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Einflüsse, Entwicklungsgeschichte, MacDonald Fraser, Persönlichkeit, Rafael Sabatini, Tobias Smollett
FLASHMAN veränderte für immer das Gesicht des Historischen Abenteuerromans. Fraser machte Schluss mit den Heroen der geschliffenen Klinge („Hoho, Schurke! Nimm dies!“), die sich in den historischen Abenteuerromanen tummelten. Er war ein Geschichtsforscher und Erzähler von bemerkenswertem Format. Seinen zynischen Blick auf die Historie des 19.Jahrhunderts, unterstützt durch ein überwältigendes Wissen, hatte man bisher noch nicht gelesen. Der Erfolg war vorprogrammiert. Ich kenne keinen anderen Autor, der trockenen Geschichtsdaten soviel Leben einhauchen kann.
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Man muss sich nur die Fußnoten ansehen, die für die Fans das Salz in der Suppe sind, um zu sehen, welch intensives Quellenstudium jedem Buch voran ging. Fraser begnügte sich nie damit, sich auf so genannte Standardwerke zum jeweiligen Thema zu beschränken. Er studierte immer die Originalquellen, was sicherlich nicht immer die reine Freude war. Aber dadurch bekommen die Romane diese ungewöhnliche Authentizität eines vertrauenswürdigen Zeitzeugens. „Die Fußnoten waren in den ersten Büchern eigentlich nur als Gag gedacht. Im ersten sind es nur 15, glaube ich. Ich wollte nie mehr machen. Aber die Leser mochten und wollten das. So haben sich die Anhänge und Fußnoten immer weiter ausgedehnt. Das ist auch eine gute Möglichkeit, die historischen genau zu verdeutlichen.“
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Bei der Recherche zu jedem neuen FLASHMAN suchte er zusätzlich das Trinity College in Dublin auf. „Die Leute da sind sehr angenehm und helfen mir, wo sie nur können. Im Grunde lassen sie mich dort machen, was ich will.“ Er bemühte sich nicht viel zu lesen, was nach 1900 veröffentlicht worden war. „Gottseidank waren die Viktorianer exzessive Tagebuch- und Briefeschreiber. Da habe ich eine Menge Hintergrundmaterial her. Weniger aus den Werken von Historikern, die selten die Details vermitteln, auf die es mir ankommt.“ Mit welcher Sensibilität er sich den geschilderten Ereignissen näherte, belegt seine Aussage: „Man darf die Vergangenheit nicht mit Maßstäben der Gegenwart messen. Man muss versuchen, sie in ihrer Zeit zu verstehen und einzuordnen.“ Der Historiker Max Boot bescheinigte Fraser in einem Nachruf, dass es keinen modernen Schriftsteller gäbe, der ein besseres Ohr für das viktorianische Englisch habe.
Trotzdem bleibt er nicht in antiquierten Formulierungen stecken, sondern gibt seiner Sprache eine treibende Kraft, die zu der rasanten Handlung passt. Verblüffend sind die historischen Details, die Frasers Werk aus der Masse der üblichen Geschichtsromane herausheben. Und wie genau er recherchierte, im Gegensatz vieler mittelmäßiger und schlechter Autoren historischer Romane, zeigen die Forschungsgegenstände, die es zu berücksichtigen galt: „Ein Problem mit Flashman und dem 19.Jahrhundert sind die langen Transportwege um ihn rechtzeitig von Punkt A zu Punkt B zu bringen. Ich hatte ziemliche Schwierigkeiten, ihn aus dem Indien nach dem Sepoy-Aufstand in die USA zu bringen, damit er pünktlich zum Überfall auf Harper´s Ferry dabei sein konnte.“ Die mühevolle Recherche und das geniale Plotten, das jedem Roman voraus ging, merkt der Leser nie. Auch für Fraser gilt die alte Hemingway-Regel: „Je leichter es sich liest, um so härter ist es erarbeitet“.
