Sonntagsbild 15.03.2026

Seit Freitag regnet es immer mal wieder. Es ist so ein richtig feiner Nieselregen, der das Erdreich durchfeuchtet, zur Freude der Natur.

Die Schneeglöckchen und Krokusse verblühen nun, kleine Osterglöckchen und Blausterne treten an ihre Stelle. Jeden Tag drehe ich am Morgen eine Runde im Garten, um zu schauen, wer denn nun dem Himmel entgegen wächst. Und da gibt es doch so einiges. Mir und anderen zur Freude.

Ich bin ja mehr Beobachterin als eine echte Gärtnerin. Natürlich habe ich das eine und andere angesiedelt, manche Blümchen und Kräuter haben sich etabliert, vermehren sich sogar fleißig, wie z.B. der Bärlauch unter der Trauerweide. Oder die Milchsterne, die freilich von alleine gekommen sind, denen ich aber mehr Raum geschenkt habe und jetzt üppig erscheinen; oder die Pfingstrose, die heuer schon fünf rote Triebe hat und nicht mehr nur zwei, die Anemone, die sich wohl zwischen Blausternchen und Winterrose fühlt. Einzig der Rosmarin ist wieder einmal nicht über den Winter gekommen. Es hilft alles nichts, den nächsten muss ich im Flur überwintern lassen, wie den Oleander und den Sommerjasmin auch.

Diese Runde am Morgen ist mein Trostpflaster in diesen (irren) Zeiten. Vor ein paar Tagen schrieb ich: Mein Herz allem Freudigen öffnen und weiter an Vertrauensbrücken bauen, das ist mein Plan und nicht nur heute.

Ich hoffe, dass auch ihr Trostpflaster zur Verfügung habt, dass euch Freudiges am Wegesrand begegnet, dass ihr jemanden habt, der/dem ihr vertrauen könnt.

Ich wünsche euch einen friedlichen Sonntag.

Schönheit

Der Zerstörungswut, den Unmenschlichkeiten und Ungerechtigkeiten in der Welt die Schönheit einer kleinen Blume entgegenhalten.

Leise habe ich mich meiner Zärtlichkeit genähert. Ich habe niemanden zu dem ich mich hinträumen könnte. Der leere Raum ist nur scheinbar leer. Hier finde ich Liebe und Zärtlichkeit und einen dicht gewebten Mantel.

Keine Angst vorm bösen Wolf

Oder stromern macht mich glücklich

(Wieviel lieber ich euch die Fotos einzeln zeigen würde, aber ich hantiere immer noch mit einem nahezu vollen Speicher – der Umzug zum Cafeweltenall 2 ist möglich, nur finde ich noch immer nicht die Muße dazu. Dann also so.)

Und nun zum Text:

Stromern macht mich glücklich!

(Wer mir schon länger folgt, kennt das von mir.)

Endlich ist es hier wieder trocken, Sonne und Wolken wechseln sich ab, Frische am Morgen und am Abend. Gut.

Also schnappe ich mir meine Kamera, hänge mir mein kleines Täschchen um, in dem immer alles ist, was ich meine zu brauchen. Außerdem will ich ja nur so ein, zwei Stündchen … kein Wasser, kein Brot, kein Pfirsich, kein Apfel, nicht nötig.

Tatsächlich ist es das nicht. Glück gehabt! Die Heidelbeeren sind schon reif.

Heidelbeeren direkt aus dem Wald, von der pflückenden Hand in den Mund, das ist Kindheit, das ist Freude und das ist auch Bullerbü! Das sind verfärbte Finger, verfärbte Zähne und eine blaue Zunge, aber vor allen Dingen ist es Genuss pur!

Ich sehe mich schon dieser Tage mit einem Eimerchen erneut in den Wald ziehen.

Nein, ich habe keine Angst vor dem Fuchsbandwurm.

Und nein, ich habe auch keine Angst allein im Wald. Die hier lebenden Tiere haben mehr Angst vor mir als ich vor ihnen. Der ‚böse Wolf‘ könnte höchstens ein Mensch, ein Mann sein. Aber ich bin jetzt eine Alte! So Eine ist der Begierde nicht wert.

Und ich war schon immer alleine im Wald unterwegs. Hier und da ein mulmiges Gefühl, mehr nicht.

