonschen Gesetz ist diese Masse eine tr age Masse. Auf der anderen Seite, als wir die Masse deniert haben (Kap. 1.), ein anderer Aspekt der Masse war der Grund der Messung. Es war das Gewicht in Folge der Gravitationsanziehung durch die Erde, deren Gr oe FG = m g ist. Man fand experim orpers mit der Masse von 1 kg mentell, dass g = 9, 81 s2 , also das Gewicht eines K m FG = 1 kg 9, 81 s2 = 9, 81 N ist. Die Masse im Gewicht steht also nicht mit der Bewegungszustands anderung des K orpers, sondern mit der Gravitationskraft (Abschnitt 3.6) im Zusammenhang. Daher ist diese Masse eigentlich eine schwere Masse. Der Beweis von der a ager und der schwerer Masse hat die Phantasie der Physiker jahrquivalenz der tr hunderten lang bewegt. Durch die Experimente von L or and E otv os (1848-1919) konnte gezeigt werden, dass die schwere und tr age Masse eines K orpers innerhalb der relativen 46

Messgenauigkeit von 1010 u bereinstimmen. Einstein hat diese u bereinstimmung als Ausgangspunkt der allgemeinen Relativit atstheorie gew ahlt. Da das aquivalenzprinzip sowohl experimental als auch theoretisch untermauert ist, unterscheidet man die schwere und tr age Masse nicht mehr.

3.2

Kr aftearten

Die Kr afte der Natur k onnen nur in Integralsystemen rein wahrgenommen werden. Inertialsysteme bewegen sich mit konstanten Geschwindigkeiten zueinander. In rotierten und beschleunigten Koordinatensystemen treten scheinbare, sogenannte Tr agheitskr afte auf, die wir in Abs. 3.7 untersuchen werden. Die Kr afte k onnen verschiedene Herkunft haben. Zum Beispiel mechanische, elektrische, atomare usw. Wir werden jetzt die mechanischen Kr afte zusammenfassen.

3.2.1

Schwerkraft

Auf die frei fallende und die weggeworfene K orper auf der Erdober ache wirkt u berall die Kraft: F = m g. Sie ist grunds atzlich der lokale Wert der allgemeinen Gravitationskraft (siehe Abs. 3.6.) in der N ahe der Erdober ache. Dieser Wert ist durch die Erdrotation entstehende Zentrifugalkraft modiziert, und h angt deswegen leicht von dem Breitengrad m ab (siehe Abs 3.7.3). In Mitteluropa ist g etwa 9, 81 s 2 gro. Beispiel: Die Bewegung von zwei K orper, die zueinander durch ein Seil fest gebunden sind. Betrachten wir 3.4, wo ein Gewicht (m1 ) u ber eine Rolle ein andere K orper (m2 ) auf der waagerechte Ebene zieht. Bestimmen wir die Beschleunigung wenn die Reibung und die Masse der Rolle vernachl assigbar klein sind!

47

Abb. 3.4: Die Bewegung von Zwei K orper die durch ein Seil fest zueinander gebunden sind.

In solchen F allen l ost man die Probleme so, dass man die Bewegungsgleichungen (N II.) der einzelnen K orper aufschreibt. Dabei soll man darauf achten, dass alle der wirkenden Kr afte korrekt gefunden werden sollen. In diesem Fall ist wichtig, dass man die Seilkraft(K), die durch das Seil von K orper 1 auf K orper 2 u bertragen wird, in beiden Bewegungsgleichungen korrekt in Acht nimmt. Also auf K orper 1 wirken die Schwerkraft und die Seilkraft. Die Bewegungsgleichung ist also: m 1 a1 = G K = m 1 g K wobei a1 in Richtung von g (abw arts) zeigt. Auf den zweiten K orper wirkt einerseits senkrecht die Schwerkraft, die aufgrund des Reaktionsprinzips (N III.) durch das Boden mit einer N Gegenkraft kompensiert wird. Anderseits wirkt waagerecht die Seilkraft (K), die u ber die freilaufende Rolle im Seil u bertragen wird. Daher bewegt sich der zweite K orper mit einer a2 Beschleunigung waagerecht. Angenommen, dass das Seil sich nicht ausdehnen kann, sind die Beschleunigungen gleich: a1 = a2 = a. Die Bewegungsgleichung von K orper 2 ist also: m2 a2 = K. 48

Durch die Anwendung der Gleichheit der Beschleunigungen erhalten wir ein Gleichungssystem bestehend aus 2 Gleichungen mit zwei Unbekannten (a, K): m1 a = m1 g K, m2 a = K. Das ist l osbar, und erhalten wir: a= und K= m1 g m1 + m2

m1 m2 g . m1 + m2 Diese L osungsmethode ist mit der Bewegungsgleichungen immer eektiv, wenn die Bewegungen der K orper von einander separierbar betrachtet werden k onnen. So soll dieses Problem gel ost werden, wenn die Reibung (siehe Abs. 3.2.3.) nicht vernachl assigbar ist. Allerdings steigt dann die Zahl der auf den zweiten K orper wirkenden Kr afte auf zwei, n amlich bremst die Reibung von K orper 2 zus atzlich. ahnlich gehen wir fort, wenn die Masse der Rolle nicht vernachl assigbar ist. In diesem Fall steigt die Zahl der Bewegungsgleichungen, man muss n amlich die Rotationsbewegung der Rolle durch ein Drehimpulsgesetz (siehe Kap. 5) auch aufschreiben.

3.2.2

Die Gravitationskraft

Das allgemeine Gravitationsgesetz von Newton (1687) formuliert die Kraft aus, die durch die Massenanziehung entsteht: m1 m2 r12 , F21 = 2 r12 |r12 | wobei - F21 - die Kraft, die durch K orper 1 auf K orper zwei wirkt, ist; - r12 = r2 r1 der Vektor ist, der von K orper 1, zum K orper 2 gezogen werden kann, daher ist |r12 | die Entfernung der K orper; - m1 und m2 die Massen der wechselwirkenden K orper sind; der Einheitsvektor ist, der von K orper 1 in Richtung K orper 2 zeigt, und gemeinsam mit dem Minus Vorzeichen dr uckt die Tatsache aus, dass die Gravitationskraft immer anziehend ist;
r12 |r12 |

- die Gravitationskonstante: = 6, 67 1011 [N m2 kg 2 ] ist. Bis heute laufen in mehreren Laboratorien der Welt solche Forschungsarbeiten, die diese Naturkonstante besser bestimmen zu k onnen. 49

Wegen der besonderen Wichtigkeit der Gravitation in der Physik, werden wir ein ganzes Kapitel (3.6.) f ur sie widmen.

3.2.3

Reibungskr afte

Gleitreibung und Haftreibung Lassen wir eine Streichholzschachtel oder ein Buch auf einer Tischober ache losrutschen. Sie werden immer langsamer und schlielich bleiben sie stehen. Der Impulsverlust zeigt, dass eine Kraft die Bewegung bremst. Diese, gegen die Bewegung wirkende Kraft ist die Gleitreibung. Sie liegt vor, wenn zwei K orper relativ zueinander in Bewegung sind, und dabei zwischen den K orper ein mechanischer Kontakt auch vorhanden ist. Es hat sich gezeigt, dass die Gleitreibung gem a Abb. 3.5a. in den meisten praktischen F allen mit der Druckkraft, die auf die Kontakt ache normal auftretet(N ), proportional ist.

Abb. 3.5: a: Die Gleitreibung (S) wirkt entgegen der relativen Bewegung der K orper, und ist mit der Normalkraft proportional: |F | = K |N | b: Haftreibung: solange, bis die Ziehkraft (F) kleiner ist als S N , der K orper bleibt stehen und die Haftreibung (H) kompensiert die Ziehkraft: H=-F. In Gleichung: |S | = K |N | wobei - S - die Reibungskraft ist; - N - die Normalkraft auf der Rutsch ache ist; - K - der Gleitreibungskoezient oder kinetische (K im Index) Reibungskoezient ist. 50 ,

Da sich die Erscheinung der Reibung korrekt nur mit den molekularen Kr aften erkl aren l asst, beschreibt dieser makroskopische Koezient nur grob die Reibung. Sie h angt urspr unglich von den kontaktierenden Materialien, von der Ober achenrauhigkeit, und von dem Zustand der Ober ache (nass, trocken) ab. Nehmen wir gem a Abb. 3.5a. an, dass eine F Kraft auf den K orper der Masse m wirkt, wobei der kinetische Reibungskoezient ist K . In diesem Fall ist: N = m g. Daher k onnen wir f ur die Reibung: |S| = K m g schreiben. Dadurch, dass diese immer gegen der Bewegungsrichtung zeigt, ist die Bewegungsgleichung: ma = F K m g . F ur eine mit a gleichm aig beschleunigte Bewegung auf eine waagerechte Ober ache, brauchen wir also die Kraft von: F = m (a + K g ) . Falls man einen stehenden K orper (siehe 3.5.b), der sich mit einem anderen K orper an einer Fl ache im Kontakt bendet, relativ zu diesem K orper entlang der Kontakt ache in Bewegung bringt, muss man mit einer Kraft (F) entlang der Fl ache wirken, deren Gr oe mindestens: |F| > |Hm ax| = S |N| ist, wobei - Hm ax die Haftreibung ist; - N die Kraft ist, die auf die Kontaktober ache normal wirkt; - S der statische (S im Index) Reibungskoezient ist. Solange die |F| kleiner oder gleich als |Fm ax| ist, bleibt der K orper stehen und die Haftreibung betr agt (siehe 3.5b). mathbf H = F. Man fand f ur die bisher getesteten Materialpaaren, dass S allgemein gr oer als K ist. (siehe Tab. 3.1.). Die Experimente zeigen, dass die Reibung von der Gr oe der kontaktierenden Ober achen nicht abh angt. Die Zahlen in der Tabelle sind Mittelwerte und k onnen nur orientierend betrachtet werden. Beispiel : Messung der Koezienten der Reibung mit Hilfe einer Neigungsebene mit verstellbaren Neigungswinkel Setzen wir einen Steinblock auf die verstellbare Neigungsebene und erh ohen wir den Neigungswinkel. Beweisen wir, dass a.) bei dem Winkel von S , wenn der K orper anf angt zu rutschen S = tg S g ultig ist; 51

Tabelle 3.1: Die kinetische und die statische Reibungskoezienten f ur manche Materialpaaren (trockene Ober ache): Material Aluminium/Stahl Stahl/ Stahl (weich) Blei/ Stahl Kupfer/ Stahl Nickel/ Nickel Glass/Glass Teon/Teon K 0,47 0,57 0,95 0,36 0,53 0,94 0,04 S 0,61 0,74 0,95 0,53 1,1 0,4 0,04

b.) bei dem Winkel von K , wenn der K orper sich mit konstanten Geschwindigkeit auf der Ebene bewegt, K = tg K wahr ist.

Abb. 3.6: a. Solange < S , bewegt sich der K orper nicht, und |H | = GT = mg sin . b. Wenn der K orper sich mit konstanten Geschwindigkeit auf der Ebene abw arts bewegt, ist die Summe der Kr afte 0, also |S | = GT = mg sin K . Um das Problem zu l osen, zerlegen wir das Gewicht in tangentiellen und normalen Komponenten (siehe Abb. 3.6): GT = mg sin , 52 GN = mg cos

GT zeigt abw arts, entlang der geneigten Ebene, und zwingt den K orper zum Rutschen. GN ist durch die Druckkraft N von der Ebene (N III) kompensiert. Durch die Erh ohung der Neigung wird GT immer gr oer. Durch die Erh ohung von wird GN und damit N immer kleiner. Fall a.) Solange bis der K orper steht (mg sin S mg cos ), die Gr oe von H ist gleich mg sin , und zeigt nach oben. Als die Kraft den kritischen Wert der Haftreibung von: |H | = S mg cos erreicht, f angt der K orper an abw arts zu rutschen. Die Bedingung f ur diesen Schwellenwert von = S ist also : mg sin S S mg cos S = 0 Daher: sin S = tg S , S = cos S wie in der Fragestellung war (QED). Fall b.) Nehmen wir an, dass der K orper schon sich bewegt, gem a der Abb. 3.6b, mit konstanter Geschwindigkeit. GT beschleunigt die Bewegung nach unten, S h alt dagegen. Die entsprechende Bewegungsgleichung ist: m a = mg sin K mg cos . Bei K ist a = 0, daher: 0 = mg sin K K mg cos K . Schlielich erhalten wir: K = sin K = tg K , cos K

wie in der Frage gestellt war (QED). Bemerkung: Um das Experiment b richtig durchzuf uhren, braucht man eine relativ lange Ebene. Zuerst wird n amlich S erreicht, nur dann k onnen wir den Winkel der Neigung reduzieren und letztendlich die konstante Geschwindigkeit einstellen. Reibung in Fl ussigkeiten Falls ein K orper sich mit relativ kleiner Geschwindigkeit durch eine Fl ussigkeit bewegt, kann man annehmen, dass die auftretende Reibungskraft ist proportional mit der Geschwindigkeit: FS = K v, wobei - die Viskosit at ist, ihre Einheit ist: [ ] = P a s =
kg . m s

- K von der Gestalt des K orpers abh angt, f ur Kugel K = 6 r betr agt; 53

- und v die Geschwindigkeit ist. Dieses Gesetz ist das Stokesche Gesetz. kg Beispiel: Bestimmen wir die Grenzgeschwindigkeit einer Stahlkugel ST AHL = 7, 9 103 m 3 3 kg mit einem Radius von 2mm, die durch Glycerin (Glycerin = 1, 3 10 m3 , Glycerin = 8.33 101 P as) f allt!

Abb. 3.7: Auf die fallende Kugel im Fl ussigkeit wirken drei Kr afte: der Gewicht, die Auftriebskraft und die Reibungskraft. Bei konstanter Geschwindigkeit ist die Summe der Kr afte: 0 Auf den fallenden K orper wirken die folgende Kr afte (siehe Abb. 3.7): - Schwerkraft - abw arts: Fg = mK g , wobei: mK = V = 4/3 r3 K , und K die Dichte der Kugel ist; - Auftriebskraft (aufw arts): FA = mF g , wobei: mF = F V = 4/3 r3 F , und F die Dichte der Fl ussigkeit ist; - Reibungskraft (aufw arts): FS = 6rv wobei r der Radius der Kugel ist; - die Viskosit at von der Fl ussigkeit (Glycerin) ist; - v die unbekannte Geschwindigkeit ist. Gem a Abb. 3.7 ist bei der konstanten Grenzgeschwindigkeit die Summe der wirkenden Kr afte 0, und daher: FG FA FS = 0. Setzen wir die Kr afte in die Gleichung ein, damit: 4 r3 (K F ) g 6rv = 0. 3

54

Die Kugel ist aus Stahl, deswegen K = ST AHL , die Fl ussigkeit ist Glycerin, daher 1 F = Glycerin = G und = G = 1.8x10 P as, 2(ST AHL G ) 2 und damit: v = r g. 9G Mit Zahlen: v=7 cm/s.

3.3

Elastische Kraft (Federkraft)

Innerhalb der Elastizit atsgrenze des Materials sind Kraft und Deformierung proportional (Hooksches Gesetz). In diesem G ultigkeitsbereich tretet in einer waagerecht liegenden Spiralfeder, die aus der Ruhelage um x ausgelenkt wurde, eine R uckziehkraft auf, deren Gr oe: F = Dx ex ist. Das ist die elastische Kraft oder Federkraft, wobei -D ist die Feder -oder R uckstellkonstante der Feder, deren Einheit [D] = N m ist. Betrachten wir das Problem, wenn ein K orper der Masse m auf der waagerecht liegenden Feder angebunden ist. Bestimmen wir die Bewegung des K orpers nach der Auslenkung! Nehmen wir an, dass die waagerechte Richtung ist X-Achse die und die Ruheposition der Feder im Ursprung liegt. Die Auslenkung in einer t Zeitpunkt ist x (t) ex . Schreiben wir das Bewegungsgesetz (N II) auf: m d2 x (t) ex = Dx (t) ex . dt2

Die Bewegung ist linear und kann durch die x(t) skalare Funktion abgeschrieben werden: m d2 x (t) = Dx (t) , dt2

d2 x (t) D = x (t) . 2 dt m Vergleichen wir dieses Gesetz mit dem Ausdruck, den wir f ur die Beschleunigung von D der harmonischen Schwingung erhalten haben (siehe Abs. 2.7.). Mit 2 = m sind die Gleichungen vollkommen identisch. Die Bewegung des Massenpunktes auf der Feder ist D mit einer Kreisfrequenz von: = m harmonisch. F ur die Frequenz und f ur die Periode erhalten wir: f= 1 1 = T 2 D 2 und T = =2 m m . D

55

Die Bewegung ist also eine harmonische Schwingbewegung: D x (t) = A cos ( t + 0 ) = A cos t + 0 . m Es stellt sich die Frage, wie wir A und 0 bestimmen k onnen. Dazu brauchen wir zwei Anfangsbedingungen x (t = 0) und v (t = 0) . Mit Worten: von welcher Auslenkungsposition und mit welcher Geschwindigkeit wurde der K orper losgelassen. Nehmen wir an, dass die Anfangsbedingungen: x (t = 0) = x0 , v (t = 0) = v0 sind,

und bestimmen wir die Amplitude und die Anfangsphase! Der Ausschlag und die Geschwindigkeit k onnen gem a Abs. 2.7. aufgeschrieben werden: dx = A sin ( t + 0 ) . x = A cos ( t + 0 ) , v = dt Setzen wir die obige Anfangsbedingungen x0 und v0 ein: x0 = A cos 0 , v0 = A sin 0 .

Dividieren wir die Gleichung f ur v0 durch : v0 = A sin 0 . Bilden wir jetzt den Quadrat der Gleichungen f ur x0 und v0 und addieren wir sie:
2 v0 = A2 sin2 0 + cos2 0 = A2 . 2 Daher erhalten wir f ur die Amplitude:

x2 0+

A=

x2 0+

2 v0 . 2

F ur die Bestimmung der Anfangsphase dividieren wir die Gleichungen f ur v0 und x0 : v0 sin 0 = = tg0 x0 cos 0 F ur die Anfangsphase ist: v0 . x0 Die komplette Schwingung mit einer Gleichung: tg0 = x (t) =
2 v D v m 0 0 . x2 m cos t + arc tg 0+ D m x0 D

56

3.4
3.4.1

Der Drehimpuls und das Drehmoment


Denition des Drehimpulses

Ein Teilchen bewegt sich mit dem Impuls p = mv. Sein Ortsvektor in der Zeit r (t) beschreibt die Bahnkurve. Der Drehimpuls ist der Vektorprodukt von r und p: L = r p = r mv.

Abb. 3.8: Zu der Denition des Drehimpulses Die Einheit des Drehimpulses ist kg m2 s1 . Wenn sich der Massenpunkt in einer Ebene bewegt und der Koordinatenursprung auch in dieser Ebene liegt, dann bleibt die Richtung des Drehimpulses immer senkrecht zu der Ebene. Im Fall einer gleichf ormigen Kreisbewegung wenn U ist im Mittelpunkt des Kreises ist, betr agt die Gr oe des Drehimpulses: L = m r v , weil r immer zu v ist. Bekannt ist, dass: v = r , und daher die Gr oe des Drehimpulses der gleichf ormigen Kreisbewegung L = m r2 ist, und der L Vektor parallel mit ist.

3.4.2

Drehmoment und Drehimpulsgesetz

Bilden wir die erste zeitliche Ableitung des Drehimpulses: d dv dL = rmv+rm = dt dt dt dp = v mv + r m . dt dp Der erste Glied ist 0. Nach Newton II: F = dt , und damit : dL = r F. dt 57

Das Produkt von dem Ortsvektor und der Kraft ist das Drehmoment: M= r F. Die 2 2 Maeinheit des Drehmoments ist [M ] = N m = kg m s . Die zeitliche Ver anderung des Drehimpulses eines Teilchens ist dem Drehmoment der Kraft die auf den Massenpunkt wirkt gleich: dL = M. dt Das ist das Drehimpulsgesetz f ur ein Teilchen. Wichtig ist es hier zu bemerken, dass Drehimpuls und Drehmoment immer in Bezug auf einen festgelegten Punkt (wie z.B. dem Ursprung) deniert sind.

3.4.3

Drehimpuls in Zentralfelder

Falls die Kraft in einem Raumteil nur von dem Ortsvektor abh angt, k onnen wir von einem Kraftfeld sprechen: F (r) Das Kraftfeld ist mathematisch eine Vektor-Vektor Funktion. Wenn ein Kraftfeld so geartet ist, dass F r, und F = f (r) re wo - f eine Funktion ist; - re der radiale Einheitsvektor ist; - r die Entfernung von dem Zentrum des Feldes (gleichzeitig des Ursprungs) ist. Daher ist in diesem Feld das Drehmoment 0. Das Drehimpulsgesetz lautet also: dL = 0 L = konst. dt Das bedeutet, dass in Zentralfelder der Drehimpuls bezogen auf das Kraftzentrum f ur alle Bewegungen konstant ist.

58

3.5
3.5.1

Arbeit und Energie


Die Arbeit als Linienintegral

Abb. 3.9: Die Arbeit ist das Linienintegral der Kraft Betrachten wir ein Massenpunkt, der sich unter der Wirkung einer F Kraft (die kann - von dem Ort abh angig - verschieden sein) auf der Bahnkurve von A bis B bewegt. Gem a der Abbildung 3.9 wirkt auf einem kleinen Wegelement si der Bahnkurve auf das Teilchen gerade Fi Kraft. si ist so klein, dass darauf die Kraft ann aherungsweise u berall Fi ist. Wir sagen si ist innitesimal klein, also alle si 0. Die Arbeit, Wi die w ahrend dieser Verschiebung geleistet wird ist das Skalarprodukt von Fi und si : Wi = Fi si = Fi si cos i . Anders formuliert: Falls eine konstante Kraft auf eine s Wegelement wirkt, ist die Arbeit das Skalarprodukt: W = F s. Die Maeinheit der Arbeit ist Joule (J), 1 J = 1 N m = 1 kg m2 s2 . Betrachten wir gem a der Abb. 3.9 die Bewegung des Teilchens von A bis B. Die ganze Arbeit w ahrend der ganzen Bewegung ist dann die Summe der Teilarbeiten die auf den elementaren Strecken geleistet wurden: WAB F1 s1 + ... + Fi si + ... + FN sN , 59

WAB F1 s1 cos 1 + ... + Fi si cos i + ... + FN sN cos N . Der Grenzwert der Summe der Einzelbetr age der Arbeit, die auf den unendlich vielen innitesimal kleinen Strecken (si 0) geleistet wurde, ist das Wegintegral:
B B

WAB =
i=1

Fi si =
A

F ds =
A

F cos ds.

Wichtig ist es hier zu erw ahnen, dass die mathematische Aufteilung der AB Strecke so durchgef uhrt werden soll, dass si u berall bei der Grenzwertrechnung verschwindet. Das Linienintegral f ur die Arbeit kann wegen F ds = Fx dx + Fy dy + Fz dz auf die Summe von einfachen Integralen zur uckgef uhrt werden:
P1 x2 y2 z2

F ds =
P2 x1

Fx dx +
y1

Fy dy +
z1

Fz dz.

3.5.2

Beispiel: Arbeit gegen Federkraft

Abb. 3.10: Zu der Berechnung der Arbeit gegen der elastischen Kraft Die Arbeit, die wir gegen der Federkraft leisten ist: F = D x. Angenommen, dass die Dehnung der Feder entlang der X-Achse ist, und die Ruheposition der Felder der 60

Ursprung ist, sind die Kraft und das Wegelement: F = D x i, s = x i, ds = dx i.

Damit kann die Arbeit auf einen einfachen Integralausdruck zur uckgef uhrt werden:
x2

Wx1 x2 =
x1

D x dx.

Durch Bildung der Stammfunktion:


x2

Wx1 x2 = D
x1

x2 x dx = D 2

x2

=
x1

1 2 D x2 2 x1 , 2

Falls die Arbeit von der Ruheposition aus geleistet wird: 1 W = Dx2 2 Merken wir, dass eine so aufgezogene Feder wenn man sie losl asst genau diese Arbeit leisten kann. Sie ist also in der Lage Arbeit zu leisten. Wir sagen, die aufgezogene Feder diese potentielle Energie besitzt (siehe Abs.3.5.7).

3.5.3

Die Leistung
dW (F s) = lim =Fv t 0 dt t

Die zeitliche Ableitung der Arbeit ist die Leistung. P =

Die Maeinheit der Leistung ist der Watt. [P ] = 1 W = 1 J N m =1 = 1 kg m2 s3 . s s

Beispiel: Die Leistung eines Autos, das mit konstanten Geschwindigkeit auf der Steigung hinau ahrt.

61

Abb. 3.11: Auto auf der Steigung Nehmen wir an, dass die Steigung , die Geschwindigkeit ist v, die Masse m und die Reibungskoezient ist. Die Motorkraft ist der Summe der wirkenden R uckziehkr afte gleich, also: F = mg sin + mg cos . Die Leistung ist: P = v mg (sin + cos ) .

3.5.4

Kinetische Energie

Abb. 3.12: Unabh angig von der Natur der Kraft ist die Arbeit von A bis B gleich 1 1 2 2 mv (B ) 2 mv (A). 2 Nehmen wir an, dass die Geschwindigkeit eines Teilchens- gem a der Abbildung 3.12 auf eine Bahnkurve zwischen A und B von v (A) auf v (B ) sich ge andert hat. Das bedeutet, dass w ahrend dieser Bewegung eine Kraft auf das Teichen gewirkt hat. Unabh angig von

62

der Natur der Kraft k onnen wir die Arbeit auf diese A B Strecke bestimmen.
B B B

WAB =
A

F ds =
A

m a ds =m
A

aT ds

wo wir N II f ur den Ausdruck der Kraft (F = ma) verwendet haben und aT die tanund gentielle Komponente der Beschleunigung bedeutet. Durch Substitution aT = dv dt ds = vdt erhalten wir v (B ) t2 B dv aT ds = vdt = v dv. dt
A t1 v (A) v (B )

Damit: WAB = m
v (A)

v dv =m

v (B ) v2 2 v (A)

1 2

1 m v 2 (B ) 2 m v 2 (A).

Die Arbeit, die unabh angig von der Natur der Kraft den Bewegungszustand des Teilchens ge andert hat, manifestiert sich in der Zunahme der Gr oe m v 2 des Teilchens. 2 Diese Gr oe ist die Bewegungsenergie oder kinetische Energie: 1 p2 . Ekin = mv 2 = 2 2m Damit: W(v=0)(v) = Ekin = 1 m v2 2 Der Satz der kinetischen Energie kann also in der Form: WAB = Ekin (B ) Ekin (A) ausgedr uckt werden. In Worten: Die Arbeit die an einem Massenpunkt geleistet wird, ist der anderung seiner kinetischen Energie gleich. Die kinetische Energie ist der Beschleunigungsarbeit gleich, die in die Bewegung des Teilchens insgesamt eingesteckt wurde. Die kinetische Energie ist unabh angig davon, welche Kraft diese Beschleunigungsarbeit geleistet hat.

3.5.5

Konservative Kraftfelder, potentielle Energie, Konservative Felder

Wenn die Kraft eine genaue Ortsabh angigkeit F (r) aufzeigt, k onnen wir von einem Kraftfeld sprechen. Wie in 3.2.2. wir gezeigt haben, bildet z.B. die allgemeine Gravitationskraft um der Erde ein Kraftfeld. Kein Kraftfeld kann aber zu der Reibung zugerichtet werden.

63

Abb. 3.13: In einem konservativen Feld ist die Arbeit unabh angig von dem Weg (i Kurven) zwischen A und B, oder ist 0 auf einem geschlossenen Weg (). Wenn die Arbeit W nur von dem Anfangspunkt und von dem Endpunkt der Bewegung in einem Kraftfeld abh angt (von der Bahnkurve (i ) aber nicht) handelt es sich um ein konservatives Feld. Mit Formeln, wenn die i ein Weg zwischen A und B bedeutet: WAB =
1

Fds =
2

Fds = =
i

Fds

Daher WAB = WBA unabh angig von der i ist wahr. Wir k onnen die Arbeit auf einen geschlossenen Weg A B A aufschreiben (siehe Abb. 3.13).
B A B B

Fds =
A

Fds +
B

Fds =
A

Fds
A

Fds = 0

- wobei der kleine Kreis auf dem Integralzeichen bedeutet, dass die Integration auf einem geschlossenen Weg durchgef uhrt werden soll. Die potentielle Energie Bringt man in einem konservativen Feld ( F ds = 0) einen K orper von einer will

k urlich gew ahlten Position (O) zu einem anderen Punkt (A), so ist die dabei geleistete (oder gewonnene) Arbeit eindeutig und h angt nur von dem A ab. Daher k onnen wir

64

das Kraftfeld mit der Arbeit, die von 0 bis zum Position A geleistet (gewonnen) wird, charakterisieren. Diese Funktion ist die potentielle Energie:
A

EP OT (A) =
0

F dr

(siehe Abb. 3.14).

