Israelische Satire ist härter: Noam Shuster Eliassi

„Ich bleibe nur für 7 Minuten, nicht für 70 Jahre“, verspricht die israelische, jüdische Kabarettistin und temporäre UN-Mitarbeiterin ihrem arabischen Publikum (auf arabisch), und gesteht dann „ach übrigens, den Witz habe ich gestohlen. Er gehört jetzt mir, Gott hat ihn mir versprochen“. Die zuhörenden Palästinenser biegen sich vor Lachen, weil sie die Anspielungen auf die aktuelle politische Lage in der Region genau verstehen. Dem Filmteam gegenüber sagt sie: „ich bin nicht hier, um zu versöhnen, sondern um von Widerstand zu sprechen, gegen diese wahsninnige Machtdemonstration, die alle hier mitgerissen hat“ und skandiert: „es kann keine Demokratie geben, nur für Juden“. Sie stellt sich vor mit: „Ich bin Noam, und meine Show heisst Koexistenz am Arsch„. Und sie prangert darin sowohl die unmenschliche, ultrareligiöse, ultranationalistische Politik der israelischen Rechtsaussenregierung an, wie auch die Ausreden der westlichen Staaten, die eine Zweistaatenlösung fordern, obwohl sie wissen, dass Israel diese niemals zulassen wird. Aber solange es Menschen wie Noam Shuster Eliassi gibt, kann die Welt nicht völlig verloren sein. Oder? via reuters

El Hotzo und der vorauseilende Führergeburtstag

Skandal. Ja, irgendwie schon, aber anders. Sebastian Hotz alias El Hotzo, begabter und beliebter deutscher Humorist, hat vor einer Woche diesen Witz über das Trump-Attentat gemacht: „Den letzten Bus – Donald Trump: Leider knapp verpasst“ und „Ich finde es absolut fantastisch, wenn Faschisten sterben“. Was soll man dazu sagen? Dass es geschmacklos ist? Jetzt mal im Ernst: Natürlich möchten wir niemandem den Tod wünschen. Zumal beim verkorksten Trump-Attentat, bei dem nichts zusammenpasst ausser den zahlreichen Verschwörungstheorien, tatsächlich ein Unbeteiligter erschossen wurde. Aber rein sachlich ist genau das die Aufgabe der Satire: Die Reichen, Mächtigen und Möchtegernfaschisten anzugreifen, verächtlich zu machen und so zu tun, als würde man ihnen den Tod wünschen. Also doch. Machen wir uns hier nichts vor: Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt. Was war die öffentliche Reaktion? (Die vom Rechtsextremisten Musk lassen wir jetzt mal beiseite). Sebastian verliert seinen Job beim öffentlich-rechtlichen Radio Berlin Brandenburg und wird vom ARD aus einer Literatursendung ausgeladen. Oh! Wir sehen erstaunt dabei zu, wie das bürgerliche Lager (politisch, nicht Camping) jede Provokation potentieller Führerfiguren im Keim ersticken will. Statt zu sagen „das ist aber geschmacklos“ und dabei anerkennend zu nicken. Aber so kenne ich mein Deutschland: Ein Herz für Führer. Nicht für Kinder, nicht für Komödianten. Sebastian wird schon irgendwie klarkommen, der ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Aber die öffentliche Meinungslandschaft hat ihren tiefen Riss (rechts von der Mitte) ein weiteres Mal deutlich gezeigt: Zwischen Fortschritt und Faschismus muss man sich eben entscheiden. Ok: #team_elhotzo

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Admiral Ackbars Ding

Death By Toys ist eine Satirespielzeugwerkstatt in Chicago, die uns seit Jahren mit Pastiches und Kommentaren zur Gegenwartskultur erfreut. Die Produkte in kleiner Auflage sind in der Regel in kürzester Zeit ausverkauft. So auch Admiral Ackbar’s Dick. Schade. Die 40 USD plus Versand wären gut angelegte Devisen, nicht wahr? Zumal ein offizielles Death Certificate of Authenticity beigelegt ist. via boingboing

Wird Satire kriminalisiert?