Wie schrecklich ich es fand, als ich gerade las, dass sich junge Frauen nicht mehr trauen tagsüber alleine in einen Park zu gehen, nachts nie alleine unterwegs sind, ganz zu schweigen, dass sie alleine in den Wald gingen.

Natürlich verstehe ich das!

Es ist nur so erschreckend, dass es SO ist!

Darüber sinniere ich, als ich durch den Wald stromere, den ich nur teilweise kenne. Vollkommen entzückt von der Hülle und Fülle der Fingerhüte.

Erinnerungen an meine Tramptouren nach Dänemark und nach Norwegen nachhängend, die ich im Alter von vierzehn bis achtzehn Jahren unternahm. Allein.

Weiterstromern.

Digitalis, die Pflanze für das Herz.

(Gewusst wie. – Vorsicht! Giftig! – Die Dosis macht das Gift.)

Und wieder fällt mir die alte Kräuterfrau aus dem Schwarzwald ein, die mir einst erzählte, dass sich die Pflanzen dort ansiedeln, wo sie auf der Erde, von den Menschen ‚gebraucht‘ werden, wo sie Mutter Erde selbst braucht. Ihr Beispiel war die Pestwurz.

Einst wuchs die Pestwurz nur an Bachläufen, aber mit der Zeit wanderten einige von ihnen weg von den Wasserläufen, hin zu Straßenrändern, die Hänge hinauf. Pestwurz neutralisiert u.a. Gifte. Nicht umsonst wurde die Wurzel dieser Pflanze erfolgreich bei der Bekämpfung der Pest eingesetzt. Die heutige Pest, so sagte Calixta – ja, so hieß die Kräuterfrau wirklich – sind unter anderem die Abgase, die von den Straßen die Hänge (und Häuser) hinauf kriechen.

Was, wenn die Pflanzen mehr ‚wissen‘ als wir? Was, wenn das Herz von Mutter Erde schwach und krank geworden ist? Und was, wenn es deswegen immer mehr Fingerhut im Wald gibt?

Ich mutmaße. Ich sinniere. Ich spinne Gedankenfäden. Was weiß ich schon!

Und so gehe, fotografiere, sinniere und mäandere ich, sehr sicher, dass ich weiß, wie es zurück zu meinem Auto geht.

Und irgendwann weiß ich es dann auch wirklich. Nur dass es einige Kilometer mehr sind als angenommen. Aus ein, zwei Stündchen im Wald wurden fast vier. Irgendwo bin ich dann eben doch einmal falsch abgebogen und Zack!

Gut, waren die Heidelbeeren reif!

Keine Panik. Kein Herzklopfen. Ausschau halten. Und da, endlich kann ich mich orientieren und weiß nun den Rückweg.

Meine Dankbarkeit am Ende dieser Tour ist groß.

Ich bin dankbar dafür, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der mensch mich zwar das Fürchten lehren wollte, es aber nicht gelang. Aufmerksamkeit, den zweiten Blick, die habe ich gerne angenommen.

Dankbar für alles, was ich in und von der Natur bis hierher lernen durfte. Dass ich auch immer weiter lernen darf sie zu ‚lesen‘, mich in ihr zu orientieren.

Dankbar für meine Lehrer=innen der Phythotherapie und für Calixta, die mich noch einmal einen speziellen Blick auf das Leben, die Pflanzen und die Zusammenhänge lehrte.

Und dankbar dafür, dass Natur für mich kein böser Wolf ist.

Weiß

Weiß und weiß nicht

Vor zwei Tagen erzählten mir ein Freund aus dem Südschwarzwald und eine Freundin aus Oberbayern Geschichten vom Schnee, während ich den ‚Nickenden Milchstern‘ entdeckte. Weiß sind beide – Schnee und Milchstern.

Und von jeher weiß der April nicht, was er will. Erst war er viel zu warm, nun ist er wieder frisch und kühl bis frostig. Also, alles in Ordnung? Nein. Denn fahre ich übers Land, dann kann ich nun singen: Der April ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Der Flieder, der Weißdorn, die Apfelbäume blühen und viele Blumen in meinem Garten sind schon verblüht oder wurden viel zu groß, sodass sie bei den kräftigen Windstößen, die hier dann und wann mal über das Land fegen, abknickten.

