Von der Pause des Sonnenschirmes
Nicht unbedingt gemütlich, eher lässig entspannt lehnt unser Sonnenschirm im Flur. Im wahrsten Sinne des Wortes entspannt, denn wie seine sonnigen Kollegen außerhäusig hat er mal Pause. Egal ob riesiger Gastronomie-Baldachin oder papierner Eisdekorateur; alle dürfen sich kurz ausruhen. Es regnet. Dafür dürfen ihre wasserabweisenden Kollegen im Schichtbetrieb schuften. Und ernten statt Dank für ihre schützende Treue zudem noch grobes Getue.
Werden schimpfend in den nassen Wind gehalten, unwirsch geschüttelt und sogleich in Ecken geworfen. In Zügen vergessen und beim Ausstieg verfluchend gemisst. Manche werden sogar in Halterungen gezwängt, in denen sich bereits etliche nasse Tropfe stapeln. Ein trauriger Anblick, schlimmer sind nur die Gleichnisse in öffentlichen Mülleimern: Eine Rippe geknickt, vielleicht ein Riss in der dünnen Schutzhaut und schon hat man ausgedient.
Unser Sonnenschirmchen scheint seinen Platz zu genießen: die frisch geschnittenen noch tropfenden Gartenblumen, die nur kurz pausierenden Stiefelchen, vielleicht sogar seine eigene Entspannung im Spiegelbild. Und während er sich so beschauen läßt, adelt plötzlich die Sonne das Treppenhaus mit ihrem belebenden Lächeln.
Ein wahrlich friedvoller Moment:

