“Minnesota” von Jo Nesbø: Einsamer Ermittler, einsamer Täter

(c) Ullstein Verlag

So stelle ich mir den Start ins neue Krimijahr vor. Der norwegische Autor Jo Nesbø legt die Latte gleich einmal hoch. Weltbekannt gemacht hat ihn die Serie rund um Ermittler Harry Hole (“Der Erlöser”). Nun hat Nesbø mit Bob Oz wieder einmal eine neue Figur erfunden und die Handlung in die USA des Jahres 2016 verlegt, kurz bevor Donald Trump das erste Mal zum Präsidenten gewählt wurde.

In der US-Stadt Minneapolis (im echten Leben haben in dieser Stadt gestern Trumps ICE-Agenten eine Frau erschossen, angeblich aus “Selbstverteidigung”, Videos zeigen allerdings anderes) schießt ein Mann aus großer Distanz auf Menschen. Sein erstes Opfer, ein Waffenhändler, überlebt das Schussattentat. Doch schon bald macht sich der Unbekannte erneut auf die Jagd. Ihm auf die Fersen heftet sich das Minneapolis Police Department. Mit dabei ist Ermittler Bob Oz, der nach einem Schicksalsschlag völlig aus der Bahn geraten ist. Geplagt von Einsamkeit und Schuldgefühlen – generell die zwei zentralen Themen des Romans – sucht er sein Heil in der Polizeiarbeit.

Obwohl Nesbø seinen Schauplatz verlagert hat, verlässt er altbekannte und bewährte Pfade nicht komplett. Oz und Krimi­ikone Harry Hole könnten Brüder sein. Erneut versteht er es, der gebrochenen und kratzbürstigen Hauptfigur – die dem Täter ähnlicher ist, als ihr lieb ist – Sympathien zu verleihen.

Nesbø erzählt nebenbei auch viele kleine Geschichten, die interessante Einblicke gewähren. In einem kurzen Exkurs schreibt er etwa über den aus Wien stammenden Erfinder der Shoppingmalls, Victor Gruen (das Southdale Center in Minneapolis-St. Paul gilt als das weltweit erste Einkaufszentrum), der später seine Erfindung bereute und auf Fußgängerzonen – auch hier war er wieder Pionier – setzte. Viel lernt man auch über Taxidermie, also die Präparation von toten Tieren.

„Minnesota“ ist ein großes Stück Kriminalliteratur und letztlich auch ein unverhohlenes Plädoyer gegen die US-Waffengesetze. Am Schluss gibt es sogar so etwas wie ein Happy End. Dieses will nicht so recht zu den 400 Seiten Schmerzen und Leiden davor passen, aber vielleicht ist der Autor gar nicht so hoffnungslos, wie es die Lektüre vermuten lassen würde. „Denn was die Stadt – und die Welt – brauchte, waren naive Optimisten und keine resignierten Realisten“, schreibt er kurz vor dem Ende.

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“Der letzte Mord am Ende der Welt” von Stuart Turton: Alles nur keine idyllische Insel

(c) Tropen Verlag

Mit nur drei Büchern hat sich der Brite Stuart Turton als einer der vielseitigsten Krimiautoren etabliert. Nach dem Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Krimi „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und dem historischen Teufel-Thriller „Der Tod und das dunkle Meer“ liegt nun der dystopische Spannungsroman „Der letzte Mord am Ende der Welt“ vor.

Nach einer globalen Katastrophe leben nur mehr 122 Menschen auf einer Insel scheinbar friedvoll miteinander, umgeben von einem tödlichen Nebel. Geführt wird diese Gemeinschaft, in der jeder seinen Beitrag leisten muss, von den drei „Ältesten“. Stück für Stück offenbart Turton ein Insel-Geheimnis nach dem anderen. Immer wieder betrachtet man die Bewohner mit neuem Blick. Was am Anfang wie ein klassischer Krimi in apokalyptischem Setting wirkt, entpuppt sich als viel tiefgehender, als man vermuten würde. Details dieses außergewöhnlichen Buches zu verraten, wäre allerdings spiel- bzw. leseverderbend.

Markenzeichen: Täuschung und Verwirrung

Ausgefeilte Täuschung und Verwirrung der Leser hat Stuart Turton zu seinem Markenzeichen gemacht. Bereits in „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ kombinierte der Brite das beliebte Genre des Whodunit mit dem Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Prinzip. Hauptfigur Aiden Bishop, Gast eines Maskenballs, durchlebt darin immer wieder denselben Tag in einer Endlosschleife – allerdings jeweils im Körper eines anderen Gastes und mit der Aufgabe, den mysteriösen Tod der Tochter des Hauses, Evelyn Hardcastle, aufzuklären.

Exkurs: Der Tod und das dunkle Meer

In „Der Tod und das dunkle Meer“ führte Turton Leserinnen und Leser an der Nase herum. Im Jahr 1634 geschehen auf hoher See in dem Buch unerklärliche Morde, Matrosen und Passagiere vernehmen nächtens ein unheimliches Flüstern, das sie zu einer grausamen Tat verführen will. Ein Ermittlerduo ähnlich Sherlock Holmes und seinem Assistenten Doktor Watson versucht, das Rätsel zu lösen.

(c) Tropen Verlag

Pipps ist in diesem Fall das kombinierende Genie, der gutmütige Arent ist ein Söldner mit blutiger Vergangenheit. Arent erinnert darüber hinaus schon allein wegen seiner unglaublichen, fast übermenschlichen Größe aber auch an eine weitere Kultfigur des Krimigenres, Lee Childs Jack Reacher.

Nicht zufällig hat dieser außergewöhnliche Kriminal-, Abenteuer- und Schauerroman in bester Tradition von Edgar Allan Poe auch eine durchaus feministische Note – zeigt er doch, wie schwer es für kluge Frauen einst war, nicht sofort unter Verdacht zu geraten, eine Hexe zu sein. Zudem wird Sara, die Frau des Generalgouverneurs, schon bald eines der wichtigsten Mitglieder des Ermittlerteams sein – ebenso wie ihre Tochter Lia.

Der Roman dreht sich vor allem um eine Frage: Lassen sich all diese unerklärlichen Phänomene an Bord der Saardam logisch erklären oder hat doch eine höhere, dunkle Macht das Sagen? Wie müssen erschreckende Ereignisse in Zeiten, in denen die Menschen Angst vor Sonnenfinsternissen hatten, gewirkt haben?

Frauen, die nicht alles glauben

Aber zurück zu “Der letzte Mord am Ende der Welt”. Auch hier gibt es ein Ermittlerduo in Gestalt des Mutter-Tochter-Gespanns Emory und Clara. Emory ist so etwas wie der Störenfried der Insel, weil sie als Einzige Dinge hinterfragt. Das ist auch der Hauptgrund, warum sie eine unterkühlte Beziehung zu Clara hat, die wie die anderen Inselbewohner den allwissenden „Ältesten“ an den Lippen hängt. Eine mysteriöse Rolle spielt zudem eine künstliche Intelligenz, die sich in die Gedanken der Menschen einklinken kann. Überhaupt werden zahlreiche Themen wie Klimawandel, Gemeinschaft und Loyalität abgehandelt. Und im Laufe der Geschichte viele spannende Fragen aufgeworfen: Was geschieht mit den Menschen in der Nacht, wenn sie schlafen? Warum wird keiner von ihnen älter als 60 Jahre?

