… einen Klick weiter in der taz vom Wochenende findet sich ein Interview mit einer Kreuzberger Pfarrerin, die sich seit Jahren in der Flüchtlingshilfe auf der Insel Lesbos vor Ort engagiert und sich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen hat lassen um sich dort noch mehr engagieren zu können:
Im vergangenen Sommer war das Thema der Flüchtlinge aus Lesbos hier in Berlin sehr präsent, als das Lager Moria brannte. Ich selbst habe mehrfach für die Aufnahme von Lesbos-Flüchtlingen nach Berlin demonstriert. Jetzt ist das Thema in Vergessenheit geraten. Zurecht?
Die Luft ist ja raus, weil die Bundes-regierung nicht dazu zu bewegen war, eine größere Zahl Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen. Sie verweigerte ja selbst die Aufnahme durch die vielen willigen Kommunen, was skandalös ist. Das Problem regelt sich gerade anders: Griechenland hat in den letzten Monaten viele Asylfälle auf Lesbos positiv entschieden. Die Mehrheit dieser Menschen landet dann obdachlos auf dem griechischen Festland. Aber einige kommen auch, völlig legal, nach Deutsch-land und beantragen hier erneut Asyl. Im Moment werden sie nicht nach Griechenland zurückgeschoben.
Ich meinte etwas anderes: Der Protest richtete sich gegen die miserablen Lebensbedingungen auf Lesbos. Haben die sich verbessert?
Nein. Derzeit leben rund 5.000 Menschen in dem Lager Moria 2 unter miserabel-sten Bedingungen. Sie müssen in großen Zelten hausen, ohne jede Privatsphäre. Jetzt im Sommer gibt es keinen Schatten und im Winter keinen Schutz vor Kälte und Regen. Die Zelte haben keinen Fußboden. Die sanitären Bedingungen sind furchtbar. Die Menschen erhalten eine Mahlzeit pro Tag. Jede/r vierte BewohnerIn dort ist ein Kind. Es gibt auch zahlreiche Menschen mit Behin-derung. Die Flüchtlinge können die Insel nicht verlassen. Sie kommen überhaupt nicht auf die Fähren. Die Perspektiv-losigkeit zermürbt sie.
Das ganze Interview ist hier.