Jeden Montag stellt Joel aus Luxemburg eine Frage. Früher nannte man das „Stöckchen“. Oft wurden einzelne MitbloggerINNEN benannt, an die das Stöckchen weitergegeben wurde. Bei Joel darf jede/r mitmachen und kann sich mit dem eigenen Beitrag am Ende seines Postings eintragen.
Was ist frustrierend am Bloggen?
Ich habe vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten mit dem Bloggen begonnen. Ich schreibe nach wie vor gern meine Gedanken auf – immer auf Nischenblogs – mit guter Resonanz. Eines meiner Blogs war vor einigen Jahren für den Grimme Online Award nominiert.
Ich lese gern bei vielen unterschiedlichen Blogs mit, weil es mich bereichert, Einblicke in ganz unterschiedliche Lebens- und Erfahrungswelten zu bekommen (Kultur, Politik, Soziales, Medien, Familien, Feminismus, Ausland, Berufe, Medizin, Minderheiten, Religionen, Literatur, Städte …). Ein paar hundert werden es schon sein, denen ich per Feedreader folge.
Ich selbst habe mich vor einigen Jahren ganz bewußt dafür entschieden, meine gehobene Mittelschichtswelt zu verlassen und mit Menschen, die am Rand der Gesellschaft sind, kaum oder nicht wahrgenommen werden und durch die strukturelle Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft arm gemacht werden, zu leben und einiges von dem, was mir in ihren Erzählungen begegnet, auf diesem Blog zu teilen, also Menschen eine Stimme zu geben, die keine haben. Ich mache das als Privatperson, also nicht aus einer beruflichen Perspektive – habe langjährige Beziehungen zu den Menschen, von denen ich – anonymisiert – erzähle. Deswegen teilen sie mit mir einige ihrer Erfahrungen, die sie sonst nicht erzählen können oder wollen. Ich habe auch nicht den Anspruch, daß andere so leben wie ich das tue. Mir liegt jeder missionarische Habitus fern.
Manchmal kann ich über das Zuhören hinaus helfen, indem ich Kontakte herstelle zum Arztmobil für medizinische Hilfe, zur Rechtsberatung, zu einer Kleiderkammer, die keinen Bedürftigkeits-nachweis verlangt, zum Krankenhaus, wo eine anonyme Entbindung möglich ist … Auf dem Herd steht fast immer eine Suppe. Und jetzt in Coronazeiten klingeln öfter als vorher Menschen an der Tür, die Hunger haben und um etwas zu essen bitten.
Und nun die Antwort auf Herrn Joels Frage: Frustrierend ist, daß es kaum jemand interessiert, unter welchen Bedingungen arme Menschen am Rand der Gesellschaft leben. Vor 2 1/4 Jahren im Januar 2019 habe ich mit diesem Blog begonnen. Außer von meinen persönlichen FreundINNen, Bekannten und Unterstützenden gibt es gerade mal fünf Leute, die es abonniert haben und knapp 2100 Seitenaufrufe. Es ist auf einer einzigen Blogroll gelistet – auch ein Zeichen für mich, daß Bloggen eine Mittelschichtsangelegenheit ist, was keine Kritik, sondern eine Feststellung ist. Arme Menschen – besonders in Zeiten der Pandemie – haben erschwert Zugang zum Internet. Die Tagesaufenthalte, die Internet anbieten sind meist geschlossen und die Internetplätze in Bibliotheken – soweit sie für die Ausleihe geöffnet sind – gesperrt.
Ja, ich weiß wie man ein Blog bekannt macht. Ich habe das – wie oben beschrieben – mit mehrerein Nischenblogs, die eine gute Resonanz haben, durch. Deshalb: Bitte erspart mir in den Kommentaren entsprechende Hinweise.
Was andere zu Joels Frage schreiben, kann man hier nachlesen. Es gibt in seinem Blog auch eine Suchmaske, durch die andere Montagsfragen und die Reaktionen darauf aufgerufen werden können.