Von Frühling und Schicksal

Im Frühling

Leise sank von allen Schritten der Schnee
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe der Einsamen.

(Georg Trakl, Im Frühling, aus: Sebastian im Traum, 1914, Online-Quelle)

 

An Novalis

In dunkler Erde ruht der heilige Fremdling.
Es nahm von sanftem Munde ihm die Klage der Gott,
Da er in seiner Blüte hinsank.
Eine blaue Blume
Fortlebt sein Lied im nächtlichen Haus der Schmerzen.

Georg Trakl, An Novalis, 2. Fassung (a), aus: Nachlass, Gedichte 1912–1914, Online-Quelle)

 

In Venedig

Stille in nächtigem Zimmer
Silbern flackert der Leuchter
Vor dem singenden Odem
Des Einsamen;
Zaubrisches Rosengewölk.

Schwärzlicher Fliegenschwarm
Verdunkelt den steinernen Raum
Und es starrt von der Qual
Des goldenen Tags das Haupt
Des Heimatlosen.

Reglos nachtet das Meer.
Stern und schwärzliche Fahrt
Entschwand am Kanal.
Kind, dein kränkliches Lächeln
Folgte mir leise im Schlaf.

(Georg Trakl, In Venedig, aus: Sebastian im Traum, 1914, Online-Quelle)

 



Quelle: Pixabay

 

Vielen Dank für eure Anteilnahme! Ihr habt vielleicht mitbekommen, dass ich in den letzten Tagen relativ selten online war. Ich bin noch lange nicht wieder zurück in meinem gewohnten und geliebten „Normal“, gefühlt sieht es erfreulicherweise ganz gut aus. Immerhin habe ich die Operation erstaunlich easy überstanden und muss jetzt „nur“ noch die Nachwehen auskurieren. Ob das Ganze weitere Konsequenzen nach sich ziehen wird (und welche), ist noch nicht sicher, aber ich bin inzwischen wesentlich ruhiger und viel besser drauf als noch vor einer Woche.

Der Trakl passt irgendwie gerade zu meiner Stimmung. Ich hoffe nicht, dass er euch zu wenig vorösterlich ist, aber mir ist gerade so gar nicht danach. Und ja, bei uns hat es in dieser Woche auch geschneit und gehagelt, allerdings ist nichts liegen geblieben.

Kommt wie immer gut und heil und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

Von Schiffen und Schicksal

Ein Frühlingswind

Mit diesem Wind kommt Schicksal; laß, o laß
es kommen, all das Drängende und Blinde,
vor dem wir glühen werden –: alles das.
(Sei still und rühr dich nicht, daß es uns finde.)
O unser Schicksal kommt mit diesem Winde.

Von irgendwo bringt dieser neue Wind,
schwankend vom Tragen namenloser Dinge,
über das Meer her was wir sind.

… Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.
(Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)
Aber mit diesem Wind geht immer wieder
das Schicksal riesig über uns hinaus.

(Rainer Maria Rilke, Ein Frühlingswind, Februar 1907, in: Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens, Gedichte aus den Jahren 1906 bis 1926, insel tb 98, 1953, S. 15/16. Online-Quelle, zur Interpretation)

 

Wo aber fliegen die Abendvögel hin?

Die Tauben schlummern im Hause:
Wo aber fliegen die Abendvögel hin?
Der Wasserfall dämpft sein Gebrause:
Wo aber rinnen die Bäche hin?
Friedlich wurzelt der Rauch auf den Dächern:
Wo aber strömt das Nachtgewölk hin?
Lichter stehen in tausend Gemächern:
Wo aber sinken die Sterne hin?
Immer indem wir liegen und schlafen
Lösen sich Schiffe dunkel vom Hafen.

(Albin Zollinger, Wo aber fliegen die Abendvögel hin?, aus: Gedichte, 1933. Beleg, Online-Quelle)

 

Manche freilich …

Manche freilich müssen drunten sterben,
Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
Andre wohnen bei dem Steuer droben,
Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

Manche liegen immer mit schweren Gliedern
Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
Andern sind die Stühle gerichtet
Bei den Sibyllen, den Königinnen,
Und da sitzen sie wie zu Hause,
Leichten Hauptes und leichter Hände.

Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
In die anderen Leben hinüber,
Und die leichten sind an die schweren
Wie an Luft und Erde gebunden:

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
Noch weghalten von der erschrockenen Seele
Stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen,
Durcheinander spielt sie alle das Dasein,
Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
Schlanke Flamme oder schmale Leier.

(Hugo von Hofmannsthal, Manche freilich, aus: Gedichte (1922), entstanden 1896, Online-Quelle)

 

 


mond schiff windfahne – 365tageasatzaday

Quelle: ichmeinerselbst – Klick macht groß

 

Heute ist der Tag. Wenn ihr dies lest, liege ich im Krankenhaus und werde operiert – also heute, Montag. Ich muss sagen, dass die Warterei auf einen Termin sowie das komplette Drumherum mich ganz schön mürbe gemacht hat und ich mega-froh bin, dass es jetzt doch so zügig gegangen ist. Nein, ich bin kein Notfall, aber – was weg ist, ist weg.
Ich hebe mir eure Kommentare für „danach“ auf.

Die Gedichte stammen mal wieder alle aus der Lieblingsgedichte-Kiste. Speziell der Hofmannsthal klingt in mir seit einigen Jahrzehnten und begeistert mich immer wieder. Ich kann nicht mal sagen, warum genau, es interessiert mich aber auch nicht wirklich.

Außerdem hat sich vergangene Woche der Tod des Herrn Fellträger zum ersten Mal gejährt. Seit einem Jahr schon fehlt der Schnurrer an meiner Seite, es ist manchmal immer noch unbegreiflich.
Nein, ich möchte nach wie vor keine neue Katze und ich habe schon längst wieder angefangen, mich mit fremden Katzen auf der Straße zu unterhalten, ohne Herzstechen zu bekommen und mein Gegenüber aus sentimentalen Gründen abknutschen zu wollen. Nur manchmal, manchmal … ❤

Ihr da draußen, ich hoffe, ihr kommt heil, gut und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

 

 

Vom Vorfrühling (8)

Vorfrühling

Leise tritt auf …

Nicht mehr in tiefem Schlaf,
In leichtem Schlummer nur
Liegt das Land:
Und der Amsel Frühruf
Spielt schon liebliche
Morgenbilder ihm in den Traum.

