Podcasts by Noah Willumsen
Reformationen revolutionären Wissens 1517-1917
Lecture Performance vom Theoriefestival #lutherlenin im Dezember 2017. Marie Czarnikow, Jasper Sc... more Lecture Performance vom Theoriefestival #lutherlenin im Dezember 2017. Marie Czarnikow, Jasper Schagerl, Stephan Strunz und Noah Willumsen diskutieren auf vier Schauplätzen – Martin Luthers Kleinem Katechismus, dem barocken Gesprächsspiel, dem kommunistischen Manifest und der Tagebuchbewegung des ,neuen‘ Menschen in der Sowjetunion –, wie neue Formgebungen, Medien und Formate an den Umwälzungsprozessen von Reformation und Revolution mitwirken.
"Der befragte Professor ist eine Erfindung der Fotografie"
Interview mit der Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen über Interviews, den Zeitungsausschni... more Interview mit der Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen über Interviews, den Zeitungsausschnitt und das Sammeln kleiner Formen.
Papers by Noah Willumsen

In dwelling (Wohnen) Bertolt Brecht and Heiner Müller discovered an intermediate sphere between p... more In dwelling (Wohnen) Bertolt Brecht and Heiner Müller discovered an intermediate sphere between practice and philosophy, urbanism and writ- ing, in which the aporias of capitalist society came to a head. The follow- ing essay, which introduces the articles developed in the workshop Working with Brecht and Müller: “Dwelling in the Empty Center,” calls for a dis- course-historical and theoretical revaluation of the topic in both writers’ works. First, we examine their models of dwelling, from Brecht’s concepts of “symmimetic” (mitahmend) and guest dwelling (developed in dialogue with Walter Benjamin) to Müller’s nomadic “dwelling without qualities,” and then relate them to the philosophical debates of contemporaries like Martin Heidegger and Theodor W. Adorno concerning the (im)possibility of dwelling in the twentieth century. Finally, we read the apartments envis- aged in Brecht and Müller’s texts alongside the living spaces offered by the texts themselves, as they seek to push against and beyond capitalist modes of living.
Bertolt Brecht und Heiner Müller fanden im Wohnen eine Zwischensphäre von Lebenspraxis und Philosophie, Urbanistik und Schreibarbeit, in der die Aporien kapitalistischer Gesellschaft akut wurden. Die vorliegende Einleitung zu den aus dem Workshop Baustelle Brecht/Müller: “Wohnen in der leeren Mitte” hervorgegangenen Beiträgen sucht eine diskurshistorische und theoretische Aufarbeitung des Themas bei Brecht und Müller zu initiieren. Zunächst werden die Wohnmodelle beider Autoren untersucht— von Brechts im Dialog mit Walter Benjamin entwickelten Konzepten des mitahmenden und des Gastwohnens zu Müllers nomadischem “Wohnen ohne Eigenschaften”—, um sie sodann in den philosophischen Debatten von Zeitgenossen wie Martin Heidegger und Theodor W. Adorno über die (Un-)Möglichkeit des Wohnens im zwanzigsten Jahrhundert zu verorten. Schließlich werden die in den Texten von Brecht und Müller entworfenen Wohnungen mit den von ihren Texten angebotenen Aufenthaltsräumen als Versuche gelesen, kapitalistische Wohnweisen zu überwinden.

