
Steve Albini, der für mich wichtigste Musikproduzent und Toningenieur der letzten Jahrzehnte, jedenfalls im Indie, Alternative, Postpunk, Grunge, Noiserock, ist am Montag gestorben. Herzinfarkt. Und weil er uns so viel an Vermächtnis hinterlassen hat, oder zwei Vermächtnisse, ein ethisches und ein technisches, schreibe ich einen Nachruf. Hab ich auch noch nie gemacht.
Ihr solltet den Brief lesen, den er 1993 an Nirvana schrieb, die ihn nach seinen Konditionen für die Produktion ihrer LP In Utero gefragt hatten. Nein, er will keine Tantiemen. Er ist Tontechniker und will genauso für seine Arbeitszeit bezahlt werden wie ein Installateur. Auch sonst war er entschiedener Gegner der grossen Musiklabels und der Konzentration des Musikbusiness auf wenige grosse Acts unter Vernachlässigung der Millionen kreativer Musiker:innen. Natürlich war er auch der Überzeugung, dass man als Mann den Feminismus, also den Kampf für die Gleichstellung von Frauen (und Nichtbinären) unterstützen müsse.
Auch wenn Steve ein harter Fan analoger Aufzeichnung auf Bandmaschinen war, begrüsste er dennoch die Digitaltechnik als Chance für sehr, sehr viele Kreative, selbst und bei geringen Kosten Musik aufnehmen zu können. Hier noch zwei Beispiele für seine Akribie, Liebe zum Detail und sein Verständnis dafür, dass Aufnahmetechnik immer vor allem eine musikalische Qualität haben müsse. Für mich als Musiker und Tontechniker waren seine Lehrvideos wichtig und teilweise augenöffnend. Zuerst sein Vortrag darüber, wie man Amps und Speaker mikrofoniert, nämlich in der Mitte des Lautsprechers und immer senkrecht zur Schallwand, um Phasenprobleme zu vermeiden:
Und hier seine Trickkiste zum Aufnehmen von Schlagzeug:
peace be upon you, Steve.
pic oben: cassio abreu cc by
