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Verschlagwortet: DDR

Putin-Stasi-Ausweis, Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Wikimedia Commons

Die Welle von Evaluationen (2/3) – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Die Modrow-Regierung beschloss am 13. Januar 1990 die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit zum 30. März desselben Jahres. Damit endete die Tätigkeit von etwa 13.000 hauptamtlichen Stasi-Offizieren und 174.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM). Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Überwachung: 1989 war etwa jeder hundertste DDR-Bürger als IM registriert. Im Bibliotheksbereich kam nach eigener Schätzung aufgrund von Zeitzeugengesprächen ein informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit auf 20...

Informationsbesuch westdeutscher Bibliothekare in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden im Juni 1986. Von links: Roswitha Geh, Burghard Burgemeister (Sächsische Landesbibliothek Dresden), Hans-Peter Geh (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart), Jürgen Hering (UB Stuttgart).

Die Welle von Evaluationen (1/3) – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Die Besetzung von Führungspositionen in DDR-Bibliotheken folgte primär dem Kriterium politischer Loyalität. Fachliche Qualifikationen traten in den Hintergrund, wenn geeignete SED-Mitglieder verfügbar waren. Dieser Praxis entsprangen Besetzungen wie an der Universitätsbibliothek Jena, wo von 1970 bis 1990 ein Offizier der Volkspolizei die Leitung innehatte, oder in Leipzig, wo der UB-Direktor gelegentlich seine Doppelrolle als Parteifunktionär – mit Parteiabzeichen – und Reserveoffizier der NVA – mit...

Horst Klein Kinderbibliothek. Kinder beim Hören von Schallplatten. Potsdam, Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek

Carsten Gansel skandalisiert – Wie ist die flächendeckende Schließung von öffentlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR zu bewerten?

Die flächendeckende Schließung von öffentlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR in der Wendezeit war kein Ruhmesblatt der Kulturpolitik des vereinigten Deutschlands. Zu spät hatte man erkannt, dass die Übergabe der einst zentralistisch verwalteten Einrichtungen in kommunale Verantwortung existenzbedrohend sein würde. Die Gemeinden erhielten das Recht, ihre Angelegenheiten im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. Aber bei dem enormen Spardruck konnten sie die Bibliotheken als...

Bibliothekarin in der Zentralbibliothek der deutschen Klassik beim Katalogisieren, ca. 1980er Jahre

Vom Plan zum Verbund (2/2) – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Das erste deutsch-deutsche Gemeinschaftsprojekt war das Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Es sollte ein grundlegendes Nachschlagewerk über die Sammlungen in Bibliotheken werden, das die Kataloge nicht ersetzt, aber Zusammenhänge deutlich macht. Die Bestandsgeschichte der älteren Bibliotheken sollte umfassend dokumentiert werden. Zwanzig Jahre nach der deutschen Vereinigung war das Handbuch realisiert und besteht aus folgenden Teilen: Der Plan ging auf eine Initiative des Münsteraner Buchwissenschaftlers...

Der zentrale „Lesesaal“ der UB Rostock Anfang der 1990er Jahre. Foto UB Rostock

Vom Plan zum Verbund (1/2) – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Nach der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 standen die wissenschaftlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR vor einer doppelten Herausforderung: Aus der Planwirtschaft entlassen, mussten sie sich schnell in das föderale System einfügen, während ihre Zukunft ungewiss blieb. Würden alle Einrichtungen erhalten bleiben? Würde der Föderalismus bedeuten, dass pro Bundesland nur eine Universität auskömmlich finanziert werden kann? Drohte ein „Rückfall in den Provinzialismus“? Die Unsicherheit war...

Im Katalogbereich der UB Leipzig, vermutlich Ende der 1980er Jahre

Wo standen die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR kurz vor dem Mauerfall? (2/2)

Im Jahr 1988 gab sich das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen erstmals mit den alljährlich zugelieferten statistischen Daten nicht zufrieden. Es verlangte auch eine qualitative Bewertung der Leistungen der Bibliotheken. Daraufhin wurde mithilfe des Methodischen Zentrums ein 23-seitiges Papier erstellt (die Anlagen nicht mitgezählt),[1] in dem die Jahresberichte, die Berichte über Arbeitsbesuche und Inspektionen sowie die Schreiben von Bibliotheksdirektoren ausgewertet wurden. Das Papier enthielt in...

Lesesaal UB Jena, vermutlich 1970er Jahre

Wo standen die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR kurz vor dem Mauerfall? (1/2)

Unabhängig vom Typ hatten alle Bibliotheken in der DDR die Aufgabe, aktiv zur Verbreitung des Marxismus-Leninismus beizutragen, das dialektisch-materialistische Weltbild und zur kommunistischen Erziehung der Jugend beizutragen. Mithilfe der Literatur sollten Werte und Ideale des Sozialismus vermittelt, geformt und gefestigt werden. Das „sozialistische Bewusstsein“ war aktiv zu fördern. Auch für die wissenschaftlichen Bibliotheken bestand der Hauptauftrag darin, der sozialistischen Gesellschaft zu dienen. Das Sekretariat des...

Universitätsbibliothek Leipzig: Mitarbeiterversammlung 1947 im teilzerstörten Gebäude der Albertina

Die Politisierung des Bibliothekswesens der DDR am Beispiel Leipzigs

Eine Buchbesprechung Bibliotheksgeschichten sind in der historischen Forschung generell selten, selbst in der bibliothekarischen Zunft scheinen sie an Attraktivität eingebüßt zu haben – obwohl sie zum Verständnis der Gegenwart aufschlussreich sein können, wie sich im Fall dieser am Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte der Universität Leipzig entstandenen Dissertation erweist. Hassan Soilihi Mzé rückt nicht eine einzelne Institution oder die Geschichte eines Problems in den Mittelpunkt,...

Katalogabteilung der Zentralbibliothek, 1970-er Jahre

Wieviel Personal haben die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach der Wiedervereinigung verloren?

Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (3) Im Prozess der Wiedervereinigung stellte sich heraus, dass der Öffentliche Dienst der DDR nach westlichen Maßstäben stark überbesetzt war. In der alten Bundesrepublik waren rund 7 %, in der ehemaligen DDR aber rund 12% aller Einwohner im öffentlichen bzw. Staatsdienst tätig.1 Daher gehörten auch umfangreiche Stellenkürzungen zum Aufgabenfeld der Unterhaltsträger der ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken. Der Einigungsvertrag vom...

Die Belegschaft wählt ihren Direktor ab – Gespräch mit der Katrin Lehmann, Bibliothekarin an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (2) Katrin Lehmann arbeitet seit 1984 in der Zentralbibliothek der deutschen Klassik Weimar, die 1991 in Herzogin Anna Amalia Bibliothek umbenannt wurde. Heute ist sie kommissarische Abteilungsleiterin „Wissensforum Bibliothek“ und Referatsleiterin Benutzung. Ich wollte von ihr erfahren, wie die Stimmung in der Belegschaft in der letzten DDR-Zeit war und wie sich im Frühjahr 1990 die Ablösung des Bibliotheksdirektors...