Das Land ohne Krise

Es gibt ein Land ohne Klimakrise, ohne Corona, ohne Wirtschaftsprobleme, ohne Sorgen. Ich war da neulich, mit dem 9-Euro-Ticket. Das Leben dort scheint anders zu sein als in der von mir bewohnten urbanen Dauerproblemzone: Die Sonne scheint, Leute fahren in Segelbooten hin und her, alle schlendern langsam durch die Gegend, es gibt keine Probleme. Nur bekommt man zwischen 14 und 17 Uhr nichts zu essen, weil man in einem oberbayrischen Kaff herumsteht. Warum ist das alles erwähnenswert? Weil es die Situation in unserem Land so pittoresk beschreibt: Ein Teil der 83 Millionen Menschen hier lebt in einer Parallelwelt mit Sonne und Segelbooten, ohne Wasserknappheit oder materielle Sorgen. Mag sein, dass einzelne der an diesem Tag am See chillenden Leute sehr wohl Sorgen kennen, das ist nicht der Punkt. Tatsächlich aber steuern wir gerade gemeinsam in eine nahe Zukunft, in der ein normales Leben (mit anständigem Essen dreimal am Tag plus andere Mindestanforderungen des Alltags) nicht mehr für alle finanzierbar ist, das von einer potentiell tödlichen Epidemie bedroht ist (immer noch 200 Tote täglich, immer noch ein Viertel der Bevölkerung nicht geimpft), das für die nächste Generation riesige Flüchtlingswellen und wahrscheinlich Kriege bereithält, weil dann ganze Länder wegen Überhitzung oder Überflutung evakuiert werden müssen. Der Punkt ist auch nicht, dass sich an diesem Tag am See ein paar Leute einen schönen Tag machen, was sie ja auch sollen, sondern dass immer noch sehr viele Leute sich weigern, die anstehenden, riesigen, gemeinsamen Probleme überhaupt zu sehen. Wer wählt denn diese FDP, die Unionsparteien, die lächerliche Afd, wer setzt denn auf eine seit 150 Jahren vor sich hin schlafende SPD? Das ist zusammengerechnet die Bevölkerungsmehrheit, die einfach so tun möchte, als ob alles prima wäre und zwar für immer. Ok. Aber dann beschwert euch nachher nicht, wenn es auch für euch bitter wird. Was genau diese Mehrheit aber tun wird, und die Schuld bei anderen suchen. Vorsorglich erkläre ich an dieser Stelle: Ich kann nichts dafür. Im Gegenteil. Told you so. pic von mir cc by sa

2021: Eine neue Hoffnung

Liebe Mitbewohner des Planeten Erde! Wir alle freuen uns über diesen willkürlich gewählten Termin eines Neuanfangs. Ok. Viele von uns blicken ausserdem voller Groll zurück auf das vergangene Jahr 2020. Bitte nicht. Ja, richtig, wir hatten im ver­gang­enen Jahr die erste kollektive Krise in unserer Lebenszeit. Weder die „Ölkrise“ 1973 noch die „Flüchtlingskrise“ 2015 waren echte Krisen, sondern nur ein Haufen Blabla. Passiert ist beide Male nichts schlimmes. Jetzt hatten wir mit Covid-19 die erste Pandemie des noch jungen Jahrtausends. Wir werden davon noch mehr sehen, wenn wir so weitermachen mit der Zerstörung unseres Planeten: Je mehr wir in Lebens­gebiete von Wildtieren eindringen, desto grösser ist die Chance, dass wir deren Viren abkriegen. Und je mehr Permafrostboden wir abtauen, desto wahrscheinlich tauen dabei auch Krankheitserreger aus einer Zeit vor Entstehung unserer Spezies auf. Viel Glück uns allen. Vielleicht kriegen wir das ja mit mRNA und anderen neuen Techno­logien in den Griff. Vielleicht hören wir auch endlich auf, Fossilbrennstoffe zu ver­wenden. Wäre echt super, danke. Ansonsten hat uns 2020 viel geschenkt: „2021: Eine neue Hoffnung“ weiterlesen

Es ist Krise, alle gehen Kaffeetrinken

090415cafeDas US-Magazin Newsweek berichtet in seiner Online-Ausgabe (sicher auch irgendwo auf Papier, aber wen interessiert das?) mit erkennbarer Verwirrung über die aktuelle Krise, und ihre nicht erkennbaren Folgen in Deutschland. Während sich die USA im Rezessions-Selbstmitleid rollt und in England und Frankreich gewalttätige Konflikte ausbrechen, zeigen die Deutschen keine Spur von Panik, und sind statt dessen „Es ist Krise, alle gehen Kaffeetrinken“ weiterlesen

Analyst: Trotz Krise von Entlassungen absehen

090304jensbutlerDer Krisenkommentar von Jens Butler, Analyst bei Ovum, liegt eigentlich schon über eine Woche in meiner Inbox, aber ich kann euch solche unerwarteten Worte der Weisheit nicht dauerhaft vorenthalten. Der professionelle Marktbeobachter beschäftigt sich in dieser Pressemeldung mit der Frage: „Bringen Entlassungen von Mitarbeiter wirklich das, was man sich davon verspricht?“ Keine Frage ist, dass seine Antwort „Analyst: Trotz Krise von Entlassungen absehen“ weiterlesen

Krise: Hyundai steigert Umsatz durch Rückgaberecht

090209800px-2009_hyundai_sonata_limitedIn der USA ist der langweilige Mittelklassewagen Hyundai Sonata derzeit eines der meistverkauftesten Autos. Nicht nur, weil er billig ist; die Familienschaukel ist für unter 20.000 US-Dollar (~ 15600 €) zu haben. Umsatzmotor (85 % Steigerung) ist die neue Vermarktungsstrategie der findigen Südkoreaner. Nachdem jeder seinen Schlitten „Krise: Hyundai steigert Umsatz durch Rückgaberecht“ weiterlesen

Krise? Jetzt virtuelle Firmen kaufen!

090123secondlifeobamaDie L.A.Times hatte kürzlich in ihrem Wirtschaftsteil einen Bericht über den Second-Life-Betreiber Linden Lab, und dass er Xtreet and OnRez, zwei Handelsagenturen für virtuelle Güter für eine nicht näher genannte Summe aufgekauft hätte. Die Second Life Ingame-Währung Linden Dollars hat zur Zeit einen Wechselkurs von 262 „Krise? Jetzt virtuelle Firmen kaufen!“ weiterlesen

Krise erfasst Rennsport. Endlich!

081205no_hondaAutohersteller Honda nimmt die aktuelle „Krise“ zum Anlass, mit dem stupiden Im-Kreis-Herum-Fahren aufzuhören. Man will seinen F1-Rennstall verkaufen. Wenn den keiner nimmt… auch egal, machen wir den eben zu. Per sofort. Sagte sinngemäss Honda Präsident Takeo Fukui in einer, wie man hört, „emotionalen Rede“ Und dass sie sich jetzt auf richtige Autos konzentrieren wollen. Find ich mal nicht schlecht. (via BBC)

Schmiert euch eure Krise in die Haare

081125kriseDie Bundeskanzlerin warnt vor einem harten 2009 (und frisiert schon mal die Arbeitslosenstatistik fürs Wahljahr mit einem neuen Gesetz), der IFO-Index (Geschäftsklima) fällt auf ein 15-Jahrestief, „Wirtschaftsweise“ sprechen von der grössten Krise seit dem zweiten Weltkrieg und fordern massive Steuersenkungen, die aber vor allem denen „Schmiert euch eure Krise in die Haare“ weiterlesen