20260310 Rezension Fruehlingsgoettin Drachenhaus Verlag Buchblog Buecherherbst bookstagram

Wenn der Frühling tanzt: Ein Bilderbuch über Erinnerung, Verlust und die Kraft der Natur

Literatur – insbesondere illustrierte Literatur – hat die bemerkenswerte Fähigkeit, Erinnerungsräume zu schaffen. Dabei verbinden sich Bilder und Worte zu einer Form des Erzählens, die weniger argumentiert als suggeriert. Landschaften werden zu Trägern von Geschichten und Naturerscheinungen zu Symbolen von Zeit, Verlust und Wiederkehr. Gerade in Bilderbüchern zeigt sich, wie stark solche Geschichten an Orte gebunden sind – an Berge, Wälder und Flüsse –, die zugleich reale Landschaften und mythologische Räume sein können.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch „Die tanzende Frühlingsgöttin” von Shu-Nü Yen und Yu-Jan Chang. Das Buch verbindet Naturmythos und Erinnerung in einer leisen, poetischen Erzählung miteinander.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Junge Adi, der mit einem geheimnisvollen Säckchen seiner verstorbenen Großmutter im Gepäck auf den Alishan-Berg reist. Seine Großmutter hatte ihm von einem magischen Kirschblütenfest erzählt, bei dem eine Frühlingsgöttin durch den Wald tanzt und den Frühling zurückbringt. Nach dem Tod seiner Großmutter macht sich Adi auf den Weg, um die silberne Perle zu finden, die diese Göttin zum Erwachen bringen kann. Seine Suche führt ihn durch Wälder und in die Höhlung eines uralten Baumes, wo er schließlich eine mythische Begegnung mit jener Figur hat, die Natur und Erinnerung miteinander verbindet. Der erzählerische Kern bleibt dabei schlicht: Es ist die Geschichte eines Kindes, das versucht, eine Verbindung zu einer verlorenen Person wiederherzustellen.

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Die Menschlichkeit bewahren

Buchtipp: Ha Jin – Nanking Requiem

Ha Jin Nanking Requiem Buchtipp Ullstein Buecherblog BuecherherbstEin lange Zeit kaum bekanntes, wenig beachtetes Kapitel des Zweiten Weltkrieges (genauer gesagt: des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges) ereignete sich fernab der europäischen Aufmerksamkeit und des Nazi-Holocausts: die Massaker von Nanking 1937. Von diesen menschenverachtenden, bestialischen Gräueltaten der japanischen Besatzer an der chinesischen Bevölkerung erzählt Ha Jin in seinem Roman Nanking Requiem. Der chinesisch-amerikanische Autor berichtet schonungslos und schockierend über die Kriegsverbrechen in der chinesischen Hauptstadt, bei denen vermutlich mehr als 200.000 Menschen ermordet und über 20.000 Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden (Conventional War Crimes).

Das Unmögliche tun, das ist die Krönung unseres Daseins.

Ha Jin schildert den müßigen Alltag der flüchtenden Chinesen, der geprägt ist von Angst, Gewalt und Verzicht; und die mutige Geschichte der Amerikanerin Minnie Vautrin, die im amerikanischen College in Nanking eine Sicherheitszone sowie ein gigantisches Flüchtlingslager für Frauen und Kinder aufbaute, um so viele Leben zu retten wie ihr es möglich war. Dieser Antikriegsroman ist ein eindringlicher Aufruf, auch in dunkelsten Zeiten die Menschlichkeit zu bewahren.

Info

Ha Jin – Nanking Requiem

Ullstein Buchverlage, 2014, übersetzt von Susanne Hornfeck, 352 Seiten, ISBN-13 9783548611914

Außergewöhnliche Lyrik

Leipziger Buchmesse 2018 – Tag 3

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Nikolaidis

Andrej Nikolaidis

Das wirklich Schöne an der Leipziger Buchmesse ist, dass man immer wieder auch unbekanntere Autoren erlebt und ihre Bücher kennenlernt. Am Stand der taz gastierte heute Andrej Nikolaidis – auf dem Balkan ist der Bosnier einer der bekanntesten und angesagtesten Schriftsteller, bei uns weitestgehend unbekannt. Der Verlag Voland & Quist publizierte kürzlich sein neuestes Buch Der ungarische Satz. Ein beeindruckendes Werk, denn die immerhin 128 Seiten bestehen aus nur einem einzigen Satz.

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Navid Kermani

Navid Kermani stellt sein Buch „Entlang den Gräben“ vor.

In Deutschland wahrlich kein Unbekannter ist Navid Kermani. Der mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Autor reiste kürzlich Entlang den Gräben, vom Osten Deutschlands, wo er bei einer AfD-Veranstaltung zu Gast war, bis hin zum Orient. Imponiert habe ihm dabei insbesondere der Besuch im Konzentrationslager Auschwitz: „Als Deutscher – egal, ob man braune, blonde oder grüne Haare hat – bekommt man sofort den Button ‚Deutsch‘ auf die Brust. Das macht etwas mit einem, wenn man an einem Ort wie Auschwitz ist“, erzählte Kermani.

Leipziger Buchmesse lbm18 pdlbm18 Buecherherbst Buecherblog Gomringer Hofmann

Nora Gomringer (r.) und Katja Hofmann bei ND.

Ein wahres Politikum rangt sich derzeit um den Namen Gomringer. Gestern berichtete ich bereits von der völlig verfehlten Polemik Denis Schecks, der die Studenten, die das Gedicht Eugen Gomringers Avenidas aufgrund von ihnen erkanntem Sexismus von der Wand der Hochschule entfernt wissen wollten, als „Kultur-Taliban“ bezeichnete. Weiterlesen