Béla Rothenbühler | POLYPHON PERVERS

CH 2024 | 212 Seiten | 22 Euro
OT: »Polifon Pervers«
Aus dem Luzerndeutschen von Uwe Dethier
Voland & Quist Verlag
ISBN: 978-3-86391-446-2

Man könnte easy sagen, das sei alles die Sabin gewesen.

(Seite 7)

Bunt und wild geht es zu in der Schweizer Kulturbranche, zumindest wenn man den Sätzen im neuen Roman von Béla Rothenbühler folgt. Der nämlich ermöglicht einen – hoffentlich überspitzten – Blick hinter die Kulissen staatlicher Kulturförderung der alpinen Eidgenossenschaft.

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David Szalay | WAS NICHT GESAGT WERDEN KANN

UK 2025 | 384 Seiten | 25 Euro
OT: »Flesh«
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
Claassen Verlag
ISBN: 978-3-546-10150-9

Er ist fünfzehn, als er mit seiner Mutter in eine neue Stadt zieht und auf eine neue Schule geht.

(Seite 5)

Ein Literaturpreis, den ich seit vielen Jahren verfolge, und deren Siegertitel oft große Erzählkunst versprechen, ist der Booker Prize, der seit 1969 jeden Herbst in London vergeben wird. Dieses Jahr entschied sich die Jury für den Roman WAS NICHT GESAGT WERDEN KANN des Schriftstellers David Szalay. Der Name war mir bis dahin nicht bekannt, der Klappentext des Buches klang ganz interessant, also her damit…

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John Irving | KÖNIGIN ESTHER

USA 2025 | 560 Seiten | 32 Euro
OT: »Queen Esther«
Aus dem amerikanischen Englisch von Peter Torberg und Eva Regul
Diogenes Verlag
ISBN: 978-3-257-07367-6

1629 kam in Plymouth, Massachusetts, ein gewisser Josiah Winslow zur Welt.

(Seite 13)

Bei der Vorstellung von SCHATTENNUMMER, dem neuen Roman von Altmeister Thomas Pynchon, hatte ich ja angeteasert, dass es in diesem Jahr noch eine ähnlich überraschende Veröffentlichung geben wird. Nun steht diese Überraschung mit KÖNIGIN ESTHER in den Buchhandlungen des Landes zum Verkauf. Wer hätte gedacht, dass es nach dem Tausendseiter DER LETZTE SESSELLIFT tatsächlich einen weiteren Roman von John Irving geben wird? Im stolzen Alter von 83 Jahren und nach nur zwei Jahren Wartezeit…?

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Gustavo Faverón Patriau | UNTEN LEBEN

PE 2019 | 600 Seiten | 34 Euro
OT: »Viver abajo«
Aus dem Spanischen von Manfred Gmeiner
Droschl Verlag
ISBN: 978-3-99059-191-8

Ich habe zu Gus Fowley Kontakt aufgenommen, um sicherzugehen, dass die beiden biografischen Einträge, die einzigen, die ich in dreiundzwanzig Jahren gefunden habe, dieselbe Person betreffen.

(Seite 13)

Die diesjährige Hotlist war mal wieder eine wahre Fundgrube für feinste Veröffentlichungen aus unabhängigen Verlagen. Seit einigen Jahren speise ich meinen winterlichen Leseplan mit Büchern dieser Liste, so auch diesmal. Auf der Frankfurter Buchmesse schon schlich ich mehrfach um den Stand des Droschl-Verlages herum, denn dort stand in voller Pracht – perfekt beleuchtet und wie mit der Aura einer Heiligen Schrift – der Roman UNTEN LEBEN des Peruaners Gustavo Feverón Patriau in der Auslage. Mir war schnell klar: Diesen Schinken muss ich kosten!

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Lee Yuri | BROCCOLI PUNCH

L 2021 | 212 Seiten | 23 Euro
OT: »브로콜리_펀치_«
Aus dem Koreanischen von Tamina Hauser
Kanon Verlag
ISBN: 978-3-98568-181-5

Mein Vater hatte mich einst gebeten, seine Asche in einen Blumentopf zu pflanzen.

(Seite 9)

Herbstzeit ist Kurzgeschichtenzeit. Ich lese ja öfter mal ein paar Storys zwischendurch, manche sind gut, viele schnell vergessen, der Band BROCCOLI PUNCH der Südkoreanerin Lee Yuri aber hat es mir ordentlich angetan.

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Katerina Poladjan | GOLDSTRAND

D 2025 | 160 Seiten | 22 Euro
S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-397176-7

Also.

(Seite 7)

Lebensgeschichten, die von der Couch einer Praxis für Psychotherapie aus erzählt werden, sind sicher oft interessant, vor allem aber eines: unzuverlässig. Eli, alternder Filmregissur in Rom und Hauptfigur in Katerina Poldjans neuem Roman GOLDSTRAND, erzählt seiner Therapeutin die aufregende Geschichte seiner Familie und verfranst sich zunehmend in Fantasien und Wunschvorstellungen – ein Text, der tiefer gräbt als es den Anschein hat…

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Kaleb Erdmann | DIE AUSWEICHSCHULE

D 2025 | 304 Seiten | 22 Euro
Park x Ullstein Verlag
ISBN: 978-3-98816-022-5

Ich hab mir überlegt.

(Seite 7)

Ich kann mich noch gut an die Nachrichten vom Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Frühjahr 2002 erinnern. Der Schock war groß und einer meiner ersten Gedanken war: »Erfurt? Sowas passiert doch nur in den Staaten…« Tatsächlich war ein school shooting wie dieses in Deutschland bis dato quasi unvorstellbar – eine neue Form der Gewalt war entstanden. Der Autor Kaleb Erdmann war damals elf Jahre alt, einer der Schüler dieses Gymnasiums und hat nun ein äußerst eindringliches Buch über seine persönliche Aufarbeitung dieses Schreckens geschrieben.

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Thomas Pynchon | SCHATTENNUMMER

USA 2025 | 400 Seiten | 26 Euro
OT: »Shadow Ticket«
Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren
Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3-498-00822-2

Wenn Ärger in die Stadt kommt, nimmt er meist die North-Shaw-Linie.

(Seite 7)

Als ich vor ein paar Monaten erfuhr, dass Thomas Pynchon einen neuen Roman geschrieben hat, dachte ich zunächst, ich hätte mich verlesen. Die Veröffentlichung von BLEEDING EDGE liegt nun schon zwölf Jahre zurück, da war Pynchon schon Mitte siebzig. Jetzt geht der Mann stramm auf die neunzig zu und tatsächlich: SCHATTENNUMMER steht in den Regalen und ich – als langjähriger Pynchonian – springe vor Freude im Dreieck. (Eine ähnlich überraschende Veröffentlichung steht übrigens im November an, aber dazu mehr in ein paar Wochen.)

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Jehona Kicaj | Ë

D 2025 | 176 Seiten | 22 Euro
Wallstein Verlag
ISBN: 978-3-8353-5949-9

Nach dem Aufwachen habe ich einen Splitter im Mund.

(Seite 7)

Der Splitter aus dem ersten Satz von Jehona Kicajs Debütroman Ë ist ein Stück Zahn ihrer Hauptfigur. Diese leidet unter Bruxismus, krankhaftem Zähnknirschen, in ihrem Fall ausgelöst durch Stress und unverarbeiteten Traumata. Im Kopf der nach außen hin eher ruhigen Frau scheinen horrende Kräfte aufeinanderzuwirken, das auf Dauer schädigende Knirschen ist psychosomatischer Ausdruck ihrer inneren Kämpfe.

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