Frasers bester Einfall war, einen Lügner und Betrüger wie Harry schonungslos in seinen Aufzeichnungen die Wahrheit sagen zu lassen, wie dies nur ein wahrhafter Ehrenmann tut, der keine Entschuldigungen für sein Verhalten sucht oder braucht. Einen feigen, verlogenen Frauenhelden zur Hauptfigur zu machen, war ebenfalls innovativ. „Ich bin ein schlechter Mensch. Ich habe immer meinen Lastern gelebt, und ich würde es wieder tun wegen des Spaßes, den ich dabei hatte. Ich habe verletzt, Bosheiten begangen und mich, oft auf Kosten anderer, auf höchst niederträchtige Weise amüsiert, aber ich empfinde nicht genug Reue, um deshalb nachts wach zu liegen“(FLASHMAN UND DER CHINESISCHE DRACHE).![9173le8cd+L._SL1500_[1]](https://compartsflashman.wordpress.com/wp-content/uploads/2014/06/9173le8cdl-_sl1500_1.jpg?w=195&h=300)
Fraser gelang die schmale Gratwanderung, mit diesem nicht gerade angenehmen Protagonisten beim Leser Sympathie zu wecken. Dies funktioniert, da Harry Flashman seine übelsten Taten nicht beschönigt. Einem feigen Lügner, der sich zu seinen Schwächen bekennt, glaubt der Leser jedes Wort (und zur Not gibt es noch Fußnoten, in denen Fraser erklärt „Hier irrt Flashman…“). Da er so rücksichtslos über sich selbst berichtet, glauben wir ihm auch seine Beobachtungen und Beschreibungen der historischen Figuren, denen er begegnet. „Den Lesern müssen 1969 die Münder offen gestanden haben als sie Flashys Selbstverständnis vernahmen: „Das Schikanieren von Untergebenen und das Prügeln von Huren ausgenommen, bin ich ein sanftmütiger Bursche – was bedeutet, dass ich nie jemanden etwas Böses antue, wenn die Möglichkeit besteht, er könnte dafür mir etwas Böses antun.“
Verblüfft erfährt der Leser, dass die politische- und militärische Führungsebene im 19.Jahrhundert ebenfalls zu 90 Prozent mit Vollidioten bestückt war. Die Absurdität der geschilderten Kriege und Schlachten zeigt sich auch darin, dass der Hasenfuss Flashman immer als vermeintlicher Held aus ihnen hervorgeht (da kein Überlebender seine Feigheit bezeugen kann). Angesichts des Schwachsinns, für den die Mächtigen ihn verheizen wollen, kann man Flashman nie wirklich böse sein. Letztlich ist er ein aufgeklärtes Individuum, das sich der Manipulation durch die Befehlshaber weitgehend entzieht und sie oft mit den eigenen Waffen schlägt. Im Vergleich zu den geltungssüchtigen Lords und Militärs, die ihre Soldaten, ohne mit der Wimper zu zucken, in den sicheren Tod schicken, ist der Anti-Held Flashman ein Humanist. Frasers Genie besteht darin, dass er unsere Gegenwart erkennbar mit herausragenden Ereignissen und Personen des 19.Jahrhunderts verknüpft. Der Unterschied zwischen Imperialismus und der so genannten „Globalisierung“ ist lediglich durch den technologischen Fortschritt erkennbar.
Eine Prämisse von Frasers Geschichtsverständnis ist: Geschichte wird nicht von großen Männern mit noblen Motiven gemacht, sondern von selbstsüchtigen Idioten aus Gier und Dummheit. Flashman zumindest weiß, dass es keinen einzigen guten Grund gibt, für alte reiche Männer in den Krieg zu ziehen. Tut er es, dann nur, weil er dem nicht ausweichen kann, ohne gesellschaftlich geächtet zu werden. Als Opportunist ist der darauf bedacht, an den Privilegien der Herrschenden teilzuhaben.
