What is killing Music?

Jetzt liegt es an den Aktionären des internationalen Medienkonzerns Universal, die Gagenforderung des Geschäftsführers („CEO“) in Höhe von 139 Millionen Euro zurückzuweisen. 119 Millionen grosse britische Pfund möchte Lucian Grainge gerne für seinen bescheidenen Beitrag zum Untergang der Musikindustrie haben. Einer Industrie, die heute so von der Finanzindustrie blutleer gesaugt wurde, dass wir sie besser beerdigen sollten, das Konzept „Verkauf digitalisierter Musik für Geld“ komplett streichen, und uns auf, ja, auf die Musik konzentrieren. Musik ist nämlich wichtig für unsere seelische Gesundheit. Lucian Grainge dagegen kann meinetwegen ruhig arbeiten gehen für sein Geld.

Das Ende der Piraterie

Ist es vorbei? Über die letzten Jahrzehnte konnten wir dabei zusehen, wie sich die Musikindustrie massiv veränderte: Heute nehmen Musiklabels keine neuen Künstler:innen mehr unter Vertrag, sondern handeln nur noch mit den Veröffentlichungs- und Aufführungsrechten vorhandener Produktionen. Parallel nahm der Kampf der Industrie gegen die sogenannte Piraterie an Bedeutung zu: Unbezahlter Download oder auch nur Konsum von Musik, Film, Kultur und Wissen war nun ein schweres Verbrechen und wurde in spektakulären Aktionen von schwerbewaffneten Polizeieinheiten verfolgt.

Ok. Zeitsprung nach 2024: Die wichtigsten Verbreitungsform für Musik, Film, Text ist Streaming. Die konsumierten geistigen Leistungen sind nicht mehr Besitz der Benutzer:innen, sondern nur noch Lizenz. Die solange gilt, bis die Konzerne ihre Meinung ändern. Was vielfach vorkam, auch bei Büchern. Nun wirft der Gaming-Journalist Luke Plunkett im derzeit besten Gaming-Mag Aftermath die Frage auf: Ist es noch Piraterie, wenn es gar keinen Besitz, sondern nur Benutzung gibt? Ist Schwarzfahren dasselbe wie Strassenbahnen stehlen? Oder sind ehemals rechtliche Begriffe, wie Diebstahl, Raub, einfach bis zur Unkenntlichkeit überdehnt und deswegen kaum noch gültig? Ist es also moralisch ok, Streaming zu nutzen, ohne dafür zu bezahlen? Die „Rechteinhaber“ sind hier anderer Meinung. Aber wenn ich es doch mache, was ist dann? Gestohlen wird dabei ja nichts, sondern nur genutzt. Und wenn ich (legal) Musik auf Youtube höre, dabei aber einen Adblocker (uBlock Origin) im Browser (Firefox) aktiviert habe, so dass keine Werbeeinnahmen generiert werden? Ist das dann auch Piraterie? Wenn es nach den Konzernen geht, ja. Aber seit wann machen Konzerne die Gesetze? Vielleicht, dann, wenn wir jemals eine Bundesregierung aus CDU, CSU, FDP oder Afd haben. Aber das können wir ja verhindern. Bis dahin muss die hier gestellte Frage jede(r) für sich entscheiden.

Musikindustrie: Immer weniger Gewinner

Oben eine Grafik des World Economic Forum vom letzten Jahr, die Entwicklung geht genau so weiter, im vergangenen Jahr wurde ein klein wenig mehrVinyl verkauft, und der Anteil der Umsätze mit Streaming stieg auf über zwei Drittel (67%). Von den Streamingangeboten (screenshot unten: Statista) hält Spotify 30,5 % oder 20% des globalen Umsatzes mit Musik. Apple, Amazon und Tencent (in China) haben jeweils knapp halb so viel wie Spotify. Vom gesamten Streaming Umsatz sind 2022 12,7 Milliarden USD Abos und 4,8 Mrd USD Werbung (Quelle: ifpi). Im Vergleich dazu spielen bezahlte Downloads (ca 1 MRD USD) und Rechteverwertung (Gema, Filme etc, ca 2,5 Mrd) kaum eine Rolle. Jetzt hat Spotify angekündigt, Musikstücke mit weniger als 1000 Streams überhaupt nicht mehr abzurechnen. Nur etwa ein Drittel aller auf Spotify geposteten Musikstücke werden mehr als 1000 mal abgerufen, also bekommen in Zukunft nur die meistgespielten Künstler:innen, ihre Rechteinhaber und die drei grossen Musikkonzerne den ganzen Umsatz von 17,5 Mrd USD. Ist das die Musikindustrie, die wir wollen?

