Vilém Flussers “Kommunikologie” (Bildnachweis: Sven J. Koblischek)
Wenn es eine digitale Autobiographie geben soll und sie mit den technischen Mitteln, die im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehen, machbar wäre, dann sollte angenommen werden, dass der Textkörper selbst als Sender in anderer Form als üblich vom Empfänger gelesen wird. Sollte daher nicht nach Kommunikationsmodellen gesucht werden, welche die Brücke vom Herkömmlichen (der Autobiographie) zum Neuen (der digitalen Autobiographie) schlagen? In seiner “Kommunikologie” bietet Flusser indirekt solche Brückenschläge an. Hier geht es auch wieder um Textuelles, aber auch das “Bild”, die “Fotografie” und der “Ton” spielen eine wichtige Rolle. Interessant für die digitale Autobiographie sind die “Sender” und “Empfänger” Modelle, insbesondere, wenn es um den Austausch bzw. die Weiterverbreitung von Information und die damit verbundene Kommunikationsstruktur geht, die aufgrund der Digitalität gestaltet wird.
Flusser, Vilém 2007: Kommunikologie. Hrsg. von Stefan Vollmann und Edith Flusser. 4. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer.
Ja, es ist eine Sensation. Dem Musikverlag Bärenreiter ist (wie so oft) ein Coup der Extraklasse gelungen: die Zusammenführung, Edition und Veröffentlichung aller fast 6000 bisher erforschten und bekannten Briefe des 1809 in Hamburg geborenen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Allein der Zeitaufwand, der mitbedacht werden muss, wenn Briefe aus früheren Jahrhunderten von FachexpertInnen gelesen und entziffert werden, um sie für das Lesepublikum des 21. Jahrhunderts mit seinen ihm eigenen Schrift- und Lesegewohnheiten zugänglich zu machen, ist mit Sicherheit mit großem Ausmaß verbunden. Der Verlag selbst titutliert sein Ergebnis schlicht mit dem Hinweis “Die Edition der Briefe Felix Mendelssohns ist abgeschlossen.”
Es ist richtig: die Vermessung des menschlichen Selbst hat spätestens mit Denis Diderot und seiner Enzyklopädie begonnen1 und ist dem menschlichen Individuum im 21. Jahrhundert keineswegs fremd2. Außerdem erhellt natürlich die Flut literarischer Selbstbeschreibungen, die einen ihrer höchsten Pegel um 1800 erreicht hat3, den sozio-kulturellen Hintergrund von Subjekten, ohne welche das Erreichen diverser Lebensstationen nur schwer nachvollziehbar wäre. Dennoch handelt es sich bei der Verfassung von Briefen (wie auch in diesem Fall bei Mendelssohn) um einen Akt des Intimen, den die VerfasserInnen wohl nicht vollziehen würden, wenn sie zu Lebzeiten gewusst hätten, dass alles (also hier der Inhalt von beinahe 6000 Briefen) einmal der gesamten Welt zugänglich gemacht werden wird. Der Journalist und Musiker Volker Hagedorn, welcher in der ZEIT die Neuerscheinung aus dem Verlagshaus Bärenreiter in der ZEIT Ausgabe vom 16.11.2017 ausführlich beschreibt, scheint bei der Sichtung der Briefe selbst entdeckt zu haben, dass Mendelssohn Bartholdy eine zu direkte Innenschau beim Schreiben vermied: “Er zählt in seinen Briefen wenig über sein Innenleben, umso mehr über die Außenwelt”, so Hagedorn.
Aufgrund dieser Feststellung ist es legitim zu fragen, ob es sich hier tatsächlich um eine Sensation (im Sinne der Beachtung der Privatsphäre der Person Felix Mendelssohn Bartholdy) handelt. Wie gesagt: die Forschungs- und Editionsarbeit an sich ist ein Meilenstein. Doch in welchem Verhältnis stehen die aus einer Durchleuchtung gewonnenen Informationen eines vergangenen Lebens zum dem, was das betroffene Subjekt (Mendelssohn Bartholdy) selbst durch- und erlebt hat? Sind Bausteine des Selbst, wie Selbstreflexion und Selbstkontrolle, ab dem Moment des Abblebens hinfällig?
