Der Versuch einer Rezension, Gedankenfetzen … wenn Worte fehlen

Inhalt:
„Sturmhöhe“ erzählt die leidenschaftliche und zerstörerische Beziehung von Heathcliff und Cathrine vor dem Hintergrund starrer gesellschaftlicher Normen und Klassenunterschiede. Der Roman schildert wie Liebe, Hass und Rachsucht untrennbar miteinander verwoben sind und sowohl die Charaktere als auch ihr Umfeld über Generationen prägen.
Einordnung:
„Sturmhöhe“ lässt sich als klassischer viktorianischer Roman einordnen, der Elemente der Romantik wie intensive Gefühle, Naturmetaphern und Leidenschaft mit realistischen Gesellschaftsbeobachtungen verbindet. Gleichzeitig überschreitet er die Konventionen seiner Zeit durch die Darstellung von extremen Emotionen, moralischer Ambivalenz und toxischen Beziehungen, weshalb er auch als früher psychologischer Roman gilt, der menschliche Leidenschaften in ihrer rohen, ungeschönten Form zeigt.

Meine Leseeindrücke:
Ich konnte das Buch immer nur Abschnittsweise mit längeren Pausen lesen, da ich nicht wusste wo und wie ich meine Gedanken zügeln sollte, worauf ich meinen Focus richten sollte:
- auf die Entwicklung der Charaktere, ihre Handlungen und Entscheidungen im historischen Kontext?

- Auf die Frage:
- Ist es Liebe? Besessenheit ? oder wie soll ich die Beziehung zwischen zwischen Catherine und Heathcliff nennen?

- sind beide toxisch füreinander ? oder sind sie füreinander geschaffen ? und die Gesellschaft/ die Zeit in der sie lebten wandelt es in eine toxische, unlebbare Beziehung? Ihre extreme emotionale Abhängigkeit, ihre Selbstzerstörung als Ausdruck von Intensität und gegenseitiger Liebe, Catherine Anpassung an die gesellschaftlichen Normen die zwangsweise alles andere nach sich zieht?

- ständig Figuren, die gegen ihr eigenes inneres Wesen handeln, Entscheidungen die gleizeitig freiwillig und unausweichlich erscheinen, die Charaktere mit „Schuld“ behaftet und meine Fragen … Wie hätte ich gehandelt ? Welche Möglichkeiten hätte es gegeben ? Wie und inwieweit ist es auf die heutige Zeit übertragbar? Was kann ich daraus mitnehmen?

- Meinen Focus richten auf?
- die vielen dichten tiefsinnigen und vielschichtigen Sätze/ Zitate die mich berühren, bevor ich sie verstehe ? Die mich dann zum Nachdenken bringen – was bedeuten sie für mich, was will der Autor damit sagen? Wie wirkten sie zur damaligen Zeit? Und heute?

- oder doch eher auf die Frage inwieweit ich als Leser der Erzählerin Nelly Dean (Haushälterin) glauben kann, wie zuverlässig ist sie als Erzählerin, welche Motive hat sie …? Wie subjektiv und moralisch gefärbt erzählt sie?

- die Frage: Wieviel oder wie wenig verstehe ich, wenn ich die Sprache, der Symbolik und ihre Deutung zur damaligen Zeit nicht verstehe … Die Landschaft, die Beschreibungen der Natur, der Elemente – ein Spiegel der erzählten Geschichte, der inneren Zerrissenheit, Wildheit der Charaktere …
Und so musste ich das Buch immer wieder beiseitelegen, die Geschichte sacken und wirken lassen … bis ich weiterlesen konnte.

Fazit:
„Sturmhöhe“ ist für mich keine Liebesgeschichte und keine Anti-Liebesgeschichte – sondern ein Roman über eine Verbindung, die zu absolut ist, um in der damaligen ? vielleicht auch heutigen? Welt zu bestehen. Einer Sprache die wirkt, bevor sie eindeutig verstanden wird.
Eine Geschichte die Gefühle nicht erklärt, sondern roh stehen lässt, Bilder nutzt, die mehrdeutig bleiben und Extreme nicht auflöst.