In Flashman kritisierte Fraser das Britische Empire, das er doch so liebt. Dabei lässt er weder an Engländern noch Schotten viele gute Haare: „Der Engländer, mag er noch so schlecht dran sein, hält sich für einen freien Mann und bemitleidet die unglücklichen Ausländer, die sich gegen ihre Herrscher erheben.
Und seine Herrscher nutzen diese Einstellung natürlich aus, sie unterdrücken ihn und versichert ihm zugleich, dass Briten niemals Sklaven sein werden… Das einzig Gute, was ihm eine Revolution vielleicht bringt, ist ein bisschen Plündern und Vergewaltigen – und unsere englischen Bauern scheinen von solchen Dingen nicht viel zu halten, vermutlich weil sie zum größten Teil verheiratete Männer mit Verantwortungsgefühl sind“(ROYAL FLASH). Und: „Schottland und die Schotten missfielen mir; das Klima war mir zu feucht, das Volk zu ungehobelt. Sie besitzen die guten Eigenschaften, die mich anöden – Sparsamkeit, Fleiß und ernste Frömmigkeit. Die jungen Frauen sind zumeist grobknochig, etepete und unbändig, im Bett zweifellos recht brauchbar, je nach Geschmack“ (FLASHMAN). Die Deutschen sind schon eher nach Flashmans Geschmack: „Wäre ich kein Engländer, so wäre ich gern ein Deutscher. Sie sagen, was sie denken, und das ist im Allgemeinen nicht viel, und sie sind bewundernswert ordentlich. Jedermann in Deutschland kennt seinen Platz und bleibt in seinen Schranken und katzbuckelt vor denen, die über ihm stehen – deshalb ist es ein ausgezeichnetes Land für Gentlemen und Angeber… in Deutschland waren die Angehörigen der unteren Schichten gefügig wie weißhäutige Nigger. Im ganzen Land herrscht hervorragende Disziplin und Zucht, und trotz ihrer Fügsamkeit gehören seine Bewohner zu den besten Soldaten und Arbeitern der Welt. Die Grundlage all dessen ist natürlich Dummheit, die bei Menschen vonnöten ist, will man sie dazu bringen, gut zu kämpfen oder zu arbeiten.“
Der Hedonist Flashman ist ideologisch schwer zu fassen. Zynisch beurteilt er das System, ist aber immer darauf bedacht, die Vorteile wahrzunehmen. „Ein König zu sein – oder besser ein Prinz – , ist etwas Herrliches; man wird umschmeichelt, hofiert, bejubelt; jeder Wunsch wird einem von den Augen abgelesen und sofort erfüllt…jedermann katzbuckelt vor einem und renkt sich den Hals vor Begeisterung…man geht nicht, man schwebt über allem, unter einem der Pöbel, kriechend und speichelleckerisch“(ROYAL FLASH). Er zeigt immer wieder, dass man sich durch Lug, Betrug, Rücksichtslosigkeit, Brutalität und Heuchelei am besten ins System eingliedert um Profit daraus zu schlagen.
Als er einmal darüber nachdenkt, eine politische Karriere zu machen, weiß er genau, worauf es ankommt: „…ohne Zweifel besaß ich in ausreichendem Maße die im politischen Leben erforderlichen Charaktereigenschaften. Ich konnte es im Lügen und Heucheln mit den Besten aufnehmen, mit einem freundschaftlichen Schlag auf die Schulter die größte Bosheit sagen, anderen Honig ums Maul streichen und meine Meinung so schnell ändern, wie ein Marktschreier Wunderpillen verkauft“ (FLASH FOR FREEDOM).
