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Portugiesisch wird als die freundlichste Sprache der Welt empfunden

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Nur 7 Prozent bezeichnen Deutsch als besonders freundlich.

Apud optimum amicum – bloß bei welchem?

Von Lajos Adamik, Inscriptiones Alborum Amicorum

Aus dem umfangreichen Stammbuch des Pfarrers und Lyrikers Bohuslav Tablic[1] (sk.wikipedia; BLKÖ; Digitalisat der Handschrift: DIKDA) hatte bereits Albert Prazák einige Einträge veröffentlicht (Studentský památník Bohuslava Tablice, in: Bratislava 2 [1928], 204-206, schlechter Scan bei GoogleBooks, guter Scan, allerdings mit den recht lästigen Wasserzeichen, bei DIKDA), Rudo Brtán wertete es in seiner grundlegenden Monografie (Bohuslav Tablic: život a dielo, Bratislava, 1974, DIKDA) umfassend aus, um Tablics Wege und Kontakte vor, während und nach dem Jenaer Studium zu rekonstruieren – doch um einen Eintrag machten beide Autoren, bewusst oder unbewusst, einen weiten Bogen.  Wenige Tage vor Tablics Aufbruch zur Rückreise in die Heimat – am 9. September 1792 war er noch in Jena, am 11. bereits in Halle, am 24. in Prag und am 11. Oktober in Preßburg – verewigte sich der  Landsmann Johann Karats mit einem Zitat aus Ovid im Stammbuch (Bl. 191v, DIKDA; IAA, 16827). Allerdings widmete er seine Worte nicht dem Eigentümer, sondern ihrem gemeinsamen Landsmann und Mitstudenten Johann (Samuel) Hauser, der seinen Namen an anderer Stelle ins Stammbuch gesetzt hatte (IAA, 16794). Während Tablic und Hauser das Studium bereits hinter sich hatten – beide hatten sich am 23. April 1790 in Jena immatrikulieren lassen (THULB JENA) und verbrachten dort nach eigener Aussage zweieinhalb Jahre (Ordinationscurriculum Hauser: „duos annos et six mensis”, Hungaricana; Tablic: „exactis annis duobus et dimidio”, Hungaricana) –, hat es für Karats gerade erst begonnen (immatr. 30.04.1792, THULB JENA; er wurde schließlich reformierter Pfarrer in Nagyrév).
Kartats’ offensichtliche Verwechslung des Adressaten steht exemplarisch für die Spontaneität und Flüchtigkeit, die so viele Stammbucheinträge, bedingt allein schon durch das kleine Format, auszeichnet. Während solche, für den privaten Gebrauch angelegte  Gedenkbücher in erstaunlich großer Zahl auf uns gekommen sind und seit mehr als zwei Jahrhunderten gesammelt und erforscht werden,[2] können wir uns den Schreibakt selbst, vorbereitet durch die wie auch immer höfliche Aufforderung, nur vage vorstellen, denn an Beschreibungen solcher, eben der Flüchtigkeit verpflichteten Situationen fehlt es, soweit ich das übersehen kann, weitgehend.
Versuchen wir uns also jene Situation auszumalen: Zwei Jenaer Studenten kurz vor der Heimreise, ein dritter, erst seit kurzer Zeit dazu Gestoßener, in einer Bierstube sitzend, ihre Stammbücher, um Einträge bittend, herumreichend; die Zahl der geleerten Krüge trägt nicht unerheblich zum Rausch des feierlichen Augenblicks bei. Hauser… Tablicz… Karats… wessen Büchlein liegt gerade vor mir, wem tue ich gerade einen netten Spruch, eine freundschaftliche Widmung eintragen? Dass solche Alba weder von Hauser noch von Karats auf uns gekommen sind, braucht uns hier nicht zu stören, denn die Zahl der verschollenen Exemplare der Gattung dürfte, wenn vielleicht nicht so hoch wie der erhaltenen, immer noch ziemlich hoch sein; auf jeden Fall ist sie eine Dunkelziffer.
Laut KI könnte jene Schreibsituation so ausgesehen haben:

So oder ähnlich, oder vielleicht doch ganz anders?

