Greeley: Colorado State College of Education

Greeley: Colorado State College of Education, Library
Ort: Greeley, Colorado
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Beaux-Arts-Architektur (?)
Architekt: Robert S. Roeschlaub
Fertiggestellt/Eröffnet: 1907
Person: James A. Michener
Verlag: Sanborn Souvenir / C. & Ko.
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Die heutige University of Northern Colorado wurde 1889 als Colorado State Normal School gegründet. Auf einer leichten Anhöhe südlich von Greeley, die als Rattlesnakle Hill oder Cactus Hill bezeichnet wurde, entstanden die ersten Gebäude des Campus im klassizistischen und neogotischen Stil. 1907 wurde die Bibliothek fertiggestellt. Der Architekt des klassizistischen Gebäudes war laut SAH Archipedia Robert S. Roeschlaub (1843-1923), der aus München stammte und Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie in die USA ausgewandert war. 1911 änderte das College seinen Namen in Colorado State Teachers College; im selben Jahr wurde vor dem Bibliotheksgebäude der reflecting pool angelegt, in dem sich die Fassade spiegelte und der von den älteren Studenten zum Untertauchen der Erstsemestler genutzt wurde.

In den 1930 Jahren wurde die Bibliothek zu klein für die wachsende Hochschule. Da ein Neubau jedoch zu teuer gewesen wäre, wurde das bestehende Gebäude im Stil des Art deco umgebaut und erweitert, wobei Kuppel und reflecting pool weichen mussten (Architekt Frederick W. Ireland, Jr). Die 1944 in Carter Hall umbenannte Bibliothek diente diesem Zweck bis zum Jahr 1971, seitdem beherbergt sie Büros. Die Bibliothek erhielt 1972 einen Neubau, benannt nach dem Schriftsteller James A. Michener, der von 1936-1940 als Dozent am Colorado State College of Education (Name der Einrichtung seit 1935) tätig gewesen war. Während seiner Zeit in Greeley reiste Michener mit seiner Frau ausgiebig durch Colorado, Nebraska, Wyoming, Texas und Mexico, eine Erfahrung, die sich u. a. in seinem bekannten Roman Centennial (Colorado Saga) niederschlug.

James A. Michener über Bibliotheken: „A library is a temporary resting place where the great ideas of the world are kept in order.

Link: SAH Archipedia – University of Northern Colorado

Badminton House

Badminton House: Library
Ort: Badminton, Gloucestershire
Art: Adelsbibliothek
Architekt: Jeffry Wyatville
Fertiggestellt/Eröffnet: 1811
Verlag: R. Wilkinson & Co., Trowbridge
Datierung (Karte): um 1905

Badminton House in Gloucestershire, der Familiensitz der Dukes of Beaufort, stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Architekten William Kent im Palladianischen Stil erweitert. In den Jahren 1809 bis 1813 wurden einige der Innenräume durch den Architekten und Gartengestalter Jeffry Wyatt (1766-1840) umgestaltet. Wyatt, der seinen Namen 1824 in Wyatville änderte, ist vor allem für seine Arbeiten an Chatsworth House und Windsor Castle bekannt. In Badminton House schuf er aus dem Raum, der ursprünglich die Bibliothek beherbergt hatte, den Great Drawing Room und verlegte die Bibliothek an ihren heutigen Ort im Südostflügel. 1984 erfolgte eine Erneuerung des Raums durch die Innenarchitekten Tom Parr and Vivien Greenoch von der Firma Colefax and Fowler. Heute befinden sich in der Bibliothek auch die beiden Ansichten von Badminton House, die der italienische Vedutenmaler Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, während seines Aufenthalts in England für seinen Förderer, den 4. Duke of Beaufort, malte.