Hierzulande sind wir gewohnt, Satire als Teil der allgemeinen Brot-und-Spiele-Versorgung zu betrachten, ähnlich wie Fussball oder Doku-Soaps. In anderen Ländern (wie die Türkei oder die USA) ist man da schon weiter. Die australische Regierung etwa hat ein Gesetz vorgestellt (das aber vom Parlament noch nicht verabschiedet worden ist), welches die „Darstellung von Regierungsvertretern“ mit mehreren Jahren Gefängnis bestrafen will. Ausnahme: „Wird Satire kriminalisiert?“ weiterlesen

Wenn der Islamische Staat zum Abendessen kommt

Der Daesh (a.k.a. Islamischer Staat, a.k.a. ISIS, a.k.a. ISIL) hat es in letzter Zeit nicht leicht. Vor allem mit den Russen gab’s ziemlich Stress, und das will man ja niemandem wünschen. Jetzt ist er zu allem Überfluss auch noch Gegenstand einer ägyptischen (!) Satire-Soap (!) namens „Mini-Daesh“ – siehe Vid oben. Fundamantalistische Islam-Missversteher kommen da bei irgendwie anständigen Ägyptern vorbei und machen sich unbeliebt. Vor allem bei der nationalen Presse, die völlig entrüstet den neuerlichen moralischen Tiefpunkt des gleichermassen verabscheuten wie beliebten Schauspielers und Satirikers Ramez Galal auf’s Schärfste verurteilt oder so. Das kann die ägyptische Presse gerne machen, ich finde „Mini-Daesh“ als Idee grossartig und wünsche mir natürlich auch, dass Böhmermann eine Serie mit sächsisch näselnden Nazis macht, die irgendwas überfallen und sich dabei blamieren. Wahlweise auch grau gewordene RAF-Mitglieder mit Bauchansatz. Oder irgendwelche Versager vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Hauptsache, man kann lachen. Das Leben ist schwer genug. egyptianstreets

Die Wahrheit über den Brexit

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Einer geht immer: Die Partei. Sie ist sehr schadenfroh. Unter uns: So lustig das Bild ist, es stimmt nicht. Die deutsche Hegemonie war schon vorher da, und bleibt auch im Fall von Britannien bestehen. So leid es mir tut, das sagen zu müssen, aber Deutschland hat den dritten Weltkrieg gewonnen. Diesmal ohne Geballer, nur mit Wirtschaft und Scheisse sein. Auch gegen die eigene Bevölkerung. Es ist unsere Verantwortung, das zu ändern. via kth

Erdogan, Böhmermann und die Ziegen aus transatlantischer Sicht

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Die Farce um das sogenannte Spottgedicht Böhmermanns, das sich eigentlich mit den Grenzen von Kunstfreiheit in Deutschland beschäftigt und weniger mit den sexuellen Vorlieben des türkischen Staatschefs und heimlichen osmanischen Kalifen beschäftigt, trotzdem aber eine Staatsaffäre generierte, wird ausserhalb von Europa mit zunehmenender Verwunderung betrachtet. Oder eben wie hier als Cartoon dargestellt. tomthedancingbug via boingboing

Darf Satire wirklich alles?

charliehebdo_prv-300x381Nach der künstlichen Auf­regung um Böhmer­manns neuesten Medien­coup (Stichworte „Erdo­gan“, „Ziegen­ficker“) sorgt die Satire­szene für den näch­sten Skandal: Das fran­zösische Magazin Charlie Hebdo präsentiert auf dem Cover der aktu­ellen Aus­gabe eine ge­zeichnete Soli­dar­itäts­demonstration von zig­arrenrauchenden und/oder wohlgekleideten Personen, die Schilder tragen mit Aufschriften wie „Ich bin Panama“, „Keine Angst“ oder „Sie werden unseren Lebensstil nicht ändern“. Wie damals zum An­schlag auf die Redak­tion. „Darf Satire wirklich alles?“ weiterlesen