***

In Tablic’ Stammbuch mit über dreihundert, zwischen 1789 und 1820 entstandenen Einträgen gibt es neben dem von Johann Karats noch einen zweiten, dieses Mal auch von Brtán zitierten Eintrag, der streng genommen aus dem Rahmen fällt. Auf der letzten beschriebenen Seite ergänzte ein Neffe des Halters, Samuel Tablic, den Eintrag des Pfarrers Georg Jozeffy und dessen Ovid entnommenes Motto (IAA, 16868) um ein Distichon aus Ovids Elegie auf den Tod des Tibull sowie um ein Chronostichon. Das tat er genau fünf Jahre nach dem Tod seines Onkels und am Ort dessen Wirkens, in Egyházmarót (slow. Kostolné Moravce, heute Teil von Hontmarót/Hontianske Moravce), wie er das selbst vermerkt („haec gratia memorae apposuit patruo suo defuncto … mortem lugens Die et anno quo obiit”). Brtán geht auf die Person des Neffen nicht weiter ein, weiß nur zu berichten (a. a. O., S. 101), dass er eine Zeit lang das Stammbuch besessen habe sowie dass sein Onkel in seinen letzten Lebensjahren sich um ihn, den Juristen in Preßburg, um einen weiteren Neffen Andreas sowie die [früh verwitwete] Schwester und deren Kinder kümmerte (Brtán, S. 253).
Brtáns Hinweis auf Preßburg bestätigt unsere Vermutung, den Neffen im zeitweisen Besitz des Stammbuchs mit dem 1807 in Szerencs geborenen Mitglied der Familie Tablic (nach älteren Schreibweisen Tablicz, Tablitz, Tablich, Tablics) identifizieren zu dürfen, der ab 1827 am Lyzeum Preßburg[3] und ab 1828 am Lyzeum von Eperjes (slow. Presov) studierte (Matrikel Preßburg, hrsg. v. A. Durovics u. V. Keresztes, MTAK.HU, Nr. 5425;  Matrikel Eperjes, hrsg. v. A. Durovics u. P. Kónya, MTAK.HU, Nr. 2002) und sich in Korpona (slow. Krupina), nur 4 bayerische Meilen von Egyházmarót entfernt, niederließ, wo er als Fiskal tätig war und 1854 aus dem Leben schied (Sterbeeintrag FamilySearch). Eine umfassende Ahnentafel der Sippe ist mir nicht bekannt, doch lassen sich die verwandtschaftlichen Beziehungen aus den im 18. Jahrhundert zumindest bis zum Toleranzedikt Josephs II. oft recht lückenhaften, wenn überhaupt vorhandenen Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinden des historischen Ungarns mit einiger Mühe rekonstruieren. Bohuslavs Vater Martin, der zuletzt in Csővár als Schulleiter wirkte, stammte aus Losonctamási (slow. Tomášovce, Taufeintrag 5. Nov. 1736, FS). Ein Matthäus/Matej Tablicz erscheint dort bereits 1713 mit seinem Heirat im Kirchenbuch (FS), das vom Pfarrer Johann Lowczani (nach moderner Schreibweise: Lovcan bzw. Lovcsány, s. sein Ordinationscurriculum, Hungaricana) nach einem von ihm eingeführten, teilweise recht ausgeklügelten System geführt wurde (s. seine Erklärungen dazu, FS). In welchem Verhältnis dieser Matthäus, der bei der Konskription 1718 als Dorfrichter des benachbarten Videfalva (slow. Vidiná) erscheint (mnl.gov.hu), zum Großvater Michael des Stammbuchhalters stand, konnte ich nicht feststellen. Nach 1760 jedenfalls tauchen bereits die ersten Nachkommen der beiden „Urväter” mit ihren Ehen und Kindern im