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Sarah J. Maas: Sterne und Schwerter (Das Reich der sieben Höfe #3)

maas-3-sterne-und-schwerterFeyre hat ihren Seelengefährten gefunden. Doch es ist nicht Tamlin, sondern Rhys, der Highlord des Reiches der Nacht. Trotzdem kehrt sie an den Frühlingshof zurück, um mehr über Tamlins Pläne herauszufinden. Dieser hat sich auf einen gefährlichen Handel mit dem König von Hybern eingelassen, und der will nur eines – Krieg.
Feyre lässt sich damit auf ein gefährliches Doppelspiel ein, denn niemand darf von ihrer Verbindung zu Rhys erfahren. Eine Unachtsamkeit würde den sicheren Untergang nicht nur für Feyre, sondern für ganz Prythian bedeuten. Doch wie lange kann sie ihre Absichten geheim halten, wenn es Wesen gibt, die mühelos in Feyres Gedanken eindringen können?

Sterne und Schwerter von der amerikanischen Schriftstellerin Sarah J. Maas ist Band 3 der Das Reich der sieben Höfe-Reihe (Band 1: Dornen und Rosen; Band 2: Flammen und Finsternis; Nachtrag: Frost und Mondlicht). Die Handlung ist von Beginn an durchweg spannend und setzt gleich nach den Ereignissen des Vorgängers ein: Feyre ist an den Frühlingshof zurückgekehrt, der sich mit dem König von Hybern verbündet hat. Dort tut sie im Stillen alles – lügen, täuschen, Ränke schmieden –, um die Soldaten und die übrigen Untertanen gegen Tamlin und Hybern aufzubringen. Was den Leser auf den 750 Seiten des Buches bzw. den 530 Tracks des Hörbuches erwartet, ist Nonstop-Spannung pur: Nesta und Elain müssen sich an ihre neue Identität gewöhnen – was beiden alles andere als leicht fällt. Nesta begegnet ihrem Fae-Dasein mit Wut und Aggressivität; Elain gleitet in Depressionen ab; beide können und wollen über weite Strecken nicht akzeptieren, was ihnen angetan wurde.
Ihre neue Fae-Familie begegnet ihnen in dieser Situation mit ausgesprochen viel Nachsicht und Mitgefühl. Und ich muss sagen: Schon lange habe ich kein Buch bzw. keine Serie mehr gelesen, in dem bzw. in der mir nicht nur die Protagonistin bzw. der Protagonist sympathisch war, sondern auch noch weitere (alle weiteren) Figuren. Das ist in der Das Reich der sieben Höfe-Reihe vollkommen anders. Hier hängt mein Leserinnen-/Hörerinnen-Herz an jedem einzelnen Mitglied von Feyres Fae-Familie. Ich habe mit jedem bzw. jeder mitgefiebert, habe gehofft, dass keine(r) von ihnen verletzt, entführt oder gar getötet wird. Und streckenweise musste ich das Hörbuch sogar zur Seite legen, da ich stellvertretend Angst vor dem hatte, was Feyre, Rhys und ihren inneren Kreis erwartete.
Feyre ist nicht länger die hilflose Menschen-Frau aus Band 1 oder die traumatisierte Fae aus Band 2. Sie ist nun die Highlady des Reiches der Nacht und auch bereit, alles zu tun, um ihre Untertanen und vor allem ihre Freunde zu schützen. Zunehmend trainiert sie ihre neuen Fähigkeiten, um diese im Kampf gegen Hybern einsetzen zu können. Dabei fällt sehr positiv auf, dass diese Fähigkeiten Feyre nicht einfach zufallen und sie diese sofort problemlos einsetzen kann, wie dies in viel zu vielen Fantasyromanen der Fall ist. Nein, Feyre muss hart trainieren, muss Blut, Schweiß und Tränen vergießen, Verletzungen in Kauf nehmen, ihre Psyche schulen, um die alten und neuen Fähigkeiten zu entdecken, zu entfalten und einzusetzen. Dass ihr dies gelingen wird, steht außer Frage, aber die Autorin lässt unsere Heldin hart dafür arbeiten – und diese ist zusätzlich das eine oder andere Mal auch auf die Unterstützung ihrer Freunde oder ihrer Verbündeten angewiesen. Doch nicht nur um ihre kämpferischen Fähigkeiten muss sie sich kümmern.
Sie muss auch lernen, die Herrin eines Reiches zu sein und dieses gemeinsam mit Rhys zu regieren. An diesem Punkt gefällt mir die Beziehung zwischen Rhys und Feyre ausnehmend gut. Feyre ist keine von diesen vorlauten Heldinnen, die gleich die Zügel in die Hand nehmen. Ihre Beziehung zu Rhys (und auch zu den anderen) ist von einem großen Respekt und einer tiefen Zuneigung geprägt. Sie zögert zwar nicht, ihre Meinung und ihre Vorschläge kundzutun oder ihre Kräfte einzusetzen, wenn die Situation dies erfordert, aber sie würde nie etwas tun, das Rhys verletzen und seine Autorität untergraben könnte; Kritik an ihm und seinen Entscheidungen äußert sie lediglich in einem privaten Rahmen. Obwohl dieser sie durchaus einlädt, dies auch offen zu tun.

Rhysand ist weiterhin der strahlende Held der Geschichte (und ich liebe ihn dafür). Er hat ja, wie wir in Band 2 erfahren haben, 50 Jahre am Hof von Amarantha gelebt – hat dort gelitten, getäuscht und gekämpft – und alles getan, um das Überleben seines Volkes zu gewährleisten. An dieser Bereitschaft ändert sich an in Sterne und Schwerter nichts. Auch im Kampf gegen Hybern treibt ihn seine große Liebe zu seiner Fae-Familie und zu seinem Volk an – und seine Vision von Frieden und Freiheit, die nun in Gefahr gerät. Hier ist er zweifellos an der einen oder anderen Stelle etwas zu perfekt geraten, zu strahlend und mächtig, seine wiederholte Opferbereitschaft ist etwas zu ausgeprägt, aber da das Ganze ein gutes Ende nimmt, nehme ich dies Maas nur am Rande übel.