Turton mag am Schluss, wenn es Schlag auf Schlag geht, ein wenig übertreiben, dennoch lässt er die Leser nachdenklich zurück. Viel hat man über das Menschsein nachgedacht.

8 von 10 Punkten

Stuart Turton: “Der letzte Mord am Ende der Welt”, übersetzt von Dorothee Merkel, Tropen Verlag, 454 Seiten, Tropen Verlag.

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Neuerscheinungen: Fünf Krimis, auf die ich mich in nächster Zeit freue

(c) Kiepenheuer & Witsch

Anfang Jänner hatte ich es hier versprochen, nun also ein paar Krimi-Highlights, auf die ich mich 2025 freue. Am 13. März erscheint mit “Thanatopia” der dritte Teil der Hologrammatica-Serie von Tom Hillenbrand. Als großer Hillenbrand-Fan freut mich besonders, dass seine Geschichte diesmal in Wien ihren Ausgang nimmt, wie auch der Verlag schreibt:

Wien, 2095. Eine Leiche in der Donau ist für Kommissar Landauer eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch diesmal sind es gleich zwei, und was schlimmer ist: Die beiden toten Frauen gleichen einander bis aufs letzte Haar. Wieso gibt es die Tote zweimal?

Tom Hillenbrands faszinierender Roman führt von Wien nach London, nach Griechenland und einmal um die Welt. Auf verschiedene Weisen werden darin Menschen überall mit der existenziellsten aller Fragen konfrontiert: der nach dem Tod und dem Leben danach. Kühn und unterhaltsam: Thanatopia ist ein philosophischer, cleverer, hochspannender Thriller über das, was unser Leben ausmacht.

Weiter geht es mit einem Anfang Februar erschienenen Krimi des Pendragon-Verlags. Ich habe ein gewisses Faible für Coming-of-Age-Thriller. “Ámbar” stammt aus der Feder des argentinischen Autors Nicolás Ferraro. Die 15-jährige Ámbar steht im Zentrum der Handlung.

Die 15-jährige Ámbar lebt zwischen einsamen Landstraßen und heruntergekommenen Motels. An der Seite ihres Vaters Víctor Mondragón, einem gefährlichen Gangster, ist sie Gewalt und Kriminalität gewöhnt. Statt am Wochenende zu Rockkonzerten zu gehen und Freunde zu treffen, verarztet sie Víctors Schussverletzungen oder denkt sich neue Tarnidentitäten aus.

(c) Suhrkamp Verlag

Anfang nächster Woche erscheint ein Krimi, der auch nach meinem Geschmack sein könnte. “Die Kurve” von Dirk Schmidt klingt nach einem Roman, der nicht nach einem üblichen Erfolgsmuster heruntergeschrieben wurde. Klingt vielversprechend.

Carl ist kein gewöhnlicher Geschäftsmann. Sein Business? Kriminelle Dienstleistungen – diskret, effizient und mit der richtigen Mischung aus Köpfchen und Skrupellosigkeit. Wer in der Unterwelt Probleme hat, ruft ihn an.

(c) Polar Verlag

Auch der Polar Verlag darf hier nicht fehlen. “Ein höheres Ziel” von Malin Thunberg Schunke entführt nach Frankreich. Das Buch der Schwedin, die auch selbst als Staatsanwältin gearbeitet hat, ist der erste Teil einer Serie rund um die Staatsanwältinnen Esther Edh und Fabia Moretti, die bei Eurojust in Den Haag arbeiten. Mittlerweile sind fünf Bände mit den beiden Protagonistinnen erschienen.

Während eines exklusiven Junggesellenabschieds an der französischen Riviera gerät der schwedische Staatsbürger Amir Yasin mitten in ein blutiges Attentat und wird, des Mordes verdächtigt, seiner Freiheit beraubt. Nach mehreren Terroranschlägen hat sich die Stimmung in Europa verschärft und der ehrgeizige Richter Philippe Duvernoy führt die französischen strafrechtlichen Ermittlungen mit eiserner Hand. Die Jagd nach den Attentätern erstreckt sich über mehrere Länder und in Den Haag werden die schwedische Staatsanwältin Esther Edh und ihre italienische Vorgesetzte Fabia Moretti in den Fall involviert. Wer ist Amir Yasin und was ist wirklich in der Bar in Juan-les-Pins passiert?

(c) Ariadne Verlag

“Broilerkomplott”, soeben erschienen, von Anna Mai klingt im ersten Moment ein wenig abschreckend. Schon allein, weil in Österreich niemand ein Huhn als Broiler bezeichnen würde, da vergeht es einem ja komplett. Und andererseits denkt man an humorige Krimis von Rita Falk oder Thomas Stipsits. Jedem das, was er mag – aber dieser Blog heißt crimenoir! Ich vertraue jedoch Else Laudan und ihrem feinen Gespür für außergewöhnliche Krimistoffe.

Man muss was tun, findet Antonia »Toni« Hansen: Das Klima kollabiert, und noch immer zählt nichts als die Gier. Mit engsten Vertrauten plant sie eine gewaltlose Aktion, um das ekelhafte Geschäfts­gebaren einer erfolgreichen Fleischgroßhändlerin anzuprangern. Doch was als subversiver PR-Gag gedacht war, verwickelt alle Beteiligten in eine ­mörderische Kollision … »Broilerkomplott« erzählt rasant und lebensnah von einer jungen Klimaaktivistin mit kurzer Lunte und einer unterforderten Provinzpolizistin mit Bindungsangst. Zunächst scheint es bloß um Fleischkonsum und Hähnchen zu gehen. Aber bei dieser fatalen Gockelei haben auch Profitgeier und Gelegenheitsdiebe ihre Finger im Spiel – und ein Killer.