Kirchenbuch von Losonctamási auf. Der Neffe Samuel war demnach Enkelssohn von Martins Bruder Stephan (*1739, FS). Dieser ließ sich um 1760 in Egyházasdengeleg nieder, heiratete dort 1766 die verwitwete Susanna Zatroch, und 1767 kam ihr Sohn Samuel zur Welt. Ab 1772 finden wir das Ehepaar bereits im katholischen Kirchenbuch des nahegelegenen Heréd mit drei weiteren Nachkommen. Eine wohl dort geborene, im Kirchenbuch nicht belegte Tochter Barbara heiratete 1802 in Aszód. Dieser Eheschließung verdanken wir die einzige Erwähnung des Stephan Tablitz in einer modernen Quelle, in einer Analyse der Bräuche und Lebensverhältnisse Aszóder Lutheraner zwischen 1776-1812 aufgrund der Kirchenbücher (Detre János, Az Aszódon élő evangélikusok szokásai és körülményei az anyakönyvek alapján 1776-1812 között, in der Festschrift István Asztalos, S. 205 (Arcanum, Paywall). Die Nennung der Eltern und des Herkunftsortes Heréd im entsprechenden Trauungseintrag (FS, Eintrag Michael Königer – Barbara Tablitz) ist mehr oder weniger die einzige solche in unserem Kontext. In den Kirchenbüchern von Szirák, Heréd und Szerencs fehlen solche Informationen weitgehend. Doch nur so, über die Migrationswege Losonctamási – Szirák – Heréd – Szerencs lässt sich jene im Nachtrag zum Stammbuch genannte verwandtschaftliche Beziehung erklären. Dessen Autor, der Korponaer Fiskal, war der Enkel von Michaels Sohn Stephan und Sohn von Stephans Sohn Samuel, der 1800 in Szerencs heiratete und dort 1824 verstarb. Das dabei angegebene Lebensalter von 55 Jahren (FS) entspricht in etwa dem Geburtsjahr 1767. Sein 1807 geborener Sohn Samuel (FS) war demnach Bohuslavs Neffe 2. Grades, ebenso wie sein Cousin Andreas, 1808 als Sohn des 1776 geborenen Johann und Enkel von Urvater Michaels 1751 geborenem Sohn Andreas in Losonctamási geboren (FS). Dieser zweite Neffe 2. Grades des berühmten Bohuslav heiratete 1832 die adelige Anna Gyurgyik von Folkusfalva (FS) und ließ sich mit ihr ebenfalls in Korpona nieder, wo Onkel Bohuslav einst für zwei Häuser die Miete gezahlt hatte (Konskription 1828, AOL, Nr. 576).
Beachtenswert in dieser Familiengeschichte ist die teilweise große Mobilität ihrer Mitglieder: Das nach 150 Jahren Osmanenherrschaft über weite Strecken verheerte Niederungarn wurde ja neben den sog. Donauschwaben durch Siedler aus dem damaligen Oberungarn, der heutigen Slowakei, neubevölkert. Diese klassische, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Arbeitsmigration setzte sich bis in das frühe 19. Jahrhundert und noch darüber hinaus fort. Beeindruckend ist auch, um bei den Tablic zu bleiben,  der immer wieder erfolgreiche Aufstieg der Kinder von Bauern und Handwerkern über den Bildungsweg zu respektierten Personen innerhalb ihrer Gemeinden. Neben Andreas studierte noch ein weiterer Sohn von Johann Tablicz, Martin, in Preßburg (Matrikel Nr. 4893). Laut Matrikel ging er anschließend zum Militär („militia nomen dedit”). Ob er das wirklich tat, und wenn ja, wann und wo, konnte ich nicht eruieren.

