Hier ist er ein NIEMAND. NIEMAND ist in einem der zwanzig ärmsten Länder der Erde geboren. Armut und Korruption beherrschen das Leben in seinem Land. Keine Zukunftsperspektive. Die Großfamilie sammelt Geld und verschuldet sich. Er schafft es – wie auch immer – nach Europa, nach Deutschland.
Er will arbeiten. Die Familie hat große Erwartungen. Europa ist reich. Da wird es einer, der arbeiten will und kann doch schaffen. NIEMAND erhält kein Bleiberecht. Armut und Familienkonflikte, die er im Verfahren angibt, zählen nicht.
So versucht er sich durchzuschlagen. Er lernt schnell die Landessprache, nimmt unterschiedliche Jobs auf Baustellen, Restaurants und im Sicherheitsgewerbe an – alle minimal bezahlt.
NIEMAND lernt eine deutsche Frau kennen. Die beiden verlieben sich und wollen heiraten. Dafür braucht er Papiere. Einen Reisepaß hat er nicht mehr. Unterwegs verloren, weggeworfen oder Schleusern gegeben.
NIEMAND geht zur Botschaft seines Landes. Sie machen ihm deutlich, dass sie ihm nicht helfen werden. Ist er überhaupt Bürger ihres Landes? Dafür müßte er über seine Verwandten im Heimatland Belege beibringen. Das Procedere um diese Belege zu erhalten läuft über die Behörden seines Geburtslandes und die Botschaft.
Die Behörden des Heimatlandes senden die erforderlichen Dokumente nur, wenn durch die Botschaft anerkannt ist, daß er ein Bürger dieses Landes ist …
Seine Partnerin ist schwanger. Er lernt: Der Vater eines deutschen Kindes kann nicht abgeschoben werden – zumindest bis das Kind volljährig ist.
Deutschland: Für ihn ein Niemandsland
Der Titel dieses Blogposts ist vom Wort desTages bei Frau Wildgans inspiriert.