Nach Badminton ist das beliebte Rückschlagspiel Badminton benannt, wenn auch nicht belegt zu sein scheint, aus welchem Grunde. Das Spiel ist vermutlich anfang des 19. Jahrhunderts in Britisch-Indien entstanden, hieß zuerst Poona und wurde seit ca. 1860 Badminton genannt. Einer schönen Geschichte nach soll es an einem regnerischen Wintertag des Jahres 1863 von den Kindern (oder den Freunden?) des 8. Dukes erfunden worden sein, die es in der Great Hall spielten. Die Maße eines Badmintonfelds (13,40 m x 6,10 m) entsprechen denn auch genau denen der Great Hall von Badminton House. Charles Somerset, der 8. Duke of Beaufort (1824-1899) war es auch, der die Buchreihe Badminton Library of Sports and Pastimes herausgab, in der u. a. Bücher über die Jagd, das Angeln, Fahrradfahren, Schwimmen, Kricket oder Tennis erschienen – nur keines über Badminton.

Link: The Art of The Room: Badminton House Revisited

Linz: Studienbibliothek

Linz: Studienbibliothek
Ort: Linz
Art: Wissenschaftliche Regionalbibliothek
Baustil: Neue Sachlichkeit
Architekt: Julius Smolik (1879-1948)
Fertiggestellt/Eröffnet: 1934
Verlag: M & S Co.
Signatur: 155
Gelaufen: 1936

Als Gründungsjahr der Bibliothek gilt das Jahr 1774. Im Zuge der Klosteraufhebungen durch Kaiser Josef II. und der Auflösung des Jesuitenordens wurde im ehemaligen Jesuitenkolleg in der Linzer Altstadt eine Akademische Bibliothek eingerichtet, die k.k. Lyzealbibliothek bzw. bibliotheca publica genannt wurde. In den folgenden Jahren wurden die Bestände von weiteren aufgelösten Klöstern eingegliedert. Das Benediktinerstift Kremsmünster wurde 1783 per Hofkanzleidecret dazu verpflichtet, die Trägerschaft der Bibliothek zu übernehmen, die mehrmals den Standort wechselte und unter räumicher Enge litt.

Der Historiker und Weltgeistliche Konrad Schiffmann (1871-1941), 1908 zum Direktor der Bibliothek ernannt, wies immer wieder auf den beklagenswerten Zustand hin und und setzte sich intensiv für den Bau eines eigenen Bibliotheksgebäudes ein. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte die Planungen zunichte, doch „dank seiner steten Bemühungen und seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Bundeskanzler Schober“ (K. Rumpler, Österr. Biogr. Lexikon) konnte er schließlich doch erreichen, dass für die Bibliothek, die 1922 wieder in staatliche Verwaltung übernommen worden war, in den Jahren 1930-32 ein Neubau am Schillerplatz errichtet wurde. Die Eröffnung des einzigen Bibliotheksbaus der Zwischenkriegszeit in Österreich fand am 9. November 1934 statt. Die Pläne für das Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit stammten von den Architekten Julius Smolik und Robert Buchner, es war zu der Zeit das modernste Bibliotheksgebäude Österreichs. Die Ansichtskarte zeigt den Bau kurz nach der Fertigestellung und noch ohne die allegorischen Bronzeliefs „Vier Fakultäten“ von Karl Hauk an der Fassade.

1999 wurde die Bundesstaatliche Studienbibliothek vom Land Oberösterreich übernommen und heißt seitdem Oberösterreichische Landesbibliothek. In den Jahren 2007 bis 2009 wurde sie saniert und um einen Erweiterungsbau ergänzt (bez+kock architekten). Die barocken Bücherschränke aus dem 1773 aufgehobenen Jesuitenkolleg können heute im Erlebnisraum Altes Buch bewundert werden.