Musikindustrie fast tot, Umsätze wachsen weiter

Die Musikindustrie wird, wie wir alle wissen, seit Jahrzehnten durch Piraterie und Raubkopien in den Tod getrieben. So gründlich sind die Mörder der Musik­ab­teilungen internationaler Medien- und Finanzkonzerne, dass nach aktuellen, offiziellen Zahlen die globalen Umsätze um einen erneuten Rekordwert von 9,7 % gewachsen sind. Ein stetiges, jährliches Umsatzwachstum von knapp 10 Prozent hätten wir allerdings auch gerne. Die Hälfte (47 %) stammt mittlerweile aus Streaming. Wir wissen allerdings im Moment nicht, was aus diesem Geschäftsmodell nach Umsetzung der EU-Copyrightdirektive werden soll.
ifpi via pitchfork, pic cc0 lukas

Die Musikindustrie und ihre nachgewiesen steigenden Gewinne

musicgraph

Die London School of Economics and Political Science hat eine Analyse veröffentlicht, wonch die nach eigenen Angaben kurz vor dem Ruin stehende Musikindustrie in Wirklichkeit langsam wachsende Umsätze und Gewinne schreibt – und das trotz abnehmender Kaufkraft in den unteren und mittleren Einkommensschichten und angesichts einer wachsenden Konkurenz dieses Unterhaltungsformats durch Gaming und Mobilfunknutzung, die beide im Unterhaltungsbudget der Bevölkerungsmehrheit fest verankert sind. „Die Musikindustrie und ihre nachgewiesen steigenden Gewinne“ weiterlesen

Musikindustrie fordert mehr Zensur

In einem dapd-Gastbeitrag forderte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musik­industrie, Dieter Gorny (pic), eine stärkere Zensur von Meinungs­äusserungen von Konsumenten und Nutzern durch die Medien. Er versuchte dazu in seinem Beitrag, Journalisten zu verängstigen, sie als Opfer von Twitter und Co hinzustellen und einen Schulter­schluss für “den Wert des geistigen Eigentums” herbeizureden. „Musikindustrie fordert mehr Zensur“ weiterlesen

Ein Leben nach dem Tod: Limewire

Wie lange geht das noch so? Die Tonträgerindustrie, vertreten durch die US-Lobbygruppe RIAA, hat auf ihrem langen Marsch in die digitale Gegenwart einen weiteren Pyrrhus-Sieg errungen: Limewire, der US-Anbieter des gleichnamigen Gnutella-Filesharing-Clients, muss nach einem aktuellen Beschluss des New York District Court sämtliche Geschäftstätigkeiten mit der genannten Client-Software einstellen. Das verurteilte Unternehmen hat erklärt, dieser Aufforderung nachzukommen und statt dessen einen rechtlich unbedenklichen Musikservice einzurichten. „Ein Leben nach dem Tod: Limewire“ weiterlesen

Filesharing richtet wirtschaftlich keinen Schaden an

Die ORF Futurezone soll zwar nach dem Willen der österreichischen Verlage als lästige Konkurrenz demnächst abgeschaltet werden, hat aber trotzdem noch schnell ein Interview mit dem legendären Harvard-Professor Felix Oberholzer-Gee drin. Dieser hatte 2004 zusammen mit seinem Kollegen Koleman Strumpf die Studie „The Effect of File Sharing on Record Sales An Empirical Analysis“ (PDF) veröffentlicht. „Filesharing richtet wirtschaftlich keinen Schaden an“ weiterlesen

Thom Yorke sieht schnelles Ende der Plattenindustrie

Die Tonträgerindustrie („Plattenindustrie“) als Teil der Musikindustrie, der nach wie vor auf den Verkauf von physischen Datenträgern als Geschäftsmodell setzt, wird nach Ansicht des Radiohead-Frontmanns Thom Yorke „eher in Monaten als in Jahren“ zusammenbrechen. „Thom Yorke sieht schnelles Ende der Plattenindustrie“ weiterlesen

Der Untergang der Musikindustrie begann mit der CD

Von einem Insider sehr schön formuliert: „Das eigentliche Problem der CD war ihre hohe Profitabilität. Die Herstellung einer CD kostet weniger als die von Vinyl, die Preise wurden bei der Einführung aber verdoppelt. Verkauft wurde Anfangs hauptsächlich Katalog, also Aufnahmen welche die Plattenfirmen schon lange bezahlt und verbucht hatten. In der Konsequenz schossen die Margen durch die Decke. “ Genau so war es. Und weiter: „Der Untergang der Musikindustrie begann mit der CD“ weiterlesen