Leise tritt auf …

(Ferdinand Avenarius, Vorfrühling, aus: Stimmen und Bilder. Neue Gedichte, 1898, Online-Quelle)

 

Die Amseln haben Sonne getrunken

Die Amseln haben Sonne getrunken,
aus allen Gärten strahlen die Lieder,
in allen Herzen nisten die Amseln,
und alle Herzen werden zu Gärten
und blühen wieder.

Nun wachsen der Erde die großen Flügel
und allen Träumen neues Gefieder;
alle Menschen werden wie Vögel
und bauen Nester im Blauen.

Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
in allen Seelen badet die Sonne,
alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
liebend zusammen.

(Max Dauthendey, Die Amseln haben Sonne getrunken, aus: Reliquien, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 122)

 

Natur ist glücklich

Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten:
wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten?
Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen?

Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich?
Wer faßt in sich der Vogelflüge Raum?
Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich
wie jeder Zweig an einem jeden Baum?

Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung
ins unbekannte Glück so rein, so reg?
Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung
und hält sich oben wie ein Wiesenweg?

(Rainer Maria Rilke, Natur ist glücklich, entst. München, Frühjahr 1919, aus: Die Gedichte 1910 bis 1922, Online-Quelle)

 

 



Quelle: Pixabay

Dies ist die Woche, in der der Frühling auch offiziell beginnt: am 20. März um 15:45 Uhr, deshalb dachte ich, ich könnte euch noch mit ein paar frühen Frühlingsgedichten erfreuen. Und ja, ich habe oft Amseln vor meinem Fenster – und ich höre sie auch früh und spät.
Ich hoffe, bei euch ist es nicht zu kalt für Frühlingsgefühle, hier soll es ab Mitte der Woche wieder Temperaturen im zweistelligen Bereich geben.

Nun denn, ich bin heute mal wieder kürzer: Kommt gut und heil und heiter in und durch die neue Woche. Ich versuche es auch.

 

 

 

 

Vom Herz und dem Schicksal

So ist es uns ergangen

So ist es uns ergangen.
Vergiß es nicht in beßrer Zeit! –
Aber Vöglein singen und sangen,
Und dein Herz sei endlos weit.

Vergiß es nicht! Nur damit du lernst
Zu dem seltsamen Rätsel »Geschick«. –
Warum wird, je weiter du dich entfernst,
Desto größer der Blick?

Der Tod geht stolz spazieren.
Doch Sterben ist nur Zeitverlust. –
Dir hängt ein Herz in deiner Brust,
Das darfst du nie verlieren.

(Joachim Ringelnatz, So ist es uns ergangen, aus: Verstreut Gedrucktes. Der Nachlaß, 1935, Online-Quelle)

 

46.

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick.
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben,
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben!

(Heinrich Heine, Herz, mein Herz, sei nicht beklommen, aus: Buch der Lieder. Die Heimkehr, 1824–1826, Online-Quelle)

 

Kohelet 3,1-8

1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
2 eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, / eine Zeit zum Pflanzen / und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen,
3 eine Zeit zum Töten / und eine Zeit zum Heilen, / eine Zeit zum Niederreißen / und eine Zeit zum Bauen,
4 eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, / eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz;
5 eine Zeit zum Steinewerfen / und eine Zeit zum Steinesammeln, / eine Zeit zum Umarmen / und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6 eine Zeit zum Suchen / und eine Zeit zum Verlieren, / eine Zeit zum Behalten/ und eine Zeit zum Wegwerfen,
7 eine Zeit zum Zerreißen/ und eine Zeit zum Zusammennähen, / eine Zeit zum Schweigen / und eine Zeit zum Reden,
8 eine Zeit zum Lieben / und eine Zeit zum Hassen, / eine Zeit für den Krieg / und eine Zeit für den Frieden.

(Alles hat seine Stunde, aus: Bibel, Prediger (Kohelet) 3,1-8, Einheitsübersetzung 2016, Online-Quelle)

 


 


Quelle: Pixabay

Ihr Lieben, mein Termin letzten Mittwoch ist vorüber und alles ist glatt gegangen. Zugleich hat er mir aber eine unerfreuliche Gewissheit gebracht, die ich befürchtet hatte und die Konsequenzen fordern wird. Die Katze arbeitet sich sozusagen gerade aus dem Sack, bis dahin muss ich noch abwarten. Wie genau diese Konsequenzen aussehen, ist noch nicht raus; was getan werden muss, wird aber zeitnah sein.
Gute Wünsche sind nach wie vor sehr willkommen, danke für euren Beistand.

Wie immer wünsche ich euch eine erfreuliche Woche, kommt gut hinein und hindurch, bleibt gesund, heil und heiter!

 

 

 

Von Träumen

Bitte

Weil auf mir, du dunkles Auge,
Übe deine ganze Macht,
Ernste, milde, träumerische,
Unergründlich süße Nacht!

Nimm mit deinem Zauberdunkel
Diese Welt von hinnen mir,
Daß du über meinem Leben
Einsam schwebest für und für.

(Nikolaus Lenau, Bitte, aus: Gedichte, 1834, Online-Quelle)

 

Nachts in der träumenden Stille

Nachts in der träumenden Stille
Kommen Gedanken gegangen,
Nachts in der träumenden Stille
Atmet, zittert ein Bangen,
Nachts in der träumenden Stille,
Ratlose quälende Fragen.
Weit über alles Sagen
Kommen Gedanken gegangen,
Atmet, zittert ein Bangen
Nachts in der träumenden Stille.

(Gustav Falke, Nachts in der träumenden Stille, aus: Tanz und Andacht. Gedichte, 1893, Online-Quelle)

 

Aus tausend Quellen quillt die Nacht

Aus tausend Quellen quillt die Nacht
Und übernimmt den Himmel unsrer Träume.
Da ist ein Licht noch – dort noch Bäume,
Dann nichts mehr. Sintflut. Nur noch Nacht.