Seine Freunde ahnen davon bzw. sind sich dessen bewusst und sind jetzt nicht länger bereit, sein Opfer anzunehmen. Sie wissen, dass Rhys sein Leben dafür geben würde, sie zu schützen – und machen ihm nun deutlich, dass das für sie ebenso gilt. Ob das nun Cassian ist, Rhys‘ oberster General, der eine Schwäche für Feyres angriffslustige Schwester Nesta hat; Azriel, der Chef des Geheimdienstes; Morgan, Rhys‘ Cousine und seine Gesandte am Hof der Albträume, die ihren Vater (den dortigen Truchsess und Herrn über ein mächtiges Heer) zutiefst hasst und in diesem Buch mit ihrem größten Lebensgeheimnis herausrückt, was Maas m. E. völlig missglückt ist; Amren, die zwar aussieht wie eine Fae-Frau, aber in Wirklichkeit ein 15 000 Jahre altes mächtiges Wesen aus einer anderen Dimension ist …

In Rhysands Reich ist Platz für die Ausgestoßenen und Verletzten. Das kann man an seinem inneren Kreis sehen, aber z. B. auch an der großen Bibliothek des Reiches, in der Priesterinnen zu Hause sind, die Missbrauch und Misshandlung erlitten haben. Und an seiner Bereitschaft, Flüchtlinge anderer Reiche bzw. Menschen aufzunehmen, die vor Hybern flüchten.

Die Autorin fährt auch in diesem dritten Band weiter mit dem Worldbuilding fort: Sie beschreibt sehr anschaulich eine riesige, tief in den Berg hineingetriebene Bibliothek in Rhysands Reich, auf deren Grund ein mächtiges Wesen lebt, und schmückt diese gleich mit einer Historie und amüsanten Geschichten. Darüber hinaus entführt sie uns auch in das eine oder andere Fae-Reich in Prythian, erschafft die unterschiedlichsten High-Fae mit andersartigem Aussehen, individuellen Fähigkeiten und Charakterzügen, führt neue Wesen ein oder lässt alte Bekannte wieder vorbeischauen, beschreibt neue Landschaften … Alles in allem gelingt es ihr sehr gut, Prythian und seine vielfältigen Bewohner zum Leben zu erwecken. So sehr, dass ich am Ende des wieder einmal sehr langen Hörbuches das Bedürfnis verspürte, noch mehr über das Schicksal und die Zukunft des Landes zu erfahren.

Zum Hörbuch

Das Hörbuch zu Sterne und Schwerter wird von der Hamburger Synchronsprecherin und Schauspielerin Ann Vielhaben gelesen. Weiterhin bin ich kein großer Fan ihrer teilsweise etwas näselnd wirkenden Stimme, da ich jedoch alle drei Bände der Reihe hintereinander gehört hatte, war ich nicht gezwungen, mich neu daran zu gewöhnen. Vielhaben hat einige sprachliche Eigenheiten, die es mir so manches Mal schwermachten, ihr zu lauschen. Sie haucht beispielsweise das Ende vieler Sätze gewissermaßen heraus, spricht irgendwie „atemlos“, was hin und wieder überhaupt nicht zum Kontext passt. Auch betont sie viele Sätze – gerade in deskriptiven Passagen – auf eine Weise, die dem Kontext nicht angemessen ist.

Ein Kapitel dieses Hörbuches wird aus Sicht von Rhysand geschildert, dem Highlord des Reiches der Nacht. Diese Passagen werden von Simon Jäger (z. B. die Synchronstimme von Matt Damon, Luke Wilson und Heath Ledger) gelesen, der bereits mehrfach als Sprecher ausgezeichnet wurde und den ich sehr schätze. Er macht seinen Job auch hier wieder sehr gut, wenn er auch nicht viel Raum hat, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Mein Fazit: Sarah J. Maas hat mich auch dieses Mal wieder von Beginn an in die Handlung hineingezogen. Ich habe mit Feyre, Rhys und den anderen mitgelitten und mitgefiebert und konnte das Buch nicht aus der Hand legen, aus Angst, etwas zu verpassen. Oder habe es aus der Hand gelegt, weil ich mich vor dem fürchtete, was unseren Helden, die mir allesamt ans Herz gewachsen waren, zustoßen würde. Für mich ist diese Trilogie ein absolutes Must Read für alle Fantasy-Fans!

Autor: Sarah J. Maas
Buchtitel: Sterne und Schwerter (ungekürzte Lesung)
Serie: Das Reich der sieben Höfe, Band 3
Sprecher: Ann Vielhaben, Simon Jäger
Verlag: Der Audio Verlag
ISBN: 978-3-7424-0384-1
Dauer: 24 h 45 min
Erscheinungsdatum: 29. März 2018
Genre: Fantasy, Liebesroman, Romantic Fantasy

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Sarah J. Maas: Flammen und Finsternis (Das Reich der sieben Höfe #2)

maas-2flammen-und-finsternisFeyre hat überlebt. Sie hat Amarantha, die grausame Fae-Königin, besiegt und ist mit Tamlin an den Frühlingshof zurückgekehrt.
Doch das scheinbar glückliche Ende täuscht. Tamlin verändert sich immer mehr und nimmt ihr allen Freiraum. Feyre hat Albträume, denn sie kann die schrecklichen Dinge nicht vergessen, die sie tun musste, um ihren Geliebten zu retten.
Und sie ist einen riskanten Handel mit Rhys eingegangen, an dessen gefürchtetem Hof der Nacht sie nun jeden Monat eine Woche verbringen muss …

Flammen und Finsternis von der amerikanischen Schriftstellerin Sarah J. Maas ist Band 2 der Das Reich der sieben Höfe-Reihe (Band 1: Dornen und Rosen; Band 3: Sterne und Schwerter; Band 4: Frost und Mondlicht) und setzt gleich nach den Ereignissen des Vorgängers ein: Feyre, Tamlin und Lucien kehren an den Frühlingshof zurück – und Hofstaat, Dienerschaft und die übrigen Bewohner des Reiches ebenfalls. Der Aufbau beginnt. Und die Veränderung von Tamlin, dem Highlord des Frühlingshofes ebenfalls.

