Uns reicht’s

Uns reicht’s. Es wurde lang genug darüber diskutiert, wie man weiter auf dem Rücken der Ärmsten sparen kann – diese Debatte ist für ein reiches Land wie Deutschland beschämend. Die Debatte lenkt von den eigentlichen Problemen ab. In den vergangenen fünf Jahren sind die Preise für Lebensmittel um mehr als 36 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg ist für Menschen am Existenzminimum nicht ausgeglichen worden.

Michael Wohlfahrt, Präsident der Arbeiterwohlfahrt, zu den von der Regierung beschlossenen Verschärfungen im Zuge der Bürgergeldreform

gelesen in der Berliner Morgenpost vom 18. Dezember 2025, Seite 4

Wenn die Armen noch ärmer gemacht werden

Im Februar 2023 erschien auf diesem Blog der Beitrag „wovon leben Sie?“. Dabei ging es auch um armutsbetroffene Menschen, also diejenigen, die von sogenannten „Transferleistungen“ leben wie Bürgergeld oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Letztere liegen noch unter dem Bürgergeldsatz von derzeit 550 Euro für den erwachsenen Haushaltsvorstand – nämlich 70 Prozent davon.

Trotz der erheblich gestiegenen Kosten für alles, was lebensnotwendig ist, teilt die dpa (deutsche Presseagentur) am 31. Oktober mit:
Leistungen für Asylbewerber werden 2025 gekürzt. 

Weiterheißt es:
Asylbewerber in Deutschland erhalten 2025 weniger Geld für ihren Lebensunterhalt. Die monatlichen Bedarfssätze sinken je nach Alter, Wohn- und Familiensituation zum Jahreswechsel um 13 bis 19 Euro monatlich. Die neuen Sätze nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wurden vom Bundesministerium im Gesetzblatt veröffentlicht. Alleinstehende, die nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, erhalten demnach künftig 441 Euro im Monat. Bislang lag der Satz bei 460 Euro. Die Kosten für Unter-
kunft, Heizung und Strom sind in den Beträgen nicht inbegriffen.

Hier kann man die Sätze für 1. Januar 2024 einsehen.

Armut zum Ausprobieren

Wie ist das, wenn man / frau als Erwachsene/r mit 502 Euro im Monat auskommen muß? Das kann man in einem von der Diakonie Deutschland und einigen anderen kirchlichen Initiativen entwickelten Bürgergeld-Bingo ausprobieren.

In der Presse-Erklärung heißt es:

In der Debatte über das Bürgergeld werden Betroffenen oft mit Vorurteilen und falschen Behauptungen konfrontiert. Mit dem heute veröffentlichen Online-Spiel „Bürgergeld-Bingo“ wollen die Diakonie Deutschland, die Selbstorganisation von Menschen mit Armutserfahrung Armutsnetzwerk e.V., der Evangelische Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt Bayern zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Mit dem Spiel können Interessierte ausprobieren, was es heißt, mit dem Bürgergeldsatz auszukommen. Sie müssen ihre Ausgaben so einschränken, dass der aktuell geltende Regelsatz von 502 Euro eingehalten wird. Nur wer das schafft, für den heißt es „Bingo“.

Zum Bürgergeld-Bingo geht es hier.

Presseerklärung: Fakten statt Fake – Bürgergeld-Bingo