Aus Ozeanen ohne Licht erheben sich Gedanken,
Wie Meerestiere schwimmen unsre Träume
Mit schweren Flossen durch die Finsternis der Räume
Und kreisen um die Hoffnungsschiffe, die versanken.

(Guido Zernatto, Aus tausend Quellen quillt die Nacht, entstanden New York, 1942, aus: Gedichte, 1950, Online-Quelle)


 


Quelle: Pixabay

 


Das ist wieder mal eins von diesen Fotos, das ich gern selbst gemacht hätte. Ich hoffe, euch berührt es auch.

Kommt gut, heil und heiter in und durch die neue Woche! Aus Gründen wünsche ich mir das diese Woche auch sehr. Mittwoch …

 

 

 

 

Schreibeinladung für März 2026 | Wortspende von Irgendwas ist immer

Dies ist eine Schreibeinladung, liebe Etüdenfans, -schreiber:innen und -leser:innen, die es beinahe nicht gegeben hätte. Und das liegt nicht daran, dass sich ausgesprochen wenige Mitstreiter:innen für den »Putzmacher« des Etüdenerfinders erwärmen konnten (bis auf Cynthia, die fast so viele Etüden geschrieben hat wie alle anderen zusammen), das liegt daran, dass es mir im Moment nicht gut geht.

Ich bin in meinem Erwachsenenalter bisher ziemlich verschont geblieben, was größere Beeinträchtigungen meiner Gesundheit angeht, sehe ich mal von meinem Knöchelbruch vor drei Jahren ab, aber diesmal kann es sein, dass es mich erwischt hat. Das ist noch nicht raus, ich habe (endlich) in die Wege geleitet, was zu leiten ist. Seht es mir nach, dass ich in einem öffentlich zugänglichen Blog nicht in Details gehen möchte, zumindest nicht, solange es sich noch um ungelegte Eier handelt.
Was erheblich ist, sind die psychischen Auswirkungen, momentan mehr als die physischen, aufgrund derer ich zum Doc gerannt bin. Ich muss Prioritäten setzen: Arbeit, sonst habe ich nichts zu essen. Ansonsten fürchte ich mich immer mal wieder schier zu Tode, wenn es mich überfällt. Das ist so anstrengend, dass es mir in der letzten Zeit mein digitales Leben ziemlich verleidet hat, meine Grundstimmung im Keller ist und ich noch stiller bin als sonst. Sollte ich also nicht im gewohnten Turnus bei euch auftauchen, liegt das nicht daran, dass ich euch/eure Blogs plötzlich doof finde, sondern daran, dass ich schlicht nicht online war, weil es nicht ging, warum auch immer. Mein Hirn schaltet dann ab und vergisst, dass ich doch noch unbedingt … machen wollte. Nächsten Monat weiß ich mehr.
So. Punkt. Themenwechsel.

Die Statistik ist, mit einem Wort, mies. 9 Blogs haben 20 Etüden beigesteuert, davon stammen fast die Hälfte, nämlich 9, von einer Person, nämlich Cynthia. DANKE, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, echt.

Vielen Dank wie immer allen, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Und wie immer mein Extradank an jede:n von euch, den:die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der:die dort kommentiert/mitdiskutiert hat.

Wie ebenfalls immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Speziell dieses Mal habe ich mich wirklich gewundert und vermutet, dass es vielleicht Etüden gegeben hat, die nicht gepingt haben, aus Blogs, denen ich nicht folge. Cynthias Etüden waren auch betroffen und ich war sehr überrascht, warum ich die Pings manchmal freischalten konnte und bei anderen keine kamen.
Um sicherzugehen, brauche ich unbedingt einen verfolgbaren Link in den Kommentaren von euch, damit ich euch auf die aktuelle Liste setzen kann. Ich ergänze oder korrigiere gerne, wenn irgendwas nicht stimmt oder eine Etüde fehlt.


Sonnenspirit auf Sonnenspirit: hier
Cynthia auf Querfühlerin: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Doro auf Bildermachen: hier
m.mama auf L wie …: hier, hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Lisa auf Abenteuerzeit Familienreise: hier
Monika/Bernhard auf Allerlei Gedanken: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier

Nina vom Bodenlosz-Archiv: hier


 

Die Wortspende kommt daher ebenfalls von mir (ich hatte keinen Nerv, jemanden zu fragen). Ihr habt übrigens Glück, ich hätte mich fast für »Zeitumstellung« statt »Sommerzeit« entschieden, »struppig« stammt aus einem wie ich finde bemerkenswerten Musikvideo (Pernilla Kannapin, »Struppige Zeiten«, Link zu YouTube) und »sticheln« kommt aus einem Kommentar oder einer Etüde von Cynthia, wo es mich ansprang und Aufmerksamkeit einforderte.

Die Wortspende für März 2026 ist also noch mal von mir, Christiane, und meinem Blog Irgendwas ist immer. Sie lautet:

 

Sommerzeit
struppig
sticheln.

 

 

An dieser Stelle weise ich wie üblich gewohnheitsmäßig darauf hin, dass der obligatorische Etüden-Disclaimer lautet: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern | keine KI-generierten Texte! »KI-generiert« bedeutet übrigens auch, einen Text generieren zu lassen und ihn hinterher zu überarbeiten. Ich kann das nicht kontrollieren, klar, aber ich zähle auf eure Ehrlichkeit.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift gehören NICHT zum Text. Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.
Die Illustration, für die mein Dank Katha nach wie vor verfolgt, unterliegt meinem Copyright und darf von jedem:jeder verwendet werden, der:die sich mit einem eigenen Beitrag an den Etüden beteiligt. Ich behalte mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig – ich darf das sowieso, weil es mein Blog ist, aber ich weise sicherheitshalber darauf hin. Wer die Illustration herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen, ansonsten fragt einfach, wenn ihr euch nicht durchquälen wollt.

Weiter geht es mit den regulären Etüden am ersten Sonntag im April 2026, das ist der 5. April 2026 und Ostersonntag.

Danke, dass ihr hier seid und die Etüdenbegeisterten bereichert, ich bin gespannt auf die neue Runde. Ja, das ist kein Spruch. Euch wie immer weiterhin ein schönes Wochenende, gute Einfälle und einen ergiebigen Schreibmonat!