Bohuslav Tablics Wirkungsorte im Vergleich mit den Lebensorten der anderen Familienmitglieder:

Die Stammesfolge von Michael Tablicz’ hier erwähnten Söhnen, Enkeln und Urenkeln, von KI kunstvoll dargestellt:

Bei Familysearch habe ich den bereits vorhandenen, recht lückenhaften Stammbaum von Stephan Tablicz um die hier gewonnenen Daten ergänzt (FS).

[1] Die slowakische Nationalbibliothek hat drei Handschriften des Autors Bohuslav Tablic digitalisiert: Umĕnj Básnjřské, DIKDA, Pamatné přjhody Štěpana Pilarjka, DIKDA, Anglické múzy w česko-slowenském oděwu, DIKDA.

[2] „Sennovitz in Eperjes hat mir Elias Hellners Stammbuch, von welchem ich Ihnen einst schrieb, gestern zugeschickt. Hellners Sohn war so gütig, es ihm für mich zu leihen, aber es ist ihm um keinen Preis feil”, schreibt Ferenc Kazinczy am 7.11.1810 an Georg Karl Rumy (kritische Online-Edition seiner Werke, deba.unideb.hu). In Ungarn war er einer der ersten, der den historischen Wert der Gattung erkannte und Stammbücher zu sammeln begann. – Im Repertorium Alborum Amicorum sind heute mehr als 30.000 Stammbücher erfasst.

[3] Onkel Bohuslav, sein Vater Martin sowie sein Neffe Andreas studierten ebenfalls in Preßburg (Nr. 2465, Nr. 1152 u. Nr. 5340 in der Matrikeledition).

Identitätswechsel durch Crossdressing

WHD erinnert an den Fall der 1477 wegen Sodomie bei Speyer im Rhein ertränkten Katharina Hetzeldorfer.

Natürlich mit Paywall legt der Spiegel den Akzent auf einen reißerischen Aspekt: „Die Nürnbergerin Katherina Hetzeldorfer gab sich als Kerl aus, mit einem roten Dildo verführte sie Frauen in Speyer. Bis ihr das 1477 zum Verhängnis wurde.“

Die maßgebliche deutschsprachige Darstellung von Helmut Puff 1999 ist kostenlos verfügbar:

https://www.researchgate.net/publication/271085885_Weibliche_Sodomie

Absurderweise erschien die Hetzeldorfer in der Wikipedia als Opfer der Hexenverfolgung:

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Katherina_Hetzeldorfer&oldid=265759565

Weitere Fälle zum Crossdressing:

https://www.dhm.de/blog/2021/02/02/identitaetswechsel-durch-crossdressing/

Siegelmissbrauch und Siegelfälschung im Mittelalter untersucht an den Urkunden der Erzbischöfe von Trier

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0128-1-124313

Sonderdruck aus der Westdeutschen Zeitschrift 1911.

Über Siegelfälschungen:

https://opac.regesta-imperii.de/lang_de/suche.php?qs=Siegelf%C3%A4lschung*&ts=&ps=&tags=&sprache=&objektart=alle&pagesize=20&sortierung=d&ejahr=

https://opac.regesta-imperii.de/lang_de/suche.php?qs=Siegel*+f%C3%A4lschung*&ts=&ps=&tags=&sprache=&objektart=alle&pagesize=20&sortierung=d&ejahr=

Acht: Aus der Werkstatt mittelalterlicher Siegelfälscher, 1958

Bresslau: Handbuch der Urkundenlehre 1, 1889, S. 972ff.

Fälschungen in Archivalia:

https://archivalia.hypotheses.org/9580

#sphragistik

HLA lässt Bild mit KI erstellen und klebt sein (c) dran – lupenreines Copyfraud

https://landesarchiv.hessen.de/geschichte-erleben/publikationen/newsletterausgaben/newsletter-2026-04/tatortdokumentation

KI-Bilder sind urheberrechtlich nicht geschützt!

Digitale Sammlung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg: mangelhaft

Schreg schreibt: ” https://www.alm-konstanz.de/digital
leider mit den üblichen Schwächen:

keine Angabe über die Handhabung der Nutzungsrechte (keine CC-Lizenzierung)
keine genaue Fundsortangaben
keine Normdaten
keine Permalinks
keine zuverlässige Suche”

Ein Inkunabelexemplar aus der Wigan Free Public Library

Hans Rudolph hat mir erlaubt, den folgenden Text hier zu veröffentlichen.