Vor allem lernt man aber in diesem Band den gefürchteten Hof der Nacht kennen, der von Rhysand beherrscht wird. Und wieder einmal erweist sich Maas als wunderbare Erzählerin: Ihre Beschreibung dieses neuen Reiches sind so facettenreich und liebevoll ausgestaltet, dass es mir als Hörerin genauso ging wie Feyre bei ihrem ersten Besuch: Es war Liebe auf den ersten Blick. Vor allem, da die Beschreibungen dieses Hofes mit denen des Frühlingshofes kontrastieren und mehr als alle Worte Hinweise auf den Charakter und die Beweggründe des dortigen Herrschers geben.

Weiterhin wechseln in diesem zweiten Band nun actionreiche Szenen stärker mit Beschreibungen, frisch gelüfteten Geheimnissen und emotionalen Ausbrüchen ab. Die Handlung ist von Beginn an durchweg spannend. Stärker noch als im ersten Band leidet man mit, wenn die Autorin sehr anschaulich schildert, wie die Geschehnisse im Reich unter dem Berg unsere Helden verändern. Denn eines wird sofort deutlich – und das ist m. E. für eine Romanserie sehr ungewöhnlich: Die Geschichte um Tamlin und Feyre endet nicht mit dem Triumpf über Amarantha oder dem Aufbau des Frühlingsreiches. Denn: Die Gefangenschaft und die furchtbaren Ereignisse unter dem Berg haben ihre Spuren hinterlassen.
Sarah J. Maas zeigt hier sehr realistisch, 1. was nach einem Happy End kommen könnte – denn das ist ja der Punkt, an dem Märchen gewöhnlich mit einem „Und wenn sie nicht gestorben sind, lebten sie glücklich bis an ihr Ende …“ enden – und 2. dass Kämpfe bzw. der Kampf um die große Liebe mit Opfern, Verletzungen und Konsequenzen einhergeht. Auch die Sieger gehen aus den Prüfungen nicht ohne seelische Verletzungen und ohne Verluste heraus.

Feyre leidet daher – ganz realistisch – nach den Ereignissen im Reich unter dem Berg unter PTSB und damit verbunden unter Albträumen; Nacht für Nacht schreckt sie auf und läuft stundenlang durch den Frühlingshof; sie magert ab und leidet unter Depressionen. Tamlin geht es ähnlich: Auch er leidet unter den psychischen Nachwirkungen der Geschehnisse und unter Albträumen, allerdings findet er als Highlord einen anderen Weg, um damit fertigzuwerden: Er stürzt sich in die Arbeit und entwickelt einen übersteigerten Beschützerinstinkt bzw. Verlustängste. Daher sperrt er – sowohl sprichwörtlich als auch konkret – Feyre ein und verschlimmert dadurch ihre Situation zusätzlich. Dass die beiden nicht darüber reden bzw. dass Tamlin Feyres Versuche, die Probleme zu thematisieren, mit Sex „erstickt“, wird realistisch beschrieben und schmerzt durch seinen Realismus beim Anhören des Buches. Die Bereitschaft, Herausforderungen pragmatisch und (pro-)aktiv anzugehen, ist ein Charakterzug, der Feyre im ersten Band auszeichnete – und gerade diesen versucht Tamlin im zweiten Band der Geschichte zu unterdrücken. Da Feyre das zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen kann, hält sie sich über weite Strecken des Buches für eine Verräterin.

Im Gegensatz zu Tamlin nimmt Rhysand, der dritte Protagonist des Buches, Feyres Probleme und Herausforderungen ernst. Rhys ist der Highlord des Reiches der Nacht. Wo Tamlin – rein äußerlich – licht und strahlend und charmant ist, ist der Herr über das Reich im Norden dunkel und düster und gefährlich. Aber wie wir schon aus Band 1 wissen: Man darf dem äußeren Schein nicht immer trauen. Auch an ihm sind die Ereignisse nicht spurlos vorübergegangen. Im Gegensatz zu Tamlin war er gezwungen, 50 Jahre am Hof von Amarantha zu leben – zu leben und zu leiden, zu kriechen und zu täuschen – und alles zu tun, um das Überleben seines Volkes zu gewährleisten. Sein Verhalten gegenüber Feyre unterscheidet sich deutlich von dem des Herrschers über das Reich des Frühlings: Er erkennt Feyres PTSB und dass man sie am Frühlingshof in ihrer Schwachheit nur bestärkt hat; auch die Hinweise darauf, dass die junge Frau aufgrund der Ereignisse am Ende von Dornen und Rosen einige besondere Fähigkeiten erworben hat, werden dort geflissentlich ignoriert. Rhys beschließt, sie dabei zu unterstützen, zu alter (und neuer) Kraft zurückzufinden und die neue Fähigkeiten zu erkunden und zu beherrschen. Und so schenkt er ihr das, wonach sie sich in diesen Zeiten sehnt: die Freiheit und eine Familie.
Doch es gibt noch etwas, das Rhys auszeichnet: Ihn treibt eine große Liebe zu seinem Volk an – und eine Vision von Frieden und Freiheit. Während Tamlin eher ein Bewahrer ist – von Tradition und Herrschaft –, wünscht sich Rhys, dass die Fae so leben und lieben können, wie sie wollen. Wodurch er mit den „Bewahrern“ in seinem eigenen Land immer wieder aneinandergerät, z. B. mit den illyrischen Generälen, die sich größtenteils weigern, auch weibliche Soldaten auszubilden.

Und auch diese Vision wirkt anziehend auf Feyre, die nach der Auferstehung am Ende von Band 1 neue Kräfte an sich entdeckt – und die Bereitschaft, diese neuen Kräfte zu entdecken und zu trainieren, um nicht länger ihrer Umwelt hilflos ausgeliefert zu sein, sondern für das zu kämpfen, woran sie glaubt. Und was sie liebt.
Unterstützt wird sie dabei (primär) von den Personen aus Rhys‘ innerem Kreis, die seine Zukunftsträume teilen: Cassian und Azriel, die beiden (Waffen-)Brüder von Rhys, zwei mächtige illyrische Krieger und doch abgelehnt, weil sie Bastarde sind; Morgan, Rhys‘ Cousine und seine Gesandte am Hof der Albträume; Amren, die zwar aussieht, wie eine Fae-Frau, aber in Wirklichkeit ein Tausende von Jahren altes Wesen aus einer anderen Dimension ist. Aber Feyres Schwestern Nesta und Elain sind wieder mit von der Partie, wenn sich auch der Wandel von bis dahin (in Band 1) recht selbstsüchtigen, feindselig gesinnten Frau zu innigen Schwester ein wenig schnell vollzog. Das sind nur einige der interessanten Nebenfiguren, von denen es in diesem mittleren Band der Serie deutlich mehr und deutlich ausgestaltetere gibt.

