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Mittwoch, 10. April 2019

Rezension: Ich gehöre ihm von Angela Gilges

Titel: Ich gehöre ihm
Autorin: Angela Gilges
Seitenanzahl: 304 Seiten
Genre: Jugendbuch ab 14
Reihe: Nein
Preis: 9,00 EUR
ISBN: 978-3-8415-0571-2
Verlag: Oetinger

Erschienen am 01.02.2019
www.oetinger.de

Klappentext:

Caro ist eine 15-Jährige mit den klassischen Unsicherheiten der Pubertät. Und die weiß einer auszunutzen: Nick. Erst trägt er seine »Prinzessin« auf Händen, dann mitten in den Teufelskreis aus Manipulation und Abhängigkeit. Man möchte »Stop!« schreien, wenn Ich-Erzählerin Caro morgens zur Schule, nachmittags auf den Straßenstrich und abends zu den ahnungslosen Eltern geht. Wenn »Loverboy« Nick sie immer wieder um den Finger wickelt. Findet sie einen Ausweg aus dieser Situation?

Meine Meinung:

Mir ist das Buch zuerst im Buchladen aufgefallen, denn ich habe wirklich geglaubt, dass jemand auf dem Cover herumgekritzelt hat. Als es dann eine Leserunde gab, habe ich mich neugierig angeschlossen. Zwangsprostitution ist mir natürlich ein Begriff, aber von dem Begriff "Loverboys" hatte ich vorher noch nie direkt gehört. 

Unbedarft habe ich angefangen zu lesen. Ehrlich gesagt war ich skeptisch, denn das Buch ist gerade mal 300 Seiten dick und ist nach einer Filmvorlage geschrieben worden. Bisher mochte ich "Bücher zum Film" eher nicht, aber jeder verdient eine faire Chance. Außerdem habe ich den Film noch nicht gesehen, daher kann ich hier keinen direkten Vergleich ziehen. Vermisst habe nichts und die Autorin hat einen geschickten Weg gewählt, indem sie prekäre Szenen aus Caro's Ich-Erzählungen herausnimmt und sie von einem unabhängigen Erzähler berichten lässt.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite in den Bann gezogen. Die 15-jährige Caro lernt einen jungen Mann namens Nick kennen und lässt sich von ihm schnell um den Finger wickeln. Was vielleicht in anderen Büchern süß und romantisch ist, wirkt hier beklemmend. Da man weiß worauf es hinausläuft, war der Verlauf für mich nur schwer zu ertragen. Trotzallem bangt man doch die ganze Zeit, ob Caro den Schwindel erkennt und noch rechtzeitig den Absprung schafft. Das Geheimnis für einen echten Pageturner.

Nick schafft es nach kurzer Zeit Caro zur Prostitution zu überreden. Geschickt hält er die Zügel in der Hand. Caro geht weiterhin zur Schule und nachmittags anschaffen. Ein Teufelskreislauf, der umso tragischer ist, da Caro nichts unternimmt, und immer weiter isoliert wird. Die geschickte Masche der so genannten Loverboys, die junge, naive Mädchen in sich verliebt machen, um sie dann für sich anschaffen zulassen. 

Ich hätte nie gedacht, dass mich das Buch so mitnimmt. Mich hat Caro's Schicksal bis in meine Träume verfolgt und auch jetzt hallt die Geschichte immer noch nach. 

Der Schreibstil ist bildlich, einnehmend und gewaltig. Schonungslos wird über Vergewaltigung, Manipulation, Abhängigkeit und Gewalt berichtet. Ich brauchte manchmal regelrechte Lesepausen um das Geschehene zu verarbeiten. 

Caro's Familie die hilflos zusieht, weil sie gar nicht versteht, was mit ihrer Tochter und Schwester passiert. Niemand ahnt etwas oder will es nicht wahrhaben. 

Nach dem Ende des Buches war ich erschüttert und baff. Entsetzt darüber, dass es eine Geschichte stellvertretend für ganz viele "reale" Fälle ist. Es sind normale Mädchen, denen es passiert. Und es sind "normale" Männer, die diese jungen Prostituierten aufsuchen. Familienväter, die selbst eine 15-jährige Tochter haben. Deshalb finde ich es gut, dass das Buch auf dieses Thema aufmerksam macht und sensibilisiert. 
Vielleicht kann es junge Mädchen dazu bringen, Typen wie Nick zu durchschauen und seine ausgedachten Geschichten zu hinterfragen. Ich wäre total glücklich, wenn das passiert.