 

 

abc.etüden 2026 märz | 365tageasatzaday

Quelle: Katharina Kanzan, Bearbeitung von mir

 

 

Vom Vorfrühling (7)

Die Landschaft im Regen

Der Schönheit Sieg fast mehr gelingt
Dem Reiz, der durch den Regen dringt,
Als wenn die Landschaft wunderhold
Ergrünt in blauem Sonnengold.

(Karl Mayer, Die Landschaft im Regen, in: Frühlingslaute, Frühlingsbilder, 1940, aus: Gedichte, 3., verb. u. verm. Ausgabe, Online-Quelle)

 

Frühling

Abendlich tönet Gesang ferner Glocken,
lächelnd versinkt voll Frühling ein Tag.
Über das eigene Lied scheu erschrocken,
verstummte die Amsel mitten im Schlag.
Und in dem Regen, der nun begann,
fing leise die Erde zu atmen an.

(Wolfgang Borchert, Frühling, aus: Das Gesamtwerk, Online-Quelle)

 

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

(Rainer Maria Rilke, Vorfrühling, In: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, etwa 20. Februar 1924), Online-Quelle)

 



Quelle: Pixabay

Als die wärmeren Temperaturen kamen, schmolz der hartnäckige Schnee buchstäblich über Nacht. Einen Tag später regnet es stetig und sacht, und draußen ist alles sehr friedlich und schön. Bald werden die eisigen Phasen für diesen Winter hoffentlich endgültig hinter uns liegen …
Der Rilke gehört zu meinen Lieblingsgedichten, da müsst ihr jetzt durch. 😉

Ihr Lieben, ich bin nicht glücklich über meinen Gesundheitszustand und der endlich konsultierte Doc ist es auch nicht. Es kann sein, dass ich ein paar Tage wenig werde online sein können/wollen – nein, ich gehe in einem öffentlich zugänglichen Blog nicht in Details. Seht es mir nach, wenn euch meine Kommentare oder Likes fehlen, es liegt nicht daran, dass ich euch plötzlich weniger wertschätze, ich brauche nur mehr Zeit für mich.

Ansonsten bleibt die Parole: Kommt gut, gesund und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

Vom Fasching

[O wär im Februar doch auch]

O wär im Februar doch auch,
Wie’s andrer Orten ist der Brauch,
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.

(Theodor Storm, O wär im Februar doch auch, aus: Sämtliche Werke. Erster Band. Gedichte, 1919, Online-Quelle)

 

BERTA UND ICH GEHN ZUM MASKENBALL

Gänse, die als Prinzessinnen sich weiden.
Schafsköpfe, die als Schafskopf sich verkleiden.
Türken, die eine Bettlerin
Mit „Frau Geheimrat“ titulieren,
Cowboys mit Oberlehrermienen. – –
Nur die dabei verdienen und bedienen,
Erkennen solchen Unfugs Sinn.
Und beinah nur für diese Wenigen
Mischen wir andern uns auf buntem Teller
Zum außerordentlichen italienischen
Salat, als Stückchen dran und drin.

Berta, frisier dich etwas schneller!
Weil ich ein fertig angezogener Chinese bin.

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, –
Berta, wir gehen zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pouri und Drall.

Denn mancherlei Leben – vielerlei! –
Das man nicht sagt, läßt tanzen sich und gröhlen.
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

Maria Stuart, heute bist du frei.
Rasch! Gieße Flieder in die Achselhöhlen!

Nimm diese Mark für Trambahn und mal müssen
Das Auto hin, das werde ich bezahlen.
Bin ich nicht nett??

Und geh heut nacht mit wem du willst in das Schafott.
Mach zu! Mein Hütchen – und mein Paletötchen. –
Steig ein! – Die Schlüssel? – Und die Schinkenbrötchen?
Töff töff rrrr –

*

Das Auto hält. Portier und Lichter strahlen.

Das Auto will ich, wie gesagt, bezahlen.
Doch, Berta Stuart, nun verlaß ich dich.
Zum Abenteuern muß man Freunde meiden.
Wie wir uns heute nur für andre kleiden,
Zuletzt erlebt ein jeder doch nur sich.

Du!: Morgen, überm Eimer denk an mich!

(Joachim Ringelnatz, Berta und ich gehen zum Maskenball, aus: Reisebriefe eines Artisten, 1919, Online-Quelle)

 

IX.

Dieser Liebe toller Fasching,
Dieser Taumel unsrer Herzen,
Geht zu Ende, und ernüchtert
Gähnen wir einander an!

Ausgetrunken ist der Kelch,
Der mit Sinnenrausch gefüllt war,
Schäumend, lodernd, bis am Rande;
Ausgetrunken ist der Kelch.

Es verstummen auch die Geigen,
Die zum Tanze mächtig spielten,
Zu dem Tanz der Leidenschaft;
Auch die Geigen, sie verstummen.

Es erlöschen auch die Lampen,
Die das wilde Licht ergossen
Auf den bunten Mummenschanz;
Auch die Lampen, sie erlöschen.

Morgen kommt der Aschenmittwoch,
Und ich zeichne deine Stirne
Mit dem Aschenkreuz und spreche:
Weib bedenke, daß du Staub bist.

(Heinrich Heine, Dieser Liebe toller Fasching, aus: Neue Gedichte, 1844, Online-Quelle)

 


 


Quelle: Pixabay

Ist ja nicht so, dass ich nie Straßenkarneval mitgefeiert hätte, aber seit ich in Hamburg bin, hat sich das Bedürfnis doch deutlich gelegt – vom „Maskenzauber an der Alster“ abgesehen, der einen wirklich verzaubern kann. Und wenn ich aus Versehen mal im TV durch die „Stunksitzungen“ (oder ähnliches) zappe, bin ich ganz froh, dass das nicht meine Art Humor ist.

Ich wüsste gern, ob Storm heutzutage immer noch dieser Meinung wäre. Es gibt übrigens Faschingsveranstaltungen in Husum, sagt die Suchmaschine, speziell für Kids.