Doch natürlich ist auch das neue Glück nicht ungetrübt: Nach Amaranthas Tod lauert ihr Herr, der König von Hybern, vor den Toren von Prythien. Und so sehen sich Rhys, Feyre und ihre Familien mit der Aufgabe konfrontiert, Verbündete zu finden, neue „Waffen“ zu schmieden und gegen den Widerstand von Fae und Menschen den Kampf aufzunehmen.

Zum Hörbuch

Das Hörbuch zu Flammen und Finsternis wird von der Hamburger Synchronsprecherin und Schauspielerin Ann Vielhaben gelesen. Ich muss leider sagen, dass mir ihre näselnde Stimme nach wie vor wenig zusagte und dass ich eine Weile brauchte, bis ich in das Hörbuch hineinfand. Vielhaben hat einige sprachliche Eigenheiten, die es mir wirklich schwermachten, ihr zu lauschen. Sie haucht beispielsweise das Ende vieler Sätze gewissermaßen heraus, spricht irgendwie „atemlos“, was hin und wieder überhaupt nicht zum Kontext passt. Auch betont sie viele Sätze – gerade in deskriptiven Passagen – auf eine Weise, die dem Kontext nicht angemessen ist. Sie verleiht dadurch den Abschnitten mehr Spannung, als dies der Kontext vorgibt. Im Laufe des Hörbuches wurde ich auch hier wieder zunehmend warm mit der Sprechweise von Vielhaben und gewöhnte mich an ihre Eigenheiten.

Ein Kapitel dieses Hörbuches wird aus Sicht von Rhysand geschildert, dem Highlord des Reiches der Nacht. Diese Passagen werden von Simon Jäger (z. B. die Synchronstimme von Matt Damon, Luke Wilson und Heath Ledger) gelesen, der bereits mehrfach als Sprecher ausgezeichnet wurde und den ich sehr schätze.

Mein Fazit: Während das erste Buch der Reihe – Dornen und Rosen – über Strecken eher mittelmäßig war und mich erst im letzten Drittel zu überzeugen wusste, hat mich Sarah J. Maas dieses Mal von Beginn an in die Handlung hineingezogen. Ich habe mit Feyre mitgelitten und mitgefiebert und konnte das Buch nicht aus der Hand legen, aus Angst, etwas zu verpassen. Mit atemloser Spannung erwarte ich nun die Fortsetzung im Kampf gegen Hybern!

Autor: Sarah J. Maas
Buchtitel: Flammen und Finsternis (ungekürzte Lesung)
Serie: Das Reich der sieben Höfe, Band 2
Sprecher: Ann Vielhaben, Simon Jäger
Verlag: Der Audio Verlag
ISBN: 978-3-7424-0201-1
Dauer: 23 h 13 min
Erscheinungsdatum: 4. August 2017
Genre: Fantasy, Liebesroman, Romantic Fantasy

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Sarah J. Maas: Dornen und Rosen (Das Reich der sieben Höfe #1)

maas-1dornen-und-rosenDie junge Feyre lebt mit ihrem verarmten Vater und ihren beiden Schwestern in der Nähe einer großen Mauer, die seit dem Ende eines Krieges zwischen Fae und Menschen die beiden Welten voneinander trennt. Als die Jägerin Feyre einen Wolf tötet, erscheint eine wilde Kreatur und fordert Wiedergutmachung.
Feyre muss ihr in das verborgene Land Prythian folgen und erkennt, dass sie nicht von einem Tier, sondern von Tamlin, einem todbringenden Fae, entführt wurde. Doch aus dem kalten Hass der Jägerin wird bald lodernde Leidenschaft. Als Tamlins Leben von der grausamen Amarantha bedroht wird, steigt Feyre hinab in das Reich der dunklen Herrscherin.

Dornen und Rosen von der amerikanischen Schriftstellerin Sarah J. Maas ist der Auftaktband der Reihe Das Reich der sieben Höfe. Maas, geboren 1986, wuchs in Manhattan auf und lebt mit Mann und Hund in Pennsylvania. Sie wurde vor allem durch ihre Throne of Glass-Reihe bekannt, entführt den Leser aber auch in dieser flüssig geschriebenen Geschichte wieder in eine gut ausgestaltete magische Welt. Das Buch ist im Grunde in zwei Teile unterteilt: Der erste Teil beschreibt Feyres Leben, ihre Ankunft im Frühlingsreich und die Beziehung zu Tamlin, ihrem Entführer. Maas lässt sich dabei viel Zeit, die neue Welt zu beschreiben – sowohl die konkreten Örtlichkeiten als auch „Funktionsweise“ und Historie von Prythian und handelnde Figuren. Wobei sie sich bei Letzteren primär auf drei Figuren beschränkt: Feyre, Tamlin und dessen Freund und Botschafter Lucien. Im zweiten Teil des Buches begibt sich die Protagonistin dann in das Reich unter dem Berg, das von einer grausamen Regentin beherrscht wird, um Tamlin aus deren Klauen zu befreien. Wobei sich Maas‘ erzählerische Stärke vor allem in diesem zweiten Teil zeigt, der deutlich an Fahrt gewinnt, deutlich vielfältiger ausgestaltet ist und mehr Handlung schildert, obwohl er deutlich weniger Raum einnimmt.

Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Feyre, die auf dem Kontinent Prythian lebt. Nach dem Verlust ihrer Mutter und dem Ruin ihres ehemals wohlhabenden Vaters sind sie und ihre beiden Schwestern Elaine und Nesta gezwungen, ein Leben in Armut zu fristen. Da der Vater zudem körperlich beeinträchtigt ist und ihre Schwestern der neuen Situation (die bereits einige Jahre andauert!) eher passiv gegenüberstehen, sieht sich Feyre gezwungen, die Familie zu ernähren. Dazu hat sie sich selbst das Jagen beigebracht. Eines Tages steht sie während eines Jagdzugs einem riesigen Wolf gegenüber und beschließt, ihn zu töten – und diese Entscheidung wird ihr gesamtes Leben verändern. Sie gerät in eine neue Welt mit magischen Kreaturen und neuen Gefahren. Und ihrer großen Liebe: Tamlin, der der Herr über ein wunderschönes, aber unter einem Fluch stehenden Reich ist. Wer sich jetzt an Die Tribute von Panem bzw. Die Schöne und das Biest erinnert fühlt: Genau.

Die Charakterisierung der beiden Protagonisten bleibt über weite Strecken eher oberflächlich bzw. ist bei Feyre ein wenig intensiver, was aber nachvollziehbar ist, da die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird. Der Fae bleibt relativ  undurchsichtig; man bekommt durch Feyres Beobachtungen über den wiederholten „Ausbruch“ seines inneren Biests aber immer eine Ahnung davon, wenn er sich gerade in einer Situation befindet, die ihn stärker aufwühlt. Dabei bedient sich Maas oft der Farben, um die Emotionen und den Charakter der Figuren zu beschreiben. Das Ganze ist – da wir uns in der Geschichte von Die Schöne und das Biest befinden – natürlich mit einem gewissen Clou verbunden, aber wer der Story etwas aufmerksamer folgt, ahnt schnell, was sich hinter Tamlins teilweise seltsamem Verhalten verbirgt. Dass Feyre dies nicht tut, ist auf eine gehörige Portion Naivität zurückzuführen. Leider stellt sie in diesem Buch (noch) zu wenige Fragen und hinterfragt vieles nicht, was durchaus hinterfragenswert wäre.
Da Feyre, wie gesagt, Ich-Erzählerin der Geschichte ist und somit im Fokus der Handlung steht, erfährt man deutlich mehr über ihre Beweggründe und Gefühle. Dabei ist ihre Beschreibung leider nicht wirklich stringent: Anfangs sehnt sie sich verständlicherweise nach ihrer Familie, doch schon wenige Seiten später scheint sie sich nicht mehr an diese zu erinnern, zumindest lässt sie sich von Tamlins Versprechen, dass für diese gesorgt sei, sehr schnell ablenken. Wirklich sympathisch wurde Feyre mir jedoch erst im letzten Drittel des Buches, als sie nicht länger die Person ist, der etwas zustößt, sondern selbst die Ereignisse in die Handlung nimmt. Wenn sie sich auch im Reich unter dem Berg manchmal zu sehr ihren Emotionen überlässt. Dies ist eigentlich etwas überraschend, denn sie wird zu Beginn als eine toughe, selbstbestimmte  junge Frau geschildert, die sich selbst das Jagen beigebracht hat, um ihre Familie zu ernähren, und die ein sexuelles Verhältnis zu einem jungen Mann aus dem Ort unterhält, ohne emotional involviert zu sein. Sie ist zu diesem Zeitpunkt nicht die Damsel in Distress, die vom Bad Boy gerettet werden muss – von denen es aktuell viel zu viele gibt – und auf die große Liebe wartet.
Dass sie dennoch Sympathie für Tamlin entwickelt und sich schließlich auch in ihn verliebt, liegt dennoch nahe: Sie erkennt, dass er – genau wie sie – die Last der Verantwortung für „seine“ Leute trägt und deshalb ausgesprochen einsam ist.
Zu kurz kommt in diesem Buch leider die Figur von Lucien. Dieser ist der jüngste Sohn des Herrschers über das Herbstreich, hat sich aber wegen dessen Grausamkeit von diesem abgewandt. Im Rahmen seiner Botschaftertätigkeit für Tamlin ist er in der Vergangenheit ein Opfer von Amaranthas Rache geworden und seither entstellt. In irgendeiner Rezension las ich, dass sich eine wunderbare Freundschaft zwischen ihm und Feyre entwickle; diese ist mir jedoch beim Anhören des Buches nicht aufgefallen. Dennoch hat er als Tamlins Freund und (begrenztes) Gewissen das Potenzial, stärker vermittelnd zwischen diesen beiden zu agieren oder hin und wieder für ein wenig Leichtigkeit zu sorgen; leider nutzt Maas diese Chance nicht.
Darüber hinaus tauchen nur wenige Nebenfiguren auf, allen voran Alice, eine Dienerin an Tamlins Hof, die sich besonders um Feyre kümmert, sowie Rhysand, den Highlord des Königreichs der Nacht, der ihr – nicht ohne Hintergedanken – bei der Bewältigung der Prüfungen zur Seite steht. Hier wird Potenzial ein weiteres Mal angedeutet, das aber – hoffentlich – in der Fortsetzung der Geschichte weiter ausgeschöpft wird.

Zum Hörbuch

Das Hörbuch zu Dornen und Rosen wird von der Hamburger Synchronsprecherin und Schauspielerin Ann Vielhaben gelesen. Ich muss leider sagen, dass mir ihre näselnde Stimme vor allem anfangs überhaupt nicht zusagte und dass ich lange brauchte, bis ich in das Hörbuch hineinfand. Vielhaben hat einige sprachliche Eigenheiten, die es mir wirklich schwermachten, ihr zu lauschen; dass sie Luciens Namen nicht „Lusien“ ausspricht, sondern „Luschien“, hat mich streckenweise schier wahnsinnig gemacht. Sie haucht beispielsweise auch das Ende vieler Sätze gewissermaßen heraus, spricht irgendwie „atemlos“, was meist überhaupt nicht zum Kontext passt. Auch betont sie viele Sätze – gerade in deskriptiven Passagen – auf eine Weise, die dem Kontext nicht angemessen ist. Sie verleiht dadurch den Abschnitten mehr Spannung, als dies der Kontext vorgibt. Vor allem zu Buchbeginn fällt dies auf, wenn sie die Protagonistin schon als verzweifelte Menschenfrau präsentiert, was rein inhaltlich noch nicht zutrifft.
Im Laufe des Hörbuches wurde ich jedoch Gott sei Dank zunehmend warm mit der Sprechweise von Vielhaben und gewöhnte mich an ihre Eigenheiten.

