Links, Rechts und der Antisemitismus

Wie kann man herausfinden, was Links, Rechts oder Mitte für Ansichten haben? Zur Demokratie, zum Antisemitismus, zur Verfassung? Indem man die Leute fragt: Wo stehst du, zwischen links- und rechtsextrem, und welche Ansichten hast du? Zu diesem Zweck wurden 2022 Berliner:innen befragt (das sind bei gut dreieinhalb Millionen ziemlich viele). Das ist das Ergebnis (PDF): Demokratie, Menschenrechte und Verfassung sind vor allem den Menschen im linken Spektrum (bis in den Linksextremismus) wichtig, während diese Werte im rechten Spektrum beinahe ausgestorben sind. Besonders erschreckend: im „konservativen“ Lager, das sich der politischen Mitte zurechnet, sind autoritäre Denkmuster, Bereitschaft zur Diskriminierung, Antiziganismus und Antisemitismus sehr verbreitet. Nochmal in einfachen Worten: Das sagen nicht irgendwelche eierköpfigen Elfenbeinturmbewohner, sondern die Leute auf der Strasse. Sieht so aus, als müssten sich Gesellschaft und Medien von der Vorstellung einer demokratiefeindlichen, stalinistischen, antisemitischen Linken verabschieden und statt dessen die Gefahr für unsere Verfassungsdemokratie wahrnehmen, die von der selbsternannten politischen Mitte ausgeht.

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Die Welt aus Sicht der Leute von jetzt

Wie leben im dritten Jahrtausend (einer random Zeitrechnung), und es gibt Leute, die in diesem Jahrtausend geboren sind. Also nach Y2K. Und für die ist konservativ das neue rechts. Stimmt natürlich, und ist auch schon länger so, aber aus Sicht der Gen Z ist das ein besonders krasses Problem. War es für mich übrigens auch, als ich 20 war, nur ist das schon ein paar Tage her. Richtig bizarr wird die Situation aber erst dadurch, dass die Post-Millennials heute gegen eine Generation (oder eher zwei) protestieren, mit der ich aufgewachsen, in die Schule, ins Büro, in die Kneipe gegangen bin. Und die jetzt nicht wahrhaben will, dass sie exakt denselben Mist baut wie die paar Generationen davor. Und dass wir Teile dieses Planeten unbewohnbar machen, wenn wir nicht sofort unsere Bequemlichkeitsreligion in die Tonne treten. Was wir, die 11k2-Community, natürlich gar nicht wollen. Naturkatastrophen, Rohstoffkriege, Epidemien. Nein, ich hab seit über 5 Jahren kein Auto mehr, war das letzte mal vor 10 Jahren in einem Flugzeug gesessen, esse ungefähr einmal pro Woche was mit Fleisch. Aber das reicht nicht. Jedesmal, wenn die FridaysForFuture vor meinem Haus vorbeidemonstrieren, geh ich runter und mache mit. Jedesmal, wenn jemand auf Facebook Klimaleugnerblödsinn erzählt, widerspreche ich massiv. Aber das reicht nicht. Am Ende wird es nur dann was mit der Zukunft für die Gen Z und die nachfolgenden, wenn wir uns alle zusammenschliessen und die obszöne Gier der Konzerne und ihrer Besitzer abschaffen. Durch politische Entscheidungen, die nur dann funktionieren, wenn „wir“ genügend viele sind. Wer macht mit? Selbst auf die Gefahr, dann von der Springerpresse als progressiv und das neue Linke gedisst zu werden? pic ist von mir und cc by sa