Julisonnenlichtnotat

Der lichte Morgen versprach sich nicht, er war ein Ahnen und Wissen zugleich. Alltägliche Handhabungen und Gewerk schienen wie immer zu sein und doch von diesem Leuchten durchstrahlt. Ich wusste nicht, dass Du heute kommen würdest und doch erwartete ich Dich jeden Moment. Der freundliche Wortwechsel mit der Nachbarin ist mir noch immer präsent; danach nur noch ein Wir.

Wie wir uns zum ersten Mal begegneten, zwei Augenlichte ineinander flossen und Hände sich stetig suchten. Wie wir lachten, uns selbstverständlich waren. Gingen aneinander eng vorbei, so dass wir uns spüren konnten. Ich, die stets auf ihren eigenen Tanzkreis achtete und Du, ein Weltenwanderer. Wir schienen plötzlich eins zu sein. Konnten es aber eigentlich nicht. Ich war gebunden, Du wolltest gerade erst frei sein.

Gekannt haben wir uns schon länger. Schreibend herzwärts und mit Verstand. Ein paar Telefonate, einige Briefe und kleine Seeligkeiten schön schicklich verpackt. Ich wußte, wir würden uns mögen, aber diese flutenden Gefühle, auf die waren wir beide nicht gefasst. Ich hatte Dir einen Film geschickt, ein Filmchen eher, eine Spielerei. Mit Blümchen und Schmetterlingen schön fremdgesehen von mir unvertrauten Augen. Die neuen Medien haben es sehr schnell gefressen und verschlungen. Aber Du hast mich gesehen.

Es ist Abend geworden über das Denken und Erinnern und Schreiben. Komm, sage ich, wir sehen uns den Gewitterhimmel an. Es grollt und dröhnt, ein Wind kommt auf. Mit zerzausten Haaren stehen wir auf dem Dachbalkon, lachen gegen alle dunklen Wolken an und dann hebt der Wind mein Kleidchen etwas unschicklich an. Deine warmen Hände umfassen mich und ich weiß: Ich bin die Deine.

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