Mein Fazit: Während das Buch in den ersten zwei Dritteln relativ konventionell daherkommt und m. E. eher vor sich hinplätschert, nimmt es im letzten Drittel an Fahrt auf und liefert die Spannung, die ich mir auch für den Rest des Buches erhofft hätte. Aber allein für die Kapitel die „unter dem Berg“ spielen, hat sich das Buch gelohnt.

Autor: Sarah J. Maas
Buchtitel: Dornen und Rosen (ungekürzte Lesung)
Serie: Das Reich der sieben Höfe, Band 1
Sprecherin: Ann Vielhaben
Verlag: Der Audio Verlag
ISBN: 978-3-86231-986-2
Dauer: 16 h 55 min
Erscheinungsdatum: 10. März 2017
Genre: Fantasy, Liebesroman, Romantic Fantasy

 

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Julie Kagawa: Plötzlich Fee – Frühlingsnacht (4)

kagawa ploetzlich fee fruehlingsnachtAsh, der Winterprinz, hat für seine Liebe zu Meghan bereits alles riskiert. Seine eigene Mutter, die eisige Königin Mab, hat sich von ihm abgewendet, er wurde aus Nimmernie verstoßen. Eigentlich müssten nun endlich bessere Zeiten anbrechen, denn die Eisernen Feen sind geschlagen und Meghan wurde zur rechtmäßigen Königin ihres Reiches gekrönt – eines Reiches, in dem Ash aber nur dann überleben kann, wenn er das Einzige, das ihm von Mabs Erbe noch geblieben ist, preisgibt: seine Unsterblichkeit. Damit er überleben kann, verstößt ihn Meghan aus ihrem Reich und entbindet ihn so von seinem Eid. Doch Ash ist nicht bereit aufzugeben. Gemeinsam mit seinem Rivalen und ehemals besten Freund Puck begibt er sich auf eine gefährliche Reise ans Ende der Welt, um dort nach schweren Prüfungen das zu erlangen, was ihm das Überleben im Eisernen Reich ermöglichen würde: eine Seele und damit seine Menschlichkeit …

„Plötzlich Fee – Frühlingsnacht“ ist Band 4 der Reihe um Meghan Chase und Winterprinz Ash – und das Außergewöhnliche: Mit Ausnahme des Epilogs wird das komplette Buch aus Ashs Sicht erzählt. Und das gefiel mir erstaunlich gut. In den Vorgängerbänden war Ash primär „tall, dark, and handsome“ – der extrem gut aussehende Winterprinz, der seine wahren Gefühle (sofern er als Feenwesen überhaupt in der Lage ist, welche zu empfinden) hinter einer starren Maske verbirgt. Nur hin und wieder gelingt es Meghan und damit dem Leser, einen Blick hinter die Maske zu werfen und zu erahnen, wie groß seine Liebe zu der jungen Frau ist. In diesem 4. Band ändert sich nun alles. Wir können einen Blick in die Gedanken des Prinzen und auch seine Gefühle werfen. Manche werden ihn vielleicht etwas zu emotional und „wehleidig“ finden. Aber manchmal stößt auch das „Show, don’t tell“ an seine Grenzen. Und ich habe auch genug von all den Liebesgeschichten um Teeniemädels, die groß gewachsenen, unheimlich gut aussehenden übernatürlichen Wesen verfallen, welche sie die Hälfte der Zeit abweisend behandelt – und der betreffende Autor bzw. die betreffende Autorin verkauft uns dies als die große Liebe. 🙂
Darüber hinaus ergeben die Emotionalität und die Zweifel des Protagonisten im Gesamtbild des Buches auch einfach Sinn: Er befindet sich auf einer traditionellen Quest, muss – gemeinsam mit seinen (mehr oder weniger) treuen Freunden – Abenteuer bestehen und Herausforderungen und Prüfungen bewältigen. Und zu dieser Reise und den in ihrem Rahmen stattfindenden Prüfungen gehört eben die Konfrontation mit typisch menschlichen Emotionen und Erfahrungen: die Dunkelheit im eigenen Inneren und Reue über Vergangenes. Schmerz und Krankheit. Einsamkeit und Sterblichkeit. Die Prüfungen, die zum Teil alle bestehen müssen, die aber gerade am Ende nur von Ash bewältigt werden müssen, liefern dem Leser eine echte Achterbahn der Gefühle. Die menschlichen Erfahrungen zerstören ihn zwar einerseits, andererseits geht er aber gestärkt und entschlossen daraus hervor. Das Leben der Charaktere ist fast in jedem Kapitel durch ein neues Monster oder ein neues Hindernis bedroht und sie werden tief hineingeführt in ihr Inneres – bis in die tiefsten Untiefen. Und ich gestehe: Es gab auch die eine oder andere Stelle, an der ich vielleicht ein Tränchen verdrückt habe.
Puck ist ebenfalls mit von der Partie und auch Grimalkin, die Cat Sidhe. Die Sommerfee ist in diesem Buch etwas weniger humorvoll, aber vor dem Hintergrund der Quest ergibt auch das Sinn, da er und die anderen Abenteurer ebenfalls mit ihren dunkelsten Seiten konfrontiert werden. An liebevollen, aber doch bissigen Neckereien mangelt es dennoch nicht, und deshalb ist diese „Männerfreundschaft“ von Puck und Ash für mich auch in jedem Buch ein echtes Highlight:

[Puck] seufzte schwer und warf mir einen prüfenden Blick zu. „Bist du sicher, dass du der Sache gewachsen bist, Eisbubi?“, fragte er dann. „Ich weiß, du bist der Meinung, du könntest alles schaffen, aber das hier wird echt hart. Und ‚Ash, der Irre‘ klingt einfach nicht so gut wie ‚Lass-mich-in-Ruhe-sonst-bring-ich-dich-um-Ash‘.“
Ich grinste spöttisch. „Für einen Erzfeind klingst du aber ziemlich besorgt.“
„Pah. Ich habe nur keine Lust, Meghan erklären zu müssen, dass du bei dem Versuch, eine Seele zu erringen, zu Gemüse geworden bist. Ich wüsste nicht, wie das für mich ein gutes Ende nehmen sollte.“
(S. 467/E-Book)