Vielleicht ist es sinnvoll, im Rahmen einer so umfangreichen Verlagsarbeit beides zu bedenken. So sollte es nicht um die Sensation als Sensation gehen. Vielmehr entscheidend ist die Bewussteinsmachung, in welchem Umfang einerseits privat gemeinter Inhalt und welche Details davon publiziert werden (der Lauf der Musikwelt wurde bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aller Briefe Mendelssohns nicht unterbrochen), als auch andererseits der Gedanke, dass Briefe, Tagebücher oder andere autobiographische Schriften zwar stets einen inneren Dialog beherbergen, dieser aber zugleich “immer schon an jemanden – mindestens an sich selbst – gerichtet”4 ist, wie Beate Rössler in ihrem letzten Buch “Autonomie. Ein Versuch über das gelungene Leben” ausführt.
1 Eine deutschsprachige Ausgabe der Enzyklopädie, die sehr zu empfehlen ist, erschien 2013 im Verlag Die Andere Bibliothek. Die HerausgeberInnen sind Anette Selg und Rainer Wieland.
2 Christian Grasse und Ariane Greiner haben 2013 in ihrer im Metrolit Verlag erschienenen Publikation “Mein Digitales Ich” beispielhaft zusammengefasst, welche Selbstvermessungen der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts offen stehen.
3 Bei weiterem Interesse bezüglich dem Zusammenhang von sozialem Aufstieg und Autobiographie wird hier Frank Schömers Publikation “Autobiografische Körper-Geschichten” empfohlen.
4 Rössler, Beate 2017: Autonomie. Ein Versuch über das gelungene Leben. Berlin: Suhrkamp. S. 177 f.
Auch wenn dieser Beitrag nicht zwingend ein wissenschaftlicher Beitrag wird, soll er dennoch veröffentlicht werden, da die Ausführung einer Selbstreflexion und das Berichten von Selbsterfahrung auch für das Entstehen einer Master Thesis eine nicht unwichtige Rolle spielt. Um es kurz zu machen – die Überschrift des Beitrages deutet es an – geht es darum, dass wenn ein Gegenstand untersucht wird und wenn dabei gründlich die Sekundärliteratur recherchiert und ausgewertet wird, es immer wieder faszinierend zu beobachten ist, wie viel doch trotz aller bisher geleisteten Forschungsarbeiten in einem bestimmten Themenfeld unter den Tisch fällt bzw. nicht beachtet wurde – oder bisher absichtlich unbeachtet blieb. Besonders tritt diese Erfahrung beim Schreiben des ersten großen Themenblocks der Masterarbeit hervor, in welchem es um die Darstellung zahlreicher Subjekttheorien und Subjektkonstruktionen geht. Darüber hinaus sollen diese nicht nur erklärt werden, sondern auch der Zusammenhang aufgezeigt werden, den sie zur Forschungsfrage der Masterarbeit haben. Es ist die Essenz der Theorien, auf die es ankommt, und die oft übersehen wird. Dabei kann sie meist eine faszinierende Brücke zur Digitalität bilden.
So ist René Descartes, aber auch David Hume mit seinem Denken immens wichtig, wenn es darum geht zu zeigen, wie verschieden ein Subjekt in seiner Gestaltung aussehen kann, und wie sehr in Folge dieses Aussehen sich auf ein mögliches digitales Subjekt und den Entstehungsprozess eine digitalen Autobiographie auswirken kann.
Fazit: Nie meinen “darüber wurde schon viel geschrieben”, sondern immer besser annehmen: “da steckt noch mehr dahinter, als es schon gibt” – das ist mein persönlicher wissenschaftlicher Arbeitsansatz.
Der Master Thesis, die mit diesem Blog in Form einer Reflexionsarbeit “mit”entsteht, wird ein Supplement beigegeben, welches aus vier ExpertInnen-interviews besteht. Die Auswahl der ExpertInnen soll die Variationen widerspiegeln, welche durch die Gestaltung einer digitalen Autobiographie mit einem Blog bzw. mit einem E-Portfolio möglich sind. Für die Durchführung dieser ExpertInneninterviews wurde ein Leitfaden erstellt, welcher allerdings pro ExpertIn aufgrund der einzelnen Fachwissensgebiete der ExpertInnen jeweils in geringem Ausmaß abweichen kann. Alle ExpertInnen sind damit einverstanden, dass die Interviewergebnisse mit der Master Thesis gemeinsam verarbeitet und veröffentlicht werden. Hier als PDF Dokument der Link zu einem der Leitfäden, welcher dem E-Portfolio Experten Klaus Himpsl-Gutermann vor dem Interview vorgelegt worden ist.
