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Nach der Veröffentlichung des ersten Flashmans zog er auf die Isle of Man, auf der er bis zu seinem Lebensende lebte. Er kaufte ein altes Haus in der Nähe von Douglas, das renovierungsbedürftig war. Im Laufe der Jahre wurde immer mehr angebaut und das Haus beträchtlich erweitert.
Für Fraser war die Insel keine Steueroase, sondern eine Oase in der modernen Welt. „In England geht alles vor die Hunde. Die Isle of Man ist noch so wie England in den 1950ern.“ Er erfüllte sich einen seiner wenigen luxuriösen Wünsche mit einem Billardzimmer! Trotz des immensen Geldes, das er mit Romanen und Drehbüchern verdiente, führte er ein bodenständiges Leben: Er stellte mit einem Boots´do-it-yourself kit sein eigenes Bier her, spielte gerne Snooker, arbeitete im Garten, las viel, fuhr gelegentlich mit seinem alten VW Scirocco nach Douglas und unternahm ausgedehnte Reisen.
Abgesehen von seiner Familie war seine Devise: „Ich bevorzuge die Gegenwart von Büchern der Gegenwart von Menschen.“ Seine Arbeit als Drehbuchautor erforderte häufiges Reisen und die Zusammenarbeit mit Regisseuren (hinreißend geschildert in THE LIGHT´S ON AT SIGNPOST). Er hatte damit keine Probleme und als begeisterter Film-Fan und Teamplayer machte ihm die Drehbucharbeit großen spaß. Mit geradezu fannischer Begeisterung beschrieb er seine Treffen mit Filmstars.
Über sein bodenständiges Privatleben ist wenig bekannt. Frasers Tochter Caro, ebenfalls Schriftstellerin, gab in einer Erwiderung auf die vielen Nachrufe ein wenig Einblick. Demnach liebte er ein zurückgezogenes Familienleben und hasste Schriftstellerkongresse. Am glücklichsten war er mit seiner Frau und den Kindern in ihrem schottischen Heim. Er war ein engagierter Vater und spielte zum Entsetzen der Nachbarn mit ihnen am Sonntagmorgen im Garten Fußball, wenn brave Presbyterianer die Kirche aufsuchten. Natürlich erzählte der Daddy ihnen Gute-Nacht-Geschichten wie DIE SCHATZINSEL oder CAPTAIN BLOOD, die er oft änderte. „Seine Versionen waren besser“, erinnerte sich Caro.
Er war ein leidenschaftlicher Raucher. In den 1950ern drehte er sich noch die Zigaretten, aber der zunehmende Erfolg führte zu edlen Dunhills oder Balkan Sobranie, schwarze russische Zigaretten, die er jedes Jahr zu Weihnachten von seiner Frau bekam. Er rauchte bei der Arbeit, beim Spazierengehen, im Auto und manchmal sogar wenn er Fußball oder tennis spielte. Erst 1999, nach einem dreifachen Bypass, gab er es auf.
Genauso leidenschaftlich las er. Moderne Autoren nur dann, wenn sie gut Geschichten erzählten und die Zeit einfingen. Zu seinen zeitgenössischen Lieblingsautoren gehörte James Hadley Chase, der König des britischen Noir-Thrillers. Er hielt Chases NO ORCHIDS FOR MISS BLANDISH für einen der wichtigsten und wegweisendsten Romane des 20.Jahrhunderts. Und er war ein Fan vom TARZAN-Erfinder Edgar Rice Burroughs, dem er größere Prophetie bescheinigte als etwa Jules Verne.