Wenn ihr also feiern geht, wünsche ich euch viel Spaß und dass ihr bester Dinge wieder nach Hause kommt, möge der große Tätärätää über euch wachen, alle anderen schicke ich wie gewohnt in die Woche: Kommt heil und heiter und gesund in und durch die neue Woche. 🙂

 

 

 

 

Von Mut und Missmut

Der Unterschied zwischen Kraft und Mut

Man braucht Kraft, um stark zu sein,
aber man muß Mut haben, um höflich zu sein.

Man braucht Kraft, um sich zu verteidigen,
aber man muß Mut haben, um Vertrauen zu haben.

Man braucht Kraft, um einen Kampf zu gewinnen,
aber man muß Mut haben, um sich zu ergeben.

Man braucht Kraft, um recht zu haben,
aber man muß Mut haben, um zu zweifeln.

Man braucht Kraft, um stabil zu bleiben,
aber man braucht Mut, um aufrichtig zu bleiben.

Man braucht Kraft, um seine eigenen Fehler zu verbergen,
aber man braucht Mut, um dieselben einzugestehen.

Man braucht Kraft, um das Unrecht zu ertragen,
aber man braucht Mut, um dasselbe zu beenden.

Man braucht Kraft, um alleine zu bleiben,
aber man braucht Mut, um Hilfe zu bitten.

Man braucht Kraft zum Lieben,
aber man braucht Mut, um geliebt zu werden.

Man braucht Kraft, um zu überleben,
aber man braucht Mut zum Leben.

(Berthold Auerbach (1812–1882), Der Unterschied zwischen Kraft und Mut, Online-Quelle
Wer eine bessere Quelle hat, möge sie bitte nennen – laut Wikipedia (hier) hat Auerbach keine Gedichte geschrieben, und die Formulierung kommt mir doch sehr modern vor. Es gibt ein Aphorismenbuch von ihm, aber da bin ich auch nicht fündig geworden, obwohl obiges Gedicht m. E. als Aneinanderreihung von Aphorismen durchgehen könnte.)

 

Mißmut

Ein Rauch verweht.
Ein Wasser verrinnt.
Eine Zeit vergeht.
Eine neue beginnt.
Warum? Wozu?
Denk’ ich dein Fleisch hinweg, so bist
Du ein dünntrauriges Knochengerüst,
Allerschönstes Mädchen du.

Wer hat das Fragen aufgebracht?
Unsere Not.
Wer niemals fragte, wäre tot.
Doch kommt’s drauf an, wie jemand lacht.

Bist du aus schlimmem Traum erwacht,
Ist eine Postanweisung da,
Ein Telegramm, ein guter Brief, –
Du atmest tief
Wie eine Ziehharmonika.

(Joachim Ringelnatz, Mißmut, aus: Allerdings, 1928, Online-Quelle)

 

Krokodile

Einst
war meine Seele ein Lämmchen.

Sie packten es,
schoren ihm gierig seinen weißen Flaum,
und auf sein rosiges Schnuffelschnäuzchen schlugen sie mit Knütteln.

Sein jämmerliches Weinen
rührte sie nicht.

Aus meinen Schwielen
wurden Schuppen.

Ich wuchs zum grünen Drachen mit langer Krokodilschnauze,
unter jedem Zahn eine Giftdrüse.

Ich beiße alle in den Bauch!

Sie weichen mir aus.

Ich bin böse, unchristlich und überhaupt ein Gemütsmensch.

(Rolf Wolfgang Martens, Krokodile, aus: Befreite Flügel, 1899, Online-Quelle)

 



Quelle: Pixabay

Weiß nicht, wie es bei euch so aussieht, aber hier taut es, und zwar mit aller Macht, und Niederschlag fällt wieder als Regen. Das bedeutet, dass die Temperaturen jetzt um den Gefrierpunkt pendeln, das bedeutet aber auch, dass meine Heizung sich jetzt wieder tapfer schlägt, wofür ich sehr dankbar bin.

Trotzdem bin ich müde und lustlos, fühle mich bisschen kränklich und kann plötzlich gut verstehen, dass es Menschen gibt, die freiwillig ganze Tage auf der Couch oder im Bett verbringen.

Kommt ihr jedenfalls heil, heiter und gesund in und durch die neue Woche!

 

 

 

 

Vom Winter (2)

Winterschlaf

Indem man sich nunmehr zum Winter wendet,
Hat es der Dichter schwer,
Der Sommer ist geendet,
Und eine Blume wächst nicht mehr.

Was soll man da besingen?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muß schon in die eigene Seele dringen
– Jedoch, da haperts meist.

Man sitzt besorgt auf seinen Hintern,
Man sinnt und sitzt sich seine Hose durch,
– Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern
Wie Frosch und Lurch.

(Klabund (Albert Henschke), Winterschlaf, aus: Die Harfenjule, Berlin 1927, Online-Quelle)

 

Lebhafte Winterstraße

Es gehen Menschen vor mir hin
Und gehen mir vorbei, und keiner
Davon ist so, wie ich es bin.
Es blickt ein jedes so nach seiner
Gegebenen Art in seine Welt.

Wer hat die Menschen so entstellt??

Ich sehe sie getrieben treiben.
Warum sie wohl nie stehenbleiben,
Zu sehen, was nach ihnen sieht?
Warum der Mensch vorm Menschen flieht?

Und eine weiße Weite Schnee
Verdreckt sich unter ihren Füßen.
So viele Menschen. Mir ist weh:
Keinen von ihnen darf ich grüßen.

(Joachim Ringelnatz, Lebhafte Winterstraße, aus: Flugzeuggedanken, 1929, Online-Quelle)

 

Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren

Nun lassen Winterwolken auf Erden weiße Spuren,
Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren.
Nun klingen die Wege im Frost versteint und metallen
Und sind vor Kälte bitter,
Als hätten viele Augen dort Salz geweint,
Als sei der kalte Mond in weiße Splitter zur Erde gefallen,
Als stünden im Blut die Tropfen still,
Und die Herzen, die feurigen Uhren,
Als ob keines mehr der Liebe Stunde schlagen will.

(Max Dauthendey, Nun kommt der Schnee angefahren in hellen Fuhren, in: Der weiße Schlaf, aus: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 426)

 


 

winter nordfriesland | 365tageasatzaday


Quelle: ichmeinerselbst | Das ist irgendwo in Nordfriesland, es war seeeeeeehr kalt.