Abb. 3.14: Die Arbeit WAB kann in einem konservativen Feld durch die Dierenz der potentiellen Energie in A und B ausgedr uckt werden. Der Punkt 0 kann willk urlich, aber zweckm aig deniert werden. Daf ur geben wir ein paar Beispielen im Abschnitt 3.5.8. Das negative Vorzeichen ist deswegen da, weil der K orper durch uns ins P gebracht wurde, dabei wir die Arbeit gegen das Feld geleistet haben. Dadurch ist das Feld in der Lage gebracht worden um auf dem K orper Arbeit leisten zu k onnen. Die durch uns eingesteckte Arbeit ist die potentielle Energie des Feldes. Durch die Einf uhrung der potentiellen Energie k onnen wir die konservativen Felder statt der Vektor- Vektor Funktion F (r) durch die Skalar-Vektor Funktion EP OT (r) charakterisieren: F (r) EP OT (r) . Nehmen wir an, dass wir den Nullpunkt der potentiellen Energie deniert haben: EP OT (O) = 0. Dann k onnen wir die potentielle Energie in A und B aufschreiben:
A B

EP OT (A) = WOA =
O

F ds, 65

EP OT (B ) = WOB =
O

F ds.

Bilden wir jetzt EP OT (A) EP OT (B ): EP OT (A) EP OT (B ) =


A

=
O

F ds
O

F ds =
A

F ds +
O

F ds =
A

F ds = WAB .

Daher k onnen wir formulieren, dass die Arbeit die w ahrend der Bewegung eines K orpers in einem konservativen Feld von dem Ort A bis zum Ort B durch das Feld geleistet wurde, gleich der Unterschied der potentiellen Energie dieser Punkten ist: WAB = EP OT (A) EP OT (B ).

3.5.6

Die Bestimmung der Kraft von der potentiellen Energie, der Gradientenvektor

Im vorigen Abschnitt haben wir zu einer Vektor- Vektor Funktion (F (r)) eine SkalarVektor Funktion(EP OT (r)), bis auf dem freiwilligen Wahl von O, eindeutig zugerichtet. In diesem Abschnitt stellen wir die Frage umgekehrt auf: wie k onnen wir von der EP OT (r) Skalar-Vektor Funktion das Kraftfeld (F (r)) bestimmen? Dazu betrachten wir Abbildung 3.15. Falls wir in Richtung 1 unsere Probek orper um einen kurzen r1 Vektor verschoben haben, dann ist die Arbeit W = F (r) r1 . Gem a der Denition der potentiellen Energie ist: W = Ep (r) Ep (r + r1 ) = F (r) r1 . Wenn wir die anderung der potentiellen Energie in Richtung 1 als Ep |1 denieren: Ep (r + r1 ) Ep (r) = Ep |1 , dann kann der Zusammenhang F (r) r1 = Ep |1 aufgeschrieben werden. Durch die Einf uhrung von dem Einheitsvektor in Richtung 1 (e1 ) k onnen wir schlielich den folgenden Zusammenhang aufschreiben: F (r) e1 |r1 | = Ep |1 .

66

Abb. 3.15: Wenn der K orper von r, in Richtung 1, um r1 im konservativen Kraftfeld bewegt wurde, der Unterschied EP OT (r)EP OT (r + r1 ) ist der Kraftkomponente F1 (r) in Richtung 1 mal |r1 |. gleich Nach Division mit |r1 | erhalten wir f ur den Skalarprodukt F (r) e1 , der eigentlich die Komponente der Kraft in Richtung 1 darstellt, den folgenden Zusammenhang: F (r) e1 = Bilden wir den Grenzwert bei |r1 | 0: F (r) e1 = lim Ep |r1 | =
1

Ep |1 . |r1 |

|r1 |0

Ep r

Mit Worten bedeutet diese Gleichung, dass die Kraft F (r) in Richtung 1 die Komponente p von F1 (r) = E hat. r ist genannt Richtungsableitung der potentiellen Energie in Richtung 1. Falls wir eine zweite Richtung w ahlen, dann ist die Komponente von F in diese Richtung 2 : Ep F2 (r) = . r 2
|r1 |0

Der Ausdruck

1 Ep r 1

= lim

Ep |r1 |

Die Richtungsableitungen geben eigentlich die negative Kraftkomponenten in den angegebenen Richtungen an. Falls jetzt die drei Richtungen des kartesischen Koordinatensystems ausgew ahlt sind, dann k onnen die x, y und z Koordinaten der Kraft in r erhalten werden: Ep (r) Fx (r) = , x 67

Fy (r) = Fz (r) =

Ep (r) , y

Ep (r) , z wobei die Richtungsableitungen in x, y und z partiellen Ableitungen der Ep (r) Funktion p genannt sind. Die partielle Ableitung der potentiellen Energie E bedeutet, dass die x Ep (x, y, z ) Funktion nur nach x dierenziert werden soll, wobei die anderen Ver anderlichen (y und z) dabei konstant gehalten werden sollen. Damit ist die gesuchte Kraft: F (r) = Ep (r) Ep (r) Ep (r) i+ j+ k x y z

p (x) p (y ) p (z ) Der Ausdruck E i + E j + E k ist Gradientenvektor der Ep (r) Funktion x y z in kartesischen Koordinatensystem genannt. Verk urzt: F (r) = grad Ep (r) = Ep (r), wobei der Dierentialoperator Nabla Operator genannt ist. Allgemein f ur eine skalare Gr oe (A) im kartesischen Koordinaten ist der Gradientenvektor: Ai+ j + k = grad A. A = x y z

Der Negative Gradient der potentiellen Energie ist die Kraft.

3.5.7

Energiesatz der Mechanik

Falls sich ein Teilchen unter der Wirkung eines konservativen Feldes auf einer Bahnkurve von A bis B bewegt, dann gem a des Satzes der kinetischen Energie: WAB = Ekin (B ) Ekin (A) . Anderseits leistet das Feld die Arbeit von: WAB = EP OT (A) EP OT (B ) . Damit: WAB = EP OT (A) EP OT (B ) = Ekin (B ) Ekin (A) , EP OT (A) + Ekin (A) = EP OT (B ) + Ekin (B ) . In einem konservativen Kraftfeld ist die Summe der potentielle und der kinetischer Energie eines Massenpunktes in jedem Punkt konstant. Das ist der Energisatz der Mechanik.

68

3.5.8

Typische konservative Felder

Wir betrachten zwei Beispiele f ur konservative Felder: homogenes Feld (Schwerefeld) und zeitunabh angige Zentralkraftfelder (z B. Gravitation und Federkraft). 3.5.8.1 Homogenes Feld z.B. Schwerefeld

Im konstanten Gravitationsfeld wirkt auf die Teilchen der Masse m die Kraft: F = m g k, wenn die H ohe mit der z-Achse charakterisiert wurde. Setzen wir den Nullpunkt (0) der potentiellen Energie auf die Anfangsposition (H ohe) des Massenpunktes! Die potentielle
P 0 h 0

Energie ist dann: EP OT (h) = F ds = mg dz = mgh. Dieser Wahl der potentiellen Energie im Schwerefeld kann nur solange g ultig sein, bis die h H ohe gegen uber dem Erdradius (R) vernachl assigbar ist: h R. 3.5.8.2 Zeitunabh angiges Zentralfeld

Abb. 3.16: In einem Zentralfeld wird nur w ahrend der Radialbewegungen Arbeit geleistet. Bei sph arischen Bewegungen um dem Zentrum ist die Arbeit Null. Zeitunabh angige Zentralfelder sind konservativ. Das k onnen wir mit der Hilfe von Abb. 3.16 einsehen. Falls wir an einer sph arischen Ober ache den K orper bewegen, brauchen wir keine Arbeit zu leisten, weil die Kraft immer senkrecht zu dem Weg ist. Im Fall wenn wir u ber eine geschlossene Bahnkurve () sprechen, ist die Arbeit 0, weil die Kurve durch 69

kleinen radialen und sph arischen Wegelementen gen ahert werden kann, und Arbeit wird nur in radialen Richtungen geleistet. Wenn wir zu der Anfangsposition zur uckkehren, die elementare Arbeiten ausw arts und r uckw arts kompensieren immer einander. Gravitationskraft M |r Nehmen wir als Beispiel das allgemeine Gravitationsfeld: F (r) = mr2 r| Sind die K orper (m und M) voneinander weit (r ) entfernt, existiert dann gar keine Wechselwirkung zwischen den beiden. Je n aher wir K orper 2 (m) im Feld von K orper 1 (M) bringen, desto mehr Arbeit m ussen wir leisten. Deswegen ist die zweckm aige Wahl f ur den Nullpunkt (0) der potentiellen Energie: Ep () = 0. Damit ist die potentielle Energie:
r

EP OT =

rmM mM . dr = 2 r r

Ahnlich soll das Potential im elektrostatischen Kraftfeld bestimmt werden. Elastische Kraft (Federkraft) Die elastische Kraft in einer Feder kann eigentlich auch als eine Zentralkraft betrachtet werden: F = Dxi Wenn wir den Nullpunkt der potentiellen Energie zweckm aig in die Ruheposition des Feldes gesetzt haben: EP OT (x = 0) = 0, dann k onnen wir f ur die potentielle Energie:
1 EP OT = Dx dx = 2 Dx2 schreiben. 0 x

Dx2 . Die potentielle Energie einer aufgezogenen Feder ist also 1 2 Die Erhaltung der mechanischen Energie kann w ahrend der Schwingbewegung eines Teilchens auf einer Feder sehr gut wahrgenommen werden (siehe Abb. 3.17).

70

Abb. 3.17: Die Energieerhaltung bei der harmonischen Schwingbewegung Gem a Abb. 3.17 die maximale potentielle Energie wird bei x = A aufgenommen. In x = 0 hat das Teilchen dagegen nur kinetische Energie. Unterwegs ist die Summe der kinetischen und der potentiellen Energie: 1 1 E = EKIN + EP OT = m A2 2 sin2 (t + ) + DA cos2 (t + ) . 2 2 Durch =
D , m

1 1 1 E = DA2 sin2 (t + ) + DA2 cos2 (t + ) = DA2 = 2 2 2

1 2 mv 2 M AX

-wobei wir den Zusammenhang VM AX = A auch ausgenutzt haben.

3.6

Das allgemeine Gravitationsgesetz und die Bewegung der Planeten

Das allgemeine Gravitationsgesetz wurde in 1687 von Isaac Newton formuliert. Zu dieser Entdeckung f uhrte ein langer Weg. Der erste Schritt auf dem richtigen Weg hat der polnische M onch Nikolaus Kopernikus (1473-1543) gemacht, als er vorgeschlagen hat, die Bewegung der Planeten (einschlielich der Erde) relativ zur Sonne als Mittelpunkt zu betrachten. Der d anische Astronom Tycho de Brache (1546-1601) hat durch jahrelange sorgf altige Beobachtungen die Daten der Bewegung der Planeten um der Sonne 71

Abb. 3.18: Die erste zwei Keplerschen Gesetze

und des Mondes um der Erde ausgemessen. Diese Ergebnisse halfen dem tschechischen Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) die drei Gesetze der Planetenbewegung zu formulieren. Newton hat vermutet, dass die Bewegung der Planeten, also die Keplersche Gesetze, und die auf der Erdober ache wahrnehmbare Gravitation die gleiche Ursache, n amlich die allgemeine Massenziehkraft haben. In den folgenden Abs atzen werden wir die wichtigsten Aspekte seiner meilensteinartigen Entdeckung analysieren.

3.6.1

Die Keplerschen Gesetze

I. Die Planeten beschreiben elliptische Bahnen, mit der Sonne im Brennpunkt (siehe Abb. 3.18a.) II. Der Ortsvektor jeder Planeten u berstreicht relativ zur Sonne in gleichen Zeiten gleiche Fl achen der Ellipse A1 = A2 = A3 (Fl achengesetz, siehe Abb. 3.18b.) III. Die Quadrate der Umdrehungsperioden sind der dritten Potenz des mittleren 3 Abst ande der Planeten von der Sonne proportional: T 2 = k RM IT

72

3.6.2

Die Bedeutung des Fl achengesetzes

F ur gen ugend kleine Zeiten kann das Bogenelement s der elliptischen Bahn der Planeten durch l ange von r angen ahert werden (siehe Abb. 3.19): s = |v t| = |r| . Damit ist die Fl ache A: A = 1 1 |r| |r| sin = |r| |v t| sin 2 2

A 1 = |r| |v| sin t 2 Durch t 0 verschwindet auch die Dierenz der Ellipsen ache und der von dem Dreieck und f ur den Quotient erhalten wir: dA 1 1 1 = rv= (r p) = L. dt 2 2m 2m Gem a dem II. Gesetz von Kepler ist diese Gr oe Konstant, also ist der Drehimpuls auch konstant: dA 1 = L = konst. dt 2m

Abb. 3.19: Darstellung des zweiten Gesetzes Kepler mit Vektoren. Das bedeutet, dass der Drehimpuls in Bezug auf das Gravitationszentrum konstant ist. Daher ist die Ableitung von L 0: dr dp dp dL = p+r =vmv+r = 0, dt dt dt dt 73

dL dp =r = 0. dt dt Aufgrund von Newton II folgt: r F = 0 r || F. Die Kraft, die auf die Planeten wirkt, ist also ein Zentralfeld: F = f (r) r . |r|

3.6.3

Die Bestimmung der Gravitationskraft

Newton erkannte, dass die Bewegung der Planeten und der freie Fall auf der Erdober ache die gleiche Ursache haben m ussen, n amlich die Massenziehkraft. Diese Kraft ist also eine Zentralkraft und soll anziehend und symmetrisch auf die zwei K orper (Sonne und Planet bzw. Erde und frei fallende Gegenstand) sein: F = m1 m2 f (r) |r r| Wir m ussen noch f(r) ermitteln, wobei r die Entfernung der K orper von dem Zentrum 2 des Feldes ist. Die Planeten haben eine Normalbeschleunigung von aN = v , wobei R R der Radius des Ber uhrungskreises ist. Diese Beschleunigung soll die Folge einer Kraft 2 ) genannt wird. In der Wirklichkeit kann diese sein, die oft Zentripetalkraft (FZP = m v R keine andere sein, als die gesuchte Gravitationskraft. Nehmen wir das Gravitationsfeld der Erde und betrachten wir die Bewegungen des Mondes (siehe Abb. 3.20).

Abb. 3.20: Die Zentripetalbeschleunigung des Mondes und die Gravitationsbeschleunigung auf der Erdober ache sind Folgen der gleichen Wechselwirkung. 74

Mit der Umlaufzeit des Mondes (TM ond = 2, 36 106 s) und mit seiner Entfernung von der Erde (RM ond = 3, 84 108 m) erhalten wir f ur die Zentripetalbeschleunigung des Mondes: aZP,M ond = RM ond
2

4 2 RM ond m (2 )2 R = = 2.72 103 2 . = M ond 2 2 TM TM ond s

2 3 Wenn wir das dritte Gesetz von Kepler (TM ond = k RM ond ) in Acht nehmen, sehen wir, dass die gesuchte Kraft ist proportional mit 1/r2 . m Vergleichen wir jetzt die Zentripetalbeschleunigung des Mondes (2.72 103 s 2 ) mit 2 der Gravitationsbeschleunigung auf der Erdober ache (9.81 m/s ):

g aZP,M ond

= 3602 = 602 .

Jetzt bilden wir die Quotient der Quadraten der Entfernung des Mondes (RMond ) relativ zum Erdradius (R=6370 km):
2 RM ond = R2

3, 84 108 6, 37 106

= 602 ,

m wobei wir die Werte R = 6370km = 6.37 106 m und g = 9.81 s 2 genutzt haben. Daher

g aZP,M ond

R2 . = M ond R2

Von dieser Gleichung l asst sich vermuten, dass die Ursache des freien Falles auf der Erdober ache ist die gleiche, die der Planetenbewegung. Einfach gesagt die allgemeine Gravitation. Zusammengefasst, die Gravitation ist eine anziehende Kraft, die symmetrisch proportional mit der Masse und ungekehrt proportional mit dem Quadrat der Entfernung der Objekte ist: m1 m2 r . F = 2 r |r| Die Konstante hat Cavendish mit einer Torsionswaage ausgemessen und betr agt: = 6, 67 1011 N m2 kg 2 .

3.7
3.7.1

Relativbewegungen. Tr agheitskr afte


Die Galileische Transformation

Betrachten wir zwei Inertialsystemen K (x, y, z ) und K (x , y , z ), die sich relativ zueinander mit der konstanten Geschwindigkeit von v0 bewegen (Abb. 3.21.). 75

Abb. 3.21: K und K sind Inertialsystemen, die sich relativ zueinander mit konstanten Geschwindigkeit bewegen. Die Bewegung von P im K kann durch r (t) im K durch r (t) abgeschrieben werden. Ihre Geschwindigkeiten sind v und v , die Beschleunigungen sind a und a . Die Transformationsregel, die auch oft Galilei Transformation zitiert ist, kann in die folgenden Gleichungen zusammengefasst werden. Die Zeit l auft in beiden Systemen gleich, also dt = dt . F ur den Ortvektor ist: r = r0 + r . Bilden wir die Geschwindigkeit durch Ableitung des Ortvektors: v= Durch v0 =
dr0 , dt

dr0 dr dr = + . dt dt dt

v=

dr dt

und v =

dr dt

erhalten wir: v = v0 + v .

Letztendlich nach Ableitung dieser Gleichung: a = a . Das bedeutet, dass in Bezugssystemen, die sich ruhen oder mit konstanten Geschwindigkeiten (v0 ) bewegen, die Beschleunigungen gleich sind. Damit -gem a Newton II- auch die wirkende Kr afte.

3.7.2

Kinematik der Bewegung der Massenpunkte in beschleunigten, bzw. rotierten Koordinatasystemen

K ist ein Inertialsystem. Bewege sich jetzt das K System relativ zum K so, dass der Ursprung (U ) von K eine zeitabh angige Geschwindigkeit, v0 (t) relativ zum U (Ursprung 76

von K) habe. Auerdem lassen wir K um eine Achse, die u ber U lauft, rotieren. In den Folgenden werden wir die Transformationsregeln f ur v v und f ur a a bestimmen, und werden wir feststellen m ussen, dass die a = a Gleichung ausschlielich f ur v0 = konst. erf ullt werden kann.

Abb. 3.22: Die Geschwindigkeit von P Relativ zu U (v) kann als die Summe der folgenden Geschwindigkeiten aufgeschrieben werden: v (t), v0 (t) und r (t). Die Ortsvektoren eines P Massenpunktes k onnen wir in beiden Systemen mit den Koordinaten aufschrieben: r = x i + y j + z k und r = x i + y j + z k Bilden wir die Ableitungen in beiden Systemen: v= dr dr und v = . dt dt

Durch den Strich hinter dem d Symbol der Ableitung deuten wir daran hin, dass es hier von der Ableitung im K System handelt: dx dy dz dr = i + j + k =v dt dt dt dt
r und nicht von dem d Vektor, der eigentlich die Ableitung von r bezogen auf das K dt System bedeutet. F ur die Ortsvektoren ist r = r + r0 immer g ultig. Nach der zeitlichen Ableitung (wobei r0 auch Zeitabh angig sein kann):

v=

dr dr dr0 dr = + = + v0 , dt dt dt dt 77

dr = v v0 . dt Die v Geschwindigkeit kann aber auf einem logischen Weg als die Summe von drei Teilgeschwindigkeiten hergeleitet werden (siehe Abb. 3.22). Auer der Geschwindigkeit im K System m ussen wir die Translation und die Rotation von K relativ zu K in Acht nehmen. Durch die Rotation kommt die r Tangentialgeschwindigkeit und durch die Translation die v0 Geschwindigkeit noch dazu: v = v + ( r ) + v0 oder: ,

damit:

dr dr dr0 = + ( r ) + . dt dt dt Wenn wir diesen Ausdruck mit dem vorigen vergleichen, erhalten wir: dr dr = + ( r ) dt dt Wir haben eine wichtige Regel f ur die Ableitung der Ortsvektoren in K System erhalten. Beliebiger A Vektor kann als Dierenz von zwei Ortsvektoren aufgeschrieben werden, deswegen ist die Regel f ur beliebige A Vektoren im K System: dA dA = + ( A ) dt dt g ultig. In Worten: die Ableitung eines A Vektors die im K (i, j, k) durchgef uhrt wurde, ist um A gr oer als die Ableitung von dem selben A im K (i , j , k ) System. Durch die Anwendung dieser Regel k onnen wir die Beziehung zwischen den Beschleunigungen bilden. Leiten wir dazu den Ausdruck f ur v ab: v = v0 + v + ( r ) , a= dv0 dv dr dv dv0 d d = + (v + r ) = + + r + , dt dt dt dt dt dt dt
dv dt

und n utzen wir die vorige Regel f ur a = a0 +

und

dr dt

aus:

dv d dr +v + r + + ( r ) = dt dt dt dv + 2 v + r + ( r ) dt 78

= a0 +

eingef uhrt wurde. Statt wobei = d dt schleunigung bezogen auf K bedeutet:

dv dt

k onnen wir a schreiben, die dann die Be-

a = a0 + a + 2 v + r + ( r ) . Nehmen wir jetzt an, dass wir uns im K benden und dort unsere Messungen durchf uhren. Die Beschleunigung, die wir dort wahrnehmen (a), ist nicht diejenige, die wir im Inertialsystem messen w urden (a). Sie hat im schlechtestem Fall noch 4 scheinbaren Be schleunigungskomponenten, die einfach von der Beschleunigung und Rotationsbewegung von dem System stammen. a = a a0 2 v r ( r ) Gem a des zweiten Axiom von Newton, hinter den Beschleunigungen der Massenpunkte verstecken sich Kr afte. Jedoch in diesem Fall sind diese Kr afte keine wirklich auf den K orper wirkenden Kr afte, sondern solche, die einfach auf die nichtgleichm aige Bewegung des Beobachtungssystems zur uckzuf uhren sind. Diese Kr afte sind genannt Tr agheitskr afte, weil die Tr agheit der Objekte daf ur verantwortlich ist, dass sie den nichtgleichf ormigen Bewegungen des Bezugssystems nicht folgen k onnen.

3.7.3

Tr agheitskr afte
FD = m a0 .

Wenn das Beobachtungssystem beschleunigt sich, dann tretet die DAlambert Kraft auf:

Deswegen f uhlen wir uns schwerer im aufw arts beschleunigten Lift. Unser Gewicht ist dort G = m (g + a0 ). Abw arts sind wir leichter: G = m (g a0 ). Jedoch wenn das Lift die konstante Geschwindigkeit erreicht hat, f uhlen wir wieder unseren Normalgewicht. Wenn das System sich rein, mit einer konstanten Geschwindigkeit rotiert, dann k onnen abh angig von dem Bewegungszustand des K orpers relativ zu K, zwei zus atzliche Kr afte auftreten. Wenn der K orper im K ruht, dann tretet die Zentrifugalkraft auf: FZ = m ( r ) . Als folge der Zentrifugalkraft schleudern sich die K orper im Auto in der Kurve nach auen. Falls der K orper sich im rotierten System auch noch bewegt (besitzt v), dann tretet auer der Zentrifugalkraft noch die Coriolis Kraft auch auf: FCo = 2m ( v ) . Falls das Bezugssystem sich sogar beschleunigend rotiert, dann tritt die Euler-Kraft auf: FE = m ( r ) . 79

Im schlechtesten Fall k onnen also alle vier auftreten. Beispiel: Zentrifugalbeschleunigung infolge der Rotation der Erde. Die Zentrifugalbeschleunigung infolge der Rotation der Erde manifestiert sich in der Verminderung der Gravitationsbeschleunigung. Gem a Abb. 3.23 beim Breitengrad ist die Gr oe der Zentrifugalkraft: | R | = |R | sin sin = 2 R cos 2 2

Die Richtung ist zu der Rotationsachse ausw arts senkrecht. Die radiale Komponente dieser Beschleunigung ist dann: g = 2 R cos2 wobei: - die Winkelgeschwindigkeit der Erde; - R der Erdradius; - der Breitengrad ist.

Abb. 3.23: Die Wirkung der Zentrifugalkraft auf die Gravitationsbeschleunigung. Die Zentrifugalbeschleunigung ist viel kleiner als g0. Obwohl diese Gr oe sehr klein gegen uber g0 (deswegen ist in Abb. 3.23 g mit gepunkteter Linie dargestellt) ist, sie macht sich bei genauen Messungen merkbar. Gem a der Tabelle 3.2. ist die Breitengradabh angigkeit deutlich. 80

Tabelle 3.2: Werte der Gravitationsbeschleunigung . Ort Nordpol Paris aquator 90 4850 0 g 9,8321 9,8094 9,7799

Beispiel: Abweichung eines frei fallenden K orpers von dem senkrechten u ber dem aquator. Gem a der Abbildung 3.24 kann man sehen, dass die momentane Geschwindigkeit des frei fallenden K orper u immer senkrecht zu ( zeigt senkrecht zu ber dem Aquator der Zeichnungsebene aufw arts) ist. Daher zeigt v nach Westen. Die Coriolis-Kraft zeigt wegen des Minus Vorzeichens nach Osten.

Abb. 3.24: Die Bestimmung der Coriolis Kraft u ur ein frei fallenden ber dem a quator f K orper. Die Ablenkung ist Richtung Osten.

81

Kapitel 4 Dynamik der Teilchensysteme.


In diesem Kapitel werden wir die Newtonsche Axiome f ur Teilchensysteme anwenden und dadurch die drei Erhaltungsgesetze
Schwerpunktgesetz; Drehimpulsgesetz; Erhaltung der Energie

herleiten.

4.1

Der Schwerpunkt

Jeder K orper unterliegt im Schwerefeld der Gravitation (siehe 3.2.1.). Die Gravitation manifestiert sich im Gewicht des K orpers (G = mg). Wenn ein K orper aus mehreren Massenpunkte gebildet worden ist, dann ist sein Gewicht die Summe der Gewichte der einzelnen Massenpunkte. Da das Gewicht ein Vektor ist, m ussen wir nur noch den Wirkungspunkt angeben, weil die Richtung feststeht, n amlich die von g. F ur den Wirkungspunkt nimmt man den sogenannten Schwerpunkt, f ur den dann die Summe der Drehmomente der einzelnen Gewichte 0 ist. Falls man ein K orper im Schwerpunkt auf h angt, dann ist die Gewichtslage des K orpers neutral. Der Schwerpunkt ist auch f ur Systeme unabh angiger Teilchen - wie f ur K orper - genauso denierbar.

4.1.1

Schwerpunkt von diskreten Massenpunktsystemen.

F ur zwei Gewichte, die an der X-Achse liegen, kann die Koordinate des Schwerpunktes gem a Abb. 4.1 bestimmt werden.

82

Abb. 4.1: Der Schwerpunkt f ur zwei Teilchen auf der x-Achse ist bei xSP . Da die Drehmomente gleich sind: M1 = M2 , k onnen wir f ur die Gr oen M1 = M2 auch annehmen. Damit ist m1 g (xSP x1 ) = m2 g (x2 xSP ) , m1 (xSP x1 ) = m2 (x2 xSP ) , m1 xSP m1 x1 = m2 x2 m2 xSP , (m1 + m1 ) xSP = m1 x1 + m2 x2 , und f ur die Koordinate des Schwerpunktes erhalten wir xSP = (m1 x1 + m2 x2 ) . (m1 + m1 )

Wenn man n Teilchen auf der Achse hat, dann:


n

mi xi . mi

xSP =

i=1 n i=1

Nehmen wir an, dass wir n Teilchen im Raum haben (Abb. 4.2). Die Koordinaten und der Ortsvektor des Schwerpunktes ist dann:

83

m i xi

xSP =

i=1 n

mi
i=1 n

mi yi

ySP =

i=1 n

mi ri . mi

mi
i=1 n

mi zi

zSP =

i=1 n

mi
i=1

rSP

i=1 n i=1

Abb. 4.2: Zu den Koordinaten des Schwerpunktes. Falls die Punkte sich bewegen, dann ist rSP auch meist zeitabh angig:
n

mi ri (t)
n

rSP (t) =

i=1

. mi

i=1

4.1.2

Schwerpunkt von kontinuierlichen Massenverteilungen:

In dem Fall soll der K orper in innitesimal kleinen Volumenelementen (Massenpunkte) geteilt werden. Dadurch, dass f ur gleiche V Volumen gut m oglich verschiedenen m Massen gebildet werden k onnen, m ussen wir die Dichtefunktion einf uhren: (r) = lim 84 m . v 0 V

kg angig und durch die urspr ungDie Maeinheit der Dichte ist [] = m 3 . Sie ist Materialabh liche Denition der Masse die Dichte von Wasser ist etwa 1 (siehe Kap. 1.). Mit Hilfe der Dichte kann der Ortsvektor des Schwerpunktes - gem a der Denition in Abb. 4.3 - als die folgende Summe aufgeschrieben werden:

m1 r1 + . . . + mi ri + . . . + mn rn rSP . = m1 + . . . + mn

Abb. 4.3: Bei K orper mit kontinuierlichen Massenverteilung muss man den K orper in kleinen Volumenelementen aufteilen, und gem a der Denition die Koordinaten bestimmen. wobei mi = (ri ) Vi , mit V 0 ist, also
n v 0(n) i=1

lim

(ri ) ri Vi

rSP =

Dieses mathematische Verfahren n amlich die Bildung der Summe der Produkten von innitesimal kleinen Volumenelementen mit dem Wert einer Funktion in dem Volumenelement f ur eine ganze Volumen von V - ist genannt Volumenintegrieren, und schreibt man kurz: r (r) dV r (r) dV rSP = V =V . (r) dV M
V

85

Beispiele f ur die Bestimmung von Volumenintegralen werden wir im Kap. 5. (Tr agheitsmoment) geben.