transcript Verlag eBooks, Sep 3, 2021
Im Frühjahr 1980 befindet sich Heiner Müller in Terni, einer mittelitalienischen Industriestadt, ... more Im Frühjahr 1980 befindet sich Heiner Müller in Terni, einer mittelitalienischen Industriestadt, wo er auf Einladung von GruTeaTer und Cronaca, einem Team von sozial engagierten Dokumentaristen, an einer Konferenz teilnimmt. Im Zentrum der Diskussion steht die Pariser Kommune als Modell der »Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse,« dessen szenische und politische Brauchbarkeit untersucht werden sollen. 1 Obwohl Müller das »sehr abstrakt und sehr traditionell gedacht« findet, sind die Aktivist*innen und Künstler*innen in Terni nicht auf seine Meinung gespannt, sondern die des Stargasts Louis Althusser (W 8, 242). Die »Strategie des Kommunismus«, die er vorstellt, stößt jedoch auf Unverständnis und Betroffenheit-auch bei Müller. Unterhalb dieses offenen Dissens und durch die Serie von scheiternden Intellektuellen, der Müller den Philosophen voranstellen wird, findet allerdings unvermerkt ein Austausch statt, aus dem Müllers eigene paradoxe Strategie des Medienengagements zu Tage tritt. 2 Wie Althusser verlässt Müller die Küste des Gegebenen auf der Suche nach Inseln, wo Neues entstehen kann.

The Brecht Yearbook / Das Brecht-Jahrbuch 45
Since his death in 1956, Bertolt Brecht’s interviews have fallen into scholarly oblivion, with on... more Since his death in 1956, Bertolt Brecht’s interviews have fallen into scholarly oblivion, with only a small fraction of them reprinted in obscure appendices and abridged versions. Nevertheless, his work in this form, spanning fourteen countries, thirty years, and more than seventy conversations with newspaper and radio journalists, was connected intimately to his central theoretical, political, and literary projects. These interviews, to be collected for the first time in a new edition, are of particular importance for the years 1933–49 which Brecht spent in exile, given the access they afforded him to an otherwise often elusive audience. This article contextualizes his interview production in developments of the form during the Weimar Republic, before examining the textual practices that conditioned Brecht’s interactions with media apparatuses, his media strategy of “functional transformation,” and his elaboration of a politically potent self-narration appropriate to the form. The year 1935, in which Brecht spoke with six newspapers in Denmark, the Soviet Union, and the United States of America, provides an illuminating cross-section of these endeavors.
Nach seinem Tod 1956 gerieten die Interviews von Bertolt Brecht in akademische Vergessenheit. Nur ein Bruchteil davon wurde nachgedruckt, oft in schwer auffindbaren Anhängen und mit unvollständigen Texten. Dennoch war seine Arbeit in und an dieser Form, die sich über vierzehn Länder, dreißig Jahre und mehr als siebzig Gespräche mit Zeitungs- und Rundfunkjournalisten erstreckt, mit seinen zentralen theoretischen, politischen und literarischen Anliegen intim verbunden. Diese Interviews, die zum ersten Mal in einer neuen Edition erscheinen sollen, sind von besonderem Gewicht für die Jahre 1933–49, die Brecht im Exil verbrachte, da sie ihm Zugang zu einem sonst oft schwer erreichbaren Publikum verschafften. Dieser Beitrag verortet Brechts Interviewproduktion erst in historischen Entwicklungen der Form während der Weimarer Republik, um sich dann drei der in diesen Gesprächen maßgeblichen Faktoren zuzuwenden: die textuellen Praktiken, die Brechts Interaktionen mit Medienapparaten bedingten, seine Medienstrategie der “Umfunktionierung,” und seine Suche nach einer politisch wirkmächtigen Narration, die der Form gemäß wäre. Das Jahr 1935, in dem Brecht mit sechs Zeitungen in Dänemark, der UdSSR und den USA sprach, bietet einen aufschlussreichen Querschnitt dieser Bestrebungen.

