Bei Passion-of-Arts wird es heute gruselig, denn nun haben unsere liebsten Horrorcharaktere ihren großen Auftritt – für mich gar nicht so leicht, trotz gegenteiliger Aussage. Zitat:
„Im Prinzip ist es easy, denn hier müsst ihr einfach nur eure liebsten Charaktere nennen und dazu erklären, warum es genau diese sind und was die Charaktere für euch so besonders macht, dass sie den Status des liebsten Horrorcharakters verdient haben.“
Frei nach Radio Eriwan (Im Prinzip ja, aber…) schwirrte mir bei dieser Aufgabe der Kopf. Aber so richtig. Und so ist es kein Wunder, dass sich der wahre Horror hier vorwiegend in der Psyche abspielt.
Kopfkino an – nicht alle davon sind Gestalten aus Horrorfilmen. Doch ist nicht gerade die Tatsache, dass sich so manches dicht entlang der Realität bewegt, nicht schon Horror genug? Wenn sich dann noch das Übernatürliche einschleicht, dann ist dem Grauen Tür und Tor geöffnet.
*1* Signalfarbe Rot
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973): Man sieht sie nur kurz – eine kleinwüchsige Gestalt in rotem Kapuzenmantel, wie sie durch das Labyrinth der Gassen Venedigs läuft, und doch ist das, was auf ihren Verfolger – den vom Unfalltod seiner kleinen Tochter traumatisierten Restaurator John Baxter – wartet, einer der Momente, in dem sich in mir alles zusammenzieht. In dem Wahn, er hätte das geliebte Kind endlich wiedergefunden, holt er das Wesen ein und muss dafür schrecklich büßen. Denn es ist nicht die kleine Christine, die beim Spielen in einem Teich ertrank, sondern eine alte Frau mit einem Messer. „Nichts ist, was es scheint“, so heißt es zu Beginn des Films, eine Botschaft, die sich am Ende bewahrheiten soll. Dass man von der zwergenhaften Gestalt immer nur Momente sieht, macht sie umso rätselhafter und geheimnisvoller.
Alles beginnt und endet im Rot *** https://youtu.be/6C-Y3oX5PyQ
*2* Schön und schrecklich zugleich
Nicht blinzeln (2007): Zum ersten Mal in Erscheinung traten die Weinenden Engel (Weeping Angels) in der Doctor-Who-Folge „Blink“, und seitdem zählt diese eine Folge der Science-Fiction-Serie zu meinen Lieblingsfolgen, sondern diese besondere Spezies Außerirdischer zu meinen Lieblings-„Bösewichten“ bzw. „Horrorgestalten“. Auch wenn Doctor Who keine Horror- oder Fantasy-Serie ist, hätte diese eine Folge einen 1-A-Horrorfilm abgegeben, denn was auf den ersten Blick so harmlos und überirdisch schön aussieht, offenbart schon bald seine wahre, grauenerregende Gestalt. Denn die Weinenden Engel sind Lebewesen in Gestalt von Engeln, die ihre Opfer durch bloßes Berühren in die Vergangenheit schicken, um aus der Spanne zwischen dem Zeitpunkt der Berührung und dem Zeitpunkt des Ankommens in der Vergangenheit die für sie lebenswichtige Energie zu gewinnen. Sobald man sie anschaut, sind sie scheinbar bloß Statuen – doch wehe, man sieht einmal nicht hin oder blinzelt gar, dann können sie sich bewegen. Und das sehr schnell. Furchtbar schnell. Und noch übler wird’s, wenn das Abbild eines Engels selbst zu einem Engel wird („The image of an angel becomes itself an angel“). So mancher, der diese Folge sah, soll dadurch eine Phobie gegen Statuen entwickelt haben.
Rette sich, wer kann *** https://youtu.be/ByPrDPbdRhc?t=98
*3* Alles nur in ihrem Kopf?