Den Zusammenhang zwischen Religion und Machtinteressen durchschaut er: „Doch zog ich im Geiste den Hut vor der Taiping-Rebellion – wie alle revolutionären Bewegungen (und alle Regierungen, was edas betrifft) war sie eindeutig dazu da, den Herrschenden einen Überfluss aus den Fleischtöpfen zu sichern, während sie die Beherrschten davon überzeugte, dass Entsagung gut für die Seele ist. Doch außer den Papisten fiel mir kein anderer herrschender Verein ein, der sein Geschäft so gut verstanden hätte wie dieser hier“ (FLASHMAN AND THE DRAGON).
Die Privilegien für einen weißen Briten durch das zusammen geraubte Empire sind Flashman wohl bewusst: „Wo auf der Welt findet man ein so fügsames, unterwürfiges Sklavenvolk wie in Indien? …die Macht des weißen Mannes über den Farbigen – und Macht ist eine schöne Sache, wenn man sie besitzt… Man kann sich ein Leben einrichten, wie es einem beliebt, und ist bei den Niggern ein großer Herr…“ Flashmans Stimme ist die Stimme des Imperialismus auf dem Höhepunkt seiner Macht. Da er amoralisch ist, kann er dieses „westliche Projekt“ ohne Sentimentalität, Selbstrechtfertigung oder vorgeblichen Idealismus glaubwürdig beschreiben und analysieren. Der angeblich so konservative MacDonald Fraser erscheint progressiver als so mancher liberale Historiker – von reaktionären ganz zu schweigen. Flashman ist kein Gegner des Systems. Er erkennt die Verlogenheit und die Schwachstellen um sie zynisch für seinen Vorteil auszunutzen, immer darauf bedacht, mit einem Minimum an Einsatz ein Maximum an Gewinn zu erlangen. Er ist genauso sehr Glückspilz wie Pechvogel. Glück hat er, indem der aus den gefährlichsten Situationen immer wieder heraus kommt. Ein Pechvogel ist er, weil er überhaupt in sie hinein gerät.
Der amerikanische Thriller-Autor Andrew Klavan sagte in seinem Essay FLASHMAN AND THE TRAGIC SENSIBILITY über ihn: “Er ist, das meine ich ernst, der perfekte Historiker. Flashman ist selbst die Stimme der Geschichte.“ Fraser bestätigt, dass die Geschichtsschreibung die Geschichte der Sieger ist. Aber er zeigt gleichzeitig, dass die Sieger Idioten sein können und ihre Erfolge nicht auf heroischen Taten beruhen.
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Auch Fraser beherzigte die alte Thriller-Regel: Je besser der Schurke, bei FLASHMAN eher: der Gegenspieler, um so spannender der Roman! Jeder Leser hat sicherlich seine Lieblingsschurken. Ganz weit oben bei der Hardcore-Fans steht Graf Ignatieff (eine der interessantesten Figuren, die für das Zarenreich intrigierte) aus FLASHMAN AT THE CHARGE und FLASHMAN IN THE BIG GAME. „Ich glaube der beste Schurke, den ich erfunden habe, ist John Charity Spring (FLASH FOR FREEDOM, FLASHMAN AND THE ANGEL OF THE LORD). Ich war vielleicht etwas hart mit Bismarck (ROYAL FLASH), aber nicht härter, als er es verdient hat. Was die Frauen angeht, die wahnsinnige Königin von Madagaskar (FLASHMAN´S LADY) ist höchst interessant. Das muss eine wirklich üble Kuh gewesen sein. Ich glaube, Flashmans Favoritin ist die Rani von Jhansi (FLASHMAN IN THE GREAT GAME). Es gibt Bilder von ihr. Sie war sehr schön und eine interessante Frau. Niemand weiß wirklich, wie sie war, auf welcher Seite sie bei der Meuterei stand, aber sie war virtuos. Auch wenn Flashman anderer Meinung war. Ich musste das in einer Fußnote klären.“ Starke Frauen wie die Rani kreuen dauernd Flashmans Pfade und verweisen ihn in seine männlichen Grenzen. Flashman ist zwar ein Chauvinist, aber Fraser ist es nicht. Seine starken Frauen sind lebendig und dreidimensional. Nicht umsonst nannte die „Times“ Flashman „the thinking woman´s scoundrel“. Daß dieser Bluffer, Betrüger, feigling und selbstsücht ige Frauenheld so viele weibliche Fans hat, erklärte die Schriftstellerin Jilly Cooper so: „Partly it is the same intrinsic maso-chism that drives men to get turned on by bitches and wicked ladies; and partly it’s because as a woman you always imagine that once you’ve bagged your cad you’re going to be the one that reforms his rake’s progress.”