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Meine Lieblingskrimis des Jahres 2024

Ich habe zwar auch im Jahr 2024 viele Krimis gelesen, aber natürlich lange nicht alle, die ich lesen wollte. Daher kann meine Liste auch niemals Vollständigkeit beanspruchen, sondern eben immer nur eine subjektive Auswahl jener neu erschienenen Kriminalromane sein, die ich imstande war, zu lesen. Daher fehlt zum Beispiel Lavie Tidhars “Maror”, das ich unbedingt noch lesen möchte. Oder Liza Codys “Die Schnellimbissdetektivin” und Liz Nugents “Seltsame Sally Diamond”. Wie auch immer, lasst uns loslegen mit Krimis, die sich mir besonders eingeprägt haben:

Platz 12 – Doug Johnstone: Einbalsamiert

(Polar Verlag)

Gerade noch im neuen Jahr fertiggelesen, sodass es hier auch Platz findet: “Einbalsamiert” ist der dritte Krimi rund um die Frauen der Familie Skelf, die Bestatterinnen und Privatdetektivinnen zugleich sind. Doug Johnstones Serie ist in Edinburgh angesiedelt und begleitet drei Generationen der Skelfs: Die über 70-jährige Dorothy, ihre Tochter Jenny und Enkeltochter Hannah. Ich habe den Auftakt “Eingeäschert” gelesen und fand diesen solide, aber er konnte mich nicht ganz so überzeugen wie Johnstones “Der Bruch”. Vermutlich lag es aber auch an den hohen Erwartungen nach der Lektüre dieses Buches, habe ich dieses doch zu meinem Lieblingskrimi 2021 gewählt.

“Einbalsamiert” hat mich nun jedoch wieder überzeugt, wenn es auch manchmal ein wenig unglaublich ist, was diese Frauen alles durchleiden müssen. Die Szenen mit dem Jaguar etwa hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Allerdings lässt man sich von Johnstone gern auf eine Reise voller Emotionen, kleiner Weisheiten und liebenswürdiger Charaktere mitnehmen. Und man will dann doch wissen, wie es weitergeht mit dieser Skelf-Familie.

Platz 11 – Daria Shualy: Lockvogel

(Kein & Aber)

Wenn ich schon noch das oben erwähnte große israelische Geheimdienst-Epos “Maror” nicht lesen konnte, so war Daria Shualys “Lockvogel” eine der großen Überraschungen dieses Lesejahres. Hauptfigur Masi Morris war Shootingstar der Sondereinheit der Polizei von Tel Aviv, ehe sie wegen unangemessenen Verhaltens abstürzte. Nun ist sie als Privatdetektivin unterwegs und muss die Tochter einer der reichsten Familien des Landes finden.

Shualy porträtiert eine lebendige Stadt mit Menschen, für die Bombenalarme und die Zuflucht in Luftschutzkeller eine beängstigende Selbstverständlichkeit darstellen. Ein besonders interessanter Aspekt ist die Sexsucht, mit der Masi Stress abbaut und ihren „Gefühlsmüll“ bekämpft. Vor allem aber bietet “Lockvogel” Einblick in ein Tel Aviv vor dem Massaker im Oktober 2023. Bloß das etwas abrupte Ende enttäuscht.

Platz 10 – Joesi Prokopetz: Der Frauenausborger

(Servus)

Im Vorjahr überraschte Liedermacher Joesi Prokopetz mit seinem Krimi „Hofer“, der auf dem Austropop-Hit „Da Hofa“ basierte. Nun legt er mit „Der Frauenausborger“ nach. Worum es in dem amüsanten Spannungsroman geht? Rainer scheut Langzeitbeziehungen und leiht sich stattdessen lieber Kurzzeitgeliebte von Freunden und Bekannten aus. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht, was auch seinen Tod in der Seniorenresidenz Juventus erklären könnte. Rainer beginnt aus dem Jenseits zu ermitteln. Ungewöhnlich und gut.

Platz 9 – Don Winslow: City in Ruins

(HarperCollins)

„City of Ruins“ bildet nicht nur den Abschluss von Don Winslows City-Trilogie (“City on Fire”, “City of Dreams”) um Mafioso Danny Ryan, sondern ist laut eigenen Aussagen auch das letzte Buch des Ausnahmekönners. Winslow hat das Schriftstellerdasein an den Nagel gehängt, um sich mit aller Kraft dem politischen Kampf gegen Donald Trump zu widmen.

Als Leser fällt es schwer, diese Entscheidung zu akzeptieren. Wie Winslow griechische Mythologie und Kriminalroman literarisch zusammenführt, sucht seinesgleichen. Dass auf 450 Seiten derart viele menschliche Dramen passen und sich das dann auch noch glaubwürdig liest – eigentlich unglaublich! Es ist einfach alles da, vom unvorstellbaren Muttermord bis zum Sturz von Imperien – in diesem Fall in Form eines Glücksspielkonzerns.

Tod, Verrat, Liebe und viel, viel Schmerz: Winslow rollt diese Themen meisterhaft aus. Was kann der Mensch dem Menschen alles antun? Die Antworten finden sich in der Trilogie. Aber auch, wie Menschen, die schlimme Dinge getan haben, versuchen, menschlich zu bleiben. Kurzum, es ist ein klassischer Winslow, mit dem der Autor Abschied nimmt: episch, aber ohne Pathos.

Platz 8 – James Kestrel: Bis in alle Endlichkeit

(Suhrkamp)

Für seinen historischen und vielschichtigen Thriller „Fünf Winter“ wurde James Kestrel 2022 mit dem Edgar Award für den besten Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. Nun liegt mit „Bis in alle Endlichkeit“ ein klassisch anmutender Krimi vor – zumindest auf den ersten Blick. Eine junge Frau wird in San Francisco tot auf dem Autodach eines Rolls Royce liegend aufgefunden. Sie muss in die Tiefe gestürzt sein. Privatdetektiv Lee Crowe, der zufällig als Erster vor Ort ist, wird schon bald von der Mutter der Toten, der steinreichen Olivia Gravesend, mit Ermittlungen beauftragt. Im Gegensatz zur Polizei glaubt sie nicht an einen Suizid.

James Kestrel, ein Pseudonym des Autors Jonathan Moore („Poison Artist“), hat mit Lee Crowe einen „Private Eye“ ganz in der Tradition von US-Krimiikone Raymond Chandler erschaffen. Crowe pflegt einen „flexiblen Umgang mit Regeln“ und wird als „verbissener Dreckskerl“ charakterisiert, seiner Ex-Frau trauert er Jahre nach der Trennung immer noch nach.

Doch auch Einflüsse von Edgar Allan Poe lassen sich nicht verleugnen, wie mit Fortlauf der immer düsterer werdenden Geschichte klar wird. Etwa wenn der (Alb-)Traum vom ewigen Leben thematisiert wird. Kein Wunder, dass eine Spur Crowe bis nach Hollywood führt, wo das Streben nach Unsterblichkeit besonders groß ist.

Platz 7 – Megan Abbott: Wage es nur!

(Pulp Master)

Im vergangenen Jahr erschien Megan Abbotts Krimiperle „Aus der Balance“. Entführte sie damals in die Welt des Balletts und schrieb von geschundenen Körpern und Seelen, widmet sich die Autorin in „Wage es nur“ dem Cheerleading. Addy und Beth sind beste Freundinnen, als die neue Trainerin das Gefüge der sich in die Höhe katapultierenden Mädchen durcheinanderwirbelt. Unheil liegt im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft. Wie keine andere gewinnt Abbott dem Noir auf fesselnde Weise eine feministische Seite ab.

