Sonntagsbild 08.03.2026

Mit Schneeglöckchen und zwei zarten Zweigen eines Strauchs aus meinem Garten beginnt bei mir der Stubenfrühling. Ich kaufe keine Tulpen, keine Narzissen, keine Primeln, ich warte auf die ersten Blüten im Garten und rundrum. Auch entferne ich noch nicht das Herbstlaub aus meinen Beeten, dazu sind die Nächte noch zu kalt und die Sonne am Tag zu warm. Schon fehlt der Regen. Das Laub schützt die Erde vor dem Austrocknen und die Kleinstlebewesen darunter. Dennoch gab es ein bisschen was zu tun in der letzten Woche, Sträucher wollten beschnitten werden und die Stauden abgeschnitten, viele dünne Äste der Trauerweide wollten zusammengerecht werden. Nun kann ich langsam ans Säen denken, die Topfpflanzen brauchen neue Erde und größere Töpfe.

Aber jetzt ist Sonntag und der Sonntag ist nur zum Stromern und für die Entspannung da.

Morgen, am Montag, werde ich streiken, auch wenn es mit einem bundesweiten Streik von Frauen nicht klappen wird. Wirklich schade, aber ich habe es mir schon von Anfang an gedacht.

Euch wünsche ich einen entspannten Sonntag mit freudigen Momenten.

Archivbild Woche 13

01. April 2024

Eine Tulpe aus meinem Garten. Klein, schlicht, rot, so wie ich es mag.

So war es vor einem Jahr, in diesem sind bislang nur die Knospen zu sehen.

Dies ist ein Beitrag zu Heides Projekt:

Bildprojekt: Das Archivbild der Woche (13)

Aufgrund all der Bewegungen in den letzten Wochen und denen, die in den nächsten Wochen und Monaten folgen werden, wird es mir wohl nicht möglich sein mich regelmäßig an diesem schönen Projekt zu beteiligen.

So, wie es kommt, so, wie es passt, hier und mit allen anderen Themen, die ausgedrückt werden wollen.

Bitte seht es mir nach. Dankeschön.

Kurzes Intermezzo

Das kurze Intermezzo zwischen der einen und der anderen Reise ist vorbei

Zwei Wochen liegen zwischen Ankunft und erneuter Abfahrt. Zwei Wochen, um meine Zeit in Lothringen zu verdauen, um Wäsche zu waschen, neue Packstapel anzuhäufeln und zu tun, was getan werden will und muss.

Lothringen heißt die alljährliche Buddhistische Sommerschule, mittlerweile immer mit meiner Enkelin dabei. Heißt all die Freundinnen und Freunde wiederzusehen, die ich nur hier treffe, heißt einander zu umarmen, miteinander zu plaudern und zu lachen und auch mal einen Arm, eine Schulter zu schenken. Heißt auch immer wieder mit den jungen Erwachsenen in einem Kreis zu stehen und zu sitzen.

In diesem Jahr hatten wir nur wenig Zeit füreinander, aber es war Zeit genug, um ein Ritual anzuleiten und ihnen etwas mit auf den Weg zu geben, das sie durch das Jahr  tragen kann, bis wir uns im nächsten Jahr wiedersehen. So alles gut geht.

Für mich hieß es auch eine Entscheidung zu fällen. Mache ich weiterhin Vorstandsarbeit für den Verein oder trete ich zurück?

Noch eine Runde im Karussel, so habe ich mich entschieden, noch einmal zwei Jahre und dann ist es gut. Alle haben es gehört. Und wirklich, kaum hatte ich mich endlich entschieden, fiel eine Last von mir ab und ich wurde leicht und das hat sich bis jetzt auch nicht geändert.

Zwei Jahre sind schnell vorbei! Ich bin eingearbeitet und konnte Bereiche abgeben, mit denen ich mich schon länger unwohl gefühlt habe. Ich wurde noch leichter.

So fröne ich nun der Leichtigkeit der Hochsommertage in meinem schattigen Garten, der mich mit Blühendem erfreut, das nicht auf der Speisekarte von Nacktschnecken steht. Lila, pink, orange und weiß sind die jetzigen Farben. Diesbezüglich fällt mir der Abschied für drei Wochen schwer. Gleichzeitig winken schöne Ziele.

