Ein Morgen im August

Sämtliche Morgenrituale liefen ohne Probleme ineinander. Die leichten, lieben ohnehin, ebenso aber die schweren, grau umwölkten. Eine halbe Stunde Freiheit hat mir das verschafft, so rar in den letzten Monaten. Schnell aufs Rad, eine Morgenrunde durch den Ort bis zum Friedhof hin. Da dann der erste Tagwerktermin.

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Sommerwind kost meine nackten Beine, augustenes Hochgefühl. Leicht fährt das Velo, ich biege ein in die Gängelchen. Ducke mich unter Zweigen durch, streichle Lindenkugelsamen und begrüße Hopfenblüten. Leider haben Gemeindearbeiter das fließend gelegte Pflaster fest gemacht. Mir fehlt das Klappern der Steine unter den Pneus. Mir fällt ein anderer Weg ein, wo noch geklappert werden kann, das wird mein Rückweg sein. Nochmal gestohlenes Fünfminutenglück.

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Weiter auf den Straßen, ein Eckhausfenster im zweiten Stock. Wie so oft lehnt ein grauer Greisinnenkopf am Rahmen, meist schlafend, heute wachen Auges. Ich rufe einen Gruß und winke hinauf. Ein überraschtes Juchzen und Lachen fällt als Antwort auf mich hinab. Mein Denken gilt den Pflegenden dieser Frau, ein bittersüßer Gruß der unfreiwilligen Verbundenheit. Wir auch, wir auch ~~~ weht es mir nach. Unter jedem Dach wohnt ein Ach.

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In den dauertrüben Eiben des Friedhofs tanzt ein bunter Flecken. Näher kommend erkenne ich einen dieser scheußlichen Riesenballons, quietschbunt mit Glitzer und bunten Gebammel. Industriefreude, Konsumkwatsch, unflätiger Müll. Und doch rührt er mich an diesem unpassenden Orte. Happy Birthday schwebt nahe der Aussegnungshalle. Vielleicht kann er die heutigen Trauermenschen ein wenig lächeln machen. Bei mir Plastikverächterin hat er es immerhin geschafft.

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Das Tagwerk geht mir leicht von der Hand. Meisterroutine, tausendfach mit den Händen vollbracht. Auch das ist ein fließendes Glück, welches meine Tage umgibt. Selbst an Eibenorten. Zurück ins Ort, flugs noch im kleinen Markt eingekauft. Grüne Bohnen leuchteten gartenwärts im Siebenuhrlicht, dazu besorge ich feines Lamm. Pflastergeklapper, dann mit Schwung das Hoftor aufgemacht. Mit nur fünf Minuten Verspätung. Das sommerstille Städtchen sieht es mir nach.

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