Platz 6 – Colin Niel: Darwyne

(Suhrkamp)

Darwyne, zehn Jahre alt und körperlich beeinträchtigt, lebt mit seiner Mutter, Yolanda, in einer Hütte in einem Slum im Amazonasgebiet. Wenn Yolanda alle paar Monate einen neuen Mann ins beengte Heim bringt, steigen die Spannungen. Mysteriös: Sieben Liebhaber der Frau sind bereits spurlos verschwunden. Ob das Kind dahintersteckt? Colin Niel erzählt in “Darwyne” von den Gegensätzen des Lebens in der Zivilisation und im Dschungel, vor allem aber die erschütternde Geschichte eines Buben, der bloß von der Mutter geliebt werden will.

Platz 5 – Tom Hillenbrand: Lieferdienst

(Kiepenheuer&Witsch)

Tom Hillenbrand („Drohnenland“, „Montecrypto“) ist der beste deutschsprachige Autor von Near-Future-Thrillern. Auch in seinem gerade einmal 200 Seiten umfassenden neuesten Werk zeigt er sich ideenfreudig. In einem dystopischen Neu-Berlin kämpfen drei Lieferdienste um die Luftherrschaft. Sogenannte „Bringer“ sind auf fliegenden Boards unterwegs und allen möglichen Gefahren ausgesetzt, die Produkte werden von den mächtigen Lieferfirmen längst per 3-D-Drucker selbst hergestellt. Weniger ist hier mehr. Und die gute Nachricht: “Thanatopia”, Band drei seiner Hologrammatica-Reihe, erscheint im März!

Platz 4 – Jessica Knoll: Bright Young Women

(Eichborn)

Die Namen von Serienmördern kennt man, die ihrer Opfer zumeist nicht. Jessica Knoll widmet sich in ihrem Roman „Bright Young Women“ einem der bekanntesten und angeblich charmantesten Frauenmörder (ich nenne hier seinen Namen ganz bewusst nicht! Wer will, kann ihn problemlos herausfinden). Sie dreht aller­dings den Spieß um und verleiht den weib­lichen Fußnoten der hinlänglich bekannten Geschichte Gesichter und Gefühle. Sie demaskiert den vermeintlich genialen Mörder, dem die Frauen reihenweise verfallen sind – alles nur ein Mythos. Am Ende bleibt ein erbärmlicher Mann übrig, der Frauen brutal ermordet hat.

Platz 3 – Ray Nayler: Die Stimme der Kraken

(Tropen)

US-Autor Ray Nayler verlegt in “Die Stimme der Kraken” seine Geschichte rund um die intelligenten Achtbeiner in eine nahe Zukunft. Oktopoden sind eigentlich Einzelgänger: „Er durchstreift die Meere, allein, würde seine Artgenossen eher fressen, als sich mit ihnen zusammenzutun.“ Als sie sich in Gruppen zusammenschließen, werden die Menschen nervös. Nayler stellt sich die Frage: Was wäre, würde die erste außerirdische ­Intelligenz bereits mit uns auf dem Planeten leben? Und zwar im Meer.

Beim Lesen von „Die Stimme der Kraken“ fühlt man sich an Steven Spielbergs visionäres Meisterwerk „Minority Report“ erinnert. Es ist wie ein Blick in das Jahr 2100. Wie wird sich dieses Buch dann lesen? Was davon wird Realität geworden sein? Sogenannte Autonomönche etwa helfen frisch geschlüpften Meeresschildkröten ins Wasser, Identitätsschilde verschlei­ern die wahre Identität von Personen, und auf den Meeren kreuzen mit künstlicher Intelligenz gesteuerte Schiffe profitorientierter Konzerne mit menschlichen Sklaven an Bord.

Platz 2 – Hervé le Corre: Durch die dunkelste Nacht

(Suhrkamp)

Der französische Autor Hervé le Corre hat einen aufrüttelnden Kriminalroman über Gewalt an Frauen geschrieben. Er erzählt in “Durch die dunkelste Nacht” aus drei Perspektiven: Louise wird von ihrem Ex-Freund bedroht und misshandelt, ihr Rettungsanker ist der achtjährige Sohn Sam. Polizist Jourdan ist angesichts der häuslichen Brutalität, mit der er täglich konfrontiert wird, desillusioniert. Und dann gibt es noch einen Frauenmörder, der als Kind selbst missbraucht wurde. Aussichtslosigkeit, Angst und Verzweiflung, aber auch zart aufkeimende Hoffnung werden spürbar.

Platz 1 – Hannelore Cayre: Finger ab

(Ariadne)

Kein Krimi hat mich im Jahr 2024 mehr aufgewühlt und wütender gemacht als dieses nicht einmal 200 Seiten umfassende Meisterwerk der Französin Hannelore Cayre. Historisch, feministisch, großartig.

In Frankreich werden zwei Skelette gefunden. Paläontologin Adrienne stellt fest, dass es sich um die Überreste einer Frau und eines Mann handelt, die vor 35.000 Jahren gelebt haben. Es ist so etwas wie der erste Tatort der Geschichte, denn der Mann kam gewaltsam zu Tode. Bei der Rekonstruktion der Geschehnisse löst Adrienne nicht nur den Fall, sondern zeigt, wie sehr die Geschichte der Frau „die große Vergessene in der Erzählung über unsere Ursprünge“ ist.

Ich weiß, viele werden meinen, das sei doch gar kein Kriminalroman. Ich sehe das anders. “Finger ab” sollte zudem Pflichtlektüre im Schulunterricht sein!

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“Lieferdienst” von Tom Hillenbrand: Der Kampf um die schnellste Zustellung

(c) Kiepenheuer&Witsch

Seit “Drohnenland” zählen Tom Hillenbrands Near-Future-Thriller (“Hologrammatica”) für mich quasi zum Pflichtprogramm. Nun hat der vielseitige Autor – er schreibt auch historische Kriminalromane (“Der Kaffeedieb”, “Die Erfindung des Lächelns”) und feierte seine ersten Erfolge mit den kulinarischen Krimis rund um Xaver Kieffer – wieder einen neuen Roman vorgelegt.

“Lieferdienst” ist zwar nur 190 Seiten dünn, dennoch gelingt es dem Autor erneut ausgezeichnet, eine eigene in der nahen Zukunft liegende Welt zu erschaffen. In einem dystopischen Neu-Berlin kämpfen drei Lieferdienste um die Luftherrschaft. Sogenannte „Bringer“ sind auf fliegenden Boards unterwegs und allen möglichen Gefahren ausgesetzt, die Produkte werden von den mächtigen Lieferfirmen längst per 3-D-Drucker selbst hergestellt.

Arkadi arbeitet für “Rio”, einen der Lieferdienste. Als er von seinem Kollegen “Airbox”, einer wahren Bringer-Legende, ein Paket übernimmt, muss er kurz darauf mitansehen, wie dieser in den Tod stürzt. Weitere seltsame Sonderaufträge machen ihn stutzig, besonders als sich auch noch die Rio-Chefetage für ihn zu interessieren beginnt.