Ein weiteres Mitglied der kleinen Gruppe ist der Große Böse Wolf, der eine wunderbare Ergänzung des Teams darstellt und ebenfalls hin und wieder für humorvolle Einlagen sorgt oder mit seinem Mut und seiner Stärke so wie Grimalkin den Protagonisten auf seiner Reise voranbringt und schützt. Es gibt noch eine weitere Figur, die die Gruppe komplettiert und etwas zu Ashs „Emotionalität“ beiträgt, aber ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr spoilern …
Ich dachte ja bereits, dass Julie Kagawas Beschreibungen von Nimmernie bereits kreativ und einfallsreich sind. Aber in „Frühlingsnacht“ gelingt es ihr tatsächlich, dies noch einmal zu steigern. Wir entdecken gemeinsam mit den Akteuren unbekannte Seite des Wilden Waldes, reisen durch Gebiete, in denen die Wesen „leben“, die kurz vor dem Verlöschen sind, und gelangen schließlich bis ans Ende der Welt. Und ich hab’s ja schon immer geahnt: Die Welt ist eine Scheibe und unsere mittelalterlichen Vorfahren hatten recht: Hic sunt dracones. 😉 Wunderschön! Aber mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten.
Kagawas Schreibe ist auch hier bildreich, flüssig und gut zu lesen sowie vor allem ausgesprochen actionreich. Meghan hat mir ehrlich gesagt nicht gefehlt. Natürlich ist sie bzw. Ashs Liebe zu ihr der Motor der Handlung und seiner Entscheidungen, aber ich fand, dass die beiden Feenmänner die Handlung sehr gut allein getragen haben (natürlich gemeinsam mit ihren Sidekicks). Mir persönlich hat es besser gefallen als Band 3, aber auf jeden Fall war dieser Abschluss nötig, damit die Geschichte um Meghan und Ash wirklich zu einem befriedigenden Ende geführt wird.

Mein Fazit: Ich möchte Band 4 nicht missen!

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Julie Kagawa: Plötzlich Fee – Herbstnacht (3)

kagawa-ploetzlich-fee3 Am Vorabend ihres siebzehnten Geburtstags findet sich Meghan als Wanderin zwischen den Welten wieder: Sie und Ash, der Winterprinz, wurden wegen ihrer verbotenen Liebe von Sommerkönig Oberon und Winterkönigin Mab aus Nimmernie verbannt. Nun sind sie auf der Flucht. Auch die Eisernen Feen, denen Meghan im letzten großen Kampf empfindlichen Schaden zugefügt hat, sinnen auf Rache und machen vor der Welt der Sterblichen und Meghans Familie nicht halt. Es gibt keinen Ort mehr, an dem Meghan sicher ist. Doch diesmal ist sie nicht allein: Ash weicht nicht von ihrer Seite, seine Liebe zu ihr ist ihm längst wichtiger als das Wohlwollen seiner Mutter Mab.
Als sich die Eisernen Feen unter einem falschen König zu einem neuen Angriff rüsten und die Feen des Sommer- und des Winterlandes dagegen machtlos sind, bitten diese Meghan und Ash um Hilfe. Der jungen Frau ist es ja nicht nur gelungen, den Eisernen König zu vernichten; sie ist auch das einzige Feenwesen, für das Eisen keine unmittelbare Gefahr darstellt. Die beiden Liebenden kehren nach Nimmernie zurück und begeben sich ein weiteres Mal auf die gefährliche Reise in das Eisenland …

„Plötzlich Fee – Herbstnacht“ ist Band 3 von Julie Kagawas „Plötzlich Fee“-Reihe und definitiv ein echtes Highlight: spannend, actionreich, kreativ. Ein wirklicher Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Kagawa gehen auch in diesem Band die Ideen nicht aus. Sie formt das Eisenreich weiter aus, ergänzt die Feenmythologie bzw. die Mythologie der von ihr erschaffenen Feenwelt um weitere Facetten und vertieft auch Meghans Charakter weiter.
Während Meghan in den ersten beiden Bänden für meinen persönlichen Geschmack etwas zu viel „herumgeheult“ hat, entwickelt sie sich in „Herbstnacht“ zu einer starken jungen Frau, die nicht länger eine Damsel in Distress ist (wenn auch eine mit einem – unvernünftigerweise – ausgewachsenen Dickschädel), sondern selbst das Schwert in die Hand nimmt und in den Kampf zieht. Während sie sich auch bislang bereits durch Mut und Entschlusskraft auszeichnete, ist sie nun wirklich willens, auch den Preis für ihre Entscheidungen zu zahlen und die Konsequenzen der Ereignisse zu (er-)tragen. Auch um den Preis ihrer Liebe zu Ash.
Interessanterweise ist es dieser, der in „Herbstnacht“ zunehmend Probleme damit hat, dass die junge Frau selbstständiger wird und bereit ist, Opfer zu bringen, um die Feenwelt zu retten. Aber da er bislang relativ facettenarm war, fördert das die Charakterzeichnung dieser Figur ungemein und verleiht dem Winterprinzen mehr Tiefgang. Ich freue mich schon auf Band 4 der Reihe, in dem die weiteren Ereignisse aus seiner Sicht beschrieben werden. Bislang hat man wenig Einblick bekommen in seine Gedanken und Gefühle. Auch die die Geschehnisse um seine (und Pucks) Liebe zu Ariella blieben bspw. relativ blass.
Neben Puck mit seinen Scherzen ist auch Cat Sidhe Grimalkin wieder mit von der Partie, und ich dachte so manches Mal, dass eine solche Figur für einen Autoren ja sehr bequem ist: Grimalkin taucht auf und verschwindet, wie es ihm gefällt. Aber man kann davon ausgehen, dass er im Hintergrund die Fäden zieht und immer eine Lösung für anstehende Probleme in petto hat. Sehr zweckmäßig für den Autor, der sich nach Belieben zurücklehnen kann, wenn er einen schnellen Ausweg aus einer Situation benötigt. 😉

Mein Fazit: Großartig! Unbedingt lesen, falls ihr dies nicht sowieso schon getan habt.