Früher Inkunabel-Druck aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas
Platea: Opus Restitutionum Usurarum et Excommunicationum
Druck bei Johann Manthen / Johann von Köln, Venedig 25. März 1474 – GW M00828

Dieser in Venedig gedruckte Band entstand nur zwanzig Jahre nach der Gutenberg-Bibel, dem ersten mit beweglichen Lettern gedruckten Buch, und 18 Jahre vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.
Der Band weist auf dem Vorsatz ein ex-libris der Wigan Free Public Library, Wigan County, Greater Manchester (Nordwest-England) auf, deren Altbestand in einer Auktion des Hauses Bonhams am 2. Oktober 2012 ohne Provenienzangabe verkauft wurde. Der vorliegende Band – Lot 196 – erzielte dabei den Preis von GBP 1.173. Der Verfasser konnte ihn im Februar 2013 bei einer Auktion des deutschen Auktionshauses Peter Kiefer in Pforzheim zum Preis von EUR 2.577 erwerben.
In seinem Artikel „Wigan Public Library: Altbestand 2012 verscherbelt“, erschienen im Webblog „Kulturgut“ unter Über Bibliotheken, abgelegt am 28. März 2014, [Link] berichtet der renommierte Bibliothekar und Archivar Dr. Klaus Graf über dieses erneute Beispiel der heimlichen Zerstörung einer gewachsenen Sammlung alter Drucke. Anhand seiner Angaben konnten die Details zur Auktion bei Bonham’s [1] ermittelt werden.
Der zweispaltige, 40-zeilige Druck in gotischer Schrifttype auf 150 beidseitig bedruckten Blättern im Quart-Format weist am Anfang der drei Buchteile jeweils sechszeilige Spatien (=Leerstellen) – am Kapitelanfang dreizeilig – mit eingedruckten Kleinbuchstaben auf, die für den Rubrikator Platz lassen für die dort einzumalenden farbigen Initialen, die jedoch im vorliegenden Band nicht vorhanden sind.
Es fehlen lediglich die Blätter 119 und 120 (M5+M6) sowie am Ende zwei Leerblätter.

Diese frühe Inkunabel ist über den KVK nur in vier deutschen Bibliotheken nachgewiesen.

Der unten abgebildete Kolophon benennt die Drucker Johann von Köln und Johann Manthen aus Gerresheim, den Druckort Venedig und die tagesgenaue Fertigstellung am 25. März 1474.

Dieser Druck besitzt – wie damals üblich – weder eine Titelseite, noch eine Foliierung (Blattzählung) oder Paginierung (Seitenzählung); lediglich Kustoden sind vorhanden (=Bezeichnung für die in der rechten unteren Ecke der Seite angebrachte Angabe der Anfangssilbe oder des ersten Worts der Folgeseite zur Sicherstellung der korrekten Seitenreihenfolge beim Buchbinden).

Die erste und zweite Ausgabe dieses Werkes druckte Bartholomäus von Cremona im Jahre 1472, ebenfalls 1474 erschien das Werk in Köln bei Johannes Koelhoff, einem Drucker aus Lübeck.

Verfasser ist Fra Francesco Piazza oder Platea, ein Franziskaner-Mönch und Doktor beider Rechte, Professor an der Universität Bologna/Italien und ein zu seiner Zeit bekannter und bedeutender Kanzelredner; im Auftrag Eugens IV. sammelte er in Italien Gelder für den Krieg gegen die Türken. Das Geburtsjahr ist unbekannt, er starb 1460.

Das kirchenrechtliche Werk behandelt in seinen drei Traktaten unter anderem Zinsfragen, geldwirtschaftliche Probleme und Wucher. Es ist somit eines der frühesten gedruckten Bücher zu national-ökonomischen Themen.