Im Hause Fraser ging es lustig zu. Er hatte einen feinen Sinn für jede Art von Humor, besonders aber für das Absurde und Surreale. Das beweisen vor allem die Romane THE PYRATES und THE REAVERS. Letzteren bezeichnete Caro Frazer als „Terry Gilliam on speed“. Nur wenn das Gespräch auf Politik kam, ging Fraser hoch wie eine Rakete und er hatte keine gute Laune mehr, wenn er an den „Abschaum in Westminster“ dachte. Tony Blair hatte es ihm besonders angetan: „Tony Blair war nicht nur ein mieser Premierminister, er war der mieseste Premierminister der britischen Geschichte. Ich könnte kotzen, wenn ich an die Soldaten denke, die für diesen kleinen Lügner getötet wurden. Wir hatten noch nie so viel Dreck im Parlament wie heute. Niemals zuvor in unserer Geschichte. Sie haben das Land zu einer Kloake gemacht. Ich weiß, ich klinge wie ein alter Reaktionär – und in vielerlei Hinsicht bin ich das auch. Am Schlimmsten ist diese Unterwerfung unter die Europäische Union. Wir haben nichts gemeinsam mit Franzosen oder Deutschen. Ich weiß, ich kriege richtig Ärger, wenn ich so was sage. Aber ich reagiere nun mal äußerst unwillig auf die Tatsache, dass wir Gesetze diktiert bekommen von den Kindern derer, die uns Belsen und Dachau beschert haben… ” Seine Verdrossenheit über die politischen Veränderungen Britanniens verkündete er häufig und löste heftige Diskussionen aus. Meldete er sich öffentlich zu Wort, dann politisch immer schön unkorrekt. „Ich hätte kotzen können darüber, wie die Öffentlichkeit auf den Tod von Lady Di reagiert hat. Sehen wir doch den Tatsachen ins Gesicht: Hätte sie ausgesehen wie die Rückseite von einem Bus, wäre das nie so hysterisch geworden. Das hätte die Feministinnen eigentlich auf die Barrikaden bringen müssen. Hat´s aber nicht. Aber da ist diese schöne junge Frau und kriegt all diese weltweite Anteilnahme. Überall schlugen sich die Menschen gegen die Brust und heulten wie die Schlosshunde. Das passierte nicht, als Churchill starb. OK, er hatte ein langes Leben. Aber selbst bei Kennedy gab es nicht diese Reaktionen. Und der war ein aktiver Präsident“![BOOK_Reavers[1]](https://compartsflashman.wordpress.com/wp-content/uploads/2014/12/book_reavers1.jpg?w=192&h=300)
An seinen Büchern arbeitete er gerne nachts. „Meistens fange ich so um 16.00 Uhr an, beantworte Briefe usw. Anschließend arbeite ich an dem jeweiligen Roman. Das kann dann schon bis 8.00 Uhr am nächsten Morgen dauern.“ Er arbeitete in einem kleinen, aber sehr hohen Raum, der bis zur Decke mit Büchern vollgestopft war. „Ich schreibe direkt in die Schreibmaschine, zwei Finger-System, Daumen und Ellbogen – wie in der Zeitungsredaktion.“ Für alle Fälle hatte er immer eine identische Schreibmaschine in Reserve.
„Kein Lektor verbesserte je einen Satz bei mir. Wenn man für den ´Glasgow Herald` gearbeitet hat, ist man es gewohnt fehlerfrei und rechtzeitig abzuliefern.“ Sein amerikanischer Verleger bat ihn darum, das Wort „Nigger“ aus dem Manuskript von FLASH FOR FREEDOM zu streichen. Fraser schrieb ihm: „ Hätten Sie es auch gewagt, das von Mark Twain zu verlangen? Schicken Sie mir einfach meinen Vertrag zurück.“ Natürlich wurde der Vertrag nicht annulliert und Fraser hörte nie wieder etwas darüber.
Weder Lektor noch Verleger wussten je, was für ein Buch Fraser als nächstes schreiben würde. Es konnte ein neuer FLASHMAN sein (was sich natürlich alle wünschten), aber auch ein anderer historischer Roman oder ein Sachbuch üb der den Schmuggel an der englisch-schottischen Grenze. Oder die Geschichte der Welt, wie sie in Hollywood-Filmen dargestellt wurde in THE HOLLYWOOD HISTORY OF THE WORLD (sein einziges Buch, das vergriffen ist und nicht neu aufgelegt wurde). Seine Interessen gingen über die Geschichte des Viktorianischen Empires hinaus. Besonders angetan war er von der Historie der englisch-schottischen Grenze. Darüber schrieb er ein Sachbuch, THE STEEL BONNETS (1971), und zwei Romane: THR CANDLEMASS ROAD (1993) und THE REIVERS (2007).
Fraser sagte einmal, dass er Flashman zwar verstehe, aber nicht mag. Das war auch ein Grund, weshalb er nicht einen Flashman nach dem anderen schrieb. Um sich von ihm zu erholen, musste er andere Sujets bearbeiten. Egal ob Filmdrehbücher, Sachbücher, autobiographisches oder Romane.
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