Wieder wirft Hillenbrand mit futuristischen Begriffen wie “Visor”, “Hando” und “Mobilnik” um sich, die sich aber im Lauf der packenden Geschichte erklären. Es ist Hillenbrands gewohnt raffinierter Kniff, die Leser auch durch selbsterfundene Fachtermini in diese fremde und zugleich faszinierende Welt eintauchen zu lassen. Noch ein Beispiel gefällig? “Sad board lunch” heißt es etwa, wenn Arkadi im Fliegen essen muss, weil im Lieferstress wieder einmal keine Zeit bleibt. Äußerst gekonnt finde ich das.

Hier kurz und knapp mein Fazit: Kurz und gut!

Ein Hinweis noch für alle, denen dieses Buch einfach zu kurz ist: Mit “Thanatopia” hat der Autor erst kürzlich Teil 3 seiner Hologrammatica-Serie für März 2025 angekündigt. Man darf davon ausgehen, dass er sich dann nicht mit 200 Seiten begnügen wird.

9 von 10 Punkten

Tom Hillenbrand: “Lieferdienst”, Kiepenheuer&Witsch, 190 Seiten.

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“9 mm Cut” von Sybille Ruge: Ein gepfleger Rasen? Sehr verdächtig!

(c) Suhrkamp

Bereits mit ihrem Debütroman “Davenport 160 x 90” bewies sich die deutsche Autorin Sybille Ruge als ungewöhnliche Stimme im großteils sehr gleich klingenden Krimigenre. Ich schrieb damals darüber: “Wer es gern konventionell mag, der könnte mit diesem wilden Mix aus originellen Figuren, bösen Lebensweisheiten und einem scharfen, aber auch humorvollen Blick für die Realität überfordert sein. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt – Krimi oder Nichtkrimi!”

Mit ihrem zweiten Buch “9 mm Cut” legt sie sogar noch einmal nach. Der Name von Hauptfigur Eve Klein ist nur ein Aliasname, mit dem sie ihr Auftraggeber K2 (Kunde zwei, Chef eines internationalen Lebensmittelkonzerns) ausgestattet hat, um beim Sitz seiner Stiftung nach dem Rechten zu sehen. Eve ermittelt großteils in einer Villa, deren penibel gepflegter Rasen auf die titelgebenden neun Milimeter getrimmt wird, während sich im Inneren des Hauses die Ungepflegtheiten und Grausamkeiten des Lebens abspielen.

Wortgewaltig und sprachverliebt (“Ihr Lächeln war von erfrischender Kälte”) übt Ruge Kritik am Kapitalismus und tarnt das als Krimi. Allein Sätze wie folgende sind die Lektüre wert: “Ich spürte meine Gesichtsmuskeln, die die Fasson wahrten. Eine höfische Anspannung, dahinter Krieg. Das ist mit Diplomatie gemeint.” Wunderbar.

7 von 10 Punkten

Sybille Ruge: “9mm Cut”, Suhrkamp Verlag, 232 Seiten.

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“Durch die dunkelste Nacht” von Hervé le Corre: Ein Krimi wie eine Anklage

(c) Suhrkamp

Der französische Autor Hervé le Corre hat einen aufrüttelnden Kriminalroman über Gewalt an Frauen geschrieben. Er erzählt dabei aus drei Perspektiven: Louise wird von ihrem Ex-Freund bedroht und misshandelt, ihr Rettungsanker ist der achtjährige Sohn Sam. Polizist Jourdan ist angesichts der häuslichen Brutalität, mit der er täglich konfrontiert wird, desillusioniert. Und dann gibt es noch einen Frauenmörder, der als Kind selbst missbraucht wurde.

Le Corres Buch ist wahrlich keine angenehme Lektüre, aber eine lohnenswerte. Vor allem dann, wenn er jeweils aus der Sicht von Louise und Jourdan erzählt (ich persönlich wäre ohne den dritten Erzählstrang sehr gut ausgekommen, mein Problem mit Serienmördern ist Lesern dieses Blogs hinlänglich bekannt).

Wie sich Louise durch einen unerträglichen Tag nach dem anderen kämpft, Erniedrigung und Angst erträgt, nur um für Sam da zu sein, das berührt. Denn Louise weiß, dass ihr Peiniger wiederkehren wird: “Sie wird beten, dass er ihr nicht mit einem Fußtritt das Rückgrat bricht. Sie wird beten, aber ihr Gebet, das weiß sie, wird von nichts und niemandem erhört, nirgendwo. Kein Gott. Kein Paradies. Die Hölle ist hier, ohne Horizont oder Jenseits.”

Ebenso berührt es, Jourdan durch seinen unerträglichen beruflichen Alltag zu begleiten. Die Welt aus den Augen eines Mannes zu sehen, der an zu vielen Tatorten war und verzweifelt versucht, seine Mitmenschlichkeit zu bewahren. Der sich in selbstmörderische Situationen begibt, weil er all das nicht mehr ertragen kann. Dies gewalttätigen Männer und was sie ihren Familien antun: “Jourdan weiß nicht, was Männer ins Verderben stürzt. Er will es auch gar nicht mehr wissen. Daher die Wut als einzige Reaktion auf unlösbare Fragen. Letzter Ausweg, ganz hinten in der Sackgasse.”

Aussichtslosigkeit, Angst und Verzweiflung, aber auch zart aufkeimende Hoffnung werden spürbar. Vor allem dann, als sich Louises und Jourdans Weg kreuzen. Aber Achtung, “Durch die dunkelste Nacht” ist ein düsteres Stück Kriminalliteratur, ein sattes Stück Noir. Und wir alle wissen, wie diese Bücher enden.

9 von 10 Punkten

Hervé le Corre: „Durch die dunkelste Nacht“, übersetzt von Anne Thomas, Suhrkamp Verlag, 340 Seiten.

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“Brazilian Psycho” von Joe Thomas: Wo sind hier bloß die Guten?

(c) btb Verlag

Die Logik von Verlagen entzieht sich zuweilen der Leserschaft. So auch im Fall des großartigen São-Paulo-Kriminalromans „Brazilian Psycho“. Obwohl das erste von Joe Thomas auf Deutsch publizierte Buch, ist es bereits der abschließende von vier Bänden rund um den ermittelnden Polizisten Mario Leme. Der Unterschied zu den Vorgängern dürfte darin liegen, dass die Zeitspanne des Erzählten weitaus breiter, nämlich von 2003 bis 2019, gefasst ist. Und Leme nur einer von vielen Protagonisten ist, was auch das umfassende Personenverzeichnis am Ende des Buches unumgänglich macht.

Autor Joe Thomas ist zwar Brite, hat aber mehr als zehn Jahre in São Paulo gelebt. Dass er weiß, wovon er schreibt, merkt man auf jeder Seite. Er porträtiert die Stadt als einen Ort von Korruption und Gewalt. Ob die Gangs in den armen Favelas, die gierigen Geschäftsmänner in teuren Anzügen, brutale Militärs, gekaufte Polizisten, rätselhafte Geheimdienstler oder hochrangige Politiker bis ins Präsidentenamt wie Lula da Silva oder Bolsonaro – wo sind hier bloß die Guten geblieben?