4.2

Schwerpunktgesetz

Nehmen wir ein Massenpunktsystem -gem a der Abb. 4.4- wo zwei Arten von Kr afte wirken k onnen, n amlich innere Kr afte die paarweise zwischen jeweils zwei Teilchen auftreten (Fij ) und auere Kr afte, (Fi ) die von Auen auf jeden K orper wirken k onnen. Das Schwerpunktgesetz sagt, dass die Beschleunigung des Schwerpunktes (aSP ) nur von den
N

aueren Kr afte abh angt:


i=1

Fi = M aSP ,

wobei - M die Summe der Massen ist; - Fi die einzelne auere Kr afte sind;

Abb. 4.4: Zum Schwerpunktgesetz. Das Gesetz kann f ur zwei Teilchen mit Hilfe von der Newtonschen Axiome bewiesen werden. Auf Teilchen 1 wirkt einerseits die auere Kraft F1 anderseits die innere Kraft F12 durch Teilchen 2. Damit ist die zweite Axiome von Newton f ur Teilchen 1: dp1 = F1 + F1,2 . dt Genauso f ur Teilchen 2: dp2 = F2 + F2,1 . dt

86

Addieren wir die Impuls anderungen: dp1 dp2 + = F1 + F1,2 + F2 + F2,1 , dt dt und n utzen wir Newton III. aus: F1,2 = F2,1 , und nehmen wir in Acht, dass p1 = m1 v1 und p2 = m2 v2 sind: d (m1 v1 + m2 v2 ) = F1 + F2 . dt N utzen wir aus, dass vi =
dri dt

ist:

d2 (m1 r1 + m2 r2 ) = F1 + F2 . dt2 Erweitern wir die Gleichung durch (m1 + m2 )


m1 +m2 : m1 +m2

d2 (m1 r1 + m2 r2 ) = F1 + F2 . dt2 (m1 + m2 )

Der Ausdruck hinter der Ableitung ist nichts anderes als der Ortsvektor des Schwerpunktes: d2 M 2 rSP = F1 + F2 . dt Damit haben wir das Schwerpunktgesetz: M aSP = FAU SSERE

f ur zwei Teilchen eingesehen. Die weiteren Teilchen k onnen dann ahnlich einzeln dazugenommen werden. Die inneren Kr afte beeinussen die Bewegung des Schwerpunktes weiterhin nicht. Das Gesetz ist eigentlich ein Erhaltungsgesetz. Falls n amlich keine auere Kr afte anwesend sind: F = 0, M aSP = 0 M vSP = Konst. vSP = Konst.

In Worten: die Geschwindigkeit eines Massenpunktsystems bleibt konstant, bis keine a afte darauf wirken. uere Kr

87

4.3

Drehimpulsgesetz

Betrachten wir das Massenpunktsystem in Abb. 4.5, wo zwischen den Teilchen paarweise auftretende Fij innere, und jeweils auf die Teilchen einzeln wirkende Fi auere Kr afte auftreten. Das Drehimpulsgesetz lautet: dL = dt wobei L=
k=1 N

Mi
i=1

Lk

ist der gesamte Drehimpuls, mit Lk = rk pk = rk mk vk einzelnen Drehimpulsen; und Mi = ri Fi ist das Drehmoment der i-sten a ueren Kraft. Mit Worten: die a nderung des Drehimpulses eines Massenpunktsystems ist der Summe der Drehmomente der wirkenden aueren Kr afte gleich. Wir k onnen es mit Hilfe der Newtonschen Axiome f ur zwei Teilchen beweisen.

Abb. 4.5: Zum Drehimpulsgesetz Dazu schreiben wir die Drehimpulse der Teilchen gem a der Denition auf: L1 = r1 m1 v1 , 88 L2 = r2 m2 v2 .

Bilden wir die Ableitungen: dL1 dr1 dv1 = m1 v1 + r1 m1 , dt dt dt dr2 dv2 dL2 = m2 v2 + r2 m2 . dt dt dt ri Die ersten Glieder sind 0, weil ddt = vi und vi vi = 0 sind. N utzen wir Newton II. f ur die Beschleunigung aus (mi ai = Fij + Fi ): dL1 = r1 (F1 + F1,2 ) , dt Bilden wir die Summe:
dL1 dt

dL 2 = r2 (F2 + F2,1 ) . dt

dL2 : dt

dL1 dL2 + = r1 F1 + r1 F1,2 + r2 F2 + r2 F2,1 . dt dt Durch Newton III: F2,1 = F1,2 und folgt: dL1 dL2 + = M1 + M2 + (r1 r2 ) F1,2 . dt dt parallel mit r1 r2 ist, ist der letzte Glied 0, und schlielich erhalten wir das
dL dt 2

Da F1,2

Drehimpulsgesetz f ur zwei Teilchen:


dL dt

=
i=1

Mi .

Der Drehimpulsgesetz ist auch ein Erhaltungsgesetz, weil falls M = 0 ist dann ist auch 0 und daher L = konst. In Worten: der Drehimpuls eines Teilchensystems ist solange konstant bis keine auere Drehmomente wirken.

4.4

Innerer Drehimpuls und Bahndrehimpuls

Der Drehimpuls eines Teilchensystems h angt von dem Punkt ab, relativ zu welchem berechnet wird! Daher ist es sinnvoll einen Drehimpuls zu denieren, der eben nur von dem Massenpunktsystem abh angt. Das ist der innere Drehimpuls (Linn ): Linn Gesamtdrehimpuls relativ zum Schwerpunkt. Der innere Drehimpuls ist unabh angig vom Beobachter. Ihre zeitliche anderung ist dem aueren Drehmoment relativ zum Schwerpunkt des Systems gleich: dLinn = MSP . dt Denieren wir jetzt den Bahndrehimpuls relativ zu einem beliebigen Punkt (U) als: LBahn rSP m vSP = rSP PSP , wobei rSP der Ortsvektor des Schwerpunktes vom U ist. Damit ist der Drehimpuls des Teilchensystems relativ zum U: L = LBahn + Linn . 89

Abb. 4.6: Innere und Bahndrehimpuls auf der Beziehung: Sonne-Erde.

4.5
4.5.1

Erhaltung der Energie in einen Teilchensystem


Die kinetische Energie
N i=1 1 mv. 2 i i

Bilden wir die gesamte kinetische Energie des Teilchensystems: EKIN =

Die

anderung dieser Energie EKIN EKIN,0 ist das Ergebnis der Arbeit der aueren und inneren wirkenden Kr afte: EKIN EKIN,0 = WIN N + WAU S . F ur jedes Teilchen k onnen wir den Ortsvektor (ri ) mit Hilfen von dem Ortsvektor des Schwerpunktes (rSP ) aufschreiben: ri = rSP + rS,i , wobei rS,i der Ortsvektor des Teilchens im Schwerpunktsystem (das Bezugsystem, in dem der Ursprung ist im Schwerpunkt) ist. Bilden wir die Ableitung: vi = vSP + vS,i , wo vSP die Geschwindigkeit des Schwerpunktes ist und vS,i die Geschwindigkeiten der Teilchen relativ zum Schwerpunkt sind. Setzen wir vi in den Ausdruck der kinetischen Energie: EKIN =
N

1 mi (vSP + vS,i )2 = 2 i=1

N N 1 1 2 2 = mi vSP + mi vS,i + mi vSP vS,i = i=1 2 i=1 2 i=1 N N 1 2 1 2 = vSP mi + mi vS,i + vSP 2 i=1 i=1 2 N N

mi vS,i .
i=1

Das letzte Glied ist 0, weil falls wir die Summe mit
i=1

mi = M dividieren, erhalten wir


mi vS,i ; mi

die Geschwindigkeit des Schwerpunktes im Schwerpunktsystem:vSP,SP = 90

und

diese Gr oe ist 0. Die Summe im ersten Glied ist: M =


i=1

mi .

1 1 2 2 EKIN = M vSP + mi vS,i . 2 2 Das erste Glied beschreibt den Anteil der kinetischen Energie, der von der Translation, 1 2 . M vSP oder Bahnbewegung des ganzen Massenpunktsystems stammt: EKIN,BAHN = 2 Das zweite Teil ist die kinetische Energie, die von den Bewegungen der Massenpunkte relativ zu dem Schwerpunkt stammt. Oft nennt man diese innere kinetische Energie: EKIN,IN N =
1 2 N i=1 2 mi vS,i . Die kinetische Energie ist also die Summe der inneren und

Damit

orbitalen (Bahn) kinetischen Energie.

4.5.2

Erhaltung der Energie des Teilchensystems in konservativen Feldern


EKIN EKIN,0 = WAU S + WIN N = WAU S + EP OT, IN N, 0 EP OT, IN N (EKIN + EP OT, IN N ) (EKIN,0 + EP OT, IN N, 0 ) = WAU S .

Falls die inneren Kr afte konservativ sind, dann ist die anderung der kinetischen Energie:

Die Summe der kinetischen und der inneren potentiellen Energie ist die U Eigenenergie des Systems. Damit U U0 = WAU S . Die anderung der Eigenenergie ist die Arbeit der aueren Kr afte. Falls keine aueren Kr afte vorhanden sind, ist die anderung der Eigen energie 0. Das heit, die Eigenenergie eines isolierten Massenpunktsystems ist konstant. Nehmen wir an, dass die aueren Kr afte auch konservativ sind. Dann ist ihre Arbeit: Waus = Epot,aus,0 Epot,aus und die anderung der Eigenenergie ist: U U0 = Waus = Epot,aus,0 Epot,aus , damit U + Epot,aus = U0 + Epot,aus,0 . Die Gesamtenergie ( auere und innere Kr afte konservativ) ist E und E = U + Epot,aus = Ekin + Epot + Epot,aus = Konstant. Z.B.: wenn zwei Massen auf einer Feder unter Schwerkraft weggeworfen sind, bleibt ihre Gesamtenergie konstant: E= 1 1 1 2 2 m1 v1 + m2 v2 + D x2 + m1 g h1 + m2 g h2 = Konstant. 2 2 2

In Worten, die Summe der kinetischen, und der potentiellen Energie der aueren und der inneren Kr afte (falls sie konservativ sind) ist konstant. 91

4.6

Bewegungen von speziellen, diskreten Teilchensysteme

In diesem Absatz wollen wir die folgende Probleme durch die Anwendung des Schwerpunkgesetzes, des Drehimpulsgesetzes und des Erhaltungsgesetzes der mechanischen Energie analysieren: Raketenbewegung, St oe.

4.6.1

Die Bewegung einer Rakete

Abb. 4.7: Der Aufw artsug einer Rakete in Zeitpunkt t und in t+t Die Rakete ist kontinuierlich durch den R ucksto der ausstr omenden Treibstoe beschleunigt. Nehmen wir gem a der Abbildung 4.7 an, dass in Zeitpunkt t die Masse der Rakete (mit dem Treibsto) m (t) ist, die Geschwindigkeit v (t) ist. Damit ist der Impuls: P (t) = m (t) v (t) = m v. Nach t Zeit hat sich eine Menge m Treibsto die Rakete mit einer Vg Geschwindigkeit relativ zu der Rakete verlassen. Dadurch ist die Masse der Rakete um m kleiner 92

geworden, wobei ihre Geschwindigkeit um v zugenommen hat. Die Geschwindigkeit der ausgestoenen Gase relativ zu dem irdischen Bezugssystem ist: v = (v + v) VG . Also der Gesamtimpuls des Systems ist in t + t: P (t + t) = (m m) (v + v) + m (v + v VG ) , Bilden wir die anderung des Impulses: P = (m m) (v + v) + m (v + v VG ) m v. Nach Durchf uhrung der Multiplikation: P = m v + m v m v m v + m v + m v m VG m v, bleibt schlielich: P = m v m VG . Bilden wir die Ableitungen durch Division mit t0: dp dv dm =m VG . dt dt dt Bei der senkrechten Aufw artsug der Rakete ist -gem a Newton II- die folgende Bewegungsgleichung f ur die Rakete (mit den momentanen Treibstomenge am Bord) g ultig: F= dp dv dm =m VG . dt dt dt

ist die Schubkraft der Rakete genannt, weil ihre Dimension Kraft Der Ausdruck VG dm dt ist, und eigentlich erh oht diese Gr oe die Geschwindigkeit der Rakete. Die wirkende Kraft ist: F = mg. Alles andere, wie z.B. Luftwiderstand werden wir vernachl assigen. Nehmen wir an, dass die Aufw artsrichtung die positive Z-Achse ist, damit ist VG = (0, 0 VG ) und g = (0, 0 g ) . Die Bewegungsgleichung lautet: m dv dm + VG = mg. dt dt

Nach Division durch m erhalten wir f ur die Geschwindigkeitszunahme: 1 dm dv = VG g. dt m dt 93

Durch Integration:

V0

dv t dt = VG [ n m]t 0 g [t]0 , dt

wobei wir v (t = 0) = V0 angenommen haben. Damit erhalten wir f ur die Geschwindigkeit: m (t) v (t) V0 = VG n gt, m0 -wobei m0 die Gesamtmasse beim starten ist. Wenn die Rakete vor der Z undung ruhte, und w ahrend der Brennzeit (T) den ganzen Brennsto (MT ) verbraucht hat und die Endmasse ist ML , dann ist die Erdgeschwindigkeit: VM AX = gT + VG n ML + MT . ML

4.6.2

St oe

Vor der Beschreibung der Stoprozesse wollen wir eine wichtige, f ur die St oe charakteristische physikalische Gr oe einf uhren, n amlich die reduzierte Masse. 4.6.2.1 Reduzierte Masse

Nehmen wir an, dass die Teilchen der Masse m1 und m2 nur aufeinander wirken. Diese Kraft ist F12 = F21 (Newton III.). Da keine auere Kr afte existieren, sind die Bewegungsgleichungen: dv2 F12 F21 dv1 und . = = dt m1 dt m2 Subtrahieren wir diese Gleichungen voneinander: d 1 1 ( v1 v 2 ) = + F12 dt m1 m2 Die Denition der reduzierten Masse ist: 1 1 1 m1 m2 = + nach Reziprokbildung = . m1 m2 m1 + m2 Damit ist die relative Beschleunigung der Teilchen dv12 d F12 = (v1 v2 ) , dt dt oder: F12 = a12 94

Also wenn zwei, von der u brigen Welt isolierte Teilchen in Wechselwirkung sind, kann eine Bewegungsgleichung f ur die relative Beschleunigung und Kraft aufgeschrieben werden, die vollkommen analog zu der Newton-Gleichung ist, wobei die Masse der Teilchen die reduzierte Masse ist. Bestimmen wir die Energie der Teilchen in ihrem Schwerpunktsystem (siehe Abs.4.5.1): EKIN,S = Setzen wir VSP =
1 M

1 1 2 2 2 . mi vS,i = EKIN M VSP 2 i=1 2

(m1 v1 + m2 v2 ) ein, und erhalten wir: 1 2 EKIN,S = V12 . 2

Die gesamte kinetische Energie der Teilchen ist der kinetischen Energie eines Teilchens mit reduzierten Masse und relativ Geschwindigkeit aquivalent. 4.6.2.2 St oe von zwei Teilchen

Die St oe k onnen auf zwei Erhaltungsprinzipien zur uckgef uhrt werden, n amlich auf dem von dem Impuls, und auf die von der Energie. F ur die Erhaltung des Impulses k onnen wir p1 + p2 = p1 + p2 oder m1 v1 + m2 v2 = m1 v1 + m2 v2 schreiben, wobei die Komma-s die Gr oen nach dem Sto zeigen. Die Energieerhaltung ist ein bisschen schwieriger, weil w ahrend des Stoes die innere Energie der Teilchen sich andern kann. Deswegen f uhren wir die Reaktion des Stoes Q ein: Q = Ek Ek , also die Zunahme der kinetischen Energie w ahrend der Stoes. Damit 1 1 1 1 2 2 m2 v2 Q = m1 v12 + m2 v22 m1 v1 2 2 2 2 Falls Q 0 ist, dann sprechen wir von einem vollkommen elastischen Sto. Der Fall Q 0 bedeutet, dass sich die kinetische Energie w ahrend der Stoes vermindert hat, also die innere Energie auf kosten der kinetischen zugenommen hat. Diese St oe sind endoenergetisch, oder unelastische St oe erster Ordnung. Falls Q 0 ist, dann ist der Sto exoenergetisch, oder unelastische Sto zweiter Ordnung. Wir werden jetzt die zwei Grenzf alle untersuchen, n amlich den maximal unelastischen Sto, wenn die Stopartner nach dem Sto mit gleicher Geschwindigkeit, zusammenbleibend sich weiterbewegen, und den vollkommen elastischen Sto, wenn die Energieerhaltung mit Q = 0 g ultig ist. 95

a) Maximal unelastischer Sto Nach dem Sto ist die gemeinsame Geschwindigkeit: VS . Gem a der Impulserhaltung: m1 v1 + m2 v2 = (m1 + m2 ) VS .
v1 +m2 v2 Daher VS = m1m , wo also VS die Geschwindigkeit des Schwerpunktes ist. F ur 1 +m2 maximal unelastische St oe kann der Anteil der kinetischen Energie, die in innere Energie umgesetzt worden ist, bestimmt werden:

Q=

1 1 1 2 2 2 (m1 + m2 ) VS m1 v1 m2 v2 . 2 2 2

Nehmen wir den obigen Wert f ur VS : Q= = 1 (m1 v1 + m2 v2 )2 1 1 2 2 m2 v2 = m1 v1 2 m1 + m2 2 2

1 1 2 2 1 1 2 2 1 1 2 2 1 2 2 2 m1 v1 + m1 m2 v1 v2 + m2 2 v2 m1 v1 m1 m2 v1 m1 m2 v2 m2 v2 = (m1 + m2 ) 2 2 2 2 2 2 1 m1 m2 2 2 v 1 v2 v 1 v2 = (v1 v2 )2 . = m1 + m2 2

1 2 also der Bei einem vollkommen unelastischen Sto wird das Energieteil Q = 2 v12 Anteil der kinetischen Energie der Relativbewegung in die innere Energie des Systems umgewandelt. Volle Energie u ur VS = 0 vorhanden. bergabe ist nur f

b) Elastischer Zentralsto In diesem Fall ist Q = 0, also sowohl Impuls-, als auch Energieerhaltung ist g ultig: m1 v1 + m2 v2 = m1 v 1 + m2 v 2 (i)

1 1 1 1 2 2 2 2 m1 v1 + m2 v2 = m1 v1 + m2 v2 (ii) 2 2 2 2 Im Fall von zentralen St oe sind die Geschwindigkeitsvektoren alle parallel, also statt Vektoren k onnen wir mit Skalaren arbeiten. Bringen wir die gleichen Massen auf einer Seite: m1 (v1 v1 ) = m2 (v2 v2 ) m1 v1 2 v1
2

= m2 v2 v2 2 .

Nach Division der Gleichungen erhalten wir: v1 + v1 = v2 + v2 . 96

Multiplizieren wir diese Gleichung mit m2 und bringen wir die zu der gleichen Zeitpunkt geh orende Komponente auf die gleiche Seite: m2 v1 m2 v2 = m2 v2 m2 v1 . Subtrahieren wir jetzt diese Gleichung von den urspr unglichen Gleichung der Impulserallt aus: haltung (i), und der Glied m2 v2 f (m1 m2 ) v1 + 2m2 v2 = (m + m2 ) v1 . Daher: v1 = m1 m2 2m2 v1 + v2 , m1 + m2 m1 + m2 2m1 m2 m1 v2 + v1 . m1 + m2 m1 + m2

und genauso bekommen wir f ur v2 : v2 =

Merken wir, dass f ur m1 = m2 sind: v1 = v2 und v2 = v1 , also die Geschwindigkeiten werden ausgetauscht.

97

Kapitel 5 Bewegung vom starren K orper


Starre K orper sind solche Massenpunktsysteme, in denen die relative Position der einzelnen Massenpunkte zueinander konstant ist. Anders formuliert, die Entfernung von beliebigen zwei Bestandteilen bleibt w ahrend beliebigen Bewegungen und unter der Wirkung aller m oglicher Kr afte konstant: dij = (xi xj )2 + (yi yj )2 + (zi zj )2 = Konstant . In den folgenden werden wir zuerst die Beschreibung der Bewegung der so modellierten starren K orper durchblicken, danach werden wir die Ergebnisse, die wir f ur die dynamische Beschreibung von allgemeinen Massenpunktsysteme erhalten haben (Kap. 4.) auf starre K orper adaptieren (Schwerpunktgesetz, Drehimpulsgesetz, Erhaltung der Energie).

5.1

Kinematik der Bewegung der starren K orper

Die vorige Denition des Models der starren K orper angenommen, k onnen wir die momentane Position eines starren K orpers durch die Angabe der Ortsvektoren von drei frei ausgew ahlten Bestandteilen (Punkte A, B, C) charakterisieren: A [xA (t) ; yA (t) ; zA (t)] rA (t) B [xB (t) ; yB (t) ; zB (t)] rB (t) C [xC (t) ; yC (t) ; zC (t)] rC (t) Die sind insgesamt 9 Skalargleichungen. Dadurch, dass die Entfernungen AB, BC, CA konstant sind: AB = |rB rA | = dAB konst(1) BC = |rC rB | = dBC konst(2) CA = |rA rC | = dCB konst(3) 98

Abb. 5.1: Die zeitabh angigen Ortvektoren von drei frei ausgew ahlten Punkten des starren K orpers charakterisieren seine Bewegung eindeutig. Daher sind die neun Skalarfunktionen f ur rA (t) , rB (t) und rC (t) mit diesen drei Bedingungen erg anzt. Dadurch reduziert sich die Zahl der unabh angigen Gleichungen, die die Bewegung beschrieben, auf 6. Man kann sagen, dass die Bewegung des starren K orpers 6 Freiheitsgrade hat. Diese sechs unabh angigen Gleichungen k onnen die zeitabh angigen Funktionen der Koordinaten des Schwerpunktes [rSP (t)] und des Winkelgeschwindigkeitsvektors ( (t)) sein. Eine allgemeine Bewegung kann durch gleichzeitige Auftretung einer Translations und einer Rotationsbewegung behandelt werden. Die reine Translationsbewegung (Abb. 5.2a.) ist durch identische, parallel verschobenen Bahnkurven von A, B und C charakterisiert. Die Beschreibung der Translation kann durch die Angabe der Schwerpunktkoordinaten erfolgen: rSP (t). Bei der reinen Rotationsbewegung sind die Bahnkurven konzentrische Kreise.

5.2

Schwerpunktgesetz fu orper. r starre K

Die Translationsbewegung des starren K orpers ist durch das Schwerpunktgesetz bestimmt. Die Bewegung des Schwerpunktes ist: FR,S = m0 aSP (siehe Abb. 5.3), wo FR,S die Summe der auf den K orper wirkenden a afte bedeutet; ueren Kr m0 die Masse des starren K orpers ist; aSP die Beschleunigung des Schwerpunktes ist. 99

Abb. 5.2: Bewegung des starren K orpers a) Reine Translationsbewegung: die Trajektorien sind identisch, nur vorschoben; b) Reine Rotationsbewegung: die Bahnkurven sind konzentrische Kreise.

Die aueren Kr afte k onnen in beliebigen Orten auf den K orper angreifen, ihre resultierende Kraft beschleunigt den Schwerpunkt. Falls zus atzliche Rotation auch vorhanden ist, dann soll man jedoch mit der Umsetzung der Kr afte vorsichtig sein, weil bei der Umsetzung einer Wirkungslinie gleichzeitig eine a nderung der wirkenden Drehmomente erfolgt (siehe Abb. 5.9).

100

Abb. 5.3: Die Translationsbewegung des starren K orpers ist durch das Schwerpunktgesetz bestimmt. FA und FB sind die wirkende Kr afte, FR,S ist ihre resultierende Kraft.

5.3
5.3.1

Reine Rotationsbewegung der starren K orpers


Drehimpulssatz fu orper r rein rotierte starre K

L Wir wollen zuerst den Drehimpulssatz d ur starre K orper fordt = Maus (Abs. 4.3.) f mulieren. Dazu nehmen wir den starren K orper gem a Abb. 5.4 der sich um die feste Z-Achse mit der Winkelgeschwindigkeit von = k rotiert. Der Drehimpuls ist gem a der Denition die Summe der Drehimpulsen der einzelner Massenpunkten, die den K orper bilden; wobei die einzelnen Drehimpulse Li = ri mi vi sind. Da der starre K orper eine kontinuierliche Massenverteilung hat, m ussen wir gem a Absatz 4.1. den K orper in innitesimal kleine Massenelemente (mi ) aufteilen und die Drehimpulsen von denen f ur den ganzen K orper aufsummieren: N

L = lim

Li
i=1

101

Abb. 5.4: Zu der Herteilung des Drehimpulsgesetzes f ur starren K orper Nehmen wir an, dass der Ursprung auf der Z-Achse liegt und wir werden den Drehimpuls darauf aufschreiben. In diesem Fall ist ri pi ( vi ) g ultig. F ur die einzelnen Drehimpulse erhalten wir: |Li | = |ri | |mi | |vi | = Ri mi Ri | | sin i .

Bilden wir jetzt die z Komponente der Drehimpulse (also die Komponente, die mit der Rotationssache parallel ist): Li,z = Li cos (90 i ) =
sin i 2 Ri mi sin i . sin i

2 Mit | | = ist: Li,z = mi Ri . Summieren wir jetzt die Li,z Werte auf den K orper: N N 2 mi Ri = z , i=1

Lz = lim

Li,z = lim
i=1

wobei z das Tr agheitsmoment des starren K orpers bezogen auf die Rotationsachse (in unseren Fall Z-Achse) ist. Seine Denition ist:
N

z = lim

2 . mi Ri i=1

Das Tr agheitsmoment h angt einerseits von dem Gestalt und der Massenverteilung des K orpers, anderseits von der relativen Lage der Rotationsachse bezogen auf den K orper ab. Einige Anordnungen werden wir im Absatz 5.7. untersuchen. Mehrere Tr agheitsmomente sind sonst in Tabellen angegeben. Von der ausf uhrlichen Untersuchung des 102

Tr agheitstensors werden wir hier verzichten. Daf ur k onnen wir die folgende Literaturen vorschlagen: [4, 5]. Mit der Anwendung von k onnen wir Lz = z schreiben. Nach Ableitung erhalten wir das Drehimpulsgesetz f ur starren K orper: Mz = wobei - Mz das auf den K orper wirkenden resultierende Drehmoment, bezogen auf die zAchse ist; - die Winkelbeschleunigung; - z das Tr agheitsmoment des K orpers bezogen auf die z-Achse ist. Falls das resultierende Drehmoment 0 ist, rotiert sich der starre K orper mit konstanter Winkelgeschwindigkeit. Falls das resultierende Drehmoment konstant ist, und rotiert sich der K orper am Anfang (t = 0) mit der Winkelgeschwindigkeit von (t = 0) = 0 , und die Winkelposition (t = 0) = 0 war, dann kann die Funktion der Winkelposition als (t) = ausgedruckt werden. M 2 t + 0 t + 0 2 d d Lz = z = z , dt dt

5.3.2

Beispiel: Feste Rolle mit Gewichten

Betrachten wir die in der Abbildung 5.5 dargestellte Anordnung. u ber eine feste Rolle wurde ein Seil durchgef uhrt und auf dem Seil sind zwei Gewichte verschiedener Massen aufgeh angt worden(m1 m2 ). Bestimmen wir die Beschleunigung des Systems, falls die Masse der Rolle M, ihr Radius R ist, und das Seil auf der Rolle nicht rutschen kann. Das Tr agheitsmoment der Rolle kann als ein Vollzylinder mit dem Radius von R und mit der Masse von M betrachtet werden (Abs. 5.7.): = 1 M R2 . Dadurch, dass eine der Gewichte 2 gr oer ist, bewegt sich dieses abw arts beschleunigend (a1 ), wobei das andere mit dergleichen Beschleunigung (a2 ) steigt. Die Rolle rotiert sich auch beschleunigend (), F ur die Beschleunigungen k onnen wir: |a1 | = |a2 | = a = R schreiben. Weil das Seil rutsch auf der Rolle nicht, werden wir die Methode der Bewegungsgleichungen (siehe 3.2.1) hier anwenden. Das heit, dass wir f ur jeder K orper die entsprechende Bewegungsgleichung mit der unbekannten Kr afte und Beschleunigungen aufschreiben und danach das Gleichungssystem l osen, wobei K1 die Seilkraft ist, die dann die Rolle rotiert und das andere Gewicht hebt. Die Bewegungsgleichung des gr oeren Gewichtes ist: m1 a1 = m1 g K1 Dadurch dass a1 und g abw arts und K1 aufw arts zeigen, und |a1 | = a, k onnen wir die folgende Skalargleichung aufstellen: m1 a = m1 g k1 103 (5.1)

Die Bewegungsgleichung von dem kleineren Gewicht ist: m2 a2 = K2 m2 g.