Bei uns ist Dauerfrost angesagt, und manchmal fürchte ich, dass meine Laune auch einfriert, und wälze finstere Gedanken.

Aber ihr, kommt ihr bitte alle gut, heil und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

 

 

 

 

Schreibeinladung für Februar 2026 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Der Etüdenerfinder hat wieder zugeschlagen, liebe Etüdenfans, -schreiber:innen und -leser:innen! Und wer fand, dass die Wörter für Januar zu nichtssagend waren, der fühlt sich hoffentlich dieses Mal so richtig herausgefordert, speziell die Geschichtenschreiber:innen unter euch!
Ansonsten, was soll ich sagen … es ist Winter, ich bin im Stress und viel zu häufig platt. Kreativ? Nada. Ich hoffe auf Wetterbesserung, aber die Wettervorhersage sagt für die nächste Woche noch fetten Frost an. Und wenn ich mich darüber nicht aufrege (ist ja nur Winter), dann schaue ich aus Versehen mal Nachrichten und bin spätestens dann meistens ziemlich bedient.

Ich fang mal mit der äußerst erfreulichen Statistik an: 17 Blogs haben 34 Etüden beigesteuert, das ist richtig gut, gemessen an den Zahlen der letzten Monate. Die knappe Hälfte davon geht allerdings auf das Konto von zwei Bloggerinnen: Die Liste wird angeführt von Cynthia mit 8 und m.mama mit 7 Etüden, gefolgt von Werner (hurra!) mit 3 Etüden. Nicht zu vergessen: Wir haben zwei Neue, die ihre ersten Etüden geschrieben haben: Lisa (auf Abenteuerzeit Familienreise) und Sonnenspirit (auf Sonnenspirit). Herzlich willkommen! Zurückgemeldet mit jeweils einer Etüde haben sich auch der Herr Grinsekatz und der Herr Fraggle mit News aus der Hölle. Sehr lesenswert, beide! 😉

Vielen Dank wie immer allen, die Lust hatten, mitzuschreiben und/oder mitzulesen, die gelikt und kommentiert haben! Und wie immer mein Extradank an jede*n von euch, den*die ich in den teilnehmenden Blogs getroffen habe und der*die dort kommentiert/mitdiskutiert hat.

Wie ebenfalls immer bitte ich euch, die Liste zu kontrollieren, ob jede eurer Etüden dort verzeichnet ist oder ob euch sonst was komisch vorkommt. Achtung, wenn ihr irrtümlich euren oder meinen Reader (https.//wordpress.com …) verlinkt, dann pingt es vermutlich nicht! Um sicherzugehen, brauche ich unbedingt einen verfolgbaren Link in den Kommentaren von euch, damit ihr auf die aktuelle Liste kommt. Ich ergänze oder korrigiere gerne, wenn irgendwas nicht stimmt oder eine Etüde fehlt.


Cynthia auf Querfühlerin: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
m.mama auf L wie …: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier
Heidi auf Erinnerungswerkstatt: hier
Gerda von GERDA KAZAKOU: hier
Werner auf Mit Worten Gedanken horten: hier, hier und hier
Martha auf Marthas Momente-Sammlung: hier
Lisa auf Abenteuerzeit Familienreise: hier
Fraggle auf reisswolfblog: hier
Sabine auf wortgeflumselkritzelkram: hier
Reiner Grinsekatz auf wupperpostille: hier
Heide/Puzzleblume auf puzzle : hier
Monika/Bernhard auf Allerlei Gedanken: hier
Katharina auf Katha kritzelt: hier
Natalie im Fundevogelnest: hier
Sonnenspirit auf Sonnenspirit: hier
Meine (Christiane) auf Irgendwas ist immer: hier

Eldon vom Schreibenblog: hier
Deborah vom Schreibenblog: hier
Kunsel vom Schreibenblog: hier


 

Die Wortspende für Februar 2026 kommt wie oben erwähnt von Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder, der nicht mehr bloggt. Sie lautet:

Putzmacher
spitzfindig
abkupfern.

 

 

An dieser Stelle weise ich wie üblich gewohnheitsmäßig darauf hin, dass der obligatorische Etüden-Disclaimer lautet: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern | keine KI-generierten Texte! »KI-generiert« bedeutet übrigens auch, einen Text generieren zu lassen und ihn hinterher zu überarbeiten. Ich kann das nicht kontrollieren, klar, aber ich zähle auf eure Ehrlichkeit.
Eventuelle Inhaltshinweise (Triggerwarnungen) und die Überschrift gehören NICHT zum Text. Nach intensiver Diskussion bleibt das Setzen von Inhaltshinweisen (CN/Triggerwarnungen, z. B. in den Schlagwörtern) jedem teilnehmenden Blog freigestellt.
Die Illustration, für die mein Dank Katha nach wie vor verfolgt, unterliegt meinem Copyright und darf von jedem:jeder verwendet werden, der:die sich mit einem eigenen Beitrag an den Etüden beteiligt. Ich behalte mir vor, Kommentare zu moderieren, wenn nötig – ich darf das sowieso, weil es mein Blog ist, aber ich weise sicherheitshalber darauf hin. Wer die Illustration herunterladen möchte, sollte sie vorher großklicken, danach kann man sie in der Regel downloaden und bei sich wieder hochladen.

Noch Fragen zu den Etüden? Hier habe ich das Kleingedruckte zusammengetragen, ansonsten fragt einfach, wenn ihr euch nicht durchquälen wollt.

Weiter geht es mit den regulären Etüden am ersten Sonntag im März 2026, das ist der 1. März 2026.

Danke, dass ihr hier seid und die Etüdenbegeisterten bereichert, ich freue mich auf die neue Runde. Euch wie immer weiterhin ein schönes Wochenende, gute Einfälle und einen ergiebigen Schreibmonat!

 

 

abc.etüden 2026 februar | 365tageasatzaday

Quelle: Katharina Kanzan, Bearbeitung von mir

 

 

Ein unwiderstehliches Angebot | abc.etüden

Das Gewohnheitstier sitzt auf der Heizung und lässt die Füße baumeln. Bumm. Bumm. Bumm.