Schön ist, dass es heuer sehr viel Schmetterlinge und auch Marienkäfer gibt als in den letzten zwei Jahren. Natürlich auch sehr viel mehr Nacktschnecken und das freut die Gärtnerin in mir nun einmal so gar nicht. Freude und Unmut, oder wie die Tante immer mal wieder zu mir sagte: lachen und weinen in einem Sack.

Wohin das alles führen wird weiß mensch nicht, auch nicht die Klimaforscher=innen. Sie wissen nur, dass alles sehr viel schneller geht als angenommen und prognostiziert. Weiße Korallenbänke heißt sterbende Korallenbänke.

Und die Menschen fliegen weiterhin mindestens einmal im Jahr in die Ferien, buchen Weltreisen auf Kreuzfahrtschiffen und die Politker=innen zocken hoch.

Es scheint, dass alle Aufklärung, alle Nachrichten dieser Welt nichts bewirken. Im Gegenteil, die Menschen, die von Lügenpresse sprechen vermehren sich, Verschwörungstheorien, Frauenhass, Rassismus, Sexismus, Populismus, religiöser Fanatismus wuchern.

Es gibt Tage an denen mich all das in den Keller zieht, andere an denen mein Kampfgeist stärker ist. Ob mein kleiner Beitrag hier oder für die Gesellschaft etwas bewirken kann weiß ich nicht. Aber ihr, die ihr mich schon länger kennt, wisst: I’ll never give up!

Und die Freude bleibt auch meine Freundin. All dieses Blühen zum Beispiel, freut mich. Trotzdem. Dass ich letzten Samstag spontan auf eine Party mitgegangen bin und über eine Stunde am Stück getanzt habe, das freut mich auch. Dass ich doch so langsam aber sicher heimisch im Wendland geworden bin, dass sich Menschen freuen mich zu sehen, wenn ich irgendwo spontan auftauche, auch.

So nähre ich weiterhin den weißen Wolf in meiner Brust und bleibe zuversichtlich.

Unerwartet

Ob ich lese, rieche, sehe, träume, gehe, sinniere, lausche, spüre oder rede, plötzlich sind sie da, die Erinnerungen. Das innere Labyrinth öffnet seine Pforten. Oftmals unerwartet, durchaus auch manchmal unerwünscht.

Das Damals im Heute, das Bedauern, die erfüllten und unerfüllten Wünsche, die Weggabelungen, die sich verändernden Perspektiven und Sichtweisen im Lauf eines Lebens.

Gemeinsame Wege kamen an Weggabelungen, die Eine ging links, der Andere rechts, bis sie sich verloren hatten. Alle Wege dürfen gewürdigt werden, alle Weggabelungen verstanden und akzeptiert. Leicht ist das nicht!

Wie ich von hier nach da fahre, singt es in mir, wie schon öfter in der letzten Zeit: It’s the end of the world as we know it …

1987 – von REM in die Welt gebracht – hörte ich es damals immer wieder, ohne zu erahnen, dass diese Welt einmal an ein Ende kommen könnte, das alles andere als ein Wohlgefühl auslösen würde.

Auch Resilienz will geübt und verankert werden. Ich bin dünnhäutiger geworden.

Jetzt sind viele Rehe auf den Wiesen zu sehen; auch ich scheue bei manchen Menschen zurück und suche flink das Weite.

Kraniche begleiten meine Alletage; ein immer wiederkehrendes Glück. Das nutzt sich nicht ab. Die ersten Störche sind zurück und dann diese zwei unerwarteten Begegnungen in der Nacht, auf dem Weg von dort nach hier: ein Nutria – wie schnell die sind; ein Waschbär – wie klein die sind!

Das unaufgeregte, und mancherorts auch schwere Land, wartet mit Unerwartetem auf. Das mag ich! Ich bin nicht für das Verharren in Erinnerungen geschaffen. Die Nomadin zieht ins Frühlingsland. Noch haben sich die Füße nicht eingelaufen, noch sind die Schritte winterschwer, noch sitzt die Henne auf ihrem Ei.

 

Kirschblüten

Miniatur 1/2024

Die weißen Blüten der wilden Kirsche – mein Vorfrühlingsikebana – an Japan denken.

Es müssen keine rosa blühenden japanischen Kirschblüten sein, um an Japan, an den Frühling zu denken.

Ich muss nicht selbst in Japan gewesen sein, um Japanbilder in mir zu tragen. Es sind erstaunlich viele!