11.200 m/s ist die Geschwindigkeit, die man braucht, um die Erde zu verlassen. Eine gute Metapher für "über den Tellerrand". Oder für "eine von den über 8 Millarden subjektiven Sichtweisen".
Kim sind aus Oakland, Kalifornien und kriegen es hin, frühen, düsteren, „experimentellen“ Postpunk (Bauhaus, Siouxsie, Chrome, MX80sound) mit neuem, düsterem Doom und Drone zu verschmelzen. Dazu Horror-Movie-Texte und genügend Unverfrorenheit, um daraus zu dritt ein Album (Bandcamp) zu machen, das Sir Kim heisst. Zauberhaft. 5 von 5 Fledermäusen.
Meine aktuelle Band Tarmac Tigers entstand halb geplant, halb zufällig vor 5 Jahren. Und macht mich ziemlich glücklich: Drums, Bass und Mikrofon, Eklektizismus, Brutalismus und Minimalismus. Ich hatte ne Reihe von Bands, aber keine, die solche Extreme harmonisiert. Der Klangkörper ist reichlich unverwechselbar, schon, weil keine Gitarre oder kein Keyboard dabei ist, weil das Mikrofon UK Sprechgesang, Punk, Grime zusammenbringt, die ganze Combo voll auf den Groove konzentriert ist, Krautrock, Punk, Post-Punk, Hardcore zitiert und, weil nur 3 Humanoiden und keine Maschinen mitspielen (nicht mal Effekte), das Ganze mit Synkopen, Triolen, Offbeats überzuckert. Der letzte Mai ist, wie ich finde, ein guter Termin für einen Gig, auch aus ganz persönlichen Gründen, das Drunken Monkey eine der coolesten Bars in der alten, zerrissenen Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil und niedrigsten Durchschnittseinkommen des ganzen Bundeslandes. One, two, three, four, five, six, seven, eight.
So hab ich mir Kalifornien immer vorgestellt, irgendwie. Vor allem Los Angeles, den Süden. Zu heiss für alles Vernünftige. Dafür mehr Latinx als sonstwo in den US of A. Was sich auch in der kontemporären Rockmusik zeigt, erfreulicherweise. Head Cut klingen bei aller Post-Punk-Euphorie eben nicht wie eine Mischung aus The Cure, New Order und einem staubigen, fensterlosen Raum in einem Industrievorort deiner Heimatstadt. Sondern erheblich heisser. Corazón Negro, neues Album.
Post-Punk-Track der Woche. Definitiv. FACS aus Chicago gibt es in der einen oder anderen Version schon seit 10 Jahren, aber der Vorabtrack für das im April kommende Album Still Life In Decay ist mir einen Blogartikel wert. Und ich hoffe, die drei netten Leute kommen nicht in Schwierigkeiten, weil ihr Sound so unamerikanisch ist. Für mich als Europäer natürlich extra sympathisch, und mir fallen sofort The Fall und Joy Division und die britischen frühen Achtziger dazu ein. via treble
Weil das zwar schon oft woanders zu lesen war, nur hier noch nicht: Dry Cleaning aus London sind die Art von Post-Punk, die wir grade brauchen. In der abklingenden Pandemie. Die aber noch mindestens bis Jahresende brauchen wird, bis sie wenigstens so leise geworden ist, dass sie im Hintergrundlärm der anderen Ganz- oder Beinahekatastrophen untergeht. Inzwischen können wir den entspannten vier Londonern (Londoner:innen) zuhören, die uns viel von dem zurückgeben, was (musikalisch) nach ’80 verloren gegangen war. Und den bemerkenswert emotional-dadaistischen Texten von Florence Shaw.
„Many years have passed but you’re still charming Rose falling and exploding and you can’t save the world on your own I guess“ (scratchcard lanyard)