Also Leute, lest dieses Buch. Sprecht mit euren Töchtern oder kleinen Schwestern darüber. Macht euch stark und macht es Typen wie Nick nicht so leicht. Niemand der einen liebt, würde einen durch solch eine Hölle schicken. Das muss man sich immer sagen.

Fazit:

Ein wichtiges Buch, dass einem das Thema Loverboys und ihre Machenschaften näherbringt. Die Geschichte ist eindringlich und beklemmend und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Caro's Schicksal hat mich berührt und mich lange beschäftigt. Ich hoffe, dass es die Geschichte schafft, junge Mädchen zu sensibilisiseren und sie vor Typen wie Nick zu bewahren. Ich kann es daher nur weiterempfehlen. Eine Geschichte die man gelesen haben sollte, um sie mit seiner Tochter oder jüngeren Schwester zu besprechen. Von mir gibt es alle fünf Sterne, denn ich bin immer noch sprachlos.

Autorin:

Angela Gilges ist eine der Autorinnen des "Ich gehöre ihm" Fernsehfilms mit 4,43 Millionen Zuschauern im Ersten. 

♛♛♛♛♛


Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares und lovelybooks für die tolle Leserunde.


-Meine Meinung zum Buch wurde dadurch nicht beeinflusst - 



Gemäß § 2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diese Rezension als Werbung. In meinem Beitrag befindet sich (ohne kommerziellen Zweck zur reinen Information) eine Verlinkung zur Webseite des Verlags, in welchem das Buch erschienen ist. Wenn es Dich interessiert, kannst Du dort weitere Informationen zum Buch finden.

Dienstag, 8. März 2016

Rezension: Letzte Ausfahrt Ocean Beach von Carrie Arcos

Titel: Letzte Ausfahrt Ocean Beach
Autorin: Carrie Arcos
Originaltitel: Out of Reach
Seitenanzahl: 256 Seiten
Genre: Jugendbuch (ab 12 Jahren)
Reihe: Nein
Preis: 8,95 EUR
Verlag: dtv
Erschienen am 19.06.2015
www.dtv-dasjungebuch.de 

Klappentext:

Rachel muss ihren Bruder Micah wiederfinden. Unbedingt. Micah, der von Crystal Meth abhängig ist, und den sie viel zu lange gedeckt hat. Auf der Suche nach ihm durchkämmt sie zusammen mit Tyler, seinem besten Freund, das Drogenmilieu von Ocean Beach. Dabei muss sich Rachel mit ihren eigenen Geheimnissen auseinandersetzen und der großen Anziehungskraft, die Tyler auf sie ausübt, sowie mit der Möglichkeit, dass Micah vielleicht nie mehr nach Hause kommt...

Meine Meinung:

Der Unterschied zu anderen "Drogenbüchern" liegt in "Letzte Ausfahrt Ocean Beach" darin, dass hier nicht die Protagonistin das Drogenproblem hat, sondern ihr großer Bruder. Und es wird nicht seine Geschichte erzählt, sondern ihre. 
Die Grundidee ist wirklich toll. Denn die Angehörigen von Suchtpatienten werden doch meistens kaum beachtet, dabei leiden sie meistens viel mehr. In meinen Augen hätte man die Hilflosigkeit von Rachels Familie viel mehr herausheben können, aber darauf hat die Autorin größtenteils verzichtet.

Rachel erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie hat eine anonyme E-Mail erhalten, wo sich ihr verschwundener Bruder aufhalten könnte und macht sich mit seinem besten Freund Tyler auf die Suche nach ihm. Das Buch erzählt die 24-stündige Suche der beiden und aus Rückblenden erfahren wir sprunghaft wie sich Micahs Drogenproblem angebahnt hat. Dabei werden wahllos Szenen beschrieben, so wie sie Rachel gerade in den Sinn kommen. Es reicht um einen Überblick zu bekommen. Mehr muss man auch gar nicht wissen.