Apple kauft Lala, Music Biz bekommt Überlebenschance

Der Lifestyle-Computer-Anbieter Apple, mittlerweile mit iTunes/ITMS so ziemlich der grösste Musik-Einzelhändler des Planeten, hat das Musikportal Lala.com gekauft. Zunächst keine grosse Sache. Aber von seiner Bedeutung her weit wichtiger als der wahrscheinlich lausige Kaufpreis, der sich am Jahresumsatz von knapp 10 Millionen US-Dollar „Apple kauft Lala, Music Biz bekommt Überlebenschance“ weiterlesen

Gema: Schlimmer als befürchtet

090709gema_tilesKeine Frage, vor langer Zeit (also ungefähr im 19. Jahrhundert) war eine Gesellschaft zur Vertretung der Komponisten mal eine gute Idee. Aber mittlerweile hat sich diese gute Idee zu einem System pervertiert, das rechtsstaatlichen Grundsätzen widerspricht und daher dringend ausser Kraft gesetzt werden muss. Das Gema-Monopol, der Alleinvertretungsanspruch für Musik muss beendet werden. „Gema: Schlimmer als befürchtet“ weiterlesen

Musikindustrie durch niedriges Zinsniveau bedroht

090703StevePorterbigAuf der Jahresversammlung der britischen Music Publishers Association (MPA) in London enthüllte der CEO der Verwertungsgesellschaft PRS for Music, Steve Porter (siehe pic), die aktuelle Hauptbedrohung für die Musikbranche: Der eiingebrochene Leitzins. Ganz klar, das zur Bekämpfung der Finanzkrise stark gesenkte Zinsniveau (in Britannien von 5 auf 0,5 %) drückt auch die Zusatz-Einnahmen der Musikfirmen nach unten. Kaum noch Zinsen auf das viele Geld im „Musikindustrie durch niedriges Zinsniveau bedroht“ weiterlesen

Die zynische Doppelstrategie der Musikindustrie

090309recordsDirekte Frage eines Tech-Journalisten: Warum seid ihr Typen so planlos? Direkte Antwort aus der Chefetage eines Musikkonzerns: Das ist Teil eines grossen Plans, ab 2100 2011 alles anders. Dann ist Musik kostenlos und Filesharing-Dienste werden von uns bezahlt.

Michael Arrington von TechCrunch hatte die Gelegenheit, ein ausführliches Gespräch mit einem „big music label executive“, also einem Top-Manager aus der Musikindustrie zu führen. Und weil der Verlauf der Unterhaltung so enthüllend, und TC nebenbei eine so ernstzunehmende Publikation ist, stelle ich hier „Big Music Will Surrender, But Not Until At Least 2011“ vor. „Die zynische Doppelstrategie der Musikindustrie“ weiterlesen

Wie die Musikindustrie überleben kann

090215grammophonKeine Frage: Die Musikindustrie, wie wir sie kennen, ist auf dem Weg ins Aus. Die vier grossen Konzerne der Branche schreiben Jahr für Jahr zweistellige Verluste, auch die Indies jammern, es ginge bergab. Ist also in wenigen Jahren mit Musik kein Geld mehr zu verdienen? Müssen Musiker schlecht bezahlte Nebenjobs annehmen, um am Wochenende ein wenig musizieren zu können? Die Leute „Wie die Musikindustrie überleben kann“ weiterlesen

USA: Kulturflatrate für Universitäten

081209jimgrifJim Griffin, vom langsam dahinsiechenden Musikkonzern Warner als Retter in der Not engagiert, kommt mit einem bestechenden Plan: Eine neue, unabhängige Verwertungs- gesellschaft namens Choruss (alle guten Namen waren wohl schon weg) soll von jeder Uni weniger als US-Dollar pro Student und Monateinsammeln und an die Rechteinhaber (Urheber oder gerisssene Geschäftemacher) auszahlen. „USA: Kulturflatrate für Universitäten“ weiterlesen

Soulseek vor Gericht

081121soulseekDie französische SACEM, sozusagen die dortige Gema mit einem Jahresumsatz von 759,1 Millionen Euro, hat Klage gegen die Filesharingplattform Soulseek eingereicht. Mit Unterstützung der SCPP, der Vereinigung der in Frankreich vertretenen Musikfirmen. Weil dort Files gesharet werden. Was ja dasselbe ist wie Piraterie. Denkt zumindest die SACEM. Problem: Auf „Soulseek vor Gericht“ weiterlesen