In einer Nacht gegen drei Uhr klingelt es: Sie steht vor der Tür: Eine schwarze Frau, hochschwanger mit einem etwa fünfjährigen Mädchen an der Hand. Ein paar Tage später ist klar, dass sie im achten Monat ist. In einem Krankenhaus wird sie anonym gebären können. „Wenn es soweit ist, bringen Sie sie zu uns. Wir entbinden sie.“
Über Lampedusa sind die beiden gekommen. Wie lange sie wohl unterwegs waren? Fast dreitausend Kilometer. Das kleine Mädchen versteht etwas englisch und spricht flüssig italienisch. Das Kind schreit jede Nacht im Schlaf. Mehrmals.
In einer anderen Nacht: Die Afrikanerin biegt sich unter Schmerzen. Sie hat heftige Blutungen. Es geht nicht ohne Notarzt. „Sie können sie ins XY-Krankenhaus bringen. Dort gibt es einen Platz für sie.“ Der Notarzt schaut verständnislos und schüttelt den Kopf:
Ein Jahr später bei einem Besuch im XY-Krankenhaus wird klar, warum der Notarzt verständnislos den Kopf schüttelte: Es gibt dort keine geburtshilfliche Abteilung.