Eine Beobachtung: paßt die Autobiographie als digitale Autobiographie nicht tadellos zur virtuellen Welt? Dieter Thomä spricht einerseits im Rahmen des Erzählens-Über-Sich-Selbst von der Selbstfindung, die ProtagonistInnen im Laufe ihrer autobiographischen Handlungsstränge durchläuft; dem Erzähler einer autobiographischen Handlung aber attestiert Thomä die Selbsterfindung, d.h. die Möglichkeit, die “eigene qualitative Identität zu gestalten, zu konstruieren, zu erfinden”1. Dieser Vorgang scheint ohne Zweifel mit jenem der virtuellen Welt zu korrespondieren, insbesondere durch das “Konstruieren” und “Erfinden”. Auch die virtuelle Welt ist primär nicht existent und gehört aus diesem Grund nach unserer alltäglichen Auffassung nicht zur Realität. Und auch sie wird, wie es der Erzähler einer Autobiographie seiner Identität ermöglicht, “erdacht” und ist eben eine “Konstruktion des Fiktiven”2, folglich ein Ideal, das nur in der Vorstellung existiert. Parallelen, die nicht abzustreiten sind, oder?
1 Thomä, Dieter 2015: Erzähle dich selbst. Lebensgeschichte als philosophisches Problem. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 36.
2 Gehmann, Ulrich 2012: Virtuelle und ideale Welten – eine Einführung. In: Virtuelle und Ideale Welten. Hrsg. v. ders. Karlsruhe: KIT Scientific Publishing. S. 7.
Es stellt sich vor einer Beschreibung der technischen Möglichkeiten für eine digitale Autobiographie die Frage, welche grundlegenden Voraussetzungen es braucht, damit allein eine Basis für das Entstehen einer Autobiographie vorhanden ist. Soll diese Voraussetzung und Basis das Subjekt sein? Wenn Autobiographie gemäß Misch bedeutet “die Beschreibung (graphia) des Lebens (bio) eines Einzelnen durch diesen Selbst (auto)”1, dann ist ein Subjektbegriff hierin nicht direkt erkennbar. Wieso folglich eine Subjektdiskussion, wenn doch insbesondere der Wortteil ‚auto’ eindeutig hervorhebt, dass es um das Selbst (und nicht das Subjekt) geht? Natürlich kommt dem ‚Selbst’ im Kontext der Autobiographieforschung eine große Bedeutung zu. Dennoch wird im Folgenden das Subjekt hier in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Gründe dafür sind in der Philosophie zu finden, in welcher das Subjekt bis heute eine wichtige Rolle einnimmt. So werden aus einem philosophischen Standpunkt betrachtet grosso modo dem Subjekt zwei Bedeutungen zugeteilt, welche bei den folgenden Überlegungen hinsichtlich einer Generierung der digitalen Autobiographie mit Hilfe der Parameter einer literarischen entscheidend sind: Einerseits die Bedeutung der Psyche bzw. des Geistes, welche mit der Fähigkeit des Bewusstseins, des Denkens, der Reflexion und der Erinnerung verbunden ist2, andererseits die Bedeutung des Körpers, welche mit der Fähigkeit des Handelns und des Tuns in Zusammenhang gebracht wird3.
1 Misch, Georg 1989: Begriff und Ursprung der Autobiographie (1907/1949). In: Die Autobiographie. Zu Form und Gestalt einer literarischen Gattung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 38.
2 Haug, Wolfgang Fritz 1985: Die Frage nach der Konstitution des Subjekts. In: Subjektivität als Problem psychologischer Methodik. 3. Internationaler Kongress kritische Psychologie. Hrsg. von Karl-Heinz Braun und Klaus Holzkamp. Frankfurt am Main: Campus. S. 60-84.