In der ersten Woche werde ich am altbekannten Ort im Südschwarzwald für meine einstige Lehrerin und ihre Frauengruppe, zusammen mit meiner Freundin S., kochen, um das Geld zu verdienen, das ich für die anschließende kleine Reise benötige. Endlich werde ich ein altes Haus kennenlernen, das ich nur von Bildern und Geschichten kenne; in eine mir unbekannte Gegend in Deutschland reisen, endlich die Freundin nach vielen Jahren wiedersehen und sie umarmen, nicht nur virtuell oder per Sprechpost.

Was danach kommt ist noch offen, ein bisschen fahren, dort bleiben, wo es mir gefällt, vielleicht mir München anschauen, bis ich dann bei einer anderen Freundin ankommen werde, die ich nun auch schon wieder zwei Jahre nicht gesehen habe.

So verabschiede ich mich heute von euch. Sage von Herzen DANKE, für eure Treue, für unser Miteinander hier. Bitte bleibt gesund und heiter!

Maiwind

Immer jetzt. Von hier aus gegangen, dann weiter. Kein Sonnenaufgangsspaziergang, erst später begrüßen der Kuckuck und ich den neuen Tag. Gedanken schweifen, ohne sich ins Gestern oder Morgen einzuhaken.

Das Schreibzeug nehme ich mit an den Gartentisch. Es ist noch frisch am Morgen und wieder weht der Wind die schon gelb gewordenen Blätter der alten Trauerweide auf den Tisch, in die Beete, auf die buckeligen Terrassenplatten. Gestern sagte ich, sie verjüngt sich, wirft ab, was zu viel geworden ist, dürre Ästchen und gelbe Blätter – aber auch Tropfen. Vielleicht weint sie ja, über das Altern und Sterben. Auch eine Trauerweide lebt nicht ewig.

Was werde ich noch abwerfen? Was habe ich schon abgeworfen? Diese Fragen stellen sich, jetzt, da die Schritte wieder leicht geworden sind und mich die schnellen Schuhe durch den Frühling tragen.

Das Korsett der Jugend vermisse ich nicht, nicht die Lasten der Verluste, das Alter drückt mich nicht, ist kein Stein auf meiner Brust. Nicht jetzt.

Einzig die unsägliche Politik, die Menschenfeindlichkeiten, die Blindheit auf den rechten Augen ziehen dunkelgraue Schlieren vor den strahlend blauen Maihimmel. Der Wind weht auch diese hinweg.

Die Omas gegen Rechts bekommen in diesem Jahr den Aachener Friedenspreis. Ich bin eine Oma gegen Rechts. Wir lachen viel, wir Omas, trotz Allem. Die Geschichte und die Sorge um die Zukunft einen uns.

„There is no place as paradise“, ich denke oft an diesen Satz und schaue den neuen  Nachbarn zu, wie sie an ihrem Paradies bauen, wie sie selbst ihr Gärtnern nennen. Ich nenne es die Vereinnahmung ihres Teils des großen Geländes. Ich sehe keine Freude, nur Angestrengtes. Bei mir bleibt es halbformal, Wildes und Kultiviertes nebeneinander. Die jungen, frisch gepflanzten Kräutlein stehen aufrecht in den Beeten, Blumen wachsen ihrem Blühen entgegen. Es wird eine Freude sein! Es ist eine Freude an der blauen Iris und den Blüten der Jakobsleiter. Jetzt.

Im Jahreskreis lässt es sich leicht tanzen. „Aber der Winter“, höre ich dich sagen. Ja, auch im Winter lässt es sich tanzen, durch den Schnee, so er noch fällt, über das Eis, so es noch entsteht, in der warmen Stube, in aller Heimeligkeit. Das ist die Kür! Wie das zahnlose Lachen der Alten. Sie haben so vieles hinter sich gelassen: den Aufbruch, den Sturm, den Drang, das Lösen der Fesseln, das Weh und Ach der Liebe, des Begehrens, der Enttäuschungen, der Fehlentscheidungen, der Zweisamkeit und der Einsamkeit. Dann das erste Knacken der Gelenke, erste Einbrüche, erste Falten, erste Verluste, das Wachsen des Wissens um die Vergänglichkeit. Warum sollten sie nicht lachen?

Nein, nicht allen Alten ist das vergönnt. Manchen wurde keine Liebe geschenkt, manche sind ohne Hoffnung, ohne Freundschaften, sie haben mein Mitgefühl.