Abb. 5.5: Feste Rolle mit zwei Gewichten Aus der oben erw ahnten Gr unden ist hier: m2 a = K2 m2 g (5.2)

die richtige Skalargleichung der Bewegung. K2 ist sicherlich kleiner als K1 , weil sie nur das kleine Gewicht aufw arts bewegt. Die Rolle rotiert sich rein, also ist ihre Bewegungsgleichung ein Drehimpulsgesetz. Die, auf die Rolle wirkenden Kr afte k onnen wir von Newton III. erhalten, n amlich das Seil, das mit K1 das Gewicht 1 bewegt, mit der gleichen aber entgegengesetzten K1 Kraft die Rolle beschleunigend rotiert. Auf der andere Seite der Rolle die Reaktionskraft von der K2 Seilkraft bremst die Rolle (siehe Abb 5.5). Das entsprechende Drehimpulsgesetz ist also: M = K1 R K2 R = .
1 M R2 und = Setzen wir = 2 a R

ein, und erhalten wir

1 a K1 R K2 R = M R 2 , 2 R schlielich: 1 K1 K2 = M a 2 104 (5.3)

Die Gleichungen (5.1)-(5.2)-(5.3) bilden ein l osbares Gleichungssystem mit drei unbekannten. Dr ucken wir K1 von (5.1), K2 von (5.2) aus und dann subtrahieren wir K2 von K1 : K1 K2 = m1 g m1 a m2 g m2 a = (m1 m2 ) g (m1 + m2 ) a. Setzen wir gleich mit (5.3) 1 (m1 m2 ) g (m1 + m2 ) a = M a 2 Dr ucken wir a aus: a= F ur die Seilkr afte erhalten wir: K1 = m1 (g a) = 2m1 m2 + 1 M m1 2 g, 1 M m1 + m2 + 2 K2 = m2 (g + a) = 2m1 m2 + 1 M m2 2 g. M m1 + m2 + 1 2 m1 m2 g. M m1 + m2 + 1 2

Wie wir es erwartet haben: K1 K2 .

5.4

Rotationsenergie des rein rotierten starren Ko rpers.

Betrachten wir ein starrer K orper, der um einer Achse sich dreht, gem a der Abb. 5.6 Die mi Bestandteilchen des K orpers bewegen sich auf Kreisbahnen, und ihre kinetische 1 2 . m2 vi Energie ist: Ei = 2

Abb. 5.6: Die vi Geschwindigkeit eines Bestandteils des starren K orpers ist Ri gro und liegt in der Zeichnungsebene, senkrecht zu dem Ri . 105

F ur die Geschwindigkeit ist: vi = Ri g ultig, wobei Ri die Entfernung des Teilchens (mi ) von der Rotationsachse ist. Damit ist die kinetische Energie: 1 1 2 2 2 Ei = mi vi = mi Ri . 2 2 Summieren wir f ur alle innitesimal kleine Teilchen des K orpers: E = lim
N 1 2 2 Ei = lim mi R1 . N N 2 i=1 i=1 N

In diesem Ausdruck k onnen wir das Tr agheitsmoment des starren K orpers auf die Rotationsachse bezogen wiedererkennen, damit ist 1 E = 2 . 2

5.5

Die zusammengesetzte Bewegung von starren K orper.

In allgemeinem Fall ist die Bewegung des starren K orpers weder reine Translation noch reine Rotation. Zum Beispiel, auf einem rotierend weggeworfenen Gegenstand wirkt nach der Freilassung nur die Schwerkraft, die f ur alle Bestandteile mi g gro ist. Das Drehmoment auf den Schwerpunkt ist 0, also rotiert sich der K orper mit einer konstanten Winkelgeschwindigkeit um einer Rotationsachse, die durch den Schwerpunkt geht, wobei sowohl die Achse als auch die Gr oe der Winkelgeschwindigkeit durch die Anfangsbedingungen des Wurfes (gerade die letzte Lage und Gr oe bei der Loslassung) bestimmt sind. (siehe Abb. 5.7). Anderseits l auft die Bewegung des Schwerpunktes gem a der Eigenschaften des Schr agwurfes (Beispiel in Abs. 2.5.2) eines Teilchens ab, wobei die ganze Masse des K orpers im Schwerpunkt ist.

106

Abb. 5.7: Die Bewegung eines starren K orpers im Schwerkraftfeld. Der Schwerpunkt beschreibt die parabolische Bahn, wobei der K orper sich um einer Achse die u ber den Schwerpunkt l auft, rotiert. Jedoch die Situation ist nicht immer so einfach. Die gleichzeitige Rotation und Translation des starren K orpers kann durch mehrere Kr afte hergerufen sein. Die Wirkungspunkten und die Richtungen der Kr afte k onnen auch verschieden sein. Die genaue Bestimmung der resultierenden Kraft und des resultierenden Drehmomentes ist die Schl usselfrage der Bestimmung der Bewegung.

5.5.1

Kr afte und Kr aftepaare.

Lassen wir eine F kraft in verschiedenen Qi Angrispunkten auf ein K orper wirken (siehe Abb. 5.8).

107

Abb. 5.8: Die in verschiedenen Angrispunkte wirkende F Kraft ruft verschiedene Bewegungen des K orpers hervor Abh angig von der Lage des Angripunktes relativ zu dem Schwerpunkt werden wir verschiedene Bewegungen wahrnehmen k onnen. Um die Bewegung genau zu erfassen machen wir den folgenden Kunstgri. Addieren wir zu dem System zwei, gleich groe, antiparallele Kr afte (F und F), die im Schwerpunkt angreifen und die gleiche Gr oe haben wie F (siehe Abb. 5.9). Damit haben wir den Bewegungszustand des K orpers nicht ge andert, weil wir haben eigentlich eine resultierende Kraft von 0 zu der Anordnung addiert haben.

108

Abb. 5.9: F + F=0 wird im Schwerpunkt addiert. F und F bilden Kr aftepaar und rufen reine Rotationsbewegung hervor, F beschleunigt den K orper im Schwerpunkt. Gem a der Abbildung 5.9 F und F bilden ein sogenanntes Kr aftepaar, das durch parallelen Wirkungslinien, entgegen gesetzten Richtungen, und verschiedenen Angrispunkte charakterisiert ist. Das Kr aftepaar bringt den K orper, mit einem Drehmoment von: M = rSQ F nur zur reinen Rotation, wobei rSQ der Vektor zwischen den Wirkungspunkte ist. Das Drehmoment des Kr aftepaars kann auch mit der Entfernung der Wirkungslinien (d) ausgedr uckt werden: M = F d. Das Kr aftepaar bringt keine Bewegungs anderung in die Translation, weil die resultierende Kraft 0 ist. Auf der anderen Seite d urfen wir nicht vergessen, dass F genau in dem Schwerpunkt liegt und den K orper in eine beschleunigte Translationsbewegung bringt. Zusammengefasst, eine Kraft deren Wirkungslinie nicht u auft, ber dem Schwerpunkt l bringt den K orper sowohl zur Rotation als auch zur Translation mit den vorher angegebenen Drehmoment und mit der Beschleunigungskraft von F.

109

5.5.2

Die Gesamtenergie bei der zusammengesetzten Bewegung des starren K orpers.

Bei der Bestimmung der kinetischen Energie eines starren K orpers der sich gleichzeitig rotiert und fortbewegt, k onnen wir auf den allgemeinen Ausdruck der kinetischen Energie von Massenpunktsystemen (Abs. 4.4.1.) zur uckgreifen: 1 2 + EK,inn . Ekin = M VSP 2 Dadurch, dass der Schwerpunkt relativ zu dem festen K orper eine xe Position hat, die einzige Bewegung des K orpers relativ zum Schwerpunkt kann nur eine Rotation sein. 2 Also ist die kinetische Energie die Summe der Tanslationsenergie (1/2M VSP ) und der Rotationsenergie, gem a 5.4.: 1 1 2 + S 2 , EKIN = M VSP 2 2 wobei S auf eine Rotationsachse, die u auft, bezogen ist. ber dem Schwerpunkt l

5.5.3

Beispiele fu r die allgemeinen Bewegungen der starren K orper.

Beispiel 1. Rollende Bewegung eines Zylinders auf einer Ebene. Betrachten wir den Vollzylinder (Masse M, Radius R) der Abb. 5.10a. Ein Seil ist auf dem Vollzylinder aufgespult worden. Der Zylinder wurde auf den Boden gesetzt. Danach wird der Zylinder bei dem Seil durch einer Kraft von F so vorsichtig in Bewegung gebracht, dass der Zylinder w ahrend seiner Bewegung niemals ins Rutschen kommt. Es ist die Beschleunigung und die maximal anwendbare Kraft zu bestimmen, wenn der Koezient der Haftreibung zwischen Boden und Zylinder 0 ist.

Abb. 5.10: a: Das Problem; b: Die wirkende Kr afte; c: die Umsetzung der Kr afte in den Schwerpunkt 110

Da der Mantel des Zylinders auf dem Boden sich nicht wegrutscht, tretet dort eine H Haftreibungskraft auf, siehe Abb. 5.10b, die genau so gro ist, wie die Bewegung es verlangt (siehe Abs. 3.2.3). Vermutlich wirkt Sie in Richtung der Bewegung, weil sich die Ober ache des Zylinders im Uhrzeigersinn bewegt, also auf dem Boden in Gegenrichtung der Bewegung. (Wir werden sp ater zeigen, dass die umgekehrte Aufnahme der Richtung von H auch kein Problem ist). Beide Kr afte greifen auerhalb des Schwerpunktes an, deswegen ist ihre Wirkung sowohl Translation, als auch Rotation. Setzen wir - gem a Abb. 5.10c. beide Kr afte in den Schwerpunkt. F und F bilden ein Kr aftepaar mit dem Drehmoment von MF = F R, wobei M auf den Schwerpunkt bezogen ist und in die Zeichnungsebene zeigt, also MF dreht den Rad nach vorne. F greift im Schwerpunkt an, also beschleunigt den K orper mit der Kraftgr oe von F. Genauso ist es f ur die Haftung (H). H und H bilden das Kr aftepaar mit dem Drehmoment MH = H R, allerdings dreht es den Rad entgegen dem Uhrzeigersinn. H beschleunigt den Rad im Schwerpunkt mit der Kraftgr oe von H. Wir k onnen jetzt die Bewegungsgleichungen der Translation und der Rotation aufschreiben. Die Gleichung der Translation ist das Schwerpunktgesetz: maSP = F + H. F ur die Rotation ist das Drehimpulsgesetz aufzuschreiben: z,S = MF MH = F R H R. Das Tr agheitsmoment des Vollzylinders bezogen auf die Symmetrieachse ist: 1 mR2 (siehe 5.7.3.), z,S = 2 und dadurch, dass der Mantel des Zylinders auf den Boden nicht wegrutscht, die kinematische Beziehung: aSP = R kann auch aufgeschrieben werden. Wir haben eigentlich das Problem gel ost, weil wir drei Gleichungen mit drei Unbekannten (aSP , H, ) aufschreiben konnten. Um die Ausrechnung der Unbekannten, setzen wir den Ausdruck f ur das Tr agheitsmoment und = aSP R in das Drehimpulsgesetz ein: 1 aSP mR2 = F R HR. 2 R Nach Division durch R: 1 m aSP = F H. 2 Addieren wir jetzt diese Gleichung zu dem Schwerpunktgesetz: 1 maSP + maSP = F + H + F H, 2 111

und erhalten wir f ur die Beschleunigung des Schwerpunktes: aSP = 4F . 3m

Um die Haftung auszudr ucken, setzen wir aSP in das Schwerpunktgesetz: m daher: 4F = F + H, 3m

1 HM AX = F. 3 So k onnen wir auch die zweite Frage beantworten. Die Kraft darf h ochstens so gro sein, dass H die Gr oe. H = 0 m g nicht u berschreitet. Damit die gesuchte Bedingung ist: 1 F 0 mg. 3 F ergeben, was auf das H atten wir H umgekehrt aufgenommen, w urde sich H = 1 3 gleiche Ergebnis f uhrt.

112

5.6
5.6.1

Die Kreiselbewegung
Experimenten mit einem Kreisel

Abb. 5.11: Der K Kreisel ist ein symmetrischer Rad, und kann mit der Spitze (U) seiner Achse (A) in die Mulde (U) eines Stativs gesetzt werden. Der Rad kann vorher durch die Lagerung (L) um der seiner eigenen Achse in Rotation gebracht werden. Betrachten wir den schematisch dargestellten K orper in der Abbildung 5.11! Ein Rad (Masse: m, Radius: R) wurde durch schr age Speichen auf einem gelagerten Gleitring (L) befestigt. Der gelagerte Gleitring kann auf einer Achse (A) verschoben und in verschiedenen Positionen zu der Achse xiert werden. Dadurch kann der Schwerpunkt des Systems (S) relativ zu dem Unterst utzpunkt (U) des K orpers verlegt werden. Sogar, wenn wir den Gleitring ganz unten, bisschen u ber U befestigen, wird der Schwerpunkt unterhalb von U liegen. Der Rad ist symmetrisch auf die Achse. Durch die Lagerung kann sich der Rad in der ausgew ahlten Position um der Achse rotieren. Dieser rotierbare radartige K orper ist ein symmetrischer Kreisel genannt. Der Kreisel kann zuerst um der Achse in eine Rotation mit Winkelgeschwindigkeit gebracht und dann mit der U Spitze seiner Achse in die Mulde des Stativs gesetzt werden. Unsere Experimenten stehen darin, dass wir den Kreisel mit verschiedenen Schwerpunkth ohen und mit verschiedenen Winkelgeschwindigkeiten um seiner Achse (Figuren113

achse) mit verschiedenen Winkelpositionen der Achse auf das Stativ stellen und dann beobachten wir die anderung des Bewegungszustandes des Kreisels auf dem Stativ. Fall I: Der Kreisel rotiert sich nicht (Abb. 5.12). Falls der Schwerpunkt unter dem Unterst utzpunkt (Abb. 5.12a.) ist, dann schwingt der Kreisel um den Punkt der Unterst utzung (U) so, dass der Schwerpunkt einen Kreis, mit dem Radius von |s| beschreibt.Der Vektor s ist der Ortsvektor des Schwerpunktes relativ zu dem Ursprung Wenn die s Gr oekleiner gew ahlt wurde, ist die Periode gr oer. Der Kreisel bewegt sich gem a einem physikalischen Pendel. Wenn der Schwerpunkt u utzpunkt ber dem Unterst ist, dann bendet sich der stehende Kreisel in einem instabilen Zustand, also kippt nach Unten (Abb. 5.12b.).

Abb. 5.12: Der Kreisel rotiert sich nicht. Der Schwerpunkt ist unterhalb (a) und oberhalb der Unterst utzung Fall II: Der Kreisel rotiert sich Falls wir den Rad vor der Auage in Rotation bringen, andert sich die vorher schilderte Situation vollst andig, weil weder Schwingung noch Abfall des Kreisels beobachtet werden k onnen. Wenn die Achse des Kreisels senkrecht steht (der Unterst utzpunkt liegt an der Wirkungslinie von dem G = mg Vektor), dann kann eine stabile Rotation des Rades in diesem Zustand beobachtet werden. Wenn die Achse des rotierenden Kreisels schr ag auf das Stativ gelegt wird, dann eine langsame Rotation genannt Pr azession - der Rotationsachse wird stattnden, wobei die Richtung dieser Bewegung sowohl von der Lage des Schwerpunktes relativ zu dem Unterst utzpunkt als auch von der Richtung der prim aren Kreiselrotation abh angen wird. Die einzelnen F alle mit den Erkl arungen sind in der Abb. 5.13 dargestellt. Wenn der Schwerpunkt unterhalb der Unterst utzung ist und die Winkelgeschwindigkeit des Kreisels um die Achse A gegen dem Uhrzeigersinn zeigt, dann bewegt sich der Kreisel so, dass seine A Achse 114

sich langsam in Richtung dem Uhrzeigersinn bewegt, wobei der Schwerpunkt des Kreisels auf der gleichen H ohe bleibt (5.13a). Diese Bewegung ist die vorher erw ahnte Pr azession. Das k onnen wir mit der Abb. 5.13b erkl aren. Die Vektoren L, und s haben die gleichen Wirkungslinien, n amlich entlang der Achse. Nach Auage des rotierten Kreisels, wird die Schwerkraft auf das System wirken. Magebend ist hier das Drehmoment, das durch die Schwerkraft hervorgerufen wird: M = s mg, das durch das Drehimpulsgesetz auch die Richtung von L bestimmt: L = Mt

Abb. 5.13: Die Pr azessionsbewegung des Kreisels h angt von der Lage des Schwerpunkts relativ zur Unterst utzung und von der Richtung der Rotation des Rades ab. Daher wird der Drehimpulsvektor, der zu der Achse der Rotation gebunden ist, sofort nach der Auage des rotierten Rades seine Position andern. Da sowohl M als auch 115

L immer senkrecht zu L sind, beschreibt die Spitze des L Vektors um der senkrechten Achse - einen Kreis. Wenn der Schwerpunkt weiterhin unterhalb der Unterst utzung ist und die Winkelgeschwindigkeit des Kreisels um die Achse A im Uhrzeigersinn zeigt, andert sich die Richtung der Pr azession (5.13c. und d). Wenn der Schwerpunkt des Krei sels oberhalb des Unterst utzpunktes liegt, ist die Situation ahnlich. Statt umzukippen wie in Abb. 5.12b der stehende Kreisel es tat, - wird jetzt wieder eine Pr azessionsbewegung beobachtbar. Jedoch gem a Abb. 5.13.e,f,g und h kehren sich alle Richtungen gegen uber dem Fall, wo der Schwerpunkt unterhab der Unterst utzung lag. Die Erkl arung der Experimente kann mittels des Drehimpulsgesetzes gefolgt werden. Der am Anfang in Rotation gebrachte Kreisel besitzt ein Drehimpuls von L = , wobei das Tr agheitsmoment f ur die Figurenachse (Symmetrieachse) ist. Nachdem wir den rotierten Kreisel mit einer willk urlichen Winkelposition () seiner Symmetrieachse im U auf das Stativ gesetzt haben, wirkt ein Drehmoment, das durch sein Gewicht bestimmt ist. Das Drehmoment, das auf das rotierenden Kreisel wirkt, ist: M = s mg. Durch Anwendung des Drehimpulsgesetzes: dL = M. dt Daher folgt f ur die anderung des Drehimpulses: L = dL t = M t dt

und daher erhalten wir f ur die Richtung von L: L II M. Daher ist die a nderung des Drehimpulses (L) immer zu dem Drehimpuls (L) senkrecht. Das heit, dass die Spitze des Drehimpulses, deren Angreifpunkt im 0 ist, einen Kreis, um der senkrechten Achse beschreibt. Abh angig davon, in welcher Richtung sich der Kreisel um der Symmetrieachse dreht, zeigt und damit L nach Oben, oder nach Unten.

5.6.2

Die Bestimmung der Frequenz der Pr azession des Kreisels der unter der Wirkung der Schwerkraft liegt.

F ur die Herleitung der Frequenz der Pr azession betrachten wir den Beispiel von Abb. 5.13 e,f. In diesem Fall liegt der Schwerpunkt des Kreisels oberhalb der Unterst utzpunkt, also w urde der Kreisel ohne Rotation ( = 0) unter der Wirkung der Schwerkraft hinunterkippen. Bringen wir den Rad zuerst in eine Rotation um seiner eigenen Achse mit einer Winkelgeschwindigkeit (gegen dem Uhrzeigersinn), und legen wir nur danach mit dem Endpunkt der Achse auf das Stativ. So wird der Kreisel, statt hinunterzufallen, 116

pr azessieren. Die Symmetrieachse des Kreisels (Figurenachse) dreht sich langsam mit einer konstanten Winkelgeschwindigkeit auf einer Kegelober ache um der Normale, deren Fupunkt gerade U ist. Die Pr azession l auft in dem angegebenen Fall auch gegen den Uhrzeigersinn ab. Betrachten wir jetzt die schematische Darstellung der wichtigsten Vektoren in Abb. 5.14.

Abb. 5.14: Die Spitze des Drehimpulsvektors bewegt sich auf einem Kreis mit der Winkelgeschwindigkeit von = /t. Die Winkelgeschwindigkeit zeigt in Richtung der Figurenachse (A) nach oben. Der Drehimpuls ist L: L = , weil das Tr agheitsmoment des Kreisels in der symmetrischen Anordnung parallel mit der Rotationsachse zeigt. Deswegen ist: L (t) = (t) , L (t + t) = (t + t) .

Die Spitze des Vektors L schreibt einen waagerechten Kreis ab. Der Mittelpunkt des Kreises liegt auf der Normale, deren Fupunkt U ist. Der Radius des Kreises ist: |L| sin . Wir werden die Winkelgeschwindigkeit der Spitze von L auf diesem Kreis bestimmen, also d = , dt t

117

weil das eigentlich die Winkelgeschwindigkeit der Pr azession ist. Dazu m ussen wir das dL Drehimpulsgesetz dt = M aufschreiben, und daher zuerst M bestimmen: M = s G = s mg wobei, s = U S . M ist auf s (damit auf und L) und auf g senkrecht. Die Gr oe von M ist: M = s mg sin , -wobei s ist die Entfernung von S relativ zu U. Von dem Drehimpulsgesetz: L = M t. L ist also immer zu L senkrecht und: |L| |L| sin = s m g sin t. Nach Division mit t und Einsetzung von |L| erhalten wir f ur die Winkelgeschwindigkeit der Pr azession: mgs p = = . t Der m ist hier die Masse, ist das Tr agheitsmoment des Kreisels auf die Figurenachse bezogen, ist die Winkelgeschwindigkeit der Rotation und s ist die Entfernung des Schwerpunktes und des Unterst utzpunktes.

5.7

Berechnung vom Tr agheitsmoment.


N

Das Tr agheitsmoment eines K orpers auf die Rotationsachse bezogen kann so bestimmt werden, dass man gem a der Denition die Tr agheitsmomente aller Massenpunkte, die den K orper bilden summiert: =
i=1 2 mi Ri

118

Abb. 5.15: Zu der Berechnung des Tr agheitsmoments. ist parallel mir der Z-Achse. Den K orper k onnen wir mit seinem Gestalt und mit seiner Dichtefunktion (r) = kg m (x, y, z ) charakterisieren, wobei die Dichte: = ist. Da in einem inni, [ ] = m 3 V tesimal kleinen Vi Volumenelement konstant ist, ist seine Masse: mi = i Vi und 2 sein Anteil in dem Tr agheitsmoment ist: i = Ri i Vi . Das Tr agheitsmoment ist die 2 2 2 Summe dieser Anteile: = R1 1 V1 + R2 2 V2 + . . . + Ri i Vi + . . . = R2 dV .
V

Das Tr agheitsmoment ist also das Volumenintegral der f (x, y, z ) = (x2 + y 2 ) (x, y, z ) Funktion: y
z x

z =
0 0 0

x2 + y 2 (x, y, z ) dxdydz.

Unter Umst ande kann man mit geschickter Wahl der Bauelementen und ihrer Ver anderlichen das Tr agheitsmoment durch einfache Integralrechnung (1 Ver anderliche) bestimmen. Solche Beispiele folgen jetzt.

119

5.7.1

Tr agheitsmoment eines homogenen du nnen Stabes, wobei die Rotationsachse durch den Mittelpunkt des Stabes senkrecht l auft.

Abb. 5.16: D unner Stab, mit dem Mittelpunkt im Ursprung. Die Komponente, deren Tr agheitsmomentanteil wir addieren werden, sind x lange. Strecken , jeweils mit dem Querschnitt von A des Stabes. Also m = V = A x ist, wobei konstant und A der Querschnitt ist. Der Anteil des Tr agheitsmoment betr agt: 2 = x A x (siehe Abb. 5.16). Das gesamte Tr agheitsmoment besteht aus den Tr agheitsmomente der zwei Halbst aagheitsmobe, die jeweils mit den Grenzen x = 0, x = 2 charakterisiert sind. Das Tr ment ist:
/2 /2 2

=2
0

x A dx = 2 A
0

x3 x dx = 2 A 3
2

/2

=2A
0

24

N utzen wir A = M aus, damit: = 1 M 12


2

120

5.7.2

Tr agheitsmoment eines homogenen du nnen Stabes, wobei die Rotationsachse durch den Endpunkt des Stabes senkrecht geht

Abb. 5.17: Der Stab liegt jetzt mit dem einen Endpunkt im Ursprung Die Rechnung ist analog zu der vorigen im Abs. 5.7.1., also m = V = A x Das innitezimale Tr agheitsmoment ist: = x2 A x. Die Grenzen sind jetzt x = 0 und x = , also =
0

x2 A dx = A
0

x2 dx = A

x3 3

=A
0

N utzen wir aus, dass A=M ist und daraus f ur das Tr agheitsmoment erhalten wir: 1 = M 3
2

121

5.7.3

Tr agheitsmoment eines Vollzylinders, der sich um die SymmetrieAchse rotiert

Abb. 5.18: In diesem Fall sind die Volumenelemente, deren Tr agheitsmomente summiert werden sollen, d unnwandigen R ohrchen. Die zweckm aige Komponente sind d unnwandigen R ohrchen, weil alle Massenpunkte von der Achse in gleichen Entfernungen sind, daher ihre Tr agheitsmomente einfach zu berechnen sind: = m r2 = 2 r h r r2 . F ur den ganzen Zylinder:
R

=
0 R

2 r3 hdr =
R

=2h
0

r4 r dr = 2 h 4
3

=2h
0

R4 = 4

1 1 R2 h R2 = M R2 . 2 2

5.7.4

Tr agheitsmoment einer homogenen Kugel.

Versuchen wir -wie beim Zylinder - mit d unnwandigen Zylindern und als einzige Vera nderliche die Integration durchzuf u hren, siehe Die d unnwandigen R ohrchen sind also mit den folgenden Parameter charakterisiert:
r Radius; h H ohe;

122

laufende Ver anderliche; r Wanddicke.

Sowohl der r Radius als auch die H ohe kann mit R und ausgedr uckt werden: r = R sin ; h = 2R cos .

Abb. 5.19: Wir f ullen den Kugel mit d unnwandigen Zylindern auf. Ihre Radien (r) und H ohen (h) sind verschieden, aber sie k onnen mit dem R und einer ver anderlichen () ausgedr uckt werden. Da in dem Ausdruck der Masse r steht, m ussen wir bei der Substitution von auch die r Beziehung bestimmen. Dazu bilden wir die Ableitung von r () : dr = R cos r = R cos . d

Damit die Masse eines R ohrchens ist: m = V = 2r h r = = 2 R sin 2 R cos R cos = = 4R3 cos2 sin . 123

Sein Tr agheitsmoment ist: = r2 m = R2 sin2 4R3 cos2 sin = = 4R5 1 cos2 cos2 sin . Das Tr agheitsmoment ist:
/2

=
0

4R5 1 cos2 cos2 sin d =


/2 /2

= 4R5
0

cos2 sin d
0 /2

cos4 sin d =

= 4R5

cos3 3 =

cos5 5

/2

= 4R5 0 +

1 1 +0 = 3 5

8 4 2 2 R5 = R3 R2 = M R2 15 3 5 5

5.7.5

Steinerscher Satz

Abb. 5.20: Zu der Herleitung des Steinerschen Satzes. 124

Bekannt ist, dass das Tr agheitsmoment eines starren K orpers f ur eine Rotationsachse (AS ), die u auft (S ) ist. Der Steinersche Satz sagt aus, dass f ur ber dem Schwerpunkt l eine Achse(AT ), die mit der vorigen Achse parallel liegt, das Tr agheitsmoment (T ) einfach als: T = S + M s2 , ausgerechnet werden kann, wobei s senkrecht sowohl zu AT als auch zu AS , also zu der Entfernung der Achsen ist. F ur den Beweis betrachten wir ein Teilchen des K orpers, und schreiben wir seine Tr agheitsmomente auf die verschiedenen Achsen bezogen auf (Abb. 5.20):
2 , S,i = mi a2 i + bi

T,i = mi (s ai )2 + b2 i , wobei bi die Entfernung von mi zu s ist. Das ist also die Strecke, die bei der senkrechten Projektion von mi auf s, senkrecht zu s entsteht. Letztendlich ai ist die Strecke, die bei der Projektion von s ausgeschnitten wird. Nun summieren wir die Anteile in beiden F alle:

S =
i=1

2 mi a2 i + bi ,

T =
i=1

2 mi s2 2ai s + a2 i + bi . i=1

In T k onnen wir S entdecken: T = s2

Der letzte Glied ist 0, weil


i=1

i=1 mi ai sicherlich 0 ist, n amlich

mi + S 2s

mi ai .
mi ai M

ist die Koordi-

nate des Schwerpunktes in Richtung a im Schwerpunksystem, und das ist nat urlich 0:
mi ai

i=1

= 0. Damit haben wir den Satz bewiesen.

125

Kapitel 6 Die Gesetze der Mechanik bei Geschwindigkeiten, die in der N ahe der Lichtgeschwindigkeit liegen.
Die sorgf altigen Messungen von Michelson und Morley in 1881 haben gezeigt, dass die Lichtgeschwindigkeit unabh angig von der Geschwindigkeit des Beobachters relativ zu der Lichtquelle ist. Anders formuliert; die Lichtgeschwindigkeit ist in allen Inertialsystemen gleich. In diesem Kapitel wollen wir die Folgen dieser meilensteinartigen Beobachtung zusammenfassen. Das Wirkungsprinzip des Interferometers von Michelson und Morley und das ber uhmte Experiment selber, wird im Physik III, detailliert erkl art.