»Hör auf, das nervt«, sage ich zu ihm.
»Du machst das auch«, begehrt er auf. »Was glaubst du denn, von wem ich das habe?«
»Ist mir egal«, sage ich, »ich muss mich hier konzentrieren und du machst absichtlich Krach.«
»Mir ist langweilig«, klagt das Gewohnheitstier, und das will wirklich was heißen. Ich weiß allerdings schon, was jetzt kommen wird. Er haut ab und brütet mit dem Schweinehund was aus.

Als zwei Paar Füße auf die Heizung trommeln, drehe ich mich um.

»Na«, frage ich, »was habt ihr ausgeheckt?«
Der Schweinehund wirft sich in die Brust. »Du musst hier mal raus«, tönt er. »Ständig diese Arbeiterei am Computer, du solltest ein bisschen mehr das Leben genießen und an die frische Luft gehen!«
»Wie bitte?«, frage ich zurück und mustere ihn entsetzt. »Hast du heute schon mal rausgeschaut? Kälte! Schnee! Wind! Du bist doch immer der Erste, der sich über kalte Pfoten beklagt!«
Er wedelt mit der Pfote in der Luft herum. »Man muss sich auch mal für was einsetzen«, verkündet er großspurig, »außerdem ist uns was eingefallen, dem du bestimmt nicht widerstehen kannst!«
»Da bin ich aber echt neugierig«, grummele ich.
»Was ist im Februar immer?«, fragt er.
Ich muss lange überlegen. »Karneval«, antworte ich schließlich bockig. Gar nicht meins.
Sein Gesicht hellt sich auf. »Richtig! Und in Hamburg?«
Ich grübele. Dann weiß ich es. »Maskenzauber an der Alster! Natürlich! Und wann ist der dieses Jahr?«
Jetzt strahlt er. »Heute! Heute ab zwölf Uhr dreißig auf dem Rathausmarkt und morgen ab fünfzehn Uhr. Du hast noch zwei Stunden, bis wir losmüssen, also Beeilung! Hattest du nicht irgendwo diesen bunten Mittelalterrock?«
»Nur über meine Leiche«, protestiere ich, aber er hüpft vorfreudig durchs Zimmer und hört mir nicht zu.


 

abc.etüden 2026 januar | 365tageasatzaday
 
Quelle: Katharina Kanzan, Bearbeitung von mir

 

Für die abc.etüden, Januar des Jahres 2026: 3 Begriffe, maximal 300 Wörter. Die Wortspende kommt von mir, Christiane, und meinem Blog Irgendwas ist immer. Sie lautet: Gewohnheitstier, absichtlich, einsetzen.

Da ich aber auch noch wunderbar Myriades Mosaikstück (»Kälte«) einbauen konnte, ist dies gleichzeitig ein Beitrag für die aktuelle Impulswerkstatt.


Es ist schon wahr: Ich habe zurzeit zu gar nichts Lust und fühle mich auch nicht wohl in meiner Haut. Wenn es glatt ist, dann mag ich nicht draußen rumlaufen, weil mein Körpergedächtnis in memoriam Knöchelbruch in Dauerschleife »Achtung, Gefahr!« heult. Ja, ist schon deutlich besser geworden, aber weg ist es nicht, gar nicht. Und das wiederum heißt, dass ich tatsächlich zu kurz an die berühmte frische Luft komme, was mir gar nicht gefällt. Bisher habe ich keine bessere Lösung, als auf Tauwetter zu warten. Hm. Und momentan ist es wirklich kalt. Ich werde vermutlich eher morgen als heute zum Maskenzauber gehen, egal, was meine beiden Unterstützer fordern.

Der jährlich stattfindende Maskenzauber an der Alster stand hingegen dieses Jahr bis letzte Woche noch auf unsicheren Füßen, weil den Akteuren die Räume zum Umziehen weggebrochen waren. Das Problem ließ sich zum Glück lösen, dennoch ist alles ein bisschen kurzfristig. Dies sind die Zeiten, die ich aus dem Newsletter vom Zaubertrank Hamburg habe:

Der Maskenzauber an der Alster findet am Sonnabend, den 31. Januar 2026, und am Sonntag, den 1. Februar 2026, statt. Die Zeiten:
Sonnabend beginnend in den Colonnaden von 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr und am Rathausplatz von 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr.
Sonntag am Rathausplatz von 15:00 Uhr bis 16:30 Uhr, dann flanieren die Masken zu den Colonnaden und sind gegen Uhr 17:30 am Rathaus für das Abschlussdefilee zurück.

Ich fürchte, dass »Defilee« bedeutet, dass es nichts mit der Feuershow wird, die es dort sonst am Sonntag immer gab (weil kurzfristig etc., siehe oben), aber vielleicht hatte der Zaubertrank ja auch nicht alle aktuellen Infos. Selbstverständlich wird übrigens der (mobile) Zaubertrank-Stand wieder vor Ort sein, der versorgt allerdings nur die Gewandeten mit heißen Getränken.

Der NDR hat einen kurzen Bericht (2:34) über den Maskenzauber gebracht, der durchaus das Anschauen lohnt: hier klicken.

 

 

 

Vom Dunkelwerden

Der Knabe

Ich möchte einer werden so wie die,
die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren,
mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren
in ihres Jagens großem Winde wehn.
Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne,
groß und wie eine Fahne aufgerollt.
Dunkel, aber mit einem Helm von Gold
der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht
zehn Männer aus derselben Dunkelheit
mit Helmen, die wie meiner unstät sind,
bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind.
Und einer steht bei mir und bläst uns Raum
mit der Trompete, welche blitzt und schreit,
und bläst uns eine schwarze Einsamkeit,
durch die wir rasen wie ein rascher Traum:
die Häuser fallen hinter uns ins Knie,
die Gassen biegen sich uns schief entgegen,
die Plätze weichen aus: wir fassen sie,
und unsre Rosse rauschen wie ein Regen.

(Rainer Maria Rilke, Der Knabe, aus: Das Buch der Bilder, Erstes Buch, erster Teil, 1906, Online-Quelle)

 

Abend

Was wünscht die Seele? Tod zu spenden oder
Sich dem Abend preiszugeben, wie das Rohr
Dem Wind die schwanken Rispen preisgibt: schlanke Rehe
Schmiegen sie sich. Nieder auf sie
Sinkt im Dämmern
Furcht.