Mitfühlen kann ich, weil ich selbst schon ohne Hoffnung war, mich einsam, ungeliebt fühlte, kraftlos durchs dunkle Tal wanderte. Es war nicht der Gedanke an das Licht am Ende des Tunnels, es war das Ja zum Dunkeltal, das Kraftlosigkeit in Lebendigkeit wandelte. Es war die Stille, die mich fand, das Sitzen mit all dem, was schmerzte. Ich kenne keinen anderen Weg.

Ich folge dem Pfad der Schönheit, dem mäanderden roten Faden von der Quelle zu Mündung. Ich frage nicht mehr nach dem Warum, frage nicht nach richtig, nicht nach falsch, nicht nach Schuld – nicht in diesen Feldern.

Die Lust und die Freude am Leben ist keine Frage des Alters.

Der Maiwind bläst die Mücken fort.



zum Bild: Die Alte am Feuer fand ich in der ‚Oya‘, das Bild der bunten Alten wurde mir zum Geburtstag geschenkt, nun hängen sie etwas versetzt nebeneinander in meiner Küche. Es sind für mich meine äußere und meine innere Alte, auf die ich mich zubewege.

Und ja, wahrscheinlich taucht dieses Thema noch öfter auf. Weil es dran ist.

Einen Rhythmus finden

#Montagsblogeintrag I

Mir gefällt, was derzeit Frau Graugans und auch Frau Kraulquappe bei sich machen: jeden Montag einen Eintrag schreiben und das erzählen/schreiben, was gerade ist. Mir gefällt auch und besonders, dass es ein Montag ist, der Anfang einer neuen Woche – vielleicht als Symbol, jetzt, wo ich am Anfang eines neuen Blogrhythmus stehe und sich so vieles geändert hat.

Vieles ist noch ungefähr und doch, wenn ich genau hinschaue, dann erahne ich, sehe ich schon so Manches –

draufklick = großes Bild

wie diese Blüte …

Wie Innen, so Außen, wie neu und klar, wie klar und ungefähr, wie ungefähr und festen Schritts, wie fester Schritt im Morgennebel, wie sich lichtende Morgennebel und klarer blauer Himmel, wie klarer blauer Himmel und leuchtende Herbstblumen – im Garten.

Manchmal, wenn ich im Garten werkel, denke ich an Hannah Höch. Sie hat das Dritte Reich in ihrem Haus in Berlin Heiligensee überlebt – in ihrem Haus und ihrem Garten. Noch heute kann man diesen prachtvollen Garten besuchen, wenn mensch sich vorher anmeldet.

Die meisten ihrer Künstlerfreundinnen und -freunde waren geflohen, im Krieg oder Schlimmeres oder tot. Manchmal fühlte sie sich einsam. Der Garten spendete Trost, Freude und die Pflanzen wurden zu Freundinnen.

– Die Gallerie öffnet sich, wenn du eins der Bilder anklickst –

Ich fühle mich gerade jetzt und hier nicht einsam, auch sind meine Freundinnen und Freunde weder geflohen, noch im Krieg, noch tot und trotzdem habe ich heute darüber sinniert, ob mir mein Garten auf Dauer Trost und Freude spenden würde – ja, würde er!

Jede Blüte feier ich. Jedes Kraut ehre ich, schneide es auch, trockne es für die Teedosen und Gewürzgläser.

Und doch … wie wäre es, wenn ich wüsste, dass um mich herum der Mob tobt und vielleicht schon morgen auch vor meiner Türe stehen könnte? Wie wäre es, wenn ich wüsste, dass alle meine Freundinnen und Freunde weit weg wären oder im Krieg oder in Gefangenschaft oder tot? Wie würden dann meine Bilder aussehen?

Die Zeiten sind unsicher und was kommt, weiß niemand von uns wirklich voraus zu sehen. Manchmal beschleichen mich Ahnungen. Ungute. Die Stimmung in Deutschland ist keine gute und der Mob formiert sich, hetzt, stachelt auf, verteilt Fehlinformationen und die Schafe blöken.

Einen sicheren Ort in einer verunsicherten Welt zu haben ist ein Geschenk. Doch wie sicher ist sicher, wenn es letztendlich keine Sicherheit gibt? Nur mich. Und einen Garten, der jetzt „mein Garten“ heißt. Und meine Liebe. Und meine Kunst.

Das muss erst einmal reichen!

Blaue Stunde – goldene Stunde