Bertolt Brecht in Context, 2021
After the publication of Brecht's collected writings in 1967, scholars were confronted with the t... more After the publication of Brecht's collected writings in 1967, scholars were confronted with the task of publishing his oral oeuvre. In addition to private conversations, podium discussions, and deliberations in the theater, all painstakingly recorded by his collaborators, there were scores of interviews in which Brecht elaborated on his plans and practices, politics, and theories. But by 1973, as Friedrich Dieckmann noted, very few of these materials were still (or as yet) available. He recommended that future Brecht editions incorporate a volume of Conversations with Brecht, comparable to Eckermann's Conversations with Goethe. 1 The BFA did not take up this suggestion, including instead only written dialogues (generally reworked or fictional). 2 In 1975, however, Werner Hecht published a small stand-alone selection, Brecht in Conversation. 3 It covers an unusually broad range of documents, from genuine conversations to speeches and letters, and, in an appendix, five interviews. This addendum, cut from subsequent editions, remains the sole effort to collect and interpret Brecht's interviews. 4 Although others have occasionally been noted by research into the international reception of Brecht's work, for the most part they have been forgotten. Brecht is no doubt partly to blame; he cultivated a reputation for loathing interviews. He claimed to have a "fear of microphones" so profound that he "avoided talking on the phone," and Le Monde reports that he "frequently greeted prospective interviewers with the terse

Heiner Müllers KüstenLANDSCHAFTEN
Im Frühjahr 1980 befindet sich Heiner Müller in Terni, einer mittelitalienischen Industriestadt, ... more Im Frühjahr 1980 befindet sich Heiner Müller in Terni, einer mittelitalienischen Industriestadt, wo er auf Einladung von GruTeaTer und Cronaca, einem Team von sozial engagierten Dokumentaristen, an einer Konferenz teilnimmt. Im Zentrum der Diskussion steht die Pariser Kommune als Modell der »Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse,« dessen szenische und politische Brauchbarkeit untersucht werden sollen. 1 Obwohl Müller das »sehr abstrakt und sehr traditionell gedacht« findet, sind die Aktivist*innen und Künstler*innen in Terni nicht auf seine Meinung gespannt, sondern die des Stargasts Louis Althusser (W 8, 242). Die »Strategie des Kommunismus«, die er vorstellt, stößt jedoch auf Unverständnis und Betroffenheit-auch bei Müller. Unterhalb dieses offenen Dissens und durch die Serie von scheiternden Intellektuellen, der Müller den Philosophen voranstellen wird, findet allerdings unvermerkt ein Austausch statt, aus dem Müllers eigene paradoxe Strategie des Medienengagements zu Tage tritt. 2 Wie Althusser verlässt Müller die Küste des Gegebenen auf der Suche nach Inseln, wo Neues entstehen kann.
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Papers by Noah Willumsen
Bertolt Brecht und Heiner Müller fanden im Wohnen eine Zwischensphäre von Lebenspraxis und Philosophie, Urbanistik und Schreibarbeit, in der die Aporien kapitalistischer Gesellschaft akut wurden. Die vorliegende Einleitung zu den aus dem Workshop Baustelle Brecht/Müller: “Wohnen in der leeren Mitte” hervorgegangenen Beiträgen sucht eine diskurshistorische und theoretische Aufarbeitung des Themas bei Brecht und Müller zu initiieren. Zunächst werden die Wohnmodelle beider Autoren untersucht— von Brechts im Dialog mit Walter Benjamin entwickelten Konzepten des mitahmenden und des Gastwohnens zu Müllers nomadischem “Wohnen ohne Eigenschaften”—, um sie sodann in den philosophischen Debatten von Zeitgenossen wie Martin Heidegger und Theodor W. Adorno über die (Un-)Möglichkeit des Wohnens im zwanzigsten Jahrhundert zu verorten. Schließlich werden die in den Texten von Brecht und Müller entworfenen Wohnungen mit den von ihren Texten angebotenen Aufenthaltsräumen als Versuche gelesen, kapitalistische Wohnweisen zu überwinden.