6.1

Die Folgen der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.

F ur die Umrechnung der kinematischen Gr oen (Ortsvektor, Geschwindigkeit, Beschleunigung) zwischen Inertialsystemen (K und K), die sich relativ zueinander mit einer konstanten Geschwindigkeit von v0 bewegen, n utzen wir die Galileische Koordinatentransformationsregeln (siehe Abs 3.6.1). Die Geschwindigkeit eines K orpers (v) kann in einem K System von der Geschwindigkeit des K orpers (v ), gemessen in einem K System, das sich relativ zum K mit einer konstanten v0 Geschwindigkeit bewegt, durch Geschwindigkeitsaddition bestimmt werden, also: v = v + v0 . Das sollte auch f uhr Licht g ultig sein: c = c + v0 , aber die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit spricht dagegen. Unter normalen Umst anden (|v0 | c) ist der Fehler vernachl assigbar, aber bei Geschwindigkeiten in der N ahe der c ist der Fehler so gro, dass wir auf die Anwendung der Galileischen Transformation verzichten m ussen. 126

Bei der Galilei Transformation haben wir unausgesprochen zur Kenntnis genommen, dass die Zeitkoordinate nicht transformiert werden t = t soll. Die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit hat aber die Folge, dass die richtige Transformationsregeln auch die Transformation der Zeit ben otigen, sonst w urden wir auf Widerspr uche mit der Gleichzeitigkeit raten. Das hat Einstein mit einem Gedankexperiment in seinem Buch u ber die spezielle und die allgemeine Relativit atstheorie in 1921 gezeigt [6]. Wir wollen jetzt die richtige, sogenannte Lorentz-Transformation mit der Annahme, dass die Zeit transformiert werden soll, ableiten.

6.2

Die Lorentz-Transformation.

Versuchen wir eine lineare Transformation f ur die Situation, die in der Abbildung 6.1 dargestellt wurde, aufzustellen, wobei wir die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit in Acht nehmen werden.

Abb. 6.1: Die Achsen der Bezugssystemen sind parallel, und das System K bewegt sich mit v0 Geschwindigkeit in Richtung der positiven X-Achse. Die zweckm aige Annahme der Systemen (x und x und v0 sind parallel) l asst: y =y und z =z vermuten. F ur den Punkt U ist x = v0 t und x = 0 immer g ultig. Daher ist es naheliegend: x = k (x v0 t) zu vermuten, wobei die Konstante k noch unbekannt ist. Dadurch, dass die Zeit auch transformiert werden soll, m ussen wir auch einen linearen Zusammenhang zwischen t und t aufschreiben. Dazu k onnen wir ohne Beschr ankung 127

der Allgemeinheit vermuten, dass die Beobachter ihre Uhren in dem Trepunkt, also als U und U am selben Ort waren, synchronisiert haben. Damit ist t = t = 0 in x = 0. F ur t 0 brauchen die Zeitmessungen nicht mehr u bereinstimmen. Die einfachste lineare Transformation zwischen t und t ist eine lineare Beziehung: t = a (t bx) , wobei a und b unbekannte Koezienten sind. Um k, a und b zu bestimmen m ussen wir die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ausn utzen. Gem a der Abb. 6.1 wird das Licht die Strecke UP im K mit c Geschwindigkeit hinter sich lassen, daher: x2 + y 2 + z 2 = c2 t2 . Dasselbe ist f ur UP im K g ultig, also: x 2 + y 2 + z 2 = c2 t 2 . Setzen wir in diesen (6.2) Ausdruck die vermuteten Transformationsregeln ein: k 2 (x v0 t)2 + y 2 + z 2 = c2 a2 (t bx)2 ,
2 k 2 x2 2x v0 t + v0 t2 + y 2 + z 2 = c2 a2 t2 2tbx + b2 x2

(6.1)

(6.2)

Nach Unformung: k 2 c2 a2 b2 x2 2 k 2 v0 c2 a2 b x t + y 2 + z 2 = = c2 t2 a2
2 k 2 v0 . c2

Dieser Ausdruck soll aber f ur alle t, x, y, z mit der Gleichung (6.1) identisch sein. Deswegen sind: k 2 c2 a2 b2 = 1, k 2 v0 c2 a2 b = 0,
2 k 2 v0 = 1. c2 Das ist ein Gleichungssystem mit drei Gleichungen und drei Unbekannten. Die L osung ist:

a2

a=k= und b=

1 1 v0 . c2
2 v0 2 c

128

Setzen wir diese Ergebnisse in die vermuteten Transformationsgleichungen ein: x = x v0 t 1 y = y, z = z, t =


0 x+t v c2 2 v0 c2

2 v0 2 c

Diese Transformation ist nach Hendrik Lorentz ernannt worden. Er hat sie in 1890 als erste aufgestellt. Die umgekehrte Rechnung ist genannt inverse Lorentz-Transformation: x= x + v0 t 1 y=y, z=z, t= Die Lorentz-Transformation f ur v0 a=k 0 und b 1 sind. = =
v0 c2
2 v0 c2

x +t 1
2 v0 2 c

c u bergeht in die Galilei Transformation, weil

6.3

Folgen der Lorentz-Transformation.

Falls wir zwei Bezugssystemen haben, die relativ zueinander mit sehr hoher Geschwindigkeit (v0 c, v0 c) bewegen, dann messen die Beobachter in den verschiedenen Systemen verschiedene Abmessungen eines Gegenstandes und verschiedene Zeitintervallen, zwischen zwei nacheinander folgenden Ereignissen. Wir vergleichen die L ange eines Gegenstandes, der relativ zum Beobachter ruht(LRU HE ), mit der L ange die durch einen anderen Beobachter, der sich relativ zu dem Gegenstand bewegt, wahrgenommen wird (LBEW ). Dasselbe werden wir f ur die Zeitintervallen (TRU HE , TBEW ) zwischen zwei Ereignissen folgen.

129

6.3.1

L angenkontraktion (LBEW < LRU HE ).

Der Stab in der Abb. 6.2 ruht sich im K.

Abb. 6.2: Der Stab der L ange von L = xB xA ruht sich im K. K bewegt sich mit v0 in Richtung der X-Achse. Die L ange des Stabes im K ist L = xB xA . Die L ange des Stabes kann als Abstand zwischen seinen beiden Endpunkten deniert werden. Die Messung der L ange erfolgt durch die gleichzeitige Bestimmung der Koordinaten der Endpunkte. Also sind L = xB xA und L = xB xA . Die Beziehung zwischen xA und xA bzw. xB und xB sind durch Lorentz-Transformationen bestimmt: xB v 0 t xA v0 t , xB = . xA = 2 2 v0 v0 1 c2 1 c2 Durch Subtraktion von xA aus xB erhalten wir: xB xA = xB xA 1
2 v0 c2

Nach Einsetzung von L = xB xA und L = xB xA : L= 1


2 v0 L c2

Mit der Zunahme der v0 wird L immer k urzer. Daher, dass der Stab im K ruht, entsprich L der LRU HE und L der L ange LBEW . Damit: LBEW LRU HE .

6.3.2

Zeitdilattation (TBEW > TRU HE ).

Zwei Ereignisse am selben Ort folgen einander in einem Zeitintervall von T ! Zum Beispiel die Ereignisse k onnen zwei Lichtblitze am selben x0 Ort sein. 130

Abb. 6.3: Die Ereignisse am selben Ort x0 im K System folgen einander in einem TTRUHE Zeitintervall. Dieses Zeitintervall wird auch durch einen Beobachter, zu welchem sich der Ort der Ereignisse bewegt, abgemessen: T TBEW . Wiederum sind die Rollen der Beobachter die gleichen, wie vorher. Also misst der Beobachter im K das Zeitintervall T TRUHE , weil der Ort der Ereignisse (Lampe) relativ zu ihm steht. Der Beobachter im K sieht die Blitze an verschiedene Orten, also f ur ihn ist die gemessene T TBEW . Das Zeitintervall ist der Dierenz der Zeitkoordinaten: T = tB tA , T = tB tA .

Zwischen den Koordinaten k onnen wir die inverse LorentzTransformation aufschreiben, wobei der Ort im K der selbe x0 Ort ist: tA = Nach der Subtraktion: tB tA = und schlielich: T = Der Nenner ist kleiner als 1, daher: T TBEW T TRU HE .
v0 c2

x0 + tA 1
2 v0 c2

tB =

v0 c2

x0 + tB 1
2 v0 c2

tB tA 1 T 1
2 v0 c2 2 v0 2 c

Eine wichtige experimentelle Best atigung der Zeitdilattation kann durch die Beobachtungen des Myonenzerfalles gegeben werden. Myonen sind instabile Teilchen, die in der Natur in einer H ohe von etwa 60 km, durch kosmische Strahlung erzeugt sind. Ihre Geschwindigkeit ist: v 0.999c = 2, 995 108 m . Mit dieser Geschwindigkeit brauchen die s 6104 Myonen eine Zeit von t = 2,995108 2 104 s um die Erdober ache zu erreichen. 131

Die Instabilit at der Myonen besteht darin, dass sie im Laufe der Zeit in verschiedene andere Teilchen zerfallen. Die Rate der Zerfallung ist durch die Halbwertszeit (T1/2 ) charakterisiert. Innerhalb von diesem Zeitintervall zerf allt die H alfte der Myonen. Man konnte die Myonen auch im Laboratorium erzeugen und beobachten. Diese Messungen haben gezeigt, dass die Halbwertszeit der ruhenden Myonen im Laboratorium etwa T1/2 = 1, 5 106 s betr agt. Dieser Wert ist etwa 1/133 Teil der Laufzeit der Myonen quer durch die Atmosph are bis die Erdober ache. Das bedeutet, dass die Zahl des Myonen, 133 1040 ist. Man k onnte praktisch keine die die Erdober ache erreichen : N 1 2 Myonen auf der Erdober ache beobachten, was aber den Tatsachen entgegen spricht. Die Au osung dieses Widerspruchs liegt darin, dass wir die Zeitdilattation nicht in Acht genommen haben. Die Halbwertszeit ist n amlich auf ruhenden Myonen gemessen worden, also ist nur f ur solche Bezugssystemen g ultig, die mit den Myonen sich rasch, in Richtung der Erdober ache bewegen. Daher soll der Vergleich der Halbwertszeit mit der Laufzeit des Myons in seinem eigenen Bezugssystem erfolgen. Um diese zu erhalten, m ussen wir die vorher erhaltene Laufzeit (im System der Erdober ache) transformieren (Lorentz): t = 1 v2 c2 t = 9 106 s

Die entsprechende Laufzeit ist in dergleichen Gr oenordnung wie die Halbwertszeit, also 1 die Zahl der Myonen auf der Erdober ache ist 64 der, in der Stratosph are.

6.4

Die Lorentz-Transformation der Geschwindigkeit.

Um die Transformationsregel der Geschwindigkeit zu bestimmen, m ussen wir die Bedx dx ziehung zwischen v = dt und v = dt erhalten. Dazu bilden wir die Ableitung von x, ausgedr uckt mit der inversen Transformationsregel: x= also ist v= dx = dt x + v0 t 1
dx dt
2 v0 c2

dt dt

+ v0
2 v0 c2

dt dt

, 1
2 v0 c2

wobei wir die Kettenregel angewendet haben. F uhren wir L = v=


dt dt dx dt

ein, damit:

+ v0
2 v0 c2

dt dt

(v + v0 ) . L

132

Um

dt dt

zu erhalten, nehmen wir: t = dt = dt


dt dt

v0 x+t c2 v2 0 1 2 c

, und leiten wir nach t ab:


0 v 1 vc 2 = . L

v0 c2

dx dt

Setzen wir dieses Ergebnis in den Ausdruck der Geschwindigkeit ein: v = (v + v0 ) und multiplizieren wir mitL2 : L2 v = v 1 damit: v 1 Setzen wir L = 1
2 v0 c2 0 v 1 vc 2 , 2 L

2 v0 v v0 v + v , 0 2 2 c c 2 v0 c2

v0 v c2

= L2 +

v v0 .

ein: v0 v c2 = 1
2 2 v0 v0 + c2 c2

v 1

v v0 .

Schlielich erhalten wir die Geschwindigkeitstransformation: v = F ur kleine Geschwindigkeiten v0 Nenner in diesem Fall 1 ist. v v0 0 v 1 vc 2

c erhalten wir die Galilei Transformation, weil der

6.5

Grundlagen der speziellen Relativit atstheorie

Das Prinzip der speziellen Relativit at nach Einstein lautet: Alle Gesetze der Natur m ussen f ur alle Inertialbeobachter, die sich mit konstanter Geschwindigkeit relativ zueinander bewegen, gleich sein. Dieses Prinzip erfordert, dass nicht nur die Gesetze der Dynamik, sondern auch die von dem Elektromagnetismus f ur Inertialbeobachter gleich sein m ussen. Inertialbeobachter m ussen ihre Beobachtungen mittels der Lorentz-Transformation korrelieren, und alle physikalische Gr oen m ussen sich so von einem Inertialsystem in das andere transformieren lassen, dass die Formen der physikalischen Gesetze f ur alle Inertialbeobachter gleich bleiben (spezielle Relativit atstheorie). Das Wort spezielle weist darauf hin, dass sich die Theorie nur mit solchen 133

Gesetze besch aftigt, die f ur Inertialbeobachter gelten. Wenn die Beobachter sich nicht in einem Inertialsystem benden, sollen wir an die Zusammenh ange der allgemeinen Relativit atstheorie wenden. Einstein hat durch Annahme dieses Prinzips gesichert, dass die Lichtgeschwindigkeit f ur alle Inertialbeobachter gleich ist. Also sie ist unabh angig von der Bewegung, wie die Erforderung nach dem Experiment von Michelson und Morley gestellt wurde. Das Prinzip zieht einige anderungen der physikalischen Gr oen der Dynamik nach, die wir jetzt erkl aren m ussen.

6.5.1

Der relativistische Impuls.

Nach dem Relativit atsprinzip von Einstein, sollen die Gesetze der Dynamik f ur alle Inertialsysteme gleich formuliert werden. Also m ussen Newton II. und III. und ihre unmittelbare Folge die Impulserhaltung auch dann g ultig sein, wenn die Geschwindigkeiten der Teilchen sehr gro sind. Stoprozesse zeigten, dass um das zu sichern eine Erg anzung der Denition von Impuls n otig ist, n amlich: p= m0 v 1
v2 c2

wobei die Geschwindigkeit des Teilchens relativ zu dem Beobachter v ist. Man kann dieses Ergebnis auch so implementieren, dass die Masse m eine geschwindigkeitsabh angige Gr oe ist, die in Ruhe den Wert m0 besitzt: p= wobei m= Dieser Eekt ist der Massendefekt. m0 v 1
v2 c2

= m v,

m0 1
v2 c2

6.5.2

Die Kraft.

Die erweiterte, relativistische Denition des Impulses und die II. Newtonsche Axiome zusammen erm oglichen die relativistische Kraft zu denieren: F= dp d d m0 v = (m v) = . 2 dt dt dt 1 v c2

134

Fall A: Fu onnen die vektorielle Gr oen v, p und F r eine geradlinige Bewegung k als Skalaren behandelt werden, und f ur die Ableitung erhalten wir: d d m0 v v dp d = (m v ) = = m0 v 1 2 2 dt dt dt dt c 1 v c2

2 1/2

F =

Aufgrund der Produktregel: dv v2 F = m0 1 2 dt c


1/2

1 + m0 v 2

v2 1 2 c

3/2

2v dv . 2 c dt

Da x1/2 = x+1 x3/2 g ultig ist, k onnen wir dv v2 F = m0 1 2 dt c schreiben, und schlielich ist: F = m0 1
2 c2

v2 1 2 c

3/2

dv v2 + m0 1 2 dt c

3/2

v2 c2

dv 3/ dt . 2
dv dt

Wir k onnen jetzt feststellen, dass der Zusammenhang: F = m a, wobei a = relativistischen Umst ande nicht gilt.

ist, unter

Fall B: Fu oe der v konstant, und der Ausdruck r eine Kreisbewegung ist die Gr f ur F lautet: m0 dv d m0 v = F= 2 2 dt 1 v2 1 v2 dt
c c

wobei die Zentripetalbeschleunigung ist. Der Ausdruck ergibt also die Normalkraft 2 der Kreisbewegung (auch als Zentripetalkraft genannt), deren Gr oe m v ist. Die NorR malkraft ist also: m0 dv FN = , 2 dt N 1 v2
c

dv dt

oder FN =

m0 1 v2
c 2 1/2

v2 R

135

Fall C: Fu r eine kru mmlinige Bewegung bestimmt derjenige Ausdruck, den wir f ur die lineare Bewegung erhalten haben, die tangentielle Komponente. Derjenige Ausdruck den wir f ur die Kreisbewegung erhalten haben, ist f ur die normale Komponente anwendbar. Also: FT = m0 1
2 c2

3/ aT , 2

FN =

m0 1
2 c2

1/ aN . 2

sind. F ur groe Geschwindigkeiten, wo der Massendefekt schon deutlich ist, sind die Beschleunigung und die Kraft nicht mal parallel miteinander (siehe Abb. 6.4).

Abb. 6.4: Bei hohen Geschwindigkeiten ist die vektorielle Beziehung F = m a nicht mehr g ultig.

6.5.3

Die relativistische Energie.


1 Ek = mv 2 . 2

Die klassische Denition der kinetischen Energie ist:

In den Folgenden werden wir zeigen, dass in dem relativistischen Fall sie als: EK = deniert werden soll. 136 m0 c2 1
v2 c2

m0 c2

F ur den Beweis werden wir die Methode, die wir im Abs. 3 eingef uhrt haben, anr2

wenden. Bilden wir also die Arbeit W =


r1

Fds mit der neuen Denition des Impulses,

gem a dem vorigen Absatz. Allerdings werden wir die kinetische Energie f ur eine lineare Bewegung in Richtung
x2

x bestimmen. Die Arbeit ist f ur eine lineare Bewegung: W =


x1

F dx. Den dx k onnen wir

durch dt ersetzen: dt = v dt, und folgt: W = dx = dx dt

t2 t1

F v dt.
dp , dt

Die Kraft - gem a Newton II. ist: F =


t2

damit betr agt die Arbeit:

W =
t1

dp v dt. dt
m 0 v 1 v2
c 2

Durch Anwendung der neuen Denition des Impulses (p =


t2

) ist die Arbeit:

W =
t1

d m0 v dt 2 dt 1 v c2

Die Ableitung des Impulses f ur eine lineare Bewegung haben wir im vorigen Absatz bestimmt: 3/2 3/2 3/2 dv v 2 dv dv v2 v2 v2 v2 dp + m0 2 1 2 = m0 1 2 . = m0 1 2 1 2 dt dt c c dt c c dt c Damit ist die Arbeit:
t2 3/2

W =
t1

v2 dv 1 2 v m0 dt c

dt.

Die Stammfunktion kann hier durch die Anwendung einer umgekehrten Kettenregel bestimmt werden. Dazu m ussen wir den Ausdruck mit (c2 ) c12 erweitern: 3 t2 2 / 2 v dv dt, wo wir hinten dem Integralfunktion die W = m0 c2 1 v 2 c c2 dt
t1

Ableitung von 1 v haben. c2 Nach Bildung der Stammfunktion erhalten wir also:

1/2

Wt1 t2 = m0 c2 1

v c2

1/2

t2
t1

m0 c2 1 137
v 2 (t2 ) c2

m0 c2 1
v 2 (t1 ) c2

= Ek,2 Ek,1 ,

wo wir analog zu dem klassischen Fall die Dierenz von zwei, nur von der Geschwindigkeit abh angigen Gr oen bekommen haben, die deswegen als kinetische Energie deniert werden k onnen. Wenn wir die Anfangsbedingung v (t1 ) = 0 annehmen, dann ist die relativistische kinetische Energie:

Ek = m0 c2 1

v c2

1/2

t
0

m0 c2 1
v 2 (t) c2

m0 c2 1
0 c2

m0 c2 1
v 2 (t) c2

m0 c2 ,

wie wir in der Einf uhrung dieses Abschnittes deniert haben. F ur kleine Geschwindigkeiten ist v/c klein, deswegen kann der binomiale Ausdruck mit seiner Taylorschen Reihe gen ahert werden: 1/2 1 v2 3 v4 2 1 + 2 + 4 + .... 1 2 c 2 c 8 c Damit wird die relativistische kinetische Energie den Wert der klassischen aufnehmen: Ek = m0 c2 1 + 1 v2 2 c2 m0 c2 = 1 m0 v 2 . 2

Das bedeutet, dass f ur v c, der klassische Ausdruck der kinetischen Energie weiterhin g ultig (Korrespondenzprinzip, siehe Kap.1.) ist. In dem Ausdruck der kinetischen Energie erscheint ein Glied, der von der Geschwindigkeit unabh angig ist. In der Relativit atstheorie hat Einstein die sogenannte Ruheenergie: ERU HE = m0 c2 und die sogenannte Gesamtenergie (E) eingef uhrt, und daher den folgenden Zusammenhang aufgeschrieben: Ek = m0 c2 1
v 2 (t) c2

m0 c2 = E ERuhe

F ur die Gesamtenergie eines Teilchens erhalten wir also: E = Ek + ERuhe = m c2 . Das bedeutet, dass ein Teilchen nur von seiner Masse eine Ruheenergie besitzt, und durch Zunahme der Geschwindigkeit steigt sowohl die Masse, als auch die Gesamtenergie: E = m c2 . Das Eekt nennt man Energie Masse aquivalenz, und bedeutet dass sich die Masse der Teilchen in der Gesamtenergie manifestiert. Um ein anwendbare Ausdruck zwischen Impuls and Gesamtenergie zu bekommen, dividieren wir den relativistischen Impuls: p = m0 v 2 mit der Geschwindigkeit und
1 v2
c

vergleichen wir mit dem Ausdruck der Gesamtenergie E = 138

m0 c2 1 v2
c 2

F ur diesen Quotient erhalten wir: p E = 2. v c Daher ist E= und schlielich: E2 = c2 p , v

c4 p 2 . v2 Von der Denition der Gesamtenergie folgt:


4 m2 0c E = 2 , 1 v c2 2

den wir in die vorige Gleichung einsetzen k onnen: c4 p 2 m0 2 c4 = , 2 2 v 1 v 2 c


2 2 m2 0v c c p = . 2 1 v c2 2 2

Bilden wir E 2 c2 p2 : E 2 c2 p 2 =
4 2 2 2 2 2 m2 m2 m2 0c 0v c 0 c (c v ) 4 = = m2 2 0c v2 v2 1 v 1 1 c2 c2 c2

Also wir haben einen Zusammenhang bekommen, der unter relativistischen Bedingungen (v c) immer g ultig ist: 4 2 2 E 2 = m2 0c + c p , der auch geometrisch einfach darstellbar ist.

Abb. 6.5: Zur Anschaulichung des Zusammenhanges E 2 = m0 c4 + c2 p2 139

Kapitel 7 W armelehre (Thermodynamik)


Die W armelehre besch aftigt sich mit der Beschreibung der ungeordneten Molekularbewegung. Diese Zusammenh ange k onnen auf zweierlei Art hergeleitet werden. Die ph anomenologische Methode (genannt auch klassische oder allgemeine W armelehre) deniert makroskopisch messbaren physikalischen Gr oen, die sogenannten Zustandsgr oen (z.B. Druck, Temperatur, Volumen, Entropie, usw.) und stellt solche Gesetze zwischen denen auf, die experimental bewiesen worden sind. Die andere Methode, die molekulare W armelehre, geht von der Bewegung und Wechselwirkung der unz ahligen Teilchen aus. Sie kombiniert die Gesetze der Mechanik mit statistischen u berlegungen und interpretiert die thermodynamischen Zustandsgr oen mit der Newtonschen Mechanik und mit den Gesetzen der mathematischen Statistik. Dadurch l asst sich die W armelehre bruchlos in die Mechanik eingliedern. Die Einf uhrung der mathematischen Statistik in die Beschreibung der mikroskopischen Teilchensysteme hat sich sehr wirksam gezeigt, und f uhrte dazu, dass die moderne Physik darauf gar nicht mehr verzichten kann. Die Gesetze der Quantenmechanik sind sogar mit statistischen Begrien formuliert worden (Messhypothese). Das alles f uhrte dazu, dass die statistische Physik ein selbst andiges, vielsprechendes Wissenschaftsgebiet der Physik geworden ist. Wir werden zuerst die wichtigsten Gesetze der klassischen Thermodynamik (Kap. 7), danach die Grundlagen der molekularen W armelehre (Kap. 8) studieren, um ein einheitliches physikalisches Bild u ber die ungeordnete Molekularbewegung der Materie aufstellen zu k onnen. Dabei werden wir die Grundlagen der statistischen Physik auch kennenlernen.

7.1
7.1.1

Klassische Thermodynamik
Was sind Temperatur und W arme?

Der Mensch nimmt die Temperatur u armegef uhl war. Wir frieren, wenn unserer ber das W Zimmerthermometer viel kleinere Temperaturen zeigt als unsere Fiberthermometer, und

140

schwitzen, wenn es umgekehrt ist. Wir f uhlen uns am besten zwischen 18 und 25 C . Wenn die Temperatur der Umgebung unterhalb dieses Bereiches liegt, dann versuchen wir uns teilweise durch Bewegung oder durch Reibung der H ande W armemenge (oder Energie) zu gewinnen. Die Energie, die bei dieser Temperatur anderung zugef uhrt wird, hat mechanischer Herkunft, n amlich die Reibung. Wenn im Sommer die hohen Temperaturen uns zu schwitzen bringen, k onnen wir um unsere hohe K orpertemperatur zu reduzieren, ein k uhles Bad nehmen. In diesem Fall geben wir wirkliche W arme ab. u ber den direkten Kontakt mit dem Wasser k onnen die Molek ule unseres K orpers kinetische Energie den Wassermolek ulen u bergeben. Dabei wird unsere Temperatur sich reduzieren und die von dem Wasser sich erh ohen. Mit diesen Beispielen wollten wir die folgenden Tatsachen kurz illustrieren:
Die Temperatur charakterisiert den Zustand des K orpers, und steht mit der durchschnittlichen kinetischen Energie der Molek ule des K orpers in enger Beziehung (in Kapitel 8 werden wir das auch exakt formulieren). Die Temperatur kann durch Energie ubergabe ge andert werden, und zwar so, dass bei Energiezufuhr die Temperatur erh oht sich, bei Energieabfuhr vermindert sich. Die zu der Temperatur anderung f uhrende Energie kann verschiedene Herkunft (elektrische, mechanische, chemische, nukleare, Strahlung, usw.) haben. Zum Beispiel, die Quelle der Temperaturerh ohung der Spirale einer Gl uhlampe ist die JouleW arme (elektrische Herkunft). Die Energie ubergabe kann auch eine direkte W arme ubergabe sein, das heit, dass die k uhlere K orper sich erw armen und die w armere sich abk uhlen, wobei die K orper sollen sich in direkten, sogenannten thermischen Kontakt benden. Die Geschwindigkeiten der langsameren Molek ule des k uhleren K orpers werden durch mechanischen Kontakt wie Reibung oder Stoen gr oer und damit steigt die durchschnittliche kinetische Energie des k uhleren K orpers auf Kosten der durchschnittlichen kinetischen Energie des w armeren. Die Energie ubergabe kann auch zwischen solchen K orper, die miteinander nicht in thermischen Kontakt sind, die sogar voneinander v ollig abisoliert (Vakuum) sein k onnen, durch W armestrahlung (siehe Physik III) stattnden. Die K orper strahlen n amlich bei allen Temperaturen ein charakteristisches, elektromagnetisches Spektrum aus. Die Gesamtenergie dieser Strahlung ist bei h oheren Temperaturen gr oer. Die K orper absorbieren die Strahlung des anderen. Dabei wird die absorbierte Strahlungsenergie in durchschnittliche kinetische Energie umgewandelt. Schlielich wird der k uhlere K orper mehr Strahlungsenergie absorbieren als ausstrahlen und dadurch erh oht sich seine Temperatur. Umgekehrt l auft es bei dem w armeren K orper ab, seine Temperatur wird nach dem Ablauf der entsprechenden Absorptionsund Emissionsprozesse immer kleiner.

141

Dass die Temperatur und die W arme mechanisch erkl arbare physikalische Gr oen sind, war in der Geschichte der Physik gar nicht trivial, und ist f ur die Physiker nur etwa seit 170 Jahren bekannt. Erst die Arbeiten von Julius Robert Mayer und die von Sir James Joule haben die aquivalenz der mechanischen und der thermischen Energie experimentell bewiesen. Sie haben auch den Wert f ur die mechanische W arme aquivalenz bestimmt.