3 Straub, Jürgen/Weidemann, Doris 2015: Handelnde Subjekte. „Subjektive Theorien“ als Gegenstand der verstehend-erklärenden Psychologie. Gießen: Psychosozial-Verlag. S. 29 ff.
Buch “Die Schrift” von Vilém Flusser (Bild: Sven J. Koblischek)
Mit dem Thema des Veröffentlichens wird ein weiteres Themenfeld zur Erforschung der digitalen Autobiographie aufgetan. Die Art, wie das menschliche Individuum, und in welcher Form, es etwas von sich bzw. sich selbst veröffentlicht. Den Mittelpunkt bildet hier u.a. die Schrift (auch als Ausdrucksform menschlichen Wirkens), deren Zweck es ist, Informationen zu vermitteln. Formen, in welche die Schrift auftreten kann, können vielfältig sein: in Form eines Buches, einer Zeitung, oder eines Briefes. Aber auch im digitalen Bereich kann die Schrift vorkommen, nur anders. Es ist nicht mehr die Hand, die auf das Medium Papier die Selbstbeschreibung eingraviert, sondern es ist die Tastatur des Computers (auch ein Medium), welche den schriftlichen Text auf einem Bildschirm fixiert. Vilém Flusses sieht in seinem Buch “Die Schrift” den Entstehungsprozess der Schrift mihilfe des Mediums Computer kritisch an und malt hinsichtlich ihrer neuen Entstehungsform ein düsteres Bild, indem er den Nutzen von herkömmlichen und neuartigen Medien vergleicht.
Flusser, Vilém 2002: Die Schrift. Hat Schreiben Zukunft? 5. Auflage. Berlin: European Photography (= Edition Flusser 5).
Teil der Medienanalyse: George Sand und ihre Publikation “Die Geschichte meines Lebens” (Bild: servatius.blogspot.fr)
Während der Arbeit an der Master Thesis entdeckt: Ein Call for Papers namens “Reformation 2017”, mit dem Ziel eines Kolloquiums, welches Ende November 2017 im Deutschen Historischen Institut stattfinden soll. Sinn und Zweck dieses Kolloquiums ist gemäß dem Deutschen Historischen Institut, die “tieferen Gründe, Motivationen und langfristigen Konsequenzen der Reformation für die betroffenen Länder und ihre Grenzräume” zu untersuchen. Die Pater-Einreichung (bzw. das Abstract des Papers) erfolgte fristgerecht mit einem Thema, welches mit der Gattung der Autobiographie zusammenhängt. Der Vorschlag ist folgender
„Aufrichtige Geister“ und „Ertötung“ der Leidenschaft:Das reformatorische Erbe im Erinnerungsfeld des literarischen Ichs
Luther und die Thesen. Ein Gemälde von Ferdinand Pauweis (Bild: wikimedia.org)
Wenn 2017 bei den Feierlichkeiten die Reformation als Begriff verwendet wird, scheint dieser stets benachbart zu bedeutenden philosophischen Themen wie Toleranz oder Freiheit auf. Die Aufgabe und das Ziel des vorliegenden literaturwissenschaftlichen Beitrages war es, diese Beobachtung kritisch zu hinterfragen, in dem eine Medienanalyse verschiedener literarischer Selbstdarstellungen des deutsch- und französischsprachigen Raumes (Erscheinungszeitraum 18. bis in das 20. Jahrhundert) vorgenommen wurde, durch welche sich eine völlig heterogene und auch oftmals weniger erfreuliche Lesart der Reformation ergibt: Bilder der Bestrafung und Unterdrückung, Verknüpfungen zum Nationalen, als auch protestantische Pfarrhaus-Romantiken bilden dabei das Spektrum. Der Zweck der Arbeit ist ein interdisziplinärer Erkenntnisgewinn. Zielgruppe sind auch angehende AutorInnen.
