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Technologie gemeinsam verantworten: ein Rückblick auf die Vorstellung des „Code of Conduct Demokratische KI“

Am 12. November 2025 wurde der „Code of Conduct Demokratische KI“ offiziell vorgestellt und symbolisch unterzeichnet. Seit April 2024 haben Vertreter:innen von über 50 Organisationen an einer gemeinsamen Selbstverpflichtung zur verantwortungsvollen KI-Nutzung in der Zivilgesellschaft gearbeitet.
Unterzeichner:innen des Code of Conduct Demokratische KI zelebrieren den Launch im Publix Berlin. Bild: D64/Boris Saposchnikow
Bild: D64/Boris Saposchnikow

Am 12. November 2025 wurde der „Code of Conduct Demokratische KI“ offiziell vorgestellt und symbolisch unterzeichnet; ein wichtiger Meilenstein für D64 und zahlreiche Verbündete. Seit April 2024 haben Vertreter:innen von über 50 Organisationen an einer gemeinsamen Selbstverpflichtung zur verantwortungsvollen KI-Nutzung in der Zivilgesellschaft gearbeitet. Vereint durch das Ziel, den Marktverlockungen von Big Tech etwas entgegenzusetzen, entwickelten sie den Code of Conduct in vier Präsenzsitzungen und vielen Online-Redaktionstreffen. Das Projekt wurde von D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt umgesetzt und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend gefördert. 80 Organisationen gehören zu den Erstunterzeichner:innen, eine Nachzeichnung ist laufend möglich.

Zur Vorstellung im Berliner Publix kamen knapp 100 Gäste. Einige hatten an der Erstellung mitgewirkt, andere interessierten sich für die Initiative und eine mögliche Unterzeichnung ihrer Organisation.

Monika Ilves, Vorständin des federführenden Vereins D64, stellte den Entstehungsprozess des Code of Conduct vor. Sie präsentierte auch die begleitenden Whitepaper zu Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität im KI-Kontext. An der Erstellung beteiligten sich über 50 Organisationen – von größeren mit Hauptamtlichen bis zu kleineren mit ausschließlich Ehrenamtlichen. Genau diese heterogene Mischung von Akteur:innen dürfte Teil des Erfolgsrezepts gewesen sein.

Monika Ilves moderiert die Veranstaltung zum Launch des Code of Conduct Demokratische KI im Publix Berlin. Bild: D64/Boris Saposchnikow
Bild: D64/Boris Saposchnikow

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Dr. Annette Zimmermann, politische Philosophin an der University of Wisconsin–Madison, Karim El-Helaifi, Vorstandsvorsitzender der neuen deutschen organisationen sowie Yasmin Al-Douri, Mitgründerin des Responsible Technology Hub, teil. Die Runde wurde von Tobias Schmid moderiert.

Das Podium beleuchtete das problematische und oft demokratiefeindliche Handeln von Tech-Oligarchen sowie mögliche Gegenstrategien. Annette Zimmermann führte aus, dass erst durch eine lebendige gesellschaftliche Debatte die Werte klarer würden, die komplexeren Themenfeldern zugrunde liegen. Die Philosophin und Autorin ist überzeugt: Wenn technische Aspekte verständlich erklärt werden, kann sich die Zivilgesellschaft fundiert positionieren. Dies funktioniere bei Fragen zu Gesundheit oder Klimawandel analog auch. Dafür sei Vertrauen in uns selbst und andere fundamental wichtig.

Panel-Diskussion beim Launch des Code of Conduct Demokratische KI. Bild: D64/Boris Saposchnikow
Bild: D64/Boris Saposchnikow

Der Vorsitzende der neuen deutschen organisationen, Karim El-Helaifi, hob die Bedeutung materieller Teilhabe und Zugänge hervor. Er warnte vor zusätzlichen Diskriminierungsrisiken für bereits marginalisierte Gruppen, die derzeit von der KI-Nutzung und -Mitgestaltung ausgeschlossen sind. Yasmin Al-Douri berichtete konkret aus den Erfahrungen des Responsible Tech Hubs: In Hackathons entwickeln junge Menschen mit Motivation und Neugier alternative Vorschläge für verantwortungsvolle und sichere Gestaltung, etwa von Social-Media-Plattformen. Da alle Systeme von Menschen entwickelt werden, seien Biases – blinde Flecken in der eigenen Wahrnehmung – nie komplett vermeidbar, so Al-Douri. Umso wichtiger sei proaktive Beteiligung.

Karim El-Helaifi schloss mit bewegenden Worten: „Die Diskussionen, die wir bei der Entwicklung des Code of Conducts hatten, waren wahrscheinlich die für mich spannendsten und hilfreichsten Diskussionen rund um KI, eben weil sehr viele unterschiedliche Akteure mit unterschiedlichem Fokus zusammensaßen, und ich sehr viel gelernt habe über die unterschiedlichen Herausforderungen und Fragestellungen, die bei diesen unterschiedlichen Akteuren auftreten. […] Es gab sehr viel Raum dafür, diese unterschiedlichen Perspektiven in diese Diskussion einzubringen.” Damit bestätigte El-Helaifi die Eingangsthese zum Erfolgsrezept des Code of Conduct.

Der offizielle Teil endete mit einem Gruppenfoto und der symbolischen Unterschrift von D64-Vorständin Monika Ilves. Bei Fingerfood tauschten sich Ersteller:innen, Unterzeichner:innen und Gäste weiter aus, bevor am Folgetag die vorerst letzte Workshop-Runde stattfand.
Die tatsächlichen Unterzeichnungen erfolgen elektronisch. Wir laden weiterhin zur Mitzeichnung ein, ob als Verein, Verband oder Unternehmen. Der Code of Conduct bietet konkrete Grundprinzipien, einen Reflexionsrahmen und praktische Hinweise für verantwortungsvollen KI-Einsatz.

Oliver Pfleiderer hat als Vorsitzender der LAG Selbsthilfe Rheinland-Pfalz am Prozess zur Erstellung des Code of Conducts Demokratische KI mitgewirkt. Diesen Blogbeitrag schreibt er aus seiner Perspektive als D64-Mitglied.

Foto von Oliver Pfleiderer
Bild: D64/Boris Saposchnikow

Oliver Pfleiderer

Oliver Pfleiderer Co-Koordinator der AG Bildung von D64 und Vorsitzender der LAG Selbsthilfe RLP, welche sich als Dachverband für barrierefreie digitale Zugänge und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in allen Lebensbereichen einsetzt. Oliver ist Mitautor beim 2025 veröffentlichten Code of Conduct Demokratische KI.

Mitwirkende

Yannick Müller

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