7.2

Die Temperatur

Die Temperatur ist eine fundamentale physikalische Gr oe, also soll durch einen Etalon und ein Messverfahren deniert werden. Beide sollen eindeutig und reproduzierbar sein. Es sind drei etablierte Skalen f ur die Messung der Temperatur verbreitet worden. Die Celsiusskala ist im Alltag von Europa, die Fahrenheitskala ist verbreitet in der Vereinigten Staaten (USA) und die Kelvinskala oder absolute Temperaturskala ist das Eigentum der Wissenschaftler. Warum? Weil die letzte hat mit dem Wesen der Physik und mit der Materie zu tun. Die Einheit der absoluten Skala ist gleichzeitig die SI Einheit der Temperatur: [T ] = 1K . Alle drei Skalen sind auf die Temperaturabh angigkeit der Gestalt des K orpers basiert. Die Celsius - und die Fahrenheitskala n utzen die Temperaturabh angigkeit der L ange von Fl ussigkeitss aulen aus, die Kelvinskala ist auf die Temperaturabh angigkeit des Volumens eines idealen Gases justiert. Mehrere Skalen wurden auer dieser drei Temperaturskalen vorgeschlagen worden durch bedeutende Wissenschaftler, wie Newton, Reaumur, Rankine, und Delisle, die jedoch mit der Zeit im Hintergrund der drei erw ahnten Skala geblieben sind.

7.2.1

Die Temperatur nach Celsius und Fahrenheit

Celsius hat f ur die Messung der Temperatur die Ausdehnung einer Quecksilbers aule, die in einer Glasskapillare eingeschlossen ist, vorgeschlagen. Die Idee ruht auf der Beobachtung, dass diese Ausdehnung mit der W armezunahme merkbar und gleichm aig gefunden wurde. Celsius hat zwei Fixpunkte f ur die Skala gew ahlt: 0 C Schmelzpunkt von Eis; 100 C Siedepunkt von Wasser bei normalen Druck (p 1 atm. 1013,25 Pa). Die Skala ist gleichm aig eingeteilt. Der Vorteil der Skala ist, dass das Temperaturbereich von - 38 C bis 800 C kann mit Quecksilberthermometern gut abgedeckt werden, und mit entsprechend gut gew ahlten Grenzen k onnen die Thermometer gut und linear f ur die einzelne Bereiche geeicht werden. Wir m ussen hier feststellen, dass die Linearit at und die G ute eines Quecksilberthermometers in einem Temperaturbereich h angt nicht nur von dem Quecksilber, sondern auch von dem Glass ab, schlielich dehnt sich die Kapillare mit der Temperatur auch aus (siehe Abs.7.2.2.2). Eine andere Bemerkung soll hier auch noch erw ahnt werden. Der Nullpunkt der Skala wurde mit der Zeit modi142

ziert. Heute, statt der Frierpunkt (TC,0 = 0 C ), der Tripelpunkt von Wasser - n amlich TC,0 = TT 0, 01 C - ist der Fixpunkt der Skala. Hier benden sich die drei Aggregatzust ande von Wasser also Eis, ussiges Wasser und Dampf - im Gleichgewicht. Fahrenheit studierte die Konstanz der Siedepunkte von Fl ussigkeiten. Er hat auch die Quecksilbers aule im Glass als Etalon f ur seine Messungen genutzt. F ur den unteren Fixpunkt der Skala hat er den Schmelzpunkt einer gut denierten Mischung von Eiswasser und Ammoniumchlorid (Meeressalz) gew ahlt: TF = 0 F = 17, 8 C. Diese Temperatur war die h arteste Wintertemperatur, die in seinem Heimatstadt Danzig, im Jahre 1708 gemessen wurde. Damit wollte er wahrscheinlich die negativen Temperaturwerte in der Meteorologie vermeiden. F ur den oberen Referenzpunkt der Skala hat er den Siedepunkt von Wasser als 212F deniert: TC = 100 C TF = 212 F. Die Anekdoten erz ahlen, dass er mit dieser Wahl die normale, menschliche K orpertemperatur als 100F denieren wollte. Das f uhrte aber dazu, dass die menschliche K orper temperatur in Celsius etwa 37,8C (FF = 100 F = 37, 8 C ) sein sollte. M oglicherweise hatte er entweder Fiber gehabt, oder aus praktischeren u berlegungen wollte er die Skala doch so einstellen, dass zwischen den Fixpunkten genau 180 Einheiten sind. Damit sind die Umrechnungsgleichungen: TC = [0 C ] = 5 {TF [0 F ] 32} , 9 9 TF = [0 F ] = {TC [0 C ] + 32} . 5

7.2.2

Die thermische Ausdehnung von Festk orper und Flu ssigkeiten

Die Denition der Temperatur nach Celsius und Fahrenheit - mit der Temperaturabh angigkeit der L ange einer ussigen Quecksilbers aule in einer Glasskapillare - erm oglicht uns die Eigenschaften der thermischen Ausdehnung von Festk orpern und Fl ussigkeiten zu studieren. Der temperaturabh angige Unterschied zwischen der Ausdehnung des ussigen Quecksilbers und der Glasskapillare dient als Referenz f ur die Bestimmung der Temperaturabh angigkeit der L ange anderer Festk orper und Fl ussigkeiten. 7.2.2.1 Lineare Ausdehnung von Festko rper

Die L ange eines Stabes andert sich mit der Temperatur in erster N aherung linear: L (T ) = L (TR ) [1 + (T TR )] , 143

wobei
TR die Referenztemperatur ist, wo L (TR ) gemessen wurde; T die erh ohte Temperatur ist, wo der Stab L (T ) lang gefunden wurde; und der lineare Ausdehnungskoezient ist.

Diese Gleichung kann mit der relativen L angen anderung (L = L (T ) L (TR ) und mit der relativen Temperatur anderung (T = T TR ) auch aufgeschrieben werden: L = L T, wobei L = L (TR ) ist. Die Temperatur kann in diesen Zusammenh ange sowohl in C oder in F, sogar in K (1K=1C, siehe Abs. . . ..) gemessen werden. Die Tabelle 7.1 zeigt die linearen Ausdehnungskoezienten einiger festen Stoe. Tabelle 7.1: Lineare Ausdehnungskoezienten bei 20 C =293 K Lineare Ausdehnungskoezient: [106 K ] [106 o C ] Eisen 12 Aluminium 23,8 Wolfram 4,3 INVAR (64% Eisen + 36% Nickel) 1,5 Glasskeramik CERODUR 0,1 Hartgummi 100 Material

Genauere Messungen zeigen, dass der lineare Ausdehnungskoezient in breiten Temperaturbereichen nicht wirklich linear ist. Deswegen soll man kleineren Temperaturbereichen denieren und die entsprechende, verschiedene Mittelwerte des linearen Ausdehnungskoezienten f ur jedes Bereich einzeln bestimmen (siehe Tab. 7.2). Um die thermische Ausdehnung eines Stoes noch genauer bestimmen zu k onnen, soll der Ausdruck der thermischen Ausdehnung mit einem weiteren, quadratischen Glied wie folgt - erg anzt werden: L (Tc ) = L (Tc,o ) 1 + (Tc Tc,o ) + (Tc Tc,o )2 , und der quadratischer Koezient soll auch ausgemessen und angegeben werden. Bei der heutigen Anforderungen der Materialtechnologie m ussen die Hersteller all diese Daten f ur die Konstrukteure zur Verf ugung stellen. Besonders f ur solche Materien, 144

Tabelle 7.2: Die Temperaturabh angigkeit des linearen Ausdehnungskoezienten [106 K ] T [K] Eisen Aluminium SiO2 50 1,3 3,5 -0,86 100 5,7 12 -0,8 200 10,1 20,2 -0,1 300 12 23,8 +0, 4 400 13,2 24,9 +0, 55 500 14,3 26,5 +0, 58

wie INVAR oder CERODUR, die f ur solche Anwendungen geeignet sind, wo der kleine Ausdehnungskoezient eine sehr wichtige Rolle spielt (z.B. pr azise mechanische B anke, Stativen oder Halterungen f ur Messger ate oder Generatorachsen mit hohen Umdrehungszahlen, usw.). 7.2.2.2 Volumenausdehnung von festen Stoe

Da die L ange eines festen K orpers sich mit der Temperatur andert, muss ja auch sein Volumen nachgehen. F ur ein homogenen, isotropen festen Sto ist: V (T ) = V (TR ) [1 + (T TR )] , wobei - TR die Temperatur ist, wo V (TR ) gemessen wurde, - T die Temperatur ist, wo V (T ) gemessen wurde, und - der r aumliche Ausdehnungskoezient ist. Bilden wir jetzt - gem a des Gesetzes der linearen Ausdehnung (siehe voriger Abschnitt) - das Volumen V (T ) eines W urfels, dessen Volumen bei TR genau V (TR ) = 3 3 3 3 L (TR ) = L war: V (T ) = [L (T )] = L (TR ) [1 + T ]3 = V (TR ) [1 + 3T + 32 T 2 + 3 T 3 ]. Dadurch, dass T 1 ist, k onnen wir die Glieder, die in quadratisch und kubisch sind, vernachl assigen. Damit folgt f ur das Volumen des W urfels: V (T ) L3 [1 + 3 T ] . Vergleichen wir diesen Ausdruck mit dem, der Volumenausdehnung: V (T ) V (TR ) [1 + T ]! Wir erhalten f ur die Beziehung zwischen den r aumlichen und den linearen thermischen Koezienten die Gleichung: = 3.

145

7.2.2.3

Thermische Ausdehnung von Flu ssigkeiten

Bei Fl ussigkeiten l asst sich nur die Volumenausdehnung: V (T ) = V (TR ) [1 + (T TR )] angeben, siehe Tab. 7.3. Es ist deutlich zu sehen, dass die Ausdehnungskoezienten von Fl ussigkeiten sind wesentlich gr oer als die von Festk orper. Bei den Fl ussigkeiten ist die experimentelle Methode der Bestimmung der Koezienten sehr interessant, weil der Beh alter der Fl ussigkeit sich bei der Temperaturerh ohung auch ausdehnt. Tabelle 7.3: Volumenausdehnungskoezienten von Fl ussigkeiten [104 K ] bei 20 C 293K Quecksilber Wasser athylalkohol Azeton Glyzerin 1,8 2,07 11 14,4 5

F ur die Messung des r aumlichen Ausdehnungskoezienten von Fl ussigkeiten haben Dulong und Petit eine sehr praktische Anordnung vorgeschlagen (siehe Abb. 7.1). Die Fl ussigkeit soll ein Frierpunkt unterhalb von 0C, und ein Siedepunkt u ber 100C haben.

Abb. 7.1: Die Messung der thermischen Ausdehnung von Fl ussigkeiten nach Dulong und Petit. Die Fl ussigkeit bendet sich in einem URohr ( in kommunizierenden Gef ae). Eine Seite des Rohres wurde mit Eiswasser(0 C ), die andere mit Wasserdampf(100 C ) in Kontakt gebracht. Die H ohen der Fl ussigkeitss aulen k onnen f ur die Bestimmung des thermischen Ausdehnungskoezienten gen utzt werden. Bestimmen wir ! 146

Der Druck der Fl ussigkeit in den S aulen der kommunizierenden Gef ae ist gleich: p100 = p0 , wobei die Indizien 100 und 10 deuten auf die Umgebungstemperaturen (in C) der Fl ussigkeit (auch in den Weiteren) hinauf. Dieser Ausdruck lautet mit den Massen der Fl ussigkeit: M0 g M100 g = . A100 A0 Wenn die Durchmesser der R ohre auf beider Seite gleich sind(A100 = A0 ), dann soll die Masse der zu messenden Fl ussigkeit in beiden R ohren auch gleich sein. Mit anderen Worten, die Masse ist temperaturunabh angig: M = V = konst. Daher: 100 V100 = 0 V0 , wobei die Indizien 100 bzw. 0 auf die Dichten und Volumen bei 100C bzw. 0der Fl ussigkeit hinaufdeuten. Von der Denition des r aumlichen Ausdehnungskoezienten der Fl ussigkeit folgt: V100 = V0 (1 + T ) , wobei T=100C ist. Vergleichen wir die letzten Gleichungen, und erhalten wir: 0 V0 = 100 V0 (1 + T ) . Daher ist: 100 = Nach der Umstellung: = 1 T 0 1 . 0 . 1 + T

N utzen wir die Konstanz der Querschnitt der S aulen: 0 A h0 = 100 A h100 . Die Ausdehnung (h = h100 h0 ) ist also die Folge der Dichte anderung. Nach Division mit A erhalten wir: 0 h100 = . 100 h0

147

Setzen wir diesen Ausdruck in den von hinein: = 1 T h100 1 , h0

1 h100 h0 , T h0 1 h = , T h0 wobei h = h100 h0 ist und T betr agt 100C. Wie vorher erw ahnt wurde, mit der Methode k onnen nur die Koezienten solcher Fl ussigkeiten bestimmt werden, deren Frierpunkt unter 0 C und deren Siedepunkt u ber 100 C liegt. =

7.2.3

Die thermische Ausdehnung der Gase. Die allgemeine Gasgleichung

Gegen uber den festen und ussigen Materien hat man bei Gasen das Problem, dass neben Volumen und Temperatur auch der Druck in Acht genommen werden soll. Bekannt ist das Gesetz von Boyle und Mariotte f ur konstante Temperaturen: p1 V1 = p2 V2 = Konst. Graphisch dargestellt, erhalten wir f ur die sogenannte p-V Kurven der Gase (siehe Abb. 7.2) bei einer konstanten Temperatur eine Hyperbel, genannt auch Isotherme.

Abb. 7.2: Isothermen nach Boyle und Marriotte Bei der Erw armung nimmt die Geschwindigkeit der Gasmolek ule zu und w achst das Produkt aus Druck und Volumen (p V ). Zu de u bersichtlichen Beziehungen kommt man, wenn einer der beiden physikalischen Gr oen konstant gehalten wird. 148

7.2.3.1

Volumen anderung durch Erw armen bei konstantem Druck (1. Gesetz von Gay-Lussac)

Das Volumen der Gase folgt bei konstantem Druck mit guter N aherung den folgenden Ausdruck: V = V0 (1 + V Tc ) , wobei
V0 das Gasvolumen bei T = 0 C und konstanten Druck ist, Tc die in C gemessene Temperatur ist; V der Ausdehnungskoezient beim konstanten Druck ist, und f ur alle Gase etwa 1 1 ur einige Gase den Wert von V = 273 C = 0, 00363 C hat. (Die genauen Werte f sind in der Tab. 7.4 angegeben.)

Das ist das erste Gay Lussac Gesetz (siehe Abb. 7.3a), das zuerst durch Guillaume Amontons in 1703, sp ater durch Gay - Lussac in 1803 ausgemessen wurde. Durch die 1 1 . Senkung des Druckes streben die Werte von V bei allen Gase zu dem Wert von 273 ,15 C Tabelle 7.4: Thermische Ausdehnungskoezienten (V ) einiger Gase Sto Wassersto (H2 ) Sauersto (O2 ) Sticksto (N2 ) Luft Helium Neon Kohlendioxid (CO2 ) 1 C 0,003662 0,003674 0,003674 0,003674 0,003660 0,003662 0,003726
1
C

bei p0 = 1 atm.

7.2.3.2

Druck anderung von Gasen bei konstanten Volumen (2. Gesetz von Gay-Lussac)

Die Temperaturabh angigkeit des Druckes eines Gases bei konstanten Volumen ist: p = p0 (1 + p Tc ) wobei
p0 der Druck des Gases bei T = 0 C ist,

149

Tc die Temperatur in C ist;


1 1 p 273 C . Das ist das zweite Gesetz von Gay Lussac (siehe Abb. 7.3b). Der folgende Zusammenhang zwischen den p und V Koezienten ist f ur jedes Gas g ultig: 1 1 . p = V = 273 C

Abb. 7.3: Schematische Darstellung des ersten (a.) und des zweiten (b.) Gesetzes von Gay-Lussac 7.2.3.3 Gasthermometer

Im Gasthermometer wird das zweite Gesetz von Gay Lussac ausgenutzt. In der Abbildung 7.4 ist ein Gasthermometer f ur die Messung der Temperatur von Fl ussigkeiten dargestellt. Das Arbeitsgas bendet sich in einem Glassbeh alter, der u ber eine Glas kapillare zu einem exiblen, U-f ormigen Schlauch und dann wieder zu einer Kapillare gekoppelt wird. Das Arbeitsgas ist durch Quecksilber, der sich im Schlauch bendet, in dem Beh alter eingeschlossen. Die Menge des Quecksilbers ist so gew ahlt worden, dass die Quecksilberspiegel in beide Kapillare deutlich sichtbar sind. Der Gasbeh alter wird in die zu messende Fl ussigkeit eingetaucht. Wichtig ist es, dass das Volumen des Arbeitsgases gegen uber dem von der Kapillare vernachl assigbar ist.

150

Abb. 7.4: Das schematische Prinzip des Gasthermometers. Das Volumen des Gases im Kapillarrohr (Vk ) soll vernachl assigbar sein gegen uber dem Arbeitsvolumen (V): Vk V. Das Volumen des Gases - gem a der Abb. 7.4 - kann durch Hebung oder Senkung der rechten Seite des exiblen, mit dem Quecksilber gef ullten URohres immer konstant gehalten werden. Das bedeutet, dass die H ohe des Quecksilberspiegels in dem linken Raumteil des U-Rohres relativ zu dem Beh alter immer auf dem konstanten Niveau von A liegt. Dabei abh angig von der Temperatur bildet sich in dem rechten Raumteil des U Rohres ein h hohe Quecksilbers aule relativ zu A. Die Temperatur der Fl ussigkeit kann durch die Bestimmung von h gemessen werden. Bei der Eichung des Gasthermometers wird in das Beh alter Eiswasser (T=273 K) gef ullt und dabei h = 0 eingestellt. In diesem Fall ist der Druck im Gef a gleich dem Atmosph arendruck p0 1 atm=760 Hgmm. Durch die Erh ohung der Temperatur nimmt der Druck in dem konstanten Arbeitsvolumen des Gases zu, und der Quecksilberspiegel im rechten Raumteil des U-Rohres steigt auf ein h oheres Niveau relativ zum A. Das Gewicht der h hohen S aule h alt im Gleichgewicht dem Druck des Gases entgegen. Daher kann die Temperatur in C mit dem Gay-Lussac Gesetz aufgeschrieben werden: Tc [ C ] = 1 p h [mm] 1 p p0 = = 273, 15 , p0 p0 p0 [Hgmm]

wobei h soll in mm und der Druck der Umgebung in [torr Hgmm] eingesetzt werden. Gasthermometer sind umst andlich, aber werden bei niedrigen Temperaturen oft genutzt. 7.2.3.4 Ideales Gas, allgemeine Gasgleichung

Unsere bisherigen Gleichungen f ur die Ausdehnung der Gase sind mit der experimentell genau bestimmten Koezienten korrekt. Die kleine Abweichungen der Werte der ver151

schiedenen Gase haben die Wissenschaftler dazu bewegt, dass sie den Begri des idealen Gases erschaen haben. Das Modell des idealen Gases werden wir in der kinetischen Gastheorie (Kap. 8) genau denieren. Hier reicht es wenn wir das Idealgas so denieren, das es horcht in allen Druck -, Volumen -, und Temperaturbereiche dem Boyle Mariot1 1 te und den Gay Lussac Gesetze mit = 273 . Das Modell im Kap. 8 wird dieser ,15 C Anforderung genau entsprechen. Nun f ur ein solches, ideales Gas (durch die Zusammenziehung der Boyle Mariotte und der Gay Lussac Gesetze) hat der Produkt von Volumen und Druck die folgende Temperaturabh angigkeit: pV = p0 V0 (1 + Tc ) ,
1 1 ist. Das ist die allgemeine Gasgleichung mit Hilfe von der Celsiusskala wobei = 273 ,15 C aufgeschrieben. Sinnvoll ist hier p0 = 1 atm (Normaldruck) nehmen und V0 bei Tc = 0 C angeben. Dann k onnen wir mit Hilfe der Gleichung f ur alle Zustandsgr oe Paare die dritte bestimmen. Bemerkung: Das Begri ideales Gas, das in jedem Druck -, Temperatur und Volumenbereich ihren Gaszustand beh alt, ist wirklich nur ein sehr n utzlicher Geburt der Phantasie der Wissenschaftler, weil mit der Senkung der Temperatur andern sie Ihren Aggregatszust ande und unter gegebenen Temperaturen k onnen sie nur als Fl ussigkeiten existieren.

7.2.3.5

Absolute Temperaturskala
1 1 273,15 C

Setzen wir den =

f ur der ideale Gase in die allgemeine Gasgleichung ein! p0 V0 (273, 15 C + Tc ) . 273, 15 C

pV =

Bei Tc = 273, 15 C ist der Produkt pV = 0. In der Natur kann dieser Fall nat urlich nicht auftreten (siehe die Bemerkung im vorigen Abschnitt). Jedoch, wie wir bei der mikrophysikalischen Interpretation der Temperatur es zeigen werden (siehe Kap. 8. Kinetische Gastheorie), die Temperatur eines idealen Gases ist proportional mit dem durchschnittlichen Geschwindigkeitsquadrat seiner Molek ule.
2 vi

Daher bei = N = 0 ist auch T = 0. Das hat Lord Kelvin dazu bewegt, den 273, 15 C als Nullpunkt einer absoluten Temperaturskala zu w ahlen. Die Einheit der Celsiusskala hat er u bernommen. Die Kelvinskala dient als Basis f ur die SI Einheit der Temperatur. [T ] 1K . Die Umrechnungsgleichungen zwischen Celsius und Kelvinskala sind: T [K ] = Tc [ C ] + 273, 15, Tc [ C ] = T [K ] = 273, 15. 152

v2

i=1

Von der Interpretation der kinetischen Gastheorie T ist proportional mit dem durchschnittlichen Quadrat der Geschwindigkeiten (T V 2 ), damit T immer positiv ist (T 0). 7.2.3.6 Zustandsgleichung der idealen Gase, Gaskonstante

Mit der Einf uhrung der absoluten Temperatur kann die allgemeine Gasgleichung k urzer und b undiger formuliert werden. Durch die vorige Umrechnungsgleichung ist das allgemeine Gasgesetz f ur ideale Gase: pV = p0 V0 1 + 1 Tc = 273, 15

= p0 V 0 1 +

1 (T 273, 15) = 273, 15 T T 1 = p0 V0 273, 15 T0

= p0 V0 1 + also:
0 V0 = pT = C, oder pV = CT , 0 wobei

pV T

p0 und V0 sind bei 273,15 K gemessen worden, C eine Konstante ist, die von der Masse (m) des Gases abh angt:C = m Rsp .

Die so eingef uhrte Gr oe Rsp ist die spezische Gaskonstante: p0 V0 J Rsp = mT0 , ihre Einheit ist kg . T Damit lautet die Gasgleichung f ur jedes Gas: p V = m Rsp T. Wir k onnen die Gasgleichung unabh angig von der Masse auch ausdr ucken, wenn wir die Gleichung auf Stomengeneinheit aufschreiben. Die SI Einheit der Stomenge ist der mol: 1 mol ist die Stomenge eines Systems (in unserem Fall: Gas), das aus ebenso viel Teilchen besteht, wie Atome in 0,012 kg des Kohlenstonuklids 12 C enthalten sind.
1 Diese Teilchen sind in unserem Fall die Gasmolek ule. Ihre Zahl ist NA = 6, 0221023 mol (Avogadokonstante). Die andere, logische Formulierung der Denition der Stomenge kann folgender Masse gegeben werden:

153

Die Stomenge eines Stoes ist 1 mol, wenn die Masse der Stomenge ist genau so 1 Kohlengro in Gramm wir gro das Gewicht des Molek uls des Stoes relativ zum 12 stonuklid ist. Also 1 mol O2 ist etwa 32 g, 1 mol H2 ist etwa 2 g und 1 mol He ist etwa 4 g. Die Erfahrungen zeigen, dass das Volumen der Stomenge von 1 mol eines beliebigen Gases auf T0 = 273, 15 K und bei p0 = 1 atm = 105 P a Druck 22 414 cm3 ist. Diese Gr oe ist also das Molvolumen im Normalzustand, und ist f ur alle Gase gleich: VM,0 = V0 = 22 414 cm3 /mol, n

wobei -V0 das Volumen des Gases bei 273K und 105 P Druck ist; - n die Zahl der Molen ist, also wie viele Mole des Gases im Volumen V0 enthalten sind. Die Zahl der Molen kann auch mit Hilfe der Masse (m) und des Gramm-Atomgewicht m . (M) des Gases ausgedr uckt werden (siehe zweite Formulierung des Mols): n = M V 3 Durch die Einf uhrung des Molvolumens: VM = n [cm /mol] k onnen wir die universale Gasgleichung mit der universalen, von dem Art des Gases unabh angigen R Konstante aufschreiben: pV = n R T, wobei n- die Stomenge in mol ist ; - R die allgemeine Gaskonstante ist, mit dem Wert von: R= J p0 VM = 8, 314 . T0 mol K

Diese letzte Formulierung der Gasgleichung ist oft Zustandsgleichung genannt, weil nach dem Vorwahl von zwei Zustandsgr oen die dritte durch diese Gleichung eindeutig bestimmt werden kann. Die Zustandsgleichung lautet mit der Masse: m pV = R T. M Bemerkungen: 1. Die Gase, die die Zustandsgleichung pV = n R T folgen, sind ideale Gase. 2. Reale Gase k onnen mit der Van der Waals Gleichung der Gase genauer beschrieben werden: a p + 2 (v b) = RT v wobei
v=
V ; m

a und b materialabh angige Konstanten sind.

154

7.2.3.7

Thermometer

Nach der genauen Denition der Temperatur k onnen f ur die Messung der Temperatur alle Messprinzipien ausgen utzt werden, die auf indirekte Weise eine temperaturabh angige physikalische Gr oe bestimmen. Auer der Ausdehnung von Fl ussigkeiten und Gasen, die wir besprochen haben, k onnen noch die folgenden Prinzipien in Frage kommen: a) Dierenz der linearen thermischen Ausdehnungskoezienten von Metallen: Bimetall. Die technische L osung ist das Bimetallstreifen (Siehe Abb. 7.5). Zwei Metallen mit verschiedenen thermischen linearen Koezienten von wurden durch L oten oder Schweien fest zusammengebunden. Durch anderung der Temperatur biegt sich das so entstandene System eindeutig mit der Temperatur und kann z.B. als Temperaturschalter angewendet werden.

Abb. 7.5: Das Prinzip des Bimetallthermometers. Die Metalle sind auf T0 zusammengebunden worden. Der untere Metallstreifen besitz h oheren linearen Koezient als der obere. Der typische Anwendungsbereich von Bimetallen ist 150 C 500 C . b) Widerstandthermometer : Thermistor Wie wir in Physik II. es zeigen werden, der Widerstand von Metalle und Halbleiter h angt stark und eindeutig von der Temperatur ab. F ur Metalle der Widerstand mit der Erh ohung der Temperatur steigt, f ur Halbleiter f allt. Das eine Vorteil dieser Systeme ist, dass sie relativ kleine Abmessungen haben. Auerdem, sie zeigen die Temperatur in Spannung aus. Damit entsteht die M oglichkeit die Temperatur - nach Analog/Digital Umwandlung der Spannung - zahlenm aig, digital anzeigen zu k onnen. Ty pischer Anwendungsbereich f ur Metalldrahten ist: 250 C 1000 C , f ur Halbleiter 273 C (!!!) 400 C . c) Messung der Temperatur durch das Kontaktpotential von zwei Metalle: das Thermoelement und der Thermopaar Wenn die Endpunkte von zwei Metalldrahten z.B. durch Schweien in elektrischen Kontakt gebracht worden sind, und entlang der Drahtkette die Temperatur sich andert, dann entsteht eine kleine elektrische Spannung zwischen den freien Enden des Drahtpaares. Diese Erscheinung ist der Seebeck-Eekt und die Spannung ist die sogenannte Thermospannung. Wenn der Kontaktpunk sich auf der Temperatur von T1 , die freie 155

Endpunkten sich auf T2 benden, dann die Thermospannung ist: UT H = S T = S (T1 T2 ) , wobei S die Seebeck-Konstante ist. F ur Temperaturmessung k onnen wir die oben erw ahnte Anordnung gem a Abb. 7.6a anwenden. Der Kontaktpunkt ist auf der Messstelle (TM ) und die Spannungsmessung l auft auf der Temperatur von T. Die Thermospannung ist proportional mit T- TM. Diese Anordnung ist das Thermoelement. Wenn zwei Kontaktpunkten erzeugt worden sind und das eine Draht f ur die Spannungsmessung unterbrochen worden ist, dann sprechen wir von einem Thermopaar (siehe Abb. 7.6b). In diesem Fall kann eine der Kontaktpunkte an die Messstelle, die andere an eine Referenzstelle (z.B. in Eiswasser) platziert werden. Die Thermospannung wird jetzt mit der Gr oe TREF -TM proportional sein. Der Faktor ist in beiden F alle die S Seebeck-Konstante. Die Werte von S sind f ur die verbreitete Thermopaare in der Tabelle 7.5 angegeben.

Abb. 7.6: Prinzip des Thermoelementen und des Thermopaars. d) Temperaturmessung durch Messung der W armestrahlung: Pyrometer Alle K orper erzeugen die ihren aktuellen Temperatur entsprechende W armestrahlung. Sie ist eine elektromagnetische Strahlung mit einem relativ breiten Spektralbereich. Sowohl die Gesamtenergie als auch der Spektrum der Strahlung, ist temperaturabh angig. Durch Messung der Strahlungsleistung oder durch Messung der spektralen Eigenschaften der Strahlung kann die Temperatur in breiten Bereichen besonders bei hohen Temperaturen bestimmt werden. Das Prinzip und die Eigenschaften der der W armestrahlung wird in Physik III [Band 3] diskutiert werden.