Der umfangreichste erste Teil – „De Restitutiones“ -, der etwa die Hälfte des Gesamtumfangs ausmacht, handelt von der Rückgabe unerlaubter Einkünfte und Gewinne. Außerdem werden kommerzielle Transaktionen unter einer Vielfalt rechtlich unterschiedlicher Umstände abgehandelt, wie zum Beispiel die gleichzeitigen Ansprüche zweier Gläubiger auf das Gut eines einzelnen Schuldners.

Der zweite Teil – „De Usura“ – beschäftigt sich mit Wucher, welcher – wie überall im kanonischen Recht – sich nicht nur auf hohe Zinsen, sondern auf Zinsen im Allgemeinen bezieht. Platea geht bezüglich seiner Verdammung von Wucher völlig konform mit der kirchlichen Autorität.

Der letzte Traktat „De Excommunictiones“ handelt vom rechtlichen Ausschluss von Straftätern von den Rechten und Privilegien der christlichen Gemeinschaft. Er beschreibt dort u.a. sieben Beispiele zur Verfälschung päpstlicher Dokumente, was in jedem Fall zur Exkommunikation führt. Außerdem lässt er sich aus über die Beurteilung der Moral einer Person, die einen fehlgeschlagenen Mordversuch in Auftrag gegeben hat, und er verdammt die Inquisitoren dafür, dass sie Geld erpressen von Personen, die als Ketzer verdächtig werden.
+++++++++++

Der vorliegende Band wurde in der Offizin des Johann von Köln und dem aus Gerresheim bei Düsseldorf stammenden Johann Manthen gedruckt, die als Drucker und Verleger in Venedig tätig waren.
Die Werkstatt gehörte zunächst Johann von Speyer, dem ersten deutschen Drucker in Venedig, der 1469 verstorben war. Das Druckprivileg aus demselben Jahr wurde nicht auf seinen Bruder Wendelin übertragen, der die Druckerei bis 1473 weiterführte und neben lateinischen Werken auch schon italienische druckte. Wegen finanzieller Probleme musste Wendelin das Unternehmen dem Johann von Köln und Johann Manthen überlassen, der vorher Mitarbeiter Johanns und Wendelins gewesen war.

Johann von Köln (Johannes de Colonia Agrippinensi), gestorben 1480, verließ wie so viele andere deutsche Drucker der damaligen Zeit seine Vaterstadt, um im europäischen Wirtschaftszentrum Venedig Buchdruckerpressen zu errichten.

Als erste deutsche Buchdrucker in Italien gelten Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz, die vermutlich im Sommer oder Herbst 1467 am römischen Campo de’ Fiori zu drucken begannen.

Das Geburtsjahr des Johannes von Köln ist ebenso unbekannt wie Einzelheiten über sein Leben. Seinen Druckernamen jedoch entnahm er nach der damaligen Gewohnheit von seiner Vaterstadt. Im Jahr 1472 druckte er in Gesellschaft Wendels von Speyer „Plauti Comoediae“ (erster Druck eventuell schon 1471). Doch dauerte dieser gemeinsame Geschäftsbetrieb nur bis 1473. Danach verband er sich – mit Unterbrechungen bis 1479 – mit Johann Manthen de Gerretzhem als Geschäftspartner.

Johann Manthen von Gerretzhem (gestorben 1487) stammte aus dem jetzt zu Düsseldorf gehörenden Stadtteil Gerresheim, wo auch eine Straße nach ihm benannt ist. Der Verfasser hat dort seine Jugend verbracht.

Manthen heiratete 1474 die Witwe des Johannes von Speyer. Aus demselben Jahr stammt sein (in Venedig archiviertes) Testament.

Die letzte Buchausgabe mit seinem Geschäftspartner Johannes von Köln datiert auf 1480. Später war er Teilhaber an einer Druckerei, der auch der berühmte Drucker Nicolas Jenson angehörte (bis 1482).

Manthen hinterließ eine größere Summe Geldes mit der Maßgabe, davon in mehreren Kirchen in Venedig und in seiner Heimatstadt Gerresheim Messen für sein Seelenheil lesen zu lassen.

