
Bereits mit ihrem Debütroman “Davenport 160 x 90” bewies sich die deutsche Autorin Sybille Ruge als ungewöhnliche Stimme im großteils sehr gleich klingenden Krimigenre. Ich schrieb damals darüber: “Wer es gern konventionell mag, der könnte mit diesem wilden Mix aus originellen Figuren, bösen Lebensweisheiten und einem scharfen, aber auch humorvollen Blick für die Realität überfordert sein. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt – Krimi oder Nichtkrimi!”
Mit ihrem zweiten Buch “9 mm Cut” legt sie sogar noch einmal nach. Der Name von Hauptfigur Eve Klein ist nur ein Aliasname, mit dem sie ihr Auftraggeber K2 (Kunde zwei, Chef eines internationalen Lebensmittelkonzerns) ausgestattet hat, um beim Sitz seiner Stiftung nach dem Rechten zu sehen. Eve ermittelt großteils in einer Villa, deren penibel gepflegter Rasen auf die titelgebenden neun Milimeter getrimmt wird, während sich im Inneren des Hauses die Ungepflegtheiten und Grausamkeiten des Lebens abspielen.
Wortgewaltig und sprachverliebt (“Ihr Lächeln war von erfrischender Kälte”) übt Ruge Kritik am Kapitalismus und tarnt das als Krimi. Allein Sätze wie folgende sind die Lektüre wert: “Ich spürte meine Gesichtsmuskeln, die die Fasson wahrten. Eine höfische Anspannung, dahinter Krieg. Das ist mit Diplomatie gemeint.” Wunderbar.
7 von 10 Punkten
Sybille Ruge: “9mm Cut”, Suhrkamp Verlag, 232 Seiten.

