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Bibliotheken, Literatur, Kultur  – Blog von Michael Knoche

Horst Klein Kinderbibliothek. Kinder beim Hören von Schallplatten. Potsdam, Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek

Carsten Gansel skandalisiert – Wie ist die flächendeckende Schließung von öffentlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR zu bewerten?

Die flächendeckende Schließung von öffentlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR in der Wendezeit war kein Ruhmesblatt der Kulturpolitik des vereinigten Deutschlands. Zu spät hatte man erkannt, dass die Übergabe der einst zentralistisch verwalteten Einrichtungen in kommunale Verantwortung existenzbedrohend sein würde. Die Gemeinden erhielten das Recht, ihre Angelegenheiten im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. Aber bei dem enormen Spardruck konnten sie die Bibliotheken als...

Pino Poggi Reichsgesetzblatt (1968), BIS Oldenburg

O sancta simplicitas! Kultur-Staatsminister Wolfram Weimer demontiert die Deutsche Nationalbibliothek

Wenn Kultur-Staatsminister Wolfram Weimer den lang geplanten und penibel durchkalkulierten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig wieder von der Liste seiner Bauvorhaben streicht, wie jetzt bekannt wurde, so könnte er dafür haushaltsrechtliche Zwänge angeben und um Verständnis werben. Geschröpften Steuerzahlern würde das finanzielle Argument wohl einleuchten, denn die Staatsausgaben sind bereits jetzt zum Teil auf Pump finanziert. Bei solchen Zwängen wäre aber immer noch...

Gründungsbeirat des GBV 1995 in Hannover

Wandel des gesamtdeutschen Bibliothekssystems durch die Vereinigung – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Die Integration der wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR hat das gesamtdeutsche Bibliothekssystem in mehrfacher Hinsicht verändert und eine „Kotransformation“ im Sinne von Philipp Ther ausgelöst: Die Durchsetzung des sogenannten einschichtigen Bibliothekssystems offenbart eine bemerkenswerte historische Ironie: Ursprünglich vom westdeutschen Wissenschaftsrat in den 1960er Jahren empfohlen, wurde das Konzept in der DDR durch die Bibliotheksverordnung von 1968 und die Anweisung 22/1969 rigoros umgesetzt. Während westdeutsche Traditionsuniversitäten noch...

Bibliothekarin in der Zentralbibliothek der deutschen Klassik beim Katalogisieren, ca. 1980er Jahre

Vom Plan zum Verbund (2/2) – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Das erste deutsch-deutsche Gemeinschaftsprojekt war das Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Es sollte ein grundlegendes Nachschlagewerk über die Sammlungen in Bibliotheken werden, das die Kataloge nicht ersetzt, aber Zusammenhänge deutlich macht. Die Bestandsgeschichte der älteren Bibliotheken sollte umfassend dokumentiert werden. Zwanzig Jahre nach der deutschen Vereinigung war das Handbuch realisiert und besteht aus folgenden Teilen: Der Plan ging auf eine Initiative des Münsteraner Buchwissenschaftlers...

Der zentrale „Lesesaal“ der UB Rostock Anfang der 1990er Jahre. Foto UB Rostock

Vom Plan zum Verbund (1/2) – Wie sich die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR nach dem Mauerfall neu organisierten

Nach der deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 standen die wissenschaftlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR vor einer doppelten Herausforderung: Aus der Planwirtschaft entlassen, mussten sie sich schnell in das föderale System einfügen, während ihre Zukunft ungewiss blieb. Würden alle Einrichtungen erhalten bleiben? Würde der Föderalismus bedeuten, dass pro Bundesland nur eine Universität auskömmlich finanziert werden kann? Drohte ein „Rückfall in den Provinzialismus“? Die Unsicherheit war...

Im Katalogbereich der UB Leipzig, vermutlich Ende der 1980er Jahre

Wo standen die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR kurz vor dem Mauerfall? (2/2)

Im Jahr 1988 gab sich das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen erstmals mit den alljährlich zugelieferten statistischen Daten nicht zufrieden. Es verlangte auch eine qualitative Bewertung der Leistungen der Bibliotheken. Daraufhin wurde mithilfe des Methodischen Zentrums ein 23-seitiges Papier erstellt (die Anlagen nicht mitgezählt),[1] in dem die Jahresberichte, die Berichte über Arbeitsbesuche und Inspektionen sowie die Schreiben von Bibliotheksdirektoren ausgewertet wurden. Das Papier enthielt in...

Lesesaal UB Jena, vermutlich 1970er Jahre

Wo standen die wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR kurz vor dem Mauerfall? (1/2)

Unabhängig vom Typ hatten alle Bibliotheken in der DDR die Aufgabe, aktiv zur Verbreitung des Marxismus-Leninismus beizutragen, das dialektisch-materialistische Weltbild und zur kommunistischen Erziehung der Jugend beizutragen. Mithilfe der Literatur sollten Werte und Ideale des Sozialismus vermittelt, geformt und gefestigt werden. Das „sozialistische Bewusstsein“ war aktiv zu fördern. Auch für die wissenschaftlichen Bibliotheken bestand der Hauptauftrag darin, der sozialistischen Gesellschaft zu dienen. Das Sekretariat des...

Immanuel Kant, Zeichnung von Caroline Charlotte Amalie von Keyserlingk, 1756 Wikimedia Commons

Der anonyme Autor widmet das Buch dem König – Zur Publikationsgeschichte von Büchern Immanuel Kants (5), hier: „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“(1755)

Warum hat sich Kant auf den Verleger Petersen eingelassen, der ihm nur Unglück eingetragen hat? (Vgl. meinen Blogbeitrag vom 26.1.2026). Vielleicht hatte Petersen Kant ein besonders günstiges Angebot für die Druckkosten gemacht, um auf dem Königsberger Markt Fuß zu fassen? (Ein Honorar war für gelehrte Arbeiten, zumal von unbekannten Autoren, nicht zu erwarten.) Kant hätte die Wahl gehabt, sich auch für andere Geburtshelfer seiner Schrift...

Immanuel Kant, Büste von Emanuel Bardou 1798 Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Skulpturensammlung (Bode-Museum)

Schon wieder Pech mit dem Verleger – Zur Publikationsgeschichte von Büchern Immanuel Kants (4), hier: „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“ (1755)

Nach dem bescheidenen Echo auf seine Erstlingsschrift (Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte, vgl. meine Blogbeiträge vom 3.11.2025 und folgende) wurde auch Kants zweites Buch, die „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“ (1755), von den Zeitgenossen fast gänzlich übersehen. Es war noch weniger erfolgreich als sein erstes, jedoch aus anderen Gründen. Nach seinem Studium in Königsberg hatte der junge Hauslehrer seine Beschäftigung mit...

Erweiterungsbau der Württembergischen Landesbibliothek

Ein neuer Ort der Kunst und des Wissens – der Erweiterungsbau der Württembergischen Landesbibliothek

Die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart zeigt noch bis zum 24. Januar die reizvolle Ausstellung Kunst als Buch. Sammlung Lucius. Zu sehen sind Werke deutscher Künstler ab den 1960er Jahren, darunter beeindruckende Künstlerbücher von Günther Uecker, Horst Antes und Heinz Mack. Besonders herausragend: das Werk Kein Fehler im System von Günther Uecker und Eugen Gomringer (1978) mit Blindprägedrucken von Nägeln. Die Exponate stammen aus der Sammlung von...