Nach seinem Tod 1956 gerieten die Interviews von Bertolt Brecht in akademische Vergessenheit. Nur ein Bruchteil davon wurde nachgedruckt, oft in schwer auffindbaren Anhängen und mit unvollständigen Texten. Dennoch war seine Arbeit in und an dieser Form, die sich über vierzehn Länder, dreißig Jahre und mehr als siebzig Gespräche mit Zeitungs- und Rundfunkjournalisten erstreckt, mit seinen zentralen theoretischen, politischen und literarischen Anliegen intim verbunden. Diese Interviews, die zum ersten Mal in einer neuen Edition erscheinen sollen, sind von besonderem Gewicht für die Jahre 1933–49, die Brecht im Exil verbrachte, da sie ihm Zugang zu einem sonst oft schwer erreichbaren Publikum verschafften. Dieser Beitrag verortet Brechts Interviewproduktion erst in historischen Entwicklungen der Form während der Weimarer Republik, um sich dann drei der in diesen Gesprächen maßgeblichen Faktoren zuzuwenden: die textuellen Praktiken, die Brechts Interaktionen mit Medienapparaten bedingten, seine Medienstrategie der “Umfunktionierung,” und seine Suche nach einer politisch wirkmächtigen Narration, die der Form gemäß wäre. Das Jahr 1935, in dem Brecht mit sechs Zeitungen in Dänemark, der UdSSR und den USA sprach, bietet einen aufschlussreichen Querschnitt dieser Bestrebungen.
Bertolt Brecht und Heiner Müller fanden im Wohnen eine Zwischensphäre von Lebenspraxis und Philosophie, Urbanistik und Schreibarbeit, in der die Aporien kapitalistischer Gesellschaft akut wurden. Die vorliegende Einleitung zu den aus dem Workshop Baustelle Brecht/Müller: “Wohnen in der leeren Mitte” hervorgegangenen Beiträgen sucht eine diskurshistorische und theoretische Aufarbeitung des Themas bei Brecht und Müller zu initiieren. Zunächst werden die Wohnmodelle beider Autoren untersucht— von Brechts im Dialog mit Walter Benjamin entwickelten Konzepten des mitahmenden und des Gastwohnens zu Müllers nomadischem “Wohnen ohne Eigenschaften”—, um sie sodann in den philosophischen Debatten von Zeitgenossen wie Martin Heidegger und Theodor W. Adorno über die (Un-)Möglichkeit des Wohnens im zwanzigsten Jahrhundert zu verorten. Schließlich werden die in den Texten von Brecht und Müller entworfenen Wohnungen mit den von ihren Texten angebotenen Aufenthaltsräumen als Versuche gelesen, kapitalistische Wohnweisen zu überwinden.
Nach seinem Tod 1956 gerieten die Interviews von Bertolt Brecht in akademische Vergessenheit. Nur ein Bruchteil davon wurde nachgedruckt, oft in schwer auffindbaren Anhängen und mit unvollständigen Texten. Dennoch war seine Arbeit in und an dieser Form, die sich über vierzehn Länder, dreißig Jahre und mehr als siebzig Gespräche mit Zeitungs- und Rundfunkjournalisten erstreckt, mit seinen zentralen theoretischen, politischen und literarischen Anliegen intim verbunden. Diese Interviews, die zum ersten Mal in einer neuen Edition erscheinen sollen, sind von besonderem Gewicht für die Jahre 1933–49, die Brecht im Exil verbrachte, da sie ihm Zugang zu einem sonst oft schwer erreichbaren Publikum verschafften. Dieser Beitrag verortet Brechts Interviewproduktion erst in historischen Entwicklungen der Form während der Weimarer Republik, um sich dann drei der in diesen Gesprächen maßgeblichen Faktoren zuzuwenden: die textuellen Praktiken, die Brechts Interaktionen mit Medienapparaten bedingten, seine Medienstrategie der “Umfunktionierung,” und seine Suche nach einer politisch wirkmächtigen Narration, die der Form gemäß wäre. Das Jahr 1935, in dem Brecht mit sechs Zeitungen in Dänemark, der UdSSR und den USA sprach, bietet einen aufschlussreichen Querschnitt dieser Bestrebungen.