Wahnsinnig verliebt (2002): Strenggenommen ist auch das kein Horrorfilm, sondern ein Psychothriller, doch wenn man sich vor Augen hält, was es mit einem macht, wenn man im wahren Leben von einem Stalker oder einer Stalkerin verfolgt wird, wird der Alltag zum puren Horror. Dem Kardiologen Loïc widerfährt aber genau dieses, als er der Kunststudentin Angélique (Audrey Tautou) begegnet. 38 Minuten lang leidet man mit der Protagonistin, die sich unsterblich in Loïc verliebt und sich aus verschmähter Liebe schließlich das Leben nehmen will – bis der Film plötzlich wieder an den Anfang zurückspult und nun Loïcs Sicht auf das Geschehen zeigt. Und plötzlich wird die Wahrheit mit jeder Sekunde erschreckender: Die an Erotomanie leidende Angélique bildet sich nach einem flüchtigen Über-den-Weg-Laufen vor dem Haus ein, ihr Nachbar wäre genauso unsterblich in sie verliebt wie sie in ihn. Ein Hirngespinst, das in immer stärkere Besessenheit mündet, und irgendwann schreckt die junge Frau selbst vor körperlichen Angriffen auf alle, die sich ihrem scheinbaren Glück in den Weg stellen, nicht mehr zurück. Ein Weg der Zerstörung, der sie in geradewegs in die Psychiatrie führt, aus der sie Jahre später als geheilt entlassen wird. Ein fataler Irrtum, dank brilliater Manipulationskünste Amélies – denn was niemand weiß: Hinter dem Schrank hat sie aus den Pillen, die sie eigentlich hätte nehmen müssen, ein Bild von Loïc an die Wand geklebt…
Von wegen süß und liebreizend – die böse Seite der „Amélie“ *** https://youtu.be/F51a43nUBbA
*4* Nicht mehr bloß in ihren Köpfen
Ring (2002) bzw. Ring – Das Original (1998): Egal ob das japanische Original oder das amerikanische Remake, in beiden ist es die todbringende Gestalt, die auf einem Videoband zu sehen ist, wie sie aus einem Brunnen steigt. Spielt man das Band ab, folgt ein Anruf mit der Ansage, man hätte nur noch eine Woche zu leben. Der angekündigte Tod ereilt einen dann tatsächlich zum besagten Zeitpunkt, indem die aus dem Brunnen steigende Sadako bzw. Samara von der Mattscheibe des Fernsehers nicht aufgehalten wird und sich auf den völlig verstörten Zuschauer stürzt. Schon allein beim Klingeln des Telefons stellen sich mir alle Härchen auf und Gänsehaut breitet sich aus. Bis heute sind es nicht die wildesten Jumpscares in Horrorfilmen, die mich so richtig in Angst und Schrecken versetzen, sondern groteske, extrem langsame Bewegungen.
Vermutlich kann sie noch nicht einmal was dafür *** https://youtu.be/hpb2-ZOzc_o
*5* der Psycho unter den Serienmördern
Psycho (1960): Man sieht ihm das Böse nicht an. Auf den ersten Blick wirkt Norman Bates wie ein etwas schüchterner, unbeholfener junger Mann. Doch die unscheinbare Fassade täuscht, denn der Geschäftsführer des Motels, in dem Marion Crane Unterschlupf sucht, hat eine Leiche im Keller, und zwar wortwörtlich. Nicht nur, als es ans Verhör geht, zeigt er sein wahres Gesicht, wie gestört er ist, offenbart schon die Szene, als man ihn verhaftet – aber mit der Stimme seiner toten Mutter im Kopf alleingelassen und in eine Decke gehüllt – bei dieser Mimik läuft es mir noch einmal so richtig kalt den Rücken hinunter. Vertraue nicht jedem Fremden, und wirke er noch so harmlos – diese Lehre habe ich aus dem schwarzweißen Psychothriller gezogen.
Er kann nicht mal einer Fliege was zuleide tun. Wirklich? *** https://youtu.be/dYDxxHrlmUg
Weitere Horrorgestalten, die ich gerne in den Top Five gehabt hätte: Carrie White („Carrie – des Satans jüngste Tochter“ von 1976) und Sue Ann Ellington („Ma“ von 2019).