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Julie Kagawa: Plötzlich Fee – Winternacht (2)

kagawa ploetzlich fee WinternachtMeghan, die halb menschliche Tochter des Sommerkönigs Oberon, hat es geschafft: Mit der Unterstützung von Prinz Ash ist es ihr gelungen, den Eisernen König Machina zu besiegen und ihren kleinen Bruder Ethan zu befreien. Doch nun muss sie ihr Versprechen einlösen und Prinz Ash zum Hof seiner Mutter folgen, der Winterkönigin Mab: Tir Na Nog.
Doch zu ihrem Schrecken muss sie mit ansehen, wie sich Ash dort völlig verändert. Verschwunden ist der junge Mann, der ihr Herz erobert hat. Zurück kehrt der eiskalte Prinz des Winterreiches. Hinzu kommt, dass auch ihre magischen Fähigkeiten verschwunden sind. Doch bevor Meghan sich von diesem Schock erholen kann, geschieht das Entsetzliche: Sage, der Thronerbe des Winterreichs und ältester Bruder von Ash, wird von Eisernen Feen ermordet, das Jahreszeitenzepter, das das Machtgleichgewicht in Nimmernie und die Jahreszeiten der realen Welt regelt, gestohlen. Und das Schlimmste: Dahinter steckt Rowan, der Mittlere der Prinzensöhne, der sich mit dem mysteriösen neuen Eisernen König verbündet hat und auf diese Weise seine Macht sichern will.
Doch außer Meghan, Ash und Puck hat niemand die Eisernen Feen, die selbst Mabs Grausamkeit in den Schatten stellen, je gesehen. Und so machen sich die drei auf die Suche nach dem Zepter – während in Nimmernie der Krieg zwischen Sommer und Winter ausbricht …

„Plötzlich Fee – Winternacht“ ist Band 2 der Reihe um Meghan Chase, die Tochter des Feenkönigs Oberon und einer Menschenfrau. Das Buch schließt dort an, wo Band 1 „Plötzlich Fee – Sommernacht“ geendet hat: Ash bringt Meghan, wie vereinbart, an den Königshof seiner Mutter. Er warnt sie jedoch, dass das Leben dort anders ist, gefährlicher. Jeder hält Ausschau nach den Schwächen seines Gegenübers und versucht, den anderen seelisch und auch körperlich zu vernichten. Und um zu überleben, wird auch er sich anders verhalten müssen, als Meghan dies von ihm kennt. Ganz zu schweigen davon, dass Sommer und Winter Todfeinde sind und einfach nicht zusammenkommen dürfen. Doch da die Hoffnung zuletzt stirbt, fällt es Meghan schwer, ihm Glauben zu schenken. Umso größer ist ihr Entsetzen, als genau das geschieht: Ash ist kalt und abweisend zu ihr; von der bisherigen Zuneigung keine Spur. Daraufhin ist sie völlig am Boden zerstört – und ihr Verhalten ist auch mein persönlicher Kritikpunkt an dieser Geschichte: Nun folgen seitenlange Beschreibungen ihrer Tränen, ihres Herumgeheules, ihrer Depressionen … Dabei hat er sie doch ganz deutlich davor gewarnt, dass sie ihm vertrauen müsse, dass die Dinge anders sind, als sie scheinen … Im Grunde wirkt sie in diesem 2. Band taffer und selbstbewusster als in der bisherigen Geschichte, doch wenn es um Ash geht, kommt sie leider nicht ohne Naivität und jede Menge Tränen aus. Aber das ist wahrscheinlich typisch für die erste große Liebe. 🙂
Doch dann tritt eine Verschwörung zutage, das Jahreszeitenzepter wird gestohlen und die wirklich spannende, action- und abwechslungsreiche Handlung kommt in Gang. Auch hier zeigt sich wieder die Kreativität von Julie Kagawa, die ihre Nimmernie-Welt noch weiter ausschmückt, neue Figuren einführt, neue Umgebungen erschafft. Ob sich der Leser nun mit den Helden durch das „Gestrüpp“ bewegt und von Wyvern angegriffen wird oder im Zuhause der Leanansidhe aufhält – Kagawa erschafft immer wieder völlig Neues, vergisst aber darüber den roten Faden der Handlung nicht. Und durch aus erzählerischer Hinsicht logisch eingestreute Hinweise auf das Geschehen in Band 1 „Plötzlich Fee – Sommernacht“ sorgt sie dafür, dass auch der Leser, der die Ereignisse des ersten Buches nicht mehr parat hat, sich gleich in die Geschichte und auch die Charaktere hineinfindet. Das alles ist durch Kagawas einfache Sprache auch sehr gut zu lesen – ein echter Schmöker eben.
Wichtigste Figuren neben Meghan sind natürlich Ash, der sich zunächst – mit Ankündigung – abweisend verhält, dann aber zu einer echten Bedrohung für sie wird (warum, wird an dieser Stelle nicht verraten). Stärker als im ersten Band zeigt sich bei ihm der innere Widerstreit zwischen den Traditionen der Feen auf der einen und seinen Gefühlen für Meghan auf der anderen Seite. Bis er schließlich eine tragische Entscheidung fällt …
Sein ehemaliger bester Freund Puck komplettiert den Love Triangle, wobei Meghan jedoch die Entscheidung nicht wirklich schwerfällt. Er sorgt – nicht nur durch seine verbalen Streitereien mit Ash – für jede Menge Humor und Leichtigkeit, es bleibt aber zu hoffen, dass Kagawa ihm in zukünftigen Bänden noch ein wenig mehr Tiefgang verleiht. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.
Auch Grinsekatze Grim ist wieder mit von der Partie und zieht im Hintergrund seine Fäden. Neu hinzugestoßen: Eisenpferd, den man aus Band 1 bereits kennt, der aber die kleine Gruppe nun als Verbündeter begleitet. Und auch dem aufmerksamen Leser schon einen Hinweis darauf liefert, was uns in den Folgebänden noch erwarten dürfte.

Mein Fazit: Wirklich gut geschriebene Fortsetzung der „Plötzlich Fee“-Reihe, die nicht unter den leider häufig vorkommenden Schwächen von zweiten Bänden (bei Trilogien) leidet, die oft reine Füller sind. Hier passiert Neues, die Ereignisse formen auch die Charaktere weiter. Unbedingt lesen!