Kind, du musst nicht noch den Kakao trinken, durch den du gezogen wirst!
Ominkel spruch wundervolle Wahrheiten gelassen aus. Als Kind bewunderte ich ihre würdevollen Frechheiten und vor allem die gradlinige Haltung, mit der sie diesen Worten entsprach. So pflegte sie sich elegant auf den unteren Teil ihres krumm gearbeiteten Rückens zu klopfen, während sie weise lächelnd verkündete, daß der eigenen Arsch einem doch wohl am nähesten sei. Wenn mir voller Angst vor einer scheinbar unmöglich lösbaren Aufgabe die Schnatter ging, stellte sie einen frisch gekochten noch dampfenden Grießbrei oder Milchreis auf den Tisch und meinte: Pusten nicht vergessen, denn nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Ich denke in letzter Zeit viel an Ominkel, diese schlichte bauernschlaue Herzensfrau und so starke Kämpferin. Im letzten größenwahnsinnigen Krieg zogen Mann und ältester Sohn los und verblieben ungewisse Zeit in der Ferne. Sie allein brachte zwei Mädchen und den kleinen Bauernhof durch. Einmal Flucht und zurück, dann der Zwang in die Kollektivierung mit der kleinen Hoffnung auf ein besseres Leben. Mann und Sohn kamen zwar vorher zurück, aber beide gebrochen und nicht nur des Krieges müde, sondern auch des Lebens.
Was würde sie jetzt tun, meine Ominkel? Ich kann mein Spiegelbild befragen, denn je älter ich werde, umso mehr gleiche ich ihr. Hoffentlich nicht nur äußerlich. Und während sie mir seitenverkehrt zurückzwinkert, begreife ich: Haste was, kannste was; aber tuste was, biste was!
Zeitchen später entdecke ich ein Lied:
Und folge dankbar dem Aufruf zur digitalen Unabhängigkeit.
Manche Argumente vertrete ich sofort, andere bleiben schon begrifflich unverständlich. Ich will sie hier nicht benennen, sondern einfach weiter geben. Ominkel zwinkert mir wissend zu und wispert: Kind, du kannst nicht alles wissen, aber versuche möglichst viel zu verstehen.