Link: Rudolf Lindpointner: Oberösterreichische Landesbibliothek

Uppsala: Universitätsbibliothek

Uppsala: Universitätsbibliothek (Carolina Rediviva)
Ort: Uppsala
Art: Hochschulbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1892
Fotograf: Alfred Dahlgren (1861-1908)
Datierung (Foto): 1897
Datierung (Karte): um 1910

Die im 15. Jahrhundert gegründete Universität Uppsala ist die älteste noch existierende Universität Skandinaviens. Ihre Hauptbibliothek, die sog. Carolina Rediviva, ist die älteste und eine der größten Bibliotheken in Schweden. Seit dem 16. Jahrhundert befand sie sich in einem Kapitelhaus in der Nähe des Doms, das später den Namen Academia Carolina erhielt. 1691 erfolgte der Umzug in eines der Hautgebäude der Universität, das sogenannte Gustavianum am Domplatz. Als im Jahr 1702 ein Feuer fast die gesamte Stadt einschließlich Domkirche, Schloss und einem Großteil der Universitätsgebäude zerstörte, war das Gustavianum eines der wenigen Gebäude, die den Brand überstanden. 1841 bezog die Bibliothek einen geräumigen, repräsentativen Neubau, der in Erinnerung an das erste Bibliotheksgebäude Carolina Rediviva („Wiederauferstandene Carolina”) genannt wurde. Das Gebäude war in den Jahren 1816–1841 nach Plänen des Architekten Carl Fredrik Sundvall (1754-1831) im klassizistischen Stil erbaut worden und diente auch als neues Hauptgebäude der Universität. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es erweitert. Die Ansichtskarte zeigt den 1892 fertiggestellten Lesesaal mit Mitarbeitern und Besuchern. In der Bildmitte sind zu sehen (von links nach rechts): der Literaturhistoriker und Bibliothekar Ernst Meyer (1854-1914), der Romanist und Bibliophile Carl Wahlund (1846-1913), Carl Vilhelm Stjernberg und Bibliothekar Markus Hulth (1865-1928). Daneben beim Betrachten von Büchern der Hauptbibliothekar Claes Annerstedt (1839–1927) und sein Stellvertreter Anders Leonard Bygdén (1844–1929). Dahinter am Bücherregal: der Verleger Robert Almqvist (1857-1938) und der Linguist Erik Lind (1849-1931). Die vier Männer rechts im Bild neben der Säule sind von links nach rechts: der Bibliothekar Eugène Lewenhaupt (1849-1927), der Gutsbesitzer Herman Brulin und der Nordist Aksel Andersson (1851-1923). Davor mit einem Folioband unter dem Arm der Bibliothekar Johan Wilhelm Lundin.

Link: Uppsala Universitet: History oft he Library

Link: ALVIN – Platform for digital collections and digitized cultural heritage: alvin-record:95745

Paris: École supérieure de pharmacie

Paris: École supérieure de pharmacie, Bibliothek
Ort: Paris
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Charles Laisné
Fertiggestellt/Eröffnet: 1882
Verlag: A. Breger frères
Technik: Lichtdruck (Simi-Aquarelle)
Gelaufen: 1905

Die École de pharmacie geht auf den im frühen 17. Jahrhundert von Pariser Apothekern gegründeten Jardin des apothicaires zurück, der sich in der Rue de l’Arbalète im alten Stadtviertel Saint-Médard an der Grenze zum Faubourg Saint-Marcel befand. Von 1777 bis 1796 trug die Einrichtung den Namen Collège de pharmacie, seit der Neuordnung der Apothekerausbildung in Frankreich im Jahr 1803 hieß sie École de pharmacie. Ein neues Gebäude für die Pharmazieschule wurde in den Jahren 1877 bis 1882 an der Avenue de l’Observatoire im 6. Arrondissement errichtet, unweit des Jardin du Luxembourg, an der Stelle, wo sich früher die Baumschule der Kartäuser (Pépinière des Chartreux) befunden hatte. Der Architekt war Charles Laisné (1819-1891), der unter anderem am Bau der Basilika Sacré-Cœur de Montmartre beteiligt gewesen war. Sein schlichter Bau ist im Stil der klassischen französischen Architektur gehalten. Zu der Anlage gehört auch ein Botanischer Garten, der anfangs 8.000 Quadratmeter maß, nach verschiedenen baulichen Erweiterungen der Schule jedoch heute nur noch etwas weniger als die Hälfte umfasst.