(Otfried Friedrich Krzyzanowski, Abend, aus: Unser täglich Gift, 1919, Online-Quelle)

 

Angst packt mich an

Angst packt mich an.
Denn ich ahne, es nahen Tage
Voll großer Klage.
Komm du, komm her zu mir! –
Wenn die Blätter im Herbst ersterben,
Und sich die Flüsse trüber färben,
Und sich die Wolken ineinander schieben
Dann komm, du, komm!
Schütze mich –
Stütze mich –
Faß meine Hand an.
Hilf mir lieben!

(Erich Mühsam, Angst packt mich an, aus: Die Wüste. 1898–1903, Online-Quelle)

 



Quelle: Pixabay

Vergangene Woche hätte mein Vater einen runden Geburtstag gefeiert. Er liebte (und spielte) Querflöte, daher ein bisschen Musik, die er auch gespielt hat und liebte – ein Concerto von Cimarosa.

 

 

 

Wie immer: Kommt froh und heil und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

 

 

 

 

 

Von Ringelnatz und Freundschaft

ABGLANZ

Gaben zwei sich einen Abschiedskuß,
Anscheinend zwei Freundinnen.
Stieg die eine in den Omnibus.
Und der Omnibus fuhr von hinnen.

Die im Omnibus saß mir zugewandt.
Und ich sah, daß in ihrem Gesichte
Noch lange ein liebes Lächeln stand;
Das erzählte eine kleine Geschichte.

(Joachim Ringelnatz, Abglanz, aus: Gedichte dreier Jahre, 1932, Online-Quelle)

 

Alone

Everybody is nice
Or wonderful. –

Daß ich das auch deutsch sagen könnte, weiß
Ich, und behaupte 2 mal 10 ist Null.
Doch was ist jedermann? Und was sind die,
About wir schelten?
Vielleicht sind alle sie
An einer Stelle einzig oder selten.

Freundin, raff deine Röcke übers Knie
Und gehe leise, ohne Melodie
Und nur bei Dunkelheit
Mit mir durch alle Welten.

(Joachim Ringelnatz, Alone, aus: Allerdings, 1928, Online-Quelle)

 

Sieh, ich war so oft allein

Sieh, ich war so oft allein
Und ich lernte gleich den Zweigen,
Gleich dem Stein,
Träume wachen, Worte schweigen.

Denke, daß ich Dichter bin.
Eure Sonne ist nicht meine.
Nimm als Freund mich hin,
Wenn ich dir auch fremd erscheine.

Laß mich lauschen aus der Ferne,
Wenn ihr tanzend schwebt,
Daß auch ich das Schwere lerne:
Wie man narrenglücklich lebt.

Hans Bötticher (Joachim Ringelnatz (Pseudonym ab 1919)), Sieh, ich war so oft allein, aus: Gedichte, 1910, Online-Quelle)


 


Quelle: Pixabay

 


 

Weiß von euch zufällig jemand, wie/ob man bei einzelnen Wörtern innerhalb eines Absatzes (das ist wichtig) die Schriftart verändern kann? Bei dem zweiten Gedicht haben die englischen Wörter im Original eine andere Schriftart, und ich mag nicht glauben, dass das in dem hochgepriesenen, ach so flexiblen neuen Editor nicht geht.

Neue Woche, neues Glück? Ich hoffe doch sehr. Kommt gut, heil und heiter in und durch die neue Woche!

 

 

 

Von Schnee und Eis

Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr …
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wieder holen.

(Christian Morgenstern, Wenn es Winter wird, aus: Klein Irmchen, 1921, Online-Quelle)

 

Vom Büblein auf dem Eis

Gefroren hat es heuer noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher und spricht so zu sich leis:
»Ich will es einmal wagen,
Das Eis, es muß doch tragen.« –
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket, und krach! schon bricht’s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
Als wie ein Krebs und zappelt
Mit Schrein.

»O helft, ich muß versinken in lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muß ertrinken im tiefen, tiefen See!«
Wär nicht ein Mann gekommen,
Der sich ein Herz genommen,
O weh!

Der packt es bei dem Schopfe und zieht es dann heraus:
Vom Fuße bis zum Kopfe wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
Der Vater hat’s geklopfet
Zu Haus.

(Friedrich Güll, Vom Büblein auf dem Eis, 1827, aus: Mütterchen, erzähl uns was!, 1894, Online-Quelle)

 

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mitten drin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hats niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

(Christian Morgenstern, Die drei Spatzen, aus: Klein Irmchen, 1921, Online-Quelle)


 


Quelle: Pixabay

 


Einen Teil der letzten Woche und vor allem das vergangene Wochenende hat mich das Sturmtief »Elli« sehr beschäftigt. Hamburg hatte Schnee in nennenswertem Ausmaß, und der Besuch des Winters ist hier so selten, dass die Schlitten in den Läden ausverkauft waren, weil so viele Eltern mit ihren Kids, die noch nie Schnee gesehen hatten, zum Schlittenfahren wollten. Ja, das geht auch hier in der Stadt in diversen Parks – aber vernünftige Hänge sind ja immer so eine Sache, wenn man nicht gerade in den Bergen oder in einem Mittelgebirge lebt.

Da es jetzt ein paar Tage nicht nur nachts ziemlich kalt bis noch kälter war, wird der Ruf nach dem Alstereisvergnügen lauter (nein, noch lange nicht, aber die Wasserflächen haben erste dünne »Häute« bekommen, die nichts und niemanden außer Vögeln tragen), und daher habe ich Karins Anregung aus den Kommentaren aufgegriffen und noch einmal das »Büblein auf dem Eis« gepostet und, weil es so schön ist und zu den Gedichten gehört, die ich als Kind auswendig lernen durfte, Morgensterns Spatzen-Gedicht. Es ist kalt, wirklich, und mir tut jeder leid, der draußen sein muss (und nicht will).

Hatte ich erwähnt, dass es wunderschön aussieht, nach wie vor?

Kommt gut und warm und heil und heiter in und durch die neue Woche!