Trotz Ich-Perspektive wurden Rachel und ihre Gefühle für mich nicht richtig greifbar. Bezüglich der Drogensucht wirkt sie furchtbar naiv, allerdings ist sie ja auch noch jung und unerfahren. Woher soll sie es also wissen?
Man merkt, dass sich Rachel im Laufe der Zeit über Crystal Meth informiert hat. Sie hat verschiedene Theorien zu einem Suchtverhalten und wendet sich immer wieder an Gott. So fragt sie sich z.B., als sie Jesus auf dem Kreuzweg sieht, ob er auch Crystal genommen hat, so ausgemergelt wie er aussieht. Eine krasse Theorie, die erklären würde, warum er sich für Gottes Sohn hielt.
Ist Suchtverhalten vererbbar? Hätte sie etwas ändern können, wenn sie sich eher an ihre Eltern gewendet hätte? Es gibt viele Fragen, die sich Rachel stellt, als sie am Strand nach ihrem Bruder sucht.

Tyler ist ein interessanter Gegenpart. Er wirkt ziemlich reif für sein Alter und übernimmt die Rolle des Ersatzbruders. Ich mochte ihn ziemlich gern und konnte verstehen, warum Micah ihn als besten Freund gewählt hatte.
Zwar deutet der Klappentext eine Romanze zwischen Rachel und Tyler an, aber darum geht es in diesem Buch nicht. Das hätte auch irgendwie die Botschaft zerstört.
Bei der Suche treffen sie einige Personen, die die Geschichte interessanter gemacht haben. So auch Dillon. Ich fande es nur schade, dass man gar keine weitere Hintergrundinformationen zu den anderen Nebencharakteren bekommen hat. Sie haben zwar Micah alle irgendwie getroffen, aber ich hätte einfach gerne noch viel mehr über die Zusammenhänge erfahren. Aber da Rachel keine weiteren Fragen stellt, erfahren wir eben auch nichts weiter.

In der Mitte des Buches kamen leider ein paar Längen auf. Viele Aktionen und Gespräche wirkten auf mich etwas sinnlos, aber ich weiß noch nicht, ob es nicht gerade das Geniale an dem Buch ist und uns die Autorin so die Hilflosigkeit und die Hoffnungslosigkeit der Suche deutlich machen wollte.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Mir gefällt wie es die Autorin schafft, mit ihrem Geschriebenen zum Nachdenken anzuregen.

Die Bewertung fällt mir sehr schwer. Ich sage immer, nur weil ein Buch ein schwieriges Thema aufwirft (wie z.B. eine tödliche Krankheit) wird es nicht automatisch zum Bestseller. So ist es auch mit dieser Geschichte. Ich finde es toll, wie die Thesen von Rachel einen zum Nachdenken anregen (und das ist bestimmt auch der Grund, warum das Buch für einge Preise nominiert war). Jedoch fehlt mir zu viel für ein "richtig gutes Buch". Es geht mir nicht tief genug. Rachel wirkt einfach viel zu stoisch. Ich hätte mir größere Gefühle von ihr gewünscht. Ihre Dickköpfigkeit wirkte dagegen eher unpassend und nicht förderlich.
Für mich bleibt zu viel ungesagt und offen. 
Mir ist klar, dass ein richtiges Happy-End sehr unrealistisch gewesen wäre. Dazu ist Crystal Meth einfach viel zu schlimm und nur die wenigsten schaffen einen Absprung. Daher ist die Richtung, die das Ende der Geschichte einschlägt schon nicht schlecht, aber mir gefällt es persönlich nicht. Allerdings kann so ein Buch vielleicht kein Ende haben. Macht euch einfach selbst ein Bild davon.

Fazit:

In dieser Geschichte ist der Weg das Ziel. Es geht weniger darum Rachels Bruder wirklich zu finden. Sie muss lernen ihn los zulassen. Die Autorin gibt interessante Denkanstöße mit auf den Weg und man erfährt sehr viel über die Auswirkungen von Crystal Meth. Mir fehlte zwischendurch etwas der "Pepp", bzw. war nicht alles sinnvoll, doch vielleicht macht auch genau DAS die Geschichte genial. Das sollte jeder selbst entscheiden. Lesenswert ist das Buch auf jeden Fall. Von mir gibt es drei tolle neutrale Sterne.


Autorin:

13482565Carrie Arcos lebt mit ihrer Familie in Los Angeles und arbeitet als Dozentin an der Universität. ›Letzte Ausfahrt Ocean Beach‹ ist ihr erster Roman für junge Leser. (Quelle: Amazon)


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