Die Anfänge der Bibliothek der Pharmazieschule liegen im 16. Jahrhundert; zur Zeit der Französischen Revolution umfasste sie bereits an die 500 Bände. Im Jardin des apothicaires in der Rue de l’Arbalète war sie in einem kleinen Raum im ersten Stock untergebracht, der mit Vitrinen, drei Tischen und einigen Stühlen ausgestattet war. Nach dem Umzug in die Avenue de l’Observatoire im Jahr 1882 stand ihr ein großer Lesesaal zur Verfügung, der Raum für 120 Leser bot und 22.000 Bände fasste. Nach wenigen Jahren schon reichte dieser Platz nicht mehr aus, so dass in den Jahren 1902-1903 das Gebäude um einen neuen Labortrakt erweitert wurde, wodurch die Bibliothek auch die angrenzenden freigewordenen Räumlichkeiten nutzen konnte.

Im Jahr 1920 wurde die École supérieure de pharmacie zur Fakultät erhoben; heute ist sie als Faculté de pharmacie de Paris Teil der Université Paris Cité. Die Bibliothek bezog 1958 einen neuen Lesesaal in der Rue de l’École de Médecine (Salle Dorveaux); seit 1978 hieß sie Bibliothèque interuniversiaire de pharmacie (BIUP). 2011 fusionierte sie mit der Bibliothèque interuniversitaire de medecine (BIUM) zur Bibliothèque interuniversitaire de Santé (BIU).

Link: Faculté de Pharmacie de Paris – Patrimoine

Worcester: Public Library

Worcester (Massachusetts): Public Library
Ort: Worcester, Massachusetts
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Italianate-Stil / Romanesque
Architekt: N. N. / Stephen Earle
Fertiggestellt/Eröffnet: 1861 / 1891
Person: John Green III
Verlag: The Metropolitan News Co.
Signatur: 5629
Datierung (Karte): ca. 1910-1920

Die öffentliche Bibliothek von Worcester, Massachusetts, wurde im Jahr 1859 gegründet. Ausschlaggebend war eine Spende des renommierten Arztes John Green (1784-1865), der der dritte dieses Namens und Berufs in seiner Familie war. John Green III war ein passionierter Büchersammler, der bereits zu Lebzeiten einen Teil seiner Bibliothek seiner Heimatstadt vermachte. Bei seinem Tod 1865 waren es insgesamt 12.000 Bände, für deren Unterbringung er die Errichtung eines Bibliotheksgebäudes zur Bedingung gemacht hatte. 1861 wurde in der Elm Street ein Gebäude im damals populären Italianate-Stil eröffnet (auf der Karte rechts zu sehen). Samuel Swett Green (1837-1918), ein Neffe von John Green und über die Landesgrenzen hinaus bekannter Bibliothekar, wirkte hier für mehrere Jahrzehnte. Da der Platz in dem Gebäude bald zu knapp wurde – der Bestand betrug 1886 an die 60.000 Bände – , eröffnete die Stadt 1891 einen östlich an die Bibliothek angrenzenden Erweiterungsbau (auf der Karte links zu sehen), der in dem mittlerweile verbreiteten neoromanischen Stil gehalten war (Architekt: Stephen Earle).

Die Bibliothek blieb bis zum Jahr 1964 in der Elm Street. Dann bezog sie einen Neubau am Salem Square. Die beiden alten Gebäude wurden abgerissen, sie mussten einem Parkhaus weichen. Nur zwei Steinskulpturen in Form von Eulen, die den Eingang des Erweiterungsbaus flankiert hatten, blieben erhalten und wurden in der neuen Bibliothek aufgestellt.

