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Zur Entstehungsgeschichte von FLASHMAN gibt es natürlich auch einen wohlklingenden Mythos: Als er den Roman zur Hälfte geschrieben hatte, hielt er ihn für misslungen und warf ihn weg. Er hatte sich den Arm gebrochen, konnte nicht mehr weiter schreiben und beim Lesen des bisherigen Manuskripts überwältigten ihn Selbstzweifel. Seine Frau klaubte die Seiten aus dem Papierkorb, las sie und sagte: „Du bist auf eine verdammte Goldmine gestoßen.“ Also beendete er FLASHMAN. Denn seine über alles geliebte Frau hatte immensen Einfluss auf ihn. Was keinem Lektor erlaubt wurde, erledigte er in Tee- und Kaffee-Pausen mit Kathleen: Besprechungen, Kritik und Ratschläge zum aktuellen Buch. „Ich habe seit meinem fünften Lebensjahr geschrieben. Aber ich verdanke es nur der Ermunterung durch meine Frau, dass ich ein Schriftsteller geworden bin.“
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Mehr oder weniger glaubwürdig verkündete er: „Insgesamt brauchte ich etwa 90 Stunden für den ersten FLASHMAN. Kein Exposé. Keine Plotline, keine weiteren Fassungen waren nötig, nur Tee, Toast und Zigaretten am Küchentisch. Danach das übliche Spiel: Ich schickte das Manuskript an so ziemlich jeden Verlag und kassierte regelmäßig Ablehnungen.“ Schließlich gelang es ihm einen Agenten zu ergattern. Und dann kam schließlich der Anruf von Christopher MacLehose, ein ehemaliger Journalist des „The Scotsman“ und nun Lektor beim Buchverlag Barrie & Jenkins: „Wir wollen ihren Roman veröffentlichen.“ Der 1964 aus der Fusion zwischen Barrie & Rockliff und Herbert Jenkins hervorgegangene Verlag wurde später von Hutchinson übernommen und gehört heute zu Bertelsmann, bzw. Random House.
Bevor der erste Flashman-Roman veröffentlicht wurde, begann Fraser den zweiten zu schreiben. „Damals dachte ich an drei oder maximal vier Bücher mit Flashy.“ Als eine Erklärung für den schnellen Erfolg: „Die Menschen mögen Gauner, Schufte und böse Buben. Wenn ich als Kind ins Kino ging, war ich immer auf der Seite der Schurken. Ich wollte, dass Basil Rathbone den edlen Errol Flynn umlegt.“
So merkwürdig es klingen mag, aber FLASHMAN ist ein Kind der Pop-Revolution und Jugendrevolte der 1960er Jahre. Seine Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten und sein hemmungsloser Hedonismus spiegelten den Zeitgeist wieder. Frasers Darstellung idiotischer Militärs und verblödeter Politiker beim ersten Afghanistan-Feldzug entsprachen der Haltung der Jugendlichen gegenüber dem Vietnam-Krieg, der seine brutalste Phase erlebte. Kein Wunder, dass FLASHMAN neben Comics zur bevorzugten Lektüre der Gis in Fernost wurde. „Die Hornblower-Romane, die ich liebe, sind Kinder der 1930er- und 1940er Jahre. Flashman ist ein Produkt der Swinging Sixties.“ Mit FLASHMAN gelang ihm nicht nur eine literarische Innovation, sondern auch eine der ganz großen Ikone der Pop-Kultur zu schaffen, in ihrer Bedeutung vergleichbar mit TARZAN, SHERLOCK HOLMES oder JAMES BOND. Seit der Erstveröffentlichung war kein FLASHMAN-Buch in Großbritannien je out-of-print. „Ich bin nie zufrieden mit dem gerade erschienenen Buch. Aber jeder neue FLASHMAN verkauft sich besser als der vorherige.“
Im Laufe der Jahrzehnte sammelte Fraser eine beeindruckende Bibliothek zur Viktorianischen Epoche und dem British Empire. Die auf 2500 Bücher angewachsene Referenzbibliothek wurde 2014 in Frasers Lieblingsbuchhandlung, Haywood Hill in Mayfair, versteigert; ihr gesamter Verkaufswert wurde auf mindestens 93.000 Pfund geschätzt. Darunter auch signierte Erstausgaben seiner eigenen Bücher. Ein neuwertiges Exemplar des ersten FLASHMAN wurde für 7500 Pfund ersteigert.