Natürlich gibt es die wenigen Aufrechten wie Leme und seinen Partner Ricardo Lisboa. Zu Beginn des Buches beschäftigt sie der Mord am Direktor einer britischen Schule. Bis der Fall geklärt ist, werden 16 Jahre vergehen, und am Ende ist nur eines klar: Die Lösung eines einzelnen Verbrechens ist hier das geringste Problem.

Um noch einmal auf den Verlag zurückzukommen. Nachdem der Autor sich nun also den Lesern vorstellen durfte, bleibt zu hoffen, dass nun die drei ersten Bände der Serie erscheinen, in denen Mario Leme die alleinige Hauptrolle spielen dürfte.

Der vom Verlag strapazierte Vergleich mit Don Winslow tut Thomas jedenfalls nicht gut. Das steigert die Erwartungen zu sehr. Winslow würde niemals 100 bis 200 Seiten benötigen, um so richtig loszulegen. Aber das macht nichts, Thomas hat seine ganz eigene Art zu erzählen. Das ist nicht immer zielorientiert, aber so hat er eben seine ganz eigene Stimme. Der Brite hat ein wenig schmeichelhaftes Porträt der Stadt São Paulo geschrieben. Episch und außergewöhnlich gut.

8 von 10 Punkten

Joe Thomas: „Brazilian Psycho“, übersetzt von Alexander Wagner, btb-Verlag, 638 Seiten, 18,50 Euro.

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Nachgeholt: Meine Lieblingskrimis 2022

Eine Jahres-Bestenliste mit über einem Jahr Verspätung? Außer mir macht das wohl auch niemand 😉 Aber so habe ich jetzt wenigstens ein vollständiges Jahrzehnt (mehr sogar: 11 Jahre) meiner Lieblingskrimis zusammengefasst.

Vorab möchte ich einen Krimi erwähnen, der es gerade nicht in die Top 10 geschafft hat: “Wie die einarmige Schwester das Haus fegt” von Cherie Jones. Nun geht es aber auch schon los:

Platz 10 – James Ellroy: Allgemeine Panik

(c) Ullstein Verlag

In “Allgemeine Panik” widmet sich James Ellroy – wieder einmal – dem Hollywood der 1950er-Jahre und zeigt dessen wenig glamouröse Seite. Das Buch zeigt auch sehr gut: Ellroy ist und bleibt ein Meister des Rabiaten. Es ist vermutlich keines von Ellroys besten Büchern, aber es ist ein abgründiges, verstörendes, zutiefst schurkisches und letztlich auch Spaß machendes Stück Kriminalliteratur.

Platz 9 – Kotaro Isaka: Bullet Train

Fünf Killer besteigen in Tokio den Shinkansen in Richtung Morioka. Wer wird die Fahrt überleben? Der Tarantino-Vergleich mag auf die schrille Hollywood-Verfilmung mit Sandra Bullock und Brad Pitt zutreffen, zumindest lassen das die ersten Trailer vermuten. Das Buch hat aber ganz andere Vorzüge.

Der Autor erzählt eine rasante Geschichte, die aber auch immer wieder ihre stillen Momente hat, fast schon philosophisch wird und mit schlagfertigen Dialogen glänzt. Die comicartigen – weil überzeichneten – Figuren wirken überraschend glaubwürdig. Absurd-Authentisches aus Asien sozusagen. Vermutlich hätte auch Agatha Christie an diesem Mordsspektakel im modernen Orient-Express ihres Erben Isaka ihre helle Freude gehabt.

Platz 8 – Riku Onda: Die Aosawa-Morde

Der Kriminalroman „Die Aosawa-Morde“ von Isakas Landsfrau Riku Onda hat nicht nur ein paar stille Momente, sondern sogar ganz viele davon. In Ondas Buch dreht sich alles um ein Fest der Familie Aosawa, bei dem siebzehn Menschen einen qualvollen Tod finden. Sie werden vergiftet, nur Hisako, die blinde Tochter des Hauses, überlebt. Die Japanerin schreibt darüber, wie polymorph die Wahrheit sein kann. Sie erzählt aus vielen verschiedenen Perspektiven und verdeutlicht, wie widersprechend scheinbar eindeutige Geschehnisse manchmal sind. Nicht immer ist gleich klar, wessen Stimme zu hören ist, doch mit jeder neuen Sichtweise setzen sich die Geschehnisse von damals neu und anders zusammen.

Das Erzähltempo ist langsam. Die Spannung entsteht allein durch die allgegenwärtige Frage, was wirklich geschah. Eine letztgültige Antwort verweigert die Autorin aber. Das ist konsequent: Es geht letztlich nicht darum, wer die schreckliche Tat begangen hat, sondern was diese mit den Überlebenden getan hat.

Platz 7 – Stephen Mack Jones: Princess Margarita Illegal

(c) Tropen Verlag

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind aus europäischer Sicht nicht immer ganz leicht zu verstehen, da können auch Kriminalromane durchaus aufklärerisch wirken. Der Autor zeigt etwa, dass auch Liberale ein Faible für Waffen haben können. Die Waffenlobby NRA wird bei aller Kritik an sozialen Missständen und rechtsradikalen Fanatikern durchaus ihre Freude an diesem Buch haben. Denn am Ende gewinnen die gut bewaffneten Guten.

Platz 6 – Zhou Haohui: “18/4 – Der Hauptmann und der Mörder”

Raffiniert konstruiert Zhou Haohuis eine rätselhafte Geschichte, die er einerseits meisterhaft aufzulösen versteht und an deren Ende er andererseits gekonnt ein neues Rätsel erschafft, an dem sich in den Teilen zwei (“18/4 – Der Pfad des Rächers”, erscheint im Mai) und drei (“18/4 – Die blinde Tochter”, September) die Ermittler die Zähne auszubeißen haben.

Platz 5 – Don Winslow: City on Fire

Don Winslow hat es nicht verlernt. Zum Auftakt seiner (vorerst) letzten Trilogie hat der Amerikaner die Figuren und Themen der „Ilias“ und der „Aeneis“ ins Rhode Island der 1980er übertragen. Griechen und Trojaner werden zu rivalisierenden Mafiabanden.

Platz 4 – Garry Disher: Stunde der Flut

Garry Disher ist bekannt für seine beiden Krimiserien rund um die Polizisten Inspector Challis und Constable Hirschhausen, aber auch für die Reihe um den vornamenslosen Berufsverbrecher Wyatt (dem Richard Starks ebenfalls vornamensloser Kriminelle “Parker” als Vorbild diente). Zwischendurch schreibt er aber auch Stand-Alones wie nun “Stunde der Flut”. Und das überzeugend.