Eine Anfrage an das Stadtarchiv Düsseldorf, ob die Messstiftung des Johann Manthen in den dort noch vorhandenen Dokumenten nachweisbar ist, blieb leider ohne Antwort.

Quelle:
englischer Angebotstext zur Ausgabe 1477 der London International Antiquarian Book Fair, Olympia 2015)
Angebotsbeschreibung Auktion Sotheby’s London Los 53 vom 24 Mai 2016
Allgemeine Deutsche Biographie – Band 14: Jetzer-Kähler, Leipzig 1881, Seite 461ff.
Der Buchdrucker Johannes Manthen von Gerresheim in Venedig, 1474 – 1484.
Wirtz, Carolin. (2007) – In: Düsseldorfer Jahrbuch Bd. 77 (2007) S. 17-41

Bad Wimpfen, im Februar 2018 überarbeitet März 2026
Hans Rudolph

[1] PLATEA (FRANCISCUS DE): Opus restitutionum, usurarum, excommunicationum, 148 leaves (of 152, lacking ?M5-6, and final 2 blanks), 40 lines, Gothic type, double column, capital spaces with guide letters, colophon leaf repaired with some loss to lower margin, single wormhole to opening leaves, some dampstaining, blindstamp on title and final leaf, modern quarter morocco over early wooden boards, straps and clasps [ISTC ip00755000; BMC V 225; BSB-Ink P-554; Goff P755; GW M00828; HC 13038*; IGI 7842], 4to 215 x 162mm.), [Venice, Johannes de Colonia and Johannes Manthen, 25 March 1474]
Lot 196•
Early Printing and English Books to 1640
2 October 2012, 14:00 BST
London, Knightsbridge
https://www.bonhams.com/auction/20412/lot/196/platea-franciscus-de-opus-restitutionum-usurarum-excommunicationum-venice-1474/

#inkunabel

Hauschronik der Grafen von Zollern (Bayreuther Exemplar)

http://digital.bib-bvb.de/webclient/DeliveryManager?custom_att_2=simple_viewer&pid=22107702

Siehe dazu https://archivalia.hypotheses.org/97818 (zu Cod. 69)

#fnzhss

Die Frau im spätmittelalterlichen Schwäbisch Gmünd

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Zeitungs-Beitrag von mir, den ich wohl in den 1980er Jahren zu einem 1. April aus einer alten Gmünder Zeitung gefischt hatte und der einem Industrieabwasserfisch galt. Stattdessen fand ich einen anderen Artikel:

Klaus Graf: “…ihre Haarzöpfe abgeschnitten”. Die Frau im spätmittelalterlichen Gmünd. In: Rems-Zeitung vom 27.7.1983, Nr. 170, S. 10.
Online (Scan): https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Graf_frau_spaetmittelalterliches_schwaebisch_gmuend.pdf

Dazu auch die Stadtgeschichte 1984: https://doi.org/10.11588/diglit.42374#0164

PDF-Zustellung verboten

„Inzwischen lassen die Email-Server einiger Institutionen (ua. auch des Pommerschen Kirchenkreises!) keine PDF-Formate mehr passieren, so dass unsere Rundmails für Nutzer entsprechender Accounts blockiert werden. Wir bitten alle Empfänger unserer Rundmails um die Mitteilung einer Email-Adresse, die das PDF-Format weiterhin zulässt. Damit ersparen wir uns ständige Soft-ware-Erneuerungen, an denen nur findige Software-Hersteller verdienen. Die angebliche Sicherheitserhöhung ist nach unserer Erfahrung eine Legende.“
Rundbrief der AG für pommersche Kirchengeschichte

Mystik-Handschrift mgo 69 online

https://handschriftencensus.de/9197 mit Link zum Digitalisat.

Mit Familiennotizen Daniel Sudermanns und einer Überlieferung der Allegorie „Es ist ein hoher Berg“, https://archivalia.hypotheses.org/10460