Politisch war Fraser ein Konservativer. Er gab vor, nicht zu begreifen, warum Linke FLASHMAN so mochten und zu den größten Fans gehörten. „Es ist ein Irrtum zu glauben, ich würde das Empire schlecht machen.“ Er bedauerte die negative Betrachtung des Britischen Empires aus heutiger Sicht. „Es war eine der großen zivilisatorischen Kräfte der Geschichte. Heute sollen wir uns deswegen schuldig fühlen. Das unterschreibe ich nicht. Das Empire war eine der besten Sachen, die der Menschheit je passiert ist.“ Angesichts der Lektüre, in der kaum ein Interesse der Mächtiger auch nur halbwegs positiv dargestellt wird, kann man die Ernsthaftigkeit vieler von Frasers Aussagen anzweifeln. In den Romanen hat er seinen oft absurden Humor häufig genug unter Beweis gestellt. „Gegenwärtig bräuchte England weniger Politiker und mehr Flashmans. Damals hat man ihn aus der Schule geschmissen, heute würde man ihn ins Gefängnis stecken Political correctness ist verdammenswert und gefährlich.“ Für die Neo-Cons hatte er nie viel übrig. „Wir hatten noch nie so viel Dreck im Parlament wie heute. Niemals zuvor in unserer Geschichte. Sie haben das Land zu einer Kloake gemacht. Ich weiß, ich klinge wie ein alter Reaktionär – und in vielerlei Hinsicht bin ich das auch. Am Schlimmsten ist diese Unterwerfung unter die Europäische Union. Wir haben nichts gemeinsam mit Franzosen oder Deutschen. Ich weiß, ich kriege richtig Ärger, wenn ich so was sage. Aber ich reagiere nun mal äußerst unwillig auf die Tatsache, dass wir Gesetze diktiert bekommen von den Kindern derer, die uns Belsen und Dachau beschert haben.“
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Sein absoluter „Liebling“ war Tony Blair: „Er war nicht nur ein mieser Premierminister in der britischen Geschichte; Blair war der mieseste Premierminister aller Zeiten.. Ich könnte kotzen, wenn ich an die Soldaten denke, die für diesen kleinen Lügner getötet wurden.” Er wurde nie müde, die Lügen, die zum Irakkrieg führten, und die Bombardierung Afghanistans als kriminell zu brandmarken. „Als wir Ärger mit den IRA-Terroristen hatten, haben wir auch nicht Dublin bombardiert. Wir sollen die Amerikaner bedingungslos im Krieg gegen den Terrorismus beistehen, weil sie uns im 2.Weltkrieg beigestanden hätten, meint Blair. Wo war ihr Beistand bei der Suez-Krise? Stehen wir ihnen also genauso bei, wie sie uns von 1939 bis 1942 beigestanden haben.“ Wie unberechenbar Fraser politisch einzuschätzen war, jedenfalls nach kleinbürgerlichen Kriterien, zeigt sich auch darin, dass er für den linken „New Statesman“ Buchrezensionen schrieb. Dazu wurde er vom damaligen Literaturredakteur des Blattes überredet, der Martin Amis hieß. D.J. Taylor bezeichnete ihn als konservativen Rebellen, der die Mächtigen vom Sockel stürzen will. Der Niedergang Britanniens seit Thatcher verbitterte ihn immer mehr und ließ ihn zum Ende seines Lebens zu großartigen, aber auch manchmal abstrusen Meinungen kommen. Großartig fand ich seine Aussage zur Bombardierung Afghanistan als Rache für die Twin Towers: „Wir haben Jahrzehnte gegen den IRA-Terrorismus gekämpft und nie erwogen, Dublin zu bombardieren.“ Und zu Tony Blairs perfider Aufforderung, die Briten haben die Amerikaner genauso bedingungslos zu unterstützen, die USA Großbritannien während des 2.Weltkriegs unterstützt habe, meinte Fraser trocken: „Gerne. Und zwar so, wie zwischen 1939 und 1942.“
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Sein unglaubliches Talent für szenisches Schreiben, Action und Dialog, erweckte schnell das Interesse der Filmindustrie.
Fraser schrieb an die vierzig Drehbücher. Einige zu äußerst erfolgreichen Filmen. Darunter: THE THREE MUSKETEERS (1973), THE FOUR MUSKETEERS (1974), THE PRINCE AND THE PAUPER ((1977), THE RETURN OF THE MUSKETEERS (1989),, OCTOPUSSY (1983). Allerdings zeichnete er auch für so gruselige Machwerke wie RED SONJA (1985) oder FORCE 10 FROM NAVARONE (keinen credit). Nur zwei seiner Romane wurden bisher verfilmt: ROYAL FLASH (1975) und 1986 gab es ein TV-Movie in BBC 2 von Andrew Gosling nach Frasers völlig durchgeknalltem Roman THE PYRATES (allerdings kenne ich niemanden, der dieses Juwel der 7.Kunst je zu Gesicht bekam). 2004 adaptierten Justin Fletcher und Richard Ragsdale das Buch als Theaterstück, uraufgeführt im Defiant Theatre in Chicago.