Bleibt etwas vom Bewährten, verändert sich alles, oder ist es eine Mischform aus Konstanz und Veränderung ? (Bild: Sven J. Koblischek)
Eine Frage, die das Thema der “digitalen Autobiographie” sicherlich immer wieder streifen wird, ist die Frage nach der Art und Form der Veröffentlichung, der Herausgabe bzw. der Edition. Inwieweit wird der herkömmliche Weg der Edition verändert, belassen, oder umgangen? Dafür in Frage kommende Publikationen dürfen selbstverständlich auch in den Bereich anderer Wissenschaften, die digital publizieren, gehen. Beispiele dafür sind:
Strobel, Jochen: Digitale Briefedition und Semantische Erschließung. Von den Briefen der Jenaer Romantikgeneration zur Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels. In: Editio. Internationales Jahrbuch für Editionswissenschaft. Hrsg. von Rüdiger Nutt-Kofoth u.a. Band 28/Heft 1. Berlin: DeGruyter 2014. S. 151-174.
Stadler, Peter (Hrsg.): Digitale Edition zwischen Experiment und Standardisierung: Musik – Text – Codierung. Tübingen: Niemeyer 2009.
Buch “Wir verschwinden” von Miriam Meckel (Bild: Sven J. Koblischek)
Wer sind wir? Woher kommen wir? “Was ist der Mensch?”1 und – noch einmal anders gefragt – “(…) wozu ist er bestimmt?”2. All diese Fragen beschäftigen uns seit der Antike immer wieder in verschiedenen Kontexten, ganz gleich, ob auf philosophischer, gesellschaftlicher oder historischer Ebene. Aber ist bei der Stellung dieser Fragen das menschliche Individuum nicht allein das Objekt der Untersuchung, sondern zugleich auch das Subjekt? Wenn die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel mit dem Titel “Wir verschwinden”3 von einem ihrer Essays Vermutungen anstellt, dass das menschliche Individuum im 21. Jahrhundert als solches, wie wir es kennengelernt und definiert haben, in der digitalen Welt (mehr oder weniger) verloren gehe, spricht sie nicht dann von dem menschlichen Individuum als Subjekt?
Ohne Zweifel sind die zu Beginn gestellten Fragen jene Fragen, welche zur Erstellung einer Autobiographie gehören und vermutlich auch zur Erstellung einer digitalen Autobiographie, welche – so die Hypothese der Master Thesis “Autobiographisches im Netz” – durch einen Blog oder ein E-Portfolio dargestellt werden kann. Denn wenn es beim Verfassen einer Autobiographie darum geht, dass das Besondere des jeweiligen Selbst dem Allgemeinen gegenübergestellt wird, so dass – mit anderen Worten gesagt – eine (autobiographische) “lebensgeschichtliche Erzählung” den “Menschen in der Welt und im Verhältnis zu anderen Personen”4 situiert, dann sind Begriffe, denen das “selbst” immanent ist, wie bspw. Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung, oder Selbstreflexion nicht fern5. Da auch diese Termini immer wieder im Rahmen von Subjekttheorien auftauchen6, ist es unvermeidlich, vor der Thematisierung einer digitalen Autobiographie eine Subjektdiskussion zu führen – eine Subjektdiskussion als Bedingung für die Eröffnung einer Diskussion um die digitale Autobiographie.
1 Vgl. hierzu den Brief von Immanuel Kant an Carl Friedrich Stäudlin in: Kant, Immanuel 1921: Werke. Briefe von und an Kant. Teil 2. Hrsg. von Ernst Cassirer. Berlin: Cassirer.
2 Sack, August Friedrich Wilhelm 1773: Vertheidigter Glaube der Christen. Fünftes Stück. Band 2. Berlin: Haude und Spener. S. 390.
3 Meckel, Miriam 2013: Wir verschwinden. Der Mensch im digitalen Zeitalter. Zürich: Kein & Aber.
Schreiben mit Computer (Bild: Glenn Carstens-Peters)
Willkommen beim Wissenschaftsblog “Digitale Autobiographie > Autobiographie Numérique (DAAN)”.
Dieser Blog begleitete einerseits meine Master Thesis von Sven Johann Koblischek (“Autobiographisches im Netz”, Abschluss Herbst 2017), andererseits sollen darüber hinaus diverse Publikationen und Forschungen, die das Thema der “digitalen Autobiographie” betreffen, vorgestellt werden. Zudem soll der Blog als Diskussionsplattform zu den Themen “Autobiographie”, “Autofiktion”, “Digitale Identität”, “Digital Publishing” und “Digital humanities” dienen. Beiträge auf diesem Blog können sowohl in deutscher, wie auch in französischer Sprache verfasst sein.