156

Tabelle 7.5: Materialpaare f ur u bliche Thermoelementen und Thermopaare Material S [mV /K ] Anwendungsbereichen Kupfer / Konstantan * 4,25 200 C 350 C Eisen / Konstantan * 5,37 200 C 800 C Ni / Cr - Ni 4,1 270 C 1370 C Pt / Pt - Rh 0,64 50 C 1770 C Ni Cr / Konstantan * 6,21 200 C 800 C * Konstantan ist eine Legierung mit 55 % Cu, 44 % Ni, 1 % Mn.

7.3
7.3.1

W arme, W armeenergie
W armemenge und spezische W arme

Die Experimente zeigen dass die Erh ohung der Temperatur eines K orpers braucht Energiezuf uhrung. Diese Energie kann von einem anderen, w armeren K orper stammen, falls sich die K orper in thermischen Kontakt benden. Dabei senkt die Temperatur des w armeren K orpers. Letztendlich gleichen die Temperaturen aus. Um den W armeaustausch quantitative folgen zu k onnen, m ussen wir die K orper von der Umgebung thermisch isolieren. F ur diese Zwecke wurde ein doppelwandiges Glassbeh alter, mit evakuierten Zwischenraum und verspiegelten inneren Seite, der DewarGef a entwickelt. Wenn wir den Gef a mit einem R uhrer und mit einem Thermometer gem a der Abb. 7.7 auch ausr usten, erhalten wir einen sogenannten Mischungskalorimeter, in dem wir die M oglichkeit haben die gemeinsame Temperaturen von verschiedenen K orper nach dem W armeaustausch von der Umgebung abisoliert zu studieren. Nachdem man verschiedene Mengen (m1 und m2 ) einer Fl ussigkeit (z.B. Wasser) mit verschiedenen Temperaturen (T 1 und T 2 , T 1 >T 2 ) in den Mischungskalorimeter gef ullt hat, wird sich die Temperatur der gemischten Fl ussigkeit nach einiger Zeit auf einen gemeinsamen T Temperaturwert einstellen. F ur diese gemeinsame Temperatur (T) erhalten wir die folgende Gleichung: m1 (T1 T ) = m2 (T T2 ) . In diesem Fall h angt die gemeinsame Temperatur (T) nur von den Temperaturen (T1 und T2 ), und von den Massen (m1 und m2 ) der Fl ussigkeiten verschiedener Temperaturen ab.

157

Abb. 7.7: Mischungskalorimeter mit DewarGef a f ur die Messung der spezischen W arme. Falls man zwei verschiedene, Fl uigkeiten mit verschiedenen Temperaturen ins Gef a f ullt, modiziert sich die Gleichung f ur die gemeinsame Temperatur von T : K1 (T1 T ) = K2 (T T2 ) . Diese Gleichung kann so interpretiert werden, dass Materie 1 hat K1 (T1 T ) W ar memenge abgegeben und Materie 2 hat K2 (T T2 ) W arme aufgenommen. K1 und K2 sind die W armekapazit aten der Fl uigkeiten. Wenn wir die W armemenge mit Q bezeichnen, dann k onnen wir schreiben: Q = K T -wobei K die W armekapazit at des K orpers und T die Temperatur anderung ist. Die W armekapazit at zeigt, wie groe W armemenge braucht ein K orper oder eine Fl ussigkeit f ur die Erh ohung der eigenen Temperatur um 1C aufzunehmen. Die Messungen zeigen, dass f ur homogene Materien die W armekapazit aten von der Masse abh angig sind, also K1 = c1 m1 und K2 = c2 m2 . Die Werte c1 und c2 sind f ur die Materien charakteristischen spezischen W armekapazit ate, oder einfach spezischen W arme genannt. Mit den spezischen W arme f ur zwei homog ane Materien lautet die Gleichung f ur die gemeinsame Temperatur: c1 m1 (T1 T ) = c2 m2 (T T2 ) . F ur ein homog anes Material ist also die W armemenge (Q) mit der Masse und mit der Temperatur proportional. Der Faktor ist die spezische W arme: Q = c m T. 158

Bis jetzt haben wir allgemein die W armemenge und die W armekapazit at deniert. Wir haben bis jetzt keine Dimension f ur die W armemenge festgestellt. Traditionell wurde die Einheit der W armemenge in Kalorie (cal) festgelegt. Dazu sollte man einen Sto als Referenz w ahlen, f ur den, die spezische W arme 1 ist. Dieser Sto war Wasser. Damit stand die Einheit der Kalorie fest: 1 Kalorie ist die W armemenge, die die Temperatur von 1 g Wasser von 14,5 C auf 15,5 C erh oht. Die spezische W arme von Wasser ist cal also: cWASSER 1 g C . Mit Hilfe von dem Dewarschen Gef a oder mit ahnlichen Anordnungen konnten dann die spezische W armekapazit aten der Materien bestimmt werden (siehe Tab. 7.6). Wir m ussen hier deutlich feststellen, dass die W armemenge ist eine Erscheinungsform der Energie, also soll sie in J angegeben werden. Der Beweis dieser Aussage ist das Verdienst von Julius Robert Mayer und von Sir James Joule.

7.3.2

Die Messung der spezischen W armekapazit aten von festen K orper und von Flu ssigkeiten

Aufgrund der Denition der W armemenge als Q = c m T , k onnen wir die spezische W armekapazit at exakt aufschreiben: c= 1 dQ . m dT

Die spezischen W armekapazit aten k onnen mit dem Mischungskalorimeter (siehe Abb. 7.7), bestimmt werden. Die Temperatur und die MassemW der Referenz ussigkeit (Wasser), die h ohere Temperatur (TM ) und die Masse mM des zu pr ufenden Stoes sollen vor der Einlage in den Kalorimeter bekannt sein. Nach der Bestimmung der gemeinsamen Temperatur (T) ergibt sich: CM mM (TM T ) = CW mW (T TW ) , CM = CW mW (T TW ) . mM (TM T )

Wenn die W armekapazit at des Kalorimeters (KK ) auch in Acht genommen werden soll, dann lautet die Gleichung: cM = (cW mW + KK ) (T TW ) . mM (TM T )

Einige Werte haben wir in der Tabelle 7.6 angegeben. F ur Metalle sind die W armekapazit aten f ur molare Mengen bei Zimmertemperatur cal ur eine Erkl arung in Kap. etwa 6 molK . Das ist das Dulong - Petit Regel. Wir werden daf 9. geben. 159

Tabelle 7.6: Spezische W armekapazit aten einiger festen und ussigen Stoe bei 293 K. Material Aluminium Eisen Kupfer Silber Platin Gold Bor Silizium Wasser Quicksilber athylalkohol C gcal K 0,214 0,111 0,092 0,0556 0,0316 0,0312 0,26 0,177 1,0 0,0334 0,581
cal C mol K 5,8 6,2 5,8 6,0 6,2 6,1 2,9 5,0 18,0 6,7 -

Relative Molek ulzaM 26,98 55,84 63,54 107,87 195,08 197 10,8 28,1 18,0 200,6

7.3.3

Spezische W armekapazit aten von Gasen

Bei Gasen h angt die spezische W armekapazit at von den anderen Zustandsgr oen p und V stark ab. Wir k onnen zwei gut reproduzierbare Anordnungen denieren. 1. Die spezische W armekapazit at bei konstanten Volumen ist: cV = 1 Q m T .
V =CON ST

F ur die Stomenge von einem mol k onnen wir die molare W armekapazit at beim konstanten Druck angeben: C V = M cV = wobei
M die Masse eines Moles ist. Die Gr oeCV ist oft auch spezische Molw arme genannt. Die Einheit ist:

M Q m T

,
V =CON ST

[ CV ] =

cal molK

oder in SI: [CV ] =

J . molK

2. Die Spezische W armekapazit at bei konstantem Druck ist: cP = 1 Q m T 160 .


P =CON ST

F ur 1 mol Gasmenge kann C p = M cP = M Q m T ,


p=CON ST

als Molw arme bei konstantem Druck deniert werden. Der Unterschied zwischen Cp und CV liegt eigentlich darin, dass bei konstanten Druck das Gas sich ausdehnen kann und wird deswegen eine zus atzliche Ausdehnungsarbeit (pV, siehe Abs. 7.4) leisten, die wir auch noch zuzuf uhren m ussen. Dagegen, w ahrend der Heizung bei konstanten Volumen ist keine Ausdehnung vorhanden, also mechanische Arbeit wird neben der Aufw armung durch das Gas nicht geleistet. Deswegen brauchen wir sie auch nicht bei der Heizung einstecken zu m ussen. Die Tabelle 7.7 zeigt die molare W armekapazit aten (Molw arme) CP und CV einiger Gase. Tabelle 7.7: Die molare W armekapazit aten (Molw arme) einiger Gase Material Helium (He) Neon (Ne) Argon (Ar) H2 N2 O2 CO2 CH4 C2 H6 M 4,0 20,18 39,95 2,02 28,01 32,0 44,01 16,04 30,07 CP 5,0 4,96 4,95 6,89 6,95 7,01 8,82 8,46 12,36
cal molK

CV 3,01 3,03 2,96 4,89 4,96 5,01 6,79 6,51 10,05

cal molK

CP CV
cal molK

CP CV

1,99 1,93 1,99 2,0 1,99 2,0 2,03 1,95 2,31

1,66 1,64 1,67 1,41 1,4 1,4 1,34 1,3 1,23

Wir k onnen die folgenden Regeln von der Tabelle feststellen:


cal 1. CP CV ; = 2 mol K

2. Die Molw arme bei konstanten Volumen (CV ) der einatomigen Gase ist 3 3. Die Molw arme bei konstanten Volumen (CV ) der zweiatomigen Gase ist 5

cal molK cal molK

; ;

4. Die Molw arme bei konstanten Volumen (CV ) der mehratomigen (mehr als 2) Gase cal .Die Erkl arungen werden wir im Kap. 8. angeben. ist noch Gr oer: CV > 5 mol K

161

7.4

Die Hauptgesetze der W armelehre

In diesem Abschnitt wird das thermodynamische System, das durch Atomen oder Molek ulen gebildet ist, durch die Zustandsgr oen Temperatur, Druck und Volumen charakterisiert. Unsere Zielsetzung ist die anderungen dieser Gr oen bei solcher Prozessen zu beschreiben, bei denen zwischen dem System und der Umgebung thermische oder mechanische Energie ausgetauscht wird. Wir betrachten nur die Quasigleichgewichtsprozesse, w ahrend deren das System station ar ist. Das bedeutet, dass die zeitliche anderung der Zustandsgr oen wird nicht in Acht genommen, die Prozesse werden nur durch ihren Anfangs- und Endswerten charakterisiert. Es gibt insgesamt drei Haupts atze, die als Erfahrungstatsachen (die mathematisch nicht beweisbar sind) diese Erscheinungen bestimmen. Die Voraussetzung f ur die Aussage dieser Hauptgesetze ist der Beweis, dass die W arme tats achlich eine Erscheinungsform der Energie ist.

7.4.1

Die W arme aquivalenz

Die Temperatur eines K orpers kann nicht nur durch W armeaustausch, sondern auch durch die Zuf uhrung von mechanischen Energiearten ge andert werden. Zum Beispiel durch die Reibung, oder durch die Joule-W arme von den elektrischen Strom (siehe Kap. 10), die eigentlich durch den unelastischen St oe der Elektronen mit dem Gitter die W arme erzeugt. Denken wir an die brutale Hitzeentstehung beim Abbremsen eines Rennautos oder an die heie Gl uhbirnen, in denen die Temperatur der Wolframspirale durch die eingepumpte elektrische Energie (40-100 W) bis auf 2700 K steigen kann. Da die W armemenge traditionell in Kalorien festgelegt wurde, die Kopplung zu den anderen Energiearten und die Umrechnung der Kalorie in Joule war bis zu der Mitte des XIX. Jahrhundertes eine Schl usselfrage der W armelehre. Wie wir in der Einf uhrung erw ahnt haben, die L osung dieses Problems die Bestimmung des mechanischen W arme aquivalentes - war das Verdienst von Julius Robert Mayer und von Sir James Joule. Mayer ging von den C p und CV Werten der Gase aus. Zur Erinnerung, f ur den Dierenz der molaren W armen bei konstanten Druck und konstanten Volumen haben cal gegeben. F ullen wir ein Mol Menge eines Gases in einen die Experimente etwa 2 mol K Kolbenzylinder, dessen Kolben mit einer konstanten Kraft F, dem Druck des Gases entgegenh alt. F uhren wir Q W armemenge zu, um die Temperatur mit T zu erh ohen. In diesem Fall ist: Q = Cp T. Wenn das Gas geheizt wird, steigt die Temperatur um T , und durch den konstant gehaltenen Druck (p) bewegt sich der Kolben um xnach auen. Dadurch steigt das Volumen des Gases auch um V (siehe Abb. 7.8). Ein Teil der zugef uhrten W arme wird also in mechanische Arbeit umgewandelt: W = F x = p A x = p V . Das andere Teil der W arme soll die Temperatur des Gases um T erh ohen. Das ist aber

162

gleich der W armemenge, die wir bei konstantem Volumen, f ur die Temperaturerh ohung um T zuf uhren sollen.

Abb. 7.8: F ur die Bestimmung des W arme aquivalentes nach Mayer. Energiezufuhr beim konstanten Druck. Von der allgemeinen Gasgleichung folgen also einerseits: p VM = 1 R T, und anderseits p (VM + V ) = 1 R (T + T ) . Daher nach Subtraktion: pV = R T, und schlielich erhalten wir f ur Q: Q = CV T + R T = (CV + R) T. Diese Gr oe ist aber gleich der W armezuf uhrung, die beim konstanten Druck f ur die Erh ohung der Temperatur des Molvolumens um T ben otigt wird: Q = Cp T. Setzen wir die Ausdr ucke f ur Q gleich: Q = Cp T = (CV + R) T, schlielich erhalten wir: Cp CV = R. 163

cal (die genaue Diese Dierenz der molaren W armekapazit aten war f ur die Gase etwa 2 mol K cal J Messungen f ur ideale Gase zeigen: 1, 986 molK ) und die Gaskonstante ist 8, 314 mol . Die K zwei Seiten der Gleichung haben verschiedene Dimensionen, jedoch bezogen auf dergleichen Gr oen (mol K ). Daher erhalten wir: 8,314 J=1,986 cal, und das W arme aquivalent 8,314 J WM ECH J ist daher: QW ARM E = 1,986 cal = 4, 186 cal .

Die andere Methode f ur die Bestimmung des mechanischen W arme aquivalentes war von Sir James Joule entwickelt worden. Er hat in ein thermisch isoliertes Gef a eine Fl ussigkeit und einen rotierten Schaufelrad eingebaut (Siehe Abb. 7.9). Den Schaufelrad hat er

Abb. 7.9: Schematische Darstellung des Apparates von Sir James Joule f ur die Messung des W arme aquivalentes. u ber eine Rolle mit einem Gewicht in Drehung gebracht. Die Reibung der Schaufel mit der Fl ussigkeit erh ohte die Temperatur im isolierten Gef a. Durch Gleichsetzung der anderung der potentiellen Energie von Epot = G h mit der W armezuf uhrung (Q = ci mi T ) des mit der Schaufel und Fl ussigkeit gef ullten Gef aes, konnte er den W arme aquivalent bestimmen. Der Index i symbolisiert hier die Komponenten des Messger ates, also z.B. i=1 ist f ur die Masse und die spezische W arme der Fl ussigkeit, i=2 f ur die Masse und W armekapazit at der Schaufel und i=3 f ur die Masse und W armekapazit at des inneren, isolierten Teil des Gef aes da. Die Messungen von Joule f uhrten auf den gleichen Ergebnis, den Mayer durch seine theoretische u berlegung erhalten hat. In den weiteren Abschnitten werden wir f ur die Einheit der W armemenge die SI-Einheit, die Joule [J ] anwenden. 164

7.4.2

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik

Dieser Hauptsatz ist die mathematische Formulierung der Erhaltung der Energie. Da wir in dem vorigen Abschnitt gesehen haben, dass dieW arme eine Form der Energie ist, k onnen wir die Erhaltung der mechanischen Energie f ur die W arme erweitern. Wir sagten im Abs. MECHANIKA fejezet.ENERGIA.., dass die innere Energie eines Systems (U), bestehend aus der potentiellen und der kinetischen Energie seiner Teilchen, kann durch Zuf uhrung der Arbeit ausserer oder innerer Kr afte erh oht werden. Das m ussen wir also erweitern. Sie kann also entweder u aueren und/oder der inneren ber die Arbeit der Kr afte oder aber auch u arme ubergabe erreicht werden. Mathematisch: ber die W U = Q + W wobei
U die anderung der inneren Energie des Systems ist; Q die aufgenommene (+) oder die abgegebene (-) W arme ist; W die mechanische Arbeit ist, die durch das System aufgenommen (+) oder geleistet (-) wird.

Das ist der erste Satz der Thermodynamik. Das Gesetz wurde zuerst durch Clausius (1882-88) f ur die mechanische Arbeit (W = pV ) formuliert: Die Energiezunahme eines Systems kann nur entweder durch zugef uhrten mechani schen Energie oder zugef uhrten W arme ereicht werden. Diese Aussage ist eine Erfahrungstatsache. Sie kann nicht mathematisch bewiesen werden. Eine andere Formulierung des ersten Hauptsatzes ist: Es gibt keine Perpetuum mobile erster Art. Um diese Aussage v ollig verst andlich zu machen, m ussen wir die Perpetuum mobile erster Art denieren. Sie ist eine der gr oten Wunschtr aume der Menschheit. Sie sollte so funktionieren, dass sie w ahrend des Betriebes neben der gelieferten Arbeit noch gen ugend Energie f ur sich selber, f ur die fortlaufende Funktion produzieren w urde. Damit k onnte es erreicht werden, dass das Ger at ewig l auft. Das ist aber dem ersten Hauptsatz grob widersprechend. Das w urde n amlich bedeuten, dass die innere Energie eines Systems ohne Zufuhr irgendwelcher aueren Energiearten steigen konnte. 7.4.2.1 Die Anwendung des ersten Satzes fu r ideale Gase

F ur ideale Gase die Arbeit, die das System gegen dem a ueren Druck (p) bei innitesimaler anderung des Volumens um dV leistet, ist durch dW gegeben, wobei: dW = pdV. 165

Daraus k onnen wir den ersten Hauptsatz f ur ein ideales Gas formulieren: dU = dQ pdV. Man kann aus dieser Gleichung den Zusammenhang zwischen den Zustandsgr oen p, V, und T f ur spezielle Prozesse entnehmen. Isotherme Prozesse (T=Konstante) Die innere Energie des Gases h angt nur von der Temperatur ab. Jedoch, die Temperatur beim isothermen Prozess konstant ist. Daher dU = 0, damit: dQ = pdV. Die zugef uhrte W arme wird v ollig in mechanische Arbeit umgewandelt. Die Arbeit eines Systems f ur 1 mol Substanzmenge bei isothermer Ausdehnung ist:
V2 V2

W =
V1

p dV = R T
V1

V2 V1 dV = R T ln = R T ln . V V1 V2

Diese Arbeit ist in der Abbildung der p-V Kurve die Ober ache zwischen zwei Volumenwerte V unterhalb der Isothermen in Abb. 7.2. Isochore Prozesse (V=Konstante) Falls V ist eine Konstante, dann ist in dem ersten Hauptsatz:pdV = 0, und damit: dU = dQ = cV m dT, oder f ur einen Mol: dU = dQ = CV dT. Die zugef uhrte W armemenge wird vollst andig in innere Energie umgewandelt. Die spezische Molw arme bei konstanten Volumen kann also auch mit der inneren Energie aufgeschrieben werden: U CV = T V Isobare Prozesse (p=Konstante) 166

In diesem Fall lautet der erste Hauptsatz: dQ = dU + p dV = cp m dT, oder f ur ein Mol Substanzmenge: dQ = dU + p dV = CP dT. Man kann eine neue Zustandsgr oe, die Enthalpie einf uhren. Die Denition der Enthalpie ist: H = U + p V, und damit ist die anderung der Enthalpie: dH = dU + p dV + dp V = dQ + V dp. Dadurch kann der erste Hauptsatz mit der Enthalpie f ur isobaren Prozesse als: dH = dU + p dV = dQ geschrieben werden. Bei isobaren Prozessen ist also die Enthalpiezunahme gleich der zugef uhrten W armemenge. Die spezische Molw arme beim konstanten Druck lautet also: Cp = Adiabatische Prozesse (dQ=0) In diesen Prozessen kann keine W arme mit der Umgebung ausgetauscht werden. Sie treten in der Natur bei schnellen Druck-/Volumen anderungen oft auf. Zum Beispiel der schnelle Zusammendruck der Luft in einer Fahrradpumpe kann als adiabatisches Prozess betrachtet werden. Mathematisch heit das: dQ = 0. Daher, die ganze zugef uhrte Arbeit l asst die innere Energie des Gases steigen: dU = p dV. Wir k onnen also feststellen, dass bei einem adiabatischen Zusammendruck eines idealen Gases die zugef uhrte Arbeit wird in innere Energie umgewandelt. Also f ur ein ideales Gas ist: dU = m cV dT. 167 H T .
p

F ur die molare Menge: dU = CV dT Der erste Hauptsatz f ur Idealgase ist also : dQ = 0 = dU + p dV, dU = CV dT = p dV Von der Zustandsgleichung: pVM = R T folgt: p=

RT . VM

Setzen wir diesen Druck in der Ausdruck der inneren Energie anderung (dU): CV dT = R T dV , VM

CV dT dV = R , T VM CV d ln T = R d ln VM . Nehmen wir an, dass die Zustandsgr oen am Anfang des Prozesses TA und VM,A , am Ende TE und VM,E waren! Damit liefert die Integration: ln R VM,A TE = ln . TA CV VM,E

F uhren wir den Quotient der Molw armen ein: = CP , CV

und n utzen wir aus dass der Dierenz der Molw armen ist R: CP CV = R, CP CV R CP 1= = . CV CV CV Damit kann die logarithmische Gleichung wie folgt geschrieben werden: 1= ln TE VM,A = ( 1) ln , TA VM,E

168

Und nach Au osung der Logarithmen: TE = TA VM,A VM,E


(1)

Das Volumen einer beliebigen Menge von einem idealen Gas k onnen wir mit dem Molvolumen ausdr ucken: V = VM . Daher f ur eine beliebige Menge von einem idealen Gas ist:VA = VM,A und VE = VM,E , und damit ist der Ausdruck f ur die Quotienten der Temperaturen und der Volumen f ur beliebigen Gasmengen g ultig: TE VA (1) = . TA VE Diese Gleichung ist also f ur jede T,V Wertpaare w ahrend des adiabatischen Prozess eines idealen Gases g ultig, also:
1 1 TE VE = TA VA = T V 1 = Kons tan te.

Diese Gleichung ist erste Poissonsche Gleichung oder auch Adiabatengleichung. E ) von der GasgleiSetzen wir in die Gleichung der Quotienten der Temperaturen ( T TA chung: V / p ein: p = T = VM R R TE V E pE R VA = = TA R V A pA VE pE VA = pA VE
() (1)

Daher erhalten wir die zweite Poissonsche Gleichung oder Adiabatengleichung: p V = Kons tan te. Die Kurve im p-V Diagram ist in der Abb. 7.10

169

Abb. 7.10: Die Adiabate ist steiler als die Isotherme in dem p-V Diagramm.

7.4.3
7.4.3.1

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, Kreisprozesse


Die qualitative Formulierung des zweiten Hauptsatzes

Im vorigen Abschnitt haben wir die quasistation aren thermodynamischen Umwandlungsprozesse in Hinsicht des ersten Hauptsatzes, n amlich der Energieerhaltung untersucht. In den weiteren wollen wir einerseits die Umwandlungsrichtungen dieser Prozesse darunter die nat urliche, die von alleine ablaufen - studieren. Anderseits m ochten wir auch feststellen, wie groe Anteil der W arme u berhaupt in mechanische Arbeit umgesetzt werden kann. Umgekehrt ist die Sache klar, n amlich die ganze zugef uhrte mechanische Arbeit kann in W arme gewandelt werden. Bei der Beantwortung dieser Fragen m ussen wir uns auf die folgende Erfahrungstatsache st utzen: W arme iet von selbst nur von w armeren zum k alteren K orper, und nie in umge kehrter Richtung. Das ist die qualitative Formulierung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik (Clausiussche Axiom, 1850). In den weiteren werden wir die Folgen dieser Aussage f ur Kreisprozesse untersuchen. 7.4.3.2 Der Carnotsche Kreisprozess

Unter Kreisprozesse verstehen wir eine Reihe von thermodynamischen, quasistation aren Prozesse, die am Ende auf die gleiche Zustandsgr oen von T,p,V f uhren, die am Anfang vorhanden waren. Falls ein Kreisprozess in beide Richtungen ablaufen kann, dann nennen wir ihn reversibel. In der makroskopischen Welt sind diese Prozesse immer theoretische Grenzf alle der wirklichen Kreisprozesse, die eigentlich immer irreversibel sind. 170

Abb. 7.11: Der Carnotsche Prozess besteht aus zwei Adiabaten und zwei Isothermen Carnot hat in 1824 einen solchen reversiblen Kreisprozess angegeben. Der Carnotsche Prozess besteht aus 4 Schritten (siehe Abb. 7.11): 1. isotherme Expansion von (1) zu (2); 2. adiabatische Expansion von (2) zu (3); 3. isotherme Kompression von (3) zu (4); 4. adiabatische Kompression von (4) zu (1). Nach dem Ablauf des Kreisprozesses bendet sich das Gas im Ausgangszustand (p1 ,V1 ,T1 ) . Im Schritt 1 (aufgrund des ersten Hauptgesetzes) ist T eine Konstante, daher dQ = pdV ist. Das Gas nimmt Q1 W arme von einem W armereservoir auf, und gibt W1 Arbeit ab. Mit Zahlen:
V2

Q1 = W12 =
V1

2 p dV = R T1 ln V , (>0), V1

wobei, W12 ist positiv, also Arbeit von dem System geleistet (abgegeben) wurde. uhlen Im Schritt 2 wird das Gas von der Umgebung isoliert und dabei wird es sich abk und expandieren, wobei dQ = 0 ist. In diesem Schritt wird auf Kosten seiner inneren Energie das Gas Arbeit leisten, also die Arbeit ist : W23 = U (T1 ) U (T2 ) ., (>0). Sie soll bei der Energiebilanz wieder positiv in Acht genommen werden. Im Schritt 3 wird das Gas mit einem niedrigeren W armereservoir der Temperatur von T2 in Kontakt gebracht und dabei erlitt das Gas eine isotherme Kompression. W arme wird durch das Gas abgegeben: 171

Q2 =

V4 V3

V4 = W34 , (<0). p dV = R T2 ln V 3

Der Wert soll negativ in der Bilanz stehen. Im schritt 4 wird das von der Umgebung abisolierte Gas sich komprimieren lassen, wobei die mechanische Arbeit l asst sich in der Erh ohung der inneren Energie manifestieren: W41 = U (T2 ) U (T1 ) ., (<0). Es ist zu sehen, dass die im Schritt 2 geleistete Arbeit ist gleich der beim Schritt 4 eingesteckten Arbeit. Damit k onnen wir diese bei der Bildung der Energiebilanz auslassen. Nun kann die geleistete Nettoarbeit des Carnotschen Kreisprozesses durch die zwei isothermischen Prozesse berechnet werden: W = Q1 Q2 = R T1 ln V4 V2 + R T2 ln . V1 V3

Auf der anderen Seite k onnen wir von Schritt 2 (adiabatische Ausdehnung) durch Vergleich der Zustandsgr oen in (2) und (3): T1 V21 = T2 V31 , und von dem Schritt 4 durch Vergleich der Zustandsgr oen in (4) und (1): T1 V11 = T2 V41 erhalten. Damit nach Division der Gleichungen: V2 V3 = , V1 V4 und schlielich: ln Damit ist die Nettoarbeit: W = R T1 ln V2 V2 V2 R T2 ln = R (T1 T2 ) ln . V1 V1 V1 V2 V4 = ln . V1 V3

Falls wir eine solche Maschine bauen k onnten, die gem a dem Carnotschen Prozess arbeiten w urde (nennen wir sie hypothetische Carnot-Maschine), dann w are diese eine ideale W armekraftmaschine, die Q1 W armemenge aufnehmen und W Arbeit leisten w urde. Sein Wirkungsgrad w are also:
V2 R (T1 T2 ) ln V W T1 T2 1 C = = = . V2 Q1 T1 R T1 ln V1

172

Es kann die eingesteckte W arme im Carnotschen Kreisprozess nicht ganz in mechanische Arbeit u bersetzt werden. Der Wirkungsgrad steigt mit der Temperaturdierenz, aber bleibt theoretisch immer unter 1 (100%). Es kann eingesehen werden, dass es keine andere Maschine gibt, deren Wirkungsgrad h oher als der der Carnotschen Maschine ist. (f ur Beweis siehe z.B.[1]). Das ist das Carnotsches Gesetz. Der Carnotsche Prozess ist reversibel. Lassen wir die Schritte des Carnotschen Kreisprozess in umgekehrter Folge ablaufen! In diesem Fall w urde die hypothetische Maschine W arme von einer k uhleren Stelle (Reservoir T2 ) auf eine w armere (Reservoir T1 ) transportieren (W armepumpe, oder ideale K uhlmaschine). Vergessen wir nicht, dass solche Prozesse wegen dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik - von sich selber nicht ablaufen k onnen. Dementsprechend braucht die hypothetische, umgekehrt wirkende Carnotsche Maschine auch Energie dazu, und zwar: W = R (T1 T2 ) ln V2 . V1

Die G ute solcher Maschinen kann als Quotient der f ur die Erh ohung der Temperatur genutzten Energie (W armemenge von Q1 ) bezogen auf die eingesteckte Arbeit (W) deniert werden: Q1 T1 = = . W T1 T2 Es kann auch eingesehen werden, dass alle reversible W armekraftmaschinen haben den gleichen Wirkungsgrad als der Carnotsche Kreisprozess, und dass all die anderen, irreversiblen Prozesse haben kleinere. Der Wirkungsgrad der W armekraftmaschinen ist also: = W Q1 Q2 T1 T2 = C = , Q1 Q1 T1

wobei - der Wirkungsgrad einer beliebigen Kreisprozess, und -C der Wirkungsgrad des Carnotschen Kreisprozess ist. 7.4.3.3 Die Entropie

Um den zweiten Hauptsatz der W armelehre auch quantitativ formulieren zu k onnen, m ussen wir eine neue Zustandsgr oe, die Entropie einf uhren. Betrachten wir dazu den Carnotschen Kreisprozess! W arme kann nur auf den Isothermen auf- bzw. abgegeben werden. F ur diese Strecken sind g ultig:
Q1 T1 V2

=
V1

2 p dV = R ln V , und V1

Q2 V4 = R ln . T2 V3 173

V2 4 = ln V , und damit Aber ln V V3 1

Q1 Q2 + = 0. T1 T2 F ur ein irreversible Prozess ist: Q1 Q2 + < 0. T1 T2


Q ist reduzierte W arme genannt. Daher f ur die Kreisprozesse kann die SumDie Gr oe T me der reduzierten W arme nicht positiv sein. Diese Aussage kann verallgemeinert werden. Falls n amlich von den T 1 , T2 , . . . Tn W armereservoiren Q1 , Q2 , . . . Qn W armemengen aufgenommen werden, kann die Summe der reduzierten W armen f ur einen Kreisprozess nicht positiv sein (Clausius):

Qi 0. i=1 Ti Im Grenzfall ist dQ 0 T


dQ T B A

g ultig. Nehmen wir jetzt einen reversiblen Kreisprozess! Daf ur ist:

= 0. Bilden wir zwidQ . T

schen zwei Zust ande (A und B) des Kreisprozesses den Ausdruck:

Oensichtlich ist

dieser Integral von dem Weg ( uber welche Zust ande wir von A zum B gekommen sind) dQ unabh angig (sonst w urde T = 0 f ur den weg ABA nicht g ultig sein), also h angt nur von dem Anfangs- und von dem Endpunkt ab:
B

dQ = S (B ) S (A) , T

wobei S eine Funktion der Zustandsgr oen ist. S selber eine Zustandsfunktion ist, genannt Entropie: P dQ J . S (P ) = T K
P

F ur ein reversibles Kreisprozess (ABA) ist die anderung der Entropie also 0.