Die ersten Bemühungen, einen FLASHMAN-Film zu realisieren, gab es bereits 1969: Frank Muir schrieb ein Drehbuch für einen Film mit John Alderton als Star. Bekanntlich scheiterte das Projekt.
![ROYAL FLASH - BLU-RAY[1]](https://compartsflashman.wordpress.com/wp-content/uploads/2015/07/royal-flash-blu-ray1.jpg?w=529)
ROYAL FLASH von Richard Lester kam 1975 in die Kinos – mit mäßigem Erfolg. Danach meinte Fraser, es werde keine weiteren Filme mehr geben, solange er nicht völlige Kontrolle über die letzte Drehbuchfassung habe und darauf würde sich Hollywood nie einlassen. Er beklagte ebenfalls, dass er keinen britischen Schauspieler sehe, der Flashman adäquat verkörpern konnte. Seine Idealbesetzung wäre Errol Flynn, aber der stand nun mal nicht mehr zur Verfügung. Ich nehme an, dass seine liebe zu Flynn wohl eher mit seinen Kinoerfahrungen als junger Mensch zu tun hatte. Natürlich hätte ein junger Flynn (der als Schauspieler meist unterschätzt wird) einen großartigen Flashy abgegeben. „Es war nicht nur sein Aussehen und seine Eleganz – Flynn hatte auch diese Durchtriebenheit, die Verschlagenheit, die es für Flashman braucht.“
2006 äußerte Fraser, dass er sich Daniel Day-Lewis als Flashman vorstellen könne. „Ich war äußerst beeindruckt von seiner Darstellung in GANGS OF NEW YORK.“
2007 wurde FLASHMANS ATTACKE als erster Roman genannt, den Celtic Films für das Fernsehen als Serie produzieren wollte, zusammen mit Picture Palace. Beide Produktionsfirmen waren in die SHARPE-TV-Serie mit Sean Bean nach den Romanen von Bernard Cornwell involviert. Der große Erfolg der SHARPE-TV-Serie ließ eine Realisierung einer FLASHMAN-Serie erstmals seit langem möglich erscheinen. Als wahrscheinlicher Hauptdarsteller war James Purefoy im Gespräch – sicherlich eine gute Wahl. Das Skript entwickelte Fraser selbst. Wieder kam nichts dabei raus, und das Projekt taucht auf keiner Homepage der Produktiongesellschaften mehr auf.
Seit 2013 macht das Gerücht die Runde, dass in einem neuen Flashman-Projekt (wieder FLASHMAN AT THE CHARGE als TV-Serie) kein geringerer als Michael Fassbender den Titelhelden spielen soll.( Neuigkeiten zum Filmprojekt findet man unter NEWS)
Zu den leider nicht verfilmten Drehbüchern von Fraser gehören ein BULLDOG DRUMMOND-Skript nach der berühmt-berüchtigten Romanfigur von Sapper (das er nicht gedreht wurde, können Thriller-Fans nur beklagen!), die Adaption einer Dornford Yates-Geschichte für Lindsay Anderson und ein Störtebecker-Drehbuch für Wolfgang Petersen. Seine Erfahrungen in der Filmwelt behandelte er in seiner zweiten Autobiographie launisch und amüsant ab: AS THE LIGHT´S ON AT SIGNPOST, alleine schon lesenswert wegen des freundschaftlichen Portraits von Oliver Reed. Dort erfährt man auch, dass Cubby Broccoli während der Dreharbeiten zu OCTOPUSSY Interesse an einem Flashman-Film bekundete. Er nahm aber dann Abstand mit der Bemerkung, der wäre noch teurer als ein Bond-Film.
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Bis zum Schluss hatte Fraser ein gespanntes Verhältnis zu seiner
Kreatur: „I suppose he’s grown up a bit. That’s my own aging process no doubt. But I don’t think he’s getting nicer. I was delighted when my daughter read the new book and said he’s back to being nasty… I’ve gone from my late 40’s to my 80’s with Flashman. I have a great sort of feeling for him, though I don’t think I would have liked him very much.“
George MacDonald Fraser starb im Alter von 82 Jahren am 2.Januar 2008 an Lungenkrebs. Er hinterlässt nicht nur seine Frau, drei Kinder und acht Enkel, er hinterlässt auch einen der großen Charaktere der Weltliteratur. Er hat nie eine literarische Auszeichnung bekommen – wie Conan Doyle oder Ian Fleming. Als größtes Lob empfand er die Bezeichnung „storyteller“. Und, verdammt!, was hat er uns großartige Geschichten erzählt! Ich kenne keinen seiner Leser, der nicht innbrünstig behauptet, dass sein Leben durch die Lektüre von MacDonald Fraser bereichert wurde.
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