Ein Markenzeichen des Australiers ist sein ruhiger Erzählstil. Seine Geschichten beginnen nicht mit einem Paukenschlag, ehe er Schlag auf Schlag die Nerven attackiert. Nein, Disher dreht ganz gemächlich, Stück für Stück, an der Spannungsschraube. Zuerst führt er seine Figuren ein, schafft ein stimmiges Setting. Fad ist das nie, aber untypisch für einen Kriminalroman. Erst langsam, wenn man die Figuren besser kennt, die Spannungsfelder in den Beziehungen und die Brüche in der Vergangenheit durschaut, wird Fahrt aufgenommen.

Platz 3 – Gu Byeong-Mo: Frau mit Messer

Leider sind alle meine Notizen zu der Lektüre dieses Buches verschwunden. Als ich vor über einem Jahr die Reihenfolge dieser Liste festgelegt habe, reihte ich das Buch unter die Top 3. Deshalb füge ich “Frau mit Messer” jetzt auch hier ein, kann aber nicht mehr allzu viel darüber erzählen. Hornclaw ist eine ins Alter gekommene Auftragsmörderin. Von alternden männlichen Killern wurde in der Kriminalliteratur schon oft erzählt, nun gibt es endlich auch eine weibliche Variante davon!

Platz 2 – Michael Mann/Meg Gardiner: Heat 2

(c) HarperCollins

Michael Manns Krimiepos „Heat“ aus dem Jahr 1995 genießt unter Filmkennern Kultstatus. 2022 hat Mann mithilfe der Krimiautorin Meg Gardiner eine Fortsetzung geschrieben, Pre- und Sequel in einem. Dem Autorenduo gelingt es dabei ausgezeichnet, die Figuren wieder aufleben zu lassen. Es ist die große Stärke des Buchs, dass hier fehlende Puzzleteile aus dem Leben Hannas und McCauleys schlüssig eingefügt werden. Deren Handlungsweisen und Besessenheiten werden noch klarer. Der Fokus liegt diesmal aber auf Chris Shiherlis, einst gespielt von Val Kilmer. „Heat 2“ bietet fast 700 Seiten knallharte Krimikost in der Tradition von Don Winslow.

Platz 1 – William McIlvanney/Ian Rankin: “Das Dunkle bleibt”

(c) Kunstmann Verlag

Selten kommt es vor, dass unvollendete Manuskripte von Kollegen fertig geschrieben werden. Doch William McIlvanneys „Das Dunkle bleibt“ hat niemand Geringerer als sein schottischer Landsmann Ian Rankin vollendet, dessen Ermittler John Rebus Kultstatus genießt.

Die hohe Kunst Rankins liegt darin, dass man sich bei der Lektüre des Buchs nicht mit der Frage beschäftigen muss, welcher der beiden Autoren denn nun welchen Teil geschrieben hat. Sowohl die beiden Schriftsteller als auch ihre Figuren haben einen ähnlich abgeklärten Blick auf die Dinge, der sich auch in folgendem Zitat perfekt zusammenfassen lässt: „Das Gesetz hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Das ist ein System, das wir installiert haben, weil’s keine Gerechtigkeit gibt.“

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Meine Lieblingskrimis 2023

Auch wenn ich im vergangenen Jahr so gut wie nichts in diesem Blog über Kriminalliteratur geschrieben habe, gelesen habe ich dennoch viel. Daher möchte ich zu Beginn des neuen Jahres noch einmal zurückblicken (vielleicht schaffe ich es demnächst auch noch, meine Lieblingskrimis 2022 nachzuholen …).

Damit es spannender ist, beginne ich bei Platz 10 😉

Platz 10 – Joesi Prokopetz: Hofer

Edition A Verlag

Als 19-Jähriger hat Joesi Prokopetz den Text für den berühmten Austropop-Song „Da Hofa“ geschrieben. Über 40 Jahre später hat er daraus nun einen Kriminalroman gemacht.

Prokopetz hat einen amüsanten Kriminalroman geschrieben, in dem Drogen, der KGB, jugoslawische Partisanen, kaum versteckter Antisemitismus, Abtreibung im katholisch-heuchlerischen Österreich und natürlich auch Popsongs eine große Rolle spielen. Die Polizisten sind ein bissl dilettantisch, die Drogen konsumierenden und durch einen Zufallsfund auch mit Drogen handelnden Jugendlichen unbedarft-naiv. Die Unterweltler sind zwar skrupellos, aber auch nicht die allerhellsten.

Dem Schriftsteller Prokopetz ist es gelungen, aus wenigen Lied-Zeilen einen 300-seitigen stimmigen Roman zu machen, der seine Vorlage nicht kannabalisiert und banalisiert, sondern dem Hofer-Mythos ein weiteres Mosaik hinzufügt.

Platz 9 – Regina Nössler: Kellerassel

Konkursbuch Verlag

„Kellerassel“ spielt während Corona in Berlin. Isabel arbeitet in einer Impfstraße, überlegt aber, wie sie durch Erpressung zu mehr Geld kommen kann. Da sie auch noch im Tiefparterre lebt, wird sie von so manchem abschätzig als Kellerassel bezeichnet.

Regina Nössler porträtiert neben der eigenwilligen Isabel auch noch andere gewöhnungsbedürftige Charaktere, allesamt eher unsympathisch, aber lebensecht. Diesen Kriminalroman der anderen Art sollte man aufgrund seiner Qualität und des lakonischen Stils nicht im Tiefparterre, sondern im Dachgeschoß einordnen.

Platz 8 – Karin Smirnoff: Verderben

Heyne Verlag

Mit „Verderben“ ist Teil eins der dritten offiziellen Trilogie rund um Blomkvist und Salander auf Deutsch erschienen. Autorin Karin Smirnoff erweitert das „Millennium“-Universum um Salanders Nichte Svala, die sehr viel mit ihrer widerspenstigen, außergewöhnlichen Tante gemeinsam hat. Auch sonst wird die Autorin den Vorgängerbüchern gerecht: Die Bösen sind ausschließlich Männer, die Frauen fügen sich jedoch nicht in ihre Opferrollen. Obwohl sie mit den Folgen der männlichen Grausamkeiten leben müssen, sind sie das wahre starke Geschlecht. Da scheint es schlüssig, dass die Erben einer Frau all die zweifelnden und dennoch gleichzeitig so selbstbewussten weiblichen Figuren anvertrauen.

Smirnoff erweist sich in „Verderben“ als würdige literarische Erbin, wenn sie im Geiste des Erfinders über die skrupellosen Machenschaften von Konzernen und korrupten Verwaltungsbeamten, unterstützt von einer rechtsradikalen Motorradgang, schreibt. Wie schon Larsson zeigt sie, wie aus Ohnmacht Wut werden kann – Wut, die aus unterdrückten Opfern Gleichberechtigte macht, die zurückschlagen.