174

7.4.3.4

Das Prinzip der Erh ohung der Entropie

F ur irreversible Prozesse ist:

dQ < 0. T Nehmen wir an, dass der Zustand eines thermodynamischen Systems durch einen irreversiblen Prozess vom A zum B, und danach durch einen reversiblen Prozess vom B zum A sich ge andert hat. Da eine Strecke irreversibel war, k onnen wir nach Clausius:
B

dQ + T

dQ <0 T

schreiben. Das zweite Glied ist aber aufgrund der Denition der Entropie: S (A) S (B ). Daher
B

S (B ) S (A) >
A

dQ , T

wobei auf der rechte Seite der Gleichung eine reduzierte W ar-

me anderung w ahrend eines irreversiblen Prozesses steht. Nehmen wir jetzt an, dass das System geschlossen ist, also kein W armeaustausch zwischen dem System und seiner Umgebung vorhanden ist: Q = 0. Damit ist aber S (B ) S (A) > 0. Mit Worten: W ahrend einer Zustands anderung in einem geschlossenen thermodynamischen Sys tem kann die Entropie h ochstens konstant bleiben (reversibler Prozess) oder sonst steigen (irreversibler Prozess). 7.4.3.5 Bestimmung der Entropie anderung w ahrend der quasistation aren, reversiblen Prozesse idealer Gase

Falls ein ideales Gas w ahrend eines reversiblen Prozesses eine dQrev W armemenge gem a des ersten Hauptsatzes der Thermodynamik aufnimmt, kann diese Gr oe als: dQrev = dU + p dV geschrieben werden. Bilden wir die innitesimale anderung der Entropie f ur diesen reversiblen Prozess, dU +pdV rev = . und erhalten wir: dS = Q T T F ur ein Mol eines Idealgases ist: T dU = CV dT, und p = RV . Daher erhalten wir f ur die Entropie: dS = CV Integrieren wir diesen Ausdruck: S2 S1 = CV ln 175 T2 V2 + R ln . T1 V1 dT dV +R T V .

Dieser Ausdruck kann f ur die isobare anderung der Entropie direkt angewendet werden: Sisobar = CV ln T2 V2 + R ln . T1 V1

F ur die isochore anderung ist V = 0 g ultig. Also falls wir in dem Ausdruck von V2 T2 + R ln die vorigen Bedingungen in Acht nehmen, erhalten S2 S1 = CV ln T V1 1 wir: T2 Sisochor = CV ln . T1 Durch CV = Cp R ist die Entropie anderung ist auch : p1 p2 T2 2 Sisochor = CP ln T R ln g ultig und mit T =T erhalten wir auch: T1 T1 1 2 Sisochor = CP ln F ur isotherme Prozesse ist letztendlich: Sisotherm = Q V2 = R ln . T V1 T2 p2 R ln . T1 p1

176

Kapitel 8 Kinetische Gastheorie


Die kinetische Gastheorie, die in der zweiten H alfte des 19 Jahrhunderten entwickelt wurde, leitet alle Eigenschaften eines Gases von der ungeordneten Bewegung und Wechselwirkungen (St oe) der einzelnen Gasmolek ule ab.

8.1

Das Modell der idealen Gase

Das Gas besteht aus Atomen oder Molek ulen, die sich wie kleine starre Kugeln verhalten. Ihre Radien und Massen sind r0 und m. Sie haben solange keine Wechselwirkungen miteinander, bis sie nicht miteinander stoen. Diese St oe sind vollkommen elastisch. Also Impuls und Energieerhaltung sind bei den St oen g ultig. Die Geschwindigkeiten der Teilchen sind statistisch verteilt. Ideal ist ein Gas, wenn der mittlere Abstand zwischen den Gasmolek ule ist viel gr oer als r0 . Dementsprechend kann das Gesamtvolumen der Teilchen gegen uber dem, von dem Gas (Beh alter) vernachl assigt werden.

8.1.1

Der Druck

Der Druck entsteht durch St oe der Teilchen mit der Wand, durch Impuls ubergabe. Ausnahmeweise werden wir hier den Druck mit P und den Impuls mit p symbolisieren. Der Druck auf die Wand ist also: 1 d pi . P = A dt Denieren wir die Molek ulzahldichte (n) als Zahl der Molek ule (N) pro Volumen (V) : N n= . V Betrachten wir das Wandelement, das senkrecht zu der X-Achse steht, und die Fl ache von A besitzt. Jedes Molek ul u agt den Impuls von bertr px = 2 m vx 177

auf die Wand ache (Siehe Abb. 8.1). Man darf nicht vergessen, dass im Gas alle m oglichen Geschwindigkeiten vorkommen k onnen. Nehmen wir zuerst an, dass wir die Geschwindigkeiten in diskrete Bereiche einstufen k onnen.

Abb. 8.1: Impuls ubergabe der Teilchen an die Wand

Tabelle 8.1: Die diskrete Verteilung der Molek ule, die verschiedene Geschwindigkeitskomponente in Richtung X haben und ihre Beitrag zu dem Druck. v n P v2 vN,x nN,x 0 2 v N,x ... ... ... ... vi,x ni,x 0 2 v i,x ... ... ... ... 0 n0,x 0 0 v1,x n1,x 2 2m n1,x v1 ,x 2 v1 ,x ... ... ... ... vi,x ni,x 2m ni,x vi,x 2 vi,x ... ... ... ... vN,x nN,x 2 2m nN,x vN,x 2 vN,x

Gem a der Tabelle 8.1, k onnen wir die Verteilung der Geschwindigkeiten charakterisieren. In der ersten Reihe sind die m ogliche Geschwindigkeiten, darunter die Dichte der Molek ule. Nun bestimmen wir die Zahl der Molek ule, die die Geschwindigkeiten von vi,x haben und die vorher denierten Fl ache in t erreichen und anstoen k onnen. Die Zahl dieser Molek ule ist genau so viel wie die Zahl der Molek ule in einer S aule, deren Volumen A vi,x t betr agt (siehe Abb. 8.1): Also: zi,x = ni,x A vi,x t (i 0) Die Impuls ubertragung von diesen Molek ulen ist: pi,x = ni,x A vi,x t 2 mvi,x , und ihr Druckanteil betr agt dann: Pi,x = pi,x 2 = 2m ni,x vi,x t A .

Diese Werte sind in der dritten Reihe der Tab. 8.1 dargestellt. Zu der Bestimmung des Druckers m ussen wir alle Glieder in der 4. Reihe der Tabelle 8.1 summieren. Nur diejenige 178

Molek ule bringen zum Druck bei, die positive Geschwindigkeitskomponente in Richtung x haben. Wegen der statistisch gleichm aigen Verteilung ist ni,x = ni,x g ultig. Damit:
N

P =

P =
i=0 N

2 m ni,x

2 vi,x

1 N 2 2mni,x vi,x = = 2 i=N


N 2 ni,x vi,x i=N

=
N

2 =m m ni,x vi,x

Auf der andere Seite, die Summe der partialen Dichten (ni,x ) ist die Dichte der Molek ule im Beh alter:
N

n=
i=N

ni,x

Erweitern wir den Ausdruck f ur P mit n: m P =


N i=N N 2 ni,x vi,x

n. ni,x

i=N

Der Quotient der Summen ist nichts anderes als der durchschnittliche Wert der x 2 Komponenten der Geschwindigkeitsquadrate: vx :
N 2 vx = N 2 ni,x vi,x N N

. ni,x

Also f ur den Druck erhalten wir:


2 P = m n vx .

Einerseits nehmen wir in Acht, dass der Druck v ollig isotrop:


2 2 2 P = mn vx = mn vy = mn vz

anderseits, dass f ur die Geschwindigkeit 2 2 2 v 2 = vx + vy + vz immer g ultig ist. 1 2 2 2 2 Damit: 3 v = vx = vy = vz . N Mit der Dichte n = V ist der Druck schlielich P = N 1 m v2 V 3 179 .

F ur das Produkt p V erhalten wir: PV = N m 1 2 v 3 .

Durch die Einf uhrung der durchschnittlichen kinetischen Energie, EKIN = 1 m v2 : 2 2 P V = N EKIN . 3 Nun k onnen wir f ur die weitere Untersuchungen statt P wieder p f ur das Symbol des Druckes anwenden: 2 p V = N EKIN 3 wobei
p der Druck des idealen Gases ist; V das Volumen des idealen Gases ist; N die Gesamtzahl der Molek ule in Volumen V ist; EKIN die durchschnittliche kinetische Energie der Molek ule im idealen Gas ist.

8.2
8.2.1

Absolute Temperatur, Gleichverteilungssatz.


Die absolute Temperatur und die mittlere kinetische Energie

Im Kapitel 7 haben wir die Experimente zitiert, die zu der allgemeinen Gasgleichung f uhrten. pVM = R T wobei
p der Druck, T die Temperatur, VM das Molvolumen und R die universale Gaskonstante ist. F ur das Molvolumen eines idealen Gases die universale Gaskonstante betr agt:

180

R = 8, 315

J . mol K

Nehmen wir jetzt den Ausdruck f ur das Produkt des Druckes mit dem Volumen f ur 1 Mol Stomenge von dem vorigen Abschnitt: 2 p VM = NA EKIN , 3 wobei NA ist die Avogadro- Konstante, und vergleichen wir mit der vorigen Gleichung: 2 p VM = NA EKIN = R T 3 Daher erhalten wir f ur die mittlere kinetische Energie: EKIN = 3 k T, oder f ur die Temperatur: 2 B T = 1 2 EKIN . kB 3 .

In diesen Gleichungen N A die Avogadro-Konstante, und R die universale Gaskonstante R ist. Der Quotient kB = N ist auch eine Konstante, die BoltzmannKonstante genannt A wurde: J 8, 315 mol R 23 J K kB = . 1 = 1, 381 10 23 NA 6, 022 10 mol K Damit k onnen wir die Denition der Temperatur in der kinetischen Gastheorie angeben: T = 2 1 EKIN . 3 kB

Betrachten wir diese Gleichung von der Hinsicht der durchschnittlichen kinetischen Enerk T ), und nehmen wir in Acht, dass die Bewegung eines einatomigen gie ( EKIN = 3 2 B idealen Gases (in der kinetischen Gastheorie wurde das Gasatom als Kugel deniert worden) in drei Richtungen stattnden kann. Wir sagen, dass die Bewegung des Atoms hat 3 Freiheitsgrade. Von dem Durchschnittswert der kinetischen Energie des Atoms f allt also 1 1 auf eine Freiheitsgrade: EKIN,x = EKIN,y = EKIN,z = 3 EKIN = 2 kB T Energie. Das bedeutet, dass f ur ein Atom, das 3 Freiheitsgrade besitzt, auf jede Freiheitsgrade 1 k T 2 B Energie (in diesem Fall kinetische) f allt.

181

8.2.2

Freiheitsgrade und Gleichverteilungssatz ( aquipartitionsgesetz)

Molek ule k onnen nicht nur Translationsenergie haben, sondern auch Rotations- bzw. Schwingungsenergie. Erweitern wir unseres Modell des idealen Gases in sofern, dass wir den Molek ule (die als Kugel deniert waren) auer der Translation weiteren Bewegungsm oglichkeiten (Freiheitsgrade) zulassen, wobei die anderen Hypothesen f ur das ideale Gas (- die Wechselwirkungen k onnen nur bei den vollkommen elastischen St oen stattnden) aufrecht erhalten bleiben. In so einem idealen Gas, der sich im thermischen Gleichgewicht bendet (gen ugend lange auf einer bestimmten Temperatur gehalten wurde), verteilt sich die Energie auf die Freiheitsgraden der Teilchen (Atome oder Molek ule) gleichm aig. Also wenn die Zahl der f Freiheitsgraden ist f, dann: EKIN = 2 kB T Das ist der Gleichverteilungssatz, oder das aquipartitionsgesetz, das als Verallgemeinerung der Ergebnisse des vorigen Abschnittes entstand. Der experimentelle Beweis liegt in der Interpretation der W armekapazit ate.

8.2.3

Molare W armekapazit at der idealen Gasen.

Mit Hilfe von dem Gleichverteilungssatz k onnen wir die CV und CP Werte einiger Gase einsch atzen. Im Kapitel 7 haben wir gezeigt, dass die Molw arme eines idealen Gases bei konstanten Volumen kann mit der inneren Energie (U) aufgeschrieben werden: CV = U T .
V

Genauso haben wir gezeigt dass die Molw arme bei konstanten Duck betr agt: CP CV = R Setzen wir f ur U den Wert mit den Freiheitsgraden f ur das Molvolumen ein: U = NA EKIN = f NA kB T, 2

und damit die Molw arme bei konstanten Volumen betr agt: CV = U T =
V

f f kB NA = R, 2 2

und die Molw arme bei konstanten Druck iat: CP = CV + R = 182 f +2 R. 2

Abh angig von der Zahl der Atome im Molek ul k onnen wir die Zahl der Freiheitsgrade, und damit die entsprechende Molw arme angeben. In der Tab. 8.2 sind die Molw armen einiger theoretisch denierten Gasen (blau) und der experimentell ausgemessenen realen Gase dieser Typ (schwarz) angegeben. Man kann sehr gut sehen, dass f ur einatomige Gase J 3 aherung CV = 2 R 12, 47 molK ist, weil die Zahl der Freiheitsgrade ist 3. Mit guter Ann erf ullen diese Bedingung die Edelgase Helium und Argon. Ihre Molw arme bei konstantem Druck ist : F ur Sticksto und Sauersto sind die Freiheitsgraden 5. Neben der Translationsbewegung (3 Freiheitsgrade) kann das Molek ul sich auch rotieren. Die ergeben zus atzliche zwei Freiheitsgrade, weil die zus atzliche Energie der Rotation um die Achse, die u ber den zwei Atome durchl auft, kann vernachl assigt werden. Es k onnen also zwei Rotationsachsen frei gew ahlt werden, bei deren die Rotation zus atzliche Energie zu der Translationsenergie beibringt. Damit steigt die Zahl der Freiheitsgrade auf f unf. Deswegen ist 7 5 CV = 2 R 20, 79 undCP = 2 R 29, 1. Tabelle 8.2: Die Molare W armekapazit aten einiger theoretisch denierten (blau) und J realen Gase molK . Zahl der Atome 1 He Ar 2 O2 N2 3 CO2 N2 O Freiheitsgrade transl. rot. gesamt. 3 0 3 Cv 12,47 12,6 12,4 20,79 21,0 20,7 24,95 25,1 26,5 Cp 20,79 20,9 20,7 29,1 29,3 29,0 33,26 32,9 34,1 Cp-Cr Cp/Cr 8,32 8,3 8,3 8,31 8,3 8,3 8,31 7,8 7,6 1,67 1,66 1,67 1,4 1,4 1,4 1,33 1,3 1,29

Wir haben in dieser Tabelle die Freiheitsgrade, die von den inneren Schwingungen der Molek ule nicht in Acht genommen, weil diese Werte mit der kinetischen Gastheorie schon nicht mehr gut einsch atzen lassen.

183

8.3
8.3.1

Die Maxwell Boltzmannnsche Geschwindigkeitsverteilung.


Barometrische H ohenformel.

In der Lufth utte der Erde entsteht ein Schweredruck ( ahnlich wie im Wasser). Dieses Druck kann mit der Torricellischen R ohre gemessen werden (siehe Abb. 8.2).

Abb. 8.2: Torricellische R ohre. In der linken Seite ist der Druck quasi 0. h ist auf Meeresh ohe etwa 760 mm Unter normalen Wetterbedingungen zeigt die R ohre auf Meeresh ohe einen Druck von760 Hgmm = 760 T orr = 101 325 P a. Steigen wir mit unserer Messr ohre in die H ohe. Wir werden feststellen k onnen, dass der Druck f allt. Die Ursache ist, dass die Lufth utte u at in der Atmosph are ist immer kleiner. Bestimmen wir ber dem Messger jetzt die Funktion des Druckes mit der H ohe! Betrachten wir die Abbildung 8.3!

Abb. 8.3: Zu der Herteilung des barometrischen H ohenformel. 184

Das Gewicht der Gaskolumne, das auf einer Fl ache A wirkt, nimmt mit der H ohe ab. Anders gesagt, die Dichte der Atmosph are sinkt mit der H ohe. Bei einer h H ohe, ist der Druck p(h). Bei der H ohe h + h ist der Druck kleiner, also p (h + h) p (h). Die anderung des Druckes (P ) ist: p = p (h + h) p (h) = A h g mg = = g h A A

Wegen dem Boyle Mariotte Gesetz bei konstanter Temperatur: p wobei


m die Masse des Gases im Volumen V, die Dichte, und K eine Konstante ist.

m m = p0 = K, 0

Daher und

p p0 = . 0 = 0 p. p0 0 pg h. p0

Die anderung der Druckes ist: p = g h =

Separieren wir P und h: 0 P = P g h. Wir haben f ur die Abh angigkeit des Druckes mit der H ohe die P 0 folgende Dierentialgleichung erhalten: dp 0 = g h. p p0 Jetzt kann diese Gleichung integriert werden: np= Durch die Grenzbedingung: p (h = 0) = p0 ist: n p0 = C, und daher 185 0 gh p0 +C .

p (h) = p0 e p0 g ultig. F ur die Dichte erhalten wir

0 g h

p p0

0 gh p0

(h) = 0 e

kg F ur Luft 1, 24 m und p0 (1013 hP a) ist die Formel 3

p = p0 e 8,33[kM ] . Kehren wir zur uck zu der vorigen Gleichung der Dichte und erweitern wir den Exponenten mit der Masse von einer mol Gasmenge: = 0 e

0 g h M M P0

= 0 e wo

M g h p V

0 M

VM ist das Molvolumen von einer mol Gasmenge, deren Masse ist M.

Der Nenner der Exponenten ist: p0 Vm = R T = NA kB T wo


NA die Avogadro-Zahl, kB die Boltzmann-Konstante ist.

= 0 e Der Quotient
M ist aber NA mg h k T
Epot

g h NM k T A B

nichts anderes als die Masse der Gasteilchen (mT ) ist. Damit

(h) = 0 e B = 0 e kB T ist. Dividieren wir die Gleichung mit mT und erhalten wir mit die Teilchenzahldichte auf beide Seite E pot n (h) = n0 e kB T . Die Teilchenzahldichte f allt also mit der potentiellen Energie exponentiell ab.

186

8.3.2

Das Konzept der Geschwindigkeitsverteilung

Wie wir es vorher in der Tabelle an einem Beispiel gezeigt haben, die Teilchen in einer gegebenen Gasvolumeneinheit k onnen aufgrund ihrer Geschwindigkeitsgr oe in Bereiche eingestuft werden. In einem Bereich, zwischen vi und vi + v soll die Anzahl der Teilchen ni sein. Je kleinere Geschwindigkeitsbereiche gebildet werden, desto genauer k onnen wir die Zahl der Teilchen angeben, die etwa die gleichen Geschwindigkeiten besitzen. Die ni , vi Zahlenpaarreihe charakterisiert die Geschwindigkeitsverteilung der Teilchen. Die Summe der ni Reihe ist die Gesamtzahl der Teilchen in der gefragten Volumeneinheit, also die Teilchendichte: N. Wenn wir eine andere, feinere Aufteilung der Geschwindigkeitsgr oe denieren, andert sich diese Summe nicht. Normieren wir jedes Glied der Reihe mit der i , deren Summe 1 ist. Nehmen wir Dichte der Teilchen, dann erhalten wir eine Reihe n N i jetzt die Funktion, deren Denitionsbereich durch vi und deren Wertebereich durch n N gebildet worden ist, wobei die Aufteilung der Geschwindigkeitsachse innitesimal klein (v 0) ist. Diese Funktion ist: ni = f (v ) . N Sie ist Verteilungsdichtefunktion der Geschwindigkeitsverteilung genannt. ni = N f (v ) gibt die Teilchendichte der Teilchen an, deren Geschwindigkeit zwischen v und v+dv

liegt. F ur die Dichtefunktion ist dann g ultig:

f (v )dv = 1.

Auer der Geschwindigkeitsgr oe k onnen wir die Verteilung nach der z- Komponentengr oe n (vz ) oder nach der Gr oe des Quadrates der Geschwindigkeit n (v 2 ) auch bilden. In diesem Fall ist der Denitionsbereich: (0, ).

8.3.3

Die Verteilung fu r die Komponenten der Geschwindigkeit

Bestimmen wir die Geschwindigkeitsverteilung eines Gases im Schwerefeld der Erde. Dazu nehmen wir eine S aule vom Gas und betrachten wir die z-Komponente der Geschwindigkeit ihrer Molek ule. Mit Hilfe des Konzeptes der Verteilungsdichtefunktion k onnen wir die Anzahl der Teilchen pro Volumen, deren Geschwindigkeiten zwischen vz und vz + dvz liegen, angeben:n f (v z ) dvz , wobei n ist die Dichte. Von der Teilchen, die sich im Moment auf der H ohe 0 h dz aufhalten, k onnen nur diejenige die H ohe z h z + dz erreichen, deren Geschwindigkeit vz erf ullt die Energiegleichung: 1 2 mv = mgz. 2 z Die Anzahl dieser Molek ule ist: dn = n (0) f (v z ) dvz 187

Von der H ohe z h z + dz erreichen diejenige Teilchen die H ohe 0 h dz , deren Geschwindigkeit 0 ist. Die Anzahl dieser Teilchen ist: dn = n (z ) f (0) dvz Die S aule soll sich im Gleichgewicht benden. Deswegen soll die Zahl der aufw arts und abw arts iegenden Teilchen zwischen den S aulchen gleich sein: dn = n (0) f (v z ) dvz = n (z ) f (0) dvz = dn , n (0) f (v z ) = n (z ) f (0) N utzen wir die barometrische H ohenformel: n (z ) = n (0) e aus, und erhalten wir: n (z ) mgz = f (0) e kB T . n (0) Wir k onnen die potenzielle Energie mit der kinetischen im Exponenten ersetzen: f (v z ) = f (0) f (v z ) = K e
2 k
1 mv 2 z BT mgz k T B

wobei f(0)=K eine Konstante ist. Die Verteilungsfunktion ist von z und g unabh angig, also kann f ur die x und y Richtungen angewendet werden. Es spielt also keine Rolle, dass wir sie in dem homogenen

Potentialfeld der Erde bestimmt haben. F ur die Verteilungsfunktion ist

f (v )dv = 1

g ultig, so m ussen wir die K Konstante so w ahlen, dass diese Bedingung erf ullt wird. Dadurch die Funktion ist: 1 mv 2 z m 2 e kB T , f (v z ) = 2kB T eine symmetrische Gauverteilung, die in Abb 8.4 dargestellt ist.

Abb. 8.4: Die Verteilungsfunktion f ur die Geschwindigkeitskomponente vx . 188

Wir haben es schon erw ahnt, dass die Verteilung f ur jede Komponente die Gleiche ist. Die Verteilungsfunktion ist mathematisch her gesehen eine Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion. Deswegen, wenn wir jetzt die f (v) Funktion, also die Verteilung der Teilchen gem a ihren Geschwindigkeitsvektor: v = [vx , vy , vz ], bilden wollen, brauchen wir nur die einzelne Verteilungsdichtefunktionen f ur die Komponente miteinander multiplizieren, weil die Koordinatenwahl einer Molek ule von der anderen zwei unabh angig ist. (Wenn die Wahrscheinlichkeit der gleichzeitigen Eintretung unabg angiger Ereignisse gefragt wird, dann sollen die Wahrscheinlichkeiten der einzelnen unabh angigen Ereignisse multipliziert werden.) Die Verteilungsfunktion f ur v ist also: m f (v) = 2kB T 3/ 2 e

1 mv 2 z 2 kB T

8.3.4

Die Maxwell-Boltzmannsche Geschwindigkeitsverteilung

Wenn die Verteilung der Teilchen nach der Gr oe der Geschwindigkeit gefragt wird, k onnen wir den folgenden Ausdruck herleiten: m n (v ) dv = n 2kB T 3/ 2 4v 2 e
2 k
1 mv 2 z BT

Das ist die Dichtefunktion der Maxwell-Boltzmannsche Geschwindigkeitsverteilung. Um diese zu erhalten sollten wir die gleich langen Geschwindigkeitsvektoren im (vx , vy , vz ) Geschwindigkeitsraum (siehe Abb. 8.5) zusammenz ahlen, und diese Zahl mit der f(v) Verteilungsdichtefunktion und mit der Dichte multiplizieren.

189

Abb. 8.5: Der Geschwindigkeitsraum besteht aus kleinen W urfeln dxdydz, und n(v) gibt die Anzahl der Teilchen an, die sich im W urfel um der Spitze von v sich benden Die Geschwindigkeitsvektoren gleicher L ange (v vi v + dv ) sind in der Kugelschale, die durch v und v + dv charakterisiert ist (siehe Abb. 8.6). Ihre Anzahl die Zahl der W urfeln dxdydz, die in der Schale zu nden sind, also es ist das Volumen dieser Schale: N = 4v 2

190

Abb. 8.6: Die Spitze der gleich langen Geschwindigkeitsvektoren (v) sind in der Kugelschale, die durch v und v+dv charakterisiert werden kann. Die Zahl dieser Vektoren ist das Volumen der kompletten Kugelschale. Die Maxwell-Boltzmannsche Geschwindigkeitsverteilung ist stark temperaturabh angig (siehe Abb. 8.7)

191

Abb. 8.7: Die M-B Geschwindigkeitsverteilung bei verschiedenen Temperaturen Die Dichtungsfunktion ist asymmetrisch. Wir k onnen mit drei typischen Werten die Verteilung charakterisieren: BT ; wahrscheinlichste Geschwindigkeit :vmax = 2km
kB T mittlere Geschwindigkeit: v = 8 ; m BT Mittlere Geschwindigkeitsquadrat: v 2 = 3km . Ihre Position in der Verteilungsfunktion ist in der Abb. 8.8 dargestellt.

Abb. 8.8: Die relative Position der charakteristischen Werte vmax , v und v 2 in der Maxwell-Boltzmannsche Verteilung

192

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