
Am 12. Januar jährte sich ihr Todestag zum 50. Mal.
Aus diesem Grund steht die Challenge #ReadChristie2026 von AgathaChristie.com und dem Atlantik Verlag unter dem Motto:
„Biggest, Best, Beloved“ – A year of celebration
Das Motto im Januar
„Best Opening“ – Der beste Einstieg
Was macht für dich einen großartigen Einstieg aus?
Ein großartiger Einstieg fesselt mich, zieht mich ins die Geschichte meist noch bevor ich es merke.
So z.B. durch:
- Spannung von der ersten Zeile:
– Ein Rätsel, ein Konflikt oder ein Geheimnis, das neugierig macht.
– Beispiel bei Agatha Christie: Ein scheinbar harmloser Satz kann bereits die ganze Handlung einleiten.
Starker Charakter:
– Schon auf den ersten Seiten spürt man, wer die Geschichte trägt.
– Ein Protagonist, dessen Gedanken oder Verhalten Fragen aufwerfen.- Atmosphäre & Ton:
– Ort, Zeit, Stimmung – alles, was den Leser sofort „eintauchen“ lässt.
– Ob düster, geheimnisvoll oder humorvoll: Die Welt muss fühlbar sein. - Unmittelbare Neugier:
– Ein kleiner, aber cleverer Hinweis auf kommende Ereignisse.
– Ein perfekter Einstieg hinterlässt Fragen: „Was wird als Nächstes passieren?“
Und nun ein für mich „perfekter Einstieg“ bei Agatha Christie:
„Du siehst doch ein das sie sterben muss“ … die Worte wehten hinaus in die stille Nacht schienen einen Moment in der Luft zu verharren und dann in der Dunkelheit hinunter zum Toten Meer weiterzuziehen…“
aus „Der Tod wartet“ / „Rendezvous mit einer Leiche“ von Agatha Christie
für mich eine perfekte Eröffnung.
Bereits mit dem ersten Satz wurde ich gefesselt, begann ich gedanklich die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Handlungsverläufe durchzuspielen.
Meine Meinung zum Buch:
Der erste Teil des Romans ist eher wie ein psychologischer Thriller aufgebaut. Die Familie Boynton wird aus der Sicht von Sarah King und Dr. Gerard, die das Verhalten der Familie diskutieren, vorgestellt und das ein oder andere Zusammentreffen Sarah Kings mit der Familie werden geschildert. Später trifft man sich in Petra wieder und kurz darauf wird Mrs. Boynton tot aufgefunden. Poirot tritt in diesem Teil nur ganz nebenbei in Erscheinung.
Im zweiten Teil wird Poirot von einem Freund dazu aufgefordert den Tod von Mrs. Boyton zu untersuchen und herauszufinden ob und wenn ja wer sie getötet hat. Ob es Poirot in gewohnter Weise durch Befragung der Anwesenden und Deduktion den Täter zu entlarven?
Mir hat diese Geschichte wieder ausgesprochen gut gefallen.
Spannend und interessant zu verfolgen wie perfide und allumfassend die Mutter es schaffte ihre Kinder“ (23 und älter) in vollkommener Abhängigkeit und vollkommen abgeschottet von der Welt zu halten. Und wie schwer bzw wie unmöglich es ist aus diesem „Gefängnis“ auszubrechen, es zu hinterfragen. Gleichzeitig wurde mir bewusst, das auch wir meist in „unserer Weltanschauung, unserem Weltbild“ gefangen sind und wir uns selten die Mühe machen das von „oben gesagte“ zu hinterfragen oder uns ein eigenes Bild zu machen und über den Tellerrand hinauszuschauen. Auch ist uns als Aussenstehenden nicht bewusst welche enorme kraft kostet das eigene Weltbild, die eigene Lebenswirklichkeit zu hinterfragen. Die Schwierigkeiten und Mechanismen wurden meiner Meinung nach hier sehr vielschichtig und tief herausgearbeitet.
So empfand ich viele Charaktere als vielschichtig und voller Tiefe. Ihre Handlungsweisen und Gedanken wurden von unterschiedlichen Seiten betrachtet und auch sie selbst entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter.
Den ein oder anderen psychologischen Ansatz, Begründung auf der höhe seiner Zeit, aber mittlerweile doch, zumindest soweit ich das als Laie beurteilen kann überholt. Auch die Einstellung zu sowie der Umgang mit den Jordaniern waren für mich immer wieder befremdlich und nach heutiger Sicht rassistisch – entsprachen aber dem damaligen Weltbild.
Insgesamt lag der Focus für mich hier auf der psychologischen Spannung und den familiären Abhängigkeiten der Figuren mit vielschichtigen Charakteren während die Detektivarbeit leicht in den Hintergrund tritt.
Original: Appointment with Death 1938
Genre: Detektivroman Whodunit
Reihe 19. Fall für Hercule Poirot / 23. Titel ihrer Kriminalromane
Schauplatz: Petra in Jordanien