Platz 7 – James Kestrel: Fünf Winter

Suhrkamp Verlag

Das Schicksal von Detective Joe McGrady, den es im Jahr 1941 bei seinen Ermittlungen nach einem grausamen Doppelmord von Honolulu nach Hongkong verschlägt, geht unter die Haut. Als sich die politischen Ereignisse überschlagen und der Krieg zwischen Japan und den USA ausbricht, gerät der Fall vorerst in den Hintergrund: Es gilt zu überleben. So erklärt sich auch, warum sich die Handlung über die titelgebenden fünf Winter spannt und erst im Dezember 1945 endet.

„Fünf Winter“ erzählt viele Geschichten. Da wäre die eines außergewöhnlichen Kriminalfalls, der McGrady angesichts der unglaublichen Brutalität der Tat einfach nicht loslässt. Dann die der komplexen amerikanisch-japanischen Beziehungen. Sowie eine einfühlsame Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht, und viele, viele kleine zwischenmenschliche Episoden. Die große Leinwand scheint für diesen Stoff programmiert.

Platz 6 – Don Winslow: City of Dreams

HarperCollins Verlag

Don Winslow hat einen Mittelteil ohne Mittelmäßigkeit geschrieben. War der Auftakt, „City of Fire“, vor allem von Homers „Ilias“ geprägt, orientiert sich der zweite Teil seiner City-Trilogie nun sehr stark am Epos „Aeneis“, das der römische Dichter Vergil auf Grundlage von Homers „Ilias“ und „Odyssee“ geschrieben hat.

Es ist Winslows große Leistung, dass man als geschichtlich und mythologisch unbedarfter Krimileser an dieser Trilogie ebenso seine Freude hat wie als Liebhaber jahrtausendealter Stoffe. Wer könnte in dieser modernen Version Odysseus sein, wer Dido, wer Aphrodite? Winslow hat ein vielschichtiges Werk verfasst, reich an vielen wahrhaftigen Momenten, das letztlich aber in erster Linie all das abhandelt, was das Menschsein ausmacht: Freundschaft, Feindschaft, Liebe, Loyalität, Hass und Gier. Diese Themen haben sich seit Homer und Vergil nicht grundsätzlich verändert.

Platz 5 – Percival Everett: Die Bäume

Hanser Verlag

In Money Mississippi sterben dumme, dicke weiße Männer. Neben ihnen wird jeweils die Leiche eines unbekannten Schwarzen gefunden. Das Ungewöhnliche: es ist jedesmal derselbe schwarze Mann. Doch wer ist er und wie kann er plötzlich verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen?

Percival Everetts “Die Bäume” ist vor allem eine ungewöhnliche Kritik am Rassismus in den USA, dem man nicht mit Realismus begegnen kann. Bissiger Humor, gepaart mit ebenso präziser Gesellschaftskritik – und all das liest sich noch dazu wie ein Kriminalroman. Kein Wunder, dass dieses Buch fast alle Krimipreise eingeheimst hat.

Platz 4 – Heather Levy: Der süßeste Tod

Polar Verlag

„Der süßeste Tod“ ist ein gelungener Kriminalroman rund um BDSM – aber meilenweit entfernt von stereotypen Hollywood-Darstellungen wie in „50 Shades of Grey“. Einvernehmlichkeit ist auch bei BDSM oberste Prämisse. Levy lotet gekonnt Grenzen und Grenzüberschreitungen aus.

Um eine grundlegende und zentrale Frage kreist das Buch: Was passiert, wenn ein sadistischer Sexualtäter auf eine Teenagerin mit masochistischen Neigungen trifft? Laut der deutschen Kriminalliteratur-Expertin Sonja Hartl räumt die Autorin mit einem brutalen Irrtum auf, wie sie im Nachwort schreibt: „Nur weil sie von Schmerzen erregt wird, bedeutet es nicht, dass sie vergewaltigt werden will.“

Wer ein schmuddeliges und voyeuristisches Machwerk befürchtet: Fehlanzeige. Levys Buch ist stellenweise sehr schwer erträglich. Was Menschen einander antun, es ist kaum zu beschreiben. Doch Levy gelingt es.

Platz 3 – Dennis Lehane: Sekunden der Gnade

Diogenes Verlag

Boston im Sommer des Jahres 1974. Die Stadt gleicht einem Kochtopf. Das liegt an der drückenden Hitze, aber auch an den Folgen eines Gerichtsurteils, das die Stimmung befeuert. Dieses verpflichtet die Schulbehörde nämlich dazu, schwarze Schüler per Bus in weiße Schulen zu bringen – und umgekehrt. Das irisch geprägte Viertel Commonwealth in South Boston ist deshalb in Aufruhr. Nähme man den Deckel vom Kochtopf, der ganze Hass würde herausbrodeln.

Für Lehane ist dieses Buch ein persönliches. Als Kind war er mit seinem Vater in einen Mob aufgebrachter Menschen geraten, die gegen die Fahrt der Schulbusse demonstrierten. Nie in seinem Leben habe er so viel Angst gehabt. „Es ist eine Geschichte, die, so hoffe ich, endlich in Worte fasst, was ein verängstigter Neunjähriger zu begreifen versuchte, als sein Vater falsch abgebogen und mitten ins empörte Herz einer Gemeinschaft geraten war.“ Vor allem aber ist es ein Buch, das man wegen seiner vielen Wahrheiten, seiner Empathie und seinem unerschütterlichen Humanismus am liebsten gleich noch einmal lesen würde.

Platz 2 – Megan Abbot: Aus der Balance

Pulpmaster Verlag

Megan Abbotts abgründiger Krimi “Aus der Balance” entführt in die Welt des Balletts, auf die dunkle Seite von Rosa, wenn man so will. Eindringlich schreibt sie von geschundenen Körpern und Seelen.

“Das Ballett war reich an düsteren Märchen, und wie eine Tänzerin ihre Spitzenschuhe vorbereitete, war ein Ritual, so mysteriös und intim wie Selbstbefriedigung”, heißt es an einer Stelle. Ohne Ehrgeiz und Ellbogen gibt es im Ballett jedenfalls keine Erfolge.

Abbotts abgründige Geschichte über die Schwestern Dara und Marie, die seit dem Tod ihrer Mutter eine Ballettschule betreiben, legt gekonnt offen, wozu die vielen nicht gesagten Dinge in Beziehungen führen können.

Platz 1 – Jean-Christophe Grangé: Die marmornen Träume

Tropen Verlag

Der Franzose Jean-Christophe Grangé hat mit „Die marmornen Träume“ einen großen Roman geschrieben, der im Berlin der 1930er-Jahre spielt und den Irrsinn jener Zeit offenbart.

„Die marmornen Träume“ fängt die zwischen Ekstase und Ohnmacht schwankende Stimmung gekonnt ein. Dass es ausgerechnet drei „Beschädigte“ sind, die den Proponenten eines abartig auf Schönheit und Perfektion getrimmten Weltbildes, mehr aus Sturheit als aus tiefster Überzeugung, ungalant das Bein stellen, ist ein wunderschöner Kniff.

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