Und raus bist du: Fehler im System Krankenversicherung

Er sah immer schlechter aus über Wochen und Monate. Er war dauernd müde und schlapp und wurde immer dünner. Freunde und Bekannte waren besorgt und bedrängten ihn, endlich zum Arzt zu gehen. Er traute sich nicht, denn schon viele Jahre hatte er keine Krankenversicherung mehr. Als Künstler war er irgendwann ausgestiegen als das noch ging – also vor 2009 – weil er sich die Beiträge nicht mehr leisten konnte und zwar bei einer der großen gesetzlichen Krankenkassen. Die Beiträge für Freiberufler werden nämlich nicht wie bei Angestellten von der tatsächlichen Einkommenshöhe bemessen. Immer wieder hatte er sich anonym bei seiner ehemaligen Krankenkasse erkundigt, unter welchen Bedingungen er zurückkehren könnte. Er hätte die Beiträge von fünf Jahren nachzahlen müssen. Das hätte sich auf etwa 35 000 Euronen summiert.

Irgendwann ging er dann doch zum Arzt und ins Krankenhaus. Diagnose und Operationen. Allerdings hatte der Krebs schon gestreut und andere Organe angegriffen. Die Clearingstelle wurde eingeschaltet um ihn wieder ins System zurückzubringen. Jetzt ist er wieder im System, und solange er noch lebt, zahlt er 50 Euro Monatsbeitrag von seiner kleinen Rente. Die hätte er sich auch schon früher leisten können. Nächste Woche beginnt die Suche nach einem Platz im Hospiz für die letzte Lebensphase.