Charlie Hebdo und die Kölner Silvesternacht

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Besonders feige sind die Redakteure von Charlie Hebdo nicht. Aylan Kurdi war ein syrisches Kind, er ertrank im September 15 vor der türkischen Küste und wurde am Strand gefunden; das Bild ging um die Welt. Jetzt fragt Charlie Hebdo: „Was wäre aus Aylan Kurdi geworden?“ Und antwortet unter dem Cartoon: „Ein Frauenbegrapscher in Köln“. Der Sturm der Entrüstung jagt derzeit immer noch um den Globus. Natürlich wissen wir alle, dass Charlie Hebdo bereits soviele Mohammedkarikaturen veröffentlichte, dass sich fundamentalistische Arschlöcher deswegen veranlasst sahen, den Grossteil der Satiriker zu ermorden. Jetzt giessen die Überlebenden noch ein bischen Öl in die Flammen. Darf Satire denn alles? Meiner Ansicht nach: Ja. Ihr könnt das natürlich anders sehen. via vox

Jan Böhmermann und der Rassismus der anderen

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Ich nehme mal an, jeder hat Böhmermanns POL1Z1STENS0HN – Video gesehen. Wo er den Gangsterrapper macht und sonnenbebrillt lustig-debile Reime spricht. Satire eben. Die, ihrem Verfassungsauftrag entsprechend, vor nichts haltmacht. Grossartige künstlerische Leistung, ein ganzes Genre, das komplette Biotop deutscher Gangsta-Rapper innerhalb von 4 Minuten blosszustellen. Dass es sich damit auch um die bedeutendste deutsche literarische Leistung des Jahres handelt, erkennt man an der nachfolgenden Diskussion quer durch alle Medien. Endlich haben wir hier unser eigenes Gamergate, in dem wutschäumend am Kern der Sache vorbei diskutiert werden darf. „Jan Böhmermann und der Rassismus der anderen“ weiterlesen

Die Anstalt zeigt, wie weit die Pressefreiheit geht

Die Satiresendung „Die Anstalt“ (früher „Neues aus der Anstalt“) etabliert sich auch mit neuem Team gleich neben der „Heuteshow“ zur Speerspitze des TV-Journalismus. Das sieht so aus, dass selbst die alte Tante ZDF, nur äusserlich spiessig gerne mal mit mehreren Volksparteien gleichzeitig im Bett, die Pressefreiheit in Deutschland vor Gericht verteidigen muss. „Die Anstalt zeigt, wie weit die Pressefreiheit geht“ weiterlesen

Die Wahrheit über Marina Weisband

Eine der grösseren Sensationen der nationalen Politik war dieser Tage die Ankündigung der politischen Geschäfts­führerin der Piraten­partei Deutschland, Marina Weisband, auf dem nächsten Bundesparteitag nicht mehr zu kandidieren. Ich kann es ihr nicht verdenken, dass sie mal eine Pause einlegen will, schliesslich hat sie viel zu viel Medienaufmerksamkeit aus den komplett falschen Gründen verkraften müssen. Aber was sind die wahren Hintergründe dieser Entscheidung? „Die Wahrheit über Marina Weisband“ weiterlesen

Bin Laden: Was wirklich passierte

Beste Bin-Laden-Enthüllungsgeschichte bisher steht in der Titanic. Die machen wenigstens ihren Job. „Das CIA-Kommando „Blumengruß“ nimmt das Flugzeug nach Islamabad. Im Gepäck: Pralinen, Champagner sowie das jährliche Memorandum der US-Regierung zur Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zwischen den Nationen von Amerika und Al-Qaida. In Islamabad findet der Taxifahrer Bin Ladens Villa auf Anhieb: …“ Lest hier weiter: titanic