Wir hatten letztens den Spülmaschinenfritzen im Haus, da die Spülmaschine nicht mehr heißes Wasser produzierte. Nach der Reperatur wollte er die Maschine mit einem Tab einmal durchlaufen lassen. Ich gab ihm eins und er knibbelte die Außenfolie ab. Ich meinte, die könne er dran lassen laut Herstellerhinweis. Er meinte, ja, aber das mache er immer. Und seitdem denke ich: Weiß der was, was ich nicht weiß? Der weiß doch was!
Ich habe heute diverse KIs mal gefragt, welches Gebäude in der Anfangssequenz von Matlock gezeigt wird. Alle behaupteten, es zu wissen, und alle kamen mit falschen Antworten.
kochroboterrezepte
Den vielleicht schönsten Satz der aktuellen Only murders in the building hat Christoph Waltz:
Ist es nicht interessant: Niemand von uns wird geschriebene Rezepte hinterlassen. Künftige Generationen werden nur noch Bookmarks in Kochrobotern haben.
Ich würde zumindest meinen, das viele nicht mehr die Fähigkeit erwerben, Geschmack in Speisen so herauszuarbeiten, wie sie ihn wirklich wollen und Dinge halt nur noch zusammenpanschen.
Dagegen ist manchmal auch nichts einzuwenden, wie dieses schnell erledigte Rezept für einen Apfelkuchen zeigt, das ich aus der Datenbank einer Kochmaschine in ein Kochblog geschrieben habe. Geht auch.
Treffe den Ex-Chef am Dienstag an der Supermarktkasse:
Du musst diese Mandeln mit Honig mal probieren. Echt geil, ich inhaliere die abends. Schmeckt fast wie auf Kirmes!”
Draußen quatschen wir noch einmal den Abend ein wenig weg, verabschieden uns, ich hadere, gehe dann nochmal wegen den Mandeln in den Supermarkt, schmecken wie auf Kirmes, he?
Suche bei in der einen Mandelecke: nix, suche bei den Knabbersachen: nur die teueren von Ültje. Kein Verkäufer in Sicht. Gnaaa! Schaue dann einfach gerade aus und sehe den Korb mit den karamelisierten Honigmandeln irgendwo im Nirgendwo. Nach zwanzig Minuten. Immerhin.
Komme zur Kasse, brüllt die Verkäuferin:
WO HABEN SIE GEFUNDEN? Ich suche eben hier: nix, suche da: nix. NIX GEFUNDEN! Habe nicht so viel Zeit an Kasse. Wollte probieren! Er hat gesagt: „Schmeckt wie auf Kirmes!“
Besser als Supermarktradiowerbung.

Überraschungslabubu geschossen. Aber ich bin ja ein guter Papa, wenn der nix ist, kriegen ihn die Kinder.
red’ kein’ spahn
zakhor
Joan hat ihre über Jahre angesammelten Einträge in die Software Obsidian, eine Art Zettelkasten, gelöscht, da die Vielzahl an Erinnerungsstücken darin wohl irgendwann belastender als helfend gewesen sind.
Ich weiß noch, dass ich schon so ein Unbehagen gefühlt habe, als ich als Schüler Vokabeln mit einem Karteikasten gelernt habe. Das hat dann auch nur mäßig funktioniert. Ein Buch mit diversen Einträgen auf einer Seite, mitunter doppelt, hat bei mir besser funktioniert als so ein Einzelstücksammelsystem.
Aber ja, irgendwie versuche ich auch diesem Unbehagen seit jeher zu entgehen und es klappt in unterschiedlichen Weisen ganz gut. Im Lokalgeschichtsbereich habe ich ein Wiki angelegt, das Untergedanken miteinander einfach verbinden lässt, so bekommt man eine Verbindung zu Einzeleinträgen und kommt dauernd auf alte Einträge, die man nochmal durchdenkt und verbessert. Das Wiki ist ein offenes Angebot für alle Interessierte, aber eben auch ein Werkzeug für mich selbst.
Ich saß mal in einer Berufungskommission an der Uni für die Stelle einer Lehrkraft, die Lehramtsstudierende für den Alltag ins Gleis setzen sollte. Da stellte sich eine Bewerberin vor, die sagte, sie orientierte sich gerade nicht an Literatur oder philosophischen Büchern, sondern versuche sich selbst und damit anderen zu erklären, wie sie an Wissen kommt. Dazu nutzte sie das Bild einer Treppe, die sie mit ihren Fingern hochtapste. Ich fand das ungemein sympathisch und für angehende Lehrer richtig, um sich selbst mal in Frage zu stellen und neu zu konstruieren, wusste aber auch, dass die Bewerberin von den Universitätsangestellten nicht genommen würde.
Man sieht auch da wieder, wie Kreativität und Druck sich gegenseitig im Weg stehen können. Joan weist auf das jiddische Wort Zakhor hin, dass so viel bedeutet wie Erinnere dich! Ein Wort, dass Erinnerung und Handlung umfasst, wie sie schreibt. Wenn diese Tätigkeit allerdings nicht mit einem Kick, einem geistigen Witz, mit etwas, das einen anspornt weiterzumachen, begleitet wird, läuft sie Gefahr sich totzulaufen. Wer übt schon gerne müßige Handlungen aus, die zu nichts irgendwie Besonderem führen?
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büchergewürms
Es hat etwas gedauert, aber jetzt steht sie, meine Bücherstöberseite im Fediverse, gemacht mit Bookwyrm. Untergebracht unter der Lokalseite, in unserem beschaulichen Örtchen könnte ich bis auf weiteres der einzige Nutzer sein, aber das ist auch irgendwie gut so.
chicks on tour
Mein Onkel Franz hatte für seine Kinder früher Hörspielschallplatten, die auch wir ab und an zu hören bekamen. Offenbar waren die Verwandschaftstreffen so langweilig, dass wir die ganz auf dem Schirm hatten und wohl auch öfters. Es war aber auch lustig:
Kinder, ihr wisst doch alle, was “Mitschnacker” sind?
Das hatte ich immer im Hinterkopf, wusste aber nicht, um was für ein Hörspiel es sich bei einem Kasperlehörspiel handelte. Es dauerte einige Jahre, bis Suchwörter mich auf die richtige Spur brachten und irgendwer im Internet hatte das dann auch online gestellt.
Daher weiß ich, dass manchmal was im Internet herumschwirrt, von dem man selbst keine Ahnung oder keine Spur hat. Was ich ebenso suche, sind Aufnahmen des lustigsten aller lustigen Podcasts ever: Chicks on Tour von den Göttinnen Ricarda Kinnen und Tina Frank.
Und deswegen sei es mal herausgebrüllt: Kennt die noch jemand und hat womöglich noch was von denen? Immer her damit!