Von den 34 Rezensionen zum ersten FLASHMAN in der amerikanischen Presse hielten zehn US-Kritiker Flashys Autobiographie für authentisch. Einer schrieb: Zweifellos die wichtigste Entdeckung seit den Boswell-Tagebüchern. Literaturkritiker wiesen darauf hin, dass man Fraser mit Robert Louis Stevenson und Tobias Smollett vergleichen könne.
Auch wenn immer wieder gerne Sabatini als Vorbild genannt wird, scheint Smollett (1721-1771) doch der größere Einfluss gewesen zu sein. Besonders dessen Erstling THE ADVENTURES OF RODERICK RANDOM (1748). Hier findet man einen Helden, der von wenig Skrupeln geplagt wird, eine genaue Beschreibung des Lebens in der Marine (der Held wird shanghait), Elemente des Schelmenromans à la GIL BLAS, atemberaubende Kriegsschilderungen (Schlacht von Cartagena), Humor und eine zynische Gesellschaftsbetrachtung. Der neben Defoe, Fielding, Sterne und Richardson zu den Begründern des englischen Romans gehörende Smollett beeinflusste Scott, Dickens und Marryat, die ebenfalls für Fraser nicht ohne Bedeutung gewesen sein dürften.
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Ein weiterer Einfluss, der sich aufdrängt, ist Thomas Bergers Roman LITTLE BIG MAN, 1964 erschienen. In ihm erzählt ein 121jähriger seine Erfahrungen unter Indianern und wie der wilde westen gezähmt wurde. Des Weiteren wird öfters auf William Thackerays THE LUCK OF BARRY LYNDON verwiesen, der einen nicht immer glaubwürdigen Ich-Erzähler in den Mittelpunkt stellt. Auch Thackeray nutzt Anmerkungen, bzw. Fußnoten um die Zweifel an der Version des Ich-Erzählers zu benennen. Neben Thackeray verdankt Fraser wohl auch Henry Fielding einiges. Flashman hat manches von Tom Jones und häufig erinnert Fraser auch an Fieldings Schurkenroman JONATHAN WILDE.
FLASHMAN steht in der Tradition der britischen Version des pikaresken Romans (der deutsche Terminus „Schelmenroman“ erscheint mir zu verharmlosend ). Der spanische Ausdruck Pikaroroman trifft Flashman als Figur recht gut, meint „ pikaro“ doch: gemeiner Kerl von üblem Lebenswandel. Als kulturelles Paradigma reflektiert das Pikareske in unterschiedlichen medialen Kontexten das problematische Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft. Als Form wird meistens eine fiktive Biographie gewählt, in der der Held auf (Abenteuer-) Reisen geht und die Welt erkundet. Sie sind auch neuzeitliche Odysseen durch gesellschaftliche Schichten.
Das Genre zieht bis heute Autoren an, wie etwa: Jaroslav Hašek: Der brave Soldat Schwejk (1920/1923), Giovanni Guareschi: Don Camillo und Peppone (1948), Saul Bellow: Die Abenteuer des Augie March (1953), Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954), Winston Groom: Forrest Gump (1986), Umberto Eco: Baudolino (2000) und viele mehr. Inzwischen findet man Elemente der pikaresken Erzählform auch von Fernsehserie genutzt (CARNIVALE, DEADWOOD usw.) und im Kino als „Road Movie“.
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