Cajun Nights

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„Eine Kurtisane, nicht alt, doch auch
nicht länger jung; sie vermeidet den
Sonnenschein, daß der einstige Ruf
Ihrer Schönheit erhalten bleibe. Die
Spiegel in ihrem Hause sind trübe
geworden und die Rahmen wurden
matt; alles in ihrem Hause hat Matt-
glanz und ist schön vor Alter.

– William Faulkner

Trommeln pochen, ein Herzschlag, der durch den Boden hämmert, seine Beine hinauf bis in seinen Brustkorb. Lange vergessene Trommeln. Durch ihn dröhnend gleiten sie sein Rückgrat entlang, als er tief zwischen die verwachsenen Pflanzen und Ranken blickt. Bayou Savage – Der Wilde Sumpf. Nebel steigen aus schwarzem Wasser auf, verschleiern den Sumpf und seine Bewohner dahinter. Er wirft eine Zigarette weg und beobachtet, wie ihre Glut eine Spirale durch die Dunkelheit zieht, um dann vor ihm im Wasser zu landen. Mit einem leichten Zischen schließt es sich über der Kippe. Am anderen Ufer reflektieren kleine runde Augen das Mondlicht. Eine lange schlangenartige Gestalt gleitet ins Wasser. Die Augen verschwinden unter den sich kräuselnden Wellen, als er die Last von seinen Schultern hebt. Er beobachtet die schwingenden Gliedmaßen, als sie in den Sumpf purzelt. Ihre Hand bleibt sichtbar, scheinbar greifend. Ihre weiße Nacktheit hebt sich klar von der Dunkelheit des Sumpfes ab. Bis sie das Wasser verschluckt und sie tief hinunter in seine dunklen Abgründe zieht. Purpurrote Tropfen von seinem Kinn abwischend dreht er sich um und blickt zurück auf die hellerleuchtete Stadt. Isle Voletta. Die Insel der Schleier. „Passend.“ denkt er, während er zurückgeht. Umgeben vom Bayou Savage glitzert sie gleich einem kleinen Edelstein unter verrottendem lebendem Abschaum. Dekadent zwinkert sie, lockt mit dem Versprechen von Perversionen, wie man sie nur in den dunkelsten Momenten der Menschheitsgeschichte erträumte. Sodom und Gomorrha, auf den Fluch der Salzsäule wartend. Seine Schritte werfen ein hohles Echo entlang den Bürgersteigen der Stadt. Schatten greifen, schnappen nach ihm, während sein Weg ihn an den Vorbürgerkriegsfassaden der Neureichen vorbeiführt. Vorbei an den Säulen des Rathauses, schaurig schimmernden Elfenbeinskeletten. Zu der grellen Neonhelligkeit seiner Bar… Fassade. Unter dem Schein einer Straßenlaterne bleibt er stehen. Seine Augen wandern über die Vorderfront des Clubs, während er nach seinen Zigaretten greift. Mit einer davon zwischen seinen Lippen betrachtet er ein Streichholz erst aufflackern, dann brennen. Er wirft es weg, als die Spitze des Sargnagels glüht. Rauch steigt auf, er kneift seine Augen leicht zusammen, um sich vor dessen Stechen zu schützen. Ein unnützes Laster, aber er hängt immer noch an den Überresten seines sterblichen Lebens. Zigaretten und sein Club. Die Trommeln pochen durch die Straßen. Provokativ. Unwiderstehlich. Sie flüstern ihm zu, als er vom Bürgersteig in den Clubeingang tritt… flüstern von… Isle Voletta… Insel der Schleier… Heimat des menschlichen Abschaums und der creme de la creme… Und immer noch schmiegt sich das Flüstern verführerisch an sein Ohr. Leidenschaft… Geheimnisse… Vampire…