Einige Jahre vor dem Umzug war in der Bibliothek ein in Vergessenheit geratenes großes Konvolut anatomischer Zeichnungen des vor allem für seine Pferdedarstellungen bekannten englischen Malers George Stubbs (1724-1806) entdeckt worden, die John Green III der Bibliothek geschenkt hatte. Diese wurden 1980 – nach heftigen Kontroversen um einen möglichen Verbleib in Worcester – von dem Kunstmäzen Paul Mellon für das Yale Center for British Art erworben.

Zitat von Samuel Swett Green: „A librarian should be as unwilling to allow an inquirer to leave the library with his question unanswered as a shopkeeper is to have a customer go out of the store without making a purchase.

Link: Lost New England – Public Library, Worcester, Mass
Link: WPL Through the Years

Rom: Accademia dell’Arcadia

Rom: Accademia dell'Arcadia
Ort: Rom
Art: Akademie
Baustil: Barock
Verlag: Danesi
Datierung (Karte): ca. 1910-1920

Die Gesellschaft der Arkadier (Accademia dell’Arcadia) wurde 1690 von einem Kreis von Literaten gegründet, der sich um Christina von Schweden (1626-1689) gebildet hatte, die zum Katholizismus konvertiert war und sich 1655 im Palazzo Farnese in Rom niedergelasen hatte. Die Mitglieder der Akademie strebten nach Einfachheit und Natürlichkeit und wollten in Abkehr von der als schwülstig empfundenen Barockliteratur die Hirtendichtung der Antike wiederbeleben. Sie nannten sich nach Arkadien, einem Hochland auf dem Peloponnes, das man mit dem Goldenen Zeitlater verband. Vor allem im 18. Jahrhundert spielte die Akademie eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der bukolischen Literatur; zu ihren Mitgliedern zählten beduetende Persönlichkeiten der internationalen Kultur wie z. B. der Dichter und Librettist Pietro Metastasio (1698–1782). Georg Friedrich Händel besuchte während seines Romaufenthalts die Versammlungen der Arkadier, und Goethe wurde im Jahr 1788 als Mitglied aufgenommen, worüber er in seiner Italienischen Reise berichtet.

Die Mitglieder der Akademie gaben sich griechische Namen. Als „Hirten“ trafen sie sich im Freien, anfangs in verschiedenen römischen Gärten. Die Orte ihrer Zusammenkünfte nannten sie nach einer Region Arkadiens Parrhasia. Wie die Hirten saßen sie auf dem Boden, auf Felsen oder im Gras, um „in frischer Luft den uranfänglichen Geist der Dichtkunst zu ahnen“ (Goethe). Als der portugiesische König Johann V. – als „Arete Melleo“ ein Mitglied der Akademie – die Summe von 4000 Scudi spendete, konnten die Arkadier ein Gartengrundstück an den Hängen des Gianicolo (einem der sieben Hügel Roms) erwerben und dort einen dauerhaften Bosco Parrasio errichten. Der Architekt Antonio Canevari und sein Schüler Nicola Salvi schufen 1725 den barocken Garten aus drei mit Treppen verbundenen Terrassen, der an seinem oberen Ende von einem kleinen Amphitheater und einem klassizistischen exedraförmigen Gebäude gekrönt war. Die Anlage begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu verfallen und wurde 1839 restauriert. Erneuten Schaden nahm der Bosco Parrasio während der Italienischen Revolution von 1848/49, als die von Giuseppe Garibaldi angeführten Freiwilligen auf dem Gianicolo gegen die von Papst Pius IX. zu Hilfe gerufenen französischen Truppen kämpften. Aus Geldmangel musste die Akadmie die Anlage schließlich vermieten und bezog im Jahr 1892 ein Gebäude am Largo San Carlo al Corso, das an die Kirche Santi Ambrogio e Carlo angrenzt. Dorthin zogen auch das Archiv, die Bibliothek und die Kunstsammlung der Akademie. Die Ansichtskarte zeigt vermutlich einen der Räume am Largo San Carlo al Corso. Die Mittel aus der Vermietung des Bosco Parrasio reichten jedoch nicht aus, um die Miete und die hohen Instandhaltungskosten der Räumlichkeiten zu bezahlen, und so wurde die Akademie, die 1925 ihren Namen in „Accademia letteraria italiana“ geändert hatte, 1933 zwangsgeräumt. Nach verschiedenen räumlichen Provisiorien konnte sie schließlich 1940 in die Biblioteca Angelica umziehen, wo sie noch immer ihren Sitz hat. Ihre Bibliothek umfasst heute rund 14.000 Bände, darunter Monografien, Broschüren, Theaterlibretti und Zeitschriften.

Link: Accademia dell’Arcadia

London: Tooting Library

London: Tooting Library (1902)
Ort: London
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Edwardianische Architektur
Architekt: William Hunt
Fertiggestellt/Eröffnet: 1902
Person: William Lancaster
Verlag: Stengel & Co.
Signatur: 14471
Datierung (Karte): 1902-1908

Die Ansichtskarte zeigt die Öffentliche Bibliothek von Tooting, einem Stadtteil des Londoner Stadtbezirks Wandsworth. Sie wurde von dem Geschäftsmann, Politiker und Philanthropen William Lancaster (1841–1929) gestiftet, der zu der Zeit Bürgermeister von Wandsworth war. Aus Bescheidenheit verbat er sich, dass seine Stiftungen nach ihm benannt wurden. Die Eröffnung erfolgte im November 1902. Architekt des einstöckigen Gebäudes im Edwardianischen Stil war William Hunt (1854-1943). Das Innere bestand aus einem großen Lesesaal und einer Ausleihe; das Äußere ist von Mauerziegeln mit Terracotta-Elementen geprägt. Bemerkenswert ist der kleine reich geschmückte Vorbau. Die Terracotta-Elemente stammten von der Firma Royal Doulton, die auf derartige Architektur-Terrakotta spezialisiert war. Das Dach war von einer kupfernen Wetterfahne in Form eines Wikinger-Langboots bzw. einer Galeone gekrönt, die auf dieser Karte jedoch nicht zu sehen ist. 1908 wurde das Gebäude um ein Stockwerk erweitert, und 1915 außen eine große Uhr angebracht, in Gedenken an den früheren Bürgermeister und Geistlichen John Hendry Anderson (1854–1913). 2010 wurde die Bibliothek renoviert; und im April 2025 wurde die Wetterfahhe im Inneren des Gebäudes aufgehängt, nachdem Stürme sie 2017 und 2019 zweimal vom Dach geholt hatten.

Link: Tooting library waives 48-year fine after book returned from Canada

Tokio: Universitätsbibliothek

University of Tokyo General Library
Ort: Tokio
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neogotik / Expressionismus
Architekt: Yoshikazu Uchida
Fertiggestellt/Eröffnet: 1928
Person: John D. Rockefeller, Jr.
Gelaufen: 1930

Die erste Bibliothek der 1877 gegründeten Universität Tokio wurde im Jahr 1892 auf dem Hongo-Campus in der Präfektur Bunkyō eingeweiht. Beim Großen Kantō-Erdbeben am 1. September 1923 wurde die Bibliothek komplett durch Feuer zerstört, wie auch die meisten anderen Gebäude auf dem Campus. Der Großteil des Buchbestands ging dabei verloren. Darunter befand sich die umfangreiche Bibliothek des Sprach- und Religionswissenschaftlers Friedrich Max Müller (1823-1900), die 1901 der Universität Tokio gestiftet worden war, historische Regierungsakten sowie bedeutende Bestände zu chinesischer Philosophie und Geschichte (Nishimura- und Hoshino-Sammlung). Nach der Katastrophe fiel der Entschluss zum Wiederaufbau des Campus. Den Matserplan hierfür erstellte der Architekt Uchida Yoshikazu (1885-1972), zu der Zeit Professor für Ingenieurwissenschaften und später der 14. Präsident der Universität. Er entwarf auch viele der Gebäude selbst, die nun nicht mehr aus Mauerziegeln, sondern aus Stahlbeton gebaut wurden und dem neuenglischen College-Stil verpflichtet waren („Uchida-Gotik“). Zu den neuerrichteten Gebäuden zählte auch die 1928 fertiggetsellte Bibliothek, deren expressionistisch anmutende Fassade an eine Reihe stehender Bücher erinnert. Sie gilt als eines der besten Gebäude Uchidas. Die Mitel für ihren Bau stammten zum größten Teil aus der Rockefeller-Stiftung, während der Buchbestand mit Hilfe von Spenden aus Japan und aus dem Ausland neu aufgebaut wurde. Bücherspenden kamen u. a. aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland, China und Frankreich. Der Hongo-Campus überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet; das Gebäude dient noch heute als Bibliothek.

Link: History of the University of Tokyo General Library

Berlin: Bibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität

Berlin: Bibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität (1901)
Ort: Berlin
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Schinkelschule
Architekt: Paul Emmanuel Spieker
Fertiggestellt/Eröffnet: 1874
Fotograf: Waldemar Titzenthaler
Signatur: 42
Datierung (Karte): um 1905

Die Karte zeigt den Lesesaal der Bibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (heute Humboldt-Universität), die 1809 auf Betreiben des preußischen Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt gegründet wurde. Nachdem die Universität in den Anfangsjahren die Königliche Bibliothek am Opernplatz mitnutzte, wurde 1831 eine eigene Universitätsbibliothek gegründet. Diese war zunächst im Dublettenzimmer der Königlichen Bibliothek untergebracht. Karl Friedrich Schinkel reichte im Jahr 1835 einen Entwurf für ein eigenes Bibliotheksgebäude ein, der aber aus Kostengründen nicht umgesetzt wurde. Nach zwei Umzügen in den Jahren 1839 und 1854 konnte sie schließlich 1874 einen Neubau in der Dorotheenstraße 9 (heute Nr. 28) beziehen. Der Architekt des schlichten Backsteinbaus war Paul Emmanuel Spieker, ein Vertreter der späten Schinkel-Schule. Die beiden oberen Stockwerke des Gebäudes nahm der repäsentative Lesesaal mit seiner umlaufenden Galerie und reichen Innenausstattung ein. Er bot 72 Arbeitsplätze.

Der Neubau erfüllte jedoch nur kurz seinen ursprünglichen Zweck. Der Platz war von Anfang an zu knapp kalkuliert, schon beim Einzug mussten einige der Bücher in Zweierreihen aufgestellt werden. Aus diesem Grund bezog die Bibliothek zunächst 1910 provisorisch und dann 1922 komplett einen Teil des neobarocken Repräsentationsbaus, der in den Jahren 1903–1914 für eine gemeinsame Nutzung durch die Akademie der Wissenschaften, die Königliche Bibliothek und die Universitätsbibliothek gebaut wurde. Der große Lesesaal verfügte über 296 Arbeitsplätzen und eine Handbibliothek von 30.000 Bänden.

Das alte Bibliotheksgebäude wurde nach dem Auszug der Bibliothek vom Institut und Museum für Meereskunde genutzt; in der DDR war es Sitz des Amts für industrielle Formgestaltung (AiF). Der Lesesaal wurde bei Umbaumaßnahmen in den 1980er Jahren durch Einziehen einer Zwischendecke zerstört. Nach der Wende wurde das Gebäude vom Kunstgeschichtlichen Institut der Humboldt-Universität genutzt.

Link: HU Berlin – Institut für Kunst- und Bildgeschichte: Gebäude