arm gemacht

Schlaglichter vom Rand der Gesellschaft

arm gemacht

Gleich nebenan … (12)

… einen Klick weiter in der taz vom Wochenende findet sich ein Interview mit einer Kreuzberger Pfarrerin, die sich seit Jahren in der Flüchtlingshilfe auf der Insel Lesbos vor Ort engagiert und sich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen hat lassen um sich dort noch mehr engagieren zu können:

Im vergangenen Sommer war das Thema der Flüchtlinge aus Lesbos hier in Berlin sehr präsent, als das Lager Moria brannte. Ich selbst habe mehrfach für die Aufnahme von Lesbos-Flüchtlingen nach Berlin demonstriert. Jetzt ist das Thema in Vergessenheit geraten. Zurecht?

Die Luft ist ja raus, weil die Bundes-regierung nicht dazu zu bewegen war, eine größere Zahl Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen. Sie verweigerte ja selbst die Aufnahme durch die vielen willigen Kommunen, was skandalös ist. Das Problem regelt sich gerade anders: Griechenland hat in den letzten Monaten viele Asylfälle auf Lesbos positiv entschieden. Die Mehrheit dieser Menschen landet dann obdachlos auf dem griechischen Festland. Aber einige kommen auch, völlig legal, nach Deutsch-land und beantragen hier erneut Asyl. Im Moment werden sie nicht nach Griechenland zurückgeschoben.

 

Ich meinte etwas anderes: Der Protest richtete sich gegen die miserablen Lebensbedingungen auf Lesbos. Haben die sich verbessert?

Nein. Derzeit leben rund 5.000 Menschen in dem Lager Moria 2 unter miserabel-sten Bedingungen. Sie müssen in großen Zelten hausen, ohne jede Privatsphäre. Jetzt im Sommer gibt es keinen Schatten und im Winter keinen Schutz vor Kälte und Regen. Die Zelte haben keinen Fußboden. Die sanitären Bedingungen sind furchtbar. Die Menschen erhalten eine Mahlzeit pro Tag. Jede/r vierte BewohnerIn dort ist ein Kind. Es gibt auch zahlreiche Menschen mit Behin-derung. Die Flüchtlinge können die Insel nicht verlassen. Sie kommen überhaupt nicht auf die Fähren. Die Perspektiv-losigkeit zermürbt sie.

Das ganze Interview ist hier.

Taufe – anders als ersehnt

Hier hat er unterschiedliche religiöse Traditionen und  Aktivitäten kennengelernt. Er interessiert sich für Philosophie, Spiritualität und Religion. Das führt ihn zu einem Glaubenskurs in einer katholischen Gemeinde. Über ein Jahr geht er jede Woche zu den Treffen. Sein Interesse ist so groß, daß er einen Ordensangehörigen findet, der jede Woche mit ihm die Themen vertieft. Zwei bis drei Stunden sitzen sie beisammen. Wie er das schafft neben seinen beruflichen Aktivitäten, mit denen er die Familie in der Heimat unterstützt? Jeden Tag sammelt er viele Stunden Pfandflaschen. Nur sonntags nicht. Der Sonntag muß frei bleiben.

Am Ende des Kurses hat er den Wunsch getauft zu werden: Katholisch. Die katholische Kirche mit ihren Ritualen spricht ihn mehr an. Aber er findet keinen Priester, der ihn, der ohne Papiere ist, taufen würde.

Durch einen Freund kommt er in Kontakt mit einem evangelischen Pfarrer. Der erkennt den katholischen Glaubenskurs als Tauf-vorbereitung an und tauft ihn, auch ohne Papiere, was ihn freut. Er wird in den folgenden Jahren regelmäßig die Gottesdienste dieses Pfarrers besuchen. Aber der Stachel bleibt: Daß er nicht so frei war in der Wahl wie jeder andere.

Gleich nebenan … (11)

… einen Klick weiter findet man die Geschichte von der jeder träumt, der sich aus einem armen Land auf den Weg nach Europa macht: Der Traum von Erfolg, sozialem Aufstieg und der Möglichkeit die in der Heimat lebenden Verwandten zu unterstützen.

Als 14jähriger kam Van Tuyen Pham als unbegleiteter Jugendlicher aus Vietnam nach Deutschland. Letzte Woche hat er in zentraler Lage in Berlin sein sechstes Restaurant eröffnet. Er konnte seinem Vater ein Haus bauen und unterstützt mehrere Sozialprojekte in Vietnam:

Es sind die von den Auswanderern finanzierten Häuser, die bis heute junge Zentralvietnamesen motivieren, sich auf den gefährlichen Weg nach Europa zu machen. Polizei und einzelne Medien behaupten oft, sie kämen, weil ihnen Schlepperorganisationen falsche Versprechungen machen würden. Aber für Pham war die Schlepperbande nur ein Mittel zum Zweck, ohne sie wäre er nicht in die hochge-rüstete Festung Europa gekommen. Und Versprechen von Schlepperbanden würden in Zentralvietnam nicht ver-fangen, gäbe es die von Auswanderern finanzierten schicken Häuser nicht. Dass nicht jeder Zentralvietnamese so eine Erfolgsgeschichte wie Van Tuyem Pham schreibt, dass andere von Schlepperbanden oder hier lebenden Landsleuten ausgebeutet werden, dass Frauen ihre Schlepperkosten sogar in der Prostitution abzahlen müssen, ist allerdings etwas, was man Angehörigen in Vietnam gern verschweigt…

Der ganze Artikel aus dem Berlin-Teil der taz ist hier zu finden.

Wer mehr über die Lebenswelt der Vietnamesen in Deutschland  wissen möchte, dem sei der Roman  die neuen Leiden des Mädchens Kieu von Stephan Täubner empfohlen.

Danke Gott und Rote Kreuz

Regelmäßig bekommt er bei den Maltesern die Medikamente, die er für seine eine Niere, die er noch hat, benötigt. In der letzten Zeit hat er immer wieder starke Nierenschmerzen. Untersuchungen haben gezeigt, daß er mehrere Nierensteine hat. Das kennt er seit vielen Jahren. 

Für diese Behandlung haben die Malteser keine Möglichkeiten und ihm geholfen mit ihren Kontakten zum Roten Kreuz. Dort gibt es in Kürze einen Platz für ihn, und die Nierensteine werden mit Laser zertrümmert. Als er das erzählt, endet er mit den Worten: Danke Gott und Rote Kreuz.

Zum Weiterlesen:
Apotheken-Glück
Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung
Arztmobil der Caritas

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