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Subjektdiskussion als Bedingung für die Entstehung einer digitalen Autobiographie?

 

 

Buch “Wir verschwinden” von Miriam Meckel (Bild: Sven J. Koblischek)

Wer sind wir? Woher kommen wir? “Was ist der Mensch?”1 und – noch einmal anders gefragt – “(…) wozu ist er bestimmt?”2. All diese Fragen beschäftigen uns seit der Antike immer wieder in verschiedenen Kontexten, ganz gleich, ob auf philosophischer, gesellschaftlicher oder historischer Ebene. Aber ist bei der Stellung dieser Fragen das menschliche Individuum nicht allein das Objekt der Untersuchung, sondern zugleich auch das Subjekt? Wenn die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel mit dem Titel “Wir verschwinden”3 von einem ihrer Essays Vermutungen anstellt, dass das menschliche Individuum im 21. Jahrhundert als solches, wie wir es kennengelernt und definiert haben, in der digitalen Welt (mehr oder weniger) verloren gehe, spricht sie nicht dann von dem menschlichen Individuum als Subjekt?

Ohne Zweifel sind die zu Beginn gestellten Fragen jene Fragen, welche zur Erstellung einer Autobiographie gehören und vermutlich auch zur Erstellung einer digitalen Autobiographie, welche – so die Hypothese der Master Thesis “Autobiographisches im Netz” – durch einen Blog oder ein E-Portfolio dargestellt werden kann. Denn wenn es beim Verfassen einer Autobiographie darum geht, dass das Besondere des jeweiligen Selbst dem Allgemeinen gegenübergestellt wird, so dass – mit anderen Worten gesagt – eine (autobiographische) “lebensgeschichtliche Erzählung” den “Menschen in der Welt und im Verhältnis zu anderen Personen”4 situiert, dann sind Begriffe, denen das “selbst” immanent ist, wie bspw. Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung, oder Selbstreflexion nicht fern5. Da auch diese Termini immer wieder im Rahmen von Subjekttheorien auftauchen6, ist es unvermeidlich, vor der Thematisierung einer digitalen Autobiographie eine Subjektdiskussion zu führen – eine Subjektdiskussion als Bedingung für die Eröffnung einer Diskussion um die digitale Autobiographie.


1 Vgl. hierzu den Brief von Immanuel Kant an Carl Friedrich Stäudlin in: Kant, Immanuel 1921: Werke. Briefe von und an Kant. Teil 2. Hrsg. von Ernst Cassirer. Berlin: Cassirer.

2 Sack, August Friedrich Wilhelm 1773: Vertheidigter Glaube der Christen. Fünftes Stück. Band 2. Berlin: Haude und Spener. S. 390.

3 Meckel, Miriam 2013: Wir verschwinden. Der Mensch im digitalen Zeitalter. Zürich: Kein & Aber.

4 Laferl, Christopher F. / Tippner, Anja 2016: Texte zur Theorie der Biographie und Autobiographie. Hrsg. v. dies. Stuttgart: Reclam. S. 9 f.

5 Vgl. hierzu auch Thomä, Dieter 2015: Erzähle dich selbst. Lebensgeschichte als philosophisches Problem. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

6 Vgl. hierzu auch Metzinger, Thomas 1999: Subjekt und Selbstmodell. 2. Auflage.Paderborn: mentis.

 

Sven Johann Koblischek, M.A.
Sven Johann Koblischek, M.A.
Drehbuchautor, Konzeptionist, Literaturwissenschaftler, Bildungstechnologe

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Sven Johann Koblischek, M.A. (21. März 2017). Subjektdiskussion als Bedingung für die Entstehung einer digitalen Autobiographie? DIGITALE AUTOBIOGRAPHIE. Abgerufen am 26. Juli